Warum vergesse ich zu viel?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Warum vergesse ich zu viel?

      Hallo,
      ich bin 19 Jahre alt und bei mir wurde im Februar dieses Jahres das Asperger Syndrom diagnostiziert. Wie es dazu kam: Am Anfang des Jahres habe ich aufgrund meiner Gedächtnisstörung meine Ausbildungsstelle zum Bäcker nach 2 1/2 Jahren verloren. In den letzten Arbeitswochen hat sich bei mir eine schwere Depression gebildet, da ich selbst nicht wusste was mir mir los war und ich Angst hatte meinen Job zu verlieren, was leider auch passierte. In der Klinik in der ich war, wurde mir neben einer schweren Depression auch eben der Autismus diagnostiziert. Mittlerweile wurde auch neurologisch bereits vieles versucht, wie z.B. eine Messung der Hirnströme, aber es war alles unaufällig. So gehen mittlerweile auch die Ärzte langsam davon aus, das dass an meinem Autismus liegen kann.

      Ich würde gerne wissen, wieso das so ist, dass ich viele alltägliche Dinge grundlos vergesse und was ich damit machen kann. Ich versuche es mit Aufschreiben von Notizen ins Handy und auf Papier, aber mittlerweile vergesse ich sogar, das ich solche Informationen aufschreiben muss.

      Danke
      Wann vergeht dieser ewige Sonntag meines Lebens. Ich will wieder einen Montag sehen.
    • Hallo und willkommen!

      Das ist ja übel, dann hast du die Ausbildung so kurz vor dem Abschluss verloren?

      Das Autisten besonders vergesslich sind, habe ich noch nicht gehört, aber in Depressionen war ich auch immer vergesslicher als sonst.
      So kann es eigentlich nicht weitergehen. Wird es aber.
    • kim wrote:

      Das Autisten besonders vergesslich sind, habe ich noch nicht gehört, aber in Depressionen war ich auch immer vergesslicher als sonst.
      Jupp. Vergesslich und Autismus hat eigentlich nichts miteinander zu tun meines Wissens, allerdings können schwere Depressionen (unabhängig von Autismus) zu Zuständen führen, die leicht auch als Demenz fehldiagnostiziert werden können.
      Surprised by the joy of life.
    • Ich bin seltsam wrote:

      Ich würde gerne wissen, wieso das so ist, dass ich viele alltägliche Dinge grundlos vergesse und was ich damit machen kann.
      Bist Du evtl. viel mit "inneren Welten" beschäftigt , nimmst innerlich vieles wahr?

      Dann könnte es sein , das du den Dingen im Aussen bewusst/ unbewusst wenig(er) Aufmerksamkeit und Relevanz zumisst, so dass Dein Gehirn sie quasi eher "rausschmeisst" als im Gedächtnis verankert (nur eine Idee).
      Most great people have attained their greatest success just one step beyond their greatest failure.

      Napoleon Hill
    • Surprised wrote:

      allerdings können schwere Depressionen (unabhängig von Autismus) zu Zuständen führen, die leicht auch als Demenz fehldiagnostiziert werden können.
      Ja, das ist auch mein Wissensstand.


      @ ich bin seltsam
      Hast du denn das schon immer? Also auch als du noch jünger warst (du könntest deine Eltern fragen)?
      Wenn es erst die letzte Zeit bzw die letzten Jahre ist, kommt es vielleicht wirklich eher von Überforderung durch die Ausbildung bzw die Depression.
    • Ich bin Meister im Vergessen! Zerstreuter Professor würde auf mich voll zutreffen, wenn ich in der Wissenschaft tätig wäre.
      Also zumindest wenn es darum geht, dass mir Jemand was sagt, was ich tun soll.
      Sowas muss ich mir grundsätzlich aufschreiben, idealerweise in Outlook mit einem Termin und Erinnerung zu bestimmter Uhrzeit.
      Es kommt vom Ohr einfach nur schwer ins Langzeitgedächtnis. Und dann müsste ich ja auch zur richtigen Zeit bzw. am richtigen Ort genau daran denken, dass ich jetzt genau das machen muss.
      Meine Aufmerksamkeit ist im Hier und Jetzt - da haben irgendwelche unterbewussten Erinnerungen keine Chance.

      Ich schaffe es aber auch sehr oft, von einem Zimmer ins Andere zu gehen, um dort etwas zu holen - kaum bin ich dort, weiß ich nicht mehr was ich da wollte. Oder irgendwas kommt auf dem Weg ins andere Zimmer in meinen Fokus und dann mache ich das und "vergesse" quasi, dass ich ja was holen wollte.

      Das machte mir bei der Arbeit vor Kurzem auch ein wenig zu schaffen. Es gab einige Monate mit zu wenig Personal und zu viel Arbeit. Ich konnte nicht mehr meine gewohnten Abläufe - eins nach dem Anderen... - durchziehen, sondern musste ständig auf unvorhergesehene Dinge reagieren. Mit den neuen Aufgaben habe ich dann die restlichen Arbeiten aus dem Blick verloren, bis die auch so dringend wurden, dass ich wieder irgendwas Anderes liegen lassen musste. Es hat eine ganze Weile gedauert, um aus diesen chronischen Überlastungsmodus wieder in den normalen Arbeitsalltag zurückzukommen. Mit der Normalität nahm auch das "Vergessen" wieder ab.

      Das war bei mir aber schon immer so. Angefangen damit, dass ich vergaß, das Spielzeug im Kindergarten aufzuräumen, dann den Tafeldienst in der Schule usw.
      Meist wurde mir das dann als Absicht unterstellt oder dass ich keine Lust hätte. Aber ich habe einfach nicht daran gedacht, es zu tun.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • ich vergesse leider auch sehr vieles. Besonders im sozialen zusammenhand. Erst vorhin habe ich mit meiner Frau über Halloween gesprochen, und da erzählte sie mir, dass wir auch schon gemeinsam vor 5 Jahren auf einer Halloweenparty waren. Ich hatte keine Erinnering mehr daran. Weder an die Party, noch der Tatsache, dass ich mit meiner Frau jemals Halloween gefeiert hatte. Sie hatte auch noch Fotos auf ihrem Smartphone, aber selbst die haben keinerlei Erinnerung wachgerufen. Auch mein Kostüm schien mir völlig fremd. Und egal wie sehr ich mich anstrenge, dieser Tag ist nicht mehr vorhanden in meinem Kopf.

      Aber ich weiß noch, wo die Geheimgänge in Sonic sind, einem Konsolenspiel dass ich 1993 gespielt habe.

      Einerseits habe ich ein erstaunliches Gedächnis, aber gerade bei sozialen Erinnerungen habe ich extreme lücken, die komplett weg sind.
    • Ich kann oft nicht mehr genau sagen, ob ich schon einmal einen bestimmten, durchaus sehr bekannten, Film gesehen habe oder nicht. Ähnliches trifft zu, wenn es darum geht, ob ich bereits früher in einer bestimmten Stadt war oder noch nie - wobei ich natürlich viele Städte problemlos ausschließen kann, aber in einem Entfernungsbereich von ca. 200km kann ich dies eben nicht unbedingt. Auch wann welcher Geburtstag von Verwandten, Eltern usw. wo gefeiert wurde, das alles vergesse ich gnadenlos. Nur wenn ich mich etwas sehr begeistert, ist mein Gedächtnis gut.
    • Dennis82HH wrote:


      Einerseits habe ich ein erstaunliches Gedächnis, aber gerade bei sozialen Erinnerungen habe ich extreme lücken, die komplett weg sind.

      Kann ich auch bestätigen. Es gibt zwar vereinzelt auch Szenen die mir sehr detailreich im Kopf bleiben, aber im Gros kann ich mir von meiner Frau erzählen lassen wie unsere Urlaube waren. In krieg nichtmals mehr hin wann wir wo waren und wo wir überall waren. Aber ich finde auch vieles davon unnötig. Wenn ich weiß ich habe mich wohlgefühlt ist der Rest eigentlich Hupe, oder?
    • Hallo und willkommen!

      Ich kenne deine Problematik.
      1. bei Autisten kann man im EEG (zumindest nach meinem Wissen) nichts auffälliges sehen, wenn man sonst keine andere Erkrankung hat, oder auch momentan keinen Epilepsie-schub, den sieht man auch nur dann wenn er gerade akkut ist. (ich erwähne das weil manche Autisten zusätzlich Epilepsie haben)
      2. vergesslich sein ist bei nicht wenigen Autisten vorhanden, es gibt Studien dazu warum sich die Gehirne von Autisten denen von Demenzkranken bzw Alzheimerpatienten ähneln, will nicht sagen das sie gleich sind aber es gibt scheinbar Paralelen.

      Das mit dem vergesslich sein war bei mir schon immer vorhanden, ich hab auch mal gedacht das ich vielleicht Alzheimer haben könnte aber hätte ich das, wär ich heute tot weil man damit nicht lange lebt, es ist eine Krankheit die man nicht aufhalten kann, und wenn man das als junger Mensch bekommt, stirbt man folglich auch früher als jemand der es erst mit 60+ bekommt.

      Warum Autisten nun dazu neigen vergesslich zu sein liegt vermutlich daran das man dazu neigt oft sehr tief in das was einen gedanklich beschäftigt anzurutschen. Man kann sich dann an nichts anderes erinnern, auch nicht was man noch machen wollte.
      Ist man unter Stress, neigt man dazu sich gedanklich nur noch damit zu beschäftigen, es verschärft den Tunnelblick und lässt nicht mehr so viel Raum für die Dinge die man eigentlich machen soll.
      Ich selbst beobachte es bei mir aber auch bei anderen Autisten aus ihren Beschreibungen das man das scheinbar stärker hat als Nichtautisten.
      Man könnte sich das so vorstellen: ein Nichtautist verspürt diese Vergesslichkeit bei Stress und wenn bestimmte Gedanken sehr wichtig sind, sonst aber nicht.
      Als Autist hat man diesen Zustand aber dauerhaft (sofern man dazu neigt), und bei Stress ist es nochmal schlimmer also eine gesteigerte Form.
      Und mit Stress meine ich nicht Depression sondern das kann schon eine misslungene Konversation sein die man mit jemandem hatte und die einen nach gedanklich Tage lang beschäftigt. (ich hatte das erst weil mir Vorgestern was blödes passiert ist).

      Was man dagegen tun kann:
      in deinem Fall ist es wie bei mir, selbst Pläne machen bringt garnichts, weil man sogar vergisst die Dinge aufzuschreiben oder vergisst auf den Plan zu schauen.
      Was mir bisher geholfen hat waren andere Menschen die mich erinnern. Das ist blöd und umständlich aber man kann hier endweder hoffen das die Eltern das tun und Verständnis zeigen (seitdem meine Mutter weiß das ich da probleme wegen dem AS hab ist sie weitaus weniger aggressiv und sauer wenn ich was vergesse) oder man muss sich externe Hilfe suchen, wie Ambulant betreutes Wohnen, einen Pflegegrad beantragen und von dem Geld könnte man einen Alltagshelfer bezahlen, oder man versucht es mit Therapieformen aber die meisten Therapien helfen Autisten eher die Symptome zu kaschieren und sind keine richtige Hilfe. Man lernt da nur "normaler zu wirken".
      Und man kann auch in eine Wohngruppe ziehen wo ständig Leute da sind die einem helfen. Das hatte mir immer am meisten geholfen, aber ich sehe es für mich momentan als letzte Lösung weil ich ungern nicht mehr bei meiner Mutter leben will.
    • von mir auch ein Hallo....

      ich erlebe bei meinem Aspie Kind und meinem Mann ( verdachtsasperger), das sie auch oft vergessen. Es betrifft tatsächlich auch in erster Linie das Kurzzeitgedächtnis. Ich erlebe es bei beiden so, das die Dringlichkeit einer Sache anders gesetzt wird als z. B. bei mir als NT. Die Prioritäten liegen bei den beiden einfach ganz anders, es ist etwas wichtig um das es eigentlich gar nicht geht und über den Handel vergessen sie das was eigentlich wichtig war. Also gar nicht als richtiges Vergessen, sondern einfach durch die andere Gewichtung, anders Wahrgenommenes hintendran gestellt oder als nicht wichtig abgehackt.
      Dann beobachte ich bei beiden oft, wenn sie irgendwie gestresst sind, vielleicht weil die INfo die gemerkt werden soll sehr schnell kommt oder es laut ist oder einfach ein schlechter Tag ist, das es gar nicht erst so ganz im Gedächtnis vor dringt. Erst wenn dann irgendwas schief gelaufen ist, und man sie darauf hinweist oder die Situation in der die INfo ausgesprochen wurde rekonstruiert, kommt ein blasser Schimmer, achja da war doch was. Aber wie gesagt, man merkt wenn man sie kennt, dass sie gar nicht richtig aufnahmefähig sind.

      Wenn ich aber so in die Vergangenheit schaue, hat das alles, früher, auf mich auch immer wie normales Vergessen ausgesehen. Heute weiß ich das viele Faktoren zusammen kommen können, die das ganze dann so erscheinen lassen. Neben natürlich auch einfach mal dem normalen vergessen, das jedem mal passiert. Besonders wenn man sehr angespannt oder gestresst ist.
    • Hallo,

      das trifft bei mir auch voll zu.

      Ich vergesse gesehen viele Filme.

      Am erschreckensten finde ich, dass ich die genaue Abfolge der Entwicklung meines Sohnes vergesse, aber unter dem Aspekt der Dauerüberlastung und als Schutz des Gehirns evtl auch nachvollziehbar.
      Ich schreibe mir nun vieles auf, um es später nachzulesen.

      Ich war sogar schon bei einer Alsheimertestung, aber da kam nix in der Richtung raus.

      Ich versuche es mit Listen, bin aber auch da gescheitert. Momentan erinnert mich mein Partner und schreibt mir wichtige Dinge per Whatsapp und fragt nach ob es erledigt wurde.

      Lg
    • Hallo,
      Vergesslichkeit kann natürlich viele Gründe haben. Wärend meiner Testung wurde festgestellt, dass ich ein sehr schwaches Kurzzeitgedächtnis habe. Das wirkt sich entsprechend auf viele Tätigkeiten aus, für welche man dieses dringend benötigt. Ich merke mir vieles, was um mich geschiet ohne Details und schaffe es oft nicht, mir nach einem Telefonat die verabredeten Daten zu notieren, weil sie einfach weg sind. Meine Frau muss bei Terminabsprachen sicherstellen, dass ich voll auf sie fokussiert bin, dann gibt sie mir langsam die zu merkenden Infos und schreibt es dennoch für mich auf.
      Auf der anderen Seite bin ich ein wandelndes Filmlexikon und merke mir sehr viele historische Daten und Namen. :)
      Niemand hat die Absicht eine Gurke anzubauen.
    • Zombie Boy wrote:

      Auf der anderen Seite bin ich ein wandelndes Filmlexikon und merke mir sehr viele historische Daten und Namen. :)

      Das ist strange nicht wahr?
      Ich hätte gerne mal Zugriff auf den Algorithmus nach dem mein Hirn entscheidet was merkwürdig ist und was nicht.
      Gar nicht um ihn zu verändern, nur um es mal nachvollziehen zu können.