"Leute, die einen zu Amt und Arzt begleiten" - was ist/bedeutet das???

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    • "Leute, die einen zu Amt und Arzt begleiten" - was ist/bedeutet das???

      Hallo,

      beim letzten Termin in der Autismusambulanz hatte ich konkrete Fragen vorbereitet.
      Das Gespräch entwickelte sich aber anders, so dass ich nicht mehr vorbereitet war, was dann bei mir eine Art Problem-Knoten in meinen Gedanken erzeugt, der sich in real time schwer abwickeln lässt.

      Als ich versuchte zu erklären, was ich meinte, sagte die Psychologin dort, ob ich nicht jemanden hätte, der mich begleiten kann.
      Es fiele ihr gerade schwer, aus meinen Fragen und Themen herauszufinden, was ich meine, und sie wüsste anhand meines Ausdrucks auch nicht, was jetzt eigentlich wichtig sei und was nicht.

      Ich sagte, ich habe aber keinen, der mitkommen kann (vielleicht käme ein Ehepartner tagsüber zu einem Arzttermin mit, aber sonst??).

      Da sagte sie, "Menschen aus dem Betreuten Wohnen, die bringen auch jemanden mit", und ich sollte mal bei Anbietern von betreutem Wohnen fragen, das hätte mit Teilhabe zu tun.
      "Dann kann jemand, der Sie besser kennt, das Gespräch bei Bedarf unterstützen und klären, z.B. beim Arzt oder bei Behörden".

      Also, weil sie ein Problem hat, mich zu verstehen, brauche ich Hilfe aus dem betreuten Wohnen?!


      Wenn ich nicht in der Lage wäre, Arzttermine selbständig wahrzunehmen, hätte ich ja gar nicht dort gesessen.

      Ich bin nicht dumm oder unorganisiert, ich neige nur zu spontaner Gedankenverknotung, wenn ich mit der Kommunikation überfordert bin.


      Mit "Arzt und Behörden" habe ich allerdings einzelne blöde Erlebnisse gehabt.


      Dass ich, als es mir körperlich extrem schlecht ging, um einen früheren Termin in einer Klinik gebeten habe - ich habe gesagt, dass es mir sehr schlecht geht - und bekam die Antwort, dass es allen, die dort in Behandlung sind, sehr schlecht geht. Das fand ich logisch, habe OK gesagt und weiter auf den Termin gewartet.
      Bei dem Termin wurde mir dann vorgeworfen, ich hätte viel früher kommen müssen und betonen müssen, wie schlecht es mir geht.

      Beim IFD war es ähnlich, dass ich dort immer nachgefragt habe, der Berater hat gesagt, er hat noch nichts herausgefunden, oder er wartet noch auf Infos, oder er meldet sich, und das ging über 1 1/2 Jahre.

      Ich würde das so interpretieren, dass ich da vielleicht zu naiv bin.
      Dass, wenn jemand mir sagt, die Sache ist so, ich das als Tatsache akzeptiere.

      Nun hat die Psychologin mich verunsichert, dass ich, trotz Beruf und allem, für "andere" (also sie) (wieder mal) doch irgendwie dumm bin.

      Also: Kennt jemand von Euch solche "Begleiter", und was tun die, und für wen genau sind die?!?

      Wäre das z.B. jemand, den ich bei Bedarf anrufe, wenn ich mit dem IFD Schwierigkeiten habe, oder wenn ich nun eben weiß, diese Dame in der Autismusambulanz ver-kommuniziert mich?
      So eine Art ... Begleitservice ... :fun: ?
      Nur nochmal zur Klarstellung: ich wohne selbständig, ich habe Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt; ich habe mit betreutem Wohnen nix zu tun.

      Kann jemand mir erklären, was sie meint, für wen oder welche Situationen das gedacht ist, und was mir das bringen sollte? Danke!
    • Ich arbeite auch auf dem allg. Arbeitsmarkt und habe kein betreutes Wohnen, aber ich habe einen Ehrenamtlichen, der mich zu schwierigen Terminen begleitet.

      In meinem Fall ist das hauptsächlich, damit ich mich sicherer fühle, und er kann Orientierungsprobleme ausgleichen. Er sieht gleich, wo man hinmuss usw.
      Reden kann ich dann meist selber. Ich habe ihm aber gesagt, dass es mir nützlich wäre, wenn er z.B. Verkäufer mal eine Weile in ein Gespräch verwickelt, damit ich ungestört nachdenken kann. Das kriegt er ziemlich gut hin.
      Ich bin sonst in Verkaufssituationen immer überfordert, weil ich nicht gleichzeitig darüber nachdenken kann, ob ich etwas kaufen will oder nicht und was ich mit dem Verkäufer reden soll, nachdem die Fakten ausgetauscht sind. Ich brauche Zeit für Entscheidungen.

      Was du brauchst, ist individuell. Bei allem, was über Eingliederungshilfe läuft (wie betreutes Wohnen) ist das Problem, dass man eigenes Einkommen und Vermögen über einer bestimmten Grenze einsetzen muss, d.h. unter Umständen muss man es selber zahlen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Kpax wrote:

      und was mir das bringen sollte?
      Gibt es denn Jemanden, der Dich wirklich gut kennt, vor allem hinsichtlich AS und der damit verbundenen Einschränkungen?
      Wenn nicht, hätte ich die Frage wohl einfach nur wahrheitsgemäß beantwortet: Nein.
      Sie meinte es vermutlich gut und hat gemerkt, dass es schwer ist, mit Dir zu kommunizieren, wenn Du aus dem Konzept geworfen wurdest.
      Sie sollte ja von Berufs wegen damit klarkommen. Aber Behörden und andere Fachärzte sind da vermutlich weniger geduldig und brauchen schnelle, zutreffende Antworten auf ihre Fragen.
      Anstatt Jemanden zu haben, der Dich unterstützt, kannst Du ja auch gleich am Anfang potentiell schwieriger Gespräche klarmachen, dass Du Autist bist und Zeit/nähere Erläuterungen/exakte Fragen/keine zweideutigen Formulierungen/etc. - was auch immer für Dich zutrifft - brauchst.
      Und Du solltest es dann auch sagen können, wenn Du überfordert bist. Viele Leute neigen dazu, einfach immer weiter zu fragen oder Tschüss zu sagen, wenn nicht sofort eine Antwort kommt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Edit zu meiner Frage:

      Bei erneutem Lesen erscheint es mir, als wenn mein post so klingt, als wenn ich betreutes Wohnen an sich negativ fände.

      Das ist nicht der Fall.

      Wenn ich mit obigem Beitrag jemanden kränke, bitte ich hiermit um Entschuldigung.
    • Kpax wrote:

      Also, weil sie ein Problem hat, mich zu verstehen, brauche ich Hilfe aus dem betreuten Wohnen?!

      Was stört dich an dem Vorschlag?
      Ich finde nicht, dass dieser Vorschlag negativ war, im Gegenteil. Sie hat versucht eine Lösung zu finden, für das offenbar bestehende Kommunikationsproblem zwischen euch beiden.

      Ich habe auch Hilfe vom ambulant betreuten Wohnen und bin nicht dumm. Es ist für mich z.B. einfach eine Erleichterung im Alltag.

      Wäre das z.B. jemand, den ich bei Bedarf anrufe, wenn ich mit dem IFD Schwierigkeiten habe, oder wenn ich nun eben weiß, diese Dame in der Autismusambulanz ver-kommuniziert mich?

      Das ist (bei mir zumindest) ein/e Sozialarbeiter/in und die machen nur das was du möchtest. Wenn du sagst "Ich brauche Hilfe bei der Kommunikation mit der Therapeutin" dann geht die Person mit zum Termin und Hilft bei der Kommunikation. Wenn du sagst "Ich brauche Hilfe beim Einkaufen" geht die Person mit einkaufen. Es wird aber nur das gemacht, was du möchtest, man wird zu nichts gezwungen und die Person macht nichts ohne dass du damit einverstanden wärst.
      Du kannst das auch ausprobieren ob es für dich passt und wenn du meinst "So ein Sch**ß das will ich nicht, kannst du das jederzeit wieder beenden.

      Das ist kein betreutes Wohnen in einer Einrichtung, das ist ambulant begleitetes/betreutes Wohnen. Das heißt die Person kommt zu dir nach Hause, oder ihr trefft euch bei deinem Termin, wie du willst. Sie hilft dir wobei du Hilfe brauchst und geht danach wieder. Überall wobei du keine Hilfe willst, änder sich für dich auch nichts.
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • Früher hat mein Mann mich zu Arztterminen begleitet, nach der Trennung meine Freundin. Seit ich im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens eine Betreuerin habe, kommt diese zu Arzt- und Ämterterminen mit.

      Ich habe einen großen Unterschied festgestellt, wie die Ärzte reagieren. Während mein Mann und meine Freundin oftmals nicht ernst genommen wurden, wird meiner Betreuerin (falls sie eingreifen muss) sehr aufmerksam zugehört - und die Ärzte nehmen sie ernst.

      Das ABW kann man übrigens so gestalten, wie man es braucht: entweder nur Arzt- / Ämterbesuche oder auch mehr, wenn das nötig ist. Und als Begleitung hält meine Betreuerin sich grundsätzlich zurück und ergreift nur das Wort, falls ich nicht mehr reden kann oder mich vor Nervosität verhasple. Da wir vorher besprechen, was beim Arzt / Amt besprochen werden soll, checkt sie auf ihrem Zettel auch, ob ich nichts vergessen habe. Dadurch fühle ich mich sehr viel sicherer - und meist muss sie gar nicht eingreifen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~