Begleiterkrankung Zwangsstörungen

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    • Begleiterkrankung Zwangsstörungen

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      Hallo,

      wie einige Asperger habe ich eine Zwangserkrankung, die bei mir noch mit einer Phobie vor Schimmel kombiniert ist. Die Zwänge habe ich seit der Jugendzeit, als Mobbing mich überfordert hatte. Damals hatte ich noch keine Aspergerdiagnose. Die Zwänge zeigen sich in Kontroll-, Grübel- und besonders in Wasch-/Reinigungszwängen. Letztes Jahr habe ich einen richtigen Schub bekommen: Nach dem Umzug waren im Bad Stockflecken und laut der meiner Nachbarin hatte die Mieterin im Bereich der Ablage über dem Waschbecken dort mal Schimmel. Waschbecken, Bodenfliesen habe ich austauschen lassen, die Wandfliesen mehrfach desinfiziert und Monate später lackiert, weil ich es nicht ausgehalten hatte. Vieles in der Wohnung empfinde ich als kontaminiert, weil ich Dinge aus dem Bad (z. B. Kleidung aus der Waschmaschine) vor den letzten Sanierungsschritten in andere Räume gebracht hatte.
      Da ich mich vor Mülltonnen ekle, habe ich mich nach dem Wegbringen von Müll immer geduscht und die Wäsche sofort gewechselt. Ich bin bald ein Jahr krankgeschrieben.

      Ich bin deswegen in Therapie. Die Lehrmeinung sieht die Konfontrationstherapie als den richtigen Weg um gegen Zwänge vorzugehen. Für mich heißt das, Dinge die ich als kontaminiert empfpinde zu berühren und ohne Händewaschen andere Dinge anzufassen. Oder auch nach dem Wegbringen von Müll nicht zu duschen.
      Die Konfontrationstherapie belastet mich stark. Zwar geht die Anspannung irgendwann runter, aber gefühlt viel später als in der Theorie für Neurotypische. Die gleichen Zwänge sind dann nach ein paar Tagen wieder da, da ich lau meiner Umwelt auch ein gutes Gedächtnis habe und sowieso kaum Infos vergesse.

      Meine Frage: Wer von Euch hat als Begleiterscheinung zum Asperger auch Zwänge.
      Bei Aspies sollen Zwänge ja als häufige Begleiter ja ein Ventil gegen den Umgebungsstress sein. Derzeit werde ich den ganzen Tag durch Auslöser getrggert. Wenn ich manche Zwänge doch durch - z.B. Händewaschen - entgegen der Konfrontationstherapie neutralisiere, habe ich wenigstens ein bisschen Ruhe, da die Zwänge fast den ganzen Tag bestimmen. Wie ist eure Erfahrung mit Zwängen und Therapien.

      Ich frage mich, ob Zwänge bei Aspergern genauso therapiert werden können, wie bei NTs, da die Zwänge vielleicht ein wichtiges Ventil sind.

      Viele Grüße

      Andersseins
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      andersein wrote:

      Meine Frage: Wer von Euch hat als Begleiterscheinung zum Asperger auch Zwänge.
      Ich habe auch Zwänge, ob die schon für eine Diagnose Zwangsstörung reichen würden weiß ich nicht und ich habe mich irgendwie damit abgefunden für den Moment.

      Hilfreich sind für mich Routinen, je klarer meine Routinen sind und je weniger ich davon abweiche, umso weniger leide ich unter meinen Zwängen und umso weniger muss ich sie wiederholen.

      Auch ist es wichtig, dass ich bei meinen Routinen nicht unterbrochen werde durch Reize, sonst kommen auch mehr Gedanken, dass ich meinen Zwängen nachgehen muss.

      Meine Zwänge beziehen sich hauptsächlich auf das Verlassen von Zimmern oder Wohnung. Bestimmte Stecker müssen ausgesteckt und mehrfach kontrolliert werden und der Herd muss kontrolliert werden, ob er auch ja aus ist. Und alle Fenster müssen kontrolliert werden. Das führt oft dazu, dass ich bis zu einer Stunde länger brauche um das Haus zu verlassen an schlechten Tagen und auch nochmal von der Bushaltestelle nach Hause laufe, um erneut zu kontrollieren. Wenn ich grade mehr Probleme habe vermeide ich es wenn irgendwie möglich auch mal komplett rauszugehen, obwohl ich eigentlich wollen würde.

      Vielleicht könntest du andere Ventile versuchen und sehen, ob die Zwänge dann besser werden? Ich mache viel Stimming, eben Routinen, dann noch ggf. Reizabschirmung wie dunkle Brille oder Gehörschutz um eben weniger Ventil zu brauchen.
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      Surprised wrote:

      andersein wrote:

      Nach dem Umzug
      War es denn vor dem Umzug besser? Also waren die Zwänge in deiner alten Umgebung nicht so stark?
      Es war besser. Ich habe mich am alten Ort nicht mehr wohl gefühlt und bin in die Heimat zurück. Durch die Wohnungsübernahme mit den Stockflecken ist die Schimmelphobie verstärkt worden. Ein neuer Ortswechsel würde jetzt auch nichts bringen. Mittlerweile habe ich die Schimmelangst auch Unterwegs.
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      MangoMambo wrote:

      andersein wrote:

      Meine Frage: Wer von Euch hat als Begleiterscheinung zum Asperger auch Zwänge.
      ...

      Meine Zwänge beziehen sich hauptsächlich auf das Verlassen von Zimmern oder Wohnung. Bestimmte Stecker müssen ausgesteckt und mehrfach kontrolliert werden und der Herd muss kontrolliert werden, ob er auch ja aus ist. Und alle Fenster müssen kontrolliert werden.
      Diese Zwänge hatte ich vorher auch schon. Zuhause hatte ich dann weitestgehend meine Ruhe vor Zwängen. Durch die Schimmelphobie ist auch dies vorbei.

      Ich glaube bei einem Umzug würde ich die Phobie über meine Sachen mitnehmen. Da die Zwänge über Tage getriggert werden, vergesse ich sie nicht. Ich zweifle, ob die Konfontrationstherapie für mich als Asperger das richtige Vorgehen ist.
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      andersein wrote:

      Ich zweifle, ob die Konfontrationstherapie für mich als Asperger das richtige Vorgehen ist.
      Das kann ich als Laie natürlich nicht beantworten, aber wie gesagt:

      MangoMambo wrote:

      Vielleicht könntest du andere Ventile versuchen und sehen, ob die Zwänge dann besser werden? Ich mache viel Stimming, eben Routinen, dann noch ggf. Reizabschirmung wie dunkle Brille oder Gehörschutz um eben weniger Ventil zu brauchen.
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      Bei der Konfrontationstherapie ist es halt wichtig, dass die Schritte nicht zu groß sind, und dass man keine Ausnahmen macht. Jede Ausnahme bahnt den Weg für den Zwang neu, und dann wird es noch schwieriger. Am besten besprichst du deine aktuellen Schwierigkeiten mit dem Therapeuten, damit er überlegen kann, ob man die Schritte kleiner oder anders machen muss.
      Alles wird galaktisch gut.
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      Hallo @andersein,

      ich habe AS und AD(h)S. Im Laufe der Jahre habe ich eine zwanghafte PS entwickelt mit konkreten Zwangsstörungen, Konfrontationstherapie in einer Klinika hat mir nur bedingt geholfen, hier eher die Vermeidung mancher Trigger.
      Ich habe aber gelernt, dass es "hilfreiche" und destruktive Zwänge für mich gibt.
      Ohne bestimmte Zwänge würde ich vollends im Chaos versinken. Diese Zwänge habe ich im Rahmen eines
      Verhaltens-Umkehr-Training innerhalb meiner stationären Therapie und später in feste Routinen eingebaut, ähnlich, wie es MangoMambo beschreibt, so dass sie nicht mehr so schädlich wirken sondern eher einen Nutzen haben, so dass ich mich frage, ob es sich wirklich um Zwänge handelt.

      MangoMambo wrote:

      Hilfreich sind für mich Routinen, je klarer meine Routinen sind und je weniger ich davon abweiche, umso weniger leide ich unter meinen Zwängen und umso weniger muss ich sie wiederholen.

      An den destruktiven Zwängen (stundenlanges Duschen, Waschen, Zählen etc.) arbeite ich aktuell, sie nach dem Muster der Verhaltensumkehr zu verändern, es ist sehr individuell und bedarf einer intensiven Analyse.

      z. Bsp. in dem ich morgens vor dem Verlassen der Wohnung 3 Minuten einen konzentrierten Rundgang durch die Wohnung mache, alles einmal nach einer gedanklichen Checkliste kontrolliere und dann mit einem Filzstift ein kleines Kreuz auf meinen Handrücken male.
      Wenn dann beim Türzuschließen der Kontrollimpuls kommt, sehe ich auf das Kreuz auf meinem Handrücken und konzentriere ich auf die Erinnerungen des Rundgangs. So kann ich diesen Impuls abwehren und den Zwang eliminieren ohne ihn durch die Handlung immer wieder neutralisieren zu müssen.

      Auf eine ähnliche Art konnte ich auch meine Duschzeit von 4 Stunden täglich auf mittlerweile 30 Minuten täglich reduzieren (dafür brauchte ich allerdings 3 Jahre).
      Trotz Corona wasche ich mir nicht mehr 30 mal die Hände sondern ungefähr 5 mal.
      Mittlerweile schaffe ich es auch, ab und an Türklinken anzufassen, ohne mir sofort die Hände zu waschen.
      Usw....
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      Coocy wrote:

      konnte ich auch meine Duschzeit von 4 Stunden täglich auf mittlerweile 30 Minuten täglich reduzieren (dafür brauchte ich allerdings 3 Jahre).
      Ich dachte dass ich ein extremer Fall wäre mit meinen 10 bis 15 Minuten. Der Mann beim Mieterbund war erstaunt wegen meines hohen Wasserverbrauchs und hat mich gefragt ob zwei Personen in der Wohnung leben. Meine Nebenkostennachzahlung dieses Jahr war 600 Euro. Wie leistest du 4 Stunden Duschen?


      Coocy wrote:

      Trotz Corona wasche ich mir nicht mehr 30 mal die Hände sondern ungefähr 5 mal.
      Wenn du dir nur 5 mal am Tag die Hände wäscht dann ist das sogar zu wenig.
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      Unbewohnte Insel wrote:

      Wie leistest du 4 Stunden Duschen?

      Heute ist es nicht mehr so lange, dennoch habe ich mit meinem Vermieter eine erhöhnte Nebenkostenpauschale vereinbart - damals: hohe Monatsabschläge und sparen für die Jahresabrechnung...

      Unbewohnte Insel wrote:

      Wenn du dir nur 5 mal am Tag die Hände wäscht dann ist das sogar zu wenig.
      Nö, das reicht bei meiner Art des Waschens schon - alles eine Frage der Technik:



      evtl. Ringe auch waschen.

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      Coocy wrote:

      Nö, das reicht bei meiner Art des Waschens schon - alles eine Frage der Technik:
      Ich sprühe meine Hände mehrmals in der Stunde mit Desinfektionsmittel, wasche sie (weniger ausführlich als im Video) mit Wasser und Seife mindestens einmal in der Stunde und reibe sie mehrmals am Tag gründlich ein mit Alkohol. Auf der Arbeit stehen auch Flaschen rum mit Desinfektionssprays die ich benutze im Vorbeigehen zum Sprühen und Einreiben von virentötenden Substanzen in die Hände, zusätzlich zu den anderen Maßnahmen. Meine Überlegung dabei ist dass man ständig in Kontakt ist mit irgendwelchen verseuchten Oberflächen (Ordnern, Tischen, Tassen, Lichtschaltern usw) und dass jeder Kontakt mit einem solchen verseuchten Gegenstand die Hände verunreinigt und das letzte Waschen aufhebt. Vor der Corona Pandemie war ich nicht so sondern normal in meinem Waschverhalten.

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      @Unbewohnte Insel

      Gegen dieses Desinfektionsmittelzeugs und Ähnliche bin ich leider allergisch und vertrage es nicht wegen meiner Neurodermitis.
      Ich habe lange daran gearbeitet, mir nicht mehr 30 mal täglich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, bis die Haut blutet und reisst.

      Das Gefühl ist schwer auszuhalten, das Händewaschen/Desinfizieren hinauszuzögern, gegen den Drang anzukämpfen.

      Hauptsache, du lässt die Hände konsequent aus dem Gesicht, dann kann dir nichts passieren.

      Wenn deine Hautschutzbarriere intakt ist, kann kein Keim oder Virus in deine Blutbahn gelangen - aber dieser Gedanke muss erst mal in deinen Kopf gelangen.
      Zunächst muss Klarheit bestehen ob es Angst ist oder Ekel - vor Ansteckung (als Krankheit) oder Keimen an sich.

      Du bist früher nicht krank geworden und wirst es auch jetzt nicht.

      Bakterien und Viren hat es immer schon gegeben.

      Was ist der Unterschied zu früher und heute?
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      Coocy wrote:

      Was ist der Unterschied zu früher und heute?
      Dass die Medien mich überzeugt haben dass ganz schlimme Corona Viren überall lauern und dass ich auf der Intensivstation liegen werde mit einem Schlauch in der Lunge (in beiden Lungen? in dem Fall zwei Schläuchen?) wenn ich diese Krankheit kriege.
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      Coocy wrote:

      Was würdest du Leuten empfehlen, ihre Seele zu pflegen, ihr Immunsystem zu stärken und zu trainieren und sich Herbst/Winter in Grippezeiten vor Ansteckung zu schützen?
      Zu Hause zu bleiben und viel Vitamin C essen? Ich gehöre zur Risikogruppe (66 Jahre) und gehe arbeiten um nicht zu Hause seelisch zu verkümmern, was aber bedeutet dass ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre und auch auf Arbeit umgeben bin von Menschen. Deswegen achte ich sehr darauf, mich nicht anzustecken.

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