Blickkontakt und Mimik...

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    • ADD83 wrote:

      Dachte immer das wäre völlig normal. Also mir wäre dein Verhalten schonmal nicht auffällig oder würde es als komisch bewerten.
      Bei so flüchtigen Begegnungen fällt das auch gar nicht so auf. Es fällt wohl in die Kategorie Masking, denn eine nonverbale Kommunikation ist das ja nicht. Eher eine Anpassung an gesellschaftliches Normverhalten. Wenn ich nun mich länger mit den Kassierern unterhalten müsste, dann wäre mein Verhalten schon auffällig. Und da liegt ja auch eines meiner Probleme. Wenn ich solche Alltagssituationen nur mit Masking schaffe und meine Außendarstellungen damit eher eine Hülle ist mit der ich nicht kommunizieren kann, dann kann ich das Flirten gleich ganz vergessen. Auch wenn ich das gerne können würde. Ich bekomme nicht mit ob mir jemand Interesse, anhand nonverbale Kommunikationssignale (Augenkontakt/Mimik/Gestik), suggeriert, noch kann ich Interesse an jemanden nach außen darstellen.
    • @Randfigur Es ist schon traurig, dass viele Menschen Autisten nicht die Freiräume geben, die Leute aus dem Spektrum dringend brauchen. Mir wäre es auch am liebsten, wenn ich außerhalb meiner Familie jeglichen Kontakt zu Menschen meiden könnte. Aber das geht leider nicht. Denn meine Mitmenschen meinen zu mir, dass ich mich unter Menschen mischen soll.
    • Also ich wusste früher nicht, dass ich Mimiken nicht gut erkennen kann. Das erfuhr ich quasi erst mit den Tests bei der Diagnostik.

      Bei mir ist es so, dass ich die Grundemotionen auf jeden Fall ganz gut erkennen kann. Also Freude, Trauer und Wut. Aber in einem Gespräch fehlen mir dann die ganzen Zwischennuancen und Feinheiten. Da ich nicht gut Blickkontakt halten kann, bzw. wirklich kaum aufbaue, weiß ich garnicht, wieviel ich erkennen würde, wenn ich hinsähe.
      Ich kann nichtmal meinen Eltern in die Augen schauen. Das geht immer nur ganz kurz und dabei fühle ich mich komisch.
      Mit meinen eigenen Kindern geht das seltsamerweise total gut und ich habe bei ihnen keine Probleme. Bei meinem Mann geht es auch schon besser. Manchmal sogar flirty gut :d
      Aber das war's dann eben auch schon.

      In der Schule sagten die Kinder früher, dass ich nach oben stiele, wenn ich sie angucke. Also anscheinend schaute ich dann eher nach oben, als ins Gesicht.

      Was ich auditiv oft nicht auseinanderhalten kann: "Lacht das Kind oder weint das Kind????!!!???"
      Ich finde Kinder hören sich lachend und weinend sehr häufig gleich an....
    • @Randfigur

      Dann ist deine Strategie genau das Gegenteil von meiner :roll:
      Zwar meide ich privat Menschen auch wo es nur geht, aber beruflich versuche ich soviel wie möglich über sie rauszufinden, ich studiere sie regelrecht, unterhalte mich mit Therapeuten, Psychologen, Ämtern, Lehrern, Eltern, Supervisoren und versuche sie zu verstehen. Je komplexer, desto gerner arbeite ich mit ihnen.
      Ich weiß mittlerweile so viel, aber mir selbst hat es nicht wirklich was gebracht. Ich verstehe andere mittlerweile (nicht persönlich nachvollziehen, nur verstehen) und kann ihnen super bei ihren Problemen helfen, aber für mich selbst gilt das nicht. Sobald ich aus dem professionellen draußen bin, komm ich mir vor als hätte ich von nichts nen Plan und würde eine andere Sprache sprechen...
      Selbstdiagose... oder einfach nur komisch?!
    • @platzhalter

      Geht mir ähnlich. Wenn mir es jemand nicht sagen würde, würde ich nicht wissen ob derjenige Interesse hat, alleine das Ansprechen würde ich schon als Interesse deuten, weil es so viel Überwindung kostet (mir jedenfalls, bzw das tue ich eigentlich nie). Für mich würde Interesse bedeuten über gleiche Interessen zu reden, in Gespräche zu versinken und Nähe zu suchen. Wenn man mir nichts sagt, dann ist es für mich auch nicht so. Egal bei welchem Thema. Schwierig teilweise... hab ich heute noch Probleme damit, auch nach 17 Jahren Beziehung, wenn man denkt na jetzt müsste es doch klappen, versteh ich immer noch eine Menge falsch, interpretiere Dinge die es nicht gibt, etc.

      Wie würdest du dich denn verhalten, ohne Norm oder dem ständigen Gefühl dich anpassen zu müssen? Kannst du das irgendwo oder irgendwann?
      Selbstdiagose... oder einfach nur komisch?!
    • @Eryniell

      Ja war bei mir mit der Mimik genauso. Den Baron Cohen Test zB hab ich eher aus Spaß gemacht. Dann das Ergebnis gesehen. Dachte ich mir noch, naja, bestimmt hab ich mir unterbewusst keine Mühe gegeben oder mich selbst beeinflusst, kann ja net so schwer sein, jetzt geb ich mir aber Mühe - hatte ich statt 13 satte 14 Punkte. Ich konnts erst gar nicht glauben. Ab dem Punkt hab ich angefangen mich bei Unterhaltungen selbst zu beobachten. Und mal meine "Kontakte" zu bewerten.
      Kommt man sich schon blöd vor, wenn man 37 Jahre braucht um zu merken, dass irgendwas faul ist...
      Selbstdiagose... oder einfach nur komisch?!
    • ADD83 wrote:

      Wie würdest du dich denn verhalten, ohne Norm oder dem ständigen Gefühl dich anpassen zu müssen? Kannst du das irgendwo oder irgendwann?
      Hm.. So einfach kann ich das gar nicht sagen. Ich würde einfach ich sein. Es kommt auch immer auf die Situation an. Eigentlich bin ich ziemlich direkt, aber das hat mir auch schon viele Probleme bereitet. Ich würde mir eher wünschen, dass ich nicht immer ständig überlegen muß ob mein Verhalten gepasst hat (im Nachhinein) bzw. mir Gedanken über eine bevorstehenden Situation zu machen. Ich würde auch gerne öfters das Kind in mir rauslassen (RW) ohne dafür für komisch gehalten zu werden.
      Da ich ziemlich viel allein bin, bin ich eigentlich meistens ich selbst. Aber das ist ja was anderes als unten Menschen (RW).
    • @harmonicfour
      Meine Entscheidung zur Abgrenzung gegenüber anderen Menschen hat auch viel mit meiner Sozialisation zu tun. Das Erlebte war in erheblichen Maße über sehr lange Zeit unerfreulich. Für mich selbst ist der Schritt nur eine logische Konsequenz und ich fühle mich damit auch nicht schlecht. Ich vermisse nichts.
      Die Sprüche der anderen Menschen "Geh doch unter Leute" usw. durfte ich mir auch immer anhören. Habs versucht, hatte sogar Beziehungen, aber im Grunde nur weil andere es so wollten. Wenn ich wieder alleine war, war ich wesentlich zufriedener. Ich denke irgendwann gibt es für jeden Autisten einen individuellen Punkt an dem man sich entscheidet wie man mit anderen Menschen umgehen möchte, ob man sich den Stress und den Schmerz antun möchte bei dem Versuch irgendwie "zu funktionieren". Wenn du die Kraft und den Mut hast dich den Dingen zu stellen, dann versuche es. Meine Lösung ist eher nicht zu empfehlen.

      @ADD83

      Ich habe mich auch längere Zeit daran versucht Menschen zu verstehen. Ich verstehe Handlungsweisen intellektuell, aber nicht emotional. Das ist mir dabei auch klar geworden und genau darum kann man oftmals anderen einen Lebenstipp geben, weil einem das emotionale Störgeräusch fehlt und man einen klareren Blick auf die Problematik hat.
      Loyaulté me Lie
    • @Randfigur

      Oh, da könntest du tatsächlich recht haben. Meine Kollegen denken noch "Och dieses arme, kleine Kind, was der alles in seinem Alter mitmachen musste", und ich überlege mir mögliche Folgestörungen, was es braucht, wie wir ihm helfen, was das nächstmögliche Ziel ist... also nicht dass es mir egal wäre, aber ich sitze nach Feierabend auch nicht da und trauere um was ich alles auf der Arbeit mitbekommen habe.

      Das "geh doch unter Leute" hab ich schon immer gehasst. Bei mir war es eher ein "such dir Freunde". Ich hab keine und fände es glaube ich auch viel zu anstrengend.

      Aber ich muss schon zugeben dass mir was fehlt. Ich hätte gerne andere Meinungen zu manchen Themen, würde gerne diskutieren, mich einfach über ein Interesse austauschen, jemanden haben der mir zuhört und dem ich zuhören kann.
      Selbstdiagose... oder einfach nur komisch?!
    • @platzhalter

      Ja, das kenne ich. Ich sag selten was, weil ich weiß es wäre zu direkt oder keiner will es hören. Ich werde öfter mal als kindisch, naiv oder albern bezeichnet, wenn ich zuviel sage. Oder eben als unfreundlich, weil ich meine Meinung sage. Aber was man tut ist sowieso falsch. Denn wenn man nix sagt ist man wieder desinteressiert, wieder unhöflich oder schlecht erzogen.

      Ich hab es mein Leben lang immer umgekehrt gesehen. Bis heute suche ich alle Fehler bei mir, weil alle mir gezeigt haben, dass ich der Fehler bin.

      Menschen tun so, als ob sie Ehrlichkeit mögen, aber sie wollen lieber nett belogen werden (was ich nicht kann und absolut hasse), außerdem meinen sie fast nichts ernst von dem was sie sagen, sie sind nicht am echten Menschen der vor ihnen steht interessiert, sie haben alle keinen Humor, keinen wirklichen Spaß am Leben und verstehen alles falsch.
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    • ADD83 wrote:

      außerdem meinen sie fast nichts ernst von dem was sie sagen, sie sind nicht am echten Menschen der vor ihnen steht interessiert
      +1 bei so ziemlich allem.
      Und dabei ist ja erstmal die Schwierigkeit zu erkennen was den überhaupt gemeint ist. Bei nonverbaler Kommunikation im Allgemeinen gibt es ja Interpretationsspielraum ohne Ende.. Lächelt die Person weil sie nett ist, oder weil sie Zustimmung suggeriert oder was ganz anderes und meint die Person dann auch so. Es ist ja was anderes zu Lächeln, und die Interpretation dem Gegenüber zu überlassen, um dann zu sagen, dass es ja anders gemeint war oder jemanden etwas direkt zu sagen, bei dem es dann keine Ausreden gibt. Keine Ahnung warum die NT-Kommunikation so mit dem Ungenauen/Ungefähren funktioniert und warum die Menschen sich trotzdem mehr oder weniger verstehen. Bzw. oder auch nicht siehe das mit den nicht ernst gemeinten. Das ist wie höhere Mathematik (RW) nur ohne allgemeingültige Formeln. Also würfeln oder so.
    • @platzhalter

      Genau. Also ich glaube die meisten wissen selber nicht genau Bescheid, siehe die menschliche Geschichte, Kriege, etc., würde ja sonst gar nicht soweit kommen. Trotzdem muss es da irgendwas geben und ich hab keine Ahnung wie die das machen und was es letztendlich bringen soll.

      Würfeln trifft es schon gut. Wo doch Wörter alleine aussagekräftig genug wären.
      Irgendwie ist es schon eine ziemliche Schwäche, sie reden und "gucken" sich alles schön, spielen heile Welt, obwohl sie bestimmt alle ihre Problemchen haben, machen sich gegenseitig alles recht, bloß immer die Sozialen Regeln beachten, blabla. Da passt die Ehrlichkeit vielleicht nicht so rein.

      Beispiel: "Hallo, na wie gehts", da wollen sie kein "Naja, geht so, hab schlecht geschlafen", sondern immer nur ein "Ja gut und dir?". Und wenn man mit Nein antwortet muss es aber eine ganz spannende Geschichte dahinter sein, die man gleich weitererzählen kann. Wenn in der Nacht dreimal die Polizei im Haus gewesen wäre, hätten es alle wissen wollen, ist es was "uninteressantes" interessiert es keinen.

      Gespieltes Interesse kann ich auch sehr schlecht bzw spät einschätzen. Warum nachfragen, wenn man sich nach der Antwort (oder am besten noch währenddessen) einfach wegdreht und geht. Diese Oberflächlichkeit ist kaum auszuhalten.
      Selbstdiagose... oder einfach nur komisch?!
    • Ich habe selbst jahrelang als Kassierer im Supermarkt gearbeitet, und war angewiesen den Leuten bei Begrüßung und Verabschiedung in die Augen zu schauen.
      Ich habe dann lieber den Fokus auf die Waren gerichtet und sowohl diese, als auch den Zahlbetrag witzig kommentiert. War wohl auch Stressabbau.
      Kochrezepte, sozialkritische Bemerkungen und schräge Witze, das gab's bei mir.
      Smalltalk war Mangelware, die meisten fanden es witzig, die Chefs natürlich nicht.
      Ich denke auch die Normalos wollen keine sinnlosen Begrüßungs Floskeln und aufgezwungenen Blickkontakt.
      Die meisten Kunden habe ich an ihren Einkäufen erkannt, wozu brauche ich da noch Gesichter.
      Gerade den Augenpartie Test gemacht, 18 Punkte :d
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • ADD83 wrote:

      @molle66

      Wie kommentiert man denn Ware witzig?
      Zum Beispiel

      Ein Kunde kauft vier Packungen Harzer Käse
      Ich dazu : Das ist eindeutig Hartz 4
      Nächsten Tag kauft er nur drei
      Eine mehr und wir hätten wieder Hartz 4

      Zahlbetrag 8.50 : Einmal den Mindestlohn bitte

      Oder ich hab einfach anhand der Einkäufe geraten was es zu Essen gibt

      Ein Kunde fragte nach einem Chip für den Einkaufswagen, mein Kommentar
      Wenn ich den Ihnen gebe ist Möllemann umsonst gesprungen

      Wie gesagt, Steilvorlagen ohne Ende, das Problem waren die lieben Kollegen und die Vorgesetzen.
      Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen
    • Zum Beispiel mit dem Kassierer: ich zwinge mich auch immer zu einem Blickkontakt bei der Begrüßung und beim Ende, so nach dem Motto: ich erkenne an du bist ein menschliches Wesen und kein Roboter. :)
      Das ist aber so ein Verhaltensskript das ich bewusst abarbeiten muss. Blickkontakt liegt mir überhaupt nicht und ich schaue Leuten eher auf den Mund oder die Stirn.
    • Ich kann Leuten in die Augen schauen, das ist antrainiert. Es wirkt einfach höflicher wenn man die Leute anschaut. Ablesen kann ich nur sehr starke Emotionen wie Trauer oder Freude.
      Meine Chefin hat sich einen Blick angewöhnt, wenn ich den sehe, weiß ich das meine Fragen unangebracht oder dumm waren.

      Es kommt aber wirklich sehr auf die Erziehung an. Mir wurde beigebracht, dass man Leute (auch fremde begrüßt), Menschen "schön die Hand" zu geben, etc. Das ist für mich absoluter
      Nonsens, aber wenn die Gesellschaft dass so möchte, warum nicht.

      Ob ich jetzt die Wand anstarre oder dem Menschen in die Augen schaue macht für mich keinen Unterschied. Ob mein Blick dann starrend ist, weiß ich nicht.
    • emjay2812 wrote:

      Nonsens, aber wenn die Gesellschaft dass so möchte, warum nicht.
      Stimmt, da existiert bei vielen so eine Erwartungshaltung. Wenn ich Leute in Gesprächen lange nicht angucke und dann kurz Blickkontakt herstelle, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass diese mich dann extra mustern. So nach dem Motto "wann guckt der dann endlich". Ich wurde deswegen schon für alles mögliche gehalten. Schüchtern/arrogant/desinteressiert und so wurde ich dann auch behandelt. Früher hat mich das gewundert warum mit mir so umgegangen wird, aber seit dem ich begriffen habe, dass es wohl gesellschaftliche Norm ist, ist mir einiges klar geworden. Nur das diese Vermutungen nicht stimmen und der Autismus die Ursache ist, bedenken diese Menschen dann nicht wenn sie mich wie Müll behandeln.
    • harmonicfour wrote:

      @Randfigur Es ist schon traurig, dass viele Menschen Autisten nicht die Freiräume geben, die Leute aus dem Spektrum dringend brauchen. Mir wäre es auch am liebsten, wenn ich außerhalb meiner Familie jeglichen Kontakt zu Menschen meiden könnte. Aber das geht leider nicht. Denn meine Mitmenschen meinen zu mir, dass ich mich unter Menschen mischen soll.
      Das Gefühl, das man dabei bekommt ist genauso wie wenn man seinen Freiraum liebt und zu den Leuten sagt: Warum musst du immer unter Menschen sein, ich finde wirklich du musst mehr Zeit alleine in deinem Zimmer verbringen.