Schlafstörungen und mein Autismus

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    • Schlafstörungen und mein Autismus

      Hallo liebe Mitglieder des Aspie-Forums,


      seit ich etwa 25 bin, leide ich vermehrt unter heftigsten Schlafstörungen. Das heißt konkret: Ich brauche immer mindestens anderthalb Stunden, bis ich eingeschlafen bin. Anschließend wache ich erst zwischen 10.30 Uhr und 11.30 Uhr auf. Doch das klappt nur, weil ich seit Anfang 2020 arbeitslos bin.
      Ich habe seit 2001 meine Autismus-Diagnose und meine Eltern sagen zu mir: „Als du noch ein Kleinkind warst, bist du sehr spät ins Bett gegangen.“ Doch kurz vor dem Vorschulalter pendelte sich mein Schlafverhalten in Richtung Normalität, wenn ich die Angaben meiner Eltern richtig verstanden habe.
      Bis zum Spätsommer des vergangenen Jahres hatte ich keine gravierenden Schlafprobleme. Ab und zu wachte ich schon mitten in der Nacht auf, das war klar. Aber ansonsten war alles im grünen Bereich.
      Jedoch plagen mich die Schlafstörungen seit September 2019. An manchen Nächten sind sie so schlimm, dass ich keine Sekunde schlafen kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Zuletzt war dies im Dezember 2019 und im Juli 2020 der Fall.
      Aufgrund meiner sehr unangenehmen Erfahrungen im Arbeitsleben ist meine innere Uhr im Chaos. Zur Info: Von September 2013 bis Anfang 2020 habe ich in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. Dort nahmen die Vorgesetzten keine Rücksicht auf meinen Autismus. Zudem wurde ich auch von Kollegen gemobbt.
      Ich fühle mich wegen meinen Schlafstörungen hilflos, weil ich denke: „Niemand versteht mich und mein Leid.“
      Obwohl ich regelmäßig Baldrian nehme, komme ich körperlich gesehen nicht zur Ruhe. Auf chemische Schlaftabletten habe ich keine Lust, weil sie gefährlich sind und abhängig machen.
      Was kann ich gegen meine Schlafprobleme tun? Ich bin da völlig ratlos, weil ich alle guten Regeln der Schlafhygiene einhalte, aber trotzdem unter Problemen in der Nacht leide.
      Haben andere Autisten ähnliche Erfahrungen erlebt wie ich? Dies ist die Frage, die jetzt beschäftigt. :nerved:
    • hallo,
      ich hatte mal eine weile starke schlafstörungen (nur 2-3 stunden/ nacht, nicht am stück, über etwa 1,5 jahre), die aber auch durch ein antidepressivium verstärkt wurden. ich hatte dies zu der zeit allerdings nicht verstanden und meine ärzte leider garnix zu der möglichkeit gesagt. irgendwann war ich so verzweifelt (über verschiedene sachen), dass ich alle medikamente abgesetzt habe. das war nicht so schlau, es so appruppt zu machen aber ich konnte plötzlich wieder schlafen.

      meine erfahrung ist, dass ich bei starken stress, von dem ich grübeln muss, auch schlafstörungen bekomme. abends höre ich hörbücher um mein gehirn abzulenken und nicht nachzudenken. das klappt ganz gut. manchmal sind es sogar kinderhörbücher. der inhalt ist nicht ganz so wichtig, die stimme des sprechers muss angenehm sein. es sind meistens entweder sachbücher, romane oder fantasybücher.

      Außer Schlaftabletten gibt es auch einige andere medikamente, die schlaffördernd sind und nicht abhängig machen. Gute erfahrungen habe ich mit niedrigdosiertem Trazodon, einem Antdepressivum gemacht. Anfangs hatte ich etwas sehstörungen, aber das ging nach etwa 2 Wochen wieder weg. Sonst keine nennenswerten Nebenwirkungen, auch keine gewichtszunahme. als ich es irgendwann wieder abgesetzt habe, war es auch nicht so schlimm wie bei anderen antidepressiva (vielleicht auch weil die dosis eh sehr niedrig war, für antidepressive wirkung gibt man höhere dosen als nur für den schlafanstoß)

      Machst du eine psychotherapie? wenn nicht, könnte sie dir vieleicht helfen, die negativen erinnerungen und andere belastende gedanken, die dich vom schlaf abhalten, zu verarbeiten und zu sortieren. mir hat auch oft tagebuchschreiben geholfen.
    • @harmonicfour, alles was Du schreibst kommt mir sehr bekannt vor.

      Bei mir war es auch schon im Kleinkindalter so, dass ich sehr spät eingeschlafen bin. Das zog sich dann durch mein ganzes Leben. Während meiner Schulzeit konnte ich das noch recht gut kompensieren, in dem ich viel Schlaf am Wochenende vormittags nachgeholt habe.

      Schwierig wurde es für mich erst so richtig mit Anfang bis Mitte 20 im Studium. Morgendliche Vorlesungen und sogar mal eine sehr wichtige Klausur habe ich verpennt. Gelernt habe ich nachts, weil ich tagsüber nichts in meinen Kopf reinbekommen habe.

      Wenn ich damit beim Arzt war, sind mir regelmäßig nervöse Einschlafstörungen (psychophysiologische Insomnie) attestiert worden. Ich habe dann Entspannungskurse (Yoga, autogenes Training, etc.) belegt, einen Verhaltenstherapie gemacht und alle möglichen Schlafhygieneregeln bis ins Kleinste befolgt. Gebracht hat das alles überhaupt nichts. Und genauer betrachtet, war ich gar nicht nervös. Mir ging es sonst gut. Ich war erfolgreich im Studium, und es hat mir Spaß gemacht. In meinem Privatleben war auch alles bestens. Und körperlich war ich auch immer gut ausgelastet. Trotzdem habe ich mich ständig zu Schlafenszeiten stundenlang im Bett rumgewälzt und bin erst gegen Morgen eingeschlafen. Und das auch in Zeiten, in denen ich nicht lernen musste.

      Ich hatte immer das Gefühl, dass die Diagnose psychophysiologische Insomnie nicht so recht auf mich zutrifft. Aber niemand wusste Rat. Von Ärzten habe ich schließlich Schlafmittel verordnet bekommen (Nichtbenozdiazepine und trizyklische Antidepressiva). Ich habe mich da sehr gegen gesträubt und das Zeug nur genommen, wenn es gar nicht anders ging. Bekommen sind mir die Schlafmittel aber nicht gut. Mein Schlaf war dadurch nur geringfügig besser und der Überhangeffekt (Benommenheit am nächsten Tag) oft groß. Außerdem ließ nach spätestens 2 Wochen die schlaffördernde Wirkung von dem Zeug nach. Ich hätte viel zu hohe Dosen nehmen müssen, um überhaupt noch eine Wirkung zu erzielen. Da hätten dann die Nebenwirkungen so sehr überwiegt, dass es keinen Sinn mehr gemacht hätte, das Zeug zu nehmen.

      Ich habe mich dann über viele Jahre irgendwie über die Runden gequält. Das heißt, dass ich früh morgens eingeschlafen bin, um trotzdem um 8 Uhr bei der Arbeit auf der Matte stand. Freitagnachmittags und samstags und sonntags vor- und nachmittags habe ich dann den fehlenden Schlaf so gut es ging nachgeholt.

      Vor ein paar Jahren mit Mitte 40 ist mein Schlaf dann vollends aus dem Ruder gelaufen. Ich hatte jede Menge Stress auf der Arbeit, (von dem ich heute weiß, dass er ganz vorwiegend autismusbedingt war), und konnte fast überhaupt nicht mehr schlafen. Es glaubt mir auch keiner, dass ich Wachphasen von bis zu 100 Stunden am Stück hatte und trotzdem noch zur Arbeit gegangen bin. Das ging natürlich nicht lange gut. Die Arbeit habe ich dann recht bald verloren.

      Meine Hausärztin hat mich daraufhin zum Psychiater geschickt. Der hat mir einen Burnout und mal wieder die psychophysiologische Insomnie attestiert, griff zum Rezeptblock und verschrieb mir mal wieder trizyklische Antidepressiva als Schlafmittel - die ich nicht genommen habe.

      Weil ich dann aber arbeitslos war, konnte ich es mir auf einmal erlauben, zu schlafen, wann ich will, bzw. wann mir danach war. Ich ging erst gegen Morgen ins Bett und schlief bis mittags. Erst klappte das nicht so gut, weil ich viel zu sehr auf "nicht Schlafen" konditioniert war. Aber mit der Zeit habe ich dann hinreichend Schlaf bekommen.

      In weiterer Folge kam es auf Initiative meiner privaten BU Versicherung zu einer schlafmedizinischen Begutachtung in der Schlafambulanz einer psychiatrischen Uniklinik. Dort wurde eine mehrstündige Anamnese erhoben, und ich musste ein 2wöchiges Schlafprotokoll abgeben. Die Gutachter der psychiatrischen Uniklinik kamen zu dem Schluss, dass ich seelisch überlagert sei und deshalb nicht schlafen könne. Dies diagnostizierten sie vor dem Hintergrund, dass auch gerade mein Freund an Krebs gestorben war, ich inzwischen von Hartz IV lebte, und mir vom Jobcenter die Hölle heiß gemacht wurde, weil ich mich weigerte Schlafmittel zu nehmen, um Vollzeit für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

      Zum Glück reichte meiner BU Versicherung das Gutachten aus der psychiatrischen Uniklinik nicht. Mein Sachbearbeiter organisierte für mich eine weitere, sehr umfassende Begutachtung an einer anderen Uniklinik mit Vorstellung beim Psychiater, beim Neurologen in der Neuropsychologie und im internistischen Schlaflabor. In dem Schlaflabor sind bei mir 48 Stunden am Stück schlafmedizinische Messungen gemacht worden (Polysomnographien und eine 24 Stunden Messung meines Melatoninspiegels). Außerdem hat ein Psychologe, der richtig Ahnung hatte, mehrfach sehr lange mit mir geredet und mir endlich mal genau die passenden Fragen zu meinen Schlafverhalten gestellt.

      Heraus kam, dass bei mir ein ausgeprägtes, angeborenen Verzögerten Schlafphasensyndrom mit der Tendenz zum Non 24 Syndrom vorliegt. Ich wurde ausführlich darüber aufgeklärt, dass dieses Syndrom bei mir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht therapierbar ist. Es gäbe Betroffene, die es mit Hilfe von strikten Schlafhygienemaßnahmen, Chronotherapie und der abendlichen Einnahme von Melatonin hinbekommen, auf Dauer einen gesellschaftskonformen Schlaf-Wach-Rhythmus zu etablieren. Bei mir wäre das Syndrom aber so ausgeprägt, das man mir davon abgeraten hat, mich wieder in eine Arbeit zu begeben, bei der ich morgens auf der Matte stehen müsste. Ich würde mir damit auf die Dauer gründlich meine Gesundheit ruinieren, hieß es. Dafür wäre ich einfach nicht geschaffen. Ich sollte stattdessen meinen Lebensrhythmus an den mir gegebenen, ureigenen Schlaf-Wach-Rhythmus anpassen.

      Das mache ich seit dem so gut es eben in einer Gesellschaft geht, in der frühes Aufstehen als Tugend angesehen wird und in das gesamten öffentliche Leben darauf ausgerichtet ist, dass der Tag morgens beginnt. Seit dem schlafe ich viel besser. Meistens klappt es bei mir vormittags bis in die Nachmittag hinein recht gut (ich lege mich gleich Schlafen ;) ). Wenn es nicht anders geht und die Umstände es erfordern, dass ich vormittags zur Stelle bin, dann behelfe ich mir mit müde machenden Antihistaminika (Doxylamin). Das klappt allerdings höchstens 2 Wochen am Stück, dann tritt ein Gewöhnungseffekt ein und die Wirkung von dem Zeug geht verloren. Außerdem bin ich nach so einer Phase stehend ko und ich könnte ganze Tage durchschlafen.

      Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob Du auch von einer (ggf. milden Form) des Verzögerten Schlafphasensyndroms betroffen bist, @harmonicfour. Im Netz habe ich mehrere Artikel dazu gefunden, dass angeborene Schlaf-Wach-Rhythmus Störungen häufiger bei Autisten als bei NTs auftreten. Im Rahmen meiner zweiten BU Begutachtung ist auch das Asperger Syndrom das erste Mal bei mir vermutet worden. Der Psychologe vom Schlaflabor war sich am Ende ganz sicher, dass eine Autsimus Spektrum Strörung bei mir vorliegt, was dann auch die Autismus Diagnostik ins Rollen gebracht hat.

      Was mich aber eigentlich dazu gebracht hat, diesen langen Beitrag zu schreiben ist dieser Satz hier von Dir, @harmonicfour:

      harmonicfour wrote:

      „Als du noch ein Kleinkind warst, bist du sehr spät ins Bett gegangen.“
      Der Psychologe im Schlaflabor erklärte mir, dass es für Kleinkinder normal wäre, dass sie früh einschlafen und früh aufwachen. Er beschrieb mir das Bild von kleinen Kindern, die am Sonntagmorgen das Ehebett der Eltern "belangern" und topfit rumtoben und die Eltern am Ausschlafen hindern. Das wäre eher normal in dem Alter. Und wenn ein kleines Kind überhaupt nicht dazu neigt, morgens fit zu sein, dann könnte das an einer angeborenen Schlaf-Wach-Rhythmus Störung liegen.

      Ich war übrigens schon als Neugeborenes eine extreme Nachteule. Bei ganz jungen Säuglingen kann das noch normal sein. Aber bei mir hat sich das nie gegeben.

      Jetzt kann ich nur noch Dir, @harmonicfour und jedem, der sich in diesem Beitrag wiedererkannt hat, dazu raten sich in einer Schlafambulanz vorzustellen. Sei es, um eine Schlaf-Wach-Rhythmus Störung bestätigen zu lassen oder ggf. einen anderen Grund für die Schlafstörungen zu finden. Wer den Verdacht hat, dass seine Schlafstörungen nicht rein psychisch bedingt sind, der ist wahrscheinlich besser in einer neurologisch oder internistisch ausgerichteten Schlafambulanz aufgehoben als in einer ausschließlich psychiatrischen.

      Ich war Jahrzehnte lang mit meinen Schlafproblemen immer nur bei diversen Hausärzten und einmal kurz beim Psychiater. Keiner von denen hatte wirklich Ahnung von Schlafmedizin. Ich bin ewig nicht für voll genommen worden mit meinem Problem und würde gerne anderen Betroffenen durch meine Erfahrungen einen langen Leidensweg ersparen. Ich bin keine Schlafmedizinerin, habe aber einiges an Erfahrung zum Thema.

      Also, wenn es noch Fragen gibt, bitte gerne. :)

      The post was edited 3 times, last by Input ().

    • Führst du ein Schlaftagebuch? Für mich klingt es, als solltest du dich in ärztliche Behandlung begeben.

      Wobei die Frage ist, wann du zu Bett gehst, wenn du so spät aufwächst? Selbst wenn du erst um drei Uhr nachts einschlafen solltest, kommen da ziemlich viele Stunden Schlaf zusammen. Vielleicht ist dein natürlicher zirkadianer Rhythmus einfach verschoben. Liegst du im Bett, wenn du nicht schlafen kannst? Es gibt bestimmte Formen von Schlafstörungen, da ist der REM-Schlaf dorthingehend gestört, dass man zwar schläft, aber es im Nachhinein als Schlaflosigkeit empfunden und erinnert wird. Das kann aber nur im Schlaflabor festgestellt werden.

      Schlaffördernde und nicht abhängig machende Antidepressiva habe ich auch schon genommen und das war eine gute Methode, Schlaf zu "üben". Es müssen nicht direkt Lorazepam und Co. sein. Vielleicht sprichst du mit deinem Arzt auch über eine begleitende Psychotherapie.
    • harmonicfour wrote:

      seit ich etwa 25 bin, leide ich vermehrt unter heftigsten Schlafstörungen. Das heißt konkret: Ich brauche immer mindestens anderthalb Stunden, bis ich eingeschlafen bin.
      Das kommt mir sehr bekannt vor, besonders die sehr lange Einschlafphase. Bei mir dauert die meistens mehrere Stunden. Auch ohne jeden äußerlich ersichtlichen Grund, ohne Grübeln, ohne alles. Es ist einfach noch nicht "meine Zeit" zum Schlafen.

      harmonicfour wrote:

      Bis zum Spätsommer des vergangenen Jahres hatte ich keine gravierenden Schlafprobleme. Ab und zu wachte ich schon mitten in der Nacht auf, das war klar. Aber ansonsten war alles im grünen Bereich.
      Kannst Du festmache, was in dieser Zeit anders war als jetzt (außer, dass Du weniger Stress hattest)? Warst Du evtl. morgens draußen im Tageslicht, hast Dich mehr an der frischen Luft bewegt, anders gegessen, etc. ? Vielleicht kommst Du so der Ursache auf die Spur.

      harmonicfour wrote:

      Was kann ich gegen meine Schlafprobleme tun? Ich bin da völlig ratlos, weil ich alle guten Regeln der Schlafhygiene einhalte, aber trotzdem unter Problemen in der Nacht leide.
      Ich würde auf Zinkmangel testen lassen und Trypophan einnehmen. Hast Du sonst noch Nährstoffmängel, z.B. Magnesium? Ich hatte einmal einen starken Zink- und Magensiummangel und hatte in dieser Zeit die stärksten Schlafprobleme.

      Deinen Beitrag @Input finde ich sehr interessant. Schade, dass man so wenig gegen eine Schlafphasenstörung machen kann (?). Ich erkenne mich darin zum Teil wieder, wenn auch nicht so extrem. Früher dachte ich, dass der Tag 30 Stunden haben müsste, dann
      wäre ich meine Schlafprobleme los und wäre voll im Rythmus :) .
    • Hallo,
      Mir hilft meine Gewichtsdecke und ab und zu Melatonin, aber nicht zu oft, sonst bekomme ich Albträume.
      Tryptophan Verträge ich gar nicht. Nur so am Rande, ist halt bei jedem anders.
      Und ich würde abends blaues Licht weglassen.
      Lg
    • Schreiberling wrote:

      Schade, dass man so wenig gegen eine Schlafphasenstörung machen kann (?).
      Der Psychologe im Schlaflabor meinte ja, dass es durchaus Betroffene gibt, denen mit Schlafhygiene, Chronotherapie und ggf. Melatonin geholfen ist.

      Bei mir ist die Verzögerung aber zu stark dafür. Mein circadianer Rhythmus ist um mindestens 8 Stunden verschoben, wahrscheinlich länger. Ich müsste ständig extrem gegen meine innere Uhr ankämpfen. Ich habe mehrere, Chronotherapien hinter mir, in denen ich jeden zweiten Tag eine halbe Stunde später ins Bett gegangen bin, bis ich beim Aufstehen um 7 Uhr morgens wieder angelangt war, mit dem Ziel, den zuletzt erreichten Rhythmus dann dauerhaft beizubehalten. Das ist eine gängige Methode, um aus dem Tritt geratene Spätschläfer wieder "einzunorden". Bei mir hat das "Einnorden" aber nie lange vorgehalten. Spätestens nach 2 Wochen Aufstehen um 7 Uhr morgens, kippte mein Schlafrhythmus wieder unweigerlich um, und ich war wieder von Schlaflosigkeit in der Nacht geplagt. Außerdem waren diese Chronotherapien immer unglaublich anstrengend für mich.

      Mir fällt dazu noch ein, dass es für Menschen mit Schlafverzögerung typisch sein kann, dass sie von heute auf morgen in ihren ureigenen Schlafrhythmus "verfallen" sobald sie die Gelegenheit dazu bekommen. Das heißt, dass sie zum Beispiel gleich am ersten Urlaubstag viel später als gewöhnlich zu Bett gehen und viel später aufstehen. Manchmal dauer es auch ein paar Tage, bis sich dieser "freigelassene" späte Rhythmus im Urlaub einstellt. Aber egal wie schnell das passiert, für Betroffene ist es danach in der Regel ein harter Kampf, wieder in den Arbeits-Rhythmus zurückzufinden, wenn der Urlaub vorbei ist.

      Um mal einem Normalschläfer eine Vorstellung davon zu geben, wie es für mich war, regelmäßig morgens um 8 Uhr auf der Arbeit zu erscheinen: Stell Dir vor, Du wirst ab sofort daran gehindert, nachts zu schlafen. Du musst von 1 Uhr nachts bis 10 Uhr morgens arbeiten und danach bitte schön noch alles erledigen, was am Tage sonst noch so alles anfällt. Schlafen darfst Du von 22 Uhr bis Mitternacht und am Wochenende, wenn Du dazu kommst. Mit ein bisschen Glück schaffst Du es vormittags nach der Arbeit noch, ein kurzes Nickerchen zu machen.

      ... so ging es mir viele Jahre. Heute frage ich mich, wie ich das so lange ausgehalten habe. Aber mangels Diagnose und wegen eines übersteigerten Pflichtbewusstseins, (ich dachte "nicht schlafen können" ist keine Krankheit und kein Grund für eine Krankschreibung), hatte ich mich da irgendwie mit arrangiert.


      Die beiden folgenden Aussagen von Dir, @Schreiberling, treffen übrigens auch auf mich zu.

      Schreiberling wrote:

      Das kommt mir sehr bekannt vor, besonders die sehr lange Einschlafphase. Bei mir dauert die meistens mehrere Stunden. Auch ohne jeden äußerlich ersichtlichen Grund, ohne Grübeln, ohne alles. Es ist einfach noch nicht "meine Zeit" zum Schlafen.

      Schreiberling wrote:

      Früher dachte ich, dass der Tag 30 Stunden haben müsste, dann
      wäre ich meine Schlafprobleme los und wäre voll im Rythmus .
      Das sind laut des Schlaflabor Psychologen ganz klassische Aussagen von Menschen mit Schlafverzögerungen. Deren circadianer Rhythmus ist tatsächlich länger als 24 Stunden. Diese Menschen müssen ständig ihren naturgegebenen Rhythmus an den 24 Stundenrhythmus anpassen. Bei Lerchen ist das andersherum. Deren circardiane Rhythmik ist kürzer als 24 Stunden. Darum neigen die auch dazu, früh aufzustehen.

      Bei den allermeisten Menschen ist die Abweichung der inneren Uhr vom 24 Stunden Rhythmus so wenig ausgeprägt, dass sie keine große Mühe haben, sich täglich auf die 24 Stunden "einzunorden". Tageslicht, nächtliche Dunkelheit und vor allem soziale Zeitgeber sorgen da schon ganz von alleine für.

      Aber es gibt eben auch Menschen, bei denen ist die Abweichung von den 24 Stunden gravierender. Die leben unter Umständen in einem stetigen Kampf gegen ihre eigene innere Uhr und haben massive Schlafstörungen.

      Der Psychologe im Schlaflabor hat mir erzählt, dass es nichts gibt was es nicht gibt, was die Schlafrhythmik angeht. Er habe Patienten mit einem 36 Stunden Rhythmus, die perfekt danach leben. Das heißt, dass die nur alle 2 Tage am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und das dann genau hinkommt. Das würde ich auch gerne machen. Habe ich auch schon versucht. Nur leider scheint das mit den 36 Stunden bei mir nicht ganz hinzukommen.
    • harmonicfour wrote:

      seit ich etwa 25 bin, leide ich vermehrt unter heftigsten Schlafstörungen.
      Mich würde interessieren, was hat sich plötzlich verändert in deinem Leben, das dazu führen kann. ich würde versuchen dem auf den Grund zu gehen. Und ich würde abklären lassen, ob es eventuell körperliche oder psychische Ursachen hat.

      Ich habe häufige Schlafprobleme seit meiner Kindheit, was zu einem größeren Problem wurde in Verbindung mit einer psychischen Erkrankung. Es ist für mich enorm wichtig, dass ich ausreichend Schlaf bekomme, daher nehme ich 25 mg Quetiapin. Das hilft mir seit Jahren zuverlässig beim Schlafen und das wiederum trägt zu meiner psychischen Stabilität bei. (Quetiapin ist ein Neuroleptikum und es ist nicht suchterzeugend wie die Z-Drugs oder Benzos, allerdings kann es natürlich andere Nebenwirkungen haben).
      So kann es eigentlich nicht weitergehen. Wird es aber.
    • Ich leide auch seit meiner Kindheit unter Schlafstörungen. Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert, angefangen bei heißer Milch (Igitt!) über nicht-suchterzeugende Medikamente bis zu Schlafmitteln. Fast allen ist gemeinsam, dass sie ein- bis dreimal wirken und dann nicht mehr. Ich habe auch CBD-Tropfen ausprobiert und nicht vertragen. Mittlerweile versuche ich, mich damit einfach abzufinden,
      Jedes mal, wenn man mir sagt, ich wäre nicht gesellschaftsfähig,
      werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin überaus erleichtert.
    • ich brauche auch ca 2 Std, um einzuschlafen. Normalerweise. Bei mir funktioniert folgendes: ich lese noch ca 1 -2 Std im Bett, oder spiele Scrabble am Tablet im Bett. Letzteres macht mich so müde, dass ich sofort einschlafe, wenn ich es ausmache. Mir fallen während des Spiels sogar die Augen zu :roll: Wenn alles nichts hilft, nehme ich die Aminosäurenkombi L-Arginin \ Citrullin oder wie das heißt. Das wirkt binnen 30 min. Bei mir.
      Corona ist dem Ring ähnlich.
      Der Ring in "Der Herr der Ringe" zeigt die Intensität der dunklen Seite der Wesen. Corona auch...
    • Ich habe auch Einschlafstörungen.Mein Körper ist dann sehr müde, mir fallen auch die Augen zu, kann aber trotzdem lange nicht einschlafen. Ich hör dann meist Hörbücher.

      Derzeit nehme ich Melatonin, dadurch ist es etwas besser.

      Ich nehme an Psychopharmaka eine sehr kleine Dosis Pipamperon ( ein Neuroleptikum) und ein Antidespressivum, was aufs Noradrenalin wirkt( SRNI) Duloxetin. Dadurch ist es erträglich.1-2 Nächte im Monat kann ich gar nicht schlafen.
      Liebe Grüße von Celsiana * Ich bin die ich bin

      The post was edited 1 time, last by Celsiana ().

    • Bei mir ist es mal so und mal so, wenn man von meinen Einschlafattacken nach 3 Stunden wachzeit absieht. Ich brauche meinen Mittagsschlaf sonst werde ich schnell grantellig, an manchen Tagen kann ich da aber nicht einschlafen dann helfen ich mit Dipiperon nach.

      Auch nachts schlafe ich je nach Nacht mal viel zu viel und mal viel zu wenig. Ich versuche generell zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett zu gehen und zwischen 3 und 7 auf zu stehen. Aber es gibt diese nächte(etwa eine Woche innerhallb des 3 Monatszyklus meines Hauptmedikaments) wo ich gar nicht schlafen kann.
      Handle ehrlich, handle weise, sei freundlich, baue Brücken keine Mauern, aktzeptiere Fremdes, freue dich über Unterschiede.
    • Liebe Mitglieder des Forums,

      erst einmal möchte ich mich für die verspätete Antwort zum Thema entschuldigen, das ich gestartet habe. Ich hatte die letzten drei, vier Tage viel zu tun. Kim hat mich auf Quetiapin hingewiesen. Dieses Medikament bekam ich von 2013 bis 2016 als Retardtablette mit 300 Milligramm. Dabei erlebte ich so viele Nebenwirkungen, dass es mir sehr sehr schlecht ging und mehrmals im somatischen Krankenhaus gelandet bin.
      Deswegen musste ich Quetiapin unter ärztlichem Rat im November 2016 absetzen. Seitdem habe ich auch keine Lust mehr auf chemische Schlaftabletten, weil ich wegen Quetiapin Ehrfurcht davor bekommen habe.
      Aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass Baldrian bei mir nichts bringt. Aus diesem Grund versuche ich mich anderweitig zu entspannen, indem ich zum Beispiel Hörspiele höre.
      Zu der Sache des Auslösers der Schlafstörungen möchte ich sagen, dass ich ab 2019/2020 eine schwere Krise durchlaufen habe. Damals hatte ich es satt, von meinen Kollegen und Chefs in der Behindertenwerkstatt gemobbt zu werden. Sie schikanierten mich, weil sie meine offizielle Autismus-Diagnose nicht anerkennen wollten. So kam es, dass ich im Juli 2019 meinen ehemaligen Chef tätlich angriff und meine erste Abmahnung bekam.
      Seit diesem krisenhaften Ereignis bin ich innerlich unruhig und kann nichts dagegen tun. Wegen meines Autismus habe ich sogar die letzte Psychotherapeutin verschreckt, zu der ich bis März 2020 ging.
      Das Problem in meiner Region ist, dass es keine Psychotherapeuten gibt, die auch Autisten verstehen können. Aufgrund dieser Tatsache suche ich keine Psychologen mehr auf. Allerdings ist mir bewusst, dass ich Therapie wegen meiner Schlafstörungen brauche.
      Bezüglich zu meinem aktuellen Stand im Arbeitsleben muss ich erwähnen, dass ich seit Anfang 2020 arbeitslos bin. Ich glaube, die Jahre in der Behindertenwerkstatt haben tiefe Spuren in mir hinterlassen. So kommt es zu ständigen Grübeleien und Schuldgefühlen ohne Ende.

      Harmonicfour
    • Manchmal schlafe ich auch sehr schlecht aber das liegt daran dass ich in meinem Kopf nicht zur Ruhe komme. Und dann steiger ich mich so sehr rein warum ich denn nicht schlafen kann und dass es ja schon so spät ist und ob das wohl jetzt für immer so ist. Und dann habe ich 1000 Gedanken und erlebe Dinge die den Tag über passiert sind so gesehen nochmal oder sehe sogar Situationen vor dem inneren Auge die schon Jahre her sind. Dann habe ich oft auch noch Ohrwürmer von Liedern und das alles kann ich überhaupt nicht abschalten
    • Meine Freundin (Nichtautist) hat seit über 30 Jahren Schlafprobleme.
      Mittlerweile aber ist sie auf einem sehr guten Weg da raus.

      Ihr hat das hier sehr geholfen: amazon.de/Das-gro%C3%9Fe-Buch-vom-Schlaf/dp/344217791X
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • harmonicfour wrote:

      Kim hat mich auf Quetiapin hingewiesen. Dieses Medikament bekam ich von 2013 bis 2016 als Retardtablette mit 300 Milligramm. Dabei erlebte ich so viele Nebenwirkungen, dass es mir sehr sehr schlecht ging und mehrmals im somatischen Krankenhaus gelandet bin.
      Ich kann dich total verstehen. Wenn man heftige Nebenwirkungen bekommt, dann entwickelt man eine Abneigung gegen das Medikament. Die Retardtabletten mit 300 mg habe ich auch nicht lange genommen, weil ich die Nebenwirkungen auch nicht tolerieren konnte. Ich nehme daher nur noch 25 mg unretardiert. Das ist ein riesiger Unterschied, weil ich bei den 25 mg nicht die schlimmen Nebenwirkungen habe.
      So kann es eigentlich nicht weitergehen. Wird es aber.