Gespräche mit n Personen

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    • Ich kann mündliche Gespräche nur schwer starten, weil ich oft nicht weiß, ob man mir zuhören wird. Denn ich habe so viele Worte im Kopf, aber nicht alle passen in die verbale Sprache rein. So kommt es, das ich meine Gefühle nicht richtig äußern kann. Sogar in Augenblicken nicht, in denen es zu einem Overload mit Aggressionen kommt. Dann ist es aber zu spät, um meine Gefühle richtig einschätzen zu können.
    • harmonicfour wrote:

      Ich kann mündliche Gespräche nur schwer starten, weil ich oft nicht weiß, ob man mir zuhören wird. Denn ich habe so viele Worte im Kopf, aber nicht alle passen in die verbale Sprache rein. So kommt es, das ich meine Gefühle nicht richtig äußern kann. Sogar in Augenblicken nicht, in denen es zu einem Overload mit Aggressionen kommt. Dann ist es aber zu spät, um meine Gefühle richtig einschätzen zu können.
      Das ist gut zu wissen. Ich höre zu. Gefühle kann man auch nonverbal äußern und ich bin zuversichtlich, dass ich es bei der nächsten Möglichkeit auch schaffe und den Moment nicht "verschlafe". Das mit den Aggressionen kenne ich. Bei mir ist es die schwache Impulskontrolle, die mich etwas sagen lässt, das nicht meinen eigentlichen Gefühlen entspricht. Das werde ich in den Griff bekommen.
    • @Tux: Aufgrund meiner negativen Erfahrungen in der Behindertenwerkstatt, die von Ignoranz und Mobbing geprägt waren, habe ich oft das Gefühl, dass mich niemand wahrnehmen will. Deswegen kann ich mich nicht mehr richtig einschätzen und leide unter Psychosomatik. Ich brauche dringend ein Ventil, das meine Gefühle in positive Energie umwandeln kann.
    • @Tux: Es spricht natürlich nichts dagegen an sich zu arbeiten. Aber ich habe Probleme mit der Selbstakzeptanz und neige zu einem sehr unsicheren Selbstbild, an dem auch die ständigen Ermahnungen anderer a la "sei doch mal sozialer" schuld sind. Inzwischen grenze ich mich dagegen ab und versuche, mich nicht immer nur an meine Umwelt anzupassen, sondern mir im Rahmen meiner Möglichkeiten meine Umwelt selbst zu gestalten. Meine Lösung für das Dilemma ist, neuen Kontakten gleich von meiner Schwierigkeit mit Gruppen zu erzählen und Einzelfreundschaften anzufragen. Wem das nicht passt, selektiert sich gleich von Beginn an aus, so meine Hoffnung.
    • harmonicfour wrote:

      @Tux: Aufgrund meiner negativen Erfahrungen in der Behindertenwerkstatt, die von Ignoranz und Mobbing geprägt waren, habe ich oft das Gefühl, dass mich niemand wahrnehmen will. Deswegen kann ich mich nicht mehr richtig einschätzen und leide unter Psychosomatik. Ich brauche dringend ein Ventil, das meine Gefühle in positive Energie umwandeln kann.
      Das du das Gefühl hast, ist verständlich. Allerdings ist die Annahme, dass dich niemand wahrnimmt, nicht so gut, weil sie belastend ist und für Hemmungen sorgen kann.

      Wie macht sich die Psychosomatik bemerkbar?
    • Liamina wrote:

      @erutan: Ich bin überzeugt davon, dass man das trainieren kann. Menschen mit Sozialphobie verwenden ja gerne Konfrontationsübungen, da könnte man sich wahrscheinlich etwas abschauen. Die Frage ist eher, inwieweit man das will. Immer, wenn man sich dazu entschließt, etwas zu "verbessern", erkennt man ja an, dass man vorher "nicht ganz in Ordnung" war.
      Naja, die Frage stellt sich mir eigentlich nicht.
      Es ist ja nicht so als wäre mein aktueller Zustand für mich frei von Leid.
      Ich bin mir nur nicht sicher ob das wirklich einen Trainingserfolg haben kann.

      Ich denke eine Indikation wie eine Sozialphobie ist was anderes, weil diese (korrigier mich wenn das falsch ist) erworben ist. Also im Sinne von 'es gab eine Entwicklung die dazu geführt hat'.
      Da ist es für mich auch naheliegend, dass es Möglichkeiten geben wird diese Entwicklung zu 'korrigieren'. Konfrontation ist da sicher eine, MKT (de.wikipedia.org/wiki/Metakognitive_Therapie) oder selbst KVT (de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Verhaltenstherapie) sind andere.

      Das Setting "ok mit 1, gestresst ab 2" liegt bei mir seit dem Kindergarten an.
      Vor dem Kindergarten hab es ein "ab 2" nicht. Daher bin ich mir nicht sicher ob Konfrontation hier ein Weg sein kann, die Konfrontation der letzten 35 Jahre hat jedenfalls nichts daran geändert.
    • Ich finde Kontakte mit nur 1 Person stressiger als mit 2, weil wenn wir insgesamt zu dritt sind (oder auch zu viert), kann ich mich zwischendrin ab und zu ausklinken. Wenn wir zu zweit sind, muss ich dauernd präsent sein. Das geht nur gut, wenn ich mit der Person sehr gut auskomme und ich mich für die Gespräche nicht anstrengen muss. Normalerweise versuche ich ja, angepasst zu sein, d.h. es ist Anstrengung mit dabei, außer bei einigen wenigen Leuten, wo ich mich komplett wohl fühle.
      Kann aber sein, dass bei mir ein sozialphobischer Anteil mit dabei ist, weshalb es mir angenehm ist, nicht ständig im Fokus einer anderen Person zu sein.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Mir ist das auch irgendwann aufgefallen, dass ich am besten mit einer Person reden kann. Das liegt vor allem daran, das sich mich dann voll auf die Person konzentrieren kann und es viel leichter ist das Gespräch zu kontrollieren, weil es eben nur ein 1 zu 1 ist und die Reihenfolgen da auch klar sind. Je mehr Leute dazu kommen, desto schwieriger wird es, weil ich mich dann auf mehr Personen einlassen müsste und auch nicht mehr klar ist wer wann spricht. Das bedeutet dann für mich Kontrollverlust und dass das Gespräch unberechenbarer wird. Vor allem kann man bei 1 zu 1 Gesprächen viel besser Monologe halten als bei mehreren Leuten. Daher vermute ich, dass für die Leute die kein Problem damit haben zu reden 2er Gespräche besser sind während die Leute die eher still sind und mit reden überfrodert sind es dnan gut finden in der Gruppe sich zurückziehen zu können.
    • Shenya wrote:

      Ich finde Kontakte mit nur 1 Person stressiger als mit 2, weil wenn wir insgesamt zu dritt sind (oder auch zu viert), kann ich mich zwischendrin ab und zu ausklinken. Wenn wir zu zweit sind, muss ich dauernd präsent sein.
      So geht es mir auch. Wenn wir dann bei Gesprächen zu dritt oder viert sind klinke ich mich, wenn es mir zu viel
      wird einfach mal aus. Mehr als 4 Personen sollten es aber bei dem Gespräch nicht sein.
    • @erutan: ja, das ist ein guter Punkt. Da eine Sozialphobie erworben ist, sollte es möglich sein, sie zu heilen, also zu erreichen, dass der/die Betreffende nicht mehr leidet, u.a. durch Konfrontation. Wahrscheinlich auch nur in Abhängigkeit davon, wie umfassend sie ist und seit wann sie schon besteht. Allerdings denke ich schon, dass man auch, wenn die Grundverfassung angeboren ist, es trainieren kann. Und eben das ist es ja: Erreicht man dann dadurch, dass man weniger leidet? Nein, das glaube ich nicht. Man kann nur die Performanz verbessern, sich dadurch aber nicht unbedingt besser fühlen in der Gesamtheit. Man fühlt sich dann nur so, als hätte man sich einmal mehr verbogen für andere. Deshalb die Frage: Will man das? Ich nicht.
    • jau, da bin ich bei dir.
      Letztlich dient das dann ja nur dazu für die anderen normaler zu wirken. Aber das ist imho bei vielen Autismus-Therapie-Ansätzen so.
      & daran habe ich ebenfalls kein Interesse.
      Interessiert wäre ich an einer Entwicklung als das ich mich auch mit nem Dutzend so wohl fühle wie mit einem Gegenüber.

      Ich muss mich bei 1 zu 1 aber auch nicht ständig unterhalten. Aber ich glaube das will sowieso keiner. Ich meine wenn man sich bspw. drei Stunden trifft, kann man ja nicht drei Stunden am Stück reden. Ich glaube das wäre auch für NT eher anstrengend, insbesondere da manche ASSler dazu neigen nur Gespräche mit Tiefgang führen zu können. Zumindest ist meine Smalltalkfähigkeit i.d.R. nahe null.
    • Für mich sind leider auch 1 zu 1 Gespräche sehr anstrengend. Natürlich auch abhängig von dem Gesprächspartner und Situation. Spazieren gehen und mit einer Person zu reden empfinde ich manchmal als schön. Obwohl mir dann auch die Ruhe fehlt. In Räumen ist es auch noch abhängig von der Akustik. Wenn dann noch mehrere Personen zusammen sind, höre ich alle Gespräche gleichzeitig. Also klinke ich mich aus. In jüngeren Jahren habe ich es mit Alkohol versucht und habe mich dann nur noch als albern und auffällig empfunden. Ich habe es auch mal mit Visualisierung versucht. Da brauch ich noch ein wenig Übung. Habe mir dann z. B. vorgestellt in einer Glaskugel zu sein. Hilfreich fand ich das für Großveranstaltungen.
    • Shenya wrote:

      Ich finde Kontakte mit nur 1 Person stressiger als mit 2, weil wenn wir insgesamt zu dritt sind (oder auch zu viert), kann ich mich zwischendrin ab und zu ausklinken. Wenn wir zu zweit sind, muss ich dauernd präsent sein.
      Ja, das geht mir auch so.
      Mit Einzelpersonen treffe ich mich daher so gut wie nie, da bevorzuge ich schriftliche Kommunikation. (Und zwar über solche Medien, wo das auch normal / "ok" ist, mal ne Weile nichts zu schreiben.)

      Ob ich dann in Gruppen wiederum schnell von Gruppendynamiken (oder auch von der Konzentration auf zu viele unterschiedliche Sprecher) überfordert bin, hängt sehr von den Leuten ab. In "klassichen NT-Gruppen" ist das schnell der Fall. Bei Forentreffen oder auch einfach Treffen mit sehr "ruhigen", introvertierten Typen (Schachverein) klappt es auch in größeren Runden.

      Einen klaren Wert für eine Personenanzahl, ab der ich überfordert bin, kann ich daher nicht wirklich angeben. Kann wirklich von 0 bis 10 gehen.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • harmonicfour wrote:

      Ist Visualisierung nicht esoterisch?
      Gibt es bestimmt auch in esoterischen Praktiken. Mir ist kein besseres Wort dafür eingefallen. Ich stelle mir einfach hilfreiche Dinge vor und versuche die Vorstellung dann abrufbereit zu haben. Habe das jetzt nicht irgendwo gelernt, sondern als Kind eigentlich schon so gemacht und jetzt versuche ich das manchmal. Würde sagen das verringert mein Stresslevel in sozialen Situationen um 10 %- Also auch kein Wundermittel... :)

      Hab lieber nochmal nachgelesen:
      In Form von Vorstellungsübungen oder Imaginationsübungen wird die Visualisierung häufig in der Psychotherapie eingesetzt, etwa um neues Verhalten einzuüben oder Belastungszustände zu mildern. (Stangl, 2020).

      Verwendete Literatur
      Stangl, W. (2020). Stichwort: 'Visualisierung'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
      WWW: lexikon.stangl.eu/5315/visualisierung/ (2020-10-18)

      The post was edited 1 time, last by Nellson ().

    • @Nellson Ich kann auch gut visualisieren und in Bildern denken, aber meine Bilder sind eher kindlich, wenn ich zeichne. Das bedeutet also, dass ich eher ein analytischer Typ bin anstatt mich in den Farben der Kunst zu verfangen. Dies erklärt auch, warum ich bei geisteswissenschaftlichen Themen wie Büroarbeit mehr Talent habe als im Grafikdesign. Ja, im Home Office arbeiten wäre nicht schlecht, weil ich dann weniger mit Menschen zu tun habe. Denn wenn man zuhause sein Büro hat, dann kann man auf E-Mails ausweichen. Gespräche mit Personen bedeuten zu viel Stress in meinem Fall.
    • harmonicfour wrote:

      @Erutan: Mit Smalltalk tue ich mich auch verdammt schwer. Ich kann nur über sehr wenige Themen souverän reden: Mozart, die 1980er-Jahre, Büroarbeit und alles, was mit Office zu tun hat.
      Also bei zwei aus drei würde ich dir lange lauschen können.
      & drei souveräne Themen ist doch schon gewaltig, findest du nicht?