Wie weit wirkt sich eure Angst und euer Autismus auf euer Verhalten und eurem Leben aus?

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    • Was ich vergessen habe zu erwähnen, da ich sehr unsicher, ängstlich, schambehaftet bin, mir die Stimme abhaut, ich stottere und Probleme habe, den Augenkontakt zu halten und dazu die nonverbale Signale des anderen nicht erkenne und versteht ist es für den Gesprächspartner alles andere als leicht.
      Wenn die andere Person wie ich ein Mauerblümchen ist und beide sehr vorsichtig agieren, ist es meiner Ansicht kompliziert.
      Wobei ich daran glaube, dass ich als Mauerblümchen mit einem anderen 'Mauerbluemchen' besser zusammenpassen würde .
      Die Probleme sind halt die Kontaktaufnahme und die ersten Interaktionen mmiteinander.
      Da sich viele nicht putzen wollen und statt verbale Kommunikationsprobleme Kaution und Interaktion viel nonverbal passiert ist es extrem kompliziert.
      Wenn ich von Anfang an alles verbalisiere ist die 'direkte Kommunilation' von mir sicherlich für jede Frau ungewöhnlich, möglicherweise aufdringlich.

      :thumbup: :thumbup:

    • Wenn man sich ständig Situationen stellt, weil es ja sein muss. Aber dann immer wieder auf die Schnauze fällt, ist das auf Dauer halt auch nicht so förderlich.
      Die Verunsicherung und Angst kann dadurch sogar noch wachsen.... so bei mir geschehen.
    • Melanie84 wrote:

      Ich dachte, mich in die Dinge, vor denen ich mich fürchtete hineinzuwerfen wäre eine Abkürzung gegen die Angst
      So wird es einem auch meistens beigebracht.
      Therapeuten die versuchen die "Ängste" von Menschen zu heilen, machen das doch oft mit der Konfrontationstherapie.
      Man soll sich an Dinge gewöhnen was einem dann die Angst nehmen soll damit man lernt das nichts schlimmes passiert.
      Teilweise kann das sicher helfen. Bei Autisten scheint das aber weniger zu funktionieren.
      Vielleicht liegt das mit an der mitspielenden Reizüberflutung, oder es liegt an der Reizüberflutung das bei Autisten Ängste entstehen.


      Daniel1 wrote:

      Die Idee finde ich einerseits sehr sehr gut, da ich auch ein 'Mauerbluemchen' bin, anderseits ist es sehr schwer mit ihnen in Kontakt zu kommen, wenn beide Seiten schambehaftet und introvertierte Charakter sind.
      Ich glaube das hast du etwas falsch interpretiert.
      Das mit den Mauerblümchen kam ja von mir.
      Mit dem begriff meint man einfach Frauen die nicht so dem typischen Schönheitsideal entsprechen.
      Die werden kaum bis garnicht von Männern angesprochen oder trauen sich von sich aus nicht Männer anzusprechen und finden es selbst als Erleichterung wenn jemand sie anspricht.
      Die sind mit sicherheit nicht so verkranmpft und stottern wie du.

      Wie schon anderswo geschrieben gibt es Therapien gegen die unterschiedlichsten Dinge.
      Wenn du das Stottern loswerden willst, Therapeuten machen das mit Atmungsübungen, da ist es egal ob man Autist ist, das braucht der Therapeut garnicht zu wissen, du musst ja nur machen was er sagt.
      Du hast doch auch die Frau vom ABW, kann die dich nicht dort hin begleiten? Dafür hat man doch so eine Person.
      Wenn du dem selbst nicht erklären kannst, wofür du diese Therapie brauchst, kann sie ja einfach sagen das du bei dir nicht vertrauten Personen übel stotterst und du möchtest diese Blockaden lösen damit du weniger verkrampft bist.


      Daniel1 wrote:

      Wenn man dazu die nonverbale Signale des anderen nicht erkennt und versteht wird es nicht leichter.
      Das ist für alle Autisten schwer.
      Aber auch hier gibt es auch unter NT Menschen die mehr oder weniger selbst mit nonverbalen Signalen umsich werfen.
      Ich habe unter Nichtautisten auch einige schon kennengelernt mit denen ich trotzdem klarkomme, auch wenn das seltsam ist, aber scheinbar gibt es unter ihnen auch menschen die es einem nicht gleich übel nehmen das man direkt ist und sie nicht gleich richtig interpretiert.
      Wenn man was nicht richtig versteht, oder unsicher ist, kann man fragen "Wie genau meinst du das?".
    • Daniel1 wrote:

      Da sich viele nicht putzen wollen und statt verbale Kommunikationsprobleme Kaution und Interaktion viel nonverbal passiert ist es extrem kompliziert.
      Wenn ich von Anfang an alles verbalisiere ist die 'direkte Kommunilation' von mir sicherlich für jede Frau ungewöhnlich, möglicherweise aufdringlich.
      Ich hab dich ja noch nie bei einer Kontaktaufnahme beobachten können, aber wie du es beschreibst, scheinst du mir von einer ersten Kontaktaufnahme zu viel zu erwarten.
      Ich weiß ja nicht was du alles da veranstaltest wenn du dich jemandem vorstellst.
      Ich würde das eher schrittweise angehen. Mit zeitlichen Abständen.
      Wenn ich jemanden interesannt finde, würde ich möglicherweise auf die Person zugehen wenn sie allein ist und hallo sagen und fragen wie es ihr geht.
      Dann schauen wie sie reagiert, ist sie freundlich oder wirkt sie genervt, abweisen oder was auch immer.
      Darauf kann man dann ja möglicher weise was sagen, wenn es ihr gut geht, kann man sagen das es dir selbst auch gut geht.
      Das war es erstmal, wenn du willst kannst du ihr dann sagen wie du heißt und wenn sie dich nett findet, wird sie dir vermutlich auch verraten wie sie heißt.
      Dabei würde ich es erstmal belassen.
      In dem 2. Schritt würde ich sie beobachten, bei der nächsten Gelegenheit kann man vielleicht mal Hilfe bei etwas was sie gerade macht anbieten (wenn es sich um Arbeit handelt oder was auch immer), oder in einer Pause wenn sie wo herumsteht, fragen wie es ihr da wo sie arbeitet oder wo man sich halt getroffen hat gefällt.
      Meist trifft man die Leute ja bei der Arbeit, oder selbst wenn es in einem Wohnheim ist oder bei einer Veranstaltung für Behinderte oder wo auch immer.
      Ich kenne mich mit Aktivitäten außerhalb von Behinderteneinrichtungen wenig aus, also ich gehe nicht in Clubs oder ähnliches, weil ich eh nicht tanzen kann und die Musik oft nicht mag.

      Ich denke es ist wesentlich einfacher sich kleine Gesprächsschnipsel zu überlegen wenn man jemanden kennenlernen will, damit man überschaubar über etwas reden kann.
      Danach würde ja normalerweise ein Gespräch zuende sein, wenn die Person von sich aus nicht Interesse hat weiter zu reden.
      Daher würde ich mir überlagen dann einfach wieder zu gehen und zu sagen "Ich muss dann wieder weg, weiter machen, was auch immer, einkaufen, mich um was anderes kümmern etc".
    • Ich vergleiche mein Problem mit dem Blickkontakt wie mit einen Arbeitsspeicher im Sprachzentrum der leer läuft sobald ich Blickkontakt aufnehme. Vor dem Blickkontakt zurechtgelegte Sätze werden noch ausgesprochen und dann ist stille bei mir.
      Dann schaue ich weg und merke dass ich das Gesrpech nicht mehr fortführen kann da mein "Arbeitsspeicher" leer ist und dieser sich erst jetzt wieder mit Sätzen und Gedanken füllt.
      Angst bekomme ich nur wenn ich etwas verbockt habe (selbst bei Kleinigkeiten) und dann meine Gedanken um mögliche Konsequenzen kreisen. Ich habe darum die Angewohnheit mir einen möglichst gut geplanten reibungslosen Tagesablauf zu sichern der keine Pannen zulässt. Leider verstehen nicht alle mein Verhalten und durchqueren bzw. zerstören meine guten Pläne.
    • RegenbogenWusli wrote:

      Melanie84 wrote:

      Ich dachte, mich in die Dinge, vor denen ich mich fürchtete hineinzuwerfen wäre eine Abkürzung gegen die Angst
      So wird es einem auch meistens beigebracht.Therapeuten die versuchen die "Ängste" von Menschen zu heilen, machen das doch oft mit der Konfrontationstherapie.
      Man soll sich an Dinge gewöhnen was einem dann die Angst nehmen soll damit man lernt das nichts schlimmes passiert.
      Teilweise kann das sicher helfen. Bei Autisten scheint das aber weniger zu funktionieren.
      Vielleicht liegt das mit an der mitspielenden Reizüberflutung, oder es liegt an der Reizüberflutung das bei Autisten Ängste entstehen.
      Mit diesem "Lösungskonzept" habe ich die fünfzig Jahre vor meiner Diagnose verbracht. Ständige Konfrontationstherapie, immer - überall. Natürlich habe ich in dieser Zeit auch die Quittungen in Form von Angst- und Panikattacken, depressiven Schüben (mittlerweile chron. rezidivierend) bekommen, oder entwickelt.

      Inzwischen habe ich durch die Diagnose gelernt, daß ich mich lediglich selbst überforderte. Der Wille "normal" zu funktionieren, oder zu wirken, ist kontraproduktiv für mein Seelenheil. Gewiss - manchmal ist der Weg hilfreich, doch ich bin seit Diagnosestellung tatsächlich lieber Autist - und akzeptiere meine "Unzulänglichkeiten".
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • lakritz wrote:

      Gewiss - manchmal ist der Weg hilfreich, doch ich bin seit Diagnosestellung tatsächlich lieber Autist - und akzeptiere meine "Unzulänglichkeiten".
      Ja in manch wenigen Lebenslagen oder Situationen mag auch bei Autisten die Konfrontation helfen, aber scheinbar nur bei wenigen.
      Manchmal muss man tatsächlich lernen das etwas nicht gefährlich ist, obwohl man Angst davor hat.
      Nötiger Respekt kann ja trotzdem vorhanden bleiben.
      Den habe ich auch immernoch vor großen LKW oder Treckern, weil ich weiß das ich in einem bestimmten Winkel von dem Fahrer nicht gesehen werden kann, aber als Kind hatte ich panische Angst vor Müll-LKW weil die auch noch viel Lärm machten.
      Bei anderen Dingen, vorallem wenn man weiß warum es einen überfordert, kann man schauen warum das so ist, also bei einer Sache die Panikattacken verursacht wegen den Reizen, nicht wegen der Sache selbst, da wird die längste Konfrontation mit der Sache nicht helfen.
      Früher haben das Therapeuten nicht gewusst, aber inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden.
    • RegenbogenWusli wrote:

      Ja in manch wenigen Lebenslagen oder Situationen mag auch bei Autisten die Konfrontation helfen, aber scheinbar nur bei wenigen.Manchmal muss man tatsächlich lernen das etwas nicht gefährlich ist, obwohl man Angst davor hat.
      Nötiger Respekt kann ja trotzdem vorhanden bleiben.
      Den habe ich auch immernoch vor großen LKW oder Treckern, weil ich weiß das ich in einem bestimmten Winkel von dem Fahrer nicht gesehen werden kann,
      Ich weiß nicht ob mir das wirklich geholfen hatte, oder erst diese tiefen Depressionen verursachte, da ich ständig gegen Windmühlen kämpfen musste (RW). Irgendwie verursachte dass alles auch eine Art Erschöpfungsdepression und machte alles noch schlimmer. Therapie gab es damals bei ASS nicht, ich hatte lediglich die Diagnose Hyperkinetisches Syndrom - Therapie : Autogenes Training.

      Vor LKW habe ich Respekt seitdem ich mal als Berufskraftfahrer (die blödeste Umschulung die ich je machte) ran musste. Ein halbes Jahr Vierzigtonner - Hallo Psychiatrie!
      Ja, ich habe auch vieles im Toten Winkel nicht gesehen. Vielen Verkehrsteilnehmern ist dies leider nicht bewusst.
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • lakritz wrote:

      Irgendwie verursachte dass alles auch eine Art Erschöpfungsdepression und machte alles noch schlimmer. Therapie gab es damals bei ASS nicht
      Das kann ich mir gut vorstellen.
      Als ich ende der 90er/anfang der 2000der im Heim war, hatte man auch versucht durch Therapien Dinge zur Gewohnheit zu machen. Damals war ich noch wiederstandsfähiger weil ich mehr Energie hatte, aber das was man von mir erwartete war für mich auch nicht so extrem also mir machte es keine Angst, ich habe es nur nie gemacht und hatte kein Bedürfnis dafür, also Umarmungen oder sowas.
      Ich habe das damals mitgemacht weil sie meinten das das ein normaler Umgang sei und andere das von mir erwarten, also Bezugspersonen wie meine Mutter oder Freunde.
      Erst als ich vor wenigen jahren mehr über Autismus erfahren habe, habe ich bemerkt das viele Autisten diese art von Körperkontakt nicht brauchen oder gar wünschen, und das man langsam begreift das zu akzeptieren.
      Richtige Angst-therapien habe ich zum Glück nie machen müssen.
      Bislang war es eher so das ich auf Missgunst oder Unverständnis gestoßen bin wenn andere nicht verstanden warum ich hier und da Dinge nicht machen wollte.
      Das kennst du sicher auch, das andere sagen das man sich da ja nur mal zusammenreißen muss oder sich auch daran gewöhnen kann.
      An mit vollen Bussen oder Zügen fahren habe ich früher schon nicht aushalten können und bin früher oft das problem umgangen indem ich einfach den nächsten Zug/Bus nahm oder andere Linien fuhr.
      Bis auf morgens zur Schule um pünktlich zu sein, habe ich mir diese Freiheiten erlaubt, habe mir auch nichts dabei gedacht das ich nachmittags so müde von all dem war, das ich schlafen musste.
      Ich war eh allein zuhause, meine Mutter hat davon meist nichts mitbekommen.
    • Wie auch lakritz bin ich 50 Jahre ohne wirklich passende Diagnose durchs Leben gegangen. Natürlich auch Psychotherapien verordnet bekommen, in denen ich mich meiner stark ausgeprägten Sozialphobie stellen sollte und auch diversen anderen Ängsten. Bis heute waren diese Therapien schlicht erfolglos. Meine Depressionen, jetzt auch rezidivierend mit eingetretener Chronifizierung, waren schon sehr lange ein Teil von mir. Ich muss sagen das die Psychotherapie diese teilweise sogar verstärkten, da so einiges verdrängtes zusätzlich zu den behandelten Themen dazukam.
      Als ich jünger war hatte ich wesentlich mehr Energie um die unerfreulichen Dinge zu ertragen, bin aber auch damals als junger Mann bereits mehrfach "zusammengebrochen". Ich merke das bei mir im zunehmenden Alter diese Energie zusehens weniger wird und ich bereits Dinge, die ich damals noch ertragen konnte heute kaum mehr zulassen kann. Ich bin sehr skeptisch das eine Form der Verhaltenstherapie, oder Konfrontationstherapie bei mir wirken würde. Eher kontraindiziert.

      Die Sprüche mit dem "mal zusammenreissen" habe ich natürlich auch gehört, wollte dann immer zurückschreien: "Was denken Sie was ich die ganzen Jahre bereits versucht habe?". Aber natürlich habe ich es stattdessen stillschweigend abgenickt und versucht mir einzureden das ich mich einfach nur MEHR zusammenreissen muss. Unverständis war viel da, weil es hiess "so ein schlauer Junge, der kann was aus sich machen" und am Ende war ich orientierungslos, heimlich krank (Arztbesuche vermieden) und im Leben gescheitert.
      Umarmungen oder auch Berührungen sind bis heute für mich abstossend und nicht gewollt. Ich habe meine Mutter damals als Kind quasi zurückgestossen wenn sie mich umarmen wollte. Volle Transportmittel jeglicher Art sind ein absoluter Horrotrip für mich. Schon immer.
      Loyaulté me Lie
    • Randfigur wrote:

      Als ich jünger war hatte ich wesentlich mehr Energie um die unerfreulichen Dinge zu ertragen, bin aber auch damals als junger Mann bereits mehrfach "zusammengebrochen". Ich merke das bei mir im zunehmenden Alter diese Energie zusehens weniger wird und ich bereits Dinge, die ich damals noch ertragen konnte heute kaum mehr zulassen kann.
      Diese Tendenz bemerke ich bei mir auch zunehmend.