Hilferuf Zimmer aufräumen

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    • Hilferuf Zimmer aufräumen

      Fotos von meinem Zimmer in seinem Normalzustand (Dateien sind zu groß zum Anhängen, deswegen über imgur, ich hoffe, das ist erlaubt): imgur.com/a/iM4o1ZW

      Ich bin so fertig mit der Welt.
      Heute Nachmittag beginnt für mich mein allererstes Unisemester. Fast alles findet online statt, also über Zoom und andere Plattformen.

      Die letzten Tage habe ich versucht, mein Zimmer dafür aufzuräumen, damit ich richtig organisiert ins Semester starten kann. Ich bin super motiviert, was den Studieninhalt angeht und ich freue mich so sehr darauf, irgendwann gut programmieren zu können (ich studiere Informatik).

      Aber mein Zimmer ist eine große Hürde. Ich bin 19 und vermutlich seit etwa 8 oder 9 Jahren chronisch depressiv (wurde mit 12 das erste Mal getestet und diesen August das letzte Mal). Mir geht es seit etwa 5 Jahren von Woche zu Woche besser, mit einigen Einbrüchen und Krisen.
      Die eine Sache, die sicherlich sooo viel helfen würde, in jeder Hinsicht, wäre ein aufgeräumtes Zimmer.
      Meine Eltern habe es schon vor Jahren aufgegeben, in der Hinsicht streng zu sein. Das finde ich sehr schade, weil mir das sicherlich geholfen hätte.

      Die Sache ist, ich habe es schon öfter aufgeräumt. Zuletzt Ende September, während eines zweiwöchigen Mathe-Vorbereitungskurses für die Uni. Da habe ich immer während der Fragerunde oder wenn irgendetwas gesagt wurde, was man nicht wirklich mitnotieren muss, meine Kamera ausgemacht und bin mit Headset auf dem Kopf durch mein Zimmer gelaufen und habe Dinge aufgesammelt und verräumt. Während des Kurses habe ich auch gemerkt, dass ich echt nicht so schlecht in Mathe bin, wie ich immer dachte, und mich spontan gegen ein Lehramtsstudium und für Informatik entschieden, weshalb ich vor Freude beinahe überkochte und gar nicht richtig still sitzen konnte.

      Letzten November kam sogar meine damalige Therapeutin mal zu mir, um mit mir aufzuräumen. Das lief leider sehr schlecht. Ich habe mich komplett überrannt und entmenschlicht gefühlt, als sie all meine Anmerkungen ignorierte und z.B. meine Schulbücher und Romansammlungen in den Regalen vertauschte, obwohl die alle genau so standen, wie es am besten ist und ich musste das dann alles alleine und mühsam wieder umstellen, weil ich sonst in der Früh doppelt so lange gebraucht hätte, meine Schultasche zu packen. Man muss nicht alles reparieren, sondern nur das, was kaputt ist. Und in meinem Zimmer ist fast alles kaputt, nur nicht die Art, wie ich meine Bücher aufbewahre.

      Müll aufsammeln, Wäsche waschen, falten und einräumen, das klappt ziemlich gut. Ich muss das nur machen. Ich habe es auch schon mehrere Stunden lang getan, seit ich die Fotos aufgenommen habe. Und das geht auch eigentlich ganz gut, wenn ich gut drauf bin. Natürlich hapert es sehr an der Regelmäßigkeit. Wenn mein Zimmer aufgeräumt ist, dann bleibt das meist nicht einmal eine Woche so. Und es ist auch nur pseudo-aufgeräumt. Alles einfach irgendwo weggepackt, aber nichts ist nachhaltig ordentlich.

      Meine größten Probleme sind:
      1. Dinge, die ich vor Ewigkeiten ausgeliehen habe und teilweise keinen Kontakt mehr zu den Leuten habe. Es sind wirklich viele Dinge und sie liegen überall herum.
      2. Dinge, von denen ich nicht einmal weiß, wem sie gehören, z.B. ein Pulli, den ich im Februar 2019 in der Eingangshalle der Jugendherberge, in der wir mit der Klasse waren, aufgehoben habe, und von dem alle gesagt haben "der gehört doch Jakob", nur war Jakob schon verfrüht abgereist, also habe ich ihn mitgenommen. Jakob meinte aber später in der Schule, der Pulli gehöre ihm nicht. Jetzt liegt also ein gestohlener Pulli in meinem Zimmer. Es gibt viele weitere Gegenstände mit ähnlich verwirrenden Geschichten.
      3. Papiere. So viele Papiere. Ich habe eine Mappe mit wichtigen Briefen von der Bank, Krankenkasse, Uni, sowie meinem Impfpass und meinen Abizeugnissen. Aber irgendwie liegt trotzdem so viel Papier herum, und ich traue mich nicht, das alles wegzuwerfen, weil manche dieser Sachen könnten ja wichtig sein.
      4. Geschirr. Das ist vielleicht sogar das schlimmste. Ich habe eine ganze Umzugskiste voller verschimmelter Brotdosen aus der Schulzeit in meinem Zimmer. Meine Therapeutin hat die alle da rein gepackt und mir gesagt, ich solle die abspülen und in den Geschirrspüler stellen. Ich möchte das nur machen, wenn ich alleine zu Hause bin. Es ist sehr ekelhaft, aber ich habe es schon so oft gemacht. Ich habe es immer geheim halten wollen, wenn ich meine Brotzeit nicht gegessen hatte, weil mein Vater mir sonst keine mehr mitgeben wollte. Hat er dann seit der 6. Klasse oder so sowieso nicht mehr, aber ich habe mir hin und wieder etwas eingepackt, und alle möglichen Brotdosen an allen möglichen Orten für einige Wochen vergessen. Manch einer würde vermutlich einfach die gesamte Dose wegschmeißen, aber auch das müsste ich heimlich machen, weil mein Vater sonst sauer werden würde. Naja, die Kiste steht jetzt seit nem Jahr herum und ich habe nichts getan, und seit Corona sind meine Eltern fast immer zu Hause.
      5. Dinge, die ich doppelt und dreifach besitze und einfach ALL DAS ZEUG. Wieso besitze ich sooo viele Dinge? Meine gleichaltrigen Freunde schenken mir gar keine wirklichen Dinge mehr, weil sie mich kennen und mir zuhören und wissen, dass ich bereits alles habe, was ich brauche. Zum Geburtstag haben mir z.B. einige Freunde abgezähltes Eintrittsgeld für einige Besuche der besten Schwimmbäder unserer Stadt geschenkt, weil sie wissen, dass ich gerne schwimme. Solche Geschenke sind toll. Erwachsene scheinen das aber anders zu sehen, und ich weiß nicht, wie man ihnen bescheiden, respektvoll und dankbar, aber ehrlich, klar macht, dass man in seinen Besitztümern ertrinkt und sich wünscht, dass sie sich ihr Geld einfach sparen.
      6. Das absolute Unverständnis meiner Familie bezüglich meiner Situation. Ich habe ihnen gesagt, wenn sie mir Wäsche aufs Bett legen, sollen da bitte keine einzelnen Socken oder Wäsche meiner Geschwister dabei sein, und am liebsten hole ich die Wäsche einfach selber aus dem Keller, weil meine Eltern eh nie die Wäsche von mir und meinen Geschwistern auseinanderhalten können. Ich bin depressiv. Und neurodivergent. Das bedeutet, ich muss sehr viele Dinge vorrausschauend angehen. Einzelne Socken werden in meinem Zimmer verschwinden und meine Schwester wird ein halbes Jahr nach ihrem Lieblingsshirt suchen, das fälschlicherweise bei mir gelandet und dann unters Bett gerutscht ist. Ich sage das nicht, weil ich absichtlich faul bin, sondern weil ich immer, immer, immer mit einberechnen muss, was mit Sachen passieren, wenn ich mal ne Woche im Bett verbringe.
        Meine Stiefmutter hat ein halbes Jahr lang jedes Mal, wenn sie in den nächstgrößeren Ort gefahren ist, gefragt, ob sie mir einen Wäschekorb für mein Zimmer mitbringen soll. Ich habe immer dankend abgelehnt, weil ich meine Dreckwäsche in einer von diesen "unendlich" oft benutzbaren Supermarkttüten gesammelt habe. Natürlich habe ich das nicht täglich, noch nicht einmal wöchentlich gemacht, aber ob ich einen Wäschekorb habe oder nicht, ändert nichts daran. Irgendwann hat sie mir einfach einen mitgebracht, womit wir auch wieder bei Problem Nummer 5 sind. Sie hat ernsthaft geglaubt, sie kann mir mit einem materiellen Geschenk helfen, mein Zimmer ordentlicher zu halten.
      Es fällt mir so schwer, Entscheidungen zu treffen und ich bin so überfordert mit der ganzen Situation
    • kwkittens wrote:

      Jetzt liegt also ein gestohlener Pulli in meinem Zimmer.
      Kleiderspende

      kwkittens wrote:

      Papiere. So viele Papiere.
      Scannen, Backup machen und wegschmeissen. Papiere jünger als drei Monate kannst Du zur Sicherheit in einem eigenen Ordner aufbewahren. Nimmt aber am meisten Zeit in Anspruch, also mach' erstmal die anderen Dinge. Zuallererst:

      kwkittens wrote:

      Ich habe eine ganze Umzugskiste voller verschimmelter Brotdosen aus der Schulzeit in meinem Zimmer.
      Wegschmeissen

      Mittel- bis langfristig hilft Dir eine ADHS-Diagnostik, GTD und, da Du etwas mit Informatik machen willst, org-mode.
    • In manchen Städten gibt es auch Vereine, die Hilfe anbieten sowohl für Messies, als auch für Personen die sich sehr schwertun mit dem Aufräumen.

      Mir hat das Buch "Magic Cleaning" von Marie Kondo sehr geholfen, sie erklärt, wie man Aufräumen lernen kann und dass man das eben nicht intuitiv können muss.

      kwkittens wrote:

      irgendwann gut programmieren zu können
      Das würde ich jetzt nicht so als Ziel des Info-Studiums bestätigen, aber das ist etwas, was man sich bestenfalls neben der Theorie im Studium selbst aneignen kann. Hier kann man viel üben und sich auch Best Practices anschauen und lernen. Viel Erfolg beim Studium.
    • Meine Idee:

      1. Erstelle dir eine Liste mit maximal 5 störenden Objekten (am Anfang auf keinen Fall mehr vornehmen!).
      2. Du suchst dir jemanden, mit dem du über die einzelnen Objekte sprechen kannst, um diese im Kopf als "erledigt" ablegen zu können.
      3. Räume die störenden Objekte auf bzw. werfe sie weg.
      4. Schlafe erstmal eine Nacht darüber (dann sind die Ressourcenklauer definitiv weg).
      5. Prüfe, ob es am nächsten Morgen dir besser geht (=persönlich meine ich, nicht ob die Wohnung jetzt tiptop ist).

      Ist es so in Ordnung: Wiederholung der Schritte 1 - 5.
      Paßt es nicht (= angespannt, weil sich etwas verändert hat): Wiederholung der Schritte 1 - 5 mit geringerer Anzahl Objekte.

      Diese Variante dauert zwar, lohnt sich aber. Damit bekommst du die Ursache (nicht erledigte Punkte) in Griff, so daß deine Wohnung nicht wieder vollgestellt ist (also zugemüllt finde ich die Wohnung nicht...).

      Ist es für dich brauchbar?

      Freundliche Grüße

      infla
    • L84 wrote:

      Mittel- bis langfristig hilft Dir eine ADHS-Diagnostik
      Hab ich^^
      Ich nehme seit 2018 Medikamente, die definitiv helfen

      Danke für eure Antworten, es ist irgendwie schon sehr ermutigend, dass ihr so nett darauf reagiert habt und mich nicht beschuldigt oder beschimpft, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte.

      MangoMambo wrote:

      was man sich bestenfalls neben der Theorie im Studium selbst aneignen kann.
      bin schon seit einigen Wochen dabei, es macht so viel Spaß^^
    • MangoMambo wrote:

      Mir hat das Buch "Magic Cleaning" von Marie Kondo sehr geholfen, sie erklärt, wie man Aufräumen lernen kann und dass man das eben nicht intuitiv können muss.
      Vielleicht ist das wirklich einen Versuch wert, ob diese Methode eine Option für dich ist.

      Sonst wenn du generell Schwierigkeiten mit den exekutiven Funktionen hast, wäre neben den Medikamenten evtl. auch eine Ergotherapie einen Versuch wert.
    • Ich halte es auch für sinnvoll das Projekt "Ordnung im Zimmer schaffen" in kleinen Schritten anzugehen. Vielleicht hilft Dir ja eine wie von @infla oder @MangoMambo empfohlene Vorgehensweise weiter.

      Um nicht erneut in depressive Gedankenmuster zu verfallen, wäre es sicher hilfreich sich jeden Abend zu vergegenwärtigen was man am jeweiligen Tag positives erreicht hat. So könntest Du den Tag dann mit einem Erfolgserlebnis abschließen und neue Motivation für die kommenden (Aufräum)-Projekte gewinnen.


      kwkittens wrote:

      Danke für eure Antworten, es ist irgendwie schon sehr ermutigend, dass ihr so nett darauf reagiert habt und mich nicht beschuldigt oder beschimpft, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte.
      Leider scheinen manche Leute zu so einem Verhalten zu neigen. Ich persönlich sehe aber überhaupt keinen Grund warum man jemanden beschimpfen oder beschuldigen sollte, der Schwierigkeiten mit dem Ordnung halten hat.


      kwkittens wrote:

      bin schon seit einigen Wochen dabei, es macht so viel Spaß^^
      Schön dass Du etwas gefunden hast, was Dir so viel Freude bereitet. Ich wünsche Dir alles Gute für den Studienstart! :)
    • Hallo kwkittens :)

      kwkittens wrote:

      Es fällt mir so schwer, Entscheidungen zu treffen und ich bin so überfordert mit der ganzen Situation
      Ich kenne mehrere Menschen bei denen es ähnlich und z. T. sogar schlimmer ist, bzw. gewesen ist. Immer den ganzen "Berg" von zu erledigenden Dinge zu sehen bringt nichts, da fühlt man sich natürlich komplett überfordert und kann garnicht anfangen (das ist wirklich ein lähmender Zustand in dem man komplett machtlos ist). Wie wäre es wenn Du Dir nur eine einzige Sache vornimmst, z. B. die verschimmelten Brotdosen entsorgen und Du nur nur das machst ohne an den Rest zu denken. Wenn Du das erledigt hast fühlst Du Dich mit Sicherheit besser und kannst dann ohne Zeitdruck die nächste Sachen angehen z. B. Papiere durchsehen/scannen/wegschmeissen. Es gibt Leute die das Problem auf diese Weise in den Griff gekriegt und zumindest einen aufgeräumteren Zustand haben. :)
      Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand,
      denn jeder ist überzeugt dass er genug davon habe.
      René Descartes
    • Zunächst bist du nicht allein mit dem Problem des Zimmer aufräumen. Bei mir sieht es gerade nicht besser aus. i.ibb.co/z4Xn1bs/IMG-20201027-113244.jpg (die Wäsche ist bestimmt schon seit zwei Tagen trocken :roll: ) Seit dem ich wieder in der depressiven Phasen bin, bin ich froh zumindest das Bad und die Küche in Ordnung halten zu können. Für das Zimmer fehlt gerade die Kraft/Motivation. Zur Zeit fühle ich mich gerade nur auf dem Rad oder in der Schwimmhalle wohl. Und dafür habe ich auch Energie ohne Ende. (RW)

      kwkittens wrote:

      Müll aufsammeln, Wäsche waschen, falten und einräumen, das klappt ziemlich gut. Ich muss das nur machen. Ich habe es auch schon mehrere Stunden lang getan, seit ich die Fotos aufgenommen habe. Und das geht auch eigentlich ganz gut, wenn ich gut drauf bin. Natürlich hapert es sehr an der Regelmäßigkeit. Wenn mein Zimmer aufgeräumt ist, dann bleibt das meist nicht einmal eine Woche so. Und es ist auch nur pseudo-aufgeräumt. Alles einfach irgendwo weggepackt, aber nichts ist nachhaltig ordentlich.
      Mein Zimmer ist auch nicht vermüllt, es liegt kein Essen rum und es riecht auch nicht. Ich habe mir angewöhnt soetwas sofort wegzuräumen (Küche/Mülleimer), aber sonst bleibt alles gerade da liegen wo es hinfällt. Eigentlich mag ich ein sauberes und aufgeräumtes Zimmer und wenn es erstmal sauber ist, und ich emotional stabil bin, dann bleibt es auch eine Weile so. Das Problem ist, wenn das Chaos irgendwann einen Punkt erreicht hat (RW) an dem das Aufräumen nicht mal so nebenbei zu machen ist, dann wird es immer größer. Diesen Punkt darf ich eigentlich nicht verpassen, wenn es mir aber emotional nicht gut geht, dann schaffe ich das nicht. Später, wenn ich dann stabil bin, kommt es auch vor das ich dann einen ganzen Tag lang putze. Bis hin zur kleinsten Ecke. Es ist immer ein auf und ab, aber ich habe mich daran gewöhnt.

      kwkittens wrote:

      Dinge, die ich vor Ewigkeiten ausgeliehen habe und teilweise keinen Kontakt mehr zu den Leuten habe. Es sind wirklich viele Dinge und sie liegen überall herum.
      Am besten wegschmeißen. Ich habe, aufgrund von mangelnden Kontakten keine Sachen von anderen Leuten, aber wenn sich jemand länger als nicht meldet, obwohl man mitgeteilt hat, dass man noch Sachen hat, dann gehe ich eigentlich davon aus, dass derjenige sie nicht mehr braucht oder keinen Kontakt mehr haben will. Wie groß die Zeitspanne ist weiß ich nicht. Ich zumindest bin öfters Leuten hinterher gerannt die Sache von mir haben und ich musste mich immer selbst melden um die Sachen zurück zu bekommen. Keine Ahnung, eigentlich ist es ja eine Selbstständigkeit wenn ich Sachen ausleihen, von anderen besitze, dass ich mich unaufgefordert selbst melde. Das dies nicht gemacht wird ist eine derartige Unart und Respektlosigkeit, dass mir die Sachen egal waren und ich Kontakte abgebrochen habe. Mal nit böser Nachricht (RW), mal ohne. Wenn du dich also gemeldet hast und keine Antwort bekommst ist das genauso respektlos und daher würde ich die Sachen wegschmeißen.

      kwkittens wrote:

      Dinge, von denen ich nicht einmal weiß, wem sie gehören, z.B. ein Pulli, den ich im Februar 2019 in der Eingangshalle der Jugendherberge, in der wir mit der Klasse waren, aufgehoben habe, und von dem alle gesagt haben "der gehört doch Jakob", nur war Jakob schon verfrüht abgereist, also habe ich ihn mitgenommen. Jakob meinte aber später in der Schule, der Pulli gehöre ihm nicht. Jetzt liegt also ein gestohlener Pulli in meinem Zimmer. Es gibt viele weitere Gegenstände mit ähnlich verwirrenden Geschichten.
      Ähnlich wie oben, wenn du kein schlechtes Gewissen haben willst, dann kannst du den Pullover ja zur Kleiderspende geben. Si erfüllt er vielleicht noch einen Zweck.

      kwkittens wrote:

      Papiere. So viele Papiere. Ich habe eine Mappe mit wichtigen Briefen von der Bank, Krankenkasse, Uni, sowie meinem Impfpass und meinen Abizeugnissen. Aber irgendwie liegt trotzdem so viel Papier herum, und ich traue mich nicht, das alles wegzuwerfen, weil manche dieser Sachen könnten ja wichtig sein.
      Ich habe dafür ein extra Fach im Schrank, wo ich Papiere auch unsortiert reintun kann. Aber eigentlich ist dies ja auch eine Art Sortierung, chronologisch halt. Wenn ich etwas suche, dann muss ich nur wissen wann ich es reingelegt habe und dann abschätzen auf welcher Höhe das gesuchte Dokument ist. Für wichtige Sachen habe ich seine Mappe mit mehreren Fächern. Da brauche ich dann nicht heften und Löcher in die Blätter machen. i.ibb.co/HrpS9Vk/IMG-20201027-120437.jpg Alles was älter ist und beim aufräumen gefunden wird kommt in einen Schuhkarton der irgendwann alle paar Jahre mal entsorgt wird.

      kwkittens wrote:

      Geschirr. Das ist vielleicht sogar das schlimmste. Ich habe eine ganze Umzugskiste voller verschimmelter Brotdosen aus der Schulzeit in meinem Zimmer. Meine Therapeutin hat die alle da rein gepackt und mir gesagt, ich solle die abspülen und in den Geschirrspüler stellen. Ich möchte das nur machen, wenn ich alleine zu Hause bin. Es ist sehr ekelhaft, aber ich habe es schon so oft gemacht. Ich habe es immer geheim halten wollen, wenn ich meine Brotzeit nicht gegessen hatte, weil mein Vater mir sonst keine mehr mitgeben wollte. Hat er dann seit der 6. Klasse oder so sowieso nicht mehr, aber ich habe mir hin und wieder etwas eingepackt, und alle möglichen Brotdosen an allen möglichen Orten für einige Wochen vergessen. Manch einer würde vermutlich einfach die gesamte Dose wegschmeißen, aber auch das müsste ich heimlich machen, weil mein Vater sonst sauer werden würde. Naja, die Kiste steht jetzt seit nem Jahr herum und ich habe nichts getan, und seit Corona sind meine Eltern fast immer zu Hause.
      Du kannst die Dosen auch an der Tankstelle in den Waschboxen abkärchern. Wenn die Fährräder zu dreckig sind, mache ich das auch dort. Solltest du aber eher Abends machen wenn nicht soviel dort los ist. Der Wasserstrahl hat genug Druck und Hitze (das richtige Programm wählen) und selbst angetrocknetes abzubekommen. Danach kannst dubdue Dinger wie gewohnt in den Geschirrspüler stecken. Ansonsten bringe ich das Geschirr in die Küche und lasse es da erstmal stehen. Dann ist es zumindest kein Wohnzimmerproblem mehr und ich kann mich darum gesondert kümmern. Die Küche bekomme ich ja noch hin. Also erstmal das Problem auslagern, sozusagen.

      kwkittens wrote:

      Dinge, die ich doppelt und dreifach besitze und einfach ALL DAS ZEUG. Wieso besitze ich sooo viele Dinge? Meine gleichaltrigen Freunde schenken mir gar keine wirklichen Dinge mehr, weil sie mich kennen und mir zuhören und wissen, dass ich bereits alles habe, was ich brauche. Zum Geburtstag haben mir z.B. einige Freunde abgezähltes Eintrittsgeld für einige Besuche der besten Schwimmbäder unserer Stadt geschenkt, weil sie wissen, dass ich gerne schwimme. Solche Geschenke sind toll. Erwachsene scheinen das aber anders zu sehen, und ich weiß nicht, wie man ihnen bescheiden, respektvoll und dankbar, aber ehrlich, klar macht, dass man in seinen Besitztümern ertrinkt und sich wünscht, dass sie sich ihr Geld einfach sparen.
      Ich denke das direkt kommunizieren. Am. besten auf Aspieart.

      kwkittens wrote:

      Das absolute Unverständnis meiner Familie bezüglich meiner Situation. Ich habe ihnen gesagt, wenn sie mir Wäsche aufs Bett legen, sollen da bitte keine einzelnen Socken oder Wäsche meiner Geschwister dabei sein, und am liebsten hole ich die Wäsche einfach selber aus dem Keller, weil meine Eltern eh nie die Wäsche von mir und meinen Geschwistern auseinanderhalten können. Ich bin depressiv. Und neurodivergent. Das bedeutet, ich muss sehr viele Dinge vorrausschauend angehen. Einzelne Socken werden in meinem Zimmer verschwinden und meine Schwester wird ein halbes Jahr nach ihrem Lieblingsshirt suchen, das fälschlicherweise bei mir gelandet und dann unters Bett gerutscht ist. Ich sage das nicht, weil ich absichtlich faul bin, sondern weil ich immer, immer, immer mit einberechnen muss, was mit Sachen passieren, wenn ich mal ne Woche im Bett verbringe.
      Meine Stiefmutter hat ein halbes Jahr lang jedes Mal, wenn sie in den nächstgrößeren Ort gefahren ist, gefragt, ob sie mir einen Wäschekorb für mein Zimmer mitbringen soll. Ich habe immer dankend abgelehnt, weil ich meine Dreckwäsche in einer von diesen "unendlich" oft benutzbaren Supermarkttüten gesammelt habe. Natürlich habe ich das nicht täglich, noch nicht einmal wöchentlich gemacht, aber ob ich einen Wäschekorb habe oder nicht, ändert nichts daran. Irgendwann hat sie mir einfach einen mitgebracht, womit wir auch wieder bei Problem Nummer 5 sind. Sie hat ernsthaft geglaubt, sie kann mir mit einem materiellen Geschenk helfen, mein Zimmer ordentlicher zu halten.
      Was die "Abstimmungsorobleme" mit deiner Familie betrifft, kann ich nichts sinnvolles beitragen, da ich seit meine 18.Lebensjahr mit kurzen Unterbrechungen alleine wohne. Das aber Sachen verschwinden, obwohl ich genau weiß unter welchen Stapel Wäsche es liegen muss kenne ich. Oft habe ich etwas gegriffen und zufälligerweise das gesuchte Stück irgendwie mit rausgezogen und unbeabsichtigt/unbemerkt irgendwo anders verteilt. Ne andere Lösung als aufräumen kenne ich da auch nicht.

      kwkittens wrote:

      Es fällt mir so schwer, Entscheidungen zu treffen und ich bin so überfordert mit der ganzen Situation
      Vielleicht hat das aufräumen nicht so viel mit Entscheidungen zu tun, sondern eher mit Motivation und Struktur. Wenn ich zwei Stapel Wäsche im Zimmer habe, einer dreckig und einer sauber, dann sieht das für Außenstehende vielleicht unordentlich und dreckig aus, hat aber für mich eine Struktur mit der ich umgehen kann. Dann ist das Aufräumen auch eher Strukturen schaffen als zu überlegen was ich mit einzelnen Dingen mache. (Makro/Mikrokosmos des Zimmers)

      The post was edited 1 time, last by platzhalter ().

    • Liebe @kwkittens, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bewundere deinen Mut! Ich stehe vor einem ähnlichen Problem, nur bin ich bereits Mitte 40, lebe allein und habe deswegen zu Recht Ärger mit meiner Vermieterin bekommen. Ich bin dabei, langsam aber sicher das Chaos zu lüften, aber wenn sie demnächst zu ihrem Kontrollbesuch kommt... uh-oh... Das täglich neu hinzu kommende macht das lästige Aufräumen der Altlasten nur noch gruseliger.

      Auf alle Fälle bedanke auch ich mich für sämtliche hier vorgestellten Anregungen, die werden bestimmt auch mir helfen!
      Das eckige Ding im runden Loch. Die Familienfeierhasserin. Die "ewige Außenseiterin" im "normalen Leben". Die "sich-Wohlfühlende und aus-sich-Herausgehende" bei ihren Spezialinteressen. Die ... ach, ihr wisst schon was!
    • Ich reihe mich in die Reihe derer ein, die im Chaos wohnen und sich auch nicht wohlfühlen. Theoretisch weiß ich, was ich tun müsste, weiß aber nicht wie. Das war auch der zweite wichtige Grund für mich, damals das ambulant betreute Wohnen zu beantragen.

      Mit meiner Betreuerin habe ich angefangen, das Chaos zu sortieren und unwichtige Dinge zu entsorgen (verkaufen, verschenken, wegwerfen). Das funktioniere ganz gut, wenn auch etwas langsam, was an meiner nicht so guten körperlichen Verfassung teilweise lag.

      Dann bot mir ein guter Bekannter an, mir zu helfen. Diese 'Hilfe' anzunehmen, war der größte Fehler, den ich gemacht habe. In der Theorie klang sein Konzept super: alles ausräumen, ein Stapel oder Kisten sortieren (gute graue stapelbare Kisten, die er mir geschenkt hat), danach wieder ordentlich einräumen.

      Nun ja - ich bin ein Eichhörnchen, ein Sammler. Es war also sehr viel auszuräumen und zu sortieren - und ist es noch. Seit über einem Jahr lebe ich in einem noch größeren Chaos. Regale und Schränke sind teilweise leer, es stehen aber Kisten herum und ich kann mich in meinem Schlafzimmer kaum noch bewegen. Selbst Dinge ein leere Schränke / Regale einzuräumen funktioniert nicht, weil ich da nicht dran komme.
      Ich habe einfach nicht bedacht, dass ich für dieses Konzept zeitweise ein extra Zimmer gebraucht hätte. Gerade weil es mir körperlich oft nicht möglich ist, schwere Kisten zu bewegen, bin ich völlig auf die Hilfe dieses Bekannten angewiesen, der leider nur wenig Zeit hat.
      Und meine Betreuerin kann mir seit März auch nicht mehr helfen - wegen Corona.

      Eine sehr faszinierende Entdeckung habe ich in dem ganzen Chaos gemacht:
      Vorher sah es zumindest oberflächlich im Wohnzimmer gut aus, im Schlafzimmer halbwegs okay. Und ich wusste recht genau, wo ich meine Sachen finden konnte. Wirklich suchen musste ich nie etwas.
      Mittlerweile suche ich nur noch - und schaffe dabei in den 'hübsch sortierten Kisten' ein absolutes Chaos.

      Wo ich gerade schreibe, mir das Chaos im Wohnzimmer anschaue, kommt mir eine Idee. Da eh alles völlig chaotisch ist, könnte ich das Schlafzimmer leer räumen und alles ins Wohnzimmer schaffen - das würde das Chaos vermutlich nur unwesentlich vergrößern. Dann alles im Schlafzimmer neu einräumen (dabei entsorgen, was ich nicht mehr brauche) und dann das Wohnzimmer auf die gleiche Weise sortieren.

      Hmm... meine Freundin wartet gerade auf ihre Reha und ich werde dann ihre Hunde bei mir haben. Bis Ende November sollte sie aber wieder zurück sein. Bis dahin werde ich diese Idee durchdenken.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Ich habe dieses Problem nicht, da ich darin auch nicht leben könnte.
      Aber meine Idee wäre, dass kleinschrittig mit einem Therapeuten zu beheben. Mein Therapeut hatte mal einen Fall, wo jemand im Chaos versunken ist und
      nach und nach hat derjenige sich daraus geholt. Aber wirklich Schritt für Schritt, auch wenn man da anfangs vielleicht wenig Veränderungen sieht.

      Wichtig ist (solange kein Ungeziefer kommt), dass man es wirklich selbst will und nicht macht, weil es der Norm entspricht. Das ist wenigstens meine
      Meinung. Aber natürlich wird es in so einem Raum auch schwierig, Besuch zu empfangen. Also kann zumindest ein bisschen aufräumen nichts
      schaden.
    • Fidoline wrote:

      da ich darin auch nicht leben könnte.
      Ich glaube nicht, das hier irgendwer leben könnte, einschließlich mir. Das ist das Problem, das ist der Grund, weshalb ich mich so unverstanden fühle (das soll nicht gegen dich gehen, wie gesagt, ich stimme dir ja zu, dass man hier nicht leben kann).

      Das Problem ist gekommen durch Vernachlässigung durch meine Eltern. Das mag ein bisschen hart klingen, aber welche Eltern würden ein Kind jahrelang so leben lassen und nichts unternehmen. Und jetzt bin ich selber "erwachsen" und habe noch nie länger als ein paar Tage in einem ordentlichen Zimmer gelebt.

      Wenn mein Zimmer doch mal für eine oder zwei Wochen ordentlich war, dann waren es wie ein Aufwachen aus einem tiefen Schlaf. Ich hatte so viele Möglichkeiten. Ich konnte in 2 Minuten meine Schultasche packen oder Freunde zu mir einladen oder sogar meinem jüngsten Bruder (der ist mittlerweile fast 2) mein Zimmer zeigen, ohne Angst zu haben, dass er stolpert oder etwas verschluckt. Ich denke mit Tränen in den Augen an solche Lichtblicke zurück.

      Und ja, ich will es. Und ich werde es schaffen. Es ist nur so unheimlich, unheimlich schwierig. Es ist so demotivierend, beim Aufräumen die ganze Zeit daran erinnert zu werden, wie chaotisch ich mein ganzes Leben lang war. Es ist so anstrengend, so unheimlich viele kleine Entscheidungen zu treffen.

      Leseratte wrote:

      Das war auch der zweite wichtige Grund für mich, damals das ambulant betreute Wohnen zu beantragen.
      Ich bin auch gerade dabei, Anträge für eine therapeutische Wohngruppe auszufüllen. Aber dabei habe ich sehr viel Angst vorm Auszug, denn dann muss ich mein ganzes Zimmer leerräumen, damit meine Stiefmutter sich hier ein Büro einrichten kann und nicht mehr im Zimmer des Kleinen arbeiten muss, während dieser in der Krippe ist.
    • kwkittens wrote:

      Es ist so anstrengend, so unheimlich viele kleine Entscheidungen zu treffen.
      Deswegen GTD, damit Du inmitten des Chaos nicht immer wieder neu überlegen musst, was Du jetzt am Besten tun solltest sondern stattdessen kontextbezogen "einfach machen" kannst.

      Es bringt nichts, sich "TODO Zimmer aufräumen" zu notieren wenn man nicht weiß, womit man anfangen soll. Mach lieber ein "PROJECT Zimmer aufräumen @home" und notier Dir Dinge, die Du sofort erledigen könntest mit "NEXT" und die anderen mit "TODO". Wenn Du @home bist und an dem Projekt Zimmer aufräumen weitermachen willst, arbeitest Du dann einfach die Dinge, die mit NEXT markiert sind, ab. Einmal in der Woche machst Du ein Review Deiner Projekte und erstellst dabei neue NEXT-Tasks. Dann bist Du nicht mehr in dem Konflikt, Entscheidungen treffen zu müssen wenn Du eigentlich was machen willst.
    • Wenn ich aufräume, mache ich immer erst eine Vorsortierung. Ich mache mehrere Haufen/Stapel, was denselben Zielort hat. Alles was in die Küche kommt, ein Stapel. Wäsche, ein Stapel. Müll, ein Stapel usw. Dann muss ich nicht alles auf ein Mal aufräumen, aber es sieht durch die Stapel nicht mehr so viel aus. Und ich habe ein erstes Erfolgserlebnis. Danach kümmere ich mich Stück für Stück um jeden Stapel nacheinander. Da muss ich dann auch nicht alle Stapel auf ein Mal schaffen. Für mich ist dann auch die Motivation einfacher, wenn ich mir nur einen Stapel als Ziel vornehme und nicht das ganze Zimmer auf ein Mal schaffen muss.
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • kwkittens wrote:

      das ist der Grund, weshalb ich mich so unverstanden fühle
      Das musst du nicht. Es gibt verdammt viele, denen es geht wie dir. Klar, auch die werden von ihrem Umfeld meist nicht verstanden, aber ich denke, du musst dir immer der Tatsache bewusst sein, dass du nicht die einzig Unordentliche / Chaotische auf einem Planeten voller Ordnungsfanatiker bist.

      kwkittens wrote:

      Das Problem ist gekommen durch Vernachlässigung durch meine Eltern. Das mag ein bisschen hart klingen
      Ja, das klingt auch hart für mich (weil deine Eltern ja sonst ganz ok zu sein scheinen). Ich habe in meinem näheren Umfeld einen Menschen, dessen Arbeitszimmer sieht so aus wie deines. Und glaub mir, dagegen kommt man mit allen gut gemeinten Tipps, mit allen Zwangsmaßnahmen überhaupt nicht an. Und Kinder in den Kohlenkeller zu sperren, ist jetzt nicht mehr die erste Wahl der Erziehung. Was hätten deine Eltern denn tun sollen?

      Im Grunde ist das wie, wenn sich jemand das Rauchen abgewöhnen will. Da helfen in aller Regel auch keine Ratschläge aus dem Umfeld, und da helfen auch keine Drohungen des Partners: Suchtraucher würden wohl eher die Beziehung scheitern lassen. Erst dann, wenn der Abhängige selbst aufhören will, wirklich will, dann klappt die Sache. Wie er das macht, dazu braucht kein Raucher Tipps von außen - die kennt er nämlich alle. Das Wollen, das "Jetzt-zieh-ich-es-durch", das ist das Entscheidende. Ich hab's 4x probiert, ich bin 3x bin ich krachend gescheitert, und dann hat's geklappt.

      Deshalb: Ich glaube, wenn jetzt mit dem Studium neue Anforderungen an dich gestellt werden, wenn du selbst wirklich erkennst, dass etwas anders werden muss, dann kriegst du es auch hin. Ein Arbeitszimmer wie meines (kühle Leere) muss man ja auch nicht haben, viele Leute fühlen sich darin gar nicht wohl (das ist so unpersönlich) - es reicht, wenn du so viel Ordnung hast, dass du mit dem, was du für einen funktionierenden Alltag brauchst, zurecht kommst.

      Nur Mut. Es wird schon... ;)
      "Wir leben vermutlich zum ersten Mal. Wie soll da alles auf Anhieb klappen?"
      (Jürg Halter, Gemeinsame Sprache. Zürich, Dörlemann 2021)
    • Wenn es mir schlecht geht, habe ich keine Kraft mehr, aufzuräumen etc. Dann "müllt" das ganze Haus zu.

      Ich trainiere mir grad wieder das Halten von Ordnung an. Mit der Küche habe ich angefangen: bei jeder Benutzung halte ich Ordnung, halte die Sauberkeit. Jeden Abend räume ich alles zum Abendessen benutzte weg und mache alles sauber. Das geht schnell und sieht einfach nur toll aus (ich bin eher der unfreiwillig chaotische Typ), das ist der Anreiz, das durchzuziehen.

      Wenn sich das irgendwann eingespielt hat, dass es also automatisch abläuft, binde ich einen zweiten Raum mit in den Ordnungsablauf ein. Etc.

      Schon oft gemacht, funktioniert super. Leider schaffe ich es nicht, das auf Dauer zu halten - schlechte Phasen reißen immer alles ein.
      Mitten im Burnout. Eher am Ende von mitten drin. - Nachtrag: Ich glaub, ich habs geschafft. Ich eile mit Siebenmeilenstiefeln dem Wiederfitsein entgegen, aktuell wird die Belastbarkeit aufgebaut.
    • Hier noch jemand der mit dem gleichen Problem kämpft. Was mich zum Aufräumen motiviert ist, Besuch einladen. Dafür war ich immer bereit aufzuräumen.

      Als Student war meine Studentenbude nie so aufgeräumt wie in der Prüfungs(vorbereitungs)zeit. Bei uns fanden noch alle Prüfungen am Ende des Semesters.

      Denn was macht mehr Spass als lernen?
      Display Spoiler
      AUFRÄUMEN :m(:
    • FrankMatz wrote:

      Ja, das klingt auch hart für mich (weil deine Eltern ja sonst ganz ok zu sein scheinen). Ich habe in meinem näheren Umfeld einen Menschen, dessen Arbeitszimmer sieht so aus wie deines. Und glaub mir, dagegen kommt man mit allen gut gemeinten Tipps, mit allen Zwangsmaßnahmen überhaupt nicht an. Und Kinder in den Kohlenkeller zu sperren, ist jetzt nicht mehr die erste Wahl der Erziehung. Was hätten deine Eltern denn tun sollen?
      naja, ich meine es ist ja schon seit dem Grundschulalter so. Ich weiß nicht, wie lernen andere Kinder, aufzuräumen? Von alleine? Vielleicht. Es ist ja auch eigentlich egal, wer daran "Schuld" ist, meine Eltern oder mein ADHS/meine Depression.

      Meine Eltern sind aber definitiv nicht die Fürsorglichsten. Ich wurde viel geschlagen und essen durfte ich oft nur zum Frühstück und Abendessen. Meine Mutter war fürsorglich, aber mein Vater hat es ihr oft verboten, damit wir keine Weicheier werden. Trotzdem bin ich ein Ober-Weichei geworden.

      Gerade deswegen ist es auch so schwierig, mein Zimmer aufzuräumen. Hier liegen Relikte von jahrelangem Trauma und Einsamkeit verstreut, und wer weiß, vielleicht werde ich beim nächsten Gegenstand, den ich aufhebe, anfangen zu weinen.

      Der Grund, weshalb hier so viel Geschirr herumsteht, ist weil ich heimlich in meinem Zimmer esse, und dann auf einen geeigneten Augenblick warte, um das Geschirr zurückzubringen, ohne erwischt zu werden.

      Und ich weiß, dass ich es einfach machen muss und nicht so viel reden und herumheulen sollte, weil das die Sache ja nicht besser macht. Ich bin halt einfach nach so vielen Jahren echt frustriert und habe sehr, sehr oft das Gefühl, dass ich es nie schaffen werde.

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