Einzelteile einer Situation nicht zu einem Ganzen zusammen fügen können

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    • Einzelteile einer Situation nicht zu einem Ganzen zusammen fügen können

      Gestern in der Therapiesitzung ist mir etwas passiert, was mich beunruhigt. Sowas passiert mir zwar regelmäßig, aber gestern hat es mich wirklich erschreckt. Ich wüsste gern, ob das andere hier auch von sich kennen. Oder ob jemand (der sich mit ADS auskennt) denkt, dass das mit ADS zusammenhängen könnte.

      Ich hatte den Therapeuten gebeten, das Fenster zu schließen, weil der Straßenverkehrslärm reinkam und ich den Therapeuten kaum verstehen konnte (ich konnte seine Stimme nicht gut von dem Lärm trennen). Ich zeigte sogar mit dem Arm in Richtung der Fenster. Er schloss das Fenster und es herrschte Ruhe. Ca. 20 Minuten später wollte ich etwas erklären, aus welcher Richtung ich heute zur Praxis gekommen war. Ich versuchte, mich zu orientieren, wo die entsprechende Straße läge. Ich schaute zu den Fenstern und es sah aus, als wäre da der Innenhof. Ich sagte: "Da ist der Hof, dann muss da die Straße sein." Er hat mich wohl nicht richtig verstanden, denn er sagte, ja, da ist die xy-Straße. Später sah ich wieder zum Fenster raus und sah eine hohe Straßenlaterne, auch erkannte ich, dass das Haus, das ich sah, nicht ein Haus des Komplexes war (z.B. das Hinterhaus oder ein Seitenflügel), sondern dass es ein einzeln stehendes Wohnhaus war. Ich sagte, das ist ja gar nicht der Hof! Das ist die Straße! Er hatte vorher wohl irgendwas falsch verstanden und gedacht, ich meinte anfangs eine andere Straße, jedenfalls kann er nicht gehört haben, dass ich gesagt hatte, da ist der Hof.

      Später ging mir dann auf: ich hatte um Schließung des Fensters gebeten, weil der Straßenverkehr so laut war und dabei auch in Richtung der Fenster und der besagten Straße gedeutet. Dann war es ruhig im Raum und etwas später dachte ich, dass an derselben Stelle, also hinter diesen Fenstern, der Innenhof ist! Wie ist das möglich? Vorher wusste ich doch, dass da die Straße ist, wegen des Lärms. Es ist, als hätte ich nur isoliert den Lärm wahrgenommen, diesen aber nicht in einen Zusammenhang gesetzt (Straßenverkehrslärm > große Straße). Als es ruhig war, wusste ich nicht, dass dort die Straße ist.

      Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Ich finde das wie gesagt beunruhigend. Denkt ihr, dass das mit ADS zu tun hat? Kennt sowas jemand von sich?

      The post was edited 2 times, last by Lefty ().

    • öh, ich hab nix mit ADS zu tun, aber das kenn ich auch. Ich schreibe das meiner Konzentration auf die soziale Situation zu. Ich glaube, dass ich das andere (in Deinem Beispiel die Straßenseite) einfachnnicht abspeichere, zur Entlastung.
      mitten im Burnout - aber alles wird gut :nerved:
    • @ Lefty, was du beschreibst ist für mich leider eine übliche Situation. Speziell bei Ärzten und ungewohnten Personen scheint der viele Input mein Hirn zu überlasten. Das Ergebnis ist dann ein blockiertes Denken und Probleme beim Erinnern.
      Alles scheint dann irgendwie fragmentiert zu werden, ich kann dies dann erst im Nachhinein wieder zusammensetzen, wenn ich schon lange wieder aus der Situation heraus bin und genug Energie dafür habe.

      Ein Psychiater hat mir einmal vorgeschlagen meine Brille abzusetzen. In dem Moment kam mir das absurd vor. Inzwischen bin ich ihm dankbar dafür.
      Die Natur hat mit meiner starken Kurzsichtigkeit wohl etwas richtig gemacht. Ich kann dann sozialverträglich in Richtung des schemenhaften Gesichtes blicken, erhalte von dort aber keine Informationen, welche mich überlasten. Wenn ich die Brille dann nur zum Lesen aufsetze fällt das wohl nicht auf, das machen schließlich auch viele Weitsichtige mit Lesebrille.
      Dass ich in diesem Moment fast blind bin und ich mich damit visuell abschotte weiß zum Glück niemand, daher muss ich mich auch nicht erklären.
    • @Lefty Mir passiert sowas auch oft, eigentlich immer dann, wenn es zu viel Input über unterschiedliche Kanäle gibt. Gerade, wenn ich mit der Aufmerksamkeit springen muss, speichere ich dann auch Dinge nicht ab bzw. verarbeite sie in dem Moment nicht weiter. Dafür kann Stunden oder Tage später so ein Detail wie der von dir beschriebene Straßenlärm und das daraus bezogene Wissen um die Richtung wieder unvermittelt in meinem Hirn auftauchen, und ich komme dann zu der etwas peinlichen Erkenntnis, dass ich wieder einmal völlig verpeilt war in der Situation. Mich begleitet das Phänomen schon mein Leben lang, es lässt mich manchmal wohl echt trottelig wirken... Bin froh, dass ich es inzwischen einfach erklären kann und nicht mehr ewig drüber grübeln muss.
    • Ich las, dass es heißt, dass bei Autisten die holistische Wahrnehmung beeinträchtigt sei, womit, insoweit ich das richtig verstanden habe, gemeint ist, dass viele Autisten aus einer Summe von Details schwierig ein Übersichtsbild / die Summierung aller Details zu einem Gesamtbild erstellen können. Weil diese mehr ein Blick für Details haben und sich langsamer von diesen lösen können, wenn sie dann "drin sind".

      Bei der Sache mit dem Therpeuten kann ja vielleicht auch der Lärm dafür gesorgt haben, dass du deine vorherigen Eindrücke nicht vollständig sortieren konntest, dann hattest du vielleicht noch Nervosität vor dem Therapeuten und vielleicht noch den ein oder anderen Gedanken. Ist bei mir zumindest so, dass wenn ich in Ruhe einen Weg gehen und den dabei verinnerlichen kann, den direkt eingebrannt habe, und wenn ich mich im Stress bei Aufnahme eines Reizes befinde, den entweder gar nicht erst aufnehmen kann oder er sich im Chaos mit anderen Reizen verheddert.

      Die ersten Male vor meinem Autismus-Verdacht fiel es mir auf in der Firma bei der Analyse des Verhaltens unserer Kunden, zu der ich diverse Recherchen, Vergleiche und Tabellen angelegt hatte. Und als ich damit fertig war, saß ich da dann erst Mal und dachte "hmmm". Mir wurde richtig klar, dass ich jetzt Schwierigkeiten damit habe, das zusammenzutragen, um dazu ein Fazit zu schreiben. Ist mir dann zwar doch gelungen. Aber als mich eine Kollegin ein halbes Jahr später fragen sollte, wie ich das gemacht hatte, weil sie da mit arbeiten sollte, konnte ich ihr das nicht mehr sagen, was mir peinlich war, weil das so aussah, als wollte ich ihr das nicht sagen.
      Und wenn ich Excel-Tabellen oder sonstige Analysen erstelle in der Firma oder für meine privaten Produktkäufe stehe ich jedes Mal nach der Übersichtserstellung erst Mal kurz ausgebremst dar und muss dann alle Details immer und immer wieder überfliegen, bis ich sie quasi zusammengeschaukelt hab.

      Seit 2 Jahren ist es mit dem Schreiben bei mir ganz schlimm geworden. Ich schrieb zwar früher schon komplex, aber in meiner 2. Schwangerschaft wurde das plötzlich ganz extrem und hat sich seither nur durch Training gebessert, sonst würde ich noch mehr schreiben. Oft muss ich einen Beitragspost auf morgen verschieben, weil ich vor lauter Buchstaben bald fast nichts mehr aufnehmen kann - den Faden verloren habe, dass es mir schwer-fällt von gewissen Nebendetails abzulassen. Besonders gegen Abend, wenn ich emotionaler bin. Am nächsten Tag oder nach einer Pause von einem Beitrag am Tag, kann ich Sachen dann teilweise leicht wieder kürzen. Und ich werde auch je langsamer im Schreiben, je mehr ich mich dem Fazit nähere.

      Bei meinen inneren Gedanken ist es so, dass mein aktives Denken sehr viel von Trance-artigen Verarbeitungs- oder Planungsdenken bisher unverarbeiteter, aufgestauter oder neu parallel tangierenden Reizen überfahren wird. So auch in meinen Nachtschlaf-Träumen. Oft merke ich das, aber es ist nicht immer leicht, die Konzentration beizubehalten und manchmal mir nicht möglich.
      Ich denke mit all diesen Sachen sind auch die Ereignisse verknüpft, wo ich z. B. Vorträge oder Lesungen halten kann, ohne den Inhalt mit aufzufassen, weil mich das Vortragen und die Aufmerksamkeit schon übbereizt usw.


      Diese ganze Autismus-Sinnes-Kanal-Sache. Wollte ich auch noch mal näher Recherchieren. Ich denke, der Verarbeitungsstau ist bei uns vor allem wegen der mangelnden Zeit gegeben. Mancher Nicht-Autist sieht einen Hund und denkt "Hund". Fertig. Mancher Autist sieht die Form des Fells oder die Art der Rasse und denkt über die Evolution des Hundes nach. Währenddessen ist es schon wieder die Arbeitspause rum. Mancher Autist geht nun mit abgebrochenen Gedanken zurück an die Arbeit. Mich holen die dann immer wieder ein und ich muss dagegen kämpfen. Menschen mit vorwiegend ADHS haben es da vermutlich noch mal schwieriger, weswegen sie wahrscheinlich dann auch ein schlechteres Gedächtnis haben, da sie weniger einbrennen können oder dadurch, dass sie weniger einbrennen können, ihr Gedächtnis schlechter wirkt. Deswegen suchen manche dann vielleicht verstärkt Reize, und Mischtypen im Wechsel Reize und Rückzug.
      Weil die Auffassungsgabe auch hoch aktiv ist und sich im Gedächtnis nichts oder wenig drin verankern kann und damit mancher irgendwo unterfordert sein kann. Und dann wieder schnell überfordert, wenn dann wieder zu viele Details gleichzeitig oder durcheiander kommen. Und dadurch kann sich bei denen dann vermutlich mehr ein Chaos aufschaukeln, was von dem her wiederum vielleicht begründen könnte, waurm sich einige ADHSler in Süchten versuchen zu ankern. Und Menschen, die eher autistisch sind, sich noch in Strukturen festnageln können. Vielleicht werden manche ADHSler irgendwann ein wenig taub / abgespalten und suchen dann abwechslend Exzess und Rückzug. Sie erleben viel, weswegen sie einen höheren EQ haben könnten. Wobei sie den auch nicht unbedingt näher verarbeiten können. Während ein HFA vielleicht mehr beobachten und verankern könnte von dem, was er, wenn auch mehr "hinter dem Berg" aufnimmt.
      Manchmal frage ich mich, ob AD(H)S nicht vielleicht irgendwo zwischen
      Display Spoiler
      AS und Neuro-typischer liegt, aber dabei am nächsten positioniert in den Winkel zu dem extravertierterem Borderline-Bild. Autismus wenn dann mehr in das stillere Borderline. Und HFA am stabilsten in sich sind so lange sie sich in ihren Routinen bewegen können ohne Druck stehen, und somit nur Meltdown-Weise in Borderline-Sphären bewegen, während AS halb, halb divers, ADHSler chaotisch stark ambivalent. Dafür können HFAs vielleicht flüssiger in Schizophrenie übergehen, wie ADHSler vielleicht in Borderline. Hingegen springen ADHSler eher mal kurzfristig in Psychosen und HFAs kurzfrstig in Borderline bei Meltdowns. Können dann aber auch da irgendwann (mit) stranden. Borderline bewegt sich m. E. entweder in Narzissmus oder in Autismus und ADHS. Und Narzissmus steht in einer Sackgasse. Wobei man Narzissmus m. E. am tieftraumatisierten und am unberührten ausmachen kann. Erstere sind auch viel Borderline. Letztere tendieren mehr zu Neurotypie, wobei den Narzissten aber vor allem der Blick über den Gartenzaun fehlt. Während die anderen Narzissten den Blick zum Gartenzaun nicht mehr finden können oder sich abspalten. Und der ggf. Durchschnitts-Neurotyp flukturiert auch viel, aber flach und ziemlich homogen. Darin aber stetig flach ambivalent. Keinen festen näheren Charakter quasi, so lange dieser im Rahmen bleibt. Und wenn er sich aus dem Rahmen bewegt, kann man schwer sagen, wohin das ausartet anfangs. dafür ggf. noch leichter reperable anfangs. Das sind alles erst Mal so von mir dahingeworfene Gedanken. Die mir aber schon seit längerem so immer mal wieder in den Sinn kommen. Ich muss mich erst noch mal mit den Gehinrstrukturen auseinandersetzen, wobei das ja nicht komplett erforscht ist, was mit was arbeitet. Aber ein paar Studien und Forengedanken. Vielleicht mal ich mal ne Mindmap-Idee. Im übernächsten Leben oder so.^^


      Vielleicht verläuft für manchen Autist die Aufnahme eines klaren Details so entspannt, wie für manchen Nicht-Autisten ein Blick über eine Kirmes oder so. Getreu dem Spruch "Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen." Welches im Umkehrschluss lauten könnte "Vor lauter Wald die Bäume nicht sehen." Ist nur nicht das beste Beispiel. Mir fällt gerade kein allgemeines ein. Vielleicht aber haben deshalb manche Autisten hohe Wünsche an Freundschaften und konzentrieren sich Kapazitätenmäßig eher auf wenigere. Da sie mehr im Detail einer Person auffassen und abspeichern, je länger sie sie kennen und dabei entspannt werden konnten. Und manche Nicht-Autisten baden gern in Menschenmengen, wo sie viel miteinander reden und viel vergessen oder jeweils wenige Sachen von jeder Person sich merken.
    • Danke für eure Antworten.

      Hutmacher wrote:

      Alles scheint dann irgendwie fragmentiert zu werden, ich kann dies dann erst im Nachhinein wieder zusammensetzen, wenn ich schon lange wieder aus der Situation heraus bin und genug Energie dafür habe.
      So kenne ich es auch.

      Grubber wrote:

      Dafür kann Stunden oder Tage später so ein Detail wie der von dir beschriebene Straßenlärm und das daraus bezogene Wissen um die Richtung wieder unvermittelt in meinem Hirn auftauchen, und ich komme dann zu der etwas peinlichen Erkenntnis, dass ich wieder einmal völlig verpeilt war in der Situation.
      Das auch. Ich habe auch den Zwang, wenn es um etwas geht, wo ich mich mit jemandem unterhalten habe, dass ich dann Tage später dem anderen noch meine gedankliche Korrektur mitteilen muss (also ich erzähle dann nach, was ich damals sagte, berichte dann, wie mir später einfiel, dass dies oder das an dem Gedachten und Gesagten falsch war. Der andere weiß in der Regel gar nichts mehr davon oder ihm ist der Fehler nicht aufgefallen, trotzdem hab ich jedes Mal den Drang, meinen Fehler zu korrigieren bzw. den anderen über meine gedankliche Korrektur zu informieren.)

      Four wrote:

      Die ersten Male vor meinem Autismus-Verdacht fiel es mir auf in der Firma bei der Analyse des Verhaltens unserer Kunden, zu der ich diverse Recherchen, Vergleiche und Tabellen angelegt hatte. Und als ich damit fertig war, saß ich da dann erst Mal und dachte "hmmm". Mir wurde richtig klar, dass ich jetzt Schwierigkeiten damit habe, das zusammenzutragen, um dazu ein Fazit zu schreiben.
      Auch das kenne ich. Ich kann mich sehr gut in die Details vertiefen, kann Details zu verschiedenen Aspekten zusammentragen, aber das alles am Ende miteinander zu verbinden, fällt mir enorm schwer. Das ist mir auch vor allem bei der Arbeit aufgefallen, als ich mal über ein bestimmtes Thema eine Übersicht erstellen sollte. Ich hab mir "einen abgebrochen" bei dem Versuch, einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Punkten herzustellen. Das funktioniert dann nur rein lineal, also 1. x > 2. y > usw.

      @Four Die Überlegungen in deinem letzten Absatz finde ich interessant.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • Lefty wrote:

      Das funktioniert dann nur rein lineal, also 1. x > 2. y > usw.
      Ja.

      Zu dem was hier jemand schon schrieb zu fragmentiert, fällt mir gerade noch folgendes ein (Vielleicht war das auch so gemeint): Wenn mancher mir etwas erklären möchte, unterbreche ich die Person öfters, um einzelne Aspekte näher zu beleuchten, die die Person aber nur als grobes Beispiel überfliegen wollte, um damit und mit weiteren angehauchten Aspekten zu einer Gesamterklärung zu kommen. Mir fällt einerseits viel zu den einzelnen Aspekten ein, oft auch ein Einwand oder eine Zweifelsfrage, und wenn ich nicht direkt anhalte da, verliere ich noch schneller den Faden. Und dann bitten mich oft Personen zu warten, weil sie noch nicht am Ende mit ihrer Erklärung sind. Aber oft nicht direkt mit "Bitte, warte", sondern mit Handzeichen und Mimik und reden dann weiter. Dann muss ich erstmal deuten, was sie mir gerade versucht haben zu sagen. Manchmal blicke ich das nicht direkt und bin dann auch völlig überladen mit Detailgedanken. Oft muss ich dann nachfragen mit "Meinten Sie das so und so?" Und manchmal raffe ich das dann direkt oder glaube das und merke dann hinterher, es könnte vielleicht doch auch was anderes gemeint gewesen sein. Oft finde ich auch, dass es dann um eigentlich ziemlich leichte Antworten ging, zu denen man ganz leicht hätte zum Punkt kommen können. So dass ich dann noch mal irritierter bin. Manchmal ist es von dem her vielleicht auch eine Frage, wie jemand etwas holistisch betrachtet.
    • Four wrote:

      ... Jemand schon schrieb zu fragmentiert, fällt mir gerade noch folgendes ein (Vielleicht war das auch so gemeint)...
      Das war ich :)
      Was du in deinem Post beschreibst kenne ich 1:1, auch wenn ich mit fragmentiert ursprünglich die momentane Wahrnehmung meinte, also erst im Nachhinein die "Einzelteile" (Informationen und Eindrücke) als Ganzes zusammenfügen kann.

      Mir hilft es unnötige Details auszusperren. Also Brille abnehmen, (weil mich Mimik und Gesichter mehr überfordern, als ich daraus sinnvolle Informationen entnehmen könnte) und Akkustische Informationen reduzieren (Fenster zu, Radio aus, keine weiteren Gespräche in Hörweite)
      Dann kann ich wesentlich mehr vom gesprochenen direkt verarbeiten und besser darauf reagieren.

      Manchmal habe ich das Gefühl, mein Gehirn muss zu viele Informationen über einen zu langsamen gemeinsamen Bus übertragen und puffert die dann eben bis wieder Kapazität frei ist. Da hilft es dann natürlich von vornherein die Datenmenge zu reduzieren.
    • :)
      Ich hatte mir gemerkt, dass du es warst, aber da ich mir nicht sicher war, ob du das auch so kennst, unterließ ich deshalb die Erwähnung.

      Danke für das Feedback! Ja, so wie du das ursprünglich meinst, kenne ich das auch.


      Das mit der Brille bei leichter Kurzsicht stelle ich mir praktisch vor. Ich hab eher scharfe Augen und eine 2D-Sicht in einem großen Radius. Aus den selben Gründen wie du, versuche ich oft Blickkontakt zu vermeiden, möglichst unauffällig. Beim flüchtigen Grüßen aus der Ferne z. B. gucke ich mehr oder weniger gerne ganz schnell nur kurz in die Richtung des Gesichts und wieder weg.
      Akustisch ist es bei mir so, dass wenn ich irgendwo auch nur ein Blatt flattern sehe als Beispiel schon abgelenkt sein kann. Oder wenn Leute mit mir reden und dabei gestikulieren schaue ich oft auf die Hände oder auf den Mund, wie der sich bewegt und denke dabei darüber nach, was die Person vermutlich für ein Leben privat lebt oder sowas. Dabei höre ich das Gesagte parallel eher abgeschwächt und dann kommt es nach und nach in meiner Verarbeitungsstelle an.

      Ja, dieses Puffern ist ein gutes Beispiel. Wie wenn eine Zeichentrickfigur in einen Schlauch krabbelt und der dann an der Stelle dick ist und die Figur somit nicht so schnell hindurch kommt, wie beispielsweise Wasser.
    • Wie nehmt ihr eure Umgebung wahr? Ich auch diese nur in Einzelteilen, sodass ich mich wundere, wenn ich z.B. mal ein Foto von einem Straßenaschnitt sehe, den ich kenne, weil dieser für mich nur aus Einzelteilen besteht. Das betrifft auch kleinere Einheiten als einen ganze Straßenabschnitt. Daher kann ich mich auch schlecht orientieren, weil ich halt immer nur diese Einzelteile, wie Detailfotos, vor mir sehe.
    • @Lefty
      Dieses Phänomen kannte ich ja lange vor der Diagnose.
      Je nach Situation und Menge der darin enthaltenen Details dauert es länger, bis ein "Gesamtbild zusammengepuzzled" ist.
      Ist noch jemand da, der schon ein Gesamtbild hat, stellt sich immer die Frage, ob ich a) schnell genug gepuzzled habe und b) ob die Details, die ich für relevant betrachte als "Ecksteine/Rand/auffällig usw. mit dem übereinstimmen, was dieser als relevant in seinem Gesamtbild betrachtet.
      Menschen mit Gesamtbild übersehen oft relevante Details. "Das konnte doch keiner sehen/kommen sehen". Komischerweise ich doch ziemlich oft.
      Dafür brauche ich oft etwas mehr Zeit, bis ich irgendwo "angekommen" bin.
      Gerade jetzt im Urlaub mit Freund*innen fällt mir das wieder sehr auf.
      Aber, das ist nicht schlechter, sondern nur anders. Habe ich ein Gesamtbild, sehe ich mehr.
      Andererseits gibt es lustige Missverständnisse.
      Lustig, weil gegenseitige Akzeptanz des "Anders" da ist. Das dann situativ "zusammengemopst" wird.
      Ergänzt sich dann gut.
      Ich saß mal am ersten Tag eines Praktikums unter dementen Damen - und erfasste weniger von der Situation als diese.. :m(: :d
      Einige Tage später hatte ich das "Bild", erkannte von da ab aber besser und schneller als die Kolleginnen, wenn bei einer dieser Damen das "Bild" auseinander fiel und auch, aufgrund welchen Details. Um dann im Sekundenbruchteil richtig reagieren zu können, wo andere noch rätselten, was da gerade passiert und warum und was zu tun ist. Musste ja nur von mir ausgehen :d
      Oft waren und sind es genau diese Details, die dafür gesorgt haben, dass ich nicht im Chaos gelandet bin. Auf Demos z.B. hilfreich zu hören, wo Stimmen aggressiver werden, zu sehen, wo sich mehr und schneller bewegt wird, wo sich "Stimmung aufheizt". :d
      Heute akzeptiere ich meine Wahrnehmung. Lasse mir die nötige Zeit, und erwarte, dass andere akzeptieren, dass ich so bin und das bei mir halt so funktioniert. Wer das nicht akzeptieren kann oder will, sagt nur was zu sich bezüglich "andere, die anders sind akzeptieren können". Dieses Detail fällt mir schnell auf - als Zentrales Puzzleteil im Gesamtbild. Und manche Bilder muss ich dann auch gar nicht mehr weiterpuzzlen. Genug gesehen, ab in die Schachtel und wegpacken :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • (VA-Edition)

      Lefty wrote:

      [...] wenn ich z.B. mal ein Foto von einem Straßenaschnitt sehe, den ich kenne, [...]
      Das geht mir oft so. Wenn ich z.B. Bilder von meinem Urlaubsort sehe, dann weiß ich oft wo genau das ist. Bei Landschaftsaufnahmen ohne markante Details kommen mir dann mehrere mögliche Orte in den Sinn.

      Mein Orientierungssinn ist recht gut. Wo ich einmal war, da finde ich auch wieder hin (ok, chaotische Innenstadt nicht...). Aber nur, wenn ich mir den Weg dorthin selber "erarbeitet" habe. Bin ich z.B. nur Beifahrer, dann funktioniert das nicht. In solche Fällen muß ich (je nach Streckenlänge / "Kompliziertheit") wirklich mehrfach die Strecke mitgefahren sein. Lasse ich mich von einem Navi leiten, dann funktioniert das auch nicht so gut. Habe ich mir die Strecke aber intensiv auf einer Karte angesehen und evtl. noch eine Wegbeschreibung aufgeschrieben, dann klappt das recht gut. Wenn ich dann die Strecke fahre, bin ich sehr konzentriert dabei und "speicher" sehr viele Bilder ab. Besonders die Umgebung bei Abbiegungen, Kreuzungen usw. Teilweise kann ich mir später besonders markante Punkte aus meinem Gedächtnis abrufen. Muß ich dieselbe Strecke nach einer ganzen Weile noch einmal fahren, dann brauche ich meistens keine Wegbeschreibung mehr. Während ich fahre, erkenne ich dann die "abgespeicherten" Punkte wieder und weiß wo ich lang muß.

      Fahre ich die Strecke aber aus der anderen Richtung (Rückweg), dann klappt das beim ersten Mal meistens auch nur mit einer Wegbeschreibung. Blöd wird es nur, wenn sich etwas wesentlich verändert hat (z.B. Kreuzung weg, dafür Kreisverkehr). Dann werde ich unsicher und komme "ins Rotieren" (RW). Da verfahre ich mich auch schnell mal. Merke aber recht schnell, daß ich falsch bin, da mir der falsche Streckenverlauf ja unbekannt vorkommt.

      Was aber gar nicht funktioniert: Wenn ich von jemandem eine Wegbeschreibung bekomme, die mit "Bildern" arbeitet. Also, wenn markante Punkte zum Abbiegen angegeben werden. Ich habe sehr große Probleme damit, mündliche "Anweisungen" zu behalten. Dazu kommt noch, daß sich jeder unter einem Begriff etwas anderes vorstellt. Wenn mir ein Einheimischer sagt: "An der Kirche dann links abbiegen...", dann erwarte ich eine "klassische" Kirche. Also mit Turm, Kirchenschiff usw. So wie diese hier -> KLICK Würde ich sowas sehen -> KLICK, dann würde ich das eher für ein Museum halten :m(: :d
    • Ich kenne diese Detailwahrnehmung auch- und sie betrifft alles. Geräusche, Worte, das was ich sehe...Ich habe lange bemerkt, dass ich irgendwie anders sehe und höre, aber ich weiß erst seit der Diagnose dass das Lokale Kohärenz heißt.

      Je nach Situation finde ich es entweder hilfreich oder behindernd.

      Wenn ich etwas ganz bestimmtes suchen soll oder hören oder sehen soll, dann finde ich es schneller als andere. Wenn mir aber jemand die offene Frage stellt: "Was fehlt in diesem Bild?", dann kann es sein, dass ich lange brauche, weil ich das Bild erstmal im Ganzen erfassen muss.

      Wenn solche Fragen im Alltag gestellt werden, von Leuten, die eine ganzheitliche Wahrnehmung haben, kann es echt peinlich sein, wenn ich z.B. ewig brauche, bis ich merke, dass die Kuh auf dem Bild keine Hörner hat. Das wirkt dann für andere so, als wüsste ich nicht, dass eine Kuh Hörner hat.

      A propos Wissen: Diese Art der Wahrnehmung wirkt sich auch auf das aus, was ich weiß: Es bleibt nur hängen, was mein Hirn als relevant einstuft- und das entscheide nicht ich selbst, sondern mein Hirn ganz alleine. Heißt: Selbst dann, wenn ich etwas wissen will, kann es sein, dass ich es mir nicht merken kann, egal wie wichtig es ist. Blöde Sache! Da nutzt mir dann leider Hochintelligenz auch nichts.
    • Diese Detailwahrnehmung habe ich in Kombination mit Zusammenfügen zum ganzen Bild. Und bei mir ist es noch extremer: ich sehe nicht nur die Details des Hauses und die Umgebung, sondern mir ist bildlich bewusst, wo im Ort ich bin, wo in Deutschland, wo Deutschland auf der Welt ist... ich lebe sozusagen in einer 3DKarte. Und wenn ich es nicht bewusst wegschalte, dann ist mir stets bewusst, mit welcher Geschwindigkeit wir um die Sonne fliegen (spaßeshalber strecke ich oft die Hand aus und stelle mir den nicht existenten Fahrtwind vor :m(: ) und wo ungefähr wir in unserer Galaxie sind.

      Und da soll man sich noch was banales merken können wie zB den Namen des neuen Kollegen? :m(:
      mitten im Burnout - aber alles wird gut :nerved:
    • Habe ich es richtig verstanden, dass es hier bei manchen so ist, dass diese fokussierte Bildabschnitte ohne den Bildkontext sehen? Quasi wie ein gezoomter Abschnitt? Falls ja, wenn ihr dann umherseht, seht ihr immer nur einen gewissen Rahmen eines Raums? Auch, wenn ihr weiter weg von der Sache steht? Kennt ihr dazu Links?

      Oder ist es bei euch so, dass der Fokus schärfer als der Bildkontext ist, - dieser also mild mit im Hintergrund?
      Wie in diesem Bild-Beispiel: upload.wikimedia.org/wikipedia…/c1/Vision_2_secondes.jpg

      Ich kenne jemanden, der sieht nur, was sich unmittelbar vor seinen Augen befindet. Der scannt quasi einzelne Raumabschnitte ab, wenn er was sucht. Das könnte ja zu beidem dieser Bildabschnitte passen. Ich frag den demnächst mal, wie er visuell wahrnimmt. Von dem weiß ich, dass der von allen Sinnen mit Abstand am stärksten auditiv ist.


      Ich sehe im gesamten Blickradius alles fast gleich scharf, auch in der Ferne. Ich kann am PC etwas lesen und im Winkel hinten auf dem Fußboden eine Spinne krabbeln sehen. Bei weit entfernten Bäumen auf einem Berg sehe ich wie sich die Baumwipfel im Wind bewegen, oder wenn da ein Auto einen Berg hochfährt, welches von meinem Standpunkt aus Erbsengroß wirkt. Gleichzeitig kann ich dabei ein flatterndes Blatt nahe neben mir vernehmen. Den Fokus kann ich dann einen kleinen wenig auf das Blatt umschwenken, sehe dann aber auch immer noch das Auto und die Baumwipfel in der Ferne und das ziemlich scharf.
      Bei Gesamtbildern, die neben sich ein anderes haben, wo man suchen muss, fallen mir die Unterschiede sofort auf.
      Wo ich nur ein Gesamtbild sehe und etwas suche ohne Vergleichsbild, muss mein Blick mehrmals umherwandern. Am besten stelle ich mich dabei weiter weg. Denn dann befinden sich mehr Sachen in meinem Bild näher beieinander. Dann braucht mein Blick nicht so oft wechseln.

      Stehe ich hingegen beispielsweise nahe vor einer Reihe Apfelmus-Gläser und suche darunter ein Birnenmus-Glas, müssen meine Augen stärker wandern und wenn ich mich dann umpositioniere, um in einem Abschnitt weiter zu suchen, verliere ich oft den Punkt, wo ich anfing.

      Ansonsten kann ich auch wie Chch gut verknüpfen. Vorausgesetzt ich stehe nicht unter Stress, sonst gegenteilig.
    • Bislang finde ich zu dem was ich aus manchen eurer Texte annehme (aber nicht sicher bin, ob davon etwas zutrifft) den Begriff selektive / fokussierte Aufmerksamkeit.


      Zu selektive Aufmerksamkeit fand ich z. B. das (Die Leseprobe endet bei "be-"):

      https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-94108-0_3 wrote:

      Der Prozess der selektiven visuellen Aufmerksamkeit wird häufig mit einem Scheinwerferlicht verglichen, das einen kleinen Ausschnitt des visuellen Raums ausleuchtet, den Rest jedoch im Dunkeln lässt. Obwohl diese Metapher nur zum Teil zutrifft, weil die Aufmerksamkeit z.B. auf zwei nicht be-
      Oder:

      https://www.ratgeber-neuropsychologie.de/aufmerksamkeit/Aufmerksamkeit2.html wrote:

      Die selektive oder auch fokussierte Aufmerksamkeit bezeichnet die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten und alles andere auszublenden. Oft wird diese Art der Aufmerksamkeitsselektivität mit einem Scheinwerfer verglichen. Dieser scheint auf eine bestimmte Sache und nur diese wird näher betrachtet, alles andere bleibt im Dunkeln und wird ausgeblendet.

      ---
      Ansonsten gefunden habe ich "räumlich-visuelle Aufmerksamkeit", "geteilte Aufmerksamkeit", "ungerichtete Aufmerksamkeit", "längerfristige Aufmerksamkeit".
      ---

      Und ein paar diverse PDF's zu Aufmerksamkeit, die ich auch noch nicht ausreichend gelesen habe:

      Sk2 LeitlinieVisuelle Wahrnehmungsstörungen
      awmf.org/uploads/tx_szleitlini…ngsstoerungen_2017-12.pdf

      Der Einfluss räumlich selektiver Aufmerksamkeit auf die bewusste Wahrnehmung und kortikale Verarbeitung so-matosensorischer Reize
      edoc.hu-berlin.de/bitstream/ha…7/schubert.pdf?sequence=1

      Aufmerksamkeitsstörungen
      ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtu…ium/bs_aufmerksamkeit.pdf

      RÄUMLICHE AUFMERKSAMKEITSAUSRICHTUNG UND ALERTNESS: INTERAKTION ZWEIER AUFMERKSAMKEITSNETZWERKE ?
      d-nb.info/967334705/34

      Aufmerksamkeit
      ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtu…__chtn__s/EP_Sitzung3.pdf

      Selektive und ungerichtete Aufmerksamkeit, Vigilanz und Konzentration (Stangl, 2020).
      arbeitsblaetter.stangl-taller.…HTNIS/Konzentration.shtml


      Oder das hier:

      https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/selektive-aufmerksamkeit/11650 wrote:

      Die Aufmerksamkeitskapazität kann entweder homogen über das gesamte visuelle Feld verteilt sein oder sich selektiv auf eine räumlich begrenzte Stelle richten. Im ersten Fall werden die im visuellen Feld lokalisierten Reize parallel verarbeitet, im zweiten Fall wird die Verarbeitung bestimmter Reize verstärkt und die anderer gehemmt. Häufige Metaphern für die Funktionsweise des selektiven Aufmerksamkeitsprozesses sind die des Spotlights und des Zoomens: Reize, die im Fokus der Aufmerksamkeit sind, werden schneller entdeckt oder erkannt. Bei der Verlagerung der Aufmerksamkeit werden drei Komponenten unterschieden: 1) Lösung der Aufmerksamkeit vom gegenwärtigen Stimulus (E disengagement), 2) Verschiebung (E movement, shift) des Aufmerksamkeitsfokus, und 3) Fixierung auf ein neues Ziel (E engagement). Bei zwei oder mehr relevanten, simultanen Stimuli, z.B. bei dual task-Aufgaben, ist eine verteilte Aufmerksamkeit erforderlich. Je ähnlicher die Stimuli sind (z.B. das gleichzeitige Verfolgen zweier unterschiedlicher Gespräche), desto eher kommt es zu Interferenzen. – Der Prozeß der selektiven Aufmerksamkeit läuft großteils automatisch und unbewußt ab und basiert u.a. auf einem frontothalamischen gating-System: der Nucleus reticularis thalami öffnet immer nur selektiv jene thalamischen "Tore" für die retikuläre Aktivierung, welche für die Verarbeitung einer bestimmten Information relevant sind. Läsionen führen zu einer eingeschränkten Selektivität für externe Stimuli und zu erhöhter Ablenkbarkeit.
      (Da steht noch mehr)

      Das sind gerade zu viele Informationen für mich.^^ Aber vielleicht auch für euch interessant.

      The post was edited 2 times, last by Four ().