Sind 40% der Autismus-Diagnosen falsch?

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    • @Tuvok

      maksa wrote:

      'Auch in Deutschland rechnen Experten mit etwa 1,16% Menschen im Autismus-Spektrum, davon werden 2/3 dem sogenannten Asperger-Syndrom oder hochfunktionalen Autismus zugeordnet.' Georg Theunissen in Menschen im Autismus-Spektrum. S. 16, 2014.

      Ob die 1,16% alle bereits diagnostiziert sind, frage ich mich selbst gerade oder ob diese Zahl evtl. auch alle bisher Nicht-Diagnostizierten als Schätzung inkludiert ... Dies ändert aber nichts an meiner obigen Stellungnahme, da es mir nicht primär um die Zahlen geht, sondern um die Folgen leichtfertiger Aussagen.

      Tuvok wrote:

      aber nicht unbedingt im Bereich Autismus.
      'A psychologist (AK) and a psychiatrist (MB) with together more than 20 years of clinical experience, both with special training in diagnostics of ASD and relevant differential diagnoses, examined essentially all patients.'

      Tuvok wrote:

      dass aus der Studie natürlich nicht gefolgert werden kann und darf, dass 40% der Autismusdiagnosen in Deutschland falsch sind
      Diese Formulierung suggeriert dies aber: ''40% der Autismus-Diagnosen sind falsch''. (Zitat 2hoch8)

      2hoch8 schrieb:
      Ich weiß es. 40% der Autismus-Diagnosen sind falsch.„Uns von auswärtigen Stellen zugewiesene ASS Patienten sind in 40 Prozent der Fälle fehldiagnostiziert“ ... Das heißt nicht, dass die dort die einzige Entscheidungsgewalt haben, wer Autismus hat, sondern dass ca. 40% aller Autismus-Diagnosen in der Gesamtbevölkerung nicht zutreffen, über alle Diagnostikstellen gesehen.
      In: Erschöpfung, Arbeit und ES
      Daraufhin wurde dieser Thread eröffnet.

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    • maksa wrote:

      Diese Formulierung suggeriert dies aber: ''40% der Autismus-Diagnosen sind falsch''.
      Ja, und ich bin auch nicht glücklich darüber, dass dese irreführende Formulierung so im Titel des Threads auftaucht.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Ginome wrote:

      Und was ist daran "leider"? Es ist doch wichtig zu wissen was los ist. Entsprechend wird ja auch das Therapiekonzept aufgebaut...
      Hier habe ich das Gefühl, du verstehst mich falsch.

      Natürlich ist es wichtig zu wissen, woran man ist, das gilt doch für beide Seiten.

      Ob es aber richtig ist, ein Therapiekonzept aufzubauen, ohne sich selbst eingehend mit der Problematik eines "Falls" zu beschäftigen, zweifle ich an - also nicht zu überprüfen, ob die vordiagnostizierte "Störung" auch wirklich ursächlich für die Therapie ist, ist sicher keine empfehlenswerte Strategie.

      Ganz konkret hatte ich bei der Formulierung zwei Szenen aus den letzten Jahren vor Augen. Eine davon spielte in einem ATZ, das ausschließlich Kinder und Jugendliche mit gesicherten ASS-Diagnosen betreuen wollte. Eben dieses ATZ führt auch Elternseminare durch, in denen eine Wissenschaftlerin mehrfach über die oft sehr schwierigen Wege bis zur Diagnose referiert(e). Bei den Wartezeiten für Verdachtsfälle und den (wieder dieses Wort!) leider oft rigiden Schulentscheidungen können Eltern und Kindern schon mal verzweifeln. Oder knapp davor sein.

      Und dann steht jemand mild lächelnd vor dir und sagt: "So groß kann der Leidensdruck gar nicht sein, Sie haben ja keine gesicherte Diagnose."

      Und auf der anderen Seite stehen eventuell falsch positive Diagnosen. Es ist nicht so, dass ich diesen "Fällen" eine Therapie missgönne, aber ich weiß, wie zurückhaltend mit der Bewilligung von therapeutischen Maßnahmen bei Kindern und Jugendliche umgegangen wird. Deshalb schrieb ich "leider".
      If you're happy and you know it clap your hands.....(three times!)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Ich würde von den 40% nicht deswegen Abstand nehmen, weil es dann 250.000 AS+HFA wären. Die Anzahl der Betroffenen sollte da in meinen Augen eigentlich egal sein.

      Die einzige Verbindung die ich da sehe ist, dass es beides mehr oder weniger spekulative Zahlen sind. Die 40% gehen auf eine Aussage einer "Expertin" zurück, die 1,16% gehen auf eine Aussage eines "Experten" zurück. Ich sehe nicht, warum ich an der einen Zahl zweifeln sollte, an der anderen aber nicht. Beide Zahlen werden vermutlich keinen Konsens unter "Experten" finden.

      Wenn ich bspw. bei autismus Deutschland e.V. über Häufigkeit lese heißt es "Es liegen leider keine genauen Angaben zur Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen in Deutschland vor. Die untenstehenden Zahlen beziehen sich daher auf Untersuchungen in Europa, Kanada und den USA.". Dort käme man dann auf 1-3 AS auf 1000 Menschen, also deutlich weniger als ~0,75%. In der deutschen Wikipedia liest man von - je nach Kriterien - 0,16-0,29% in Finnland (2007). In der englischsprachigen Wikipedia wird zusätzlich angemerkt, dass die Schätzungen stark variieren und eine Rechnung aufgestellt, laut der es 0.26 pro 1000 Menschen sein könnten.

      Beide Zahlen, die 40% und die 0,75% sind für mich nicht nachvollziehbar. Allerdings: wenn die Häufigkeit von AS in Deutschland tatsächlich so extrem von der anderer Länder abweicht, lässt es eine so hohe Quote an Fehldiagnosen in meinen Augen eher wahrscheinlich erscheinen alsdass ich sie deswegen ausschließen würde.
    • Shenya wrote:

      Zu manchen Zeiten nimmt das überhand, dann fühle ich mich hier genauso als Außenseiter wie "draußen".Das ist keine Kritik an den Beiträgen, sondern nur mein Gefühl. Ich denke, so erklärt es sich auch bei anderen, die hin und wieder Diagnosen in Zweifel ziehen, wie das zustande kommt.
      Ich fühle mich hier im Grunde aussenseiterisch/unzugehörig wie überall. Es gibt auch bei mir hier und da mehr oder weniger Übereinstimmungen, das lässt mich aber nicht zugehörig fühlen, dieses Gefühl habe ich bis dato nirgends dauerhaft erleben können.

      Nur habe ich bis dato den Eindruck hier im Forum dauerhaft sein zu können, auch wenn ich mich nicht zugehörig fühlen kann.

      Dass hier Menschen mit AS Dinge berichten, die mir persönlich unzugänglich sind wundert mich nicht, es wirft mich halt immer wieder auf mich zurück irgendwie.
      Auch im Spektrum gibt es halt sehr unterschiedliche Charaktere, mit jeweils sehr unterschiedlichen Lebensanliegen.
      Ich hatte selber halt u.a. nie einen Zugang zum Studieren, zum Familie gründen, zum dauerhaft in Partnerschaft leben, zum "mich in regelmäßigen AS-treffen wohl fühlen" , einen dauerhaft passenenden erlernten Beruf haben, den eigenen Haushalt (ggfls sogar samt Beruf und Kindern) stets im Überblick oder gar ordentlich sortiert halten können, etc. . Jeder hat halt unterschiedliche Zugänge zum Leben, auch wenn AS zugrunde liegt.

      Nur weil andere "xyz" hinbekommen heißt das ja noch lange nicht, dass sie es wie NA erleben und gestalten denke ich mir oft dazu, auch wenn ich es in das Beschriebene hineinprojezieren könnte.

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    • Tuvok wrote:

      Also hast du genau an dieser Studie teilgenommen?
      Ja.

      Tuvok wrote:

      Ist mir jetzt wieder nicht klar, ob das nur für die Positivdiagnose gilt, also jeder ein Vetorecht gegen die Positivdiagnose des anderen hatte, oder ob sie sich irgendwie auf eine gemeinsame Positiv- oder eben Negativdiagnose einigen mussten.
      Gemeinsam auf eine Diagnose einigen, indem sie das Videomaterial zusammen auswerteten.
    • L84 wrote:

      Die Anzahl der Betroffenen sollte da in meinen Augen eigentlich egal sein.
      Ganz Genau. Aber nicht die Folgen leichtfertiger Aussagen, die Studienerkenntnisse fälschlicherweise auf ganz Deutschland anwenden!

      maksa wrote:

      da es mir nicht primär um die Zahlen geht, sondern um die Folgen leichtfertiger Aussagen
      Wenn es um Zahlen geht, wäre es nur sinnvoll zu wissen wie viele Menschen derzeit in Deutschland mit AS/HFA bereits diagnostiziert sind, die gibt es aber meines Wissens nicht (wenn es dazu eine offizielle Quelle gibt, wäre ich dankbar für eine Mitteilung).
      Dies verleitet allzu leichtfertig zu einer falschen pauschalisierenden Interpretationen von Studienergebnissen ohne sich der konsequenten Folgen der Aussagen bewusst zu sein.
      Dies empfinde ich verantwortungslos und sogar gefährlich in ihrer Konsequenz!

      'Ca 38% der 260 Probanden der MPI Göttingen Studie hatten laut deren Kriterien keine ASS.'

      Das ist die Aussage der Studie. Mehr nicht. (bezogen auf dieses Thema hier)

      Die Zahl kann nicht auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, wie von einem anderen User formuliert: dass ca. 40% aller Autismus-Diagnosen in der Gesamtbevölkerung nicht zutreffen, über alle Diagnostikstellen gesehen (Zitat 2hoch8)

      Des weiteren: Welche Diagnosekriterien sie anwandten bestimmt auch über deren Resultat und es geht dabei um die Validierung des PAUSS. Es ist nicht erwiesen, dass dieser nun das non plus ultra der 'vergoldeten Diagnostik' (Wortspiel mit Bezugnahmme auf 'Goldstandard') sei, diesen Anspruch möchte die Göttinger Studie aber gerne für sich proklamieren. Wenn z. B. PAUSS nicht aussagekräftig wäre oder nicht präziser als Diagnoseinstrument verwendbar ist wie ein ADOS, dann wäre auch nicht viel dran an den erstaunlich hohen Fehldiagnosen bei den 260 Probanden. Aber vermutlich habe ich den Studienaufbau nicht richtig verstanden. ...

      Turtle wrote:

      Die Probanden mit ASS-Diagnose von anderen Stellen, aber von ihnen nicht bestätigter ASS-Diagnose, dann einfach zur Kontrollgruppe ohne ASS zu erklären, ist ein meines Erachtens absolut unterirdisches Studiendesign und unterstreicht, wie sehr sie von der Unfehlbarkeit ihres diagnostischen Urteils, im Kontrast zum Urteilsvermögen der anderen, überzeugt waren.

      Die Formulierung: ''40% der Autismus-Diagnosen sind falsch'' hat populistisches Bild-Zeitungsniveau, ich habe mir das bisher verkniffen zu sagen ...
      und eine Wahrheitsgehalt vergleichbar mit dem Gerücht Autismus werde durch MMR-Impfungen verursacht.
      An diesem Beispiel sieht man jedoch wie lange sich ein Gerücht wie dieses halten kann, deshalb wehre ich mich gegen leichtfertige pauschalisierende Aussagen durch falsche Interpretation von Studien!

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid und dies wird mir hier in der Diskussion bei weitem viel zu wenig beachtet!

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    • maksa wrote:

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid und dies wird mir hier in der Diskussion bei weitem viel zu wenig beachtet!
      Du meinst das Leid bei den Menschen, die eine falsche Autismus-Diagnose haben, aber dennoch gerne Autisten wären?
    • Wenn eine Person eine Autismus-Diagnose erhält und dann liest, dass 40% der Diagnosen "falsch" sind, dann kann ich es gut verstehen, dass sowas eine große Verunsicherung auslöst. Damit, dass diese Person gerne Autist wäre, hat es nichts zu tun (soll natürlich nicht heißen, dass es diese Menschen nicht gibt). Es gibt mit Sicherheit falsch-positive Diagnosen, aber 40% halte ich auch für sehr übertrieben.
    • 2hoch8 wrote:

      maksa wrote:

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid und dies wird mir hier in der Diskussion bei weitem viel zu wenig beachtet!
      Du meinst das Leid bei den Menschen, die eine falsche Autismus-Diagnose haben, aber dennoch gerne Autisten wären?
      Deshalb sind ja Grundschul Zeugnisse und andere Befunde aus der Kindheit wichtig um diese Diagnose gesichert zu stellen. Bei mir steht im Arztbrief das schon in der Kindheit sehr auffällig war. Auch das mit dem Koordination Problematik. Durch die Asperger Diagnose habe ich meine AVWS Zentrale Hörstörung nochmals abklären können weshalb ich Logopädie bekomme. Diese Hörstörung war bei mir seit der Kindheit bekannt.


      Autist ist ja immer schon und nicht erworben .
      Das Do ist der Weg. :prof:
    • 2hoch8 wrote:

      Du meinst das Leid bei den Menschen, die eine falsche Autismus-Diagnose haben, aber dennoch gerne Autisten wären?
      Nein ich meine die Menschen die autistisch sind und an deren Diagnosen unbegründeter Weise Zweifel gehegt werden! (...insbesondere durch populistische aufmerksamkeitserregende Fern- und Laiendiagnostik!)

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    • maksa wrote:

      2hoch8 wrote:

      Du meinst das Leid bei den Menschen, die eine falsche Autismus-Diagnose haben, aber dennoch gerne Autisten wären?
      Nein ich meine die Menschen die autistisch sind und an deren Diagnosen unbegründeter Weise Zweifel gehegt werden! (...insbesondere durch populistische aufmerksamkeitserregende Fern- und Laiendiagnostik!)
      Ich denke, dass besonders viel Schaden ausgerichtet wird, wenn Leuten aus helfenden Berufen dieser "Floh ins Ohr gesetzt wird", dass es so viele Fehldiagnosen gäbe. Die verunsichern wiederum die Klienten unnötig. Ich habe vor Jahren wegen meines Sohnes ein Erstgespräch mit einer Psychologin gehabt, die erstmal von "Modediagnose" und "ich war ja neulich in Marburg auf einer Fortbildung, da hat man gesagt, dass es ja ganz ganz viele Fehldiagnosen gibt in dem Bereich" angefangen hat. Das schafft kein Vertrauen.
      Alle Menschen sind Ausländer – fast überall.
      Alle Rassisten sind Arschlöcher – überall.

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    • 2hoch8 wrote:

      Gemeinsam auf eine Diagnose einigen, indem sie das Videomaterial zusammen auswerteten.
      Das ist eigentlich in allen spezialisierten Ambulanzen so das mindestens 2 Diagnostiker beteiligt sind und zusammen die Diagnose stellen. Problematisch ist eher, dass es eben beim 0815-Psychiater nicht so ist.

      2hoch8 wrote:

      maksa wrote:

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid und dies wird mir hier in der Diskussion bei weitem viel zu wenig beachtet!
      Du meinst das Leid bei den Menschen, die eine falsche Autismus-Diagnose haben, aber dennoch gerne Autisten wären?
      Was ich ehrlich gesagt niemals verstehen werde. Nur weil Person X keine Autismusdiagnose bekommt leidet er doch nicht mehr als ohne. Mit beispielsweise einer anderen Diagnose kann er doch ebenso Hilfen und auch einen GdB bekommen.
      Wo also ist das Problem sich da unbedingt so darauf zu versteifen?

      Turtle wrote:

      Ich denke, dass besonders viel Schaden ausgerichtet wird, wenn Leute aus helfenden Berufen dieser "Floh ins Ohr gesetzt wird", dass es so viele Fehldiagnosen gäbe.
      Das ist natürlich ein Problem. Solange aber jeder Diagnostiker sein eigenes Süppchen kocht, und sich zum Teil auch nicht an Leitlinien hält, solange hat man immer den Gedanken der Fehldiagnose dabei. Man kann das ganze nur ein kleines bißchen minimieren indem man in eine Spezialambulanz geht, und selbst da kommen Fehldiagnosen vor.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • maksa wrote:

      'Auch in Deutschland rechnen Experten mit etwa 1,16% Menschen im Autismus-Spektrum, davon werden 2/3 dem sogenannten Asperger-Syndrom oder hochfunktionalen Autismus zugeordnet.' Georg Theunissen in Menschen im Autismus-Spektrum. S. 16, 2014.
      Ob die 1,16% alle bereits diagnostiziert sind, frage ich mich selbst gerade oder ob diese Zahl evtl. auch alle bisher Nicht-Diagnostizierten als Schätzung inkludiert ... Dies ändert aber nichts an meiner obigen Stellungnahme, da es mir nicht primär um die Zahlen geht, sondern um die Folgen leichtfertiger Aussagen.
      Die 1,16% sind nicht alle schon diagnostiziert, sondern das ist eine Schätzung, wie viele die Diagnose erhalten würden, wenn sie die Diagnostik durchlaufen würden.

      Die Schätzung basiert auf Fallzahlen aus dem Ausland nach den dortigen Diagnosekriterien. Wenn man unterstellt, dass die Diagnostik in Deutschland schlechter ist, als in dem Land, aus dem die Fallzahlen stammen, müsste man da noch weitere Falschpositive Diagnosen hinzurechnen, die es im Ausland nicht gegeben hätte.

      Aber das ist ziemlich spekulativ. Die Studie aus Göttingen belegt nicht, dass die Diagnostik in Deutschland fragwürdiger ist, als in anderen Ländern. Es ist auch bei Studien aus dem Ausland normal, dass Vordiagnosen nicht den strengeren Kriterien für die Studie entsprechen.

      maksa wrote:

      Wenn es um Zahlen geht, wäre es nur sinnvoll zu wissen wie viele Menschen derzeit in Deutschland mit AS/HFA bereits diagnostiziert sind, die gibt es aber meines Wissens nicht (wenn es dazu eine offizielle Quelle gibt, wäre ich dankbar für eine Mitteilung).
      Meines Wissens gibt es dazu in Deutschland keine offizielle Statistik.

      maksa wrote:

      Dies empfinde ich verantwortungslos und sogar gefährlich in ihrer Konsequenz!

      'Ca 38% der 260 Probanden der MPI Göttingen Studie hatten laut deren Kriterien keine ASS.'

      Das ist die Aussage der Studie. Mehr nicht. (bezogen auf dieses Thema hier)

      Die Zahl kann nicht auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, wie von einem anderen User formuliert: dass ca. 40% aller Autismus-Diagnosen in der Gesamtbevölkerung nicht zutreffen, über alle Diagnostikstellen gesehen (Zitat 2hoch8)

      maksa wrote:

      Die Formulierung: ''40% der Autismus-Diagnosen sind falsch'' hat populistisches Bild-Zeitungsniveau, ich habe mir das bisher verkniffen zu sagen ...
      und eine Wahrheitsgehalt vergleichbar mit dem Gerücht Autismus werde durch MMR-Impfungen verursacht.
      An diesem Beispiel sieht man jedoch wie lange sich ein Gerücht wie dieses halten kann, deshalb wehre ich mich gegen leichtfertige pauschalisierende Aussagen durch falsche Interpretation von Studien!

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid und dies wird mir hier in der Diskussion bei weitem viel zu wenig beachtet!

      Grübler_1988 wrote:

      Wenn eine Person eine Autismus-Diagnose erhält und dann liest, dass 40% der Diagnosen "falsch" sind, dann kann ich es gut verstehen, dass sowas eine große Verunsicherung auslöst. Damit, dass diese Person gerne Autist wäre, hat es nichts zu tun (soll natürlich nicht heißen, dass es diese Menschen nicht gibt). Es gibt mit Sicherheit falsch-positive Diagnosen, aber 40% halte ich auch für sehr übertrieben.
      Ich habe in Anlehnung an den Umgang von Twitter mit den "alternativen Fakten" eines gewissen Donald T. jetzt einen Warnhinweis im ersten Beitrag des Threads angebracht und den Titel des Threads geändert von "MPI Göttingen: 40% der Autismus-Diagnosen sind falsch" in "Sind 40% der Autismus-Diagnosen falsch?":

      Abendstern wrote:

      Im weiteren Verlauf des Threads wird diskutiert, dass diese Aussage und die ursprüngliche Zusammenfassung im Titel "40% der Autismus-Diagnosen sind falsch" möglicherweise irreführend sind. Ich habe daher den Titel dieses Threads geändert in "Sind 40% der Autismus-Diagnosen falsch?"
      Übrigens:

      Neoni wrote:

      Mich hat übrigens nur einer untersucht, und zwar Dr. Begemann. Ein ADOS gemischt mit IQ-Test Aufgaben, es wurde abgebrochen. Blut abgenommen wurde trotzdem. Dann hieß es, kein Autismus.
      Vielleicht tauche ich nicht in der Studie auf. Aber wozu dann die Blutentnahme?
      Es ist die Frage ob ich ein Einzelfall bin, der einen chaotischen Tag erwischte (es war ja auch nicht in Göttingen selber), oder ob das eher der Normalfall war.
      Das war nicht die gleiche Studie. Die PAUSS-Studie war bereits im Oktober 2014 abgeschlossen. Soweit ich mich erinnere, hast du erst später an einer Studie teilgenommen, wo es in erster Linie um genetische Merkmale ging, daher auch die Blutprobe.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • ifi wrote:

      Ich hatte selber halt u.a. nie einen Zugang zum Studieren, zum Familie gründen, zum dauerhaft in Partnerschaft leben, zum "mich in regelmäßigen AS-treffen wohl fühlen" , einen dauerhaft passenenden erlernten Beruf haben, den eigenen Haushalt (ggfls sogar samt Beruf und Kindern) stets im Überblick oder gar ordentlich sortiert halten können, etc. .
      So ist das bei mir auch.

      ifi wrote:

      Nur weil andere "xyz" hinbekommen heißt das ja noch lange nicht, dass sie es wie NA erleben und gestalten denke ich mir oft dazu, auch wenn ich es in das Beschriebene hineinprojezieren könnte.
      Die Stärken und Schwächen sind unterschiedlich verteilt, deshalb würde ich von einzelnen gelingenden Teilbereichen auch nicht gleich darauf schließen, dass jemand kein AS hat, nur weil er in dem Bereich etwas kann, was ich nicht kann. Aber wir reden inzwischen von Personen, wo überhaupt keine Schwächen mehr wahrnehmbar sind. Es erscheint mir dann zumindest möglich, dass wenn jemand lebt wie ein NA, er auch ein NA ist. Ein bestimmtes Erleben macht ja noch kein AS aus. Die Schwierigkeiten, die jemand hat, sollten einen "impact" auf sein Leben haben. Mir fällt gerade kein treffendes deutsches Wort ein. Vorstellbar wäre z.B. dass jemand zwar verheiratet ist und Kinder hat, aber dabei ständig große Schwierigkeiten auftauchen, bei der Organisation, bei der Kommunikation, bei der Energieeinteilung. Aber ein bisschen mehr als das übliche, was alle Eltern an Stress haben. Ohne derartige Schwierigkeiten dürfte eine Diagnose eigentlich gar nicht gestellt werden, aber es scheint so zu sein, dass es trotzdem passiert.

      Und dann ist da ja auch noch der sehr große Bereich mit Überschneidungen zu anderen Diagnosen. Andere Störungen verhindern meist ein Leben "wie ein NA" weniger oder auf andere Weise als AS. Dann kann Leidensdruck da sein, aber aus anderen Gründen. Vor Jahren war AS wohl vermehrt Thema in ADHS-Foren, was zur Folge hatte, dass viele mit ADHS in dieses bzw. das Vorgängerforum kamen. Später gab es eine Welle von Menschen mit Trauma, PTBS und Borderline. Eine Weile kamen auch vermehrt Menschen mit Schizophrenie. Zeitweise hat man den Eindruck eines Diagnosesammelsuriums.

      Letztendlich stellen Ärzte Diagnosen, und es ist völlig unmöglich, als User eines Internetforums zu entscheiden, ob die Diagnosen anderer stimmen oder nicht. Oftmals weiß man es nicht einmal bei sich selbst. Aber man kann Gedanken nicht verhindern. Zumal wenn sich Dinge auffällig häufen.

      Grübler_1988 wrote:

      Wenn eine Person eine Autismus-Diagnose erhält und dann liest, dass 40% der Diagnosen "falsch" sind, dann kann ich es gut verstehen, dass sowas eine große Verunsicherung auslöst.
      Ich glaube, das hält sich in Grenzen, weil dann doch jeder denkt, es sind die anderen, nicht man selbst. Es gibt ja etliche, die selbst dann nicht daran glauben, dass es kein AS ist, wenn es bereits mehrmals von Fachärzten ausgeschlossen wurde. Was soll dann so eine Meldung mit angeblichen Falschdiagnosen bewirken. Auf der anderen Seite solche, die immer Zweifel haben, auch wenn es schon von drei Ärzten bestätigt wurde. Diese Leute wissen (da das nicht erst seit jetzt so ist), dass sie sich die Sicherheit noch erarbeiten müssen. Das kommt mit der Zeit, und es ist auch sehr empfehlenswert, solche Zweifel ggf. beim Arzt zu thematisieren, dann bekommt man es nochmal deutlicher gesagt, dass und warum AS ggf. stimmt.
      Nur wegen einem Satz über Fehldiagnosen fällt keine gestellte Diagnose plötzlich weg.

      maksa wrote:

      es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid
      Wo siehst du Leid?
      Wenn jemand anfängt zu zweifeln wegen so einer Aussage, dann muss er das mit dem Arzt klären. Wenn die Zweifel zu Recht bestehen, ist es nur gut, wenn man sich damit beschäftigt. Wenn sie zu Unrecht bestehen, ist es noch besser, sich damit zu beschäftigen. In jedem Fall wird man an Erkenntnissen dazugewinnen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • maksa wrote:

      Insbesondere da Menschen, autistischen Menschen, in keinster Weise damit geholfen wird, im Gegenteil es entstehen durch solche Aussagen unnötiges Leid
      Ich finde nicht, dass das der alleinige Maßstab sein kann. Leid entsteht auch durch falsche Diagnosen.

      taz wrote:


      Viele der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die von Ärzten und Psychologen zu Autisten erklärt werden, haben dieses Störungsbild gar nicht. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um den Marburger Kinder- und Jugendpsychiater Christian Bachmann und den Versorgungsforscher Falk Hoffmann von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, die Versichertendaten der AOK aus sieben Jahren ausgewertet haben.

      Nur ein Drittel der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahre, die im Jahr 2007 eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum bekommen haben, hatte die Diagnose im Jahr 2012 noch in der Krankenakte stehen. Die anderen hatten die zunächst als gesichert vermerkte Diagnose „Autismus“ irgendwann wieder ablegen müssen – und bis dahin wohl in vielen Fällen ungeeignete Therapien oder Medikamente bekommen. [...] Dass zwei Drittel der Autisten möglicherweise keine sind, sei durchaus besorgniserregend, so Bachmann. Es belaste das Gesundheitssystem, aber auch die betroffenen Kinder. „Die Therapie der eigentlichen Störung verschiebt sich um Jahre.“

      Natürlich sind die kommunizierten 40% kein Fakt für ganz Deutschland. Eine Tabuisierung einer möglicherweise hohen Fehlquote empfinde ich aber auch nicht als angemessen.
    • maksa wrote:

      Die Zahl kann nicht auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, wie von einem anderen User formuliert: dass ca. 40% aller Autismus-Diagnosen in der Gesamtbevölkerung nicht zutreffen,
      Da muss ich Dir zum wiederholten Male widersprechen: das hat eben nicht dieser User einfach so behauptet, das steht explizit in der Publikation

      maksa wrote:

      leichtfertige pauschalisierende Aussagen durch falsche Interpretation von Studien!
      ist deshalb ganz einfach falsch - die Studie wird mit dem 40%-Zitat vollkommen richtig wiedergegeben - das Problem ist die Studie selbst, die auf methodisch äußerst fragwürdiger Basis zu diesem "Ergebnis" kommt, und zwar explizit in dieser pauschalisierenden Form, auch wenn Du das anscheinend nicht erkennen willst. Prügele nicht auf andere User ein, bloß weil die problematische Aussagen von Wissenschaftlern ernst nehmen (was aber nicht jeder erkennen kann).
    • Also, dass ich "gar keine Schwierigkeiten" im Alltag und im sozialen Bereich hätte, wäre eine Übertreibung. Ich gebe auch zu, dass ich in meinen Beiträgen vermutlich auch eher die Dinge geschildert habe, die bei mir gut laufen als die, bei denen ich noch etwas mehr Anläufe benötige. Das kann schon verfälschend wirken.

      Nach einer gewissen Zeit der Selbstbeobachtung kann ich nämlich durchaus sagen, dass ich gewisse "repetitive Verhaltensweisen" habe und mein Tagesablauf oftmals sehr gleichförmig abläuft. Das ist ja bei Autisten häufig so.

      Ebenso bin ich oft im Kontakt mit Fremden sehr schüchtern. Allerdings eher weniger, weil ich die "sozialen Regeln" nicht draufhätte oder Mimik und Gestik nicht lesen könnte, sondern weil ich oft eine starke Angst davor habe, dass andere schlecht von mir denken könnten. Für mich kommt DAS wiederum eher weniger typisch für Autismus vor und spricht aus meiner Sicht eher für eine Sozialphobie oder ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, weswegen ich auch die Zweifel hege.

      Andererseits habe ich mich als Kind (als ich diagnostiziert wurde) geradezu wie der typische "Klischee-Aspie" benommen und war wesentlich tiefer im Spektrum drin als jetzt.
      Deswegen empfinde ich meine Diagnose zumindest DAMALS als zutreffend, heute aber weniger, da ich mich mittlerweile in sozialen Situationen sicherer fühle und auch kaum anecke - es aber dennoch für mich natürlich rüberkommt und nicht, als würde ich große Anstrengungen dabei haben und alles mit großer Mühe kompensieren.

      Oftmals lese ich aber, dass es im Grunde (außer im Falle einer frühkindlichen Traumatisierung) keinen "Autismus in Lebenslagen" gibt, sondern fast alle Symptome für den Rest des Lebens bleiben und man diese nur "kompensieren oder unterdrücken würde". Genau das glaube ich aber nicht. (Vieles fühlt sich für mich sehr intuitiv an, was für andere erwachsene Autisten nur unter großer Anstrengung zu erreichen oder herzustellen ist. Vielleicht habe ich aber auch nur eine schlechte Selbstwahrnehmung und kriege diesen "Automatismus" kaum mit?)

      Oder dass viele Asperger-Betroffene um die 20 sich sowieso weniger autistisch fühlen als früher oder später und die Symptome sich später wieder verschlechtern. Ich kann mich da nur fragen, woran das liegen mag? An der nicht abgeschlossenen Entwicklung des Gehirns? Oder an den veränderten Lebensumständen (von Schule zu Studium/Arbeit oder einem Freundeskreis, der einen mehr akzeptiert wie man ist?).

      Ich finde, man sollte aufhören, platte Pauschalaussagen über Aspies zu machen (wie sie im Forum nach meinem Eindruck leider immer noch viel zu oft gemacht werden) und das Spektrum VIEL, viel weiter ausdehnen als es aktuell noch offiziell ist. Oder man dehnt das NT-Spektrum auf der anderen Seite noch weiter aus.

      Das Leben ist niemals schwarz und weiß, sondern es gibt viele Grautöne dazwischen. Dieses ständige "Kategorisieren" scheint aber typisch "menschlich" zu sein.
      Vielleicht bin ich ein Aspie? Vielleicht aber auch nicht? Vielleicht sollte ich aber auch damit aufhören, mit meinen Zweifeln meine Zeit zu verschwenden und mich lieber auf meine individuellen Baustellen konzentrieren. ;)
    • Axel_Rocket wrote:

      Vielleicht bin ich ein Aspie? Vielleicht aber auch nicht? Vielleicht sollte ich aber auch damit aufhören, mit meinen Zweifeln meine Zeit zu verschwenden und mich lieber auf meine individuellen Baustellen konzentrieren
      Ich finde, wenn eine Diagnose in der Kindheit berechtigt war, dann ist sie es als Erwachsener auch noch. Dass man als Erwachsener weniger Probleme hat, weil man ja dazulernt, ist normal. Wird man dann nochmal älter, nehmen die Probleme aber wohl wieder zu, oder das kann zumindest passieren. Weil die Energie zum Kompensieren dann weniger wird, und weil man mehr schlechte Erfahrungen angehäuft hat, die Auswirkungen haben, oder weil die Reizempfindlichkeit stärker wird. Muss ja nicht sein, kann aber.

      Wenn du Zweifel hast, dann nimm diese dynamisch ;) in Angriff und sprich mit deinem Arzt darüber, der die Diagnose gestellt hat, oder der dich aktuell behandelt, oder mit deinem Therapeuten falls vorhanden. Falls überhaupt keine derartige Person verfügbar ist, dann kannst du vielleicht mit einem Angehörigen oder guten Freund darüber sprechen?

      Oder du sagst dir, "es geht mir gut" und es kann dir egal sein, ob die Diagnose stimmt oder nicht, solange du sie nicht für irgendwas brauchst.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Tuvok Danke für das Ändern des Threadtitels, ich wollte dich gestern schon darum bitten, aber erst noch etwas meine runde Beitragszahl genießen. :oops:
      (Man muss Prioritäten setzen! :prof: )
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal