Was haltet ihr von der Festhaltetherapie bei Autismus bei Erwachsenen?

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    • Was haltet ihr von der Festhaltetherapie bei Autismus bei Erwachsenen?

      Quelle
      de.m.wikipedia.org/wiki/Festhaltetherapie

      Zitat.

      Zielgruppe

      Die Therapie wurde für Menschen mit geistiger Behinderung, Autismus, Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Störungen entwickelt, bei denen angenommen wird, dass die Bearbeitung einer Bindungsstörung therapeutisch hilfreich ist.
      William Sears, der Begründer des Attachment Parenting, empfiehlt die Methode auch, um mit kindlichen Wutanfällen umzugehen.[2]
      Zitat ende.

      Weiteres Zitat.

      Die von Martha Welch entwickelte Festhaltetherapie, die von Jirina Prekop ins Deutsche übertragen wurde, ist eine nicht anerkannte Form der Psychotherapie, bei der durch intensives "aggressionsfreies" Festhalten Bindungsstörungen aufgelöst werden sollen. Die Therapie wurde ursprünglich mit Unterstützung des Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Nikolaas Tinbergen für Kinder mit Bindungsstörungen entwickelt und wird heute von Prekop auch im Rahmen der Familientherapie bei Erwachsenen angewendet.
      Nach Ansicht einiger Psychologen und Psychotherapeuten beinhaltet die Therapie Gewalt gegenüber den behandelten Kindern und kann traumatisierend wirken. Die Anwendung der Therapie erfüllt unter Umständen Straftatbestände (Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Nötigung).[1]

      Zitat ende.

      Herzlichen Dank.
      L.G. Daniel :thumbup: :thumbup:
    • Ich habe mich damit mal sehr intensiv beschäftigt. Es ist für Kinder und Erwachsene, die keine generellen Berührungsprobleme haben und sich in einer für sie unertraglichen Krisensituation befinden, die Rettung. Aber nur, wenn es von einer Vertrauensperson durchgeführt wird, die mental und körperlich stärker ist und das mit Liebe (freundschaftliche Liebe, allgemeine Liebe zu Mitmenschen etc) macht. Es darf keine Wut etc dabei sein. Nur Liebe und Geduld.

      Ich habe das bisher bei drei Kindern angewendet. Wahnsinn, wie es ihnen geholfen hat!!! Sie wichen danach kaum noch von meiner Seite und grüßen mich heute noch freudig, wenn wir uns begegnen.
      Corona ist dem Ring ähnlich.
      Der Ring in "Der Herr der Ringe" zeigt die Intensität der dunklen Seite der Wesen. Corona auch...
    • Speziell bei Autisten mE abwegig - das Problem ist ja für viele gerade solche Nähe. Das mag - wie von @Chch beschrieben - bei anderen Problemen ganz anders sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei Autisten funktioniert
    • Auch für mich klingt das einfach nur übergriffig. Eine feste Umarmung in einer Krisensituation kann sicher hilfreich sein, sofern man mit dem betreffenden vertraut und in dem Moment dafür offen ist. Aber doch kein Festhalten, wenn man sich daraus lösen will. Das ist doch bedrohlich und verschlimmert die Lage.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich denke auch, dass das für die meisten Autisten einfach nur übergriffig ist. Allerdings hat es meinem Sohn schon immer die Stimmung gerettet. Der mag das also, zumindest von mir und meinem Mann. Ich glaube nicht, dass er es von anderen als helfend empfinden könnte.
      Corona ist dem Ring ähnlich.
      Der Ring in "Der Herr der Ringe" zeigt die Intensität der dunklen Seite der Wesen. Corona auch...
    • Die Festhaltemethode ist unvernünftig und undifferenziert schon von etlichen Möchtegernpsychotherapeuten angewandt worden.

      ErzieherInnen einer bekannten sozialen Einrichtung meiner Heimatstadt mussten sich deswegen schon gerichtlich verantworten.

      Einen guten, festen Halt in Not bei einem lieben Menschen zu finden ist dagegen etwas ganz anderes.

      @'Chch' kennt diesen Unterschied; andere verstehen wahrscheinlich nur "Bahnhof". Solche Leut' wissen vermutlich auch nicht, was nach dem Festhalten zu erfolgen hat.....
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Ich mag Berührungen, ich mag Umarmungen. Aber nur solange meine Grenzen gewahrt bleiben. Eine Halte Therapie bei der irgendwer mich festhält, oder die gegen meinen Willen geschieht, fände ich absolut grausam.
      Handle ehrlich, handle weise, sei freundlich, baue Brücken keine Mauern, aktzeptiere Fremdes, freue dich über Unterschiede.
    • Capricorn wrote:

      Einen guten, festen Halt in Not bei einem lieben Menschen zu finden ist dagegen etwas ganz anderes.
      So sehe ich das auch. Festhaltetherapie ist auch kein Festhalten in einer Kriesensituation, sondern einfach so um jemanden der Probleme mit Nähe hat, oder sie zu haben scheint in einer nicht Akutsituation (mit Gewalt) dazu zu bringen diese künftig zu akzeptieren. Das ist wichtig zu unterscheiden.
    • Ich habe und hatte als Kind ein ausgeprägtes Berührungsproblem.

      Als Kind hätte ich wahrscheinlich wütend um mich geschlagen, wenn jemand versucht hätte, mich durch Festhalten zu beruhigen.

      Als ich 5 Jahre alt war, hat mein Schwimmlehrer versucht, mich während eines Meltdonws tröstend in den Arm zu nehmen. Er hat es ganz bestimmt nur gut mit mir gemeint. Ich fand das jedoch extrem übergriffig und habe sehr wütend auf ihn eingeboxt, bis er mich losließ - und alleine!!! ließ. Erst dann gelang es mir, mich zu beruhigen.

      Auch heute noch zucke ich zusammen und muss mich arg beherrschen, dass mir nicht die Hand ausrutscht, wenn jemand versucht, beruhigend auf mich einzuwirken, in dem er mich berührt.
    • Was ich von dieser "Therapie" halte? Na ist doch klar: Absolut gar nichts. In meinen Augen ist das zumindest in meinem Fall min. ähnlich zu einer Folter. Immerhin bin ich derartig berührungsempfindlich, dass als Kind selbst der Kontakt mit meiner eigenen Haut sehr unangenehm und nahezu unerträglich war. Der Kontakt mit anderen (egal ob mit vertrauten oder fremden Menschen) erzeugte (und das bis heute) physische Schmerzen.
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.

      Pass ma op mien Djung, we sün de Boag. We weert all din Karakteristiggen bi uns totrekken. Weerstand is twechlot!
    • Ich habe irgendwo mal gelesen oder von einem Therapeuten gesagt bekommen (das ist schon mehrere Jahre her darum weiß ich es nicht mehr) das das eine veraltete Therapie ist und man zumindest bei Autisten nicht mehr glaubt das das helfen kann, auch weil man früher überlegt hat das Autismus von zu wenig Fürsorge und Wärme der Mutter entstehen könnte, aber die sogenannte Kühlschrankmutter verursacht keinen Autismus, das weiß man heute inzwischen aus professioneller Sicht.

      Ich habe aber schonmal dennoch diese Therapie als Anwendung gesehen, und zwar ende der 90er als ich mit meinem Vater zu seiner neuen Frau zog. Dort gab es ein Pflegekind was von den eigenen Eltern vernachlässigt wurde und deswegen bei uns im Haus wohnte.
      Es war entwicklungsverzögert (ich gebe nur das wieder was die Frau mir erzählte) und es konnte nur bruchteilhaft sprechen (das Kind war 2-1/2 Jahre alt, fast 3) und mein vater war damals noch recht stolz als er meinte er habe das Kind mit dieser Festhaltetechnik gebendigt, weil es anfangs sich nicht von ihm anfassen ließ, und es nach einer Weile von diesem Festhalten sich nicht mehr wehrte und es dann zuließ.
      Es gab aber generell einige fragwürdige Momente die ich da erlebt habe, das was meiner Meinung nach generell die Entwicklung des Kindes verzögert hat waren diese beinahe täglichen Schläge die das Kind entweder ins gesicht oder auf den Hintern bekommen hat wenn es sich nicht so verhielt wie erwünscht.
      Das passierte generell beim Essen weil das Kind nicht immer alles aufessen wollte, schneller aufstehen wollte oder nicht ruhig am Tisch sitzen wollte.
      Meist gab es auch Schläge wenn es wegen den ständigen Nörgeln, Ermahnen oder auch Schimpfen heulte, wo ich nach einer Weile dachte das das Kind schon heult weil es wusste was als nächstes passieren wird. Meist wurde es dann noch in sein Zimmer geschleift weil es nicht freiwillig dort hingehen wollte.
      Schlafengehen und so war auch so ein Thema wo sowas schnell passierte. genauso beim Anziehen oder bei dem Versuch das Kind von Windeln und Schnuller abzugewöhnen.
      Darum passierten solche Eskalationen fast täglich. Ich fand das fast unerträglich. Die wollten oft das ich auch mich so zeige um auf das Kind aufzupassen aber ich wollte das nicht, ich wurde ja selber genauso behandelt und habe gemerkt das das nicht richtig ist.
      Die meinten es geht nicht anders. Ich kann nicht sagen das es immer gut geht wenn man nicht handgreiflich wird, aber jedenfalls einmal hat es bei mir auch anders funktioniert als ich ihm erklärte das man sich verletzten kann wenn man mit für ihn ungeeignete Sachen spielt und hab ihn dann abgelenkt mit was anderes spielen.
      Ich habe das sogar der Frau erzählt aber es hat sie unbeeindruckt gelassen.
      Für sie war ich jedenfalls immer eine Person die nicht in der Lage ist auf Kinder aufzupassen, was sie garnicht verstand weil sie meinte jemand in meinem Alter müsse sowas können.
      Ich war damals 12-13.
      Mein gleichaltriger Stiefbruder konnte es ja schließlich auch. Dazu muss man aber beachten das er es genau wie diese Frau machte mit genau der gleichen Härte.
      Was ich komplett bescheuert und unglaubwürdig finde ist das sie immer sagten "Wir lieben dich doch" und im selben Moment schlugen sie einem ins Gesicht oder sonst wo hin.

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