Healing autism spectrum disorder with cannabinoids

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    • raptor wrote:

      Ich bin Konsument, und bin froh auf Cannabis zurück greifen zu können. Ich verstehe das es Menschen gibt die damals dies als Einstiegsdroge deklariert haben, einfach weil es schnell im Umlauf ist und überall zu haben ist.
      Das mit der Einstiegsdroge stimmt sogar, denke ich. Aber auf völlig andere Art als all die Anti-Drogen-Hysteriker meinen.
      Cannabis ist sicher nicht Einstiegsdroge, weil es so gefährlich ist und einen die Wirkung in eine Abhängigkeits-Spirale zieht. Ich halte Alkohol und Nikotin beide für gefährlicher als Cannabis. Für völlig harmlos halte ich Cannabis aber auch nicht. Es hat definitiv ein Abhängigkeitspotenzial, meiner Meinung nach gerade für recht einsame Menschen.
      Cannabis ist meiner Meinung nach deshalb Einstiegsdroge, weil die meisten es über Dealer bekommen. Und die meisten Dealer haben auch noch andere Drogen, da ist die Versuchung mal etwas Ecstasy für die nächste Party zu kaufen recht groß. Da kann aber Cannabis nix dafür. Wenn man Koffein nur über Dealer bekommen würde, wäre auch Koffein eine Einstiegsdroge.
      Wäre Cannabis legal, würde dieses Problem wegfallen.
    • raptor wrote:

      Und wir wissen natürlich auch darüber bescheid das es Menschen gibt mit einem psychisch labilen Zustand die Psychosen bekommen können. Aber überwiegend ist es jedoch harmlos.
      Es hat m.M.n. nicht nur mit der Person zu tun. In Deutschland ist Cannabis für die meisten Leute nur auf einem unkontrollierten Markt erhältlich. Dort dominieren häufig nicht nur jene Sorten, die solange miteinander gekreuzt wurden bis sie den stärksten "Knall" erzeugen, sondern gibt es auch zusätzliche gesundheitliche Gefahren durch nicht nur transportbedingte Verunreinigungen (Kot im Hasch etc.), sondern auch durch Streckmittel. Mit dem ursprünglichen Cannabis, wie man es vielleicht vor wenigen Jahrzehnten noch kannte, hat das nicht mehr viel zu tun. Sorten, die darauf gezüchtet wurden, möglichst viel THC aber zugleich möglichst wenig CBD zu beinhalten begünstigen Psychosen, das kann man m.E. nicht wegreden.

      Auf einem kontrollierten Markt, bei dem man einem Erstkonsumenten eine Sorte mit viel CBD und wenig THC oder einem ausgeglichenem Verhältnis zwischen beidem empfehlen kann, sähe das schon ganz anders aus. Es gäbe die Möglichkeit, sich wie auch bei Alkohol vorsichtig heranzutasten - das erste alkoholische Getränk ist ja auch eher ein Bier oder ein Alkopop und nicht gleich eine Flasche Vodka auf Ex. Diese Möglichkeit gibt es in Bezug auf Cannabis in Deutschland so nur in ärztlicher Absprache und auf Rezept.

      Grundsätzlich ist Cannabis aber eine extrem vielseitige Pflanze. Jede Sorte ist so unterschiedlich, dass ich keine pauschale Gefahreneinschätzung abgeben würde.

      raptor wrote:

      Ich selbst rauche regelmäßig
      Rauchen ist in jedem Falle schädlich. Empfehlen kann man eigentlich nur, sofern es um Blüten geht, medizinisch zertifizierte Vaporisatoren. Wenn die Krankenkasse die Kosten für eine Cannabis-Behandlung übernimmt, übernimmt sie meines Wissens auch die Anschaffungskosten für solch ein Gerät. Damit ist nicht nur eine weniger schädliche, sondern auch eine differenziertere und effektivere Therapie möglich, da man durch Einstellung der Temperatur am Gerät - anders als beim Rauch - nicht alle Wirkstoffe gleichzeitig lösen muss.

      raptor wrote:

      Kann ich eigentlich mit meiner Diagnose auf legalen weg mir ein Rezept aushändigen lassen?
      Mein letzter Stand von vor zwei oder drei Jahren ist, dass keine bestimmte Diagnose vorliegen muss um Cannabis verschrieben zu bekommen. Der Bundestag beschloss damals, dass Ärzte eigenverantwortlich entscheiden müssen, ob eine Cannabis-Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Die Hürde ist also relativ leicht zu nehmen. Wenn die Kosten aber auch von der Krankenkasse übernommen werden sollen, ist das nochmal ein anderes Thema. Vielleicht hat Deine Krankenkasse dazu Infomaterial auf ihrer Webseite (bei meiner ist das der Fall).
      Warum soviele Autos.
      Warum soviele Hunde.
      Brumm, brumm, kläff, kläff, wau, wau, wau!
    • Raptor, es kommt wohl auf den Arzt an, aber ich kenne es eher so, dass die Hürden ziemlich hoch sind. Dass also z. B. ein Schmerzpatient erst einmal andere Schmerzmittel, ein Depressiver erst einmal andere Antidepressiver lange Zeit erfolglos versuchen muss, bevor man so etwas erlaubt.

      Und natürlich ist das verschriebene, reine Zeug nicht vergleichbar mit den Blättern zum Rauchen, die man auf der Straße kaufen kann. Schon gar nicht mit dem gestreckten billigen Zeug in Deutschland, das weit mehr Teer, Nikotin usw. enthält als eine durchschnittliche Zigarette.

      Und qualitativ Hochwertigeres bekommt man praktisch nur in Holland und auch nur, wenn man gezielt nach den richtigen Sorten fragt (und als Ausländer überhaupt bedient wird).
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex wrote:

      ... es kommt wohl auf den Arzt an, aber ich kenne es eher so, dass die Hürden ziemlich hoch sind. Dass also z. B. ein Schmerzpatient erst einmal andere Schmerzmittel, ein Depressiver erst einmal andere Antidepressiver lange Zeit erfolglos versuchen muss, bevor man so etwas erlaubt.
      Leider ist das die Realität. DEN Arzt zu finden ist nicht leicht. Hausärzte scheiden schon wegen dem Budget für eine Kassenübernahme meist aus. Schmerzärzte und Neurologen mit Substitutionshintergrund haben andere Möglichkeiten. Vorausgesetzt, sie sind einer Verordnung nicht abgeneigt und dazu noch gewillt die Übernahme zu Unterstützen. Auf Privatrezept ist eine Verordnung einfacher zu bekommen. Manche Ärzte haben hier schon einen einschlägigen Ruf.

      Lex wrote:

      Und natürlich ist das verschriebene, reine Zeug nicht vergleichbar mit den Blättern zum Rauchen, die man auf der Straße kaufen kann. Schon gar nicht mit dem gestreckten billigen Zeug in Deutschland, das weit mehr Teer, Nikotin usw. enthält als eine durchschnittliche Zigarette.


      Und qualitativ Hochwertigeres bekommt man praktisch nur in Holland und auch nur, wenn man gezielt nach den richtigen Sorten fragt (und als Ausländer überhaupt bedient wird).
      An Streckmittel landete schon jeder Dreck bis hin zu Blei auf den Blüten. In letzter Zeit wohl auch öfters synthetische Cannabinoide, sogenannte research chemicals mit undefinierten Nebenwirkungen, auf Industriehanfblüten als Träger. Das mag vielleicht knallen, ich würde aber jedem davon abraten aus unbekannter Quelle zu kaufen. Unbekannte Quelle bedeutet auch der Freund, welcher die Pflanzen nicht persönlich kannte.

      In Amsterdam konnte ich das Bluebird als Coffeeshop empfehlen. Das war zumindest 2009 noch kompetent und hatte neben guter Qualität einen Nichtraucherbereich mit Vaporisern. Und immer frischer Minze für den Tee.
    • @Lex Jetzt verstehe ich erst, wo wir uns missverstanden haben.

      Ich hatte von niedrigen Hürden gesprochen, weil sie früher so sehr viel höher waren. Das bezog ich aber auf die rechtliche Komponente, nicht auf die praktische beim Durchschnittshausarzt.

      Lex wrote:

      ich kenne es eher so, dass die Hürden ziemlich hoch sind. Dass also z. B. ein Schmerzpatient erst einmal andere Schmerzmittel, ein Depressiver erst einmal andere Antidepressiver lange Zeit erfolglos versuchen muss, bevor man so etwas erlaubt.
      Bis 2017 war das auf jeden Fall so, da musstest Du Dir das auch noch von der Bundesopiumstelle genehmigen lassen und die haben wirklich extrem hohe Hürden angelegt. Danach gab es aus rein rechtlicher Perspektive gar keine Hürden mehr in Form von bestimmten Diagnosen und bereits probierten Therapien, worüber die Ärzte aber auch nicht gerade glücklich waren. Klare Indikationen waren eigentlich erwünscht. Auf einmal durfte es z.B. einfach so als Bedarfsmedikament in der Psychiatre gegeben werden (soll nicht heißen, dass es getan wurde). Mit der Kostenübernahme ist es aber komplizierter.

      https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html wrote:

      (6) Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon, wenn

      1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung

      a) nicht zur Verfügung steht oder
      b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann,

      2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

      Das ist recht offen gehalten und mit der Bundesopiumstelle muss man auch nicht mehr diskutieren. In der Praxis wird ein Arzt, zumal wenn er sich nicht mit Cannabis auskennt - da gebe ich Dir vollkommen Recht - natürlich erst einmal andere Mittel versuchen (sofern es sie denn gibt). Wahrscheinlich nicht zuletzt im Sinne des Patienten, der eine Cannabis-Behandlung vielleicht gar nicht selbst bezahlen kann. Die Krankenkassen wiederum haben nämlich recht konkrete Vorstellungen davon, welche Indikationen vorliegen müssen und wie denn die Studienlage bei dem Krankheitsbild, welches mit Cannabis behandelt werden soll, denn überhaupt aussieht bevor die Kosten dafür übernommen werden. Da sind die Hürden u.U. also immer noch sehr hoch. Meine Krankenkasse würde vor einer Bewilligung Ärzte des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) einbinden um prüfen zu lassen, ob eine Behandlung mit Cannabis angemessen ist. Mein Arzt müsste den Antrag auf Cannabis-Therapie also schon gut begründen. Hinzu kommt, dass man - sofern die Therapie bewilligt wird - an einer Begleitstudie teilnehmen muss. Spätestens da würden viele Ärzte wohl abwinken, da es zusätzlichen Aufwand bedeutet den therapeutischen Verlauf zu dokumentieren. Der Arzt muss also schon recht überzeugt davon sein, dass ausgerechnet Cannabis das richtige Mittel gegen Kopfschmerzen ist und es nicht auch Asprin tut ;) Da sind wir uns einig. Wenn er aber davon überzeugt ist, sind die Hürden für zumindest ein Privatrezept aber nicht mehr so hoch. Vor 2017 konnte er zwar davon überzeugt sein, aber der Patient bekam dennoch kein Cannabis. Daher hatte ich da eine etwas andere Perspektive drauf.
    • Bundesärztekammer wrote:

      Frage 1: Für welche Patienten dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden?

      [..]

      Welche Erkrankungen als „schwerwiegende Erkrankung“ zu bewerten sind, wird weder im Gesetzestext noch in der Gesetzesbegründung näher ausgeführt. In anderen Kontexten des SGB V wird eine Krankheit jedoch
      dann als schwerwiegend verstanden, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörungen die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt (vgl. dazu § 34 Abs. 1 SGB V und § 35 Abs. 2 SGB V). Eine Eingrenzung der Indikationsgebiete enthält das Gesetz in § 31 Abs. 6 SGB V nicht.
      Siehe hierzu die nachfolgenden Hinweise zu Frage 6.

      [..]

      Frage 6: Bei welchen Indikationen können cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden?

      Das Gesetz macht keine Vorgaben zu den für eine Verordnung zugelassenen Indikationen. Zu den Voraussetzungen für eine Verordnung bei einer schwerwiegenden Erkrankung siehe Frage 1 und 2.
      Ob der Autist Autist ist oder nicht, ist also zuallererst einmal egal. Aus rechtlicher Perspektive.

      Aus ärztlicher Perspektive könnte Autismus aber mangels anderer Medikamente schon eher ein Grund dafür sein, ausgerechnet Cannabis zu verschreiben.

      Aus Sicht der Krankenkasse mag man dafür die Kosten aber vielleicht nicht übernehmen.
    • Moment mal, in dem Zitat steht nur, dass schwer zu bewerten ist, ob eine Krankheit schwerwiegend ist. Aber Grundlage ist doch zumindest, dass überhaupt eine Krankheit vorliegt. Also wenn der Autist nicht krank ist, wie soll er dann Cannabis verschrieben bekommen? Das meine ich!
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    • Da müssten wir jetzt wohl eine Diskussion führen, die ich eigentlich vermeiden wollte. Ob es bei einem Autisten im diagnostischen Sinne überhaupt möglich ist, dass es nicht zutreffend ist, dass "aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörungen die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt" ist. Autismus im psychiatrischen Kontext fordert immerhin schwerwiegende Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen (sinngemäßes Zitat aus DSM-5 und ICD-11), andernfalls kann die Diagnose nicht vergeben werden.

      Aber am Ende ist es wohl auch egal. Wenn ein Mensch keinen Leidensdruck verspürt, darf und soll er natürlich auch kein Cannabis verschrieben bekommen. Er würde nicht einmal zum Arzt gehen. Wenn er aber Leidensdruck hat, ist es egal ob Autist oder nicht. Er kann auch "nur" eine Depression haben. Es ist nicht mehr so, dass er dann erst sämtliche Antidepressiva o.ä. ausprobieren muss, bevor Cannabis in Frage kommen kann. Er kann direkt Cannabis verschrieben bekommen, das meinte ich. Das war bis 2017 nicht einmal denkbar.
    • Man kann ja durchaus aufgrund von Autismus Schwierigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen und damit verbundenen Leidensdruck haben, ohne zugleich auch noch Gesundheitsstörungen zu haben...
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    • Dr. L84 wrote:

      Sorten, die darauf gezüchtet wurden, möglichst viel THC aber zugleich möglichst wenig CBD zu beinhalten begünstigen Psychosen, das kann man m.E. nicht wegreden.
      Ich glaube, ich kenne einen solchen Fall (Cannabis-induzierte Psychose).

      Hast du vielleicht mehr Informationen dazu für mich?
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • Lex wrote:

      Man kann ja durchaus aufgrund von Autismus Schwierigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen und damit verbundenen Leidensdruck haben, ohne zugleich auch noch Gesundheitsstörungen zu haben...
      Natürlich. Die Frage wäre dann, was überhaupt behandelt werden soll, wenn man eine Cannabis-Therapie anstrebt. Man könnte "nur" Komorbiditäten damit behandeln wollen, aber auch Autismus selbst. Einer Verschreibung durch den Arzt steht da rein rechtlich jedenfalls nichts mehr im Wege. Die ehemals hohen Hürden wie "erst einmal alles ausprobieren, was nicht Cannabis ist" sind weggefallen.

      Capricorn wrote:

      Ich glaube, ich kenne einen solchen Fall (Cannabis-induzierte Psychose).

      Hast du vielleicht mehr Informationen dazu für mich?
      Viel beschäftigt habe ich mich damit nicht, vielleicht wissen da andere hier mehr dazu. Unstrittig ist aus meiner Sicht aber die Gefahr durch die hochgezüchteten Sorten.

      Quarks wrote:


      Cannabis ist nicht gleich Cannabis, es kommt auf die Zusammensetzung der Droge an. Für den Rausch beim Kiffen ist die psychoaktive Substanz THC verantwortlich. Der zweite Hauptwirkstoff ist Cannabidiol (CBD), dem
      eine entspannende bis angstlösende Wirkung nachgesagt wird und der die Wirkung von THC sogar abschwächen soll. Viele hochgezüchtete Cannabissorten für den Freizeitkonsum enthalten heute aber nur noch sehr
      wenig CBD.

      Dagegen haben gezielte Züchtungen in einigen europäischen und amerikanischen Ländern zu einem enormen Anstieg der THC-Konzentration in Cannabispflanzen geführt: Von ehemals etwa drei Prozent bis heute auf teilweise über 16 Prozent. Diesen Trend bestätigt auch eine britische Studie, die den THC-Gehalt von polizeilich beschlagnahmtem Cannabis analysiert hat. [...]

      Eine Studie auf der Basis von Daten aus elf europäischen Ländern und Brasilien zeigt: In Regionen, in denen es verbreitet ist, täglich Cannabis mit einem THC-Gehalt über zehn Prozent zu konsumieren, erkranken mehr Menschen an Psychosen. Die Forscher schätzen deshalb: Würde hochpotentes Cannabis vom Markt verschwinden, könnten 12 Prozent der Neuerkrankungen an Psychosen verhindert werden – in London sogar bis zu 30 Prozent und in Amsterdam 50 Prozent.

      Drugcom (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) wrote:

      In einer Studie aus Großbritannien konnte nachgewiesen werden, dass nicht nur der THC-Gehalt mit der Züchtung steigt, sondern im Gegenzug auch der Anteil an Cannabidiol (CBD) abnimmt. [..] Cannabidiol selbst hat keine psychoaktive Wirkung, es kann aber den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abmildern und würde eine gewisse Schutzfunktion gegen psychotische Effekte mit sich bringen. Konsumierende fühlen sich dann eher entspannt bis schläfrig. Durch die Abwesenheit von Cannabidiol wird der Rausch deutlich intensiver und halluzinogener. Dies erhöhe nach Ansicht der Autoren das Psychoserisiko, da die Dosis - wie oben erläutert - hierbei eine Rolle spielt.

      Das ist für mein Empfinden aber auch mehr oder weniger so gewollt. Das Ziel bei diesen Züchtungen ist zwar vielleicht nicht, direkt eine Psychose auszulösen, aber eben möglichst stark zu knallen und sich so auf dem Markt durchzusetzen. Das merkt man teils auch an den Namen, die die Sorten tragen (z.B. "AK-47"). Die Nachfrage wiederum ist auf dem Schwarzmarkt ja auch dafür da. Sanftere Sorten werden als "ballert nicht" verschmäht und können sich nicht durchsetzen. Als ich zuletzt bei einem Dealer war, hatte er nur noch solche Sorten im Angebot, die möglichst stark psychoaktiv wirken sollten. Keine einzige mehr, mit der man einfach nur entspannen und einschlafen könnte (hatte er früher). Die würden seine Leute nicht kaufen, meinte er.

      Das ist eine tragische Entwicklung, weil Cannabis ja sogar das Potential hat, Psychosen und Schizophrenie zu behandeln. Bei den Sorten, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind, werden aber eher welche ausgelöst.

      Deshalb finde ich es schwierig, wenn allgemein von "Cannabis" geredet wird: wenn "Cannabis" wegen Psychosegefahr als gefährlich eingestuft wird und daher nicht legalisiert werden dürfe. "Cannabis" hat es gar nicht vorgesehen, möglichst viel THC und möglichst wenig CBD zu haben. Andersherum kann ich "Cannabis" deswegen auch nicht als "überwiegend harmlos" einstufen. Vielleicht trifft das auf die Sorten zu, die ein Hippie früher geraucht hat. Und natürlich trifft es auch weiterhin auf Sorten zu, die man auf dem Schwarzmarkt nicht findet - und sei es nur der sogenannte Industriehanf, der keine berauschende Wirkung hat.

      Am ehesten sinnvoll erscheint mir z.Zt. eine Klassifizierung über das Verhältnis von CBD:THC. In den Studien bei autistischen Kindern wurde oft 20:1 probiert. Vielleicht wäre auch 10:1, 5:1 oder gar 1:1 interessant (dann aber nicht bei Kindern). Bei den Sorten auf dem Schwarzmarkt reden wir eher von einem umgekehrten Verhältnis.

      Es gibt ja aber auch als Medikament Dronabinol (isoliertes THC). Da hat man dann also ein Verhältnis von 0:1. Halte ich auch für gefährlich und stelle ich mir äußerst unangenehm vor. Als häufige Nebenwirkungen werden u.a. Verwirrung, Halluzinationen, Paranoia angegeben.
    • Hallo zusammen,

      bin jetzt längere Zeit nicht im Forum aktiv gewesen und wollte mich hiermit zurückmelden.

      Bin zur Zeit in der ersten Woche in einer psychosomatischen Reha und hab ein wenig Zeit zum lesen, der Beitrag hat mich angesprochen und wollte meine Erfahrungen mit euch teilen.

      Hier in dem Thread stehen tolle Beiträge, dachte schon das ich mich gut mit dem Thema Cannabis auskenne, aber ihr toppt das bei weitem ...

      Habe mich im Mai letzten Jahres von Frau Preißmann diagnostizieren lassen, dabei kam raus dass sie einen Verdacht auf AS hat, sie sagte dass ich es so stehen lassen sollte, vielleicht aus gutem Grund.
      ———————-
      Hatte mit 27 Jahren eine drogeninduzierte Psychose, mit Cannabis, das war 2002, danach nochmals einen Schub 2006 und zuletzt einen 2016. Eindeutige Diagnose: Schizophrenie.
      2002/2016 weit davon entfernt Cannabis konsumiert zu haben. 2002 das Neuroleptika Risperdal bekommen. Beim zweiten Schub hatte ich bestimmt ein Jahr zuvor kein Risperdal mehr genommen, auf anraten meines damaligen Therapeuten haben wir das abgesetzt, war ja für ihn eine drogeninduzierte Psychose gewesen.
      Seit 2006 das Neuroleptika Abilify, der Wirkstoff ist Aripiprazol, bekommen was ich bis zum heutigen Tage einnehme. Also der dritte Schub trotz Neuroleptika, damals glaube ich einmal 10mg täglich, heute bin ich bei 20 mg am Tag.

      Worauf will ich hinaus, vielleicht das ich mit dem Feuer spiele (RW). Konsumiere wieder Cannabis, seit gut drei Jahren. Aktuell nicht, habe hoffentlich rechtzeitig aufgehört, wollte die Reha nicht gefährden.
      ————————
      Durch einen Tipp im Sommer letzten Jahres relativ zügig einen Platz in der Autismussprechstunde im ZI Mannheim bekommen, Ende Dezember 2020 dann das Ergebnis, Ausschluss AS ...
      habe aber im Vorfeld schon gesagt, dass ich keinen großen Wert auf das Ergebnis im ZI Mannheim lege, meine letzte Anlaufstelle ist dann jetzt wirklich die letzte, die Uni Köln. Die haben laut Webseite eine Wartezeit bis zu 14 Monaten. Letztes Jahr im Mai war die Anmeldung, kann also jetzt im Sommer was draus werden ...

      Versuche mich jetzt kurz zu fassen, will euch ja nicht langweilen ...
      Merke auch gerade wie ich wieder sprunghaft in meinen Gedanken bin ...
      will ja versuchen nichts auszulassen.

      Habe meine Psychiaterin vor gut zwei Jahren gewechselt, der Cannabiskonsum kam bei der alten nicht gut an, von wegen Verheimlichung, Vertrauensverlust, und Schizophrenie und Cannabis geht ja wohl gar nicht ... naja, meine derzeitige Psychiaterin über Cannabisärzte im Netz gefunden, heute sucht man sie dort vergeblich, hat ihr Kontingent an Cannabispatienten ausgeschöpft, wie sie sagt.
      Jedenfalls geht sie wegen meines Konsums nicht gegen mich vor. Muss dazusagen, dass sie aber vor gut einem Jahr noch nicht einmal von dem Medikament Epidyolex wusste. Hatte da recherchiert, will ja auch irgendwie weg von Neuroleptika, also Epidyolex bei Schizophrenie ...

      2008 vermutete meine damalige Therapeutin, dass ich eventuell ADS haben könnte und Cannabis als Selbstmedikation genommen habe und ja ich nehme es wieder auch wenn ich gerne verschiedene Sorten ausprobieren würde, eher die CBD lastigen ... antipsychotische Wirkung war mein Wissensstand. Aber mit der Diagnose Schizophrenie bleibt mir das versagt, Blüten sowieso, Auch wenn es CBD Sorten gibt mit zB 1:16 THC:CBD

      Aber CBD ist ja nicht alles wie ich hier gelesen habe.

      ——————
      Abschließend möchte ich noch loswerden, dass ich es schade finde, dass ich zB mehr über Epidyolex wusste als meine Psychiaterin.
      Im Rahmen meines Rehaantrags musste auch ein Sozialbericht eingeholt werden, also bin ich zum Drogenverein Mannheim und hab mir bestätigen lassen, das keine 6 monatige Suchtklinik nötig ist, sondern ich, wie auf anraten meiner Psychiaterin, gleich in eine psychosomatische Reha kommen kann. Der Sozialarbeiter vor Ort hatte aber auch noch nie was vom „Schildower Kreis“ gehört, ein Wissenschaftskreis der in meinen Augen ziemlich interessante Standpunkte zur generellen Drogenproblematik darstellt. Gabs Ende 2019 den ersten antiprohibitionistischer Kongress, wen es interessiert, youtube hats.

      So, bin raus, ist doch kein allzu großer Erfahrungsbericht geworden ...
      „we must never stop watching the sky with our hands in our pockets“
      (the weakerthans)
    • Sorry aber ich hatte diese Cannabis-Schizophrenie-Kombi in der direkten Nachbarschaft und es endete damit, dass der junge Mann nach einigen Jahren des Leidens und seine Familie in Verzweiflung treibens (Gewalttätigkeit gegen Familienmitglieder, starke Depression, Zerstörung von Hauseinrichtung, halbnacktes draußen rumlaufen, Selbstmordversuche mit teils drastischen Folgen, Gefasel von Dämonen, Einflüsterungen, "Selbstgespräche" etc.) sich umgebracht hat. Und sein gleichaltriger Dealer ist auch voll abgedreht und psychotisch geworden von dem Zeug und beide haben irgendwie nichts zuwege gebracht im Leben. Das hat mich in meiner ohnehin schon negativen Haltung gegenüber Drogen deutlich bestärkt.
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    • @Lex
      würde in meiner naiven Sicht auf die Dinge behaupten, dass wenn es richtige Aufklärung geben würde, so wie ein Beipackzettel, zu welcher Droge auch immer, zB wie es Alice im deutschsprachigen Raum anbietet, könnte man sich ein ganz eigenes Bild machen und sich dann bei Realitätsverlust selber in die Klinik begeben. Wie schon gesagt, dass sind die Horrorgeschichten die jeder Gegner einer liberaleren Drogenpolitik gerne vorbringt, auch wenn es aus dem persönlichen Erfahrungsschatz herrührt. Wissenschaftlich belegt ist, das Alkohol und Tabak viel schlimmer sind als Cannabis.
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      (the weakerthans)
    • Er war mehrfach in ner Klinik, aber dennoch...
      Ich hatte versucht ihn zu ner Langzeittherapie in ner Spezialklinik zu überreden aber leider erfolglos. Das ist die Kurzfassung.
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    • Wer eine schwere Psychose hat, kommt da erstmal ohne Medikamente schwer wieder raus, will ich mal behaupten, da gebe ich dir recht. Aber das in einer Psychose erlebte ist für die Person zu 99,9% real. Ich fühlte mich wie der Hauptdarsteller in dem Film "trueman show" der realisiert, dass er die einzige reale Person ist, das alles um mich herum gefakt ist, das war mein Film ...
      Deshalb im Vorfeld aufklären, dann hat man auch eine Erklärung für Ereignisse die man vorher im Leben nicht kannte, die einen aber so aus der Bahn bringen können. Aber ich lenke vom eigentlichen Thread ab, will ich nicht! Genug gesagt, von meiner Seite aus ...
      „we must never stop watching the sky with our hands in our pockets“
      (the weakerthans)
    • Er hatte immer mal wieder verschroebene Medikamente aber sie auch immer mal wieder abgesetzt und auch immer wieder Cannabis genommen. Wie das halt so ist. Und die Medikamente sind auch kein Wundermittel, können Nebenwirkungen haben und all das. Ich schätze letztenendes hat die Depression ihn umgebracht.
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