autistischer Körper.

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    • @Abendstern

      Ich meinte in diesem Fall so etwas wie wenn jemand eine ASS-Diganose bekommt, er aber vielleicht eigentlich eine Persönlichkeitsstörung oder sonst etwas anderes hat.
      Bei den Diagnostik-Stellen ging ich von so etwas wie den Autismus-Ambulanzen von Uni-Kliniken aus.

      Deine Überlegeungen kann ich aber nachvollziehen. Es wäre blöd, wenn jemand zwei verschiedene Diagnosen von verschiedenen Kliniken hat und sich dann quasi entscheiden soll, wer Recht hat.

      Ich vermute einfach mal, dass erfahrene Diagnostiker die Diagnose nur dann vergeben, wenn die Testergebnisse es auch hergeben und sich die Probleme des Patienten nicht besser mit einer anderen Störung erklären lassen.
    • @Thajanu
      Das weiß ich nicht, wie das konkret gehandhabt wird. Ich weiß nur, dass dann auch die Kindergärtnerin, Tante, Onkel, Freunde etc. interviewt werden können. Wie gesichert die Diagnose dann ist und ab wann tatsächlich nur ein VA bestehen bleibt weiß ich nicht.

      Ich bin kein Diagnostiker (auch kein Laiendiagnostiker wie manch eine/r meint zu sein), sondern habe die Diagnostik nur selbst an einer Uni-Klinik durchlaufen. Dort ist das ganz klar so: ohne Fremdanamnese, ADI-R etc. mit einer Person, die darüber Auskunft geben kann, keine Diagnose und es bliebe bei einem VA.

      Die Diagnostik, subjektiv aus eigener Erfahrung, hätte ich nicht manipulieren können. Diese war sehr genau und präzise, jede Manipulation wäre aufgefallen und wenn man es in einem Bereich vielleicht noch könnte, schafft man das niemals in der Mehrzahl und wie sollte man eine mehrstündiges Elterninterview manipulieren ...

      Meine Erfahrung ist, dass insbesondere eine AS nicht einfach mal so leichtfertig vergeben wird, eher im Gegenteil, da wird meist doppelt und dreifach genau geschaut um jegliche Fehldiagnostik auszuschließen und präzise evtl. Komorbidität festzustellen.
    • @Lefty Es ging mir bloß um das Wort "Negativdiagnose". Da steckt der Wortbestandteil "-diagnose" drin, als wäre es ein Spezialfall einer "Diagnose". Dabei ist es ja gerade keine Diagnose. (Oder manchmal schon, je nachdem, ob noch was anderes vergeben wurde oder einfach nur die eine Sache ausgeschlossen wurde.) Irgendwie klingt das komisch für mich. :d

      Elementarteilchen wrote:

      Eine Sache fand ich in dieser Diskussion schon kurios: also dass 2hoch8 50-60 Autisten persönlich kennt.
      Bei 1% Autisten in der gesamten Bevölkerung.
      Die meisten Autisten werden nicht so viele kennen, aber es ist jetzt auch nicht sooo ungewöhnlich. Manche sind halt in der Selbsthilfe sehr vernetzt (also fahren zu Kongressen, leiten Selbsthilfegruppen und so was, sind vllt auch in Vereinen wie Aspies e. V. organisiert), andere nehmen jahrelang an Gruppentherapien und anderen Projekten ihrer Uniklinik teil, andere fahren viel zu Forentreffen und so was (ich z. B. ^^), ...

      Thajanu wrote:

      Ich meinte in diesem Fall so etwas wie wenn jemand eine ASS-Diganose bekommt, er aber vielleicht eigentlich eine Persönlichkeitsstörung oder sonst etwas anderes hat.
      Hier gehst du stillschweigend davon aus, dass die Prädikate "eine ASS haben" oder "eine Persönlichkeitsstörung haben" überhaupt wohldefiniert sind. Und genau diese Annahme bezweifle ich.

      Es gibt keine glasklare, unmissverständliche, immer eindeutig entscheidbare Definition von Autismus oder anderen psychischen Störungen - nur die Diagnosekriterien, die aber eben nicht völlig objektivierbar sind, sondern Spielraum für Interpretationen des Diagnostikers lassen (so wie Gesetzestexte oft einen Spielraum für den Richter erlauben).

      Und so wie die Frage, ob ein Dieb in einem konkreten Fall mit einer Geldstrafe davonkommt oder ins Gefängnis muss, nicht allgemein beantwortet werden kann, sondern (auch) von der subjektiven Einschätzung des Richters abhängt, gibt es auf die Frage, ob eine konkrete Person Autist ist, keine allgemeingültige Antwort, sondern eben nur die subjektiven Einschätzungen konkreter Diagnostiker.
      "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." ~ Blaise Pascal
    • Thajanu wrote:

      Es geht also um eine Fremdanamnese über die Zeit der Kindheit. Heißt das dann auch, dass Patienten, die keine lebenden Verwandten, Geschwister oder andere damalige Bezugspersonen vorweisen können, keine Diagnose bekommen können?
      Ich habe an der Uniklinik Köln im Alter von 50 Jahren die Diagnose Asperger Syndrom bekommen, ohne dass eine Fremdanamnese stattgefunden hat. Letztere war zwar eingeplant, ist aber wegen verschiedener Umstände dann doch nicht zu Stande gekommen.
      Ich hatte aber meine Grundschulzeugnisse vorgelegt, die recht ausführliche Verhaltensbeschreibungen beinhalten.
    • maksa wrote:

      habe die Diagnostik nur selbst an einer Uni-Klinik durchlaufen. Dort ist das ganz klar so: ohne Fremdanamnese, ADI-R etc. mit einer Person, die darüber Auskunft geben kann, keine Diagnose und es bliebe bei einem VA.
      Ich möchte nochmals kurz klar stellen, dass ich nur über die Uni-Klinik an der ich war Aussagen treffe, darauf beziehen sich meine Aussagen/Erfahrungen. Sie sind nicht als Verallgemeinerungen zu deuten. Allerdings halten sich nahezu alle Kliniken mit Spezialambulanzen für ASS an den sog. 'Goldstandard', sicherlich gibt es Ausnahmen, wie z. B. von Input berichtet. Auch ich kenne autistische Menschen bei denen die Diagnose aufgrund der Biographie als 'offensichtlich' festgestellt wurde. Aber das machen dann Spezialisten die im Jahr -zig Diagnosen stellen oder nicht stellen. Sie sind für genau diese Diagnostik ausgebildet.
      Ich selbst halte nichts von Laiendiagnosen (in jede Richtung) und von Eigendiagnosen schon gar nicht.

      Abendstern wrote:

      dass die Prädikate "eine ASS haben" oder "eine Persönlichkeitsstörung haben" überhaupt wohldefiniert sind.
      Meines Wissen ist die ASS eine tiefgreifende (angeborene) Entwicklungsstörung, eine Persönlichkeitsstörung tritt nicht (seltenst?) in der frühen Kindheit auf, sondern eher ab/im Jugendalter/Pubertät.
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich werde mir die beiden Videos heute Abend mal anschauen.
      @2hoch8
      Ich hatte mir das von @Lefty verlinkte Video angeschaut, also von der jungen Frau mit Brille und kurzen Haaren.

      Ihre Körpersprache ist meinem Eindruck nach lebhafter als meine, aber weniger lebhaft als bei den meisten Nichtautisten. Ihre Sprachmodulation ist meinem Eindruck nach eher unauffällig, zumindest unauffälliger als meine. Allerdings lässt dies meiner Meinung nach keinerlei Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit ihrer Diagnose zu. Ich habe durchaus schon diagnostizierte Autisten kennengelernt, die eine ähnliche Körpersprache und Sprachmodulation haben wie diese junge Frau. Einige Dinge bezüglich der Kommunikation können ja viele Autisten mit der Zeit relativ gut kompensieren. Ich hingegen habe meinen Fokus bei der Kompensation bisher überwiegend auf die Sozialkompetenz gelegt, weniger auf die Körpersprache und Sprachmodulation.
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich hatte mir das von @Lefty verlinkte Video angeschaut, also von der jungen Frau mit Brille und kurzen Haaren.
      Das habe ich mir auch gerade angeschaut (es ist nicht besagte Lisa), und ich fand es inhaltlich ganz interessant.
      Diese junge Frau hat mit 28 Jahren inzwischen ein chronisches Erschöpfungssyndrom, das sie in der Form früher nicht hatte, und berichtet unter anderem davon, ihre Körpersprache bewusst zu steuern. Es wäre interessant zu wissen, ob diese starke und schnelle Erschöpfbarkeit zurückgehen würde, wenn sie die bewusste Steuerung ihrer Körpersprache reduzieren würde. Es gibt jedenfalls Hinweise darauf, dass das eines der Risiken von (extremem) "Masking" / "Camouflaging" sein kann (Spectrumnews-Artikel dazu).
    • 2hoch8 wrote:

      @Grübler_1988 ich meinte die Videos von Planet Aspie. Das ist von einer anderen Person.
      Ach so. Ich habe mir von Planet Aspie dieses Video angeschaut:

      Auf mich wirkt sie sehr neurotypisch, also an ihrer Körpersprache und Sprachmodulation kann ich nichts Auffälliges erkennen. Selbst die Asperger-Autisten, die ich als ziemlich "unauffällig" wahrnehme, kommunizieren meinem Eindruck nach nicht mal annähernd so wie diese Frau.

      Die andere Frau, die @Lefty verlinkt hatte, erlebe ich ganz anders als Planet Aspie. Ihre Körpersprache und Sprachmodulation wirkt auf mich irgendwie "antrainiert", es gibt keinen "natürlichen Fluss" in der Kommunikation.
    • Turtle wrote:

      und berichtet unter anderem davon, ihre Körpersprache bewusst zu steuern.
      Ja, das ist mir mittlerweile auch aufgefallen. Irgendwie kommt ihre Körpersprache unnatürlich rüber.

      Turtle wrote:

      Es wäre interessant zu wissen, ob diese starke und schnelle Erschöpfbarkeit zurückgehen würde, wenn sie die bewusste Steuerung ihrer Körpersprache reduzieren würde.
      Das würde mich auch interessieren.
    • @Grübler_1988 Vielen Dank für deine Einschätzung zu Planet Aspie. Das deckt sich genau mit meinen Beobachtungen, nur habe ich es etwas unglücklicher formuliert, sodass einige sich sehr daran gestört haben.

      Auf mich wirkt sie auch prototypische wie ein Nichtautist und kommuniziert auf vielen Ebenen sehr ausdrucksstark. Ich selbst bin da sehr stark eingeschränkt, aber wie du schon gesagt hast, es gibt auch andere Autisten, die damit weniger Probleme haben aber dennoch kann man es bemerken.

      Wenn man sich jetzt überlegt dass sie sich mit ihrer AS-Diagnose einen GdB von 70 (glaube ich) erstritten hat, wirkt das doch alles ein bisschen surreal und bitter.
    • 2hoch8 wrote:

      Wenn man sich jetzt überlegt dass sie sich mit ihrer AS-Diagnose einen GdB von 70 (glaube ich) erstritten hat, wirkt das doch alles ein bisschen surreal und bitter.
      Du kannst über so ein Video doch gar nicht einschätzen, wie viele Probleme jemand in anderen Bereichen seines Lebens hat?
      Bei ihr kam zum GdB außerdem noch die Krebserkrankung dazu.
    • MangoMambo wrote:

      2hoch8 wrote:

      Wenn man sich jetzt überlegt dass sie sich mit ihrer AS-Diagnose einen GdB von 70 (glaube ich) erstritten hat, wirkt das doch alles ein bisschen surreal und bitter.
      Du kannst über so ein Video doch gar nicht einschätzen, wie viele Probleme jemand in anderen Bereichen seines Lebens hat?Bei ihr kam zum GdB außerdem noch die Krebserkrankung dazu.
      Eben, darum geht es ja. Sie meint anhand von Videos "diagnostizieren" zu können, obwohl sie nur einen konstruierten Bruchteil dieser Menschen sieht. Das ist und bleibt anmaßend und überheblich.
      So kann es eigentlich nicht weitergehen. Wird es aber.