Autismus mit 50. Langes Leben, viel gelernt...viel versäumt ?

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    • MonaLisa wrote:

      Ich traue mich so etwas wohl auch nicht, zumindest kann ich es mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorstellen. Bisher ist das Leben trotz sehr vieler Rückschläge doch immer weitergegangen, und es wird auch alleine weitergehen, irgendwie.
      So etwa sehe ich das für mich ebenfalls.

      MonaLisa wrote:

      Und man muss sich immer sagen: Das Leben ist viel zu kurz, um es selbst noch weiter zu verkürzen. Die paar Jahrzehnte bekommt man schon irgendwie herum, und vielleicht hat man ja doch mal Glück und trifft ein paar nette Leute.
      Ja. Ich glaube, das ist eine wichtige Herausforderung: einerseits realistisch zu sein, auch in Bezug auf die eigenen kommunikativen Schwierigkeiten und sozialen Grenzen, sich im gewissen Sinne mit Einsamkeit auch abzufinden. Aber doch offen zu sein für positive Begegnungen, auch für spätere Jahrzehnte offen zu sein, dass sich Dinge zum Guten ändern können.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Shenya Danke für deine Beiträge. Ich hab auch solche Menschen kennengelernt, die aus allem das Beste für sich machen und dadurch zufrieden sind. Ich finde es einen sehr guten Rat, sich erstmal vollkommen in dem einzuleben, was man hat. Allerdings kann man nicht mit Willenskraft so werden, wie deine Freundin, nehme ich an. Das hat doch viel mit den Lebenserfahrungen und dem angeborenen Charakter zu tun. Jedoch ist es motivierend, sich solche Menschen als Vorbild zu nehmen, weil man da erkennt, dass Zufriedenheit nicht so stark an äußere Umstände gebunden ist, wie man vielleicht denkt.
      Wie aber eine Wandlung in einem stattfinden soll, dass man selbst diese Einstellung erhält und verinnerlicht, das weiß ich nicht. Hast du einen Ansatz dafür?
    • Lefty wrote:

      Hast du einen Ansatz dafür?
      Ich antworte einfach mal und sage, dass mir Affirmationen sehr geholfen haben. Sich immer wieder bewusst vorsagen was man sein möchte. z.B. Ich bin ruhig und gelassen. Ich bin die Ruhe. Oder: Ich habe meine eigene Meinung. Ich stehe zu dem, was ich sage. usw.

      Und sonst noch Meditationen, um auch mal Ruhe tatsächlich zu finden und zu spüren.
    • MangoMambo wrote:

      Ich antworte einfach mal und sage, dass mir Affirmationen sehr geholfen haben. Sich immer wieder bewusst vorsagen was man sein möchte. z.B. Ich bin ruhig und gelassen. Ich bin die Ruhe. Oder: Ich habe meine eigene Meinung. Ich stehe zu dem, was ich sage. usw.
      Und sonst noch Meditationen, um auch mal Ruhe tatsächlich zu finden und zu spüren.
      Da liegst du wohl in gewisser Weise auch richtig. Wenn ich es mir so recht überlege, hat mir so etwas, mit Hilfe von Autogenem Training in meinem zwölften Lebensjahr, wirklich einen Schub in die andere Richtung gegeben. Hin zum Positiven. Also würde ich dass auch als einen möglichen Ansatz unterstreichen...
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • Leonora wrote:

      Eine liebende Ursprungsfamilie kann einem schon eine gute Grundlage geben, wenn es "draußen" schwierig ist.
      ich hatte und habe leider keine liebende Ursprungsfamilie, sondern einen Vater und Mutter, die einen riesengroßen und viel zu spät korrigierten Fehler damit gemacht haben, miteinander ein Paar und Eltern zu sein; aber nicht aus bösem Willen, sondern eher unweigerlich aus ihrer eigenen psychsichen Verfassung heraus. so gabs nie eine Möglichkeit, meine so gut wie möglich unter den Teppich gekehrten (rw) Probleme vertrauensvoll anzusprechen und gar Hilfe zu organisieren. das hat zu den erheblichen Morbiditäten (Komorbiditäten ?) geführt :( :evil:
    • Lefty wrote:

      Das hat doch viel mit den Lebenserfahrungen und dem angeborenen Charakter zu tun. Jedoch ist es motivierend, sich solche Menschen als Vorbild zu nehmen, weil man da erkennt, dass Zufriedenheit nicht so stark an äußere Umstände gebunden ist, wie man vielleicht denkt.
      Wie aber eine Wandlung in einem stattfinden soll, dass man selbst diese Einstellung erhält und verinnerlicht, das weiß ich nicht. Hast du einen Ansatz dafür?
      Wahrscheinlich hat es auch viel damit zu tun, wie man aufgewachsen ist, was die Eltern vorgelebt haben. Was Zaph schrieb, ist richtig. Meine Eltern waren Arbeiter ohne Schulabschluss, daher war schon häufiger ein Thema, dass andere mehr haben (mehr Geld, mehr Bildung, mehr Ansehen), auch wenn das meine Eltern nicht überbetont haben, aber es kam schon durch.
      Ich habe mir überlegt, dass ich künftig häufiger an die guten Sachen in meinem Leben denken möchte und diese auch besser wahrnehmen will. Mich einfach mehr auf das Gute konzentrieren. Zum Glück gibt es ein paar gute Sachen, sonst wäre es schwieriger. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es mehr werden, wenn man erst einmal anfängt, danach zu suchen.
      Schon allein in einem Land zu leben, wo es Freiheit gibt, ist mehr als viele Menschen haben. Dann ein weiches, warmes Bett. Jeden Tag genug zu essen. Ein Hobby vielleicht, eine helle Wohnung, die man für sich gemütlich eingerichtet hat, usw.
      Vielleicht kann man, wenn man sich der guten Dinge bewusst ist, auch genauer herausarbeiten, was wirklich noch fehlt. Wenn es etwas Wichtiges ist, wird es sich schon bemerkbar machen, dann kann man gezielt daran was tun.

      MangoMambo wrote:

      Sich immer wieder bewusst vorsagen was man sein möchte. z.B. Ich bin ruhig und gelassen. Ich bin die Ruhe. Oder: Ich habe meine eigene Meinung. Ich stehe zu dem, was ich sage. usw.
      Das ist auf jeden Fall auch eine Hilfe, besonders wenn man Einstellungen verändern will.
      Wenn ich lange Zeit wenig mit anderen Menschen zu tun habe (wie jetzt gerade wegen Urlaub), dann werde ich unsicherer. Dann kann es sein, dass mich schon Menschen verunsichern, die mir bei einem Spaziergang entgegenkommen. In der Situation würde es mir vielleicht helfen, mir irgendeinen Satz zu sagen, der mir hilft, mich sicherer zu fühlen. Sonst denke ich oft negativ über die anderen Menschen ("alles Idioten, die sollen mal abhauen"), das macht mich aber unzufrieden und ist deshalb nicht gut für mich.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ein Tip ist auch das Befassen mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg.

      zB gibt es eine Übung, die ich oft anwende: Ich bin sehr empfindlich bei Kritik, bzw. wenn ich den Eindruck habe, daß jemand mich nicht leiden kann. Die Übung geht so: Ich lege mir die Hand auf das Herz (ungefähr..) und sage mir: "Auch wenn xy mich scheiße findet, bin ich liebenswert, gut und in Ordnung." Hört sich erstmal banal an, aber probiert es mal aus. Denkt mal an irgendwen, der Euch kritisiert hat, und macht mal die Übung. Ich finde es heilsam.

      Für mich hat die Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation, aus der die Achtsamkeitsbewegung ja auch zum Teil stammt, sehr viel gebracht.
    • Gerit wrote:

      Gibt es da denn gar nichts, worauf ihr stolz seid, worin ihr gut seid oder was ihr echt gerne macht ?

      Es geht ja primär um die eigene Zufriedenheit, nicht darum, was die Gesellschaft von einem hält, muss das so komplett verknüpft sein?
      Meine Lebensbilanz sehe ich (Anfang 50) durchwachsen. Mir ist übrigens erst in den letzten Monaten bzw. durch meinen Sohn bewusst geworden, dass ich im ASS Spektrum doch deutlich überdurchschnittlich liegen könnte.

      Ich habe 2 Kinder mit 2 Frauen, von denen ich zu 1 Kind eine sehr gute Beziehung habe, wenn auch nicht bei mir wohnend, das 2. Kind sehe ich nicht.

      Ich lebe alleine und habe noch nie wirklich gemeinsam mit jemandem gewohnt.

      Ich hatte so allerlei Freundinnen, die Beziehungen verliefen immer etwas problematisch, vor allem aufgrund meines Distanzbedürfnisses. Ich sehe in gewissen Bereichen jedoch überraschenderweise meine Empathie als Faktor, warum ich die Beziehungen überhaupt behalten konnte. Maximal jedoch über einen Zeitraum von 2 Jahren.

      Aufgrund dieser Muster möchte ich derzeit nur Beziehungen mit gewisser Distanz eingehen und tendiere zum Beibehalten des Alleine Lebens, obwohl dies nie mein langfristiges Ziel war.

      Ich habe gestern eine vielversprechende Bekanntschaft im Keim erstickt und habe mich für die Beibehaltung meiner aktuellen Beziehungspartnerin (trotz vieler Probleme) entschieden, ehrlich gesagt vor allem aus der Tatsache, dass ich mich bei ihr aufgrund langjähriger Bekanntschaft mit meinem etwas schwierigen Persönlichkeitsprofil sicher fühle und auch die Aussicht habe, alleine leben zu können. Die neue reizvolle Liebschaft hat "Druck" ausgeübt, trotz wunderbarer Magie bin ich nicht auf sie eingestiegen, ich habe Angst vor dieser nahen Liebe. Diesen Punkt finde ich schon recht bedauerlich in meinem Leben.

      Positiv verläuft der berufliche Weg, ich bin selbständig und mein eigener Herr mit ausreichendem Einkommen, so dass ich auch meine Kinder versorgen kann.

      Ich kann dem Leben denke ich auf besondere Art und Weise etwas abgewinnen. Ich genieße die Sinneswahrnehmung im Bereich Musik und visuelle Wahrnehmung, dies sind Dinge, die jederzeit abrufbar sind und oft Glücksgefühle auslösen können.

      Ich genieße es, mit konzentrierter Kraft mit anderen mitzufühlen, dies ist manchmal auch schmerzhaft aber schön intensiv.

      Ich befasse mich viel mit meinen eigenen Wahrnehmungen und Bedürfnissen, kann konzentriert arbeiten und mich vergessen.

      Ich liebe die Natur

      Alles in allem komme ich im Leben ganz gut zurecht, ich kämpfe oft ein bisschen damit, mich von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen frei zu machen. Das gelingt mir natürlich nicht immer, aber immer besser.

      LG

      Komodowaran
    • @Tom70:

      Das hört sich ja so an, als würdest Du alles in allem ganz gut dastehen, oder ? :)
      Hattest Du mal einen Zeitpunkt in Deinem Leben, in dem alles zuviel wurde und Du ernsthafte psychische Schwierigkeiten bekommen hast, so wie das hier oft erzählt worden ist, oder bist Du bis jetzt ohne großen Einbruch durchs Leben gekommen ?

      Tom70 wrote:

      Ich genieße es, mit konzentrierter Kraft mit anderen mitzufühlen, dies ist manchmal auch schmerzhaft aber schön intensiv.
      Das finde ich interessant, auch von der Art, wie Du das ausdrückst, so plastisch. Wann erlebst Du das ? Beruflich ?
    • Gerit wrote:

      Besonders hat mir gutgetan, mal was von den Menschen zu lesen, die wie ich zwar irgendwie anders und daneben sind, aber nicht so sehr, daß es nicht (mit großem Kraftaufwand etc.) möglich gewesen wäre, in dieser Gesellschaft mit drin zu bleiben und sich zu behaupten. Alle diese haben jedoch auch berichtet, daß es irgendwann zuviel der Anstrengung war und alles eingebrochen ist.
      Kannst du ein bestimmtes Buch besonders empfehlen? Würde mich auch interessieren!

      zaph wrote:

      Ich bin mit meiner Frau seit 30 Jahren zusammen, seit fast 26 Jahren verheiratet und in der Zeit davor (also zwischen 16 und ca. 27) war ich in der glücklichen Situation, dass ich nie die Initiative ergreifen musste, sondern immer derjenige war, der von "Interessentinnen" angesprochen wurde.
      Es gehört aber mehr dazu als angesprochen zu werden, denn das passiert mir auch. Erstens muss man schnallen, was der andere will und zweitens muss es passen, was in meinem Fall normalerweise nicht der Fall ist, sodass mir die "Angebote" nichts bringen. Außer, dass ich halt weiß, dass ich theoretisch jemanden haben könnte.

      Was mich allerdings wundert, ist, dass man überhaupt eine Diagnose hat, wenn alles gut lief. Wieso lässt man sich dann testen?

      Gibt es hier übrigens auch Frauen, bei denen das alles so positiv verlief?
    • Gerit wrote:

      @Tom70:



      Tom70 wrote:

      Ich genieße es, mit konzentrierter Kraft mit anderen mitzufühlen, dies ist manchmal auch schmerzhaft aber schön intensiv.
      Das finde ich interessant, auch von der Art, wie Du das ausdrückst, so plastisch. Wann erlebst Du das ? Beruflich ?
      Ich erlebe dies vor allem im Kontakt mit meiner Tochter. Aber auch im beruflichen Umfeld kommt mir das zugute. Die etwas ungeschickte Kommunikation mache ich dadurch wett, dass ich sehr gut einschätze, was meine Kunden wollen und auch welchen Auftragsumfang sie vertragen. Da ich im Dienstleistungsbereich (Planung) tätig bin, erscheint dies wichtig und erfolgsbringend.
    • zaph wrote:

      Heute versuchen Eltern betroffener Kinder oft, ihren Kindern sehr viel abzunehmen, was dazu führt, dass es das "Was sein muss, das muss sein" seltener gibt und den Kindern dieses "sich durchbeissen müssen" erspart/verwährt wird.
      Das mag für viele Kinder gut und richtig sein aus Sicht der Eltern und ich will das auch gar nicht als grundsätzlich falsch bezeichnen, aber ich bin heute froh, dass es bei mir anders war und ich gezwungenermassen gelernt habe, den Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu begegnen.
      Das sehe ich prinzipiell genauso, und es war bei mir in ähnlicher Weise der Fall wie bei Dir - nicht ganz so "normal" nach außen hin, weder privat noch beruflich, aber hinlänglich, um mittlerweile mit dem Leben zufrieden zu sein. Allerdings möchte ich einen Pukt ergänzen: ohne ein entsprechendes Elternhaus, wo das "Durchbeißen" nicht nur als selbstverständlich angesehen, sondern auch durch die Vermittlung des nötigen Selbstbewusstseins unterstützt wurde, hat es auch damals nicht funktioniert. Wenn es immer nur heißt "Du musst Dich eben mehr anstrengen", reicht das in den seltensten Fällen aus.

      Der Einbruch, von dem auch schon die Rede war, kann auch sehr spät kommen, je nach dem persönlichen und situationsbedingten Verhältnis zwischen Kompensationsfähigkeit und -bedarf. Mein Glück war die Diagnose meiner Tochter, durch die ich dann erst zu meinem Eigenverdacht gekommen bin. Anfangs habe ich gedacht, ich komme vollends ohne offizielle Diagnose durch, bis ich mit 61 gemerkt habe, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr alles kompensieren konnte. Ohne den Verdacht hätte ich das nicht so schnell gemerkt oder verdrängt, und dann wäre es irgendwann zu ebendiesem Einbruch gekommen. So konnte ich (nicht zuletzt dank der Unterstützung meiner Frau) rechtzeitig auf die Anzeichen reagieren.
    • Gerit wrote:

      @Tom70:

      Hattest Du mal einen Zeitpunkt in Deinem Leben, in dem alles zuviel wurde und Du ernsthafte psychische Schwierigkeiten bekommen hast, so wie das hier oft erzählt worden ist, oder bist Du bis jetzt ohne großen Einbruch durchs Leben gekommen .
      Ich hatte nach der Geburt meiner Tochter die Panik, sie nicht sehen zu können, ich bin dann in den stärkeren Alkoholismus reingekippt, welcher auch vorher gegeben war. Hab mir an die 10 Bier täglich reingeschüttet.

      Der Alkohol hat mich überhaupt begleitet mein gefühltes ganzes Leben lang, da er meine Persönlichkeitsdefizite sehr gut auszugleichen schien oder dies auch wirklich getan hat, z.B. im Umgang mit Menschen oder im zärtlichen Umgang mit meinen Freundinnen.
      Irgendwann dachte ich, der Alkohol bringt ich um. Mit viel Konzentration auf ein gesundes alkoholfreies Leben habe ich dann das Bedürfnis nach Lebensveränderung intensiv entwickelt und konnte mich so nach 30 Jahren Alkoholmissbrauch von dieser Last befreien. Man merkt sich sein letztes Glas Wein, dies war vor 6 Jahren. Seitdem habe ich einige male etwas gesündigt, der Schalter in meinem Kopf hat sich aber ausreichend auf die andere Seite gelegt.

      Ich bin irgendwie stolz darauf, dass mir dies ohne fremde Hilfe gelungen ist, denn solange und so intensiv wie ich auf Alk war, hätte man mir voraussichtlich eine langanhaltende Therapie verschrieben. Vor 2 Jahren dann Stopp mit Nikotin (erfolgreich ohne Rückfälle).

      Das war ein Einbruch, den ich mir zwar gerne erspart hätte, aus dem ich im Endeffekt aber gestärkt hervorgegangen bin, vor allem weil ich dem Alkohol nun entsage, wodurch aber auch das Thema ASS stärker zum Vorschein gekommen ist.
    • Fidoline wrote:

      Gibt es hier übrigens auch Frauen, bei denen das alles so positiv verlief?
      Eine hat doch diesen Thread eröffnet, wenn ich richtig sehe. ;)

      Insgesamt habe ich aber auch den Eindruck, dass das bei Frauen vergleichsweise seltener der Fall ist. Diejenigen, die wirklich beruflich erfolgreich sind, bleiben oft Singles, zumindest fallen mir da mehrere ein. Es gibt auch einige, die nach einer langen Familienphase und nach der ausführlichen Beschäftigung mit Autismus dann im Bereich Autismus/ Psychologie/ Therapie etc. noch einen spannenden beruflichen Weg für sich gefunden haben. Allerdings "trägt" sich das meist erst nach längerer Zeit und wäre ohne die intensive Unterstützung des Partners in den Fällen, die ich kenne, wohl auch nicht möglich gewesen (bzw. die betreffenden Frauen sagen auch offen, dass es das nicht wäre).

      HCS wrote:

      Allerdings möchte ich einen Pukt ergänzen: ohne ein entsprechendes Elternhaus, wo das "Durchbeißen" nicht nur als selbstverständlich angesehen, sondern auch durch die Vermittlung des nötigen Selbstbewusstseins unterstützt wurde, hat es auch damals nicht funktioniert. Wenn es immer nur heißt "Du musst Dich eben mehr anstrengen", reicht das in den seltensten Fällen aus.
      Da stimme ich zu. Umgekehrt Überbehüten allerdings auch nicht, und erst recht nicht die Kombination aus beidem. Was aber bei einem Kind, das so "unerklärliche", auch schwer fassbare Schwierigkeiten macht, durchaus aus Hilflosigkeit passieren kann. Wenn die Motorik stark betroffen ist, ist das vielleicht sogar schwer vermeidbar.
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      The post was edited 3 times, last by Leonora ().

    • Fidoline wrote:

      Kannst du ein bestimmtes Buch besonders empfehlen? Würde mich auch interessieren!
      Ja, das bezog sich auf den Thread, da hier auch viele Leute geantwortet haben, die nicht von vornherein so sehr vom Autismus betroffen waren, daß sie nur noch zu Hause sitzen und nichts mehr tun können, sondern die sich halt durchgeschlagen haben wie alle anderen Leute um sie herum auch, und mal mehr, mal weniger mit ihren Einschränkungen gekämpft haben, ohne zu wissen woher sie kommen.

      In unserer Generation gab es die Diagnose "Asperger Autismus" so noch nicht, viele haben, so wie ich, erst über 40 eine Diagnose erhalten, oft durch Zufall, etwa weil ein Kind Austismus diagnostiziert bekam oder weil sie einen Burnout hatten und untersucht wurden. Ich selber hatte zuerst viele Zweifel an meiner Diagnose, weil ich eben durchaus lebensfähig bin und sogar recht kommunikativ, etc. Aber ich habe dann viel über Asperger Autismus gelesen, zB. "Schattenspringer" (das ist etwas gewöhnungsbedürftig so als Comic, aber da steht mein Leben drin, das könnte eins zu eins ich sein bis auf ein paar Kleinigkeiten :roll: ) und habe gemerkt, daß ich für vieles eine andere Begründung gefunden hatte, etwa mein Elternhaus, etc., wovon ich jetzt weiß, daß es sehr wohl gut zu meiner Diagnose passt.

      Wenn Du oben die Berichte von @Mock vom Plock, @Spero, @molle66, @Capricorn, @Eurich Wolkengrob, @ADD83 und wie sie alle heißen liest, dann sind das oft Leute, die von außen gesehen gar nicht so schlecht dastehen, und wo ja auch im Thread dann oft die Bemerkung geäußert wurde, was willst Du überhaupt, Dir gehts doch gut ! Schau mich an !

      Ja, das stimmt schon, aber es macht mich auch unmutig, weil wir machen hier ja keinen Wettbewerb, wem es am Schlechtesten geht, sondern es gibt ein Spektrum, und es gibt auch Leute, die nicht komplett lebensunfähig sind und trotzdem in dieses Spektrum reingehören, weil auch sie Einschränkungen haben, im Vergleich zur sog. Normalbevölkerung. Und auch für die ist es wichtig, sich zu äußern, ohne dass sie sich dafür entschuldigen müssen, dass sie nicht komplett schlimm betroffen sind.

      Das ist manchmal sogar schwerer, nur ein wenig betroffen zu sein, als richtig: meine älteste Tochter saß im Rollstuhl, schielte und sabberte, da war allen klar: behindert ! Von ihr hätte niemand erwartet, daß sie sich in der "normalen" Gesellschaft zurechtfindet wie alle anderen auch. Von mir wurde das aber selbstverständlich erwartet, genauso von den anderen, die hier erzählt haben, und sie haben teilweise einen hohen Preis dafür bezahlt, was mich sehr schmerzt.

      Aber ich verstehe natürlich, daß Leute, die wirklich schwer betroffen sind, unsere Berichte lesen und es als blanken Hohn empfinden, daß wir uns über irgendwas beschweren :)

      The post was edited 1 time, last by Gerit ().

    • @Fidoline:Tipps aus diesem Thread waren noch:

      molle66 wrote:

      Der kalte Himmel 1

      Und hier Teil 2

      Beschreibt sehr gut die Situation in den sechziger Jahren, ähnlich der in der DDR in den Siebzigern.Viel Spaß beim Anschauen

      Leonora wrote:

      Meinem Eindruck nach gibt es unterschiedliche Varianten von "typisch autistischen Lebensläufen". Sammelbände mit "autistischen Geschichten" wie dieser, dieser oder auch dieser illustrieren das sehr gut. Einerseits gibt es teils frappierende Parallelen, andererseits sind die Geschichten aber auch völlig unterschiedlich. Auch in dem, was äußerlich geschafft oder nicht geschafft wurde.
      Äh naja, da ist der Link nicht mehr drin, das war auf Seite 6. Leonora kann die Sachlage sowieso immer ausgezeichnet zusammenfassen, siehe Seite 6 und 7.

      Leonora wrote:

      Aspies e. V. hat übrigens auch einen herausgegeben.
      Und das auf Seite 7

      Und nicht zu vergessen, das schöne Zitat von Hesse, das Mock von Plock am Anfang beigesteuert hatte und das wir heiß diskutiert haben in dem Thread :)

      The post was edited 1 time, last by Gerit ().

    • Tom70 wrote:

      Der Alkohol hat mich überhaupt begleitet mein gefühltes ganzes Leben lang, da er meine Persönlichkeitsdefizite sehr gut auszugleichen schien oder dies auch wirklich getan hat, z.B. im Umgang mit Menschen oder im zärtlichen Umgang mit meinen Freundinnen. ......


      Ich bin irgendwie stolz darauf, dass mir dies ohne fremde Hilfe gelungen ist, denn solange und so intensiv wie ich auf Alk war, hätte man mir voraussichtlich eine langanhaltende Therapie verschrieben.
      Ja, genau so habe ich es auch gemacht. Mit Alkohol.

      Es gab hier einen Thread (Umfrage) über Alkohol, bestimmt noch mehrere, aber den einen kürzlich habe ich gelesen.
      Ich bin sicher, es gibt mehrere, die sich mit Hilfe von Alkohol ins Normalleben beamen. Bis es nicht mehr geht.
    • Leonora wrote:

      Fidoline wrote:

      Gibt es hier übrigens auch Frauen, bei denen das alles so positiv verlief?
      Eine hat doch diesen Thread eröffnet, wenn ich richtig sehe. ;)
      Ja, ich habe viel Glück gehabt, bis vielleicht darauf, daß meine erste Tochter durch einen Geburtsfehler schwerbehindert war und ich dadurch mein Studium, meine Freunde und meinen ersten Mann verloren habe, und 12 Jahre später, als sie verstorben ist, wieder meinen "Beruf", alle Freunde aus dem Behindertenbereich und einiges mehr verloren habe, das war etwas schwer zu ertragen. Wie gesagt, das Leben hat mich Demut gelehrt. :) Das ist eine wichtige Erfahrung.
    • zaph wrote:

      Gerit wrote:

      Aber ihr habt Recht, und das gilt mM. für die Kindererziehung heute allgemein, die Kinder werden sehr zur Unselbständigkeit erzogen.
      Absolut richtig!Dazu kommt aber auch noch, dass wir in einer Zeit leben, in dem Konsumangebote so mannigfaltig allgegenwärtig sind, dass eigene Kreativität überhaupt nicht mehr relevant ist.
      Am Ende kommen dabei Erwachsene heraus, die Eigeninitiative nie wirklich kennengelernt haben.
      Das sehe ich nicht so, außer du zählst Handys zu Konsum. Meine Kinder können dank Öffi-App und Handy sich so frei bewegen und so viel machen. Sie wissen, dass sie mich jederzeit anrufen könnten und haben dadurch die Möglichkeit, trotz Autismus sich sehr frei zu bewegen. Klar, ohne Handy wäre es schwierig für sie genau wie für die meisten Menschen. Aber wenn ich das mit den Jugendlichen zu meiner Zeit vergleiche, bin ich oft erstaunt, was sie sich trauen.
      Sie müssen sich auch durch den Mediendschungel bewegen, was nicht so leicht ist. es gibt nicht mehr so wie früher einen Mainstream, sondern tausende Strömungen und alles geht so schnell. Und das apple tablet hat eine wahnsinns Zeichenfunktiion, damit kann man zeichnen, was man will. Ich finde es kommt sehr auf die Persönlichkeit an, heute wie früher. und man kann die Möglichkeiten nutzen und sehr kreativ sein.

      Gerit wrote:

      @zaph:
      Ja, weil dazu Langeweile gehört, damit Kreativität überhaupt entstehen kann.
      Das habe ich schon oft gelesen, aber es funktionert einfach nicht. Aus großer Langeweile entsteht meistens...nichts, Müdigkeit....Ich persönlich war immer schon sehr kreativ. Entweder habe ich einen hibbeligen ADHS-Anteil oder der Motor war, dass ich arm war und mir vieles nicht kaufen konnte.
    • Illi wrote:

      Aber wenn ich das mit den Jugendlichen zu meiner Zeit vergleiche, bin ich oft erstaunt, was sie sich trauen.
      Deine Kinder, die Du in diesem Sinn erzogen hast. Die Frage ist, wie repräsentativ sind Deine für die Gesamtheit? Ich weiß, ich bin längst in dem "früher-war-alles-besser-Alter", aber in diesem Punkt war es durchschnittlich früher tatsächlich besser. In anderer Hinsicht haben sie heute natürlich viel mehr Selbstbewusstsein als wir, auch, weil das inzwischen in den Schulen trainiert wird; heute halten sie schon in der Grundschule Referate, das habe ich ein einziges Mal in der gesamten Schulzeit gemacht. Aber die Grundhaltung, dass man sich auch gegen Widerstände (nicht nur äußere!) durchsetzen muss, die ist heute mE unterentwickelt - immer im Allgemeinen, nicht bei jedem Individuum natürlich.