Verdächtige eine ehemalige Mitschülerin, Autistin zu sein

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    • Verdächtige eine ehemalige Mitschülerin, Autistin zu sein

      Bei einem Mädchen, das ich seit meiner Hauptschulzeit kenne, vermute ich eine ASS. Sie hat das Abitur und studiert seit 2010 Mathematik und Chemie auf Lehramt.
      Außerdem ist sie Muslimin und weitestgehend im türkischen Kulturkreis großgeworden, weshalb ich zurückhaltend bin, da meine Intuition - und die mag durchaus völlig an der Realität "vorbeigehen" - mir suggeriert, dass muslimisch geprägte Familien gegenüber "westlichen" Diagnosen wie ASS weniger aufgeschlossen sind.
      In Anbetracht ihrer (hoch)schulischen Bildung sollte sie aber durchaus für Nichttraditionelles offen sein.
      Jedenfalls - sie studiert im 20. Semester im Bachelor, ist sicherlich normal intelligent und auch sehr diszipliniert und strukturiert, kommt im Studium aber einfach nicht voran, hat außerdem merklich soziale Probleme und schon immer eine auffällige Affinität zu (selbst den ärgsten) Außenseitern und insbesondere Autisten (zwei auffällige Asperger in meiner ersten Oberstufe) gehabt.
      Sie katastrophisiert auch ganz gerne, z.B. hat sie hochgradig aggressiv reagiert, als ich sie einmal auf ihre Krankenversicherungs ansprach, da sie das 30. Lebensjahr vollendet hatte und in die teure freiwillige Krankenversicherung zu rutschen drohte - weil sie dachte, ich wollte nur ihr langes Studium kritisieren. Dass ich sie nicht einfach mal vorsichtig auf meine Vermutung, dass sie Autistin sein könnte, anspreche, liegt also durchaus auch in Selbstschutz begründet. Ich rechne fest damit, dass sie gleich überreagiert. :d

      Es ist andererseits aber auch sehr unangenehm, jemandem dabei zuzugucken, wie er seit acht Jahren den Drittversuch einer Klausur immer und immer wieder schiebt, ohne dass er sich auch nur mal mit den zugrundeliegenden Problemen beschäftigt (Psyche etc.). Ich schreibe allenfalls ein oder zwei Mal im Jahr mit ihr über Facebook, aber es ist mir jedes Mal unangenehm, das zu sehen. Würde gerne helfen, bin mir aber nicht sicher, ob ich kann.

      Sie ist einzelgängerisch, hat eine schwach ausgeprägte Mimik, weist ausgeprägte soziale Schwierigkeiten auf, tut sich mit angemessener Kommunikation schwer, ist sehr sachlich und naturwissenschaftlich ausgerichtet, außerdem nicht unerheblich stur (10. Klasse wiederholt, 11. Klasse wiederholt, 13. Klasse wiederholt, Abi mit 3,7 geschafft).

      Was denkt ihr? Sollte ich sie auf meine Vermutung ansprechen?
    • Glückwunsch zu Deinem 333ten Beitrag.

      Ich denke, dass man da aufpassen muss, selber nicht zu autistisch zu sein.

      ASS ist eine schwerwiegende Diagnose, und so ist auch die Mitteilung eines solchen Verdachts etwas, was in einem eher distanzierten Kontakt (1-2x im Jahr über Facebook) als unverschämt und übergriffig empfunden werden kann.

      Vielleicht kannst Du - statt den Verdacht offen auszusprechen - das Thema allgemein auf ASS lenken? Z.B. davon erzählen, dass Du vermutest, selbst ASS zu sein. Dann gäbe es für sie die Möglichkeit mehr darüber zu erfahren und mit Ablehnung oder Interesse zu reagieren.

      Nur ein Gedanke, keine Empfehlung.
    • Ich würde es lassen, sie direkt aut Autismus anzusprechen. Du könntest von dir erzählen, vielleicht erkennt sie dann Eigenschaften und Probleme die bei ihr auch so sind.

      Aber selbst da wäre ich vorsichtig. Du weißt nicht ob sie schon eine Diagnose (oder mehrere) zu ihren Problemen hat. Falls nicht, könntest du sie mit deinem Verdacht vielleicht "auf den fslschen Weg" (RW) bringen, falls die Ursachr etwas ganz anderes wäre.

      Sprich sie doch darauf an, was dir aufgefallen ist (ohne Autismus Bezug) und frage, ob sie weiß woher die Probleme kommen könnten.
      Toleranz ist, wenn Toleranz kein Thema sein muss.
    • Einerseits kann ich mich den Vorschreibern anschließen, das sowas ansprechen "nicht ohne ist" und Du selbst schreibst ja auch das du "Befürchtungen" hast wie die Reaktion ausfallen würde....

      Wie würde es denn Dir gehen wenn der "Fall" umgekehrt wäre? Würdest Du von Ihr so eine "Hinweis" haben wollen, von jemanden den man wohl schon lange kennt und dennoch keinen so guten Kontakt hat?

      Lissy wrote:

      Es ist andererseits aber auch sehr unangenehm, jemandem dabei zuzugucken, wie er seit acht Jahren den Drittversuch einer Klausur immer und immer wieder schiebt, ohne dass er sich auch nur mal mit den zugrundeliegenden Problemen beschäftigt

      Lissy wrote:

      Sie katastrophisiert auch ganz gerne, z.B. hat sie hochgradig aggressiv reagiert, als ich sie einmal auf ihre Krankenversicherungs ansprach, da sie das 30. Lebensjahr vollendet hatte und in die teure freiwillige Krankenversicherung zu rutschen drohte - weil sie dachte, ich wollte nur ihr langes Studium kritisieren.
      Ahh ja.... Bei mir gibt es parallelen, weil ich in Entwicklungen/verschiedenen "Schritten" machmal extrem langsam bin und es in meiner "Umgebung" dann zu ähnlichen Reaktionen kommen kann... Mir ist meine Langsamkeit manchmal selber unangenehm, manchmal peinlich und dann kann es vor kommen das ich mich angegriffen (nicht verstanden unter Druck gesetzt etc.) fühle, wenn Menschen darauf eingehen. Mir hilft es dann mitzubekommen, dass es ok ist so zu sein wie ich bin und dass das Ansprechen eigentlich eher eine wohlwollende Verständnis Frage oder Hinweis ist...

      Wie hier im Forum auch schon mal geschrieben wurde, im Grundgenommen darf man seine Meinung, Vermutung etc mitteilen, doch man muss auch mit dem Echo umgehen können (wie auch immer es ausfällt)
    • Deine Idee, deiner Bekannten helfen zu wollen, finde ich sehr freundlich.
      Meiner Erfahrung nach geht mit einer starken Sturheit oft auch ein ausgeprägtes Autarkiebedürfnis einher, weshalb es ihr evtl. schwerfallen könnte, dein Hilfsangebot in Verbindung mit einer Interpretation ihrer Befindlichkeit/Symptomatik anzunehmen.

      Das einfache Angebot, ihr bei Gelegenheit mal zu helfen, z. Bspl. in der Bücherei oder bei der Organisation von Kursen etc. als Argument für die Knüpfung und den Aufbau eines "kleinen studentischen Netzwerkes" unter euch beiden kann vielleicht zu einer Öffnung ihrerseits führen, wenn sich mit der Zeit und Konstanz ein Vertrauen entwickelt hat.
    • Ich finde es übergriffig, jemanden, mit dem man 1 oder 2 mal im Jahr auf FB schreibt, so einen Diagnoseverdacht mitzuteilen. Selbst wenn du sie aus der Schulzeit kennst, sind seit dem einige Jahre vergangen und du weißt im Grunde nichts über sie.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~