Autismus mit 50. Langes Leben, viel gelernt...viel versäumt ?

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    • Waspie wrote:

      Setzt aber natürlich voraus, dass der keller gewisse grundlegende Standard bietet. Wenn der Keller ständig absäuft, dann dürfte das gemütliche Einrichten schwer werden. Und etwas schräg ist das natürlich auch... der Therapeut wird kaum selber im Keller sitzen...
      Ich gehe schwer davon aus, dass der Therapeut einem Klienten, der in seiner Wohnung absäuft, helfen würde, diese Situation zu verbessern. Das Ganze ist ja bildlich gesprochen auf irgendeine Lebenssituation übertragen.

      Es geht eben um die Situationen, wo Menschen meinen, dass etwas anderes besser wäre als das, was sie haben, und wo dieses Denken sinnlos und kontraproduktiv ist, weil es unzufrieden macht.

      Meine Freundin wird in der Hinsicht gerade zu einem großen Vorbild für mich: sie ist sehr intelligent und könnte beruflich aufsteigen, wenn sie wollte. Sie will aber nicht. Sie ist zufrieden mit der Situation, so wie sie ist. Sie sagt sich, wenn sie aufsteigt, hat sie auch mehr Stress und mehr Verantwortung. Das Geld reicht aber auch so. Ich dagegen hadere insgeheim damit, dass ich grundsätzlich nicht mehr erreicht habe (z.B. nicht an der Uni war) und bereits teilweise erwerbsgemindert bin. Ich mache aber beruflich das gleiche wie sie.
      Sie könnte sich auch problemlos eine größere Wohnung leisten als die, die sie hat, aber sie ist völlig zufrieden damit. Ich hingehen ziehe seit Jahren von Wohnung zu Wohnung und denke immer, es müsste noch was Besseres geben (okay, ich bin auch viel geräuschempfindlicher als sie. Ihre Wohnung ist genauso hellhörig wie meine, aber ihr macht es nichts aus). Meine jetzige Wohnung ist aber schön, und ich muss mein Schicksal wohl akzeptieren, dass ich lebenslang Ohrstöpsel tragen muss.

      Sie hat auch noch nie geäußert, dass sie unzufrieden damit wäre, Single zu sein. Ich hadere damit, nicht normal in der Hinsicht zu sein, weil mir das Single-Dasein durch Asperger aufgezwungen wurde. Doch es gibt auch Dauersingles ohne Asperger.

      Ihre Zufriedenheit macht sie zu einem glücklichen Menschen, nehme ich an (ich kann ja nicht in sie hineinsehen, aber sie wirkt so).
      Ich würde mir wünschen, ich könnte auch einfach so zufrieden sein mit meiner Situation, denn es ist doch in jeder Situation so, dass es besser sein könnte, aber es könnte auch meistens viel schlimmer sein. Ich will jedenfalls versuchen, an meiner Einstellung zu arbeiten, um wieder glücklicher zu werden. Ich war schon mal glücklicher als jetzt oder in den letzten 10 Jahren, ich will es wieder werden. Aber bisher dachte ich, ich erreiche das, indem ich immer weiter strebe nach Fortschritt und Verbesserung, und vielleicht ist der Weg vielmehr der, dass ich endlich zufrieden bin mit dem, was ich bereits habe.
      Alles wird galaktisch gut.
    • lakritz wrote:

      Ich überlege oft was aus mir geworden wäre, wenn ich schon von Kind an um meine Diagnose gewusst hätte
      Abgesehen davon, dass es die Diagnose in meiner Kindheit noch gar nicht gab (Autismus gab es als Diagnose damals nur bei relativ offensichtlichen Einschränkungen, das meine ich damit!), bin ich froh, dass ich den etwas härteren Weg gehen musste.
      Heute versuchen Eltern betroffener Kinder oft, ihren Kindern sehr viel abzunehmen, was dazu führt, dass es das "Was sein muss, das muss sein" seltener gibt und den Kindern dieses "sich durchbeissen müssen" erspart/verwährt wird.
      Das mag für viele Kinder gut und richtig sein aus Sicht der Eltern und ich will das auch gar nicht als grundsätzlich falsch bezeichnen, aber ich bin heute froh, dass es bei mir anders war und ich gezwungenermassen gelernt habe, den Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu begegnen.
    • zaph wrote:

      lakritz wrote:

      Ich überlege oft was aus mir geworden wäre, wenn ich schon von Kind an um meine Diagnose gewusst hätte
      Abgesehen davon, dass es die Diagnose in meiner Kindheit noch gar nicht gab (Autismus gab es als Diagnose damals nur bei relativ offensichtlichen Einschränkungen, das meine ich damit!), bin ich froh, dass ich den etwas härteren Weg gehen musste.Heute versuchen Eltern betroffener Kinder oft, ihren Kindern sehr viel abzunehmen, was dazu führt, dass es das "Was sein muss, das muss sein" seltener gibt und den Kindern dieses "sich durchbeissen müssen" erspart/verwährt wird.
      Das mag für viele Kinder gut und richtig sein aus Sicht der Eltern und ich will das auch gar nicht als grundsätzlich falsch bezeichnen, aber ich bin heute froh, dass es bei mir anders war und ich gezwungenermassen gelernt habe, den Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu begegnen.
      Ich bin einerseits froh, dass ich vieles gemacht habe, was ich mit der Diagnose wahrscheinlich gelassen hätte. Andererseits habe ich oft ein übel schlechtes Selbstbewusstsein, weil ich eben lange dachte, es läge an mir, dass vieles nicht so klappte. Wenn ich schon immer von meinem Aspererismus gewusst hätte, hätte ich das alles darauf schieben können.
    • zaph wrote:

      Ich bin ein Kind der 60er und deshalb gab es die Option "Ich kann das nicht" nicht.
      Also habe ich notgedrungen gelernt, mich allen Herausforderungen zu stellen und das durchzuziehen.
      Ich sage damit aber ausdrücklich nicht, dass das "jeder" können muss/müsste!
      Bin ich auch. Ich kann das alles leider nicht :(

      Wilsberg wrote:

      Hast Du mal an eine Alten-WG gedacht? Oder in was für ein Heim Du mal willst, wenn es alleine nicht mehr geht?
      Bevor ich ins Heim gehe hänge ich mich auf... der Gedanke an ein Heim ist schrecklich.

      zaph wrote:

      Abgesehen davon, dass es die Diagnose in meiner Kindheit noch gar nicht gab (Autismus gab es als Diagnose damals nur bei relativ offensichtlichen Einschränkungen, das meine ich damit!), bin ich froh, dass ich den etwas härteren Weg gehen musste.
      Die Diagnose hieß bei sprechenden Autisten nur anders. "Autismus" wurde nur bei nonverbalen Autisten vergeben.
      Froh bin ich jetzt nicht. Mein Weg wäre vermutlich besser verlaufen. So hatte ich nur unnütze Therapien.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • @Shenya:

      Ich war auch schon oft neidisch auf offensichtlich in sich ruhende zufrieden wirkende Menschen, und bemühe mich ebenfalls, mit dem, was ich habe und bin, zufrieden zu sein. Ich glaube auch, das ist der Weg. Das heißt nicht, daß ich nicht weiterhin träumen und planen und mich bewegen darf, aber einfach das bewußt würdigen, was gut ist in meinem Leben, finde ich wichtig. Und nicht an dem zu verzweifeln, was nicht geht.

      Das was der Therapeut meinte, war wahrscheinlich die Sachen mit dem Glaubenssatz: "Herr, gib mir Kaffee für die Dinge, die ich ändern kann, und Whiskey für die, die ich nicht ändern kann".. oder so ähnlich :d
    • zaph wrote:

      lakritz wrote:

      Ich überlege oft was aus mir geworden wäre, wenn ich schon von Kind an um meine Diagnose gewusst hätte
      Abgesehen davon, dass es die Diagnose in meiner Kindheit noch gar nicht gab (Autismus gab es als Diagnose damals nur bei relativ offensichtlichen Einschränkungen, das meine ich damit!), bin ich froh, dass ich den etwas härteren Weg gehen musste.Heute versuchen Eltern betroffener Kinder oft, ihren Kindern sehr viel abzunehmen, was dazu führt, dass es das "Was sein muss, das muss sein" seltener gibt und den Kindern dieses "sich durchbeissen müssen" erspart/verwährt wird.
      Ich bin Jahrgang 64, da gab es dass so in der Form auch nicht.
      Ich habe meinen Kindern eher geholfen indem ich sie ermutigte sich selbst durchzubeissen (RW) , Selbstständigkeit war mir bei Ihnen wichtig. Ich lebe ja auch nicht ewig... Also habe ich es wohl ein wenig ähnlich wie meine Eltern gehalten.

      Mein Vater war wohl auch im Spektrum, ist aber von der Psychiatrie zum Narzissten geworden - er verhielt sich jedenfalls so. Meine Mutter hatte, mit Blick auf die Verwandtschaft, wohl auch eine gewisse genetische Disposition.
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • Ein wenig mehr Verständnis bringt das Wissen um seine eigene Diagnose bzw. der der Kinder aber doch automatisch mit, oder ? Wir haben ein Pflegekind mit Asperger Autismus, und auf der einen Seite weiß ich, wann er ganz klare Grenzen braucht, die ihm Sicherheit geben, aber ich sehe auch, wo er ein besonderes Bedürfnis hat, dem ich besser nachgebe (zB hat er ein Kopfkissen, dass darf keinen Bezug kriegen, und da knibbelt er mit den Fingern immer an der Naht herum, wenn er sich beruhigen muß, und dazu hat er noch eine Nuckelflasche für diese Situationen, obwohl er schon 8 Jahre ist. So verbuddelt er sich dann unter seiner Decke und beruhigt sich wieder...das hätte ich meinen eigenen offensichtlich "normalen" Kindern nicht so durchgehen lassen).

      Aber ihr habt Recht, und das gilt mM. für die Kindererziehung heute allgemein, die Kinder werden sehr zur Unselbständigkeit erzogen.
    • Gerit wrote:

      Aber ihr habt Recht, und das gilt mM. für die Kindererziehung heute allgemein, die Kinder werden sehr zur Unselbständigkeit erzogen.
      Absolut richtig!
      Dazu kommt aber auch noch, dass wir in einer Zeit leben, in dem Konsumangebote so mannigfaltig allgegenwärtig sind, dass eigene Kreativität überhaupt nicht mehr relevant ist.
      Am Ende kommen dabei Erwachsene heraus, die Eigeninitiative nie wirklich kennengelernt haben.
    • Ich selbst wusste ja weder von meiner eigenen Diagnose, noch hatte sie mein Sohn damals. Mein Sohn hat sie erst in der Psychiatrie erhalten, als er bereits 16 Jahre alt war. Vorher hat er lediglich ADHS als Diagnose erhalten, und dass auch erst mit 13 Jahren. Davor galt er einfach nur als bockiger Querulant mit einem IQ von 136 :nerved:
      Als er mit 16 in der Psychiatrie war, hatte ich bereits meine eigene Diagnose in Freiburg angestoßen und mit 51 Jahren auch bekommen. Daraufhin erschien der Psychiatrie meines Sohnes eine diagnostische Abklärung dahingehend erst als sinnvoll :m(:
      Dabei hat mich der Leidensweg, wenn ich dass mal so nennen darf, meines Sohnes erst an den meinen erinnert und mich selbst zur Abklärung von ASS bewegt.

      Ich habe aber wohl schon intuitiv in die richtige Richtung erzieherisch gewirkt, da ich ja nur meinen Problemlösungsplan kannte und dieser so gut zu den Problemen meiner Kinder in der Gesellschaft passte. Mittlerweileweile durchläuft gerade meine Tochter die Diagnostik... Ich darf gespannt sein was dabei rauskommt :d
      ~ Erst wenn Du einen Anderen so annehmen kannst wie er von Natur aus ist, ist er frei geworden, sich von dort an aufzumachen, derjenige zu werden und zu sein, dessen er befähigt ist ~
    • zaph wrote:

      war ich in der glücklichen Situation, dass ich nie die Initiative ergreifen musste, sondern immer derjenige war, der von "Interessentinnen" angesprochen wurde.
      Und selbst heute kommt es noch vor, dass Kolleginnen in der Firma mehr oder weniger deutlich Interesse zeigen,
      Das ist - aber das weißt Du wohl - so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was wahrscheinlich die meisten Leute hier im Forum erleben. Ich war z. B. nie jemand, um dessen Gegenwart sich die Menschen "gerissen" hätten, allenfalls so gerade geduldet (oft nicht einmal das), aber nie wirklich geliebt (außer von meiner Ursprungsfamilie).
      Dein Leben ist für das eines Autisten extrem privilegiert, was wohl nur mit vorteilhaften Umgebungsbedingungen, hoher Intelligenz, gutem Kompensationsvermögen und nicht zuletzt sehr viel Glück möglich ist.
    • MonaLisa wrote:

      Dein Leben ist für das eines Autisten extrem privilegiert, was wohl nur mit vorteilhaften Umgebungsbedingungen, hoher Intelligenz, gutem Kompensationsvermögen und nicht zuletzt sehr viel Glück möglich ist.
      Das unterschreibe ich mit einem dicken Edding und doppelt unterstrichen.
      Und ich bin mir dessen absolut bewusst und sehr dankbar dafür.
      Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass mein Leben auch im Vergleich zu den meisten Nichtautisten sehr privilegiert ist.
    • MonaLisa wrote:

      Ich war z. B. nie jemand, um dessen Gegenwart sich die Menschen "gerissen" hätten, allenfalls so gerade geduldet (oft nicht einmal das), aber nie wirklich geliebt (außer von meiner Ursprungsfamilie).

      Ist bei mir ähnlich, und ich denke, gerade für einen autistischen Menschen habe ich selbst damit noch vergleichsweise Glück gehabt. Es gibt etliche, die auch von ihren Familien nicht wirklich geliebt und akzeptiert werden, so wie sie sind. Eine liebende Ursprungsfamilie kann einem schon eine gute Grundlage geben, wenn es "draußen" schwierig ist.

      Shenya wrote:

      Gestern habe ich in irgendeiner Talkshow einen Satz von einem Therapeuten aufgeschnappt. Er sagte sinngemäß, dass er viele Leute in Therapie hat, die immer nach irgendwas Besserem oder Anderem suchen, und sein Rat wäre, sich doch mal in dem, was man hat, richtig gemütlich einzurichten. Oder als Vergleich: ein Mann wohnt in einem Keller und sagt sein ganzes Leben lang: "wenn ich im 1. Stock wohnen würde, dann wäre ich glücklich". Irgendwann stirbt er im Keller und denkt "im 1. OG wäre ich glücklich gestorben". Die ganze Zeit hat er versäumt, es sich in seiner Kellerwohnung richtig gemütlich zu machen.
      Das Bild finde ich etwas merkwürdig. Wenn derjenige nicht die Kraft hat, auszuziehen, wäre es besser, es würde Hilfe dabei geben, gerade für einsame Menschen ohne privates soziales Netzwerk. Ich glaube, ich verstehe schon, was er meint, aber so klingt das für mich sehr absolut und grundsätzlich, alles solle man sich mit dem zufrieden geben, was man hat. Schöner finde ich beispielsweise das Bild, dass das Gras anderswo nicht unbedingt grüner ist. Nicht jede Situation, die anders ist als vorgestellt oder geplant, ist deshalb schlecht. Es kann lohnen, sich das Positive an der eigenen Lebenssituation klar zu machen, bevor man beispielsweise aus einer "Kurzschlussreaktion" heraus die "Brücken hinter sich abbricht". Sich deutlich zu machen, was man doch erreicht hat, auch wenn man sich manche Wünsche nicht erfüllen konnte. Das relativiert vielleicht manches. Aber sich in einer an sich unguten Situation einzurichten, weil man glaubt, nichts besseres erreichen zu können (oder zu verdienen), klingt doch recht resignativ.

      Pechblende wrote:

      Gerit wrote:

      Schauspieler ? Sänger? Was weiß ich, Fußballer?
      ist das jetzt ernst gemeint, dass eine solche Aufmerksamkeit für eine Figur des öffentlichen Medien-Lebens als 'Verliebtheit' bezeichnet werden soll ?
      Meinem Verständnis nach kann man solche Schwärmerei schon als Verliebtheit bezeichnen, die Gefühle dabei können ja sehr intensiv sein. In den meisten Fällen ist das ja entwicklungspsychologisch eine Art Vorstufe zur Verliebtheit in einen Menschen, zu dem realer Kontakt besteht. Allerdings wird dieser "Sprung" nicht von allen erreicht, vielleicht von Autisten sogar überdurchschnittlich nicht. Liebe ist das noch einmal etwas anderes, denke ich, und setzt viel mehr Vertrautheit voraus.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Eine liebende Ursprungsfamilie kann einem schon eine gute Grundlage geben, wenn es "draußen" schwierig ist.
      :thumbup:

      Das kann ich voll unterstreichen. Es wird allerdings sehr schwer werden, wenn meine Eltern einmal sterben, wobei die so ein "symbiotisches" Verhältnis zueinander haben, dass der eine schwerlich ohne den anderen sein kann. Vor diesem Zeitpunkt habe ich große Angst, denke schon, dass mein Leben dann auch so gut wie zu Ende sein wird. Ich habe zwar noch eine Schwester, die hat aber ihre eigene Familie und ist psychisch auch nicht gut belastbar.
    • Leonora wrote:

      Aber sich in einer an sich unguten Situation einzurichten, weil man glaubt, nichts besseres erreichen zu können (oder zu verdienen), klingt doch recht resignativ.
      Ich glaube, so ist das auch nicht gemeint.
      Viele Leute sind unzufrieden, weil sie sich immer an denen orientieren, denen es (scheinbar) besser geht anstatt auch mal zu sehen, dass es vielen noch schlechter geht.
      Also immer die Fokussierung auf das "Bessere" ohne ausreichende Würdigung des Erreichten.
    • Oh ja, das ist die "dunkle Seiten" für Menschen, die in ihrer Ursprungsfamilie geliebt werden, aber nie wirklich "draußen" ankommen. Ich bin Einzelkind und das Thema ist für mich extrem angstbesetzt und der Hauptgrund, weshalb ich es bedaure, mir den Mut und die Entschlusskraft für einen Bilanzsuizid nicht wirklich zuzutrauen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • zaph wrote:

      Viele Leute sind unzufrieden, weil sie sich immer an denen orientieren, denen es (scheinbar) besser geht anstatt auch mal zu sehen, dass es vielen noch schlechter geht.
      Also immer die Fokussierung auf das "Bessere" ohne ausreichende Würdigung des Erreichten.
      Ja, vermutlich. So verstanden kann ich das auch gut nachvollziehen, das meinte ich mit dem Bild über das Gras, das vermeintlich anderswo immer grüner ist. Das Bild mit der Kellerwohnung klingt für mich nur ungünstig, etwas passiv-resignativ.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Um bei dem Beispiel mit dem Keller zu bleiben:
      Wenn derjenige es geschafft hat, unter Überspringung des Erdgeschosses ins 1. OG zu kommen, dann wird er sich bald denken: "Das Gebäude hat 5 Etagen, warum bin ich nur im 1. OG?".
      Und so geht es weiter, bis er im 5. OG angekommen ist, aus dem Fenster schaut und feststellt, dass das Gebäude gegenüber 10 Etagen hat.
      Mit anderen Worten: Wer so denkt, wird nie zufrieden sein.
    • @Leonora

      Ich traue mich so etwas wohl auch nicht, zumindest kann ich es mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorstellen. Bisher ist das Leben trotz sehr vieler Rückschläge doch immer weitergegangen, und es wird auch alleine weitergehen, irgendwie. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, nach Überwindung der Pandemie zumindest wieder ein bisschen Anschluss zu suchen, wieder singen zu gehen. Und man muss sich immer sagen: Das Leben ist viel zu kurz, um es selbst noch weiter zu verkürzen. Die paar Jahrzehnte bekommt man schon irgendwie herum, und vielleicht hat man ja doch mal Glück und trifft ein paar nette Leute. :)
    • zaph wrote:

      Um bei dem Beispiel mit dem Keller zu bleiben:
      Wenn derjenige es geschafft hat, unter Überspringung des Erdgeschosses ins 1. OG zu kommen, dann wird er sich bald denken: "Das Gebäude hat 5 Etagen, warum bin ich nur im 1. OG?".
      Und so geht es weiter, bis er im 5. OG angekommen ist, aus dem Fenster schaut und feststellt, dass das Gebäude gegenüber 10 Etagen hat.
      Mit anderen Worten: Wer so denkt, wird nie zufrieden sein.
      Wie gesagt, wenn das so gemeint ist, kann ich das gut nachvollziehen. Aber für sich allein klingt das Beispiel "Kellerwohnung" für mich halt nicht so glücklich gewählt.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.