Healing autism spectrum disorder with cannabinoids

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    • Hutmacher wrote:

      Dass die Unterschiede zwischen Indica und Sativa, wie in dem Artikel genannt, nicht konsistent und zur Unterscheidung ungeeignet sind, da stimme ich ebenfalls voll zu.
      Denn die verschiedenen Züchtungen lassen sich anhand des Wuchses nicht (mehr) in eine Gruppe mit spezifischer Wirkung einordnen. Es sind weitestgehend Hybriden mit komplett anderer Wirkstoffverteilung.
      Nichtsdestotrotz haben reine Sativa Sorten eine sich von reinen Indica unterscheidende Wirkung. Eine Thai ist typisch Sativa, hingegen Afghan Kush erkennbar Indica - in Wuchs und auch Wirkung.
      Bei den Hybriden stimme ich zu, bei den anderen bin ich mir nicht sicher. Vielleicht müsste die zukünftige Unterscheidung eher in die Richtung gehen von: diese Sorte hat sich in Thailand entwickelt, diese Sorte am Hindukush, diese in Kolumbien, ... ich meine, die Wirkung bzw. verschiedenen Terpene-Profile sind ja halt ohnehin viel zu divers, um sie unter zwei Begriffen subsumieren zu können, die zumindest in Bezug auf Wirkung so auch keinen richtigen Sinn ergeben. Es ist ja tatsächlich nicht so, dass Indica zwingend sedierend ist, wie es aber viele vermuten. Das wirklich Spannende an Cannabis ist ja die extreme Vielseitigkeit, dass jede Sorte anders wirkt. Dazu wirken die Sorten auf wenn zwar nicht jeden, dann doch aber bei vielen wieder unterschiedlich. In meinem früheren Bekanntenkreis wurde eine bestimmte Sorte zum "einfach nur auf der Couch sitzen und einen Film schauen" favorisiert. Im Gegensatz zu allen anderen war mir das mit der Sorte aber genau nicht möglich, ich machte stattdessen Sportübungen, räumte stundenlang mein Zimmer auf und war bis zum frühen Morgen wach. Während andere "abschalteten" und sich kaum wachhalten konnten, wurde ich erst richtig aktiv, als hätte ich 100 Kaffee getrunken. Für mich persönlich machte die Unterscheidung "hier hast Du Sativa, damit kannst Du tanzen gehen und hier hast Du Indica, damit kannst Du chillen" daher eh nie Sinn. Wenn die Forschung zum Schluss kommen sollte, dass es tatsächlich eine typische Sativa- und Indica-Zusammensetzung und -Wirkung geben sollte lasse ich mich darauf natürlich ein, aber bisher sieht es für mich nicht danach aus. Die Terpenenprofile scheinen entscheidender zu sein.

      Vielleicht hast Du auf einer akademischen Ebene aber auch Recht. Ich versuche, aus der Sicht eines potentiellen Patienten auf die möglichen/erhältlichen Sorten zu schauen. Ich weiß nicht, ob die Liste hier noch aktuell ist, die die verschiedenen in deutschen Apotheken erhältlichen Sorten aufführt: leafly.de/cannabissorten-in-apotheken/ Dort sind ebenso Sativa- wie auch Indica-Sorten gelistet, die einen extrem niedrigen CBD-Gehalt haben als auch andersherum. Wenn das Anwendungsgebiet chronische Schmerzzustände lautete, käme eine Indica- ebenso wie eine Sativa-Sorte in Frage. Bei einer Sativa-Sorte, die einen hohen THC- und niedrigen CBD-Gehalt hat - bei der man also anhand der traditionellen Indica/Sativa-Unterscheidung wohl vermuten würde, dass sie "aktiv" macht - steht: "Diese Cannabissorte soll einen hohen Anteil des Terpen Mycren enthalten. Infolge dessen kann sich eine beruhigende Wirkung entfalten.". Ich weiß daher wirklich nicht, ob man die Unterscheidung Indica/Sativa zukünftig so noch machen sollte.


      All das spricht aber natürlich auch noch mehr dafür, nur unter ärztlicher Aufsicht Medikationsversuche zu unternehmen. Möglicherweise müssen erst ein paar verschiedene Sorten getestet werden, bis es "die richtige" für einen ist. Was bei anderen Medikamenten ja aber auch nicht anders ist, wie oft hat man schon etwas gehört wie "Antidepressivum hat nicht angeschlagen, nur lauter unerwünschte Nebenwirkungen, also versuchen wir ein anderes".

      Zu Deiner persönlichen Situation: hast Du Erfahrungen mit Vollspektrumextrakten aus Sorten mit extrem niedrigen THC-Gehalt, die als "CBD-Öl" verkauft werden?
    • Dr. L84 wrote:

      Bei den Hybriden stimme ich zu, bei den anderen bin ich mir nicht sicher. Vielleicht müsste die zukünftige Unterscheidung eher in die Richtung gehen von: diese Sorte hat sich in Thailand entwickelt, diese Sorte am Hindukush, diese in Kolumbien, ... ich meine, die Wirkung bzw. verschiedenen Terpene-Profile sind ja halt ohnehin viel zu divers, um sie unter zwei Begriffen subsumieren zu können, die zumindest in Bezug auf Wirkung so auch keinen richtigen Sinn ergeben. Es ist ja tatsächlich nicht so, dass Indica zwingend sedierend ist, wie es aber viele vermuten.
      Eas macht tatsächlich keinen Sinn, die genetische Vielfalt auf zwei Begriffe aufzuteilen. Das ist, wie alle Speisen unter Hauptspeise und Nachspeise einzuteilen. Süß und nicht süß, der Unterschied ist eindeutig erkennbar, der wahrgenommene Geschmack muss aber differenzierter und vor allem aus Sicht des Individuums betrachtet werden.
      Wie du auch erkannt hast, wirken die unterschiedlichen Sorten auf jeden anders und teilweise komplett gegensätzlich, das deckt sich mit meiner Erfahrung und führte schon zu Abende füllendem sinnieren über die empfundene Wirkung. Manche Menschen scheinen wie ich eine viel sensiblere Wahrnehmung zu haben, andere erkennen dagegen keine Unterschiede.

      Wenn jemand eine sensible Wahrnehmung für die Wirkung hat und ansatzweise in der Lage ist, die Wirkung "wissenschaftlich zu erforschen", zu differenzieren und die Auswirkungen beobachten kann, dann hat der Arzt / Therapeut einen entscheidenden Vorteil bei der Suche nach der richtigen Sorte.
      Ist dem Patienten dies nicht möglich, und dazu der Arzt nicht in der Lage die Bedeutung der Vielfalt dieser Pflanze zu verstehen, und/ oder keine Zeit hat auf den Patienten einzugehen, dann kann der Fall sein, dass sie Medikation absolut kontraproduktiv ist. (wie mit vielen synthetischen Medikamenten auch)
      Meiner Meinung nach, kann Cannabis ohne persönliches Interesse und Erfahrung des Arztes bei unerfahrenen oder unsensiblen Patienten nicht sinnvoll eingesetzt werden.

      Privat gehe ich bei jeder in Frage kommenden Substanz / Zubereitung, nach eingehender Recherche und Abwägung des Risikos, nach folgendem Schema vor:
      Ich benötige eine für die Versuchsreihe ausreichende / nennenswerte Menge mit gesicherter Reinheit und konsistenter Potenz (notfalls breite ich das vorhandene Material dahingehend auf).
      Ich nehme je nach Bandbreite des als sicher bekannten Dosierungsbereichs eine entsprechende Teilmenge der kleinsten als bekannt initial wirksamen Menge.
      Wenn mir die Potenz nicht bekannt ist, dann taste ich mich langsam an eine minimal spürbare Wirkung heran.
      Von dieser Dosis ausgehend erhöhe ich schrittweise mit jeweils einem längerem Zeitraum dazwischen (auch bereits bei der Ermittlung der geringsten wirksamen Dosis), um Toleranzeffekte auszuschließen und die Nebenwirkungen beobachten zu können. So kann ich rechtzeitig erkennen, ob ich entweder besonders Sensibel darauf reagiere, oder sich Nebenwirkungen einstellen, welche weitere Versuche ausschließen. (körperlich und psychisch)
      Jede Substanz ist für mich eine neue Studie. Medikamente, welche ihre Wirkung erst nach einer unbestimmten Zeit entfalten, mit Nebenwirkungen, welche sich mit der Zeit "legen" sollen, lehne ich nach entsprechend schlechter Erfahrung ab.
      Medikation kommt für mich bisher nur zur akuten und zeitlich begrenzen Behandlung in Frage. Nebenwirkungen, welche ich für mich als nicht tolerierbar empfinde, schließen eine längere Behandlung aus.
      Meine Beobachtung: die Person, welche das Medikament verordnet, hat keinerlei persönliche Erfahrung damit und folgt oftmals lediglich dem Marketing des Vertriebs.
      Individuelle Probleme kann diese Person während eines kurzen Gesprächs nicht ansatzweise erfassen und dahin gehend auch nicht adäquat darauf eingehen.


      Dr. L84 wrote:

      Zu Deiner persönlichen Situation: hast Du Erfahrungen mit Vollspektrumextrakten aus Sorten mit extrem niedrigen THC-Gehalt, die als "CBD-Öl" verkauft werden?
      Ich habe das Vollspektrumextrakt von Nordic Oil. Der THC Gehalt, sofern vorhanden, ist vernachlässigbar (Analyseauszüge sind meines Wissens auf Anfrage erhältlich).
      Der CBD-Gehalt ist mit 40% angegeben, was in dieser pastösen Zubereitung für empfindliche Personen aber schwer zu dosieren ist. Verdünnung mit Ethanol ist möglich, erfordert aber etwas Sorgfalt.
      Olivenöl funktioniert auch, das würde ich aber wegen der Haltbarkeit nicht verwenden und bei der Verdünnung von Kleinstmengen zur direkten Verwendung besteht das Problem des genauen Abwiegens.
      Selbst mit einer entsprechend genauen Waage verbleibt dann doch ein u.U nennenswerter Teil am für das Wiegen verwendeten Träger. (dies funktioniert besser bei Ethanol, da eine höhere Löslichkeit besteht)
      Daher: wenn kein entsprechendes spezielles Interesse für solcherlei Experimente besteht - lieber eine niedriger potente Variante wählen und den Aufpreis in Kauf nehmen.


      Wenn du tiefer auf diese Themen eingehen willst, darfst du dich gerne per PN bei mir melden. Ich bin mir unsicher, ob meine Ausführungen nicht noch von jemandem als Anstiftung zu irgendetwas gedeutet werden können.
      Ich bin weder Arzt, noch Pharmakant, es ist lediglich ein langjähriges und doch etwas spezielles Interesse...

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    • Hutmacher wrote:

      Ich bin mir unsicher, ob meine Ausführungen nicht noch von jemandem als Anstiftung zu irgendetwas gedeutet werden können.

      Ich denke, dass wir uns kaum noch klarer von illegal erhältlichen Substanzen abgrenzen können und ein Erfahrungsaustausch über CBD/Cannabis und Autismus nicht nur möglich sein, sondern auch stattfinden muss. Die Forschungsergebnisse der letzten zwei Jahre in dieser Richtung sind schlicht bahnbrechend.

      Bislang ging es in den Studien zwar "nur" um autistische Kinder, aber umso durchschlagender ist die Veränderung für manche Eltern, deren Kind sich auf einmal nicht mehr selbst verletzt, sich selbstständig anziehen kann, Augenkontakt hält, lächelt usw. und sie bis dahin keine Mittel hatten und keine Hoffnung sahen. Natürlich reden wir dabei nicht von 100% Erfolgsquote bei jedem "Schweregrad" und auch sind noch Dinge im Unklaren (eigentlich sollte man Heranwachsenden ja kein Cannabis geben, was mögen die langfristigen Folgen bei autistischen Kindern sein?), aber ich denke es wäre unverantwortlich, all das nicht zu thematisieren. Wenn das Forum hier etwas mit Autismus zu tun haben will, wird Cannabis in den nächsten Jahren vermutlich das Topthema sein.

      Ich finde es mehr als ärgerlich, dass viele der neueren Arbeiten zu diesem Thema nicht frei zugänglich sind. Eine freie Arbeit über die Rolle des Endocannabinoid-Systems in Bezug auf Autismus aus 2019 habe ich noch hier gefunden: researchgate.net/publication/3…ts_Relationship_to_Autism

      Interestingly, increased ECS signaling leads to an anti-inflammatory, neuroprotective phenotype in microglia. Here, we review the literature and propose that ECS signaling represents a largely untapped area for understanding microglial biology and its relationship to ASD, with special attention paid to issues surrounding the use of recreational cannabis (marijuana). We also discuss major questions within the field and suggest directions for future research.
      Ich würde schon gerne wissen, zu welchen Schlüssen man in den neueren Arbeiten gekommen ist. Ernüchternd scheinen sie aber nicht zu sein. Zu einer aktuell noch laufenden Studie an autistischen Kindern ließ jemand in einem Interview vor wenigen Tagen durchblicken:

      https://www.medscape.com/viewarticle/943346#vp_3 wrote:

      There's a number of trials we're moving along here at UC San Diego. There is one looking at the effects of CBD on autism. There is some evidence that the behavior of autistic children drastically changes when they start using CBD
      Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass jemand so eine Diskussion unterbinden möchte.

      Gefragt hatte ich nach Deinen Erfahrungen mit CBD-Öl, weil ich persönlich sehr gute damit gemacht habe, besonders in Bezug auf zuviele Reize in der Umgebung, die Du angesprochen hast. Durch ein Einkaufszentrum zu gehen war für mich damit auf einmal erträglich, die Bahnfahrt in der Rush-Hour auch. Für mich hatte dieses frei in der Drogerie erhältliche Mittel die Benzodiazepine als Bedarfsmedikament vollständig ersetzt. Nun habe ich es seit längerem nicht mehr genommen und das Haltbarkeitsdatum auf der Flasche ist bereits überschritten. Zu schade, dass die Krankenkasse mir zwar Benzodiazepine zahlt, aber kein CBD-Öl. Damit sich das ändern kann muss es möglich sein, darüber zu reden.

      Deine Vorgehensweise hinsichtlich Dosierung finde ich generell vorbildlich. Ich hatte mal ein Medikament genommen welches zum Einschafen dienen sollte und es hieß, die absolute Mindestdosis sei 20mg bzw. 20 Tropfen, alles darunter wäre Quatsch. Ich hatte 5mg genommen und es hat mich ziemlich fertiggemacht mit starkem Überhang usw. Danach hatte ich nur noch 1-2mg genommen, meine Ärztin war ziemlich perplex dass mir das reichte.
    • Mir scheint das ganze doch recht spekulativ - die Autoren schreiben ja selbst:
      "our understanding of the role of the ECS in ASD is still far from
      complete and the use of cannabinoids in general, and CBD in particular, for children and
      adolescents suffering from ASD still remains controversial (Bou Khalil, 2012; Poleg et al., 2019)." (p.16)
      LG
      Wilsberg
    • Gehört zur Forschung nicht ein gewisser Grad an Spekulation?

      Aufgrund des erwiesenermaßen breiten Wirkungsspektrums und der überschaubaren Nebenwirkungen erscheint mir hier jedoch gar nichts spekulativ sondern eher vielversprechend.

      gelbe-liste.de/wirkstoffe/Cannabis_53341

      Cannabis wird bestimmt nicht nur aufgrund der Rauschwirkung seit mehreren tausend Jahren als traditionelles Arzneimittel verwendet -was aber aufgrund des fast weltweiten Verbots natürlich stark eingeschränkt wurde.
      Erst durch weitere Forschung wird Cannabis aus der " Drogenecke" herausgeholt werden und sinnvoll eingesetzt werden können.
      Ich bin mir sicher, dass sich da noch viel tun wird.

      (Wenn ich ein stark verhaltensauffälliges Kind hätte, würde ich als Mutter übrigens ein bisschen Spekulation in Kauf nehmen bevor ich andere Medikamente, mit eventuell stärkeren Nebenwirkungen einsetze.)
    • Dr. L84 wrote:

      Gefragt hatte ich nach Deinen Erfahrungen mit CBD-Öl, weil ich persönlich sehr gute damit gemacht habe, besonders in Bezug auf zuviele Reize in der Umgebung, die Du angesprochen hast. Durch ein Einkaufszentrum zu gehen war für mich damit auf einmal erträglich, die Bahnfahrt in der Rush-Hour auch. Für mich hatte dieses frei in der Drogerie erhältliche Mittel die Benzodiazepine als Bedarfsmedikament vollständig ersetzt. Nun habe ich es seit längerem nicht mehr genommen und das Haltbarkeitsdatum auf der Flasche ist bereits überschritten.
      Liegt das daran, dass Du nun auch ohne Bahn fahren und einkaufen gehen kannst? Oder meidest Du weiter diese Situationen?
      LG
      Wilsberg
    • Wilsberg wrote:

      Liegt das daran, dass Du nun auch ohne Bahn fahren und einkaufen gehen kannst? Oder meidest Du weiter diese Situationen?
      Es liegt daran, dass ich nicht mehr in der Rush-Hour Bahn fahren muss. In der Zeit, in der ich das musste hatte ich das CBD-Öl täglich genommen.

      Ich habe jetzt leider auch nach mehreren Minuten Suche nicht gefunden, aus welchem der mittlerweile vielen verlinkten Texte Du das Zitat entnommen hast. Aber möglicherweise fehlt mir da schlicht auch der Zugriff. Oder mir fehlt der zweite Kaffee. Dass die Rolle des ECS nicht vollständig verstanden wurde, ist denke ich aber klar. Dass der Einsatz von CBD bei Kindern kontrovers ist, auch, schließlich weiß man nicht, was die langfristigen Folgen sein könnten. Nur scheinen die bisherigen Studien zum Schluss zu kommen, dass der Nutzen die möglichen Nachteile bei Weitem überwiegt. Die Referenz auf eine Arbeit aus dem Jahr 2012 finde ich gerade etwas irritierend.
    • Dr. L84 wrote:

      diese Sorte hat sich in Thailand entwickelt, diese Sorte am Hindukush, diese in Kolumbien, ... ich meine, die Wirkung bzw. verschiedenen Terpene-Profile sind ja halt ohnehin viel zu divers, um sie unter zwei Begriffen subsumieren zu können,
      Ich möchte auch mal einwerfen, dass das allein womöglich wenig bringt - der Anbauort muss noch dazu. Das ist beim Wein ja genauso: Pinot noir aus dem Burgund, aus einem italienischen oder deutschen Anbaugebiet ist auch nicht das Gleiche. Ist auch insofern ähnlich, als beim Wein (wenn auch nur beim Geschmack und nicht bei der Wirkung) ebenfalls ein sehr komplexes Zusammenspiel vieler teils nur in Spuren enthaltener Substanzen der Fall ist.

      Wilsberg wrote:

      Mir scheint das ganze doch recht spekulativ - die Autoren schreiben ja selbst:
      Das ist bei dem Forschungsstand unvermeidlich - deshalb habe ich weiter oben vor zuviel Optimismus gewarnt. Aber das heißt keineswegs, dass man sich - v.a. da es hier User gibt, die eigene (legale) Erfahrungen einbringen können - keine Gedanken machen sollte.
    • Wilsberg wrote:

      Dr. L84 wrote:

      Die Referenz auf eine Arbeit aus dem Jahr 2012 finde ich gerade etwas irritierend.
      Wieso?
      Weil es damals noch keine Studien mit Cannabis an autistischen Kindern gab (abgesehen vielleicht von Einzelfallstudien). Das ging erst ab 2018 los, bis dahin war die Skepsis natürlich noch sehr viel größer. Auch in 2018 blieb es trotz der vielversprechenden ersten Ergebnisse äußerst kontrovers, da die erste veröffentlichte Studie nur 60 Teilnehmer hatte und nicht placebokontrolliert war. Mich würden daher eher die neuesten Forschungsergebnisse interessieren, Ansichten aus 2012 halte ich im ersten Gedankengang für irrelevant, seither ist viel passiert. Damals gab es noch nicht einmal ein zugelassenes Arzneimittel auf CBD-Basis, das gibt es in den USA erst seit 2018 und in Europa erst seit 2019 (Epidyolex). Bei der zuletzt angesprochenen aktuell noch laufenden Studie an autistischen Kindern wird Epidyolex eingesetzt. Bei der ersten Studie aus 2018 wurde m.W. noch CBD-Öl genutzt. Ich fände es je nach Verlauf der aktuellen Studien nicht absurd, wenn Epidyolex auch bei autistischen Kindern angewandt wird. Zumal es jetzt schon bei Kindern angewandt wird:

      Gelbe Liste wrote:

      Was ist Epidyolex und wofür wird es angewendet?

      Epidyolex mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) [..] wird als neue Therapieoption zum 15.10.2019 verfügbar sein. Das Orphan drug wird zusammen mit Clobazam bei Patienten ab 2 Jahren für die adjuvante Behandlung von Krampfanfallen, im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) oder dem Dravet-Syndrom (DS) angewendet;
      Solange es keine Langzeitstudien gibt, wird es aber wohl auch kontrovers bleiben, ganz gleich wie gut die Ergebnisse bis dahin aussehen. Je nach Ausgangslage stellt sich aber die Frage, ob man solange warten kann oder will. Wenn das Kind im Großen und Ganzen ganz gut zurechtkommt würde ich zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Cannabis-Behandlung erwägen. Wenn aber ohnehin schon Neuroleptika, Antiepileptika, Antidepressiva usw. erfolglos durchprobiert werden weil das Kind sich sonst selbst verletzt und nicht selbstständig funktionieren kann, geht es bei CBD nicht einmal um eine "Alternative", sondern um überhaupt eine Behandlungsmöglichkeit. Da nimmt man dann mögliche langfristige Folgen schon eher in Kauf, was man bei den anderen Medikamenten ja aber natürlich auch tut. Als spätdiagnostizierter Erwachsener mit F84.5 stellt sich die Abwägung natürlich noch einmal ganz anders dar.
    • Wolke(n) am Himmel wrote:

      Vielen Dank für Eure Ausführungen und Euren Austausch.
      Danke für Deine Rückmeldung!

      Wilsberg wrote:

      Verstehe.. diese Studie ist Di sicher bereits bekannt:
      frontiersin.org/articles/10.3389/fneur.2019.01145/full
      Nein :)

      Danke dafür. Auch da klingen die Ergebnisse schon fast wieder viel zu gut, um wahr zu sein.

      We highlight that 14 out of these 15 patients (93%) showed improvements equal to or above 30% in at least one symptom category.
      Ich habe ehrlich gesagt den Überblick über die ganzen Publikationen zu Cannabis+Autismus verloren, daher habe ich eine Tabelle erstellt:

      cbd-autismus.pdf

      Kein Anspruch auf Vollständigkeit!
      Warum soviele Autos.
      Warum soviele Hunde.
      Brumm, brumm, kläff, kläff, wau, wau, wau!

      The post was edited 1 time, last by Dr. L84 ().

    • Dr. L84 wrote:

      Auch da klingen die Ergebnisse schon fast wieder viel zu gut, um wahr zu sein.
      Es gibt keine Kontrollgruppe, von daher denke ich da an den Hawthorne-Effekt.
      Nachdenklich stimmt mich auch:
      The least pronounced effects were seen on improvement of autonomy deficits (AD). This may indicate a need for a larger time interval to allow for consolidated routines and behavioral patterns, both from patients and from caretakers, to be remodeled before any benefit can be obtained from CE treatment.
      Ich denke, da braucht es ein gezieltes Training -wie bei einem Querschnittsgelähmten, dessen Nerven durch ein Wunder wieder zusammenwachsen: der muss auch ganz neu gehen lernen.
      Und für so ein Training kenne ich keine überzeugenden Ansätze...
      LG
      Wilsberg
    • maksa wrote:

      Sehr sinnvolles Thema, vielen Dank für die vielen links zu den aktuellen Studien!
      Gerne!

      Wilsberg wrote:

      Es gibt keine Kontrollgruppe, von daher denke ich da an den Hawthorne-Effekt.
      Ja, die Kontrollgruppe fehlt in der Studie und es sind sogar noch weniger Probanden als bei den anderen. Dafür scheint es (leider) die einzige frei zugängliche zu sein.

      Das mit dem Hawthorne-Effekt klingt interessant, richtige Klarheit wird man da wohl erst nach den aktuell noch laufenden Studien haben, bei denen es placebokontrollierte Gruppen gibt. Aber meinst Du, dass ein solcher Effekt wirklich so starke Veränderungen vollbringen kann? Bei AD gab's ja zwar am wenigsten "Wunder" von allen Kategorien, aber dass es bei 26.7% der Probanden überhaupt welche gab ist ja möglicherweise dennoch immer noch beachtlich. Kann ich selbst aber nicht bewerten. Hatten andere Studien, in denen den Kindern herkömmliche Neuroleptika usw. verabreicht wurden, dahingehend auch so gute Ergebnisse?

      Aber Du hast natürlich Recht damit, vorsichtig zu sein. Bis hierhin ist es nur vielversprechend und Grund dazu, noch mehr zu forschen.

      4.6mg pro kg in 24h finde ich übrigens sehr viel. Soviel habe ich morgens und abends genommen, aber auf das gesamte Körpergewicht verteilt. Als ich morgens einmal das doppelte nahm hätte ich mich in der Bahn auf den Boden legen müssen, wenn kein Sitzplatz freigeworden wäre. Allerdings habe ich auch keine Epilepsie, da braucht's wohl ein Vielfaches der Menge.

      Ich bin mir sicher, irgendeinen Effekt muss 4.6mg/kg haben :d
      Warum soviele Autos.
      Warum soviele Hunde.
      Brumm, brumm, kläff, kläff, wau, wau, wau!
    • @Dr. L84 vielen Dank, für deinen Hinweis:

      Dr. L84 wrote:

      Gefragt hatte ich nach Deinen Erfahrungen mit CBD-Öl, weil ich persönlich sehr gute damit gemacht habe, besonders in Bezug auf zuviele Reize in der Umgebung, die Du angesprochen hast. Durch ein Einkaufszentrum zu gehen war für mich damit auf einmal erträglich, die Bahnfahrt in der Rush-Hour auch.
      Ich habe meine Ein- und Durchschlafhilfe nun in Zusammenhang mit dem Besuch eines Freundes und seinen Kindern getestet. Diese Tage sind für mich immer extremst fordernd und ich muss mich oft zurückziehen.
      Die Erfahrung könnte mein Leben verändern und ich möchte es demnächst sogar wieder einmal mit einem Einkauf versuchen :)
      Wie lange benötigte das Einsetzen der Wirkung bei dir üblicherweise? Ich habe es sublingual 2h vorher eingenommen, um mit Eintreffen des Besuches bereits eine ausreichende Wirkung zu haben.
      Hattest du bei 5mg eine in ruhigem Umfeld spürbare entspannende Wirkung? Ich habe diese erst ab 10mg, was aber nicht bedeutet, dass diese für die Reizminderung notwendig wäre.
    • Hutmacher wrote:

      Wie lange benötigte das Einsetzen der Wirkung bei dir üblicherweise? Ich habe es sublingual 2h vorher eingenommen
      Ganz genau kann ich es nicht sagen, da es ja keinen wirklichen "Knall" gibt sondern die Wirkung eher subtil ist, aber sublingual schätze ich es jetzt mal auf mehr als 10 Minuten und deutlich unter 2h. Als Einschlafhilfe tauglich war es nur, wenn es nicht zu spät am Abend genommen wurde, andernfalls drohte die Gefahr, alle Wecker zu überhören. Da würde ich dann vorsichtshalber auch mit 2 Stunden rechnen. Wenn man mitten in der Nacht feststellt, nicht einschlafen zu können, kann CBD sublingual eingenommen eine schlechte Idee sein. Eine Bekannte hatte beim ersten Mal 10mg nach Mitternacht eingenommen und fühlte sich derart "ausgeknockt", dass sie sich in der Nacht noch für den nächsten Tag krankgemeldet hat.

      Ich würde also jedem empfehlen, erst einmal mit niedriger Dosis an einem freien Tag zu testen. Der Grat zwischen beruhigend und schläfrig kann schmal sein. Manche sind bei 5mg fokussiert, manche beruhigt, manche am Einschlafen, manche rastlos und wiederum andere spüren nix. Wobei der Effekt eben auch sehr subtil sein kann. Ich war damals noch Raucher und eines der ersten Dinge, die ich bemerkte, war, dass ein wöchentlicher zweistündiger Termin "plötzlich" vorbei war und ich keine geraucht hatte (normalerweise war ich da drei Mal rausgegangen). Es ist aber wohl auch nicht unüblich, die Dosis mit der Zeit zu erhöhen. Also wenn Du bislang 10mg nimmst und damit gut zurechtkommst würde ich auch nicht unbedingt versuchen wollen, niedriger zu dosieren.

      edit: was bisher in diesem Thread noch nicht deutlich genug wurde: auch wenn CBD von der WHO als "safe" eingestuft wurde, gibt es starke Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten! Wenn noch andere Medikamente eingenommen werden muss die Einnahme von CBD unbedingt mit dem Arzt abgeklärt werden.

      The post was edited 1 time, last by Dr. L84 ().

    • Als Einzelfall Erfahrung (nur für mich persönlich, jeder, gerade wohl Autisten, reagiert anders) hier als Bericht, dass ich in der eigentlich glücklichen Lage bin, Epidyolex ausprobieren zu können.
      Ich nehme 5ml pro Tag, das sind 500mg CBD.
      Im Ggs. zu einer CBD-Rezeptur aus der Apotheke (verschreibungspflichtig, 100mg/ml, NRF) enthält Epidyolex Ethanol, wohl um die Löslichkeit zu erhöhen, Süßstoff und ziemlich fieses Aroma.
      Es macht mir etwas Magenschmerzen und hat am Anfang Schlafstörungen gemacht (ich bin ständig aufgewacht).
      Ich fühle mich durchschnittlich nicht müder als vorher.

      In Bezug auf Autismus habe ich den positiven Effekt, dass ich glaube, dass es in der hohen Dosis meine Geräuschempfindlichkeit reduziert.
      Geräusche, bei denen ich sonst das Gefühl hatte, ich halte sie nicht aus, mir wird sogar übel davon (sehr niederfrequente Motorgeräusche), kann ich jetzt gut aushalten.
      Das ist z.B. gut, wenn man mit dem Bus zur Arbeit fährt.

      Ich möchte hiermit keine Empfehlung für oder gegen den Gebrauch von CBD aussprechen.
      Es ist in dieser Dosierung ein Medikament und als solches zu behandeln.
      In Kombination mit Valproat wurde Leberversagen beobachtet.
      (Häufige Ursachen von Leberschäden sind übrigens in D auch Johanniskraut oder Novalgin, also checkt Eure Medizinschränkchen... und Ethanol, OK :d )
    • Hallo,

      seit kurzem habe ich mich nach längerem und häufigem hin und her überlegen entschlossen, es zu versuchen. Ich habe mir beim MDS und der KBV die Grundlagen für eine Verordnung herausgesucht.

      Ob ausreichend Grund vorliegt, dass man den Anspruch gestattet bekommt ist Auslegungssache (§31 SGB V Abs.6), genau so die Definition einer schwerwiegenden Krankheit (=aufgrund der Schwere die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt). gleichzeitig darf die Krankenkasse die Kostenübernahme nur in begründeten Ausnahmen ablehnen. Es soll auf Privatrezept (Selbstzahlung) aber auch unabhängig der Krankenkasse möglich sein. Und seit 2017 soll das jeder Arzt/Ärztin auf Rezept zu medizinischen Zwecken verordnen dürfen.

      Wenn ich mich erinnere, was mir Psychiater und Allgemeinmediziner bisher alles an Psychopharmaka verordnet haben, ohne Kontrolle über Dosierung, ohne Folgegespräche, ohne Aufklärung über Folgen (z.B. einer abrupten Absetzung, oder hohem Abhängigkeitspotential) ist das bzgl. Cannabis meine größte Sorge. Dass man da einfach nicht verünftig ärztlich begleitet wird. Bei Cannabis wohl auch mangels Wissen und Erfahrung der Ärzte darüber.

      Ich sehe das mittlerweile so, dass man vorher nicht sagen kann ob es hilft, oder ob es evtl. schadet und, dass man bei Nebenwirkungen die Einnahme auch wieder beenden kann.