Nähe-Distanz-Regulierung

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    • Nähe-Distanz-Regulierung

      Vorab muss ich sagen, ich habe keine Ahnung, ob ich Autistin bin und ob meine vielen Besonderheiten im sozialen Miteinander dort ihren Ursprung haben. Um eine dieser Besonderheiten geht es hier, und ich stelle diese Frage hier, weil normalerweise die Antworten im Forum immer hilfreich und erhellend sind.

      Mein Problem ist, dass mein Nähe-Distanz-Verhalten nicht dem Grad der Beziehung entspricht, die ich zu einem Menschen habe. Man würde z.B. erwarten, dass man viel Nähe und Vertrautheit in der Familie findet oder bei engen Freunden, ein bisschen weniger gegenüber langjährigen Bekannten und Kollegen und eine große Distanz zu Fremden oder Menschen, die man erst vor kurzem kennen gelernt hat.

      Bei mir ist das aber nicht so. Ich rede kaum in der Familie und gehe auf Abstand, erzähle aber völlig Wildfremden die persönlichsten Details über mich. Mein Empfinden scheint auch ein anderes zu sein. Ich finde bei letzterem z.B. nichts, was dagegen sprechen sollte und finde es immer ganz toll, wenn diese Fremden auch so schrankenlos ihr Innerstes mitteilen. Die Alternative, Smalltalk, finde ich eben langweilig. Andersherum habe ich kein Interesse an so engem und häufigem Kontakt zu Familienmitgliedern. Die kenne ich ja schließlich schon ziemlich gut.

      Kommt das jemandem bekannt vor und wenn ja, wie eicht man dieses Bedürfnis so, dass man viel Nähe bei Familie und Freunden sucht und sich bei Fremden Distanz wünscht?
    • Ich habe auch Probleme damit, welcher Grad von Nähe in einem Gespräch angemessen ist. Ich habe schon nicht sehr nahestehenden Menschen sehr schnell sehr viel Persönliches erzählt, während ich bei vertrauten Menschen verschlossen war.

      Bei mir ist es so, dass mir manchmal das Gefühl dafür fehlt, was angemessen oder passend ist. Oft bin ich froh, mit (fremden) Menschen überhaupt ein Thema zu haben, weil mir Unterhaltungen sehr schwerfallen. So kann es sein, dass ich (quasi) Fremden zu viel erzähle, einfach damit ich ein Gesprächsthema habe.

      Bei meinen Eltern erzähle ich vieles nicht, gerade weil ich sie gut kenne und weiß, dass sie vieles verurteilen und negativ über das, was ich erzählen würde, denken. So bin ich bei eher fremden Menschen oft offener als bei ihnen.
    • Fremde haben ja den Vorteil, man sieht sie vermutlich nie wieder, wenn ihnen sie negativ bewerten, was man erzählt - also hat es für das eigene Leben auch keine negtiven Konsequenzen, wenn man was erzählt.

      Als ich Jugendliche war, hatte ich unbewusst so "potenzielle Reaktionen anderer" getestet bzw eher diffus dort vermutet, das vielleicht jemmand verstehen könnte, und so gesucht, ob überhaupt irgendjemand mich versteht. In der Familie gab es das ja nicht.
      Doof nur, dass dieses "Oversharing" Fremde eher überforderte, weil ihnen zu persönlich - insofern ergab das dann auch keine näheren Kontakte.

      Ich denke, es war für mich auch der Versuch, anhand der Reaktionen anderer einzuordnen, wie manches, das ich erlebt hatte, eingeordnet und bewertet werden könnte.
      Gerade weil mir in der Familie oft meine Wahrnehmung und Gefühle abgesprochen wurden (das ist doch nicht schlimm, du siehst das falsch, stell dich nicht so an usw) war es dann erleichternd, wenn "irgendwer" ein bisschen ähnlich zu dem, was ich erzählte, dachte und meine Gefühle bestätigte.
      Was natürlich dazu führte, dass am besten die verstanden, die selbst heftige und ähnliche Probleme hatten.
      "Normale Kontakte" kamen so nicht zustande.

      Das erste Mal fiel mir dazu was auf, als ich mich im Rahmen des Studium mit Entwicklungspsychologie beschäftigte und auf die "emotionale Vernachlässigung" stieß.

      Bindungsstörung, Abschotten bei näheren Menschen, dafür Distanzlosigkeit bei Fremden u.a. als Anzeichen.

      Jetzt können natürlich auch allgemein die nettesten Eltern der Welt ein Kind, das komplett anders wahrnimmt und denkt als sie, nicht einfach mal so verstehen. Selbst wenn sie sich bemühen, das "Unverstanden"-Gefühl beim Kind bleibt ja.

      Kein Kind wird immer von den Eltern verstanden. Aber wo ähnlich wahrgenommen wird, doch öfter.
      Es braucht schon mehr als ein paar grundlegende Kenntnisse zu "föderlichem Elternverhalten", um ein so "fremdes" Kind zu verstehen, bzw herausfinden zu wollen, wie DIESES denkt und fühlt. Auch wenn das ganz anders ist, als man selbst denkt und fühlt.

      Jetzt fehlen schon bei den meisten Eltern überhaupt irgenwelche Kenntnisse. Sie gehen einfach von sich aus, nach dem, was sie für förderlich oder hinderlich für sich erlebt haben (bzw sich nachträglich schöngeredet haben, als "hat mir nicht geschadet").
      Je doofer die Kindheit der Eltern, je mehr "Schönreden", desto eher werden sie Ideen, dass dort was falsch gelaufen ist und anders gemacht werden müsste, abwehren, um "das" nicht nochmal fühlen zu müssen, wenn sie sich das nochmal ansehen und anders betrachten. So wird dann die Traurigkeit darüber vermieden.
      Hier wird dann unbewusst das Problem an die eigenen Kinder "weiter gegeben".
      Was sich natürlich nochmal heftiger auswirkt, wenn ein AS-Kind das erlebt.

      Da wo Eltern aufgrund einer eigenen Kindheit, in der sie verstanden wurden und Erwachsene sich darum bemüht haben zu verstehen, und/oder aufgrund von eigener Aufarbeitung und/oder aufgrund von "Fachkenntnissen zu Entwicklung und Erziehung" sich bemühen, nicht-wertend und nicht "ändern wollend" ein Kind zu verstehen, sondern interessiert fragen "wie denkst und fühlst du", um dann auch ein Anders als berechtigt akzeptieren zu können, wird auch ein AS-Kind weniger Probleme haben und weniger sichtbare Symptome dieser Art entwickeln.
      Aber dann auch weniger auffallen, und trotzdem dieses "irgendwie bin ich anders" diffus mit sich rumtragen, und spüren, das "irgendwas nicht stimmt".

      Sich mit AS "emotional vernachlässigt" zu fühlen und darauf mit Smptomen einer solcher Vernachlässigung zu reagieren dürfte also eher die Regel statt der Ausnahme sein.
      Was jetzt wieder die Diagnostik schwierig macht. Früher hat man automatisch aus den Symptomen geschlossen, "es liegt an den Eltern".
      Fand sich da nichts, bzw blockierten die Eltern ein Hinsehen bei sich, wurden dann "Störungen" beim Kind vermutet. Dabei nur eben nicht an AS gedacht, weil einfach unbekannt, auch bei Fachmenschen.
      Was sowohl die "Dauerpsychiatrisierung" vieler älterer Aspies als auch die "Überanpassung" anderer erklärt, die sich vor der Psychiatrisierung damit geschützt hatten.
      Heute wird wenigstens irgendwann auch mal an AS gedacht.

      Es wird aber noch dauern, bis sich hier "die Zeiten ändern".
      Wir leben in einer Zeit des Wandels.
      Noch sprechen viele abwertend von "Kuschelpädagogik", die "nichts bringt", da ist noch das alte "das Wilde im Kind muss gebrochen werden"-Denken da (u.a. durch Schreber verbreitet), auch wirkt noch das 3.Reich mit seinen "Schnell wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl" und der unbewusst aufgenommenen Angst vor Selektion mit hinein. Was immer noch zu Abwehrverachtung von Schwäche führt, gerade gegenüber Jungen (heul nicht Mädchen, ein Indianer kennt keinen Schmerz, bist du ein Mann oder eine Maus = "Schädling").
      Daneben gibt es schon Elternkurse zu "Starke Eltern - starke Kinder" und medial wird eine Menge verbreitet zu geeigneter fördernnder Erziehung.
      Was natürlich unter den gesellschaftlichen Gegenbenheiten nnicht immer unzusetzen ist, und schon gar nicht, wenn Eltern eigene Probleme haben, vor allem, wenn mit sich selbst.

      Alles nicht so einfach, sich darin zurecht zu finden, das gilt aber für NTs genauso wie für Aspies.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Liamina wrote:

      Vorab muss ich sagen, ich habe keine Ahnung, ob ich Autistin bin und ob meine vielen Besonderheiten im sozialen Miteinander dort ihren Ursprung haben. Um eine dieser Besonderheiten geht es hier, und ich stelle diese Frage hier, weil normalerweise die Antworten im Forum immer hilfreich und erhellend sind.

      Mein Problem ist, dass mein Nähe-Distanz-Verhalten nicht dem Grad der Beziehung entspricht, die ich zu einem Menschen habe. Man würde z.B. erwarten, dass man viel Nähe und Vertrautheit in der Familie findet oder bei engen Freunden, ein bisschen weniger gegenüber langjährigen Bekannten und Kollegen und eine große Distanz zu Fremden oder Menschen, die man erst vor kurzem kennen gelernt hat.

      Bei mir ist das aber nicht so. Ich rede kaum in der Familie und gehe auf Abstand, erzähle aber völlig Wildfremden die persönlichsten Details über mich. Mein Empfinden scheint auch ein anderes zu sein. Ich finde bei letzterem z.B. nichts, was dagegen sprechen sollte und finde es immer ganz toll, wenn diese Fremden auch so schrankenlos ihr Innerstes mitteilen. Die Alternative, Smalltalk, finde ich eben langweilig. Andersherum habe ich kein Interesse an so engem und häufigem Kontakt zu Familienmitgliedern. Die kenne ich ja schließlich schon ziemlich gut.

      Kommt das jemandem bekannt vor und wenn ja, wie eicht man dieses Bedürfnis so, dass man viel Nähe bei Familie und Freunden sucht und sich bei Fremden Distanz wünscht?
      Kenne ich total, kann ich so unterschreiben.
    • @ Elena: Das Problem nicht zu wissen, was angemessen ist, kenne ich von früher. Aber inzwischen behaupte ich, die Grenzen gut zu kennen, und Smalltalk gut zu beherrschen. An fehlendem Wissen liegt es bei mir nicht (mehr).

      @ Happy to be: wow, vielen Dank für den ausführlichen Beitrag! Tatsächlich wusste ich bisher nichts über emotionale Vernachlässigung und die Auswirkung auf das Nähe-Distanz-Verhalten. Auch die Brücke zur ASS finde ich überzeugend. In das Bild passt auch, dass ich gern einen, nennen wir es einmal, Parentifizierungsansatz in Liebesbeziehungen wähle. In die Richtung werde ich auf jeden Fall weiterdenken und mich schlau machen über emotionale Vernachlässigung. Literaturtipps gern, falls du was parat hast.

      Aber wie man bewusst dagegen wirken kann: dazu noch jemand einen guten Tipp?
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      @Liamina
      ich hab die Antwort verspoilert, weil doch etwas mehr geworden, damit sich niemand durch "Bleiwüste erschlagen" fühlt.
      "Dagegen" kann man nichts machen, aber eine Menge "damit".
      wie bewusst darauf einwirken
      ich weiß nicht, ob du das Konzept der Arbeit mit dem inneren Kind kennst.
      Der Hintergrund ist, dass emotionale Verletzungen und konstant unerfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit weiterwirken, solange sie nicht ausgeheit sind - es spielt dabei kine Rolle, ob zufällig und unabsichtlich, aus Gleichgültigkeit und Unwissen, oder absichtlich bösartig bzw um eigene Probleme am Kind abzuladen entstanden sind.
      Diese setzen sich im Unbewussten fest. Wird eine durch äußeres "Ähnlich" angetriggert, "übernehmen" die Gefühle aus den alten Verletzungen das Gefühlserleben, das wirkt auf die Gedanken und Handlungen.
      Es ist der unbewusst gesteuerte Versuch, hier etwas Altes "zu heilen" oder "auszugleichen" oder "aufzufüllen".
      Was nicht funktioniert. Was in der Kindheit an gefühltem "Dauermangel" angelegt ist, oder verletzt wurde, kann später nicht mehr von Außen durch andere geheilt werden.
      Andere können maximal durch so empfundenes "Wohlverhalten" dafür sorgen, dass er Mangel oder die Verletzung nicht angetriggert wird, also nicht spürbar ist, "weg machen" kann das nichts von außen - egal wie sehr sich jemand darum bemüht. Sogar das Bemühen selbst kann das irgendwann antriggern - der andere "nervt" weil er "wie auf rohen Eiern" geht, da wo er Rücksicht nimmt, wird das eigene Defizit angetriggert, WEIL er Rücksicht nimmt.
      Insofern entstehen dann auch in Partnerschaften, in denen parentifiziert wird, schnell Probleme. "Du bist nicht meine Mutter/mein Vater" ist eine der typisch wütenden Aussagen des Erwachsenen, der aufgrund des kindlichen Mangels oder der Verletzung doch an anderer Stelle parentifiziert hatte.
      Der Ärger über "Mutti Merkel" ist übrigens ein tolles Beispiel für "enttäuschte Parentifizierung".

      Ziemlich viele Partnerschaften sind eher "Zweier-Selbsthilfegruppen" mit der Hoffnung, hier gegenseitig was heilen zu können oder wenigstens das "innere Elend" nicht mehr so spüren zu müssen, wenn der*die andere "nur der*die Richtige" ist.
      Doof nur, dass das dann auseinander geht,
      a) wenn die Verletzungen nicht ausgeheilt sind, angetriggert werden, und je schwerer diese Verletzungen sind, desto schneller wird der*die andere dann doch mit etwas völlig harmlosen (das kann schon die Frage sein, ob man Essen geht oder zu Hause bleibt, hier sogar allein, dass "entschieden" werden soll, oder darüber "geredet" werden "muss") irgendetwas an Triggern "antippen".
      b) wenn eine*r von beiden sich weiter entwickelt hat und angefangen das, die inneren Verletzungen selbst auszuheilen und sich auf der Bedürfnisebene aufzufüllen und auszugleichen. Er*sie "braucht" den*die andere ja nicht mehr als "Schutz vor den eigenen Triggern".

      Partnerschaft ist also keine Lösung, sondern alle Probleme, die man mit sich hat, werden nach dem Verliebt, das diese eine Weile überdeckt, um so heftiger sicht- und spürbar. Was sehr schnell dazu führen kann, dass der*die in der Kindheit Verletze in Abwehr und einen wahren Hass gegen den Menschen fällt, bei dem das sicht- und spürbar wurde. Dessen*deren DA-Sein löste ja aus, die Verletzungen in sich zu spüren - das wird dann parentifizierend als "absichtlich" interpretiert, und alles, was mal erlebt wurde, scheint wieder durch den anderen "angetan". Was dann "gesammelt wird", daraus eine "Beweiskette" gemacht wird, ähnlich wie bei den Verschwörungstheorien, nur komplett im Inneren.
      Der dann als "du BIST so, und willst dies und das, und mir Folgendes antun" betrachtet wird.
      Während der*die andere fassungslos vor den dann getroffenen Aussagen steht und sich fragt "Mit wem war der*die andere eigentlich die ganze Zeit zusammen?"

      Ganz doof ist, es gibt ja tatsächlich Menschen, die andere verletzen wollen, die "Schwachstellen suchen", um emotional "reinzuhauen" oder durch "Überdecken" zu manipulieren.
      Hier jetzt unterscheiden zu können, hängt wieder davon ab, wie viel im eigenen Inneren ausgeheilt ist.
      Deswegen sind auch "Verletze Kinder" so oft Opfer von Menschen, die sie dann ausnutzen und später um so mehr verletzen können.
      Je mehr der*die andere schon "ausgeheilt" ist, desto eher wird das eigene Verletzt "angetriggert", WEIL dort das "Geheilte" im Vergleich gespürt wird. Je mehr aber jemand weiß, wie so jemanden mit Nettigkeit "betäuben" und wie Trigger erst mal vermeiden, um so schneller wird dann der*die Verletzte "eingefangen" - und dann später erst recht verletzt.

      Wie also ausheilen? Tja, doof ist, die Verletzungen entstanden zwar durch andere, ausheilen muss man sie selbst. Es hilft also nicht, nach "Schuld" zu suchen, die Verantwortung oder die Arbeit für die Heilung abgeben zu wollen. Das funktioniert einfach nicht.
      Ebenfalls funktioniert nicht, das rein über den Verstand ausheilen zu wollen. Du kannst alles darüber wissen, wie die Verletzungen entstanden sind, du kannst perfekt wissen, wie "man damit umgehen sollte - sobald die Verletzungen aus dem Unbewussten heraus wirken, weißt du nix mehr davon, wird es dir mittendrin bewusst, kriegst du das nicht umgesetzt.
      Aus dem simplen Grund, weil diese Verletzungen ja zum jeweiligen Entwicklungszeitpunkt der kindlichen Psyche entstanden sind, und im Unbewussten in "diesem psychischen Alterszustand" abgespeichert sind.
      Wirken diese nach Außenreiz, und "Übernehmen" das Fühlen, und dann auch Denken, dann "bist" du in diesem Moment praktisch wieder Baby, 2 Jahre, 4 Jahre, 10 Jahre, und fühlst, denkst und reagierst auch so.
      Hinterher, wenn der Einfluss aus dem Unbewussten wieder weniger wird und endet, wird der erwachsene Verstand versuchen, das zu rationalisieren, einen "Grund im Außen" suchen, um sich das zu "erklären".

      Manchmal reichen ganz kleine Ähnlichkeiten. Die Stimme der "demütigenden Lehrerin", eine Formulierung, die zum Zeitpunkt einer Verletzung gewählt wurde (ich hing jahrelang in der "du denkst zu viel"-Verletzung, bis ich da rauskam), du machst dem anderen was zu essen, und singst dabei....und das Singen löst etwas aus einer Zeit, als Mutter beim Kochen gesungen hat und dann ein prügenlder Vater dazu kam....usw.usw.).

      Das Ausheilen erfordert also, erst mal zu akzeptieren, DASS das auf einen selbst einen Einfluss hat, der erst mal "unkontrollierbar" auf einen einwirkt.
      Dann geht es darum, das Wissen zu erwerben, WIE sowas prinzipiell funktioniert in der menschlichen Psyche.
      Und da man ja definitiv ein Mensch ist, also auch bei einem selbst.
      Ich nenne das die "Tragik des Mensch-Seins". :d

      Dann beginnt die "Forschungsreise", wo überall Verletzungen und Mangel in der eigenen Seele vorhanden sind.
      Erkennbar über die eigenen "irrationalen" Verhaltensmuster, die sich immer wieder wiederholen.
      Wieso war ich sauer, traurig, wütend, wehrte mich, versuchte zu erklären, mir die "Erlaubnis" abzuholen, und dann enorm verletzt, wenn jemand sagte "Du denkst zu viel"?
      Erst über "ich denke, also bin ich" fand ich heraus, was mein Knackpunkt war.
      Ich denke nun mal viel :m(: :d , das macht mich, als ein Aspekt unter anderen, in meinem Da-Sein aus.
      Es ist schon doof, wenn das nur abgewertet wird, aber da lässt sich ja noch sagen "ok, ich denke viel, wenn dir das zu viel ist, ist das DEIN Problem, du hast kein Recht, das auf mir abzuladen, dann ignoriere das doch, du musst dir das ja nicht reinziehen, niemand zwingt dich dazu".
      Es ging aber bei mit tiefer. Meine Empfindlichkeit beruhte darauf, als Kind sowieso nicht gewollt zu sein. "Du denkst zu viel" bedeutete also für mein "Inneres Kind" nicht nur "reduziere dich in deinem So-Sein", sondern auch ein "Sei gar nicht".
      Tja, dass sich dagegen mein Unbewusstes enorm gewehrt hatte, ist ja klar. :d
      Heute kann ja mein Denken jemandem zu viel sein, heute kann mich auch jemand deswegen "nicht da und weg haben wollen" - aber das löst kein "verletzt" mehr aus. Es ist nicht mein "Job", mich vorausseilend zu reduzieren oder fernzuhalten, weil das sein "könnte".
      Wer mir mitteilt, dass es ihm*ihr zu viel ist, zu diesen sage ich nichts mehr. Halte mich auch von solchen fern. Wer mir oder anderen aber verbieten will, mit anderen Gedanken auszutauschen und weiter zu denken, weil ihn*sie triggert ("ich fühle mich dadurch und durch dich damit gestört" ist dann die Aussage), dass jemand das überhaupt macht, sollte sich besser mit seinen*ihren eigenen Problemen zu "denkende und sich dazu austauschende Menschen" beschäftigen.


      Ok, das Problem war erkannt. Die Frage war also, wie dem Unbewussten klar machen, dass es nicht mehr nötig ist, bei so einem Satz in den "Überlebenskampf" zu gehen?
      Was im Unbewussten in ganz frühem vorsprachlichen Alter schon abgespeichert ist, und sich über solche Baby/Kleinkind-Gefühle dann "meldet".
      Erklar mal einem Baby, dass es keinen Grund gibt zu schreien - das brüllt dir was :d

      Erreichbar ist das Unbewusste sowieso nicht mit "rational" und je nachdem, welches "Alter" innerlich "aktiviert" ist, würde es das auch nicht kapieren, wenn man es so erreichen könnte.

      Dass Unbewusste "spricht" über Gefühle, die von dort ausgelöst werden, und über Bilder - wie in den Träumen. Oder Drogeninduziert.
      Es ist auch NUR erreichbar über Bilder und daraus entstehende Gefühle.

      Kannst du ganz einfach antesten. Liest du eine Statistik zu Atomwaffen, löst das allein nix aus - stellst du dir bildlich vor, was passiert, wie das aussieht, wenn die losgehen, dir wird schlecht. Machst du das nur oft genug, wird dein Unbewusstes Dauergefahr abspeichern, das wird sich mit anderen Situationen verbinden, in denen du Hilflos warst. Das Unbewusste kennt keine Zeit, keinen Konjunktiv und verknüpft alle "Ähnlich" miteinander, die sich wechselwirkend verstärken.
      Dieses eine Bild nur lange genug durchgeführt, löst am Ende ein doofer Sachbearbeiter auf dem Amt Gefühle aus, die denen bei einem atomaren Angriff entsprechen - Panik.
      In den 90ern konnte ich beobachten, wie Menschen so "psychisch völlig abgedreht" hatten und am Ende in Psychosen landeten, mit denen sie dann auch andere gefährden. Bsp Tankstelle anzünden als Protest gegen die Ausbeutung der Ressourcen der Erde.

      Der eigene Verstand kann also auf das Unbewusste darüber einwirken und dem was "beibringen", wenn er Bilder nutzt, die es dort erreichen, wo so ein Mangel oder eine Verletzung sitzt.

      Bevor ich mich auf diese "esoterischen" :d Methoden einlassen konnte, musste ich erst mal wissen, wie und wieso die "funktionieren".
      Natürlich auch, was da genau, und messbar, im Gehirn passiert, wenn man damit arbeitet, und wie das auf die Aktivierung oder das Abschalten von Gensequenzen wirkt, was das epigenetisch bedeutet.
      AS - umfassend und korrekt und beweisbar und belegt als Bedingung, sich auf etwas einzulassen :d

      Das ist der Hintergrund zu dem Konzept der Arbeit mit dem inneren Kind bzw den inneren Kindern.
      Eine andere Methode, das Unbewusste zu erreichen, ist, das eigene Leben als Märchen oder "Heldengeschichte" zu schreiben.
      Auch Traumanalyse als "Botschaften aus dem Unbewussten als Zustandbeschreibung, Erfolgsmeldungen und Warnhinweisen zu dem, was in der eigenen Psyche abgeht (nicht diesen Quatsch mit "ausgefallener Zahn bedeutet xy für die Zukunft") kann das unterstützen.

      So als Einstieg für die Arbeit bietet sich an:
      - Stefanie Stahls "Das Kind in dir muss Heimat finden"
      - Hanson, Mendius und Sadler "Das Gehirn eines Buddha" (hier wird auch viel neurologisch erklärt)
      - Fritsch "Praktische Selbst-Empathie"
      Es ist schon einiges an Arbeit, sich selbst darin "aufzudröseln" und an die einzelnen Aspekte ranzukommen. Am Anfang scheint das auch "wenig zu bringen", alte Gedankenmuster wehren das auch ab, manches will man sich erst mal gar nicht ansehen. Aber auch hier, es wirkt exponentiell.
      Zäher Anfang, dann ist der "Kipp-Punkt" erreicht und auch genug Übung da, dann klappt das sogar "Besoffen in der U-Bahn", wenn man bei sich was merkt. Mein Kriterium für "gekonnt" :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
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      Happy to be wrote:

      Was sowohl die "Dauerpsychiatrisierung" vieler älterer Aspies als auch die "Überanpassung" anderer erklärt, die sich vor der Psychiatrisierung damit geschützt hatten.
      Was ist mit "Überanpassung" gemeint?
      Sorry, setze mich noch nicht lange mit dem Thema auseinander.

      und zum Thema:
      Das mit der Nähe und der Distanz kenne ich auch. Meistens ist es mir danach sehr unangenehm, wenn ich Fremden zu viel erzählt habe. Mir macht es in dem Moment aber auch nichts aus, ich merke es dann erst später oder aber kann meinen Redefluss nicht stoppen bzw. das Gesprächsthema nicht wechseln.
      Mit meiner Familie kann ich mich aber trotzdem austauschen. Das mache ich häufiger als mit Freunden.
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      Happy to be wrote:

      Fremde haben ja den Vorteil, man sieht sie vermutlich nie wieder, wenn ihnen sie negativ bewerten, was man erzählt - also hat es für das eigene Leben auch keine negtiven Konsequenzen, wenn man was erzählt.
      Das fasst mein Kommunikationsverhalten eigentlich perfekt zusammen.
      Nur mein Freund will die Logik dahinter nicht verstehen
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
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      Ich bin ebenfalls VA, kann aber die vermeintliche Nähe zu Fremden und Distanz zu Nahestehenden extrem gut nachvollziehen.
      Meine Erklärung dazu ist auch, dass bei Fremden die Beziehungsebene wegfällt und somit ein zwischenmenschliches Feld, das Schwierigkeiten bereitet und für zusätzliche Überforderung sorgt, nicht beachtet werden muss. Wie bereits erwähnt sind die Konsequenzen dann natürlich auch nicht so dramatisch, wenn man zu viel von sich preis gibt. Aber das trifft auch nur zu, wenn die fremde Person nicht länger im Leben danach verweilt. Ich bin in solchen Momenten oft leider zu naiv und glaube, dass derjenige mit den Informationen nichts schlimmes macht. Damit bin ich auch schon das ein oder andere mal auf die Schnauze gefallen mit (RW). Auch der Wechsel von der Kennenlernphase hin zur Beziehung war oft schwierig. Wo vorher intensive Gespräche waren, tritt plötzlich das Ruhebedürfnis mehr und mehr in den Raum. Das Maß an Kontakt und die Verantwortung diesen aufrecht zu erhalten, wird zumindest für mich irgendwann kaum noch machbar.

      Happy to be wrote:

      Kein Kind wird immer von den Eltern verstanden. Aber wo ähnlich wahrgenommen wird, doch öfter.
      Es braucht schon mehr als ein paar grundlegende Kenntnisse zu "föderlichem Elternverhalten", um ein so "fremdes" Kind zu verstehen, bzw herausfinden zu wollen, wie DIESES denkt und fühlt. Auch wenn das ganz anders ist, als man selbst denkt und fühlt.

      Der Gedankengang kam bei mir auch, seit ich mit AS beschäftige. Ich habe massive Probleme in der Jugend mit meinen Eltern gehabt und weder sie, noch außenstehende konnten nachvollziehen, warum ich mich so unverstanden und "vernachlässigt" fühlte. Und vielleicht führten diese Probleme auch dazu, dass sich mein Verhalten so entwickelt hat, wie es heute ist. Es ist ein bisschen wie die Frage nach dem Huhn oder Ei (RW)
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      @Tyto: Gut, dass du die Naivität ansprichst. Damit habe ich auch Schwierigkeiten. Ist es nur Naivität? Ich überlege während des Sprechens einfach nicht, welchen Wert die Information hat und wie sie verwendet werden kann. Gutgläubigkeit, dass die Leute nichts Schlimmes mit den Informationen anstellen, kenne ich aber auch. Ich plaudere z.B. gern zuviel über meinen Berufsalltag ohne Rücksicht auf evtl. Geschäftsgeheimnisse.

      Und der Gedanke mit der fehlenden Beziehungsebene ist auch gut. Das macht es wirklich leichter.
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      Liamina wrote:

      Ich überlege während des Sprechens einfach nicht, welchen Wert die Information hat und wie sie verwendet werden kann. Gutgläubigkeit, dass die Leute nichts Schlimmes mit den Informationen anstellen, kenne ich aber auch.
      Da bin ich mittlerweile total in das Gegenteil umgeschlagen... Ich bin bei den meisten normalerweise sehr skeptisch, wenn ich etwas gefragt werde o.Ä. und mache mir darüber sehr lange Gedanken.
      Und trotzdem kann ich mich manchmal nicht bremsen und plaudere sehr viel aus.