Betreutes Einzelwohnen: Anbieter wechseln?

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    • Betreutes Einzelwohnen: Anbieter wechseln?

      Hallo,

      gibt es hier noch weitere Menschen die betreutes Einzelwohnen in Anspruch nehmen?

      Ich bin 2012 umgezogen um in meiner eigenen Wohnung von einem Sozialarbeiter betreut zu werden. Schnell war klar dass dies keine Betreuung ist wo mir beim Einkaufen, Aufräumen, etc geholfen werden muss sondern dass es hauptsächlich um mein Sozialleben geht was sich schwierig gestaltet da ich oft nicht weiß was mir Menschen sagen wollen wenn sie es nicht direkt ansprechen. Zumal bekomme ich eine volle EU-Rente, die allerdings nur befristet ist, das Thema in welchem Umfang ich arbeiten kann/könnte steht also auch immer mal wieder im Raum, zumal ich gerne arbeiten würde obwohl sämtliche Versuche bis jetzt nach wenigen Wochen bis Monaten (teilweise mit Psychiatrieaufenthalt) gescheitert sind.

      2016 kam der Verdacht des Autismus auf, durch meinen damaligen Therapeuten, die Therapie musste ich kurz danach beenden da die Krankenkasse nicht mehr zahlen wollte. Mir wurde von mehreren Stellen damals geraten nicht weiter auf die Therapie zu bauen, sondern mich darauf zu konzentrieren mit meinem Sozialarbeiter zu arbeiten, da der eben langfristig bezahlt wird. Die Therapie wurde bis dahin allerdings auch 13 Jahre bezahlt, aber 10 Jahre bei einer Therapeutin die wohl sehr gut darin war die Kostenübernahme zu erhalten.

      Probleme beim aktuellen Anbieter im Spoiler, weil langer Text und evtl nicht relevant:
      Display Spoiler
      Nun hat mein alter Sozialarbeiter letztes Jahr seinen Job gekündigt, und ich habe erst eine neue Sozialarbeiterin beim gleichen Träger zugewiesen bekommen, seit diesem Jahr betreut sie mich zusammen mit ihrem Kollegen.
      Ich war zu Anfang skeptisch weil sie sehr jung ist (Anfang 30), und ich immer das Gefühl hatte ihr fehlt Lebenserfahrung. Ihr Kollege ist noch jünger (21). Es gibt noch eine therapeutische Beratung dort, die Frau ist auch noch Anfang 30, kommt mir aber weniger "unerfahren" vor. Sie möchte aber demnächst kündigen. Das ist nicht so schlimm für mich, da sie eine psychoanalytische Ausbildung hatte und ich durch 10 Jahre Psychoanalyse mit dem Thema quasi durch bin, sie ließ sich aber gut darauf ein dass ich aktive Tipps brauche und keinen Therapeuten der mir sagt Dinge wären so wie sie wären wegen meiner Kindheit o.ä. ohne Lösungswege auszuarbeiten.

      Dadurch dass ich einen großen Teil dieses Jahres nur per Telefon zu den beiden Kontakt habe, merke ich dass meine Geschwindigkeit meiner Fortschritte der letzten 8 Jahre sich verringert hat.
      Es gibt Themen, die ich zwar angesprochen habe, bei denen ich aber merke dass die beiden entweder keine Erfahrung mit dem Thema haben oder voreingenommen da ran gehen (Polyamorie zB).
      Mein größerer Kritikpunkt momentan ist dass (Telefon-)Termine oft ausfallen oder sich verschieben und ich dazu sehr viele kurze SMS bekomme anstatt direkt angerufen zu werden. Ich antworte inzwischen nicht mehr auf die SMS sondern rufe einfach an, allerdings muss ich das auf dem Diensthandy tun. Dort geht oft keiner ran, und zurückgerufen werde ich auch nicht, im "schlimmsten" Falle bekomme ich am nächsten Tag wieder eine SMS dass ich mich doch mal melden sollte.

      Mir sind Zuverlässigkeit, Reflektiertheit bzw Offenheit für neue Themen/Sichtweisen und Verbindlichkeit wichtig. Ich habe inzwischen das Gefühl dass das Alter der beiden da mit rein spielt, denn ich höre immer wieder von Freunden dass sie das bei jungen Menschen auch stört.

      Nun werde ich durch Corona sicher noch länger Telefontermien wahrnehmen müssen, was an sich erst mal kein Problem darstellt, dann ist mein Fortschritt halt langsamer.

      Ein anderes Problem ist: Mein alter Sozialarbeiter war zB glücklich darüber dass ich meine Finanzen im Griff habe (ich habe EU-Rente, nie gearbeitet, dh es ist der Mindestbetrag der der Höhe das Hartz IV Satzes entspricht). Nun sind viele der Klienten von Sozialarbeitern nicht in der Lage ihre Finanzen zu kontrollieren. Ich habe zumal das Glück dass mir meine Eltern manchmal "unglückliche" größere Ausgaben bezahlen, wie zB eine neue Waschmaschine wenn die alte kaputt ist oder Zuzahlungen beim Zahnarzt. Die beiden jetzigen Sozialarbeiter sehen mich aber dadurch in einer privilegierten Situation, und zwar schon dadurch dass ich meine Finanzen unter Kontrolle habe. Mein alter Sozialarbeiter war da das Gegenteil und meinte "die vier Grundrechenarten lernt jeder in der Grundschule" dh er hatte kein Verständnis dafür dass Menschen über ihre Verhältnisse lebten und dadurch Schulden machten.
      In letzter Zeit bekomme ich aber auch in anderen Situationen immer wieder das Gefühl dass ich in vielen Situationen (die nicht mein Sozialleben betreffen) mit etwas Neid als privilegiert angesehen werde, weil ich eben nicht dem typischen Klienten entspreche. Sachen wie dass ich mich doof fühle weil Freunde mich zum Essen einladen um mit mir Zeit zu verbringen, weil sie wissen dass ich mir Essen gehen sonst nicht leisten kann, mag ich da gar nicht ansprechen, auch mag ich nicht ansprechen wie ich manchmal überlege wie mein Leben finanziell aussähe wenn ich arbeiten würde. Zu letzterem war der Kommentar nur "ja wenn du mehrere Tausend Euro im Monat verdienen würdest wäre dein Leben sicher anders" Ich habe zwar gesagt dass es mir nur um 200-500 Euro mehr gehen würde, aber das nur als Beispiel von einer Art schwarz-weiß Denkens.

      Das Thema dass ich allgemein gerne arbeiten würde geht leider auch in diesem Themenkomplex unter, oder die Antwort ist dass "das System" Schuld ist dass Autisten schwer einen Job finden.
      Nächstes Jahr steht die Verlängerung meiner Rente an, ich hoffe dass dort nach Aktenlage entschieden wird, ich glaube nämlich nicht dass entsprechende Stellen sich damit begnügen dass ich als Autist ja nun mal nicht arbeiten könnte. Mein alter Sozialarbeiter hat das Thema sehr ausführlich mit mir besprochen, und mir dadurch auf zu der Entscheidung verholfen Rente zu beantragen, und auch zu überlegen welche Art von Jobs denn in welchem Zeitumfang in Frage kommen würden. Die Ideen dazu von meiner neuen Sozialarbeiterin waren wenig realistisch ("Du wärst voll der coole Tattoowierer", "Ja was mit PCs wäre doch gut", "Du kannst doch Basteln, verkauf doch gebastelte Sachen!") ohne darauf einzugehen wie diese Jobs meinen Lebensunterhalt langfristig sichern sollen.


      Hat jemand mal den Anbieter des betreuten Einzelwohnen gewechselt wegen Problemen beim aktuellen Anbieter?
      Vielleicht lösen sich manche Probleme wie die der Telefontermine Ende nächsten Jahres auf, sollten wir bis dahin alle gegen Corona geimpft werden.
      Trotzdem möchte ich gerne einen Plan machen, wie man den Anbieter wechselt wenn ich weiterhin so langsam Fortschritte mache.

      Wie habt ihr sichergestellt dass es bei dem neuen Anbieter wirklich besser wird, oder habt ihr mehrmals wechseln müssen?



      Habt ihr das Gefühl euer Autismus wird angemessen behandelt?

      Es gibt 2 Extreme die ich nicht haben möchte:
      Das eine wäre dass die Person mich bemitleidet, Autismus als Ursache für alles Mögliche sieht und deswegen gar nicht erst versucht an Themengebieten zu arbeiten bei denen ich aber erst mal versuchen möchte ob ich mich da nicht trotzdem verbessern kann.
      Das andere wäre jemand der "übermütig" wird und meint man könne das doch alles lösen, vielleicht sogar gar nicht an die Autismusdiagnose glaubt. Ich habe gleichzeitig eine schizophreniforme Störung, da wurde mir schon versprochen dass diese verschwinden würde wenn ich nur wollte, und das ich lernen könnte mit Halluzinationen und Paranoia umzugehen. Zumal es immer wieder Psychiater gibt die meinen mit anderen Medikamenten wäre die Störung therapierbar, laut meiner jetzigen Psychiaterin habe ich dadurch dass die Störung schon als Kind auftrat aber nicht wirklich Chancen sie zu "heilen" und im Vergleich zu anderen Menschen bei denen sie zu Erwerbsunfähigkeit geführt hätte wäre ich mit Medikamenten und den Symptomen die noch da sind recht gut dran, was ich auch so sehe.

      Ich würde auf jeden Fall schriftlich verfassen welche Anforderungen ein neuer Sozialarbeiter quasi erfüllen soll, zB keine Person die ihr Studium grad erst abgeschlossen hat und mindestens 35 Jahre alt, kein "Mütterchen" was mich bemitleidet, jemand der sich damit auskennt jemanden langfristig zu betreuen, etc.

      Solange ich noch Therapie gemacht habe hatte ich leider einige Misserfolge bei Therapeuten und auch in stationärer Behandlung, wo man mit mir überfordert war, was mir selbst oft auch schon sehr schnell sichtbar wurde. Damals hatte ich zwar noch keine Autismusdiagnose, aber das Problem war dass seitens der Therapeuten nicht gesagt wurde "ich glaube sie sind hier falsch", sondern dass es so dargestellt wurde als ob ich nicht genug Willenskraft hätte die Therapien mitzumachen. Habe ich die Therapien abgebrochen bzw darüber geredet, hieß es dann aber doch manchmal dass mir an anderer Stelle sicher besser geholfen werden könnte.
    • Hat jemand mal den Anbieter des betreuten Einzelwohnen gewechselt wegen Problemen beim aktuellen Anbieter?

      Ich hatte zuerst viele Jahre den gleichen Anbieter. Als es mit der Autismusdignose klar war, hatte ich viele Probleme dort. Ich weiß nicht genau, ob es daran alg, dass ich mich insgesamt weiter entwickelt hatte und durch die neue Diagnose auch nochmal eine andere Sicht auf die Dinge oder auf Seiten des Anbieters die Geduld ein wenig "Zuende" war (obwohl sie die Idee selbst aufgebracht hatten)... Jedenfalls hatte es irgendwann garnicht mehr für mich gepasst.

      Den Wechsel habe ich erstmal nur mit Unterstützung durch eine andere Einrichtung bewältigen können. Leider hatte ich da ziemlich Pech. Ich hatte explizit nach Autismuserfahrungen gefragt. Aber derjenige hatte kurzfristig dann doch nicht mehr dort gearbeitet. Die Ersatzperson hatte keine Ahnung und es trotz größerer Bemühungen auch nicht kompensieren können. Zuvor war man mir recht weit entgegen gekommen mit mehreren (!) Gesprächen bevor ich gewechselt habe. Ich hatte mir noch andere Anbieter in der Nähe angeschaut, die aber definitiv keinen guten Eindruck auf mich gemacht hatten.
      Ich hatte dann nach über einem Jahr die Nase voll, da es einfach keine Hilfe war.

      Ich wechselte zu einem Anbeiter, der Schwerpunktmäßig Autisten betreut. Dafür musste ich allerdings einen viel weiteren Weg zurücklegen (ich mag nicht immer die Menschen in meiner Wohnung haben). Es war eine sehr gute Betreuung bis die Frau ihre Stelle kurzfristig gekündigt hat. Ich bekam wochenlang keine Vertretung und wurde völlig allein gelassen. Auch als ich dann auch noch sehr krank wurde half man mir nicht. Es gab keine Kommunikation, obwohl die vorherige Betreuerin gesagt hatte, meine Bedürfnisse/ Probleme nochmal explizit angesprochen zu haben.
      Als meine Bezugsbetreuerin aus der Tagesstätte nach längerer Abwesenheit zurück kam, war sie entsetzt über die Situation und wie es mir ging. Zufällig kannte sie eine Sozialarbeiterin, mit der ich auf einer begleiteten Reise gute Erfahrungen gesammelt hatte. Sie vermittelte mir den Kontakt und nach zwei Gesprächen, wo ich meine Bedenken abklären konnte, hatte ich NOCHMAL gewechselt.
      Der Kostenträger hatte an dieser Stelle nicht mehr so viel Geduld mit mir und das alles in Frage gestellt. Aber dien Neue half mir, alles gut zu regeln. Die jetzige ist auch weiter weg, was es manchmal schon anstrengend macht. Sie kannte sich auch nicht aus mit Autismus. Aber auf der vorherigen Reise hatte sie trotzdem ein gutes intuitves Gespür gezeigt und auch mitbekommen wie es ist, wenn ich "die große Heulerei" bekomme. Ich muss ihr noch oft vieles Erklären aber mittlerweile (nach 10 Monaten) hat sie viele wichtige Punkte zumindest grob erfasst und nimmt mich vor allem ernst und fragt auch nach. Meine negativen Vorerfahrungen spielen nämlich auch öfters mal eine Rolle (auch wenn ich das dann manchmal garnicht so gern zugebe). Zumindest im Moment bin ich sehr froh, die Wechselein gemacht zu haben und hoffe sehr, dass ich die jetzige Frau behalten kann. Ich weiß, dass es mit jemand anderem aus dem Team wieder schwieriger sein würde, denn sie haben halt keine spezifische Ausbildung und sind auf die üblichen anderen psychischen Erkrankungen "programmiert".

      Wichtig war mir immer zu klären,
      - wie die Abrechnung funktioniert (da habe ich schon ziemlich fiese Sachen erlebt)
      - klare Vertretungsregelungen für Krankheit, Urlaub o.ä.
      - natürlich auch, ob die Person gewillt ist, auf meine Erwartungen einzugehen (z.B. Klarheit, Verlässlichkeit) Das können manche Menschen von ihrem Wesen her garnicht. Trotzdem brauche ich aber auch zugewante, feinfühlige Menschen.

      Ich hatte mir alle wichtigen Punkte (Bedürfnisse, meine Ziele) aufgeschrieben und vorab besprochen.

      Ich glaube, man muss teilweise wirklich Glück haben bei der Suche und es lohnt sich schon, sich umzugucken. Auf jeden Fall sollte man sich mehrere Anbieter anschauen, um verschiedene Eindrücke zu gewinnen. Das hat mir auch oft geholfen, die Unterschiede zu sehen.
      Es kann aber eben auch sein, dass der Chef ein A**** ist und die Betreuungskraft total toll. Deswegen sollte man unbedingt darauf achten, dass man genau diese auch kennenlernen darf. (Bei meinem jetzigen Anbieter hätte der Chef mich wahrscheinlich vergrault! Ich kann ihn echt garnicht leiden und er ist bestimmt nicht autismuskompatibel ;) )

      Manches mal reicht es auch, im gleichen Team jemand anderen zu nehmen. Die Arbeitsweisen und Ansichten unterscheiden sich häufig erheblich.
      Deine Schilderungen hören sich für mich allerdings auch so an, als könnte das Alter/ die Unerfahrenheit eine Rolle spielen. Meine Erfahrung ist auch, dass ich meistens mit erfahrenen Mitarbeitern besser klar komme (wahrscheinlich weil sie zum einen älter sind aber eben auch weil sie schon viel mehr Klienten hatten und viel differenzierter gucken können).

      Zu allererst würde ich allerdings erstmal versuchen über all diese Punkte zu sprechen, gerade das mit der Zuverlässigkeit und auch die Ernsthaftigkeit deiner Arbeitswünsche. Wenn dies nicht geht, dann mit dem Vorgesetzten/ Teamleitung. Wenn das alles keine Änderung/ Besserung bringt kann man nach einem anderen Anbieter gucken. Dann kannst du auch dem Kostenträger klar sagen, dass du alles versucht hast.

      So oder so, ist es alles kräftezehrend und nicht einfach. Denn auch bei einem Autismusexperten muss man sich erstmal kennenlernen und erklären (weil jeder ist individuell)
    • kastenfrosch wrote:

      denn sie haben halt keine spezifische Ausbildung und sind auf die üblichen anderen psychischen Erkrankungen "programmiert"
      Vielleicht nicht direkt auf die "typischen" Erkrankungen, aber zumindest auf eine eher andere Art der Betreuung. Das ist nicht schlimm, wenn die Menschen sich eben anpassen können, aber das kann eben wohl nicht jeder von seinem Wesen her, wie du später geschrieben hast. Es macht den Sozialarbeiter ja nicht zu einem schlechten Sozialarbeiter allgemein wenn er sich eher auf Sucht/Depression/im Alltag schlecht funktionierende Menschen spezialisiert, aber er sollte wissen dass er sich darauf spezialisiert hat. Die Frau meinte mal ich wäre "sehr selbstständig" und da habe ich schon gemerkt dass sie wohl wirklich meistens andere Leute betreut. In Psychiatrien zB bin ich öfters auf Menschen getroffen die genau so selbstständig sind wie ich, trotz großer Probleme.
      Wenn jemand wirklich nur auf "typische" Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen eingehen kann wäre ich aber definitiv der falsche Klient.

      kastenfrosch wrote:

      - wie die Abrechnung funktioniert (da habe ich schon ziemlich fiese Sachen erlebt)
      Du wirst aber schon übers Sozialamt/Eingliederungshilfe abgerechnet?
      betanet.de/eingliederungshilfe…en-mit-behinderungen.html

      Meine Sorge wäre definitiv dass die Abrechnung nicht klappt und ich dann dadurch ohne Betreuung da stehe. Dann wäre die jetzige Situation definitiv besser.

      Mit der Teamleitung sprechen:

      Die Teamleitung wechselt alle paar Monate, genau so wie teilweise die Kollegen. Ich mache mir zB nicht sonderlich große Hoffnungen dass der 21 jährige Kollege langfristig da arbeitet, einfach weil Menschen in seiner Situation (selbst chronisch krank/"ex"-chronisch krank) da schon ofters recht kurz gearbeitet haben.

      Es gab mal einen Kummerkasten, da würde ich das mit der Kontaktaufnahme via SMS definitiv reinschreiben wollen wenn es nach dem Lockdown so bleibt.
      Dass das dann aber auch gelesen wird und dass sich die Teamleitung die zu dem Zeitpunkt Teamleitung ist sich dann auch dafür einsetzt dass ich nicht per SMS kontaktiert werden möchte, ist nicht wirklich sicher wenn da so wenig Kontinuität herrscht.

      Autismusexperten:
      Ich glaube das brauche ich gar nicht. Ich habe in all den Jahren, auch vor der Diagnose, sehr gute Selbstreflektion gelernt. Ich brauche jemanden der mich genau da abholt: Ich weiß wie meine Gefühle sind, ich weiß nicht immer wie ich sie selbst oder die Situation ändern kann. Und eben jemanden der mich je nach Situation bremst oder motiviert (mit meinem alten Sozialarbeiter haben wir mal über das Thema Kinderwunsch geredet und er hat mich da sehr gebremst, denn ich würde wohl kaum ein psychisch gesundes Kind groß ziehen).

      Was du zu häufig wechselnden Sozialarbeitern schreibst weil diese anscheinend oft ihren Job kündigen:
      Spannend dass dir das auch schon aufgefallen ist. Klar, junge Menschen übernehmen sich vielleicht und merken in den ersten Berufsjahren dass der Beruf doch nicht so toll ist, das passiert ja quer durch alle Berufe, das kann auch einem Tischler, einem Laboranten, einem Rechtsanwalt passieren. Hattest du das Gefühl dass Menschen mit mehr Berufserfahrung nicht so oft kündigen? Die Frau die mich jetzt betreuut hat letztes Jahr ihr Masterstudium abgeschlossen (nicht Fachbereich sozialer Arbeit), hat neben dem Studium also schon gearbeitet und hat so schätzungsweise 3-5 Jahre Berufserfahrung.

      Entfernung zum Anbieter: Das ist für mich nicht so wichtig, da ich kein Problem habe jemanden in meine Wohnung zu lassen. Hier in Berlin hab ich sogar schon gelesen dass es Anbieter gibt die nur so arbeiten, da sie gar entsprechende die Räumlichkeiten haben.

      Mehrmals wechseln, sich mit idealerweise mehreren Gesprächen mehrere Anbieter angucken:
      Dass du mehrere Gespräche haben konntest klingt gut! Ich würde ja hoffen dass mir meine jetzige Sozialarbeiterin helfen würde im Sinne einer pro/contra Liste herauszuarbeiten wo ich am besten betreut werden kann.
      Um meinen jetzigen Anbieter zu finden hatte ich auch erst 2 längere Gespräche bei einem anderen, bzw mehrere Besichtigungen von therapeutischen WGs. Als ich die 2 Gespräche hatte wurde mir da klar gesagt dass WGs für mich generell nicht in Frage kommen würden, wegen Problemen mit den Mitbewohnern. Das fand ich sehr gut, denn hatte ich damals schon eine WG in Erwägung gezogen, bei den Besichtigungen merkte ich aber schon dass ich von der Alltagsfunktionalität her andere Ansprüche habe (ich hatte mir eine WG angeguckt in der grad "Kochtag" war, und die Klienten hatten die Aufgabe sich Hamburger (!) zu machen. Das ist keine gesunde Ernährung und hat mich sehr abgeschreckt) und ich keine Regelungen brauche welche Personen welches Geschlechts nun bei mir übernachten dürfen oder mich überhaupt besuchen dürfen. Ich dachte erst es ich hätte nur Pech mit den WGs, damals hatte ich mir erhofft dass die mich quasi zu der "Disziplin" bringen jeden Tag das Haus zu verlassen um arbeiten zu gehen.
    • defined wrote:

      Du wirst aber schon übers Sozialamt/Eingliederungshilfe abgerechnet?
      ja, ist schon eingliederungshilfe. man hatte mir halt sachen/ stunden aufgeschrieben, die garnicht abrechenbar waren und mich damit auch angelogen. das habe ich dann dem kostenträger auch gemeldet. ich vermute, es gab deswegen ziemlichen ärger, zumindest aber stress wegen irgendwelcher nachweise und kontrollen.


      defined wrote:

      Es macht den Sozialarbeiter ja nicht zu einem schlechten Sozialarbeiter allgemein wenn er sich eher auf Sucht/Depression/im Alltag schlecht funktionierende Menschen spezialisiert, aber er sollte wissen dass er sich darauf spezialisiert hat.
      dem kann ich absolut zustimmen!! Das gilt für alle Therapeuten. Ich kenne eine Frau, die psychologisch tätig ist und selbst sagt, sie kann absolut nicht mit Suchtpatienten arbeiten. Finde ich auch voll oki und gut, dass sie das so klar für sich weiß. Schlimmer sind eben die, die nicht reflektiert sind und sich irgendwas einbilden, was nicht der Realität entspricht (z.B. "Ich häre immer gut zu" > aber nur ihre eigene Version von Interpretation zählen lassen obwohl der Klient ganz andere Dinge meint. Und sich versperren, wenn der Klient versucht, sich mitzuteilen)


      defined wrote:

      Die Teamleitung wechselt alle paar Monate, genau so wie teilweise die Kollegen.
      Das hört sich echt furchtbar an. Da frage ich mich, was stimmt dort nicht, dass die Fluktuation so hoch ist? Wenn das Arbeitsklima schlecht ist, bleiben die Menschen natürlich auch nicht. Es ist nicht deine Aufgabe sowas zu ergründen (oder überhaupt zu wissen), aber es zeigt viele Probleme, finde ich.

      defined wrote:

      Hattest du das Gefühl dass Menschen mit mehr Berufserfahrung nicht so oft kündigen?
      ich habe die erfahrung gemacht, dass auch sehr oft menschen dort arbeiten, die es "nebenbei" machen weil sie noch studieren oder ähnliches. Das kann gut sein, kann aber eben auch dazu führen, dass es nicht von Dauer ist. sowas kann man (theoretisch) vorher nachfragen. Ich habe auch schonmal jemanden gefragt, ob sie vor hat, in den nächsten 2 jahren kinder zu bekommen (natürlich mit dem vorabhinweis, dass sie nix sagen muss; und der erklärung, dass ich gerade so dermaßen viele schwangerschaftsbegründete wechsel hatte, das ich das echt nicht will). das ist jedoch eine heikle frage. in dem fall lief es sehr gut und sie war sehr aufgeschlossen, hat sogar gegenargumente aufgeführt, die gegen eine (geplante) Schwangerschaft sprechen würden. Bei jungen Frauen ist es halt auch nicht selten, dass sie Familie bekommen.
      Andererseits hatte ich Gespräche (jedoch keine ganze Betreueung) mit einer Frau, die gerade ihr Jurastudium abgebrochen hatte und den Beruf wechselte. Sie war von anfang an "wie gemacht" für den beruf und hatte eine art "natürliche Professionalität". Manche Menschen können ohne Ausbildung und Erfahrung trotzdem sehr gut sein.


      defined wrote:

      Es gab mal einen Kummerkasten,
      Wenn es ihn noch gibt, vielleicht auch ruhig Zeitnah ausprobieren! Sonst ändert sich nix... (ich weiß, das ist viel leichter gesagt, als getan)


      defined wrote:

      die Klienten hatten die Aufgabe sich Hamburger (!) zu machen
      Ohje!!
      Mir wurde mal ein Wohnheim nahegelegt (da ging es mir viel schlechter als heute). Später nochmals von einem Betreuer. In manchen Punkten könnte es mir gewiss helfen (aber nur wenn es autismusspezifisch wäre). Allgemein würde ich mich in den meisten Betreuungsformen aus dem psychiatrischen Bereich vermutlich sehr eingeengt fühlen. Auch wenn ich einige Unterstützung brauche, so ist mir meine Freiheit dann doch sehr wichtig. Ich glaube das Problem ist (für mich), dass ich in bestimmten Gebieten "im Großen und Ganzen" verhältnismäßig gut klar komme, aber trotzdem mit teilaspekten totale Probleme habe (z.B. durch die Organisation, die mich sehr stresst, alles rund um die exekutiven funktionen). Meine momentanen Fachmenschen finden den Wohnheimsgedanken sehr abwägig (trotzdem sagen sie, dass ich "sehr zu kämpfen" hätte). Aber gut, dass du es dir anschauen konntest und dann gemerkt hast, dass das nicht ist, was du brauchst. um zu wissen, was man will, kann man auch erstmal nur schauen, was man definitiv nicht will. das ist auch schon sehr wichtig!