Wie weit wirkt sich eure Angst und euer Autismus auf euer Verhalten und eurem Leben aus?

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    • Wie weit wirkt sich eure Angst und euer Autismus auf euer Verhalten und eurem Leben aus?

      Wie weit wirkt sich eure Angst auf euer Verhalten und eurem Leben aus?

      Ich kämpfe mit dem Blickkontakt, was wirklich ein Kampf ist, da die Angst riesig ist und ich automatisch den Blickkontakt vermeide, wenn ich nicht aufpasse.
      Bin super stark angespannt wenn ich alleine spazieren gehe, wobei ich meistens keine Lust habe rauszugehen, wenn Angst gross ist.
      Erst wenn ich in mich reinfühle, merke ich, dass die Angst die Ursache der Unlust ist.
      Bei fremden Menschen verkrampfen ich wegen meiner Angst.
      Bei fremden Menschen stotterte ich viel, bekomme fast kein Wort raus, da die Angst mich sprichwörtlich lähmt, da der Kopf scheinbar streikt.
      Oft kommt bei mir nur eine pipsige Stimme raus, wenn meine Scham mich überflutet.
      Meine innere Agression meldet sich immer wieder mit dem inneren Satz,i 'ihr tut mir nichts mehr an, wenn ich Menschen sehe. Werte es als einen Ausdruck meine Angst vor weiteren Verletzungen.

      In dem ich mich in der Vergangenheit den Situationen gestellt habe, waren die Gesprächspartner oft ueberfordert.
      Wenn ich angespannt bin, kein Wort rausbringe, weiss der andere nicht automatisch was los ist.
      Wenn er traumatisiert ist, triggere ich ihn damit möglicherweise.
      Wenn er mein Verhalten richtig deuten kann, heißt es nicht automatisch dass er auch tolerant ist.
      Was dazukommt, wenn jemand die Stimme hebt, falle ich gleich in die Kinderrolle, da ich mich dann ohnmächtig fühle.
      Obwohl ich gegenhalten will, setze ich mich deshalb nie durch, da ich gefühlsmäßig in die Ohnmacht komme und ich mich in Vergangenheit oft nicht wehren könnte und sprichwörtlich ohnmächtig der Situation ausgeliefert war, was ich gefühlsmäßig immer wieder bin, da ich in gewisse Situationen in die Kinderrolle abrutschen.

      Habt ihr Lösungen?

      Durch den Autismus, sind viele zwischenmenschliche Kollisionen bei mir in der Vergangenheit entstanden.

      Selbst in dem geschützten Cafe wo ich normale arbeite, wollen manche dass ich ihnen in die Augen schaue.
      Da ich Probleme habe, 'auf 2 Kanälen gleichzeitig zu laufen'
      gleichzeitig zuzuhören und in die Augen zu schauen, schenke ich Menschen oft mein Ohr, indem ich mein Ohr zu ihnen drehe.
      Gleichzeitig visuelle und akustische Reize zu verarbeiten geht meistens nicht, wobei ich dadurch schnell 'ausbrenne'

      Viele sagen immer, dass ich kurz und bündig reden soll, was ich schwierig finde, da ich in meinem Gedanken die Details Aneinanderreihe.
      Wenn ich meine Gedanken zusammenfassen würde, würde das formulieren der Zusammenfassung, extrem viel Zeit und Geduld von mir verlangen, wobei ich vorher schon vergessen hätte, was ich sagen will.
      So plappert ich schnell raus was ich denke, weshalb ich damit, mit meiner Problematik mit dem Kurzzeitgedaechnis einigermaßen klar komme.



      Herzlichen Dank.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 4 times, last by Daniel1 ().

    • Gegen Ängste kann man mit Therapie gut vorgehen. Bei übersteigertem Schamgefühl gilt das Gleiche.

      Ich habe diese Probleme zum Glück so nicht. Wenn mir Blickkontakt unangenehm ist, dann wird der halt nicht gemacht, was andere davon halten ist mir egal. (Spezialsituationen, wie Bewerbungsgespräche mal ausgenommen, da schaue ich gezielt zwischen die Augen meines Gegenübers. Für die kurze Zeit klappt das.)

      Angst kenne ich teilweise aufgrund meiner Zwänge. Dann will ich z.B. lieber nicht rausgehen als mich diesen zu stellen. Das gestehe ich mir dann wenn möglich zu.

      Ich lebe nach dem Motto die eigene Komfortzone zu erweitern, statt sie zu verlassen und das klappt bisher ganz gut. Und was die anderen Leute von mir und meinem Verhalten halten ist immer zuallererst ihr Problem.
    • Daniel1 wrote:

      Ich kämpfe mit dem Blickkontakt, was wirklich ein Kampf ist, da die Angst riesig ist und ich automatisch den Blickkontakt vermeide, wenn ich nicht aufpasse.
      Autisten haben allgemein Schwierigkeiten den Blickkontakt aufrecht zu erhalten. Das hat nichts mit Angst zu tun, allerdings wollen dir es sehr viele eintrichtern. Man kann es angeblich an der Körpersprache ablesen, besser die Glaskugel befragen,

      Hast du eine Diagnose mit der Angst? Das ist ein Thema, wo es nichts mehr mit Spass zu tun hat. Leider kapieren das viele nicht.

      Wovor hast du den Angst? Wenn du schon davon sprichst, dann schreibe bitte auch wovor du Angst hast.

      Daniel1 wrote:

      Obwohl ich gegenhalten will, setze ich mich deshalb nie durch, da ich gefühlsmäßig in die Ohnmacht komme und ich mich in Vergangenheit oft nicht wehren könnte und sprichwörtlich ohnmächtig der Situation ausgeliefert war, was ich gefühlsmäßig immer wieder bin, da ich in gewisse Situationen in die Kinderrolle abrutschen.

      Habt ihr Lösungen?
      Du lebst im Hier und Jetzt, nicht in der Vergangenheit. Damals konntest du es nicht, was noch lange nicht bedeutet dass du es nicht kannst. Manchmal ist es auch besser einfach nichts zu sagen.

      Teile mal mit, wovor du Angst hast, damit man mal einen Anhaltspunkt hat und dir Tipps geben kann.

      Zitat von Osho:

      Wenn du fühlst, dass die Angst immer Stärker wird, dann heisse sie willkommen, danke ihr, dass sie dich beschützen will, aber es nichts zu fürchten gibt und sie getrost wieder auf ihrem Platz begeben kann.
    • MangoMambo wrote:

      Wenn mir Blickkontakt unangenehm ist, dann wird der halt nicht gemacht
      Ist bei mir auch so.

      Ich vermute dir (also Daniel1) fehlt das Selbstbewusstsein und auch Selbstwertgefühl das du ruhig so handeln und fühlen darfst.
      Du machst dir einen viel zu großen Kopf (RW) darüber das andere dir den fehlenden Blickkontakt übel nehmen könnten, das blockiert natürlich ebenfalls Gedanken darüber was man in einem Gespräch sagen will.
      Versagensängste machen es dann noch schlimmer, weil das großen Druck verursacht.
      Vermutlich haben dir das aber auch schon Andere gesagt, aber mehr Selbstwert wäre für dich sehr gut.
      Fast in allen Bereichen wo du über Probleme schreibst, zieht sich das wie ein roter Faden als Hauptproblem durch, was dann für dieses Verhalten was du als negativ beschreibst, mit den für dich negativen Resultaten einhergeht.
    • Also das mit dem Angst- und Ohnmachtsgefühl bei erhobener Stimme des Gegenübers kenne ich aus eigener Erfahrung.

      Mich setzt es enorm unter Stress, wenn jemand seine Stimme mir gegenüber deutlich hebt. Ich verspüre dann sehr stark den Druck, mich zu rechtfertigen und finde mich in einer gefühlten Abwehrschlacht gegen das Gegenüber wieder.

      Richtig bewusst geworden ist mir das aber erst vor ein paar Monaten im Rahmen einer Depression.

      Ich falle nicht nur in konkreten Situationen in dieses Unterlegenheitsgefühl aus meiner Kindheit zurück, sondern verliere mich auch häufig in einer Art gedanklicher Rückblende in Situationen, in denen ich als Kind von meinen Adoptiveltern schikaniert und psychisch fertiggemacht worden bin.

      Meine Psychotherapeutin hat mir dafür mehrere Strategien an die Hand gegeben (rw).

      Sie hat mir erklärt, dass meine Vergangenheit zu mir gehört und sich nicht wegleugnen lässt. Aber in Momenten, in denen ich eine Situation der Gegenwart aus meiner Vergangenheitsperspektive heraus erlebe bzw. wahrnehme, hat sie mir geraten, dass ich mir die Vergangenheit als Buch vorstellen soll, dass zwar in meiner Bibliothek steht, das ich aber nicht erneut lesen muss. Und weil ich es nicht erneut lesen muss, habe ich mir für diese Situationen als Merksatz eingeprägt: Nein danke altes Buch, Du bleibst im Regal, denn ich schreibe nun ein neues Buch, das mir guttut.

      Das hört sich womöglich zunächst albern an, aber es hilft mir in den Situationen, weil ich dann eine greifbare (rw) Handlungsweise zur Hand habe (rw), die mir hilft, das Gedankenkarusell zu unterbrechen.

      Eine weitere Strategie ist, dass ich mir alte Situationen, die mir bis heute zusetzen, erst aufschreibe, dann daraus einen Glaubenssatz formuliere. Glaubenssatz heißt: Ich schreibe auf, was ich glaube, wie meine Lage in der vergangenen Situation gewesen ist (z.B. "Ich bin schuld, dass meine Adotiveltern sich streiten, weil ich es nicht verhindert habe." Und dann formuliere ich einen neuen Glaubenssatz, ausgehend davon, wie es heute ist und wie es damals auch hätte sein sollen. In diesem Fall ist mein Glaubenssatz: "Ich bin nicht daran schuld, dass meine Adoptiveltern sich streiten. Ich muss nicht die Verantwortung für sie tragen."

      Das hilft mir, um die Vergangenheit nach und nach zu akzeptieren ohne sie gutfinden zu müssen und die Gegenwart nach und nach von der Vergangenheit zu trennen.
      Diagnose ADHS: 1996 ; Diagnose ASS/HFA: 02/2020
    • Blickkontakt, pragmatischer Lösungsversuch:

      Irgendwelche fremden Personen, die man nicht wiedersieht, werden auch keine Chance haben, sich bei dir zu beschweren. Also die Mühe mit dem stressigen Blickkontaktversuch vielleicht lassen? Möglicherweise durch Nicken/Hm-Sagen demonstrieren, dass man anwesend ist und verarbeitet, wenn der andere etwas sagt?

      Bei Menschen, mit denen man häufiger im Kontakt ist, hilft es vielleicht das Thema anzusprechen und zu sagen, dass du dich nicht mehr auf das Gesprochene konzentrieren kannst, wenn du gleichzeitig versuchst Blickkontakt herzustellen?

      Was ist, wenn du den Menschen zwar ins Gesicht, aber nicht in die Augen siehst? Wäre das eine Alternative oder würde das Problem weiterhin bestehen?

      Kannst du solche Situationen, die dich ohnmächtig machen, in eine Kinderrolle versetzen, therapeutisch als "Rollenspiel" bearbeiten? Wege finden, nicht zu dissoziieren (wenn das mit reinspielt), also einen Fokus im gegenwärtigen Geschehen setzen. Mögliche Reaktionen und Aussagen/Dialoge durchspielen und dadurch Haltung, Artikulation etc. üben und vor allem aber auch die Erfahrung in einem geschütztem Setting machen zu können, dass nichts weiter Bedrohliches passieren wird, wenn du nicht weißt, was du tun sollst.

      Was in der Vergangenheit passiert ist, solltest du auch dort verorten. Du bist deinen Gefühlen nicht (mehr) hilflos ausgeliefert, sondern kannst lernen, sie zu regulieren. Ruhige und tiefe Atmung kann da teilweise schon mehr bringen als vielleicht vermutet. Körperliche Spannung abbauen durch Atmen, geeignetes Stimming, irgendwelche regelmäßigen körperlichen Aktivitäten.

      Weswegen genau schämst du dich?

      Was ist das Worst-Case-Szenario, welche Konsequenzen würden schlimmsten Falls eintreten? Wären die Konsequenzen schlimmer als die Angst, die du die ganze Zeit in dir hast?

      Aufkommende Angst auf Rationalität hin überprüfen und dir bewusst machen, dass du auf deinen eigenen Angstlevel Einfluss nehmen kannst. Du könntest dir vielleicht in Gedanken selbst sagen, dass deine Amygdala gerade überreagiert, deine Stresshormone ansteigen, aber die reale Bedrohung nicht zugenommen hat. Versuch dich gedanklich zu beruhigen, sag dir, dass keine Gefahr besteht und du dich jetzt nicht auf die Angst einlassen wirst. Kopfrechnen und Ähnliches könnten dabei helfen, den Fokus auf Hirnregion zu lenken, die rationales Denken erfordern. Neue neuronale Netze anlegen, altes Verhalten mit der Zeit überschreiben. Dafür ist es aber wichtig, es zu schaffen, die aufkommende Angst gar nicht so mächtig werden zu lassen, denn Angst steht dem Lernen leider sehr im Weg.

      Vielleicht hilft es ja am Anfang die Ausprägung der Angst auf einer Skala einzuordnen und dir vorzunehmen, sie kontinuierlich Schritt für Schritt zu senken?

      Außerdem: Positive Erfahrungen machen. Bewusst erfahren, wenn eine Strategie funktioniert hat, ein Kontakt ohne Probleme verlief etc. Bewusst Dinge tun, die du magst. Dir Auszeiten dafür erlauben. Und dir selbst vielleicht auch erlauben, Fehler zu machen? Nicht jeder Fehler ist eine Katastrophe oder bringt dich in Lebensgefahr. Je größer der Druck ist, den du dir aufbaust, umso höher das Risiko, dass dir alles um die Ohren fliegt (RW).



      Daniel1 wrote:

      Viele sagen immer, dass ich kurz und bündig reden soll, was ich schwierig finde, da ich in meinem Gedanken die Details Aneinanderreihe.
      Was sind das denn für Situationen? Möchten die Menschen da nur eine knappe Information erhalten, die sie brauchen, um eigene Dinge fortsetzen zu können? Wenn es vorkommt, dass du häufiger die gleichen Fragen beantworten musst, könntest du dich darauf vorbereiten, eine möglichst knappe Antwort parat zu haben.

      Wenn es aber unstrukturierte soziale Situationen sind, in denen es um Austausch über ein Thema, das Erzählen einer Geschichte oder was auch immer geht, dann finde ich es schon etwas anmaßend dir Anweisungen geben zu wollen, wie du dich ausdrücken sollst.

      Könnten dir die Personen im Gespräch vielleicht helfen und ganz konkrete Fragen stellen, wenn es Ihnen zu abschweifend wird und sie selbst vielleicht sonst den Fokus verlieren?

      Daniel1 wrote:

      Wenn ich meine Gedanken zusammenfassen würde, würde das formulieren der Zusammenfassung, extrem viel Zeit und Geduld von mir verlangen, wobei ich vorher schon vergessen hätte, was ich sagen will.
      Ich finde Zusammenfassungen auch oft schwierig, aber vor allem, weil ich so schnell nicht einordnen kann, welche Details welche Priorität haben. Zudem weiß ich oft nicht, ob der Gesamtzusammenhang vielleicht nicht mehr schlüssig ist, Missverständnisse durch Auslassungen entstehen u. ä .

      Bündige Zusammenfassungen komplexer Geschehnisse sind mir oft erst nach Wochen oder Monaten möglich, wenn ich Einzelheiten (neu) gewichten kann und schon allein, in Gedanken, den "roten Faden" rausgearbeitet habe.

      Wenn jemand von so etwas wie "kurz und bündig" reden einfordert, dann fühle ich mich unter Druck gesetzt und kann eventuell gar nicht mehr antworten und manche Dinge sind mir als kurze, bündige Version schlicht nicht möglich.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • @Anakin_1: Das mit der Vergangenheit als Buch gefällt mir gut.

      Ich stelle mir gerne vor, das Leben wäre ein Videospiel mit mehreren Leveln, und jetzt ist eben ein anderes Level dran.

      Nur leider kann man nicht wieder ganz von vorne anfangen wie in einem Videospiel...
    • Hallo Daniel,
      Ich hatte auch Phasen in meinem Leben, in denen ich große Angst hatte. In anderen Bereichen als du aber es hatte auch oft etwas mit Menschen zu tun, va mit den Anforderungen in der Arbeit.
      Mir hat es geholfen, mir das worst Case Szenario genau auszumalen und es für mich anzunehmen.
      Als zb, OK , diese Menschen sehen wie fertig ich innerlich bin, OK dann sehen sie es eben.
      OK, ich werde an diesem Ort eventuell eine Panikattacke bekommen. Gut, dann bekomme ich sie eben.
      OK, meine Kolleginnen werden mich fertig machen.
      Gut, dann tun sie es eben.
      Manchmal ist das worst Case Szenario eingetreten, meistens nicht.
      Ich finde aber, dass gerade die Angst davor, wie man auf andere wirkt und die damit einhergehende Unsicherheit in sich selbst eigentlich schon eine Hilfe ist mit der Angst umzugehen. Diese Angst kommt doch va von Gefühlen der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit.
      Ich habe dann immer versucht, diese Gefühle anzunehmen und mir gedacht: OK, ich bin ein Freak und ich bin in so vielen Dingen schlecht. Ich steh da jetzt dazu und versuche genau das nicht mehr zu verstecken. ( Ich habe mir zb in der Arbeit angewöhnt, mich ganz viel über meine eigenen Unzulänglichkeiten lustig zu machen, das bremst zb Mobbing ein bisschen aus).
      Ich versuche auch nicht mehr zu verstecken, dass ich unsicher bin. So ist es nunmal.
      Und dann hab ich die Dinge vor denen ich Angst hatte eben trotzdem gemacht.
      ( Und manches musste ich hunderte Male machen bevor ich es halbwegs so gut hinbekam wie andere, die viel weniger üben mussten).
      Und im Lauf der letzten Jahre hab ich gelernt, dass die meisten Menschen ohnehin nur auf sich selbst achten und es ihnen gar nicht so wichtig ist, ob da eine Person jetzt unsicher ist oder nicht. Das sind alles nur Gefühle, und die sehen andere Menschen nicht in dem Ausmaß wie sie bei dir vorhanden sind.
      Was man dafür aber braucht, ist der Mut im schlimmsten Fall auf ganzer Linie zu versagen und zu wissen: das verkraftet man auch.
    • Meine Probleme sind nicht ganz so heftig wie deine, aber ich habe auch welche.

      Wenn ich z.B. vor andern Menschen laufe, habe ich des öfteren die Angst, dass meine Bewegungsabläufe komisch oder "schwul" aussehen. Zudem habe ich Probleme Menschen anzusprechen, um ein Gespräch zu beginnen, besonders bei Mädchen fällt mir das schwer. Gestikulieren kann ich auch nicht, jedenfalls nicht, wenn ich unter Leuten bin, was ziemlich blöd ist. Wenn ich mal mit Mitschülern, besonders wenn es Mädels sind, an einem Tisch sitze, bin ich ziemlich angespannt. In den Pausen habe ich selten längere Zeit einen Gesprächspartner und sitze meistens einfach an meinem Platz, schaue ins Leere oder zeichne was. Mit Leuten in die Augen schauen habe ich keine großen Probleme, ich habs eben gelernt.

      Das was du beschreibst klingt sehr nach einer Sozialphobie. Du solltest dich wohl therapieren lassen.

      edit: Mit Einkaufen oder Bußfahren habe ich auch Probleme. Ich war noch nie alleine im Supermarkt einkaufen, Busfahren war ich auch noch nie alleine. Ich habe also auch Ansätze einer Sozialphobie.

      The post was edited 1 time, last by WannaChangeMyself ().

    • Tux wrote:

      Hast du eine Diagnose mit der Angst? Das ist ein Thema, wo es nichts mehr mit Spass zu tun hat. Leider kapieren das viele nicht.


      Hallo lieber @Tux, früher hatte ich neben dem Asperger Autismus und meinen depressiven Phasen, eine Panikstörung und die soziale Phobie als Diagnosen.
      Da die Ausprägung der Panikattacken scheinbar nicht mehr relevant scheint, habe ich nur noch die soziale Phobie und depressive Episoden als Nebendiagnose zum Asperger Autismus.

      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • Daniel1 wrote:

      Da die Ausprägung der Panikattacken scheinbar nicht mehr relevant scheint, habe ich nur noch die soziale Phobie und depressive Episoden als Nebendiagnose zum Asperger Autismus.
      Nur noch, du bist gut. Einfach ist das bestimmt nicht. Bist du und warst du nicht in Therapeutischer Behandlung?
      Ich habe mich mal in die Thematik eingelesen.

      Als mögliche Therapie wurde die kognitive Verhaltenstherapie, die Konfrontationstherapie (teilweise) aufgeführt.
    • Hal@'Tux' .

      Knapp 2 Jahren war ich in der Verhaltenstherapie, als die Autismus Diagnose kam.

      Kurz nach der Autismus Diagnose, beendete meine damalige Therapeutin die Therapie, da bei autistischen Überforderung normale Verhaltenstherapie nicht greift und sie nicht wirklich geduldig mit mir war.
      Auf die Art, bei ihr geht es, bei mir wird es auch gehen.

      Wenn ich länger komplett reizüberflutet bin, geht es aber nicht so, wie ich es mir oder andere sich wünschen.

      Die Heilpädagogin vom Autismuszentrum hat mir angeboten, dass sie meine Therapeuten wegen meinem Autismus coatcht, damit die Therapie auf den Autismus angepasst werden kann, was leider nicht angenommen wurde. Die Therapeutin war leider nicht willig die Therapieziele und die Therapie auf die neue Autismusdiagnose von der Autismus-Ambulanz der Uniklinik zu Köln, der Uniklinik zu Ulm und anderer Kliniken auszurichten. Lieber beendete sie die Therapie.

      Lese immer dass neurotypische Menschen emphatischer als Autisten wären, was ich nicht finde.
      Die Autisten welche ich kenne sind sehr geduldig und tolerant, was ich von viele neurotypische Menschen nicht sagen kann.
      Passt man nicht ins Raster wird man ausgegrenzt.

      Es hat nachträglich jetzt aber auch riesige Vorteile für mich.

      Die Sozialarbeiterin vom ABW und die Heilpädagogin vom Autismuszentrum arbeiten mit mirr mitdem Teacch Programm und lassen sich voll auf mich ein, was ich sehr herzlich finde.
      Anfang dieses Jahres war ich schon wieder mehrere Monate auf der Warteliste einer Ambulanten Psychotherapeutin.
      Es war geplant, dass ich im Februar 2020 bei ihr mit der Therapie anfangen kann.
      Kurz davor erfuhr ich, dass ich doch zu Therapeuten mit Autismus-Erfahrung soll, obwohl ich ihr mitteilte, dass selbst dem Autismuszentrum kein Therapeut mit Autismus-Erfahrung in und Ulm bekannt ist.
      Das Autismuszentrum hätte auch sie für mich cecoatscht, was auch sie nicht wollte.

      Von den intoleranten ambulanten Psychotherapeuten habe ich die Schnauze voll und freue mich riesig, dass die Heilpädagogin vom Autismuszentrum und die Sozialtherapeutin vom ABW für mich da sind.

      Ein ganz guter Rutsch viel Gesundheit und alles alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:












      .
    • Daniel1 wrote:

      Durch den Autismus, sind viele zwischenmenschliche Kollisionen bei mir in der Vergangenheit entstanden.
      Das ist bei mir auch so.

      Daniel1 wrote:

      falle ich gleich in die Kinderrolle
      Ich finde Deine Beschreibung gut.
      Ich hätte das nicht so sagen können.
      Ich frage andere oft (auch nachträglich) um Erlaubnis, wenn ich Angst habe.
      Wenn ich Angst habe, dass ich etwas, von dem jemand anders betroffen ist, falsch organisiert habe.
      Oder ob ich etwas hätte anfassen dürfen, was jemand anderem gehört, und ich im Nachhinein denke, oh, war das jetzt falsch.
      Oder wenn ich einen Termin habe, frage ich mehrfach, ob das passt. Ob es wirklich nicht stört, wenn es jemandem Mühe macht.
      Weil ich früher erlebt habe, dass ich erst gemerkt habe, dass jemand sich geärgert hat, wenn die Person mich total angeschrien hat.


      MangoMambo wrote:

      Und was die anderen Leute von mir und meinem Verhalten halten ist immer zuallererst ihr Problem.
      Das ist eine Fähigkeit, die man entweder früh erlernt hat oder mit viel Mühe/Therapie lernen muss, glaube ich.
      Für mich ist das eine Aussage, die so ist wie "Blickkontakt ist doch selbstverständlich" (das ist kein Vorwurf an @MangoMambo, sondern der Versuch einer Erklärung):
      Wenn man es kann, ist es leicht; wenn man es nie konnte, erscheint es einem unmöglich.

      Melanie84 wrote:

      Mir hat es geholfen, mir das worst Case Szenario genau auszumalen und es für mich anzunehmen.
      Als zb, OK , diese Menschen sehen wie fertig ich innerlich bin, OK dann sehen sie es eben.

      Melanie84 wrote:

      Und dann hab ich die Dinge vor denen ich Angst hatte eben trotzdem gemacht.
      ( Und manches musste ich hunderte Male machen bevor ich es halbwegs so gut hinbekam wie andere, die viel weniger üben mussten).
      @Melanie84 das sind ziemlich fortgeschrittene Sachen.
      Ich hoffe, dass ich das irgendwann auch kann.

      Daniel1 wrote:

      Von den intoleranten ambulanten Psychotherapeuten habe ich die Schnauze voll und freue mich riesig, dass die Heilpädagogin vom Autismuszentrum und die Sozialtherapeutin vom ABW für mich da sind.
      @Daniel1 ich glaube, dass ich ein paar Sachen von Deiner Angst verstehen kann.
      Ich bin wegen Angst/Depression zu einem Verhaltenstherapeuten gegangen; der hatte Verdacht auf Asperger, war dann sehr unangenehm zu mir und hat gesagt, dass er mich nicht behandeln will.
      Die Therapeutin danach, bei der ich jetzt bin (zufällig), ist keine Verhaltenstherapeutin.
      Sie hat Asperger vermutet, war sich ziemlich sicher, und dadurch kam die Diagnose.

      Ich erzähle das, weil sie
      - mit einer Therapie-Richtung arbeitet, die negative Erfahrungen mit Menschen "überschreibt" (das ist meine Formulierung, nicht ihre; als würde man eine fehlerhafte Festplatte neu formatieren); ich übe mit ihr nicht nur Verhalten, ich übe auch, dass ich vor Menschen keine Angst haben muss
      - ein Beispiel ist, dass es positive Fälle in ihrem Beruf gibt.
      Ich würde Dir (von meiner Erfahrung her) Mut machen, wegen Deiner Angst weiter nach einem Therapeut/einer Therapeutin zu suchen.

      Frag auf jeden Fall vorher, bevor Du auf die Warteliste kommst, am besten schriftlich, ob
      - es auch bei / trotz Autismus geht
      - es auch geht, wenn Du bereits von der Sozialarbeiterin und Heilpädagogin betreut wirst (so lange von denen nieman Therapeut ist, sollte das kein Problem sein)
      Wenn Dir mein Rat sinnvoll erscheint, und Dir die Heilpädagogin bereits mit TEACCH hilft, könntest Du das vielleicht in der Mail erklären und erklären, welche Probleme Du in einer Therapie gerne klären möchtest.

      Verhaltenstherapie für Autisten kann bedeuten, Dir zu erklären, wann und warum Du duschen musst.
      Der Therapeut kann nicht wissen, ob es darum gehen soll, oder um andere Dinge.

      Beschreibe dem möglichen Therapeuten möglichst genau, um was es gehen soll - kopiere das mit der lauten Stimme und "Kinderrolle" hier vielleicht.

      Meine Therapeutin verlangt keinen Blickkontakt. Sie fragt nach, wie ich etwas meine, oder wie ich Metaphern verstanden habe.
      Ansonsten, glaube ich, behandelt sie "einfach" mich als ganzen Menschen.
      Wie jeden anderen Patienten/Klienten.
      Such nach so jemandem, das ist es echt wert. Ich merke, dass es mir hilft, auch wenn es bei mir langsam geht.
    • Kpax wrote:



      Melanie84 wrote:

      Mir hat es geholfen, mir das worst Case Szenario genau auszumalen und es für mich anzunehmen.
      Als zb, OK , diese Menschen sehen wie fertig ich innerlich bin, OK dann sehen sie es eben.

      Melanie84 wrote:

      Und dann hab ich die Dinge vor denen ich Angst hatte eben trotzdem gemacht.
      ( Und manches musste ich hunderte Male machen bevor ich es halbwegs so gut hinbekam wie andere, die viel weniger üben mussten).
      @Melanie84 das sind ziemlich fortgeschrittene Sachen.Ich hoffe, dass ich das irgendwann auch kann.
      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ich diesen Unsinn verfasst habe. Denn wenn ich darüber nachdenke, wie schwer das eigentlich war, ständig Angst zu haben und die Dinge trotzdem tun zu müssen, war das eigentlich ziemlich dumm von mir und noch dümmer war es, das hier als Tipp, mit seiner Angst umzugehen weiterzugeben.
      Ich dachte, mich in die Dinge, vor denen ich mich fürchtete hineinzuwerfen wäre eine Abkürzung gegen die Angst aber eigentlich hat es mich ( im Nachhinein betrachtet) nur abstumpfen lassen.
      Es stimmt, dass ich jetzt kaum noch Angst habe vor Menschen aber dafür sind sie mir auch fast gleichgültig geworden. ( Und mit dieser Gleichgültigkeit ist eigentlich auch die ursprüngliche Motivation überhaupt mit Menschen zu arbeiten verschwunden.)

      Ständig gegen seine eigenen Gefühle zu handeln kann ja nur zu Depressionen und Burnout führen. Also hat dieser Post mir zumindest ein bisschen Erkenntnis gebracht.
      Ich denke Angst sollte ernst genommen werden. Sie ist ja nicht umsonst da. Man muss irgendwie einen Mittelweg finden. Man darf sich nicht zu sehr vor der Welt verstecken, man sollte sich aber auch nicht mit der Einstellung ' Gefühle sind egal, ich kann sie ja einfach akzeptieren' wie ich es gemacht habe schutzlos der Welt ausliefern.
      Also mein Weg war definitiv nicht richtig. Und fortgeschritten war das auch nicht sondern eher unreif.
    • Melanie84 wrote:

      ' Gefühle sind egal, ich kann sie ja einfach akzeptieren'
      @Melanie84 dann habe ich Dich etwas falsch verstanden.
      Es gibt eine Richtung, die ähnlich ist wie Verhaltenstherapie (heißt ACT), und in der "Akzeptieren" ziemlich zu dem passt, was @MangoMambo schreibt.
      Ich habe darüber Podcasts gehört und es klingt gut. Ich dachte, Du könntest das umsetzen.
      Ich selbst bräuchte da wohl einen Therapeuten für, der genau das unterrichtet.

      Ich neige (noch?) zu einem "ganz oder gar nicht"-Gefühl.
      Meine Komfortzone ist nicht wirklich dehnbar.
      Vielleicht ist das ein guter Neujahrsvorsatz, zu lernen, welche Schritte klein genug sind.
    • Meine Angst nimmt phasenweise echt auch überhand. Das ist im Grunde mein Hauptproblem. Ohne diese Angst... wäre ich zufrieden.
      Mir wäre jetzt EMDR vorgeschlagen. Gegen die soziale Angst. Hat das hier schonmal jemand probiert?

      Habe auch lange nach dem Motto gelebt, immer hinein in die Angst zu gehen und das eben auszuhalten. Irgendwann wird es dann besser... so die Hoffnung. Ist aber leider nicht immer so. Und dann führt dieses sich ständig mit der Angst zu konfrontieren irgendwann zur totalen Erschöpfung. So erging es mir nun jedenfalls schon mehrfach. Deswegen suche ich nach neuen Strategien um mit der Angst klar zu kommen.
    • Hallo liebe @Lykana, bei mir genauso.
      Da kann ich sehr schnell ausbrennen.

      Wenn ich mit Angst überflutet bin, starke Scham habe, verkrampfe, stottere, Wortfindungsprobleme habe, teilweise vor Angst zittere, den Augenkontakt nicht halten kann und mich den sozialen Situationen Stelle, komme ich auch nicht vorwärts. Da komme ich nicht an Menschen, die auf Augenhöhe eine Freundschaft oder Kontakt aufbauen wollen sondern an Menschen die sich über mich stellen und mir sagen wo es lang geht, was auf die Zeit anstrengend ist.
      In der Phase der kompletten Unterwürfigkeit, Kontakte zu suchen wird eh nicht gut sein.

      Mir wurde im Forum schon mal vorgeschlagen mit 'Mauerbluemchen' in Kontakt zu kommen.
      Die Idee finde ich einerseits sehr sehr gut, da ich auch ein 'Mauerbluemchen' bin, anderseits ist es sehr schwer mit ihnen in Kontakt zu kommen, wenn beide Seiten schambehaftet und introvertierte Charakter sind.
      Wenn man sich kennengelernt hat, klappt es evtl viel besser als sonst, kennenlernen und Kontaktaufnahme, empfinde ich wie die Interaktion zwischen Sonne und Mond.
      Wenn einer kommt, geht der andere, also sehr sehr schwierig.
      Wenn man dazu die nonverbale Signale des anderen nicht erkennt und versteht wird es nicht leichter.

      Ganz liebe Grüsse.
      Alles Gute.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 2 times, last by Daniel1 ().