Intuition unterentwickelt?

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      Hallo Adana.
      Du wirkst ziemlich wütend. Der Kontext war das Thema. Unter dem Thema hast du geantwortet. Du kannst jederzeit gerne klarstellen, was du gemeint hast, falls du dich missverstanden fühlst.
      Was meinst du mit Selbstinszenierung?

      The post was edited 1 time, last by Drachenboot ().

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      Drachenboot wrote:

      Im Rahmen der Umfrage war die Intuition auf intuitives Handeln bezogen (nicht auf Erfassen von Situationen). Unter Intuition verstehe ich das Gegenteil von Denken oder sponantem Denken. Intuition = Handeln ohne bewusst zu denken. Bei Spontanität und Intuition sehe ich Überschneidungen, aber ich verstehe die Begriffe nicht deckungsgleich.

      Dass Asperger nicht über ihr Verhalten und das der anderen nachdenken, glaube ich nicht. Denkt man als Asperger-Autist nicht sogar besonders oft über Verhalten anderer nach, weil man es sich anders nicht erschließen kann?


      Meiner Meinung nach gilt es erst ein Mal Intuition als inneren Vorgang genauer zu erfassen und zu umschreiben, bevor man sinnvoll über intuitives Handeln und autistische Besonderheiten nachdenken kann.

      Intuition ist das unterbewusste Erfassen von Sachverhalten, Gesetzesmäßigkeiten und Zusammenhängen, ohne Einschaltung bewusster Denkvorgänge. Dabei wird die Gesamtheit des individuellen Erfahrungsschatzes in einer Geschwindigkeit ausgewertet, die der bewusste Verstand nicht leisten kann. Der Vorteil dabei ist, dass dadurch sehr vieles berücksichtigt wird, was in einem bewussten Denkvorgang außer Acht bliebe. Der Nachteil hingegen ist, dass auch Neues immer an alten Maßstäben gemessen wird, die aber unter Umständen ungeeignet sind.

      Spontan und intutitiv sind nicht dasselbe. So können wir etwa spontan einen Gedanken oder Handlugsimpuls haben, vor dem uns unsere Intuition jedoch prompt abrät, ohne dass der Verstand in diesem Augenblick erklären könnte, was daran verkehrt sein sollte.

      Autisten haben aus unterschiedlichen Gründen eine von der Regel abweichende Wahrnehmung, mit dem Ergebnis, das ihr individueller Erfahrungsschatz in vielen (nicht zuletzt sozialen) Bereichen entscheidend von jenem des Umfeldes abweicht. Dabei wiederholt sich unzählige Male die Erfahrung, dass Intuition sowie impulsive Handlungen zu schlechten Ergebnissen führen. Das bedeutet, dass die autistische Intuition vor der Herausvorderung gestellt wird, ihre eigenes Scheitern in sich aufzunehmen, als mitzuberechnenden Faktor zu integrieren. Je nachdem wie dies gelingt, geht ein Autist mit seiner Intuition um.

      Eine Möglichkeit ist, dass er seiner Intuition grundsätzich misstraut und sich angewöhnt, sie zu ignorieren. Das kann soweit gehen, dass er sein inneres Gefühl grundsätzlich unbesehen abwürgt und alles auf die bewusste, rationale Ebene verlagert. Dabei wird er von wesentlichen Teilen seines Innenlebens abgeschnitten und kommt sich dabei besonders rational vor. Er ist es ja auch, allerdings ohne dabei zu merken wie ungesund dieser Zustand ist. Ich habe den Eindruck, dass dies bei jungen Autisten, die nichts von ihrem Autismus wissen, besonders häufig der Fall ist. Bei einigen geht es wohl das ganze Leben lang so weiter.

      Eine andere Möglichkeit ist, dass diese eben beschriebene Unterdrückung zwar angstrebt wird, Intuition und Gefühl aber stark genug sind, um immer wieder dazwischen zu funken. Das führt andauernd zu Zweifeln und (im Laufe der Jahre prägender) Unsicherheit, die je nach Mensch und Umstand Mal mehr und Mal weniger erfolgreich überspielt wird. Im mittleren Alter dürfte das regelmäßig dazu führen, dass betroffene Menschen innerlich ausbrennen (burn-out-Effekte).

      Eine dritte Möglichkeit ist, dass Intuition ihre eigene relative Unzuverlässigkeit als Parameter erkennt und aufnimmt, statt sich gleichsam selbst abzustoßen und dadurch zwar verzögert wird aber auch erhalten bleibt; das heißt, dass sie lernt, sich mit Empfehlungen zunächst zurückzuhalten bis die zu Misserfolgen verleitenden Faktoren im jeweiligen Bereich ausgemacht und einbezogen sind und sich damit lansgamer aber im Ergebnis zuverlässiger entwickelt.

      Im Idealfall misstraut der Mensch von Anfang an nicht seiner Intuition, obwohl sie ihn oft auf die falsche Fährte zu locken scheint, sondern erkennt die Abweichung der eigenen Wahrnehmung und steht innerlich dazu (was nicht ubeträchtlich von der Unterstützung im Umfeld abhängen dürfte). Der Zugang zum eigenen Gefühl und Innenleben bleibt intakt und die Persönlichkeit entwickelt sich im Großen und Ganzen ungestört. Solche Menschen entwickeln sich dann eher zu Originalen oder Sonderlingen, ohne dass es zu klinisch relevantem Autismus kommt.

      Das alles ist nur ein skizzenhafter Ansatz und keine erschöpfende Erklärung und im Übrigen nichts weiter als meine Gedanken zu Thema.
      Achtung, eigene Sprache!