Tony Attwood hat einen Sohn

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Tony Attwood hat einen Sohn

      Hallo, ich habe vorhin gelesen (ich habe nur über ihn etwas gehört, nichts gelesen von ihm), dass er sich bereits mit Autismus beschäftigt hat, als sein Sohn auf die Welt kam und ihn dennoch erst im Erwachsenenalter Diagnostiziert bzw erkannt hat, nach Knast etc, einer harten Zeit anscheinend.
      Was denkt ihr darüber?
      Das ist ja echt brutal finde ich, wenn das stimmt.
      Kann natürlich auch durch die mögliche enge Bindung "übersehen" worden sein.


      Edit:
      Es findet sich auch was dazu, zb hier.
      Habe aber jetzt noch gerade erst nach "Tony Attwood son" gesucht.
      amp.theguardian.com/society/20…-condition-in-his-own-son

      The post was edited 3 times, last by Backnetmaster ().

    • Richtig nachvollziehen kann ich es (die Geschichte) nicht aber was meine Wenigkeit nachvollziehen kann oder nicht ist vielleicht unwichtig. Vor einigen Monaten habe ich einen alten Freund (60 Jahre alt) kontaktiert mit dem ich seit über zehn Jahren keinen Kontakt gehabt hatte. Er hat mir geschrieben dass er inzwischen mit Asperger Syndrom diagnostiziert worden sei und dass das eine Form des Autismus ist. Ich habe zurückgeschrieben dass ich auch mit Asperger diagnostiziert worden bin. Er hat zurückgeschrieben dass das keine Überraschung ist für ihn. Er und ich sind aber vollkommen unterschiedlich. Wir sind darüber hinaus einig geworden dass auch unserer gemeinsamer Bekannter X (inzwischen über 70 Jahre alt) Aspie sei, der auch vollkommen unterschiedlich ist. Alles sehr verwirrend. Aber wenn sogar der weltweit bekanntester Experte und Diagnostiker (Attwood) seinen eigenen Sohn jahrzehntelang nicht diagnostizieren konnte obwohl er ihn sogar als Kind gekannt hat ist etwas seltsam los, denke ich.
    • Zum einen ist es nicht ungewöhnlich, dass man, wenn selbst betroffen ist oder das emotional nahestehende Umfeld, nicht erkennt, was man mit "professioneller Distanz" sofort sehen würde.
      Es gibt im deutschen dazu die Redewendung "Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe".

      Zum anderen wird gerade im emotional näherstehenden Umfeld wird auf die tagesaktuellen Probleme geschaut, die aktuell emotional belasten, also auf das Naheliegende.
      Ein Kind, das immer schlechtere Noten nach Haause bringt - hier wird auf die Noten geschaut und wie die verbessern, Ermahnungen, Nachhilfe usw. dass dahinter aber auch eine Depression liegen kann, deren erste Anzeichen das sind, die Folgen einer Schwerhörigkeit oder Fehlesichtigkeit, ein Missbrauch, den das Kind verschweigt, eine Hochbegabung, die nicht mehr hilft, wenn Lernen nicht gelernt wurde, Mobbing in der Klasse, oder ein Lehrerkollegium, das das Kind auf den Kieker hat/RW, sind alles nicht die ersten Gedanken. Und wenn so einer da ist, dann fragt sich ja auch, ob der stimmt, oder nicht nur die "einfache Erklärung" ist, mit der man weiter machen kann wie bisher, ohne genauer hinsehen zu müssen.
      Bis überhaupt an (noch) was anderes gedacht werden kann, haben sich schon weitere Probleme angesammelt, die auch die Aufmerkamkeit auf sich ziehen. Und dann weitere und weitere....

      Des weiteren war DAMALS zu Autismus weniger bekannt als heute, also war auch Attwood damals weniger bekannt. Attwood war auch damals noch nicht der Experte, der er heute ist. Konnte also damals nicht wissen, was er heute weiß, also auch damals nicht erkennen, was er heute sofort erkennt.
      Drogen konsumieren können erfordert Fähigkeit zu Sozialkontakten, sich auf ständiges Neu einstellen können, über die Angst vor "was könnte passieren" hinweg kommen zu können, sich anzupassen an die Gepflogenheiten der Szene, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit - damals alles mal Ausschlusskriterien für Autismus.

      "Das Beispiel des Sohnes von Dr. Attwood zeigt, dass es insbesondere für Eltern schwer sein kann, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Wer sein Kind von Geburt an täglich betreut, neigt dazu, alle Eigenheiten des Kindes, die sich sehr langsam über Jahre entfalten als individuelle Charaktereigenschaften wahrzunehmen und somit nicht als Symptome des Asperger-Syndroms.
      Es erfordert häufig den Blick eines außenstehenden Experten, um individuelle Charaktereigenschaften eines Kindes oder Erwachsenen von Symptomen des Asperger-Syndroms zu unterscheiden."
      aus
      lokalkompass.de/essen/c-ratgeb…ar-nicht-erkannt_a1177137
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Ja das stimmt, es muss eine Gesamtaufnahme der Situation erfolgen damit man solche Anzeichen im Kontext erkennen kann.
      Er sagt aber selbst dass er das hätte erkennen können und müssen, da sie keinen Kontakt aufbauen konnten, sie haben das auf Adhs und Widerwillen geschoben.
      Also er sagt sowas wie die Liebe macht blind dafür.
      In dem Bericht steht ja dass das Kind massive Kontaktprobleme mit den Eltern hatte.

      Drogen Konsumieren kann auch dort einfach der Versuch sein zu Masken besonders braucht man dafür meiner Meinung nach viel weniger soziale Fähigkeiten als in anderen sozialen Situationen.
      Es gibt unter Konsumenten bzw Abhängigen meiner Meinung nach weniger Anspruch an Sozialverhalten, Emotionen etc und so weiter müssen nicht angesprochen werden, man hat aber dennoch das trügerische Gefühl mit dazu zu gehören.
      Alle sind benebelt, die eigene Unsicherheit etc geht dabei unter bzw wird von anderen nicht bemerkt.
      So ungefähr stelle ich mir das vor.
      Natürlich muss dazu mindestens eine geringe grundlegende Fähigkeit zu sozialen Kontakten vorhanden sein.

      Ich habe das Thema nur über den Klappentext eines Buch entdeckt.
      Morgen stehe ich vor dem OLG im Beschwerdeverfahren, ich gehe zu 95% davon aus dass mein Sohn ebenfalls betroffen ist.
      Die Probleme im Waisenhaus, die Beschreibung seines Charakters, die ganze Vorgeschichte.
      Ich muss mich aber zuvor erst selbst outen und versuchen wenigstens in dieser Anhörung gehört zu werden.

      Deshalb interessiert mich das und ich werde es eventuell morgen als Beispiel nennen, falls die Geschichte ins Lächerliche gezogen wird.
      Tatsächlich hatte mein Sohn in 18 Monaten aber nur ein einziges Gespräch mit einem Therapeuten.
      In dem Fall bin ich sozusagen die Analogie des Sohnes von Tony Attwood, ebenso mein Sohn.
      Trotz massiver Andeutungen zu meinem Verhalten und Unterstellungen in allen Stellungnahmen und Gutachten wurde bisher nichts öffentlich gesagt dazu.
      Genau wie beim Sohn eben.
      Deshalb interessiere ich mich ganz besonders für eure Meinungen und Gedanken zu diesem Thema.

      The post was edited 6 times, last by Backnetmaster ().

    • Ich finde es gar nicht so ungewöhnlich, dass er es nicht erkannt hat. Ich finde Aspies unter sich sind so unauffällig, dass man gsr nicht drauf kommen muss, dass überhaupt eine Behinderung vorliegt. Attwood hat vielleicht nur gedacht, dass das Verhalten des Sohnes normal ist, weil es sein Sohn ist und nicht, weil sie gleich ticken. Versteht man was ich meine?
    • Pummelchen wrote:

      Ich finde es gar nicht so ungewöhnlich, dass er es nicht erkannt hat. Ich finde Aspies unter sich sind so unauffällig, dass man gsr nicht drauf kommen muss, dass überhaupt eine Behinderung vorliegt. Attwood hat vielleicht nur gedacht, dass das Verhalten des Sohnes normal ist, weil es sein Sohn ist und nicht, weil sie gleich ticken. Versteht man was ich meine?
      ... Du meinst, Tony Attwod ist ein Asperger Autist?
      Das wusste ich gar nicht, ich dachte, er sei Nichtautist.
    • Erst dachte ich, er selbst sei auch Autist. Aber der Sohn ist doch Autist. Und das zu erkennen war vermutlich schwerer, weil es sein Sohn ist, zu dem er eine andere Beziehung hat als zu fremden Menschen, also seinen Patienten. Wenn Attwood sich nun den ganzen Tag mit Aspies beschäftigt, dann erkennt man als Aussenstehender sofort Parallelen. Aber Attwood sieht seinen Sohn in einem Umfeld, in dem er sich vermutlich ganz wohlfühlt und das Aspie-Verhalten gar nicht so sehr auffällt. Oft ist es ja auch so, dass Kinder von Erziehern für Aussenstehende total "seltsam" erzogen werden. Dabei müssten gerade Erzieher es doch besser machen als andere.

      Ich kann es irgendwie schlecht erklären. Aber für mich ist es nicht überraschend.
    • Ja, es wurde auch von ihm so erklärt und war auch meine Vermutung.
      Also die elterliche Liebe filtert das, man gewöhnt sich an Besonderheiten usw..
      Es steht in dem Bericht, ist sehr interessant.

      Ich habe es auch nur bei meinem Sohn erkannt bzw bin zu meiner Vermutung gelangt, weil ich selbst betroffen bin und deshalb seine Schilderungen verstehe.