Der Sinn einer Psychotherapie

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    • Der Sinn einer Psychotherapie

      Letzte Woche habe ich meine Psychotherapie bei einer Psychotherapeutin abgebrochen, beziehungsweise sie nach einem Therapeutenwechsel gefragt und das Institut wo sie arbeitet informiert dass ich nicht mehr zu dieser Therapeutin gehen will sondern einen anderen Therapeuten haben möchte. Es bleiben noch 40 der insgesamt 60 bewilligten Stunden offen und es scheint mir schade sie einfach zu verlieren. Gleichzeitig weiß ich nicht genau warum ich eine Psychotherapie brauche. Die Therapeutin habe ich als besserwisserisch, arm an Empathie und Lebenserfahrung, als nicht gut informiert über die Themen weswegen ich da bin und sogar als manipulativ, als Person eventuell etwas verwöhnt und am Ende als ziemlich bissig erlebt. Verschiedene User hier im Forum hatten mir schon vor Monaten nahegelegt dass sie die falsche Therapeutin wäre für mich und dass ich die Therapie bei ihr abbrechen sollte. Sie hatten recht weil am Ende gab es keine "therapeutische Beziehung" mehr sondern wir waren nur Gegner, was ich noch nie erlebt habe bei einer Psychotherapie.

      Jetzt wo ich sie "los" bin stelle ich mir aber die Frage was ich von einer Therapie erhoffen kann überhaupt. Ich bin vollkommen isoliert (auch wegen der Corona Krise) und wollte jemanden mit dem ich reden könnte einmal die Woche, auch eventuell Unterstützung oder Anregung bekommen um wieder Anschluss zu finden an die Gesellschaft, was zur Zeit aber sowieso kaum geht wegen Corona. Was ich verwirrend finde ist dass ich diese 40 Stunden noch habe (sie "stehen mir zu" sozusagen), dass ich tatsächlich Unterstützung brauche aber dass es nichts spezifisches gibt das therapiert werden müsste bei mir, meiner Einschätzung nach, auch wegen meines Alters (66). Ich behaupte nicht dass ich gar nichts hatte von den ersten 20 Stunden, weil ich hart gekämpft hatte verstanden zu werden um am Ende die Einsicht zu bekommen dass ich "gegen Windmühlen" kämpfte. Auch die Einsicht dass es sinnlos ist "verstanden" werden zu wollen ist eine wertvolle und befreiende Einsicht.

      Wenn man zum Beispiel eine Spinnenphobie hat ist das Therapieziel nicht mehr Angst vor Spinnen zu haben, aber ich habe kein Therapieziel, 40 bewilligte Stunden, eine 7-Jahre alte Asperger Diagnose und eine Lebenskrise mitten in einer Pandemie.

      Hat jemand einen Vorschlag? Vielleicht ist es falsch weiterzumachen mit einer Therapie wenn man kein konkretes Ziel hat? Vielleicht verschwende ich das Geld der Krankenkasse? Ist es sinnlos eine Therapie zu machen nur um ein bisschen Unterstützung zu bekommen. Wird es Unterstützung geben oder muss man sich "behandeln" lassen und in Frage gestellt werden?

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Unbewohnte Insel wrote:

      Gleichzeitig weiß ich nicht genau warum ich eine Psychotherapie brauche.
      eine therapie sollte doch dazu dienen etwas zu verändern. wenn du selbst nicht weißt, was du ändern möchtest, oder sonst kein ziel hast, dann ist die therapie irgendwie sinnlos. jegliche mögliche veränderung muss am ende dann doch von dir ausgehen und du selbst musst das wollen, damit das funktionieren kann.

      du sagst doch selbst, dass du anschluss an die gesellschaft finden möchtest. das kann man ja auf unterschiedlichste weise tun. was möchtest du genau? was hält dich bisher davon ab? warum denkst du, dass es bei dir nichts zu therapieren gäbe?
    • Sternschnuppe wrote:

      warum denkst du, dass es bei dir nichts zu therapieren gäbe?
      Weil auch die Therapeutin nicht wusste warum ich da wäre und was sie tun sollte. Bei mir gibt es bestimmt viel was man therapieren wollen könnte aber in meinem Alter kommt es mir irgendwie nicht so relevant vor weil mein Hauptproblem eher Einsamkeit im Alter ist, was an und für sich schwer zu therapieren ist und besonders schwer unter einem Lockdown weil sogar wesentlich normalere Menschen als ich sich eher auf Isolation einstellen müssen und vielleicht sogar daran kaputtgehen


      Sternschnuppe wrote:

      was hält dich bisher davon ab?
      Früher im Leben war ich integriert in die Gesellschaft aber meine Integration ist inzwischen kollabiert und lässt sich nicht so leicht wiederherstellen. Ich hatte zwei Therapieziele und das zweite Ziel war wieder Anschluss zu finden. Es ist nicht der Fall dass etwas mich davon abhält aber wenn man alt ist und kein soziales Umfeld mehr hat dann sitzt man eben da (es geht vielen so). Vielleicht brauche ich aber tatsächlich eine Therapie. In dem Fall wäre meine gegenwärtige Hilflosigkeit ein valider Therapiegrund. Obwohl ich mich frage ob Einsamkeit im Alter ein Therapiegrund ist. Vielleicht bräuchte ich eine andere Art Hilfe. Bei meiner Therapie fand ich es schwierig mich als 66-jährigen einer 30-jährigen zu "unterwerfen", eben weil sie keine Erfahrung hat mit Isolation im Alter oder mit Trennungen und ziemlich besserwisserisch herüberkam anstatt zu helfen.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Ich bin vollkommen isoliert (auch wegen der Corona Krise) und wollte jemanden mit dem ich reden könnte einmal die Woche, auch eventuell Unterstützung oder Anregung bekommen um wieder Anschluss zu finden an die Gesellschaft, was zur Zeit aber sowieso kaum geht wegen Corona.
      Erstmal finde ich es gut, was du gemacht hast. Du hast gemerkt, dass dir die Therapie dort nichts bringt und hast es beendet. Die 60 Stunden dort weiter zu machen, sinnlos und unzufrieden, würde ich eher eine Verschwendung finden. Ich weiß nicht, ob die restlichen Stunde auch verfallen, wenn du der Krankenkasse sagst dass du keine Therapie mehr machst. Oder ob die Stunden erst dann weg sind, wenn du sie in Anspruch nimmst.

      Für mich klingt es so, dass dir ein ambulant begleitetes Wohnen helfen könnte. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, einen Kontakt der regelmäßig vorbei kommt, jemand der dir bei Alltagsfragen ein Ansprechpartner sein soll. Der Sozialarbeiter würde dann 1x die Woche zu dir kommen, zum Reden, oder was gemeinsam machen, wie du es brauchst und möchtest. Die helfen einem auch sich wieder zu integrieren, wenn man das möchte. Oder gehen mit einem zusammen raus, was unternehmen wenn man das machen will.

      Alternativ habe ich bisher gute Erfahrungen mit einer "Autismustherapie" gemacht. Das ist keine Psychotherapie, sondern ein zusammen sitzen mit einem Heilpädagoge, der sich mit Autismus auskennt. Man kann reden worüber man will, oder zusamen ein Spiel spielen, etc.
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • Sternschnuppe wrote:

      eine therapie sollte doch dazu dienen etwas zu verändern. wenn du selbst nicht weißt, was du ändern möchtest, oder sonst kein ziel hast, dann ist die therapie irgendwie sinnlos.
      In der besonderen Situation, dass jemand Jahrzehnte seines Lebens mit unerkanntem Autismus "rumgelaufen ist", muss man bedenken, dass eine große Verwirrung bestehen kann. Autismus selbst hindert auch zusätzlich daran, Gefühle so richtig wahrzunehmen und einzuordnen. Da kann es notwendig sein, Therapieziele in der Therapie selbst erst zu erarbeiten. Also herauszufinden, was brauche ich in meinem Leben, damit es mir besser geht? Man weiß das nicht automatisch selbst (sonst könnte man sich ja vielleicht auch selbst helfen).


      Unbewohnte Insel wrote:

      Jetzt wo ich sie "los" bin stelle ich mir aber die Frage was ich von einer Therapie erhoffen kann überhaupt. Ich bin vollkommen isoliert (auch wegen der Corona Krise) und wollte jemanden mit dem ich reden könnte einmal die Woche, auch eventuell Unterstützung oder Anregung bekommen um wieder Anschluss zu finden an die Gesellschaft, was zur Zeit aber sowieso kaum geht wegen Corona.
      Ich finde, das ist schon ein legitimes Therapieziel. Es kann aber sein, dass du im Verlauf einer Therapie weitere Ziele entwickelst.
      Schade, dass es mit dieser Therapeutin nicht geklappt hat. Solange es dir nicht gut geht, solltest du aber trotzdem weiter versuchen, einen guten Therapeuten zu finden. Wenn man den richtigen hat, kann es sehr viel bringen, finde ich. Es ist nur sehr schwer, einen Therapeuten zu finden, mit dem man konstruktiv weiterkommt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Bei einer Therapie ohne Ziel wird kein Therapeut zustimmen.

      Du kannst zu einem Seniorentreff gehen sofern du einen in der Nähe hast. Informiere dich darüber, wo Menschen aus deiner Altersgruppe hingehen und gehst dann auch da hin.
    • Several wrote:

      Alternativ habe ich bisher gute Erfahrungen mit einer "Autismustherapie" gemacht. Das ist keine Psychotherapie, sondern ein zusammen sitzen mit einem Heilpädagoge, der sich mit Autismus auskennt.
      Wir haben tatsächlich eine Autismusgruppe hier in der Stadt, obwohl sie zur Zeit "auf Eis" gelegt ist wegen Corona. Ich wollte dorthin gehen aber sie gibt es zur Zeit nicht. Eigentlich weiß man gar nicht wie alles weitergehen soll. Ich hatte verschiedene Ideen die ich verwirklichen wollte dieses Jahr (Seniorenkurse machen, zu Gruppen gehen usw) aber alles ist "ins Wasser gefallen" wegen der Pandemie.


      Several wrote:

      Die 60 Stunden dort weiter zu machen, sinnlos und unzufrieden, würde ich eher eine Verschwendung finden.
      Die Therapeutin sagte dass es mir genauso gehen würde mit einem anderen Therapeuten wie mit ihr aber ich habe kein Vertrauen zu ihr mehr und denke dass auch sie Teil des Problems war. Ich hatte eine Langzeittherapie vor 5 Jahren mit einem Herrn in meinem Alter und fand es sehr nützlich. Ich denke nicht dass nur ich das Problem gewesen bin dieses Mal und könnte mir vorstellen dass es bei einem anderen Therapeuten besser laufen würde.


      Shenya wrote:

      Ich finde, das ist schon ein legitimes Therapieziel.
      Für mich schon. Hoffentlich sieht man es auch so in diesem Institut.


      Tux wrote:

      Bei einer Therapie ohne Ziel wird kein Therapeut zustimmen.
      Das kann sein. Ich hatte dort zwei Ziele angegeben, das zweite Ziel war "Anschluss wieder finden". Das ist irgendwie tatsächlich ein Ziel, wie Shenya schreibt. Ich glaube dass die Krankenkasse die 60 Stunden bewilligt hat weil ich eine AS Diagnose habe und isoliert bin. Während der ersten 20 Stunden habe ich versucht meine Trennung zu "verarbeiten", was ziemlich nach hinten los gegangen ist, aber ich habe zumindest gelernt dass das ein hoffnungsloses Unterfangen war und werde es nicht mehr tun. Mit einem neuen Therapeuten hätte ich nur mein zweites Ziel, Anschluss zu finden (was kaum realisierbar sein dürfte in einem Lockdown :roll: ).

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Shenya wrote:

      Das stimmt einfach nicht.
      Hast auch du eine Therapie "ohne Ziel"? Ich glaube dass Fr Preißmann auch eine (langjährige) Therapeutin hat ohne bestimmtes "Ziel".

      Es sieht so aus als ob alles sowieso schließen wird wegen Corona (zB mein Arbeitsplatz auch, ab dieser Woche wahrscheinlich) . Ich habe den starken Eindruck dass alles kollabiert zur Zeit, nicht nur ich, so dass es schwierig wird zu unterscheiden wo die persönliche Krise endet und wo die allgemeine Krise beginnt.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Unterstützung brauche aber dass es nichts spezifisches gibt das therapiert werden müsste bei mir, meiner Einschätzung nach, auch wegen meines Alters (66).
      Ich kann den Gedanken zwar total gut verstehen (ich denke so Ähnliches manchmal mit Ende 30), aber stell dir vor, du lebst noch 30 Jahre?

      Unbewohnte Insel wrote:

      eine 7-Jahre alte Asperger Diagnose und eine Lebenskrise mitten in einer Pandemie.
      Sowie ich deine Threads verstanden habe, hat deine Lebenskrise aber nicht nur mit der Pandemie zu tun

      Unbewohnte Insel wrote:

      Vielleicht verschwende ich das Geld der Krankenkasse?
      Bitte denke so etwas nicht! Das Geld verschwenden zB diejenigen, die wegen Blasen am Fuß den Krankenwagen rufen! (Passiert öfter als man denkt)

      Wenn du mich fragst, was das Ziel meiner Therapie ist: Einfach, dass es mir besser geht bzw., dass mein Zustand wenigstens so bleibt wie jetzt. Konkretere
      Ziele habe ich nicht. An meiner Spinnenphobie arbeite ich nicht in der Therapie.

      Ich finde es aber gut, dass du den Therapeuten wechselst. So 100% zufrieden bin ich mit meinem auch nicht, aber ich finde ihn wenigstens als Mensch sympatisch
      (es gibt Gemeinsamkeiten) und leider können Nicht-Autisten Autismus mE nicht wirklich nachvollziehen, egal ob Therapeut oder empathisch ...

      Außerdem würde ich sagen, dass dein Ziel ist, mehr unter Menschen zu kommen, denn Einsamkeit ist eine Krankheit. Und auch wenn das aktuell schwierig ist,
      zwischen den Lockdowns gibt es ja immer Möglichkeiten, die man nutzen kann, unter Menschen zu kommen.
    • Ich finde schon, dass man in einer Therapie ein Ziel haben sollte. Es geht ja auch darum an sich zu arbeiten.
      Natürlich geht das nur, wenn die Chemie mit dem Therapeuten stimmt. Ich selbst habe zur Zeit eine Langzeit-
      therapie gemacht und gemerkt, dass es doch sehr viele Stunden dauern kann bis sich wirklich etwas tut.
      Man arbeitet ja quasi sein Leben auf.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Die Therapeutin sagte dass es mir genauso gehen würde mit einem anderen Therapeuten wie mit ihr aber ich habe kein Vertrauen zu ihr mehr und denke dass auch sie Teil des Problems war.
      Also das finde ich eine sehr komische Aussage und wäre für mich ein sehr grosses Alarmzeichen bei der falschen Therapeutin zu sein. Wir haben bei uns in der Familie Erfahrungen verschiedensten Therapeuten und Therapeutinnen. Uns wurde immer mitgeteilt, wenn wir denken würden, dass es nicht passen würde - einfach weitersuchen.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Hast auch du eine Therapie "ohne Ziel"? Ich glaube dass Fr Preißmann auch eine (langjährige) Therapeutin hat ohne bestimmtes "Ziel".
      Oder das Ziel ist sehr allgemein formuliert, wie "besser zurechtkommen", "mehr Freude am Leben haben". Was das konkret heißt, muss man dann erst in der Therapie rausfinden.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Vulkan wrote:

      Ich finde schon, dass man in einer Therapie ein Ziel haben sollte. Es geht ja auch darum an sich zu arbeiten.
      Natürlich geht das nur, wenn die Chemie mit dem Therapeuten stimmt. Ich selbst habe zur Zeit eine Langzeit-
      therapie gemacht und gemerkt, dass es doch sehr viele Stunden dauern kann bis sich wirklich etwas tut.
      Man arbeitet ja quasi sein Leben auf.
      Eigentlich ja. In jungen Jahren (mit 24) hatte ich einen 40-jährigen Therapeuten, mit 61 einen 64-jährigen und jetzt mit 66 Jahren eine 30-jährige die sich sehr besserwisserisch und verständnisverweigernd verhalten hat. Asperger hin oder her es kam mir wie eine sehr ungünstige Konstellation vor, von der Lebenserfahrung her. Obwohl ich zur Zeit ziemlich hilflos dastehe habe ich zu viel Selbstwertgefühl um "richtiggestellt" und "belehrt" werden zu wollen durch jemand der mindestens 35 Jahre junger ist als ich. Das empfand ich als sehr problematisch. Im Rückblick empfinde ich die gesamte Situation, von einer wesentlich jüngeren Person modifiziert und auf den richtigen Weg gebracht zu werden, als irgendwie erniedrigend. Sie war noch in Ausbildung als Therapeutin und dachte zuerst dass Asperger dasselbe wäre wie Schizoide Persönlichkeitsstörung, weil sie das gelesen hatte im Internet.

      Vulkan wrote:

      Es geht ja auch darum an sich zu arbeiten.
      Natürlich geht das nur, wenn die Chemie mit dem Therapeuten stimmt
      Ich denke auch dass es bestimmt einige Therapeuten gibt denen man nicht vertrauen sollte (was ziemlich schrecklich und erschreckend klingt 8o ). Es ist nicht gesagt wenn etwas schiefläuft dass es unbedingt immer nur mit dem Patienten zu tun hat. Ich hatte ein mulmiges Gefühl bei dieser Therapeutin von Anfang an und hatte mehrmals den Eindruck dass sie keine ehrliche Kommunikation anstrebte sondern mich "manipulieren" wollte mit gelernten Techniken, warum auch immer. Etwas sehr Bedenkliches war auch dass sie dreimal die Option eines Therapieabbruches erwähnte zu drei verschiedenen Zeiten während des Sommers und als ich nach dem dritten Mal zusagte sagte sie dass es nicht sein könnte dass ich immer wieder mit Therapieabbruch drohe wenn es Probleme gab. Das Seltsame daran war dass ich ganz sicher bin dass es sie war die dreimal von Therapieabbruch gesprochen hatte (und mich damit erschrocken) nicht ich, und jetzt sollte es ich gewesen sein. Damit war mein Vertrauen zu ihr endgültig weg weil ich ihr Verhalten als unwürdig empfand für eine Therapeutin. Eine Therapeutin sollte zumindest ehrlich sein und nicht manipulativ, denke ich.


      Fidoline wrote:

      Sowie ich deine Threads verstanden habe, hat deine Lebenskrise aber nicht nur mit der Pandemie zu tun
      Ja, die Lebenskrise und die Pandemie sind zwei verschiedene Krisen, obwohl die Pandemie es noch schwieriger macht die Lebenskrise zu lösen. Tendenziell wird man allein in seiner Wohnung sitzen müssen diesen Winter, einfach wegen der Corona Situation, was auswärts gerichtete Bewältigungsstrategien drastisch einschränkt. Aber du hast recht, meine Lebenskrise fing ungefähr 2016 an. Die Corona Krise kommt noch hinzu.
    • Shenya wrote:

      Oder das Ziel ist sehr allgemein formuliert, wie "besser zurechtkommen", "mehr Freude am Leben haben". Was das konkret heißt, muss man dann erst in der Therapie rausfinden.
      So ein Ziel wäre ideal.


      jaw wrote:

      Also das finde ich eine sehr komische Aussage und wäre für mich ein sehr grosses Alarmzeichen bei der falschen Therapeutin zu sein.
      Es gab ziemlich viele Alarmzeichen. Etwas was ich bedenklich fand war dass sie mehrmals von Therapieabbruch gesprochen hatte ohne mir eine Alternative zu gegeben (zum Beispiel Therapeutenwechsel innerhalb des Instituts) obwohl ich danach gefragt hatte: "Gibt es eine Alternative zum Weitermachen mit Ihnen?" Es stellte sich nachträglich heraus dass man wechseln kann innerhalb des Instituts, was sie mir nicht gesagt hatte obwohl es mir geholfen hätte das zu wissen. Sie ist der Meinung dass ich "dieselben Probleme" hätte mit einem anderen Therapeuten, was nicht unbedingt stimmen muss weil ich bisher immer gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht habe mit Psychotherapie und eine gute Beziehung hatte zu den Therapeuten. Ich denke ich hatte dieses Mal einfach Pech.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      weil mein Hauptproblem eher Einsamkeit im Alter ist, was an und für sich schwer zu therapieren ist
      Wurde am Anfang nicht ein Therapieplan aufgestellt, worin steht, was die/das Problem(e) sind und was man mit einer Therapie erreichen kann? Das sollte der Leitfaden des ganzen sein.

      Es gibt also zwei Baustellen:

      Unbewohnte Insel wrote:

      und das zweite Ziel war wieder Anschluss zu finden.

      Unbewohnte Insel wrote:

      In dem Fall wäre meine gegenwärtige Hilflosigkeit ein valider Therapiegrund.
      Der erste Punkt ist mMn. kein Therapiegrund, das ist mehr was für einen Aktionsplan, also was kann man machen um irgendwo Anschluss zu finden bzw. sich nützlich machen. Ein Therapiepunkt aus meiner Sicht wäre es, wenn man z. B. irgendwo hin möchte aber vllt. Hemmungen = Angst hat, da hinzugehen. Dann wäre das Thema Angstbewältigung ein Therapiegrund. Vllt. ist gibt es auch ein Motivationsproblem, das könnte mit depressiver Stimmung zu tun haben. Oder es ist oft auch nur eine Sache der inneren Einstellung und baut ggf. auf Vorurteile auf.

      Auch der zweite Punkt wäre eher was für andere Leute als für Therapeuten. Generell sollen Therapeuten ja was verändern, aber soweit ich weiß gibt es zwei Möglichkeiten dazu. Entweder, man versucht das Problem zu lösen, es ist danach also weg, oder man bringt dem Kandidaten bei, wie man mit dem Problem umgeht, weil es vllt. nicht mehr weg geht = irreversibel ist. Ich denke, bei dem was ich gelesen habe, liegt das Problem im erstgenannten, das also die Probleme möglicherweise lösbar sind aber du aufgrund deiner Einstellung dich dagegen sperrst. Auch die genannte Hilflosigkeit ist vllt. ein Ding für einen Therapeuten, allerdings ist Hilflosigkeit keine pathologische Sache (Therapie), sondern hier könnte Hilfestellung notwendig sein.

      Kurzum, mit deiner Problematik finde ich, bist du mit einem Therapeuten nicht an der richtigen Adresse bzw. nur zur Hälfte. Es müsste noch jemand mitwirken, der im täglichen Leben Hilfestellung zu konkreten Umständen geben kann, sozusagen ein Coach.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Obwohl ich mich frage ob Einsamkeit im Alter ein Therapiegrund ist.
      Eher nicht, eher eine Erscheinung, die man verhindern kann. Es sei denn, die Einsamkeit ist eine Folge von einem darüber liegendem Problem, was erst gelöst werden muss, wie z. B. andauerndes Fehlverhalten, Angststörung, depressive Beschwerden bis Depression, die eigene Sichtweise usw.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Bei meiner Therapie fand ich es schwierig mich als 66-jährigen einer 30-jährigen zu "unterwerfen", eben weil sie keine Erfahrung hat mit Isolation im Alter oder mit Trennungen und ziemlich besserwisserisch herüberkam anstatt zu helfen.
      Und genau da vermute ich, liegt dein Problem, was ich oben schon raushängen lassen habe, deine Einstellung. Es ist im Grunde schnurz, wie alt die Leute sind oder ob es Mann oder Frau ist, beide haben ihre Vor- und Nachteile. Die 30-jährige ist vllt. auf dem neuesten Stand der Forschung, der ältere Herr hat Erfahrung aber vllt. nicht auf der Höhe, aber du kamst mit ihm besser zurecht. Dazu siehst du das Alter als eine Art Hierarchie an, je älter, desto höher, oder anders, "was soll so ein junges Kücken schon wissen?". Dementsprechend hast du ihre gut gemeinten Ratschläge in den Wind geschlagen und sie hat dir prophezeit, dass du bei anderen Therapeuten ähnliche Probleme machen wirst, was darauf hindeutet, dass sie bei dir ein blockierendes Verhaltensmuster gibt. Wenn also ein anderer Therapeut altersmäßig "unterlegen" sein sollte, wirst du wahrscheinlich unbewusst auch wieder in das Verhaltensmuster fallen "was soll so ein junges Kücken schon wissen?". Vllt. hat dir die 30-jährige Therapeutin das beibringen wollen, aber genau hier beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, denn den wichtige Aspekt hast du aufgrund deiner Sturheit ignoriert und vergessen/ausgeblendet bzw. willst davon nichts wissen (Schuld sind immer die anderen). So sehe ich den Sachverhalt gerade.

      Vllt. solltest du mit ihr bzw. von ihr ein Schriftstück anfordern (sofern es noch keins gibt), was ihrer Auffassung und Erfahrung nach mit dir nicht richtig läuft, vorallem in der Kommunikation mit ihr. Ich nehme mal an, vieles davon liegt darin begründet, dass dir ein mangelnden Einsicht in eigene Fehler fehlt, denn am einfachsten ist es, die Fehler bei anderen zu suchen, so macht meine Mutty das auch immer und wenn ich ihr das erzähle, erfindet sie jede Menge fauler Ausreden, warum andere doch Schuld sind. Vllt. denkst du mal darüber nach, also zu der (Vor-)Verurteilung der Therapeutin aufgrund ihres Alters und vorallem wegen der Besserwisserei (sie weiß es tatsächlich besser, sie hat es studiert, sie kennt sich aus, ist Expertin auf dem Gebiet) und diese Sachen, also deine Grundeinstellung bzw. Vorurteile, die du mit dir rumschleppst. Vllt. solltest du nochmal zu ihr gehen und genau das ansprechen, dass du also zu ihr sagst, man hätte dir vorgeworfen Voreingenommen zu sein und vllt. in Klischees zu denken und wie sie die Sache sieht. So würde ich den ersten Schritt machen. Im weiteren Verlauf dann das daraus resultierende Problem besprechen und wie du dich vllt. ändern musst oder solltest um nicht wieder in die Probleme zu kommen (mit den eigenen Fehlern umgehen können) indem man z. B. in gewissen Kreisen einfach mal das Maul hält anstatt seine Meinung rauszuposaunen und anderen damit mächtig auf die Füße zu treten oder sowas.
      Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. Erasmus von Rotterdam (1465/1469 - 1536)
    • @Unbewohnte Insel: Würde dich ein Social-Skills-Training innerhalb der Therapie weiterbringen, wie Gesprächsanfänge und Gespräche aufrechterhalten üben, und wie man Kontakte zu Bekanntschaften und Freundschaften ausbaut? Könnte vielleicht als Therapieziel durchgehen.
      Alle Menschen sind Ausländer – fast überall.
      Alle Rassisten sind Arschlöcher – überall.
    • Ja, eine Verhaltenstherapie könnte helfen, das beinhaltet das eigene Verhalten anzupassen, setzt aber voraus, dass man imstande ist, eigene Fehler zu akzeptieren und nicht bei anderen zu suchen.
      Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. Erasmus von Rotterdam (1465/1469 - 1536)
    • Nervenbündel wrote:

      sie weiß es tatsächlich besser, sie hat es studiert, sie kennt sich aus, ist Expertin auf dem Gebiet
      Sie ist aber noch in Ausbildung, und ich finde, wenn man erst 30 ist, dann hat man halt keine Ahnung, wie es ist, 66 zu sein. Das kann man auch nicht studieren. Darüber hinaus hatte sie offenbar auch keine Kenntnisse über AS, also ist es mit der Expertise dann schon mal nichts gewesen.
      Ein anderer Therapeut kann durchaus einen großen Unterschied machen. Denn selbst wenn die Verhaltensweisen vom Klienten dieselben sind, kann ein anderer Therapeut damit ganz anders umgehen und dadurch eine andere Entwicklung auslösen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Turtle wrote:

      Würde dich ein Social-Skills-Training innerhalb der Therapie weiterbringen, wie Gesprächsanfänge und Gespräche aufrechterhalten üben, und wie man Kontakte zu Bekanntschaften und Freundschaften ausbaut?
      Bei mir war das ein konkretes Therapieziel, das gegen Ende der 5 probatorischen Sitzungen formuliert wurde. Ein anderes, eher übergeordnetes, war, meine Einschränkungen überhaupt verstehen und einordnen zu lernen (jeder Autist ist anders). Ein weiteres Ziel betraf meine Beziehung. Ja, und wir haben die Ziele schriftlich festgehalten, nicht ausgedruckt, aber jeder von uns beiden hat sie in seinen Unterlagen festgehalten und sie waren erneut Thema, als es von der Kurzzeittherapie in die Langzeittherapie ging, zum Teil modifiziert, präziser auf Details fokussiert.

      Also: Ich glaube, Ziele sind schon wichtig, und wenn du, @Unbewohnte Insel einen Therapeutenwechsel schaffst, was ich dir wünsche, dann könntest du von dir aus das Thema "Therapieziele" ansprechen, und zwar auch wenn dir die eigenen gar nicht so klar sind, da für Präzision zu sorgen, ist ja Aufgabe des Therapeuten.
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)