Überschneidungen NT und ASS

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    • anonymertyp20 wrote:

      ich hatte eigentlich viele Freunde aber habe mich quasi von allen distanziert und auch von Menschen distanziert. Ich interessiere mich irgendwie kaum noch für Menschen, weshalb auch der Grund ist wieso ich kaum noch echte Kontakte habe oder ne Freundin
      Dem nach sah dein leben früher scheinbar anders aus?
      Wie war denn deine Kindheit so? Oder die Jugendzeit?
      Das es Überschneidungen zwischen NT und ASS gibt ist definitiv richtig, und auch zwischen ASS und NT ist ein fließender Übergang, den man als broader autism phenotype bezeichnet. Man sagt auch "autistische Züge" dazu.
      Was ich aber betonen möchte ist, das Autisten diese Besonderheiten immer schon hatten, auch schon in der Kindheit.
      So wie du dich beschreibst, hattest du früher aber scheinbar keine solchen Auffälligkeiten, oder wenn sie da waren, hast du sie ignoriert und nur überspielt?
      Wenn du früher als Kind anders warst deutet das eher auf etwas erworbenes hin und nicht aus Autismus.
    • MangoMambo wrote:

      Sozialer Rückzug ist kein Symptom von Autismus.
      Auch Angst nicht authentisch zu wirken ist kein Symptom von Autismus.
      Würde ich so nicht behaupten. Gerade wenn die Reizüberflutung zu groß wird und Routinen zu sehr durcheinander gebracht werden dann ist sozialer Rückzug die einzige Möglichkeit. Auch verstellen sich viele um nicht aufzufallen oder anzuecken - würde ich zu 100 % überall ich selbst sein wären wohl viele um mich herum total verstört.
    • Ich weiß halt nicht ob ich mich früher verstellt hab, jetzt ist es auf jeden Fall so, weil mir vieles schnell zu viel wird und ich auch Angst hab was falsches oder dummes zu sagen was gar kein Sinn macht, habe ja auch Schwierigkeiten Gesprächen zu folgen, deswegen sind meine Antworten auf das gesagte von den Leuten eher anders bzw. sind nicht die Antworten die mit dem Thema zu tun haben. Das schlimme ist wenn jemand mit mir spricht ich werde auch sehr nervös, fange an mit meinen Fingern zu spielen, oder tue grad so als würde ich nebenbei was anderes machen um so zu wirken als könnte ich nebenbei zuhören. Dadurch dass ich mir auch vornehme zuzuhören schwirren mir dabei 1000 andere Gedanken durch den Kopf, dass ich Schwierigkeiten habe mich zu konzentrieren, jedoch ist es auch im Chat häufig so, dass ich nicht weiß was ich antworten soll.

      Ich versteh auch häufig nicht, was mit Reizüberflutung gemeint ist, heißt es, dass einfach viele Menschen z.b an einem Tisch sitzen und es zu viel ist?

      The post was edited 1 time, last by anonymertyp20 ().

    • Irgendwo versuchen doch viele Menschen sich anzupassen, dazuzugehören. Den meisten fällt das nur vermutlich viel leichter.
      Das nimmt halt generell immer mehr ab, weil der Egoismus immer mehr zunimmt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • anonymertyp20 wrote:




      Ich versteh auch häufig nicht, was mit Reizüberflutung gemeint ist, heißt es, dass einfach viele Menschen z.b an einem Tisch sitzen und es zu viel ist?
      Ja Geräusche, die man nicht filtern kann oder zu viele Menschen oder Situationen, die einen total überfordern.


      Garfield wrote:

      Irgendwo versuchen doch viele Menschen sich anzupassen, dazuzugehören. Den meisten fällt das nur vermutlich viel leichter.
      Das nimmt halt generell immer mehr ab, weil der Egoismus immer mehr zunimmt.
      Ja das schon aber ein Nichtautist weiß in vielen Situationen intuitiv wie er sich verhalten soll und das weiß ein Autist nicht oder tut sich schwer damit. Wenn es da 100 Leute gibt und 99 sind Nicht-Autisten und der 1 ist Autist passieren da immer wieder Missverständnisse im Alltag und man stößt auf Unverständnis wenn man sich unangemessen oder merkwürdig verhält. Da wird dann sehr viel hineinterpretiert von den anderen Leuten obwohl es gar nicht so ist. Andere Menschen passen sich nicht so oft in allen möglichen Lebensbereichen ein wie der Autist.
    • anonymertyp20 wrote:

      Ich versteh auch häufig nicht, was mit Reizüberflutung gemeint ist, heißt es, dass einfach viele Menschen z.b an einem Tisch sitzen und es zu viel ist?
      Damit sind die Reize der Sinnesorgane gemeint.
      Ich könnte mit 1000 Mönchen im Schweigekloster an einem Tisch sitzen, ohne dass es "zu viel" wird. Aber 10 Leute in einer Kneipe, die sich gegenseitig anschreien, mit dem Geschirr klappern, permanent mit den Gläsern anstoßen, dazu hunderte von Gerüchen, vielleicht noch grelle Beleuchtung - DAS ist dann einfach zu viel an Reizen.
      Ich habe manchmal den Eindruck, das Gehirn will mich jeden Reiz einfach aktiv wahrnehmen und katalogisieren lassen, obwohl es das ganz allein im Hintergrund können sollte.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • anonymertyp20 wrote:

      Habt ihr auch immer das Gefühl dass ihr eurem Gesprächspartner nicht folgen könnt weil ihr das quasi nicht so mitfühlt was er erzählt? Deswegen weiß ich oft nie wie ich entgegnen soll, oder hat das was mit Selbstvertrauen zu tun?
      Was meinst du denn mit "mitfühlen" in einem Gespräch? Wenn ich jetzt gerade mit jemand über die US-Wahlen spreche, dann ist das ein intellektueller Austausch, und dem kann ich folgen (Voraussetzung: der andere ist nicht gerade Politikprofessor mit Fachgebiet Wahlsystem der USA), aber zum "mitfühlen" gibt es da doch gar nichts.

      Was anderes ist es, wenn der Gesprächspartner etwas erzählt, was ihm emotional sehr nahe geht (Trennung, Arbeitsplatzverlust usw.), da tue ich mir schwer mit dem intuitiven Mitfühlen, aber ich weiß aus Erfahrung natürlich schon, wie ich reagieren sollte und bringe gelegentlich Floskeln wie "Nein, das ist ja furchtbar" oder "Oh, das muss ja schlimm für dich sein". Aber klar, es kann sein, dass das dem anderen nicht genügt, dass er irgendwie checkt, dass ich auf einer oberflächlichen Ebene bleibe, meine Reaktion nur als oberflächlich empfindet.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • anonymertyp20 wrote:

      Habt ihr auch immer das Gefühl dass ihr eurem Gesprächspartner nicht folgen könnt weil ihr das quasi nicht so mitfühlt was er erzählt? Deswegen weiß ich oft nie wie ich entgegnen soll, oder hat das was mit Selbstvertrauen zu tun?
      Bisher hat mich entweder noch niemand mit mitfühlenden Erzählungen belästigt oder ich habe es nicht bemerkt.
      Ich antworte einfach sachlich, wenn Jemand Gefühlsduselei erwartet, dann muss das vorher klar gesagt werden und selbst dann wüßte ich wohl nicht, was ich da sagen soll. Zuhören und ab und zu nicken, muss reichen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Bei mir ist es eher umgekehrt. Mir tut es voll leid, wenn es jemandem schlecht geht (zumindest wenn die Situation nachvollziehbar ist, wie wenn z.B. die Frau weg ist oder der Job), aber ich kann es nicht so rüberbringen, dass es ankommt. Ich versuche mein Glück dann auch mit der Suche nach praktischen Ratschlägen, oder höre nur zu, ohne viel zu sagen. Ich fühle mich dann hilflos.
      Alles wird galaktisch gut.
    • anonymertyp20 wrote:

      Habt ihr auch immer das Gefühl dass ihr eurem Gesprächspartner nicht folgen könnt weil ihr das quasi nicht so mitfühlt was er erzählt?
      Nein, das hatte ich noch nie.

      Shenya wrote:

      Bei mir ist es eher umgekehrt. Mir tut es voll leid, wenn es jemandem schlecht geht (zumindest wenn die Situation nachvollziehbar ist, wie wenn z.B. die Frau weg ist oder der Job), aber ich kann es nicht so rüberbringen, dass es ankommt.
      Genauso geht es mir auch.

      Ich kann allem folgen, verstehe vielleicht nicht immer ob und was der andere jetzt fühlt aber adäquat reagieren fällt mir schwer. Ich sage meist das passende, aber mein Gesichtsausdruck passt nicht zu dem was ich meine und meine Körpersprache auch nicht.
    • "Mitfühlen" erfolgt bei mir i.d.R durch gezieltes nachfragen, nach Hintergründen, wie es weiter geht, Aufmunterungen o.ä, die Gefühlslage bzw. wie sich mein Gegenüber wirklich fühlt bleibt mir verborgen.

      Bei manchen Themen, Frage und bohre ich nicht nach, weil ich nicht unnötig Chaos verschlimmern will. Ich teile allerdings mit, dass man mir es erzählen kann und höre auch aufmerksam zu.

      Ich stelle auch Fragen, wo NT' s sich fragen, ob ich die Frage ernst meine und von mir kommt dann ein "Ja das ist mein Ernst. Ich stelle die Frage ja nicht einfach so.".

      Ich habe schon öfters die Erfahrung gemacht, dass erwartet wird etwas zu können oder zu verstehen und es nicht sein kann das ich es nicht verstehe. Bitte ich um eine Erklärung, erhält man keine, weil es ja nicht sein kann, dass ich es nicht verstehe.

      Vor gar nicht all zu langer Zeit bin ich ausgeflippt, weil ich angeblich etwas nicht verstanden hatte. Mitlerweile sehe ich das lockerer und wenn meiner Bitte um Erklärung oder mehr Informationen nicht nachkommt, dann arbeitet mein Hirn auf Hochtouren, um es zu verstehen und die Frage ist dann, wie lange ich brauche um es zu verstehen und im blödesten Fall sterbe ich halt Dumm (RW).

      Etwas zu erklären kann zum Verständnis beitragen, allerdings ist es weniger Aufwand und einfacher jemandem irgend einen Stempel aufzudrücken. Es ist ja schließlich vollkommen inakzeptabel, das etwas nicht verstanden wird, weil es "jeder normale" versteht. Ich bin anders, nicht jeder und erst recht nicht normal.

      Das ist unvorstellbar und entspricht nicht dem Weltbild.
      Nicht mein Problem, aber ich helfe gerne es zu lösen und zum Verständnis beizutragen, was dann als "will bemitleidet werden ausgelegt wird".