Sind 40% der Autismus-Diagnosen falsch?

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    • L84 wrote:

      Meine Aussage ist: wenn man keine spezialisierte Therapieform machen möchte, braucht man keine Autismus-Diagnose.
      Ich frage mich gerade, wie du dir so eine spezialisierte Therapieform vorstellst. Im ATZ gibt es keine spezialisierte Therapieform, kein starres und festes Konzept, das sie einem aufgrund der Diagnose überstülpen. Vielmehr gehen sie individuell auf die Probleme des einzelnen ein.

      Ich habe ein Jahr lang in einem ATZ eine 'Therapie' bekommen.
      'Therapie' deswegen in Anführungszeichen, weil die Einrichtung sich zwar Autismus-'Therapie'-Zentrum nennt, aber im Antragsformular gar nicht von 'Therapie' sondern von 'autismusspezifischer Förderung' die Rede war.

      Ich habe Anfang des Jahres eine Therapieempfehlung von Prof. Schilbach eingeholt:

      In therapeutischer Hinsicht stehen psychoedukative Ansätze sowie das Erlernen von Strategien für den Umgang mit sozialen Situationen im Sinne eines verhaltenstherapeutischen Ansatzes im Vordergrund. Empfehlenswert erscheint im Falle von Tuvok. der Beginn bzw. die Fortführung einer kognitiven Verhaltenstherapie zur Verbesserung der sozialen Fertigkeiten und Förderung der Selbstständigkeit im lebenspraktischen Alltagsbereich, insbesondere zum Erhalt der beruflichen Integration
      Man geht allerdings davon aus, dass Autismus genetisch veranlagt und in den Kernsymptomen nicht vollumfänglich therapeutisch beeinflussbar ist. Dementsprechend benötigen Menschen mit Autismus oftmals eine individuelle Förderung, damit sie die neben den Beeinträchtigungen im sozialen Bereich vorhandene kognitive Leistungsfähigkeit tatsächlich einbringen können. Wir bitten dies im Sinne von Tuvok zu berücksichtigen.

      Da ist von individueller Förderung die Rede, nicht von autismusspezifischer. Die angegebenen Methoden sind auch nicht wirklich autismusspezifisch. Das kann im Grunde genommen jeder Therapeut machen, der bereit ist, sich auf mich und meine individuellen Probleme und Erwartungen an die Therapie einzulassen. Von der Erfahrung des Therapeuten mit anderen Autisten, die ganz andere Probleme und Erwartungen an die Therapie haben als ich, habe ich doch nichts. Und wenn irgendwo ein Konzept in der Schublade liegt, wie man vielleicht bei erheblichen Problemen mit restriktivem Verhalten umgeht, nutzt mir das auch nichts, wenn meine Probleme eher im Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation liegen.

      Die Autismusdiagnose nutzt mir da insofern, weil sie hilft, die Probleme genau zu erkennen. Ein Therapeut muss bereit und in der Lage sein, sich auf diese Aufgabe einzulassen. Aber er braucht dazu nicht unbedingt Erfahrung mit Autisten oder große Vorkenntnisse über ASS. Therapie ist für mich mehr ein Lernprozess. Lernen kann ich von jedem, der selbst die Kompetenzen hat, die ich erlernen möchte
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • L84 wrote:

      Vor solch einer Therapeutin saß ich dieses Jahr, ganz jung, sie wusste praktisch nichts über Autismus außer dass es ein Spektrum gibt. Ich passte offensichtlich nicht in ihr Bild von Autismus, sie hat es zwar nicht direkt gesagt, aber sie hatte wohl Zweifel an der Diagnose. Also offen wäre sie zwar vielleicht schon gewesen, hilfreich war es aber weder sie erst davon überzeugen zu müssen noch der eigentliche Experte im Raum zu sein, der ihr erst Fachwissen vermitteln muss.
      Meine Ex-Therapeutin wusste nicht was Aspergersyndrom ist aber hat es gegoogelt nach dem ersten Termin und gesagt dass es früher die Schizoide Persönlichkeitsstörung hieß, was eine plumpe Verwechslung mit der Bezeichnung "Schizoide Störung des Kindesalters" war, aufgrund der Namensgleichheit. (Aspies wurden auch früher "Psychopathen" genannt aber das hat sie zum Glück anscheinend nicht gemerkt). Als jemandem der sich seit ungefähr zehn Jahren mit AS beschäftigt hatte kam es mir irgendwie verkehrt vor dass eine "absolute Newbie" beim Thema mich therapieren sollte, nachdem ich mich schon so viele Jahre damit auseinandergesetzt hatte. Irgendwie hätte sie die Expertin zu meiner Störung sein müssen und nicht ich (wie beim Zahnarzt oder Orthopäden).


      Neoni wrote:

      Die Diagnose als Erwachsener bringt dir insofern etwas, dass du nicht mehr falsch behandelt wirst, zum Beispiel indem man versucht deine Depression zu behandeln indem man dich zu Unternehmungen und Treffen von Leuten zwingen will; das hilft bei depressiven NT im Allgemeinen, wenn du aber als autistischer Mensch aufgrund jahrelanger Überforderung als NT zu leben depressiv wurdest, macht es das nicht besser, sondern hält die Depression aufrecht oder verschlimmert sie gar. Was ich ebenso erlebt habe, sind Vorwürfe, mein Spezialinteresse wäre eine Sucht. Also kannst du nichteinmal mehr dort Entspannung finden, weil es dir madig gemacht wird, du ein schlechtes Gewissen empfindest und versuchst es zeitlich zu begrenzen. Auch Missverständnisse in sozialen Beziehungen incl großer Stress deswegen lassen evtl nach, wenn klar ist, dass man nicht aus Desinteresse sich zurück zieht, sondern weil Kontakte eben ungleich mehr Kraft kosten als für einen NT.
      Du hast hier auch mein Erleben sehr gut beschrieben, das heißt, bei mir ist es genauso, vom Erleben her. Was ich allerdings bezweifele ist ob meistens die Diagnose tatsächlich das Verständnis bringt das man davon erhofft. Dass man richtig erschöpft wird von sozialen Kontakten, sich deswegen zurückziehen muss und gleichzeitig unter Einsamkeit leidet weil man die Kontakte nicht hat die man emotional braucht und tatsächlich Freunde oder zumindest Unterstützung haben will ist immer noch schwer nachvollziehbar für nicht-Aspies, auch wenn man die Diagnose hat, weil es widersprüchlich scheint. Die meisten Therapeuten schließen wahrscheinlich dass man doch emotional gestört sein muss wenn man so ist, oder dass man in der Tat schizoid sein muss, wenn man soziale Kontakte haben will und sie nicht aushält wenn es zu viel wird oder zu spontan.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • L84 wrote:

      Wo oder warum siehst Du das falsch wiedergegeben oder darin einen Widerspruch?
      Nun ja ich bevorzuge eher ein 'sowohl als auch' statt ein 'entweder oder'. Ich denke wir betrachten ein und dasselbe Thema aus verschiedenen Blickwinkeln oder einer Pro und Kontra Sicht. Darauf eine zielführende Antwort zu finden wird nicht möglich sein, denn es kommt ja wie so oft auf das Individuum an und dessen Hilfebedarf.

      Die Offenheit ist nicht an das Alter des Therapeuten/in gebunden sondern liegt eher im aufrichtigen aufgeschlossenen Interesse ohne Vorurteile und Missverständnissen gegenüber dem Thema 'autistisch', wie du ja auch schreibst. Genauso wie autistische Menschen individuell sind, so sind es auch die Therapeuten, auch da kann wieder nicht pauschal gesagt werden was richtig und falsch ist. Ein Wochenendkurs kann helfen, mir wäre es lieber die Therapeutin macht kein Wochenendkurs, sondern würde einfach mal das Buch von Brit Wilczek lesen und ihre therapeutische Erfahrung ergänzen, quasi Kompetenzen bündeln.

      Ich habe z.B. erfreuliche Erfahrungen gemacht um auf Wartelisten zu kommen und somit in absehbarer Zeit, also (nur) neun Monate, einen Therapieplatz zu bekommen. Deine Erfahrung war bisher eher 'ernüchternd', Du sprichst von Bewilligung (ja bewilligt werden muss sie, aber da mach ich mir keine Gedanken, denn das ist mit die Aufgabe der Therapeutin und ich sehe eben durch die Diagnose einen Anspruch auf therapeutische Hilfeleistung, aber Du sprichst ja auch von Eingliederungshilfe (?) ), für Dich gestalten sich die Wartezeiten (mir unverständlicherweise) auf einen Therapieplatz im Jahrebereich oder es gar nicht erst auf eine Warteliste geschafft zu haben, du sprichst davon, dass eine Diagnose Wege im Gesundheitssystem versperren würde. Ich kann das alles einfach aus eigener Erfahrung so nicht bestätigen. Nun, und das sind natürlich ganz andere individuelle Erfahrungshintergründe - was ich damit sagen möchte ist, die verschiedenen Erfahrungshintergründe, die oftmals sehr stark unsere Meinungen prägen, sie zeigen uns Grenzen in der eigenen selektiven Wahrnehmung auf, die wenn wir diese erweitern, vielleicht tatsächlich auch eine Wartezeit verkürzen könnten. :)

      L84 wrote:

      Man braucht sie nicht nur nicht, sondern sie kann auch störend sein.
      Könnte auch manchmal sein. Leonora finde ich hat das nochmal ganz gut auf den Punkt gebracht:

      Leonora wrote:

      ... oft geht es tatsächlich gar nicht einmal hauptsächlich darum, dass man von anderen anders behandelt wird, sondern darum, besser mit sich selbst umzugehen, das Leben nach den eigenen Bedürfnissen auszurichten, vielleicht auch sich selbst zu verzeihen. Ohne die Diagnose wäre da bei vielen vermutlich doch immer das Gefühl, man würde sich eigentlich doch nur "anstellen".
      Das kann einen riesigen Unterschied machen, auch ohne Therapie. ...
      Das 'besser mit sich selbst umgehen' ist z. B. ein Grundpfeiler in der therapeutischen Psychoedukation nach einer Diagnose. Theoretisch kann man die sog. Psychoedukation, wenn man denn dazu in der Lage ist, selbst bewerkstelligen und braucht keine Therapie, wenngleich die Diagnose wesentlich ist, um evtl. eine präzisere Bedürfnisorientierung überhaupt erkennen und erklären zu können.

      L84 wrote:

      Der Pool an Hilfsangeboten ist zwangsläufig größer wenn Du ihn nicht durch Dinge wie "die Offenheit gegenüber Autismus , sich darauf (Autismus) einzulassen" einschränkst.
      Finde ich nicht. Umgekehrt wären einem BAP autismusspezifische therapeutische Angebote, die der Person helfen könnten, obwohl keine Diagnose vorliegt, verschlossen. Einem autistischen Menschen stehen weiterhin alle Therapieangebote frei, zusätzlich aber eben auch autismusspezifische (wenngleich in begrenztem Umfang). Ich sehe darin keine Einschränkung, sondern Spezialisierung und Ergänzung. Sowohl als auch eben.

      An meinem Beispiel zum Thema praktischer Nutzen: ohne Diagnose könnte ich keine Ergotherapie wahrnehmen, hätte keine Beratungsangebote, keine Hilfeleistung bei Antragstellungen, hätte eben nicht überhaupt die Möglichkeit auf einer Warteliste z. B. bei Knabe zu stehen, hätte keinen GdB (der sowieso nicht viel bringt), ärztliches Verständnis in Bezug auf Atteste, aber viel wesentlicher:
      besser mit sich selbst umzugehen, das Leben nach den eigenen Bedürfnissen auszurichten, vielleicht auch sich selbst zu verzeihen. ... Das kann einen riesigen Unterschied machen, auch ohne Therapie.

      All das schreibe ich ohne, also vor einer begonnenen Therapie, dazu hat mir jedoch meine Diagnose helfen können.

      Allerdings finde ich auch, dass eine Diagnose so verarbeitet werden muss, dass diese nicht hinderlich oder kontraproduktiv in der eigenen Entwicklung ist, und/oder diese einen 'herunterzieht'. Denn die Verarbeitung kann bekanntlich auch ganz schön heftig sein. Vielleicht setzt dort gerade der eigentliche und wichtige Hilfebedarf einer Therapie und weiterer Hilfestellungen nach einer AS Diagnose an. Um Resilienz und Resourcen zu stärken oder Stärken, bei allen vermeintlichen Defiziten, sich erst entfalten zu lassen.

      Nachtrag:

      Tuvok wrote:

      Die Autismusdiagnose nutzt mir da insofern, weil sie hilft, die Probleme genau zu erkennen. Ein Therapeut muss bereit und in der Lage sein, sich auf diese Aufgabe einzulassen. Aber er braucht dazu nicht unbedingt Erfahrung mit Autisten oder große Vorkenntnisse über ASS. Therapie ist für mich mehr ein Lernprozess. Lernen kann ich von jedem, der selbst die Kompetenzen hat, die ich erlernen möchte.
      Dem stimme ich zu, denn das erweitert das Therapeutenspektrum wiederum Vielleicht ist die Fixierung auf eine 'spezialisierte' autismusspezifische Therapie ein Trugschluss, und diesen, nach individueller Abwägung, hinter sich zu lassen ist sinnvoller, statt sich in Therapieangeboten durch die Diagnose AS eingeschränkt zu sehen.

      The post was edited 2 times, last by maksa ().

    • maksa wrote:

      Allerdings finde ich auch, dass eine Diagnose so verarbeitet werden muss, dass diese nicht hinderlich oder kontraproduktiv in der eigenen Entwicklung ist, und/oder diese einen 'herunterzieht'. Denn die Verarbeitung kann bekanntlich auch ganz schön heftig sein. Vielleicht setzt dort gerade der eigentliche und wichtige Hilfebedarf einer Therapie und weiterer Hilfestellungen nach einer AS Diagnose an.
      Seitdem ich mit AS diagnostiziert worden bin (2013) stört es mich (gefühlsmäßig) sowohl wenn ein Therapeut/Helfer/Arzt denkt dass ich gestört bin als wenn er denkt dass ich nicht gestört bin, oder sowohl wenn mir geglaubt wird dass ich Einschränkungen habe als wenn man mir nicht glaubt dass ich Einschränkungen habe.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Melanie84 wrote:

      Hängt dann eigentlich viel von der aktuellen Lebenssituation ab? Ich kann ja 30 Jahre evtl kompensieren und im Alltag funktionieren, bzw die Lebensumstände können ja passen
      Unbedingt. Passende Lebensumstände machen sehr viel aus - deshalb habe ich so lange durchgehalten. Und dann kam durch die Diagnose meiner Tochter die Selbsterkenntnis in genau dem Moment, als mit Ende 50 die Kompensation doch anfing löchrig zu werden. Und die Erkenntnis war sehr wichtig, weil dadurch nicht nur ich selbst, sondern auch meine Frau versteht, dass mein gewachsenes Bedürfnis nach Auszeiten nichts mit ihr bzw. unserer Ehe , sondern allein mit AS zu tun hat. Anfangs habe ich noch gedacht, Diagnose brauche ich nicht, wir wissen ja jetzt Bescheid, aber da ich inzwischen Zweifel habe, ob ich nochmal in den normalen Unibetrieb zurück könnte (ich habe seit Jahren aus ursprünglich rein praktischen Gründen Home office), wollte ich sicherheitshalber doch die Möglichkeit einer Begründung für Home office bzw. Teilzeit bei zukünftigen Verträgen haben und bin deshalb doch zum Psychiater. So sehe ich zwar keinen Therapiebedarf, zumindest die Erkenntnis ins Spektrum zu fallen war aber dennoch sehr wichtig.

      The post was edited 1 time, last by HCS ().

    • Tuvok wrote:

      Ich frage mich gerade, wie du dir so eine spezialisierte Therapieform vorstellst. Im ATZ gibt es keine spezialisierte Therapieform, kein starres und festes Konzept, das sie einem aufgrund der Diagnose überstülpen. Vielmehr gehen sie individuell auf die Probleme des einzelnen ein.

      Da hast Du Recht, da habe ich einen irreführenden Ausdruck gewählt. Für Kinder gibt es zwar spezielle Therapieformen, aber die meinte ich natürlich nicht. Gemeint ist, dass sich die Einordnung der Probleme und damit die Therapieansätze bei ASS unterscheiden (sollten). Wie man das besser formulieren kann, weiß ich jetzt aber auch nicht. Habe gerade im Therapie-Konzept von Wilczek aus dem Jahre 2008 nachgeschlagen, da schreibt sie von "störungsspezifischen Methoden" und "modifiziertem Vorgehen bei sekundären Störungen", also z.B. "es macht wenig Sinn, einem Menschen mit Autismus zu erklären, dass er sich Konflikte oder Ablehnung anderer nur einbildet. Sie sind ihm häufig widerfahren und er wird sie immer wieder erleben. So wäre es fast zynisch, entsprechende Ängste als neurotisch und entsprechende Vermeidungsstrategien als nur dysfunktional zu kennzeichnen und zu behandeln. Stattdessen [...]". Es wäre aber z.B. auch schon einfach schön gewesen, wenn mir die Therapeutin in der Tagesklinik es mir nicht zum Vorwurf gemacht hätte, dass ich ihr in Stresssituationen kaum bis gar nicht in die Augen schauen konnte und gefordert hat, das zu tun. Ich denke es ist wenig sinnvoll, auf der einen Seite durch die Diagnose "entlastet" und "entschuldigt" zu werden, auf der anderen Seite aber das alles dann durch jemanden, der keine Expertise im Thema Autismus besitzt, wieder leichtfertig kaputtmachen zu lassen. Therapieschäden sind dabei vorprogrammiert.

      Insofern widerspreche ich, dass man im Prinzip zu jedem Therapeuten gehen kann weil es nur um "individuelle Förderung" gehe, soll heißen ich würde Dir nicht raten es auszuprobieren.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Als jemandem der sich seit ungefähr zehn Jahren mit AS beschäftigt hatte kam es mir irgendwie verkehrt vor dass eine "absolute Newbie" beim Thema mich therapieren sollte, nachdem ich mich schon so viele Jahre damit auseinandergesetzt hatte. Irgendwie hätte sie die Expertin zu meiner Störung sein müssen und nicht ich (wie beim Zahnarzt oder Orthopäden).
      Exakt. Im Nachhinein hätte ich Autismus auch lieber gar nicht erst erwähnt, es stand nur im Weg.

      maksa wrote:

      Ein Wochenendkurs kann helfen, mir wäre es lieber die Therapeutin macht kein Wochenendkurs, sondern würde einfach mal das Buch von Brit Wilczek lesen und ihre therapeutische Erfahrung ergänzen, quasi Kompetenzen bündeln.
      Von mir aus auch das, aber so oder so schränkt es die Auswahl der Therapeuten erheblich ein.

      maksa wrote:

      An meinem Beispiel zum Thema praktischer Nutzen: ohne Diagnose könnte ich keine Ergotherapie wahrnehmen, hätte keine Beratungsangebote, keine Hilfeleistung bei Antragstellungen,
      Für all das brauchst Du keine Autismus-Diagnose. Ich hatte vor der Autismus-Diagnose ambulante Hilfen bewilligt bekommen, die allen Papierkram hätten übernehmen können wenn ich das gewollt hätte, mit mir einkaufen gehen, usw. usf., auch Ergotherapie ist ohne spezielle Autismus-Diagnose möglich.
    • L84 wrote:

      Therapie-Konzept von Wilczek aus dem Jahre 2008
      Hast Du dazu vielleicht einen link oder das pdf?

      L84 wrote:

      Für all das brauchst Du keine Autismus-Diagnose.
      Im Grunde genommen schon, sonst könnte ich ja keinen Hilfebedarf signalisieren oder geltend machen. Aber in erweitertem Sinne stimmt das, dass ich für einiges nicht explizit eine AS-Diagnose gebraucht hätte.

      The post was edited 1 time, last by maksa ().

    • maksa wrote:

      Hast Du dazu vielleicht einen link oder das pdf?
      Nein, habe ich nur als Papier. Aber hier im Forum schwirrte irgendwo ein Artikel von ihr über das Thema rum.

      psychotherapeutenjournal.de/pt…C642/$file/ptj_2015-2.pdf

      Ab Seite 120, aber der Artikel ab Seite 130 ist vielleicht auch interessant.

      Achja, und:

      maksa wrote:

      Du sprichst von Bewilligung (ja bewilligt werden muss sie, aber da mach ich mir keine Gedanken, denn das ist mit die Aufgabe der Therapeutin
      Nein. Führt aber zu weit vom Thema hier weg, da gibt es schon viele andere Threads zu. Die Rechtslage ist aber hier gut zusammengefasst: autismus-institut.de/wp-conten…eantrag-EW_2020-05-08.pdf
    • Tuvok wrote:

      Ich habe ein Jahr lang in einem ATZ eine 'Therapie' bekommen.
      'Therapie' deswegen in Anführungszeichen, weil die Einrichtung sich zwar Autismus-'Therapie'-Zentrum nennt, aber im Antragsformular gar nicht von 'Therapie' sondern von 'autismusspezifischer Förderung' die Rede war.
      Ich war damals vor meiner Einschulung eineinhalb Jahre lang im ATZ (damals hieß es noch Therapeutische Ambulanz "Hilfe für das autistische Kind"). Im damaligen Abschlussbericht steht "Grübler erhielt bei uns seit November 1993 eine spezielle Autismus-Therapie mit einem motopädischen Schwerpunkt."

      Unbewohnte Insel wrote:

      Dass man richtig erschöpft wird von sozialen Kontakten, sich deswegen zurückziehen muss und gleichzeitig unter Einsamkeit leidet weil man die Kontakte nicht hat die man emotional braucht und tatsächlich Freunde oder zumindest Unterstützung haben will ist immer noch schwer nachvollziehbar für nicht-Aspies, auch wenn man die Diagnose hat, weil es widersprüchlich scheint. Die meisten Therapeuten schließen wahrscheinlich dass man doch emotional gestört sein muss wenn man so ist, oder dass man in der Tat schizoid sein muss, wenn man soziale Kontakte haben will und sie nicht aushält wenn es zu viel wird oder zu spontan.
      Ich habe auch oft mit diesem scheinbaren Widerspruch zu kämpfen. Einerseits den Wunsch soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, andererseits das Bedürfnis nach Rückzug, weil mich soziale Kontakte relativ schnell in einen Erschöpfungszustand bringen. Ich habe auch den Eindruck, dass sich diese Problematik mit der sozialen Erschöpfung mit zunehmendem Alter verschärft. Jedenfalls merke ich bei mir selbst, dass es vor einigen Jahren noch nicht so ausgeprägt war. Ich stieß damit schon auf Unverständnis und musste mir z.B. schonmal anhören "Grübler, du bist 30 und keine 80". Solche Sprüche kann ich überhaupt nicht gebrauchen.
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich war damals vor meiner Einschulung eineinhalb Jahre lang im ATZ (damals hieß es noch Therapeutische Ambulanz "Hilfe für das autistische Kind"). Im damaligen Abschlussbericht steht "Grübler erhielt bei uns seit November 1993 eine spezielle Autismus-Therapie mit einem motopädischen Schwerpunkt."
      Die Methoden haben sich seitdem wohl auch etwas geändert.
      Ich war bei meiner 'Therapie' (oder besser: autismusspezifischen Förderung) schon etwa 50 Jahre über das Vorschulalter hinaus. Einen Abschlussbericht habe ich nicht, weil die DRV bisheute einen Abschluss der Therapie durch Untätigkeit blockiert. Und einen motopädischen Schwerpunkt gab es
      Display Spoiler
      glücklicherweise :d
      auch nicht.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich habe auch den Eindruck, dass sich diese Problematik mit der sozialen Erschöpfung mit zunehmendem Alter verschärft. Jedenfalls merke ich bei mir selbst, dass es vor einigen Jahren noch nicht so ausgeprägt war.
      Das kann ich nur bestätigen. Das ist ein Sympton, das bei mir vor 20 Jahren noch keine Rolle spielte. Früher kam ich problemlos mit dem großen jährlichen Treffen meiner Verbindung klar, inzwischen bin ich danach mindestens zwei Tage völlig platt - trotz weniger Alkohol und deutlich mehr Schlaf als früher. Und auch die regelmäßigen Auszeiten von der Familie habe ich vor 10 Jahren noch nicht gebraucht.
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich habe auch den Eindruck, dass sich diese Problematik mit der sozialen Erschöpfung mit zunehmendem Alter verschärft.

      HCS wrote:

      Das kann ich nur bestätigen.
      Ich kann es -für mich selbst- so nicht bestätigen. Eher im Gegenteil: mit zunehmendem Alter habe ich mehr und mehr das Gefühl, in Hinblick auf soziale Kontakte früher einiges versäumt zu haben. Und irgendwie den Wunsch, das nachzuholen.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
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    • Melanie84 wrote:

      Ich bin natürlich durch meinen Beruf und meinen familiären Hintergrund vorbelastet das ist mir klar, aber ich habe definitiv kein Vertrauen in Ärzte, die ich nicht kenne. Und wundere mich ein bisschen, warum anscheinend nur ich dieser Meinung bin.
      Völlig allein stehst du damit sicherlich nicht! Bestimmt teilen einige, die hier im Forum unterwegs sind, deine Einschätzung!

      Dazu gehöre auch ich, aber ich muss zugeben, dass ich erst durch die eigenen Erfahrungen misstrauisch geworden bin. Und ich will diese Erfahrungen nicht verallgemeinern. Es kann anderen in vergleichbarer Situation mit den gleichen Ärzten auch anders ergehen, was dann halt zu komplett anderslautenden Geschichten führen würde.

      Aber Vorsicht ist nun mal die Mutter der Porzellankiste, wie es so treffend heißt, und zudem erleben Eltern betroffener Kinder die diagnostischen Abläufe sicherlich noch einmal anders als Erwachsene, die erst relativ spät eine Diagnose zur Absicherung oder zum Ausschluss von...erhalten möchten/müssen/sollen/können.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • @L84 Zur Bewilligung schreibt das Autisimus Institut: 'Die von uns angebotene Autismustherapie für Erwachsene ist eine Leistung der Eingliederungshilfe.' Wenn Du eine Therapie z.B. bei Knabe machst ist das regulär eine Kassenleistung und sie stellt nach den fünf probatorischen Sitzungen den Antrag. Damit hast Du dann nicht wirklich was zu tun, die Bewilligung dauert in der Regel auch nicht so lange, die Therapie läuft ja bereits und auch weiter.

      Sind also verschiedene Kostenträger, einmal Träger der Eingliederungshilfe und einmal Gesundheitskasse. Hatte ich ja weiter oben schon mal angedeutet.

      Bin aber gerne für Aufklärung offen was die Therapiebewilligung bei einer Psychologin mit Kassenzulassung angeht. Bisher kenne ich das nur so und Änderungen sind mir nicht bekannt. Mit Antragstellung bei Eingliederungshilfe kenne ich mich nicht aus.
    • Grübler_1988 wrote:

      Einerseits den Wunsch soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, andererseits das Bedürfnis nach Rückzug, weil mich soziale Kontakte relativ schnell in einen Erschöpfungszustand bringen. Ich habe auch den Eindruck, dass sich diese Problematik mit der sozialen Erschöpfung mit zunehmendem Alter verschärft.
      Dem kann ich auch nur zustimmen-leider.
      Möglicherweise unterscheiden sich die grundsätzlichen Probleme von jüngeren und älteren Menschen im Autismusspektrum voneinander. Abgesehen von den ohnehin vorhandenen individuellen Ausprägungen, meine ich.
      Das wäre vielleicht ein interessantes anderes Thema.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

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      Melanie84 wrote:

      Hängt dann eigentlich viel von der aktuellen Lebenssituation ab

      HCS wrote:

      Unbedingt. Passende Lebensumstände machen sehr viel aus
      Das sehe ich auch so. Wenn also irgendjemand die Diagnose "Autistische Züge ohne Krankheitswert" bekommt, dann sollte das eigentlich nur heißen, dass die Symptome unter den aktuellen Lebensumständen keine klinisch signifikanten Beeinträchtigungen verursacht. Wenn sich die Lebensumstände ändern, können dadurch aber durchaus auch klinisch signifikante Beeinträchtigungen entstehen.

      Deswegen wäre es eigentlich schön, wenn eine Diagnose "Autistische Züge ohne Krankheitswert" immer mit einem Angebot kombiniert würde, noch einmal wiederzukommen, wenn sich die Lebensumstände so ändern sollten, dass nunmehr doch klinisch signifikante Beeinträchtigungen anzunehmen sind.

      Umgekehrt müssen ungünstige Lebensumstände nicht zwangsläufig ein Leben lang anhalten. Wer also die Positivdiagnose bekommen hat, kann sich durchaus zum Ziel setzen, die Lebensumstände so zu verändern, dass er die Diagnose eigentlich nicht mehr braucht. Nur in den seltensten Fällen wird er dann aber erneut eine Ambulanz aufsuchen, um sich die Diagnose wieder absprechen zu lassen. Das wäre vielleicht auch nicht zu empfehlen, weil sich die Lebensumstände ja auch wieder so ändern können, dass die Positivdiagnose doch wieder gerechtfertigt ist.

      Aber im Prinzip ist es durchaus denkbar, dass jemand zwischen klinisch signifikanter ASS und autitischen Zügen ohne Krankheitswert hin- und herswitcht.

      L84 wrote:

      Da hast Du Recht, da habe ich einen irreführenden Ausdruck gewählt. Für Kinder gibt es zwar spezielle Therapieformen, aber die meinte ich natürlich nicht.
      Denkst du da an so etwas wie ABA?

      L84 wrote:

      Es wäre aber z.B. auch schon einfach schön gewesen, wenn mir die Therapeutin in der Tagesklinik es mir nicht zum Vorwurf gemacht hätte, dass ich ihr in Stresssituationen kaum bis gar nicht in die Augen schauen konnte und gefordert hat, das zu tun. Ich denke es ist wenig sinnvoll, auf der einen Seite durch die Diagnose "entlastet" und "entschuldigt" zu werden, auf der anderen Seite aber das alles dann durch jemanden, der keine Expertise im Thema Autismus besitzt, wieder leichtfertig kaputtmachen zu lassen.
      Das kann dir aber bei einem auf Autismus spezialisierten Therapeuten genauso gut passieren.
      Das Problem ist da weniger, dass die Therapeutin zu wenig Vorkenntnisse über Autismus hat, sondern, dass sie mit Methoden arbeitet, die ich missbillige und für mich selbst nicht haben möchte.
      Ich fände es schon bedenklich, wenn in der Therapie überhaupt "Stressituationen" auftreten. Ich habe das in einem Jahr Therapie nie erlebt.

      Das Thema "Blickkontakt" sollte schon in einer Therapie thematisiert werden. Aber es ist auch kein autismusspezifisches Symptom, wenn man auf dem Gebiet Probleme hat, sondern tritt bei vielen anderen Störungen auch auf.
      Der Ansatz, das erzwingen zu wollen und einzufordern, ist aus meiner Sicht falsch, wahrscheinlich bei jeder anderen Störung auch. Zu einer therapeutin, die auf solche Ansätze baut, hätte ich auch Schwierigkeiten, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

      Aber eine gute Therapeut*in sollte schon in der Lage sein, mich zu motivieren, mich auf den Blickkontakt -zunächst mal in stressfreien Situationen- mehr einzulassen. Da ist es mir dann aber völlig egal, ob diese Therapet*in dann eine Approbation für medizinische Psychotherapie hat oder 'nur' einfache Psycholog*in ist oder gar 'nur' eine (sozial-)pädagogische Ausbildung hat. und ob sie auf Autismus spezialisiert ist oder nicht.

      maksa wrote:

      Du sprichst von Bewilligung (ja bewilligt werden muss sie, aber da mach ich mir keine Gedanken, denn das ist mit die Aufgabe der Therapeutin

      L84 wrote:

      Nein.
      Doch. Die Bewilligung der Therapie (!) hängt alleine von der Klient*in und der Therapeut*in ab. Nur wenn beide es wollen, kommt ein Therapievertrag zustande, und dann hat auch kein Dritter ein Vetorecht dagegen.
      Krankenkasse, Rentenversicherung oder Eingliederungshilfe müssen nicht die Therapie bewilligen, sondern die Kostenübernahme für die Therapie.

      Das klingt jetzt vielleicht etwas spitzfindig. Aber in meinem Fall gehe ich davon aus, dass die Rentenversicherung durchaus will, dass ich eine Therapie mache, damit meine Erwerbsfähigkeit möglichst lange erhalten bleibt und ich auch weiterhin fleißig Beiträge zahlen kann. Sie will eben nur, dass ich die Kosten dafür gefälligst selbst zahlen soll.

      maksa wrote:

      Bin aber gerne für Aufklärung offen was die Therapiebewilligung bei einer Psychologin mit Kassenzulassung angeht. Bisher kenne ich das nur so und Änderungen sind mir nicht bekannt. Mit Antragstellung bei Eingliederungshilfe kenne ich mich nicht aus.
      Beim ATZ gibt es in der Regel nicht nur keine Kassenzulassung, sondern nicht einmal eine medizinische Psychotherapeut*in mit Approbation. Die 'Therapeuten' sind Psychologen ohne Approbation oder haben eine pädagogische Ausbildung (Sozialpädagog*in, Rehabilitationspädagog*in oder ähnliches). Das ist nicht unbedingt schlechter als eine Therapie bei einer Therapet*in mit Approbation, aber dadurch scheidet die GKV als Kostenträger wahrscheinlich aus.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
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      Tuvok wrote:

      Das ist nicht unbedingt schlechter als eine Therapie bei einer Therapet*in mit Approbation, aber dadurch scheidet die GKV als Kostenträger wahrscheinlich aus.
      "Wer heilt, hat recht" heißt ein Spruch unter Medizinern.
      Da ist ja auch was dran, denn wenn jemand gut als TherapeutIn ist, ist mir die Qualifikation doch eher Wurscht.

      Die gesetzliche Krankenversicherung scheidet als Kostenträgerin aber nicht allein wegen einer eventuell fehlenden Approbation aus, sondern leider bei jeglicher Therapie "nur" wegen einer ASS-Diagnose.
      Als Kostenträger kommen nicht die Krankenversicherungen, sondern die Träger von Eingliederungshilfen in Frage. Oder die Ki.-und Jugendhilfen.
      Die GKV springt erst an, wenn eine psychische Folgestörung oder Ko-Morbidität einer ASS behandelt werden muss.

      Moment, ich suche noch den Link dazu.....gefunden!
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)

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      Capricorn wrote:

      Die gesetzliche Krankenversicherung scheidet als Kostenträgerin aber nicht allein wegen einer eventuell fehlenden Approbation aus, sondern leider bei jeglicher Therapie "nur" wegen einer ASS-Diagnose.
      Weswegen den dann?
      Grundsätzlich entspricht das, was im ATZ angeboten wird, doch schon der Beschreibung in §42 SGB IX

      §42 SGB IX wrote:

      (1) Zur medizinischen Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen werden die erforderlichen Leistungen erbracht, um
      1.Behinderungen einschließlich chronischer Krankheiten abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen, eine Verschlimmerung zu verhüten oder
      2.Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern, eine Verschlimmerung zu verhindern sowie den vorzeitigen Bezug von laufenden Sozialleistungen zu verhüten oder laufende Sozialleistungen zu mindern.
      (2) Leistungen zur medizinischen Rehabilitation umfassen insbesondere
      1.Behandlung durch Ärzte, Zahnärzte und Angehörige anderer Heilberufe, soweit deren Leistungen unter ärztlicher Aufsicht oder auf ärztliche Anordnung ausgeführt werden, einschließlich der Anleitung, eigene Heilungskräfte zu entwickeln,
      2.Früherkennung und Frühförderung für Kinder mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Kinder,
      3.Arznei- und Verbandsmittel,
      4.Heilmittel einschließlich physikalischer, Sprach- und Beschäftigungstherapie,
      5.Psychotherapie als ärztliche und psychotherapeutische Behandlung,
      6.Hilfsmittel sowie
      7.Belastungserprobung und Arbeitstherapie.
      (3) Bestandteil der Leistungen nach Absatz 1 sind auch medizinische, psychologische und pädagogische Hilfen, soweit diese Leistungen im Einzelfall erforderlich sind, um die in Absatz 1 genannten Ziele zu erreichen. Solche Leistungen sind insbesondere
      1.Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheits- und Behinderungsverarbeitung,
      2.Hilfen zur Aktivierung von Selbsthilfepotentialen,
      3.die Information und Beratung von Partnern und Angehörigen sowie von Vorgesetzten und Kollegen, wenn die Leistungsberechtigten dem zustimmen,
      4.die Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Selbsthilfe- und Beratungsmöglichkeiten,
      5.Hilfen zur seelischen Stabilisierung und zur Förderung der sozialen Kompetenz, unter anderem durch Training sozialer und kommunikativer Fähigkeiten und im Umgang mit Krisensituationen,
      6.das Training lebenspraktischer Fähigkeiten sowie
      7.die Anleitung und Motivation zur Inanspruchnahme von Leistungen der medizinischen Rehabilitation.

      Das dürfte eigentlich nur daran scheitern, dass die Leistung im ATZ entgegen $42 Abs. 2 Nr. 1 nicht unter ärztlicher Aufsicht steht oder auf ärztliche Anordnung ausgeführt wird.
      Wobei ich nicht genau weiß, wie eine ärztliche Anordnung in diesem Fall aussehen müsste. Die Therapieempfehlung von Prof. Schilbach reicht da als Anordnung sicher nicht aus, aber könnte der nicht theoretisch einfach die Empfehlung in eine ärztliche Anordnung und somit die Therapie in eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation umwandeln, die dann Vorrang vor Leistungen der Eingliederungshilfe hätte?

      Capricorn wrote:

      Moment, ich suche noch den Link dazu.....gefunden!
      Danke für die Mühe. Aber

      Hamburger Autismus institut wrote:

      Die von uns angebotene Autismustherapie für Erwachsene ist eine Leistung der Eingliederungshilfe. Zuständig ist derTräger der Eingliederungshilfe
      Nichts gegen das Hamburger Autismus Institut, aber es ist vom Ruhrgebiet aus nicht unbedingt erste Wahl (mindestens 3 Stunden Fahrzeit für den einfachen Weg!).

      Grundsätzlich habe ich ja eigentlich auch keine Zweifel, dass es (auch bei den Einrichtungen in meiner Nähe) eher eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben ist als eine zur medizinischen Rehabilitation, ich würde nur gerne wissen, warum das genau so ist, und in deinem Link wird nur bestätigt, dass es so ist.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
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      Capricorn wrote:

      Dem kann ich auch nur zustimmen-leider.Möglicherweise unterscheiden sich die grundsätzlichen Probleme von jüngeren und älteren Menschen im Autismusspektrum voneinander. Abgesehen von den ohnehin vorhandenen individuellen Ausprägungen, meine ich.
      Das wäre vielleicht ein interessantes anderes Thema.
      Beispiel Spieleabend:
      Alle zwei bis drei Wochen treffe ich mich mit zwei Freunden zu einem Spieleabend. Danach bin ich immer "ausgelaugt" und froh, wieder zu Hause zu sein. Nicht, weil ich die Spiele an sich anstrengend finde, sondern das ganze "Drumherum". Ich reagiere in bestimmten Situationen oft anders als meine beiden Freunde und wenn ich nicht so reagiere, wie sie es erwarten oder für "normal" halten, dann ziehen sie mich damit auf. Ich fände es viel entspannter, wenn einfach nur gespielt wird. Stattdessen bekomme ich immer wieder den Eindruck, dass mein Verhalten bewertet wird. Ich fühle mich dann wie auf einem "Präsentierteller". Hinzu kommt, dass sich die beiden Freunde während des Spieleabends oft gegenseitig "hochschaukeln", wodurch es dann ziemlich unruhig und emotional wird. Für mich ist das alles unglaublich anstrengend. Da finde ich sogar die Arbeit im Altenheim weniger anstrengend als die Spieleabende.