Formulare und Dokumente in einfacher Sprache

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    • Formulare und Dokumente in einfacher Sprache

      Hallo, gibt es einen Anspruch, Formulare oder Dokumente in einfacher Sprache zu bekommen?
      Wenn nein, warum nicht?

      Menschen die Hilfen beantragen (EM-Rente, Eingliederungshilfe, Wohngeld, etc,...) haben ja nicht immer nur körperliche Defizite. Dann sollten Anträge oder Aufklärungen über Rechte und Pflichten doch so geschrieben sein, dass gerade die Betroffenen es leicht und eindeutig verstehen können.
      (Ich kam darauf, als man sich auf einer Seite einen Info Flyer über gesetzliche Leistungen in einfacher Sprache herunterladen konnte. Das war so angenehm zu lesen, wodurch man den Inhalt gut verstehen konnte).

      Eine Sozialarbeiterin vom betreuten Wohnen, mit der ich mich darüber unterhielt, meinte das wäre mit Absicht so kompliziert zu verstehen geschrieben. Das würde Menschen dann davon abhalten, solche Hilfen zu beantragen, besonders bei finanziellen Leistungen. Wenn das wirklich so wäre wie sie es sagt, wäre das dann nicht eine Benachteiligung?
      Natürlich kann man sich Hilfe holen, ich verpflichte immer den zuständigen Mitarbeiter mir beim Ausfüllen zu helfen. Aber wenn man Hilfen/Leistungen braucht und diese beantragen möchte, wären doch eher Barrierefreiheit wichtig.

      Ergänzung, habe was dazu gefunden:

      bundesfachstelle-barrierefreiheit wrote:

      Seit dem 1. Januar 2018 sollen Behörden und Sozialversicherungsträger mit Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung in einfacher und verständlicher Sprache kommunizieren. Das gilt sowohl für die mündliche als auch für die schriftliche Kommunikation. Neben Bundesbehörden betrifft das Behörden der gesetzlichen Sozialleistungen (wie Arbeitsagenturen) sowie diejenigen, die diese Sozialleistungen ausführen (wie Krankenkassen, Rentenversicherung, Ärzte).

      Bundesbehörden müssen für Menschen mit geistigen oder seelischen Behinderungen folgende rechtliche Dokumente in einfacher, verständlicher Weise erklären, wenn es die Betroffenen wünschen:
      • Bescheide
      • Allgemeinverfügungen
      • öffentlich-rechtliche Verträge
      • Vordrucke
      bundesfachstelle-barrierefreih…sprache-in-behoerden.html
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.

      The post was edited 3 times, last by Several: Ergänzung ().

    • Wenn es den ganzen Kram in einfacher Sprache gäbe bräuchten weniger Leute einen gesetzlichen Betreuer...

      Die Formulare sind teils unnötig komplex. Ich glaube aber nicht dass man damit wirklich Geld spart man macht nur anderen Leuten Ärger. Ich bezweifel dass es derzeit ein recht auf einfache Sprache gibt. Das müsste mal jemand durch klagen....
      Handle ehrlich, handle weise, sei freundlich, baue Brücken keine Mauern, aktzeptiere Fremdes, freue dich über Unterschiede.
    • Several wrote:

      Eine Sozialarbeiterin vom betreuten Wohnen, mit der ich mich darüber unterhielt, meinte das wäre mit Absicht so kompliziert zu verstehen geschrieben. Das würde Menschen dann davon abhalten, solche Hilfen zu beantragen, besonders bei finanziellen Leistungen. Wenn das wirklich so wäre wie sie es sagt, wäre das dann nicht eine Benachteiligung?
      Benachteiligung von wem? Es ist ja für alle gleich komplex geschrieben. Eine Benachteiligung wäre es doch nur, wenn manche Leute andere Formulare hätten als andere Leute.
    • 2hoch8 wrote:

      Benachteiligung von wem? Es ist ja für alle gleich komplex geschrieben. Eine Benachteiligung wäre es doch nur, wenn manche Leute andere Formulare hätten als andere Leute.
      Es ist aber nicht für alle gleich leicht zu verstehen.

      Vom Prinzip her ist die Benachteiligung hier analog zu der "Benachteiligung", die ein Rollstuhlfahrer erleidet, wenn bestimmte Räumlichkeiten z. B. einer Behörde nur über Treppen erreichbar sind.
      Die Treppe ist auch hier offensichtlich für alle Menschen die gleiche Treppe, aber trotzdem werden Rollstuhlfahrer hier benachteiligt, weil sie diese Treppe (im Gegensatz zu anderen Menschen) effektiv nicht nutzen können.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • 2hoch8 wrote:

      Es ist ja für alle gleich komplex geschrieben.
      Das ist die Einstellung, die ein böser alter Witz über Contergan-Opfer sehr schön zeigt:
      Kind (mit Contergan-Behinderung): "Mama, ich möchte gerne einen Keks"
      Mutter: "Nimm Dir doch einen, sie liegen da auf dem Schrank"
      K: "Aber Mama, da komme ich doch nicht dran"
      M: "Tja, keine Arme - keine Kekse"

      In diesem Fall: "Tja, kein gutes Sprachverständnis - keine Hilfen für Behinderte". Wäre ich jetzt einer von denen, denen einfache Sprache hilft, würde ich mich diskriminiert fühlen, so halte ich es nur für reichlich überheblich.

      Several wrote:

      Eine Sozialarbeiterin vom betreuten Wohnen, mit der ich mich darüber unterhielt, meinte das wäre mit Absicht so kompliziert zu verstehen geschrieben. Das würde Menschen dann davon abhalten, solche Hilfen zu beantragen
      Das halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber nicht für sehr wahrscheinlich. Das ist eher Gedankenlosigkeit gepaart mit bürokratischer Gewohnheit, das Finanzielle ist mE allenfalls ein angenehmer Nebeneffekt.

      The post was edited 1 time, last by HCS ().

    • Mein eingefügtes Zitat von der Bundesfachstelle für Barrierefreiheit wird euch doch auch angezeigt, oder nicht?

      Seit dem 1. Januar 2018 sollen Behörden und Sozialversicherungsträger mit Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung in einfacher und verständlicher Sprache kommunizieren.
      Das gilt sowohl für die mündliche als auch für die schriftliche Kommunikation.
      Dass Informationen falsch verstanden werden, oder man je nach Formulierung nicht versteht was mit einer Frage gemeint ist, kann auch bei Autismus vorkommen. Es kann auch Menschen mit psychischen Erkrankungen geben, die aufgrund ihrer Auffassungsgabe oder Konzentration etwas schwerer verstehen, oder wenn etwas zu umständlich ausgedrückt ist. Wenn Sätze zu verschachtelt sind, oder sehr viel "Behördenfachsprache" verwendet wird

      2hoch8 wrote:

      Ich glaube aber nicht, dass Several geistig behindert oder funktionaler Analphabet ist. Dafür ist einfache Sprache gedacht
      Ich bin überdurchschnittlich gut in Deutsch, es ist auch meine Muttersprache, ich habe einen IQ von 126 und trotzdem überfordern mich manche Formulare oder Dokumente. Bei Anträgen brauche ich immer Hilfe, weil ich aufgrund von Formulierungen oder nicht eindeutigen Aussagen manche Fragen falsch verstehe. Weil ich Fragen wörtlich nehme, oder Dinge nach denen nicht speziell gefragt wird, nicht erkenne.

      sozialministerium.baden-wuerttemberg wrote:

      Beispieltext in Standardsprache:
      Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf Leistungen, die ihnen eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglichen. Diese können sie mit dem so genannten Persönlichen Budget selbstständig einkaufen. Es ergänzt die bisher üblichen Sachleistungen und wird direkt gezahlt. Für sie oder ihn bedeutet das mehr Selbstbestimmung, aber auch mehr Eigenverantwortung.

      Beispiel in Leichter Sprache:
      Selbstbestimmung ist ein wichtiges Grundrecht. Das steht im deutschen Grundgesetz. Auch Menschen mit Behinderung sollen über ihr Leben bestimmen. Sie können dabei Beratung und Unterstützung bekommen. Das entscheiden sie selbst.
      Ich finde die untere Version wesentlich einfacher zu verstehen.

      Ich kann z.B. mögliche unwichtige oder nebensächliche Aussagen in einem Text nicht erkennen und herausfiltern. Natürlich würde ich den oberen Text in Standardsprache auch verstehen, aber es wäre schwieriger. Und je mehr Text es wäre, desto fordernder würde es werden. Ich kann mich auch sprachlich/schriftlich gut ausdrücken, habe einen großen Wortschatz und kenne die Bedeutung vieler Fremdworte. Aber Behördensprache ist ja noch Mal was anderes, wie die normale Sprache im Alltag.

      Kann natürlich auch sein, dass ich zusätzlich zum Autismus irgendwas bisher unerkanntes habe, warum ich scheinbar Schwierigkeiten mit "Behördenfachsprache" habe.
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • Ich habe damals ein heft zum Persönlichen Budget in einfacher Sprache bekommen mit dem Hinweis wenn ichs beantragen wollen würde, solle ich meine gesetzliche Betreuerin fragen... und ich bin _nicht_ geistig behindert oder Sprachlich sonderlich stark eingeschränkt...
      Handle ehrlich, handle weise, sei freundlich, baue Brücken keine Mauern, aktzeptiere Fremdes, freue dich über Unterschiede.
    • 2hoch8 wrote:

      Ich glaube aber nicht, dass Several geistig behindert oder funktionaler Analphabet ist. Dafür ist einfache Sprache gedacht.
      Das ist nicht richtig (also: der zweite Satz). Es gibt Menschen, die nicht geistig behindert sind und auch keine funktionalen Analphabeten, die aber trotzdem mit dem Verstehen kommplexer Sprache Schwierigkeiten haben. Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gehören z.B. auch dazu.

      Und es gehört natürlich auch zum solidarischen Umgang einer Gesellschaft mit ihren schwächeren Mitgliedern, willens zu sein, Barrieren abzubauen, um Teilhabe zu erleichtern.

      Several wrote:

      Ich finde die untere Version wesentlich einfacher zu verstehen.
      Ganz klar. Denn das Verständnis eines Textes hängt nicht nur von der Übung im Umgang mit komplexen Begriffen und komplexer Syntax ab, sondern auch von der Frage, ob ich mit dem Inhalt vertraut bin. Das heißt, ein Arzt z.B. wird einen juristischen Text, der sich auf sein Fachgebiet in der Medizin bezieht, leichter verstehen als einen zu internationalen Handelsbeziehungen, obwohl es sich beide Male um eine oft arg "verschwurbelte" Juristensprache handelt.
      "Lies are just another way of telling the truth." (Paravadin Kanvar Kharjappali)
    • Several wrote:

      Ich finde die untere Version wesentlich einfacher zu verstehen.
      Ich nicht.
      Das Problem ist, dass einfache Sprache oft nicht mehr in der Lage ist, die Originalaussage wirklich komplett wiederzugeben. Es fehlen relevante Teile, zwangsläufig. Es ist dann eben auf den Horizont von jemandem mit geistiger Behinderung zugeschnitten, und für den ist es dann vielleicht okay, aber für jemanden, der alle Nuancen einer Information erfassen kann, ist die Aussage in einfacher Sprache unvollständig und verfälscht.
      Ich habe mal versucht, ein Parteiprogramm in einfacher Sprache zu lesen, da war das sehr frappierend. Ich hätte den Text in einfacher Sprache nicht mehr mit dem Original in Verbindung gebracht oder es zurück übersetzen können.
      Alles wird galaktisch gut.
    • FrankMatz wrote:

      Das ist nicht richtig (also: der zweite Satz). Es gibt Menschen, die nicht geistig behindert sind und auch keine funktionalen Analphabeten, die aber trotzdem mit dem Verstehen kommplexer Sprache Schwierigkeiten haben. Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gehören z.B. auch dazu.

      Und es gehört natürlich auch zum solidarischen Umgang einer Gesellschaft mit ihren schwächeren Mitgliedern, willens zu sein, Barrieren abzubauen, um Teilhabe zu erleichtern.
      Um dies alles geht es hier nicht. Es geht um hochfunktionale Autisten.
    • Several wrote:

      Ich finde die untere Version wesentlich einfacher zu verstehen.
      Im Sinne von einer Aufzählung einfacher Sachverhalte - Ja. Aber für mich wäre das auch nichts.

      Shenya wrote:

      Das Problem ist, dass einfache Sprache oft nicht mehr in der Lage ist, die Originalaussage wirklich komplett wiederzugeben. Es fehlen relevante Teile, zwangsläufig. Es ist dann eben auf den Horizont von jemandem mit geistiger Behinderung zugeschnitten, und für den ist es dann vielleicht okay, aber für jemanden, der alle Nuancen einer Information erfassen kann, ist die Aussage in einfacher Sprache unvollständig und verfälscht.
      Exakt das ist das Problem. Die einfache Sprache enthält nicht mehr alle Möglichkeiten und alle klaren Formulierungen.
      Darum steht vermutlich irgendwo immer der Hinweis, dass diese einfache Sprache nur eine Hilfe darstellt, dass aber die normale Sprache rechtlich bindend ist.
      Und genau wegen dieser rechtlichen Problematik gibt es das sog. Beamtendeutsch. Es muss alles möglichst klar fomuliert sein, mit wenig Interpretationsspielraum. Nur so kann man verhindern, dass es Missverständnisse gibt und eine Klagewelle auf die jeweiligen Behörden zukommt, weil jeder etwas Anderes verstanden hat.
      Gesetze sind daher noch eine Spur schärfer formuliert und für Laien noch schwerer zu verstehen.

      Die beste Möglichkeit für die Betroffenen ist also kein "einfaches Formular", sondern eine zusätzliche Bedienungsanleitung in einfacher Sprache. Bei der Steuererklärung ist zumindest immer sowas dabei. Da guck ich dann rein, wenn ich nicht weiß, was die von mir wollen.

      In unserer Firma gibt es auch alle Dokumente in English statt nur Deutsch - aber mit dem klaren Hinweis, dass der Deutsche Text verbindlich ist und die Übersetzung nur eine Hilfe darstellt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • FrankMatz wrote:

      Denn das Verständnis eines Textes hängt nicht nur von der Übung im Umgang mit komplexen Begriffen und komplexer Syntax ab,
      Ich denke/vermute, dass mein Problem (auch) damit zusammen hängt, dass ich wichtige ("Kernaussagen") nicht von unwichtigen Textteilen unterscheiden kann.
      Ich war auch immer gut in Mathematik, aber z.B. miserabel in Textaufgaben weil es mir schwer fiel das wesentliche in einem Text zu erkennen.


      Shenya wrote:

      Ich nicht.
      Ja das wundert mich nicht. Ich war von dir schon mehrere Male verblüfft, wie gut du bei den ganzen Vorschriften und Behördenthemen durchblickst und das gut zu verstehen scheinst.


      2hoch8 wrote:

      Es geht um hochfunktionale Autisten.
      Nein geht es nicht.

      Kann sein, dass hochfunktionale Autisten wegen ihrer (meines Wissens) Sprachentwicklung mit Texten in einfacher Sprache auch besser zurecht kommen. Aber deswegen geht es nicht nur um HFA.


      Garfield wrote:

      Und genau wegen dieser rechtlichen Problematik gibt es das sog. Beamtendeutsch.
      Ich wollte nicht darauf hinaus, dass man alles nur in einfacher Sprache formulieren sollte.

      Ursprünglich wollte ich fragen, ob man nicht ein Anrecht hat Formulare oder Dokumente bei Bedarf auch in einfacher Sprache zu bekommen.
      Dann fand ich hinterher die Info von der Bundesfachstelle für Barrierefreiheit.


      Garfield wrote:

      Die beste Möglichkeit für die Betroffenen ist also kein "einfaches Formular", sondern eine zusätzliche Bedienungsanleitung in einfacher Sprache.
      Ich vermute dass es das deshalb nicht gibt mit der Bedienungsanleitung, weil das zu viel Aufwand wäre. Man müsste dann fast zu jedem Arztbrief, fast zu jedem Gerichtsurteil, zu Informationen über Mitwirkungspflichten, über Widerspruchsrechten, AGB's, eine Bedienungsanleitung dazu legen. Oder zumindest schon vorab erstellt haben um sie bei Bedarf aushändigen zu können.

      Bei der Steuererklärung will ja meistens der Staat etwas von einem, da hat die Behörde ja ein Interesse daran dass der Bürger das Formular bestmöglich versteht.

      Aber selbst wenn man etwas in einfacher Sprache bräuchte, bezweifle ich dass die meisten Stellen/Behörden/Ämter/... dafür überhaupt ein vereinfachtes Formular oder eine Bedienungsanleitung zur Verfügung hätten.

      Bei meinem Rentenformular heißt es zum Beispiel:
      "Aufgrund meiner Behinderung bitte ich darum, mir Dokumente zusätzlich in einer für mich wahrnehmbaren Form zuzusenden, und zwar:
      - als Großdruck
      - in Kurzschrift Brailleschrift
      - in Vollschrift Brailleschrift
      - als CD
      - als Hörmedium"

      Das scheint es gar nicht in einfacher Sprache oder mit Erklärungen zu geben. Wird davon ausgegangen, dass nur körperlich behinderte Rente beantragen?
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • Several wrote:

      Bei der Steuererklärung will ja meistens der Staat etwas von einem, da hat die Behörde ja ein Interesse daran dass der Bürger das Formular bestmöglich versteht.
      Eigentlich genau andersrum. Der Staat bekommt seine Steuern automatisch und der Bürger muss sich dann bemühen, einen Teil davon wieder zurückzubekommen.

      Several wrote:

      Das scheint es gar nicht in einfacher Sprache oder mit Erklärungen zu geben. Wird davon ausgegangen, dass nur körperlich behinderte Rente beantragen?
      Die genannten Behinderungen sind halt deutlich extremer. Wer blind ist, dem hilft auch eine Verstärkte Bemühung nicht. Wer nur den Inhalt nicht versteht, kann zumindest versuchen, sich durch mehrfaches Lesen oder Recherche im Internet den Sinn nach und nach zu erschließen. Das nur als Idee, keine Ahnung, ob es wirklich so ist.
      Speziell bei der Rente gibt es auch noch ehrenamtliche Rentenberater, die beim Ausfüllen helfen können. Das finde ich ohnehin besser als "nur" einfache Sprache. Denn für viele Anträge reicht es nicht, nur den Sinn so eines Formularfeldes zu verstehen - man muss zusätzlich auch noch ein Wissen im Hinterkopf haben, was genau man überhaupt bei jedem einzelnen Punkt auflisten kann und was nicht.
      Ich wüsste von allein schon, wo ich im Formular der Steuererklärung meine fürs "Home Office" gekauften Dinge eintragen kann. Aber dann sagt das Finanzamt nur lapidar: Kein Arbeitszimmer, abgelehnt. Mit Beratung durch den Lohnsteuerhilfeverein z.B. kann das Ganze dann noch so formuliert werden, dass es trotzdem anerkannt wird.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Shenya wrote:

      Das Problem ist, dass einfache Sprache oft nicht mehr in der Lage ist, die Originalaussage wirklich komplett wiederzugeben. Es fehlen relevante Teile, zwangsläufig.

      Ja, ich hatte mir mal einen Abschnitt aus "Faust" in einfacher Sprache durchgelesen.

      "Ich tu mir so leid. Deswegen will ich jetzt zaubern lernen."
    • L84 wrote:

      Ja, ich hatte mir mal einen Abschnitt aus "Faust" in einfacher Sprache durchgelesen.

      "Ich tu mir so leid. Deswegen will ich jetzt zaubern lernen."
      :lol: :lol: :m(: Goethe dreht sich im Grab herum. Wie kann man etwas so verschandeln, wer Faust nicht versteht, kann es halt nicht lesen. Punkt.
    • 2hoch8 wrote:

      :lol: :lol: :m(: Goethe dreht sich im Grab herum. Wie kann man etwas so verschandeln, wer Faust nicht versteht, kann es halt nicht lesen. Punkt.
      Das ist genau die Meinung, gegen die ich mein Leben lang ankämpfen werde: "Wer nicht in die Straßenbahn kommt, soll halt draußen bleiben. Punkt." Weg mit den teuren Niederflurbahnen! :shake:

      Übrigens, als Fachmann: Dichter kann man nicht "verschandeln", es ist ein arg überkommener Kulturbegriff, einer, der mit einer Art Heiligkeit des kulturellen Werks operiert. Wieviel literarische Werke hat Brecht "verschandelt", weil er sich ihrer kreativ bedient hat? Wäre dann nicht jede Filmadaptation auch eine Verschandelung? Die Kunstwerke unserer literarischen Tradition sind viel robuster, als die Kulturbewahrer*innen wahrhaben wollen.
      "Lies are just another way of telling the truth." (Paravadin Kanvar Kharjappali)
    • 2hoch8 wrote:

      Goethe dreht sich im Grab herum. Wie kann man etwas so verschandeln, wer Faust nicht versteht, kann es halt nicht lesen. Punkt.
      Und selbst die Übersetzung von Goethe ist geradezu einfach gegen das klingonische Original!

      FrankMatz wrote:

      Weg mit den teuren Niederflurbahnen!
      Was ist daran denn teuer?
      Die sind doch ansonsten auch für gesunde Menschen ein Fortschritt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Garfield wrote:

      Was ist daran denn teuer?
      Die sind doch ansonsten auch für gesunde Menschen ein Fortschritt.
      Ich kenne die Kosten nicht. Ich denke aber schon, dass so neue Niederflurzüge teurer sind als die alten Hochflurbahnen. Egal - mein Satz war sowieso nicht ernst gemeint und ich hielt das für aus dem Kontext ersichtlich. Klar, Barrierefreiheit ist immer ein Fortschritt für alle, nicht nur für Menschen mit Einschränkungen.
      "Lies are just another way of telling the truth." (Paravadin Kanvar Kharjappali)