Ich will nicht mehr autistisch sein!

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    • platzhalter wrote:

      Manchmal stelle ich mir schon vor wie einfach es wäre wenn ich mich im zwischenmenschlichen Kontakt auch so bewegen könnte wie ein NT und welche sozialen Kontakte nicht zerbrochen wären. (RW)
      Wie das funktionieren soll ist mir schleierhaft, weil ich nicht verstehe, wie ein NT das macht. Ich bleibe lieber in der Realität statt zu fantasieren, wie etwas sein könnte. Vor allem, wenn man sich nicht in andere Menschen, deren Gedankengänge und Gefühle hineinversetzten kann.
      Es gibt unendlich viele verschiedene Szenarien, Vorkommnisse und Einflussfaktoren, die unbekannt sind und daher nicht berücksichtigt werden können. Folglich kann von realitätsnah keine Rede sein. Nicht mal ansatzweise.
    • Tux wrote:

      Wie das funktionieren soll ist mir schleierhaft, weil ich nicht verstehe, wie ein NT das macht. Ich bleibe lieber in der Realität statt zu fantasieren, wie etwas sein könnte.
      Das hat ja nichts mit Flucht aus der Realität zu tun. (RW). Ich denke mir meist rückblickend wie einfach es NTs in der Kommunikation haben und ich habe dann dies und jenes nicht kapiert und dadurch dies oder jenes Problem bekommen oder wenn ich irgendwo ein Gespräch mitbekomme das so ganz von alleine läuft (RW) und ich nur daneben stehen und denke "hä?! "
      edit: Ich meine damit auch die Dinge mal aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.

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    • Bleib wie du bist! Verstelle dich nicht! Nur so kannst du auch Leute kennenlernen die DICH mögen und deine Besonderheiten schätzen.
      Ich habe auch oft die Gedanken dass es schön wäre einen großen Freundeskreis zu haben- aber mal ganz ehrlich: Will ich das tätsächlich?!?
      Wenn bei der Nachbarin zum Geburtstag an 3 Tagen je ca. 10-20 Leute einfallen und stundenlang zu Besuch bleiben - sieht das für mich sehr lustig und einfach schön aus und ich bin neidisch ABER wenn ich mir vorstelle mir würde das Gleiche passieren ist es der blanke Horror. Ich bin da einfach anders- ich freue mich auch nicht auf irgendwelche Feste.... ich gehe hin weil ich muss bzw es von mir erwartet wird. Wobei es manchmal auch ganz nett ist... ich habe inzwischen ein paar Taktiken entwickelt die ganz gut funktionieren.
      Und NTs sind da..... aberder Großteil passt einfach nicht zu mir. Und auf die kann und muss ich verzichten- alles andere würde mir nicht gut tun.
      Ich bin wichtig für mich! Ich bin anders- aber das ist gut so!
    • platzhalter wrote:

      Ich denke mir meist rückblickend wie einfach es NTs in der Kommunikation haben und ich habe dann dies und jenes nicht kapiert und dadurch dies oder jenes Problem bekommen oder wenn ich irgendwo ein Gespräch mitbekomme das so ganz von alleine läuft (RW) und ich nur daneben stehen und denke "hä?! "
      edit: Ich meine damit auch die Dinge mal aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.
      Wenn man dies und jenes nicht kapiert, dann liegt das nicht zwangsläufig an dir. Es kann ja durchaus vom erklärenden nicht gut erklärt worden sein.
      Woran machst du fest, ob es ein NT in der Kommunikation einfach hat? Hast du den NT gefragt?

      Darüber nachzudenken, ob und wie einfach es ein NT in der Kommunikation hat und du nicht, bringt dich nicht wirklich weiter. Du fokusierst dich so auf das Negative, weil du eben kein NT bist und das schränkt dich ein.

      Was verstehst du unter Dinge? Dinge sind für mich z.B. Kugelschreiber, Fernbedienung usw.
      Wenn ich den Kugelschreiber drehe, habe ich eine andere Perspektive auf den Kugelschreiber, aber es ist immer noch ein Kugelschreiber.

      Die Dinge oder die Sachen ist genau so nichts sagend wie:
      Das Leben haut dir eins aufs Maul. Das Leben kann keinem eine aufs Maul hauen, aber die Menschen darin schon.
    • Geisterfahrerin wrote:

      Ab und zu überfällt es mich, dann bin ich es mehr als satt, dann verfluche ich den Tag an dem ich die Diagnose ASS bekam.
      Einige Jahre ist das inzwischen her. Damals dachte ich noch in meiner Naivität, schön und gut, nun wird mir wohl endlich geholfen, nun würde ich endlich meine Probleme loswerden.
      Der Autismus war ja ohne Diagnose genauso da. Du musst ja mit der Diagnose auch nichts anders machen als vorher.
    • Geisterfahrerin wrote:

      Ab und zu überfällt es mich, dann bin ich es mehr als satt, dann verfluche ich den Tag an dem ich die Diagnose ASS bekam.
      Einige Jahre ist das inzwischen her. Damals dachte ich noch in meiner Naivität, schön und gut, nun wird mir wohl endlich geholfen, nun würde ich endlich meine Probleme loswerden.
      Probleme kann man nicht loswerden. Es sei den man löst sie. Probleme sind zum lösen da.
    • platzhalter wrote:

      Das paradoxe ist, das ich dieses blinde zwischenmenschliche Verständnis und die Art zu Denken, Fühlen und Wahrnehmen, auch aus Interesse, mal gerne erleben würde, aber meine autistische Persönlichkeit dabei nicht verlieren will.
      Und genau das ist ein Mythos.
      WENN es das gäbe, wieso gibt es dann unendlich so viel Streit und Gewalt unter den Menschen, so viele Kommunikationstrainings, Achtsamkeitstrainings, Kurse für "Empathie lernen", Paarberatungen und Paartherapien.
      Wozu sind dann all die Streitschlichter*innen und all die Mediation nötig?
      Weil die Art zu Denken, Fühlen und Wahrzunehmen bei Menschen unterschiedlich ist, und sich erst verstanden wird, wenn Verständigung darüber hergestellt wurde.

      Je unterschiedlicher der diese "Art" ist, desto mühsamer ist es auch zwischen NTs, sich zu verstehen.
      Ob sie dann "Verständnis" haben bzw haben wollen, ist nochmal was anderes.

      Wo ein Mensch keine Verständigung herstellen kann und dies auch anderen zu ihm nicht gelingt, entwickelt der Nicht-Verstandene Symptome. Völlig unanhängig davon, warum die Verständigung nicht zustande kam.
      Wo jemand zwar versteht, wie ein anderer denkt fühlt und wahrnimmt, das aber nicht berücksichtigen will oder sogar gegen den anderen für sich nutzen will (Enkeltrick, extra etwas abwerten, UM den anderen seelisch fertig zu machen, oder den anderen zu manipulieren (die Werbepsychologie beruht darauf), entwickelt das Gegenüber "Symptome".
      Wo jemand eine unsichere von außen gestützte Identität hat, wird er überall da ein "Anders" ablehnen und negativ darauf reagieren, wozu er unsicher ist. Das beginnt beim Aussehen, über das andere Verhalten bis zum denken, Fühlen und Wahrnehmen.
      Wo jemand sich selbst nicht versteht, hat er keine emotionalen Kapazitäten frei, andere verstehen zu können oder das zu wollen. So jemand wird allerdings "von anderen verstanden werden wollen" von diesen anderen einfordern, als erhoffter "Ausgleich" - was jedoch nicht dazu führt, sich selbst besser zu verstehen. Wer gefüttert wird, lernt dadurch ja auch nicht kochen.

      Hier wurde der Begriff "Psychoedukation" genannt.
      In Autismus-Therapien geht es darum, den Autismus besser zu verstehen.
      ABER:
      Psychoedukation findet auch zu vielen anderen Themen statt.
      Stress - wie funktioniert Stress, woran erkenne ich frühzeitig, dass ich gestresst werde und wie kann ich mich ent-stressen. Infos zu Stress-Vulnerabilitäts-Spirale, erkennen, wie das bei einem sich selbst individuell abläuft, individuelle Wege finden, wie sich ent-stressen. Der eine findet dann vllt "laut Musik hören", der andere "Waldspaziergang". Der eine merkt es daran, dass er hibbeliger wird, der andere daran, dass er "irgendwie nicht mehr die richtigen Worte findet.
      Aggression und Impulse - wie funktioniert das allgemein, wie individuell bei mir, woran merke ich, wie in die selbst gewünschte Richtung umlenken. Die einen erkennen hier, den ersten Impulsen nicht zu folgen, andere erkennen, diese erst zu nehmen um dann ggf zum Richtigen Zeitpunkt mit einzusetzen um besser Grenzen zu setzen.
      Destruktives Denken und Depression - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran merke ich bei mir, wie denke ich dann, was kann ich mein Denken für mich statt gegen mich einsetzen.
      Angst und Phobien - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran merke ich rechtzeitig, was kann ich tun, um damit umgehen zu können und mich dadurch nicht beeinträchtigen zu lassen
      Gefühle und Emotionsregulation: Wie enstehen Gefühle, wie funktioiern Gefühle, was fühle ich, wieso fühle ich so, was löst das aus, was denke ich vor den Gefühlen, wie kann ich mich hier um mich gut kümmern, damit es mir mit diesen Gefühlen besser geht
      Trauma, Trigger und Trauer - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran erkenne ich rechtzeitig, was kann ich da - für mich wirklich geeignet - tun.
      Der gesamte riesige Bereich der Verhaltenstherapien beginnt bei "wie funktioniert das bei mir, was will ich und was kann ich dann tun" (leider wird hier selten das "wie funktioniert das allgemein" erklärend mit reingebracht, gute Verhaltenstherapeut*innen werden das aber bei Bedarf machen.

      Jedes Training und Seminar zu sozialen skills beruht darauf - hier wird mehr erklärt zu "allgemeiner Funktionsweise.
      Jedes coaching beruht auf Bestandsaufnahme "Wie isses bei mir, was will ich statt dessen, wie komm ich da hin".
      Alle Sterbe- und Trauerbegleitungs-Seminare beruhen darauf.
      Jede Therapie beruht darauf.

      In allen ist Voraussetzung, anzuerkennen, dass das "nicht einfach so" passiert oder gekonnt ist, sondern bedeutet genau hinzusehen, auch da wo es einem zu sich nicht gefällt, zu dem, was man lieber ausblendet, sowohl bei dem, was man selbst mit sich gemacht hat und macht, und was das bewirkt hat und bewirkt, als auch zu dem, was andere mit einem gemacht haben und machen, und was das bewirkt hat und bewirkt. In der eigenen Entwicklung, emotional und im alltäglichen Leben.

      Meine Eltern hätten mich auch dann nicht akzeptieren und lieben können, wen ich NT gewesen wäre. DASS das so war und nicht anders, lernte ich zum Glück über die Therapie erkennen, bevor ich auch nur was zu meinem Autismus ahnte. Was das "Waisenkind"-Gefühl schon damals erklärte.
      Mein Autismus und da , wo er sich zeigte, gab ihnen nur mehr an "Gelegenheit", das als "Begründung" für fieses Verhalten zu nehmen.
      Vllt wäre ich als ohne den bzw meinen Autismus bei diesen Eltern schizophren geworden oder hätte eine borderline-Störung entwickelt.

      Dass der Ex damals ein "verdeckter Sadist war", auch das wäre nicht anders gewesen, hätte ähnliche Folgen gehabt. Es wäre kein bisschen leichter gewesen. Das eine oder andere Problem hätte sich nicht gestellt, dafür wären andere da gewesen, manche Folge hätte ich vllt abwenden können, dafür andere gehabt. Es sind ja auch andere auf ihn reingefallen, haben Folgen erlebt, alles NTs.

      Dass dieses andere Denken, Fühlen, Wahrnehmen, es schwerer macht, Verständigung herzustellen ist logisch. Schwerer für andere, einen zu verstehen, weil sie das nicht kennen, und einem selbst ebenfalls, der das eigene nicht kennt, und das von NTs auch oft nicht versteht.

      Dass dieses autistische "Anders" dann auch dazu führt, dass in Therapien andere Bedürfnisse nicht erkannt werden oder nicht geglaubt werden, wenn das "autistisch" des Klienten*der Klientin nicht erkannt ist oder dort nicht verstanden wird, ist auch logisch.

      Über etwas, das oft sogar beide nicht kennen, kann sich nicht "einfach mal so" verständigt werden. Wo nicht richtig verstanden ist, egal bei wem weniger, ist Prozess zur Verständigung mühsamer bis extrem mühsam.

      Aber, der Weg, Verstehen zu erlangen und Verständigung herstellen zu können, ist genau der Gleiche und funktioniert ganz genauso, wie das zwischen NTs funktioniert, wenn es dort funktioniert, mit den gleichen Schwierigkeiten und Problemen.

      Dieses Gefühl von blindem Verstehen findet (mehr oder weniger) zwischen Autist*innen statt, dort wo die Art zu Denken, zu Fühlen und Wahrzunehmen ähnlich ist.
      Bei den einen mehr, bei denn anderen weniger, aber selbst bei Unterschieden, "irgendwie blind".
      Aber auch hier, Voraussetzung ist, dass sich alle selbst ein bisschen besser verstehen und Verständigung gewollt ist - wo nicht geht das dann genauso ab wie zwischen NTs oder mit NTs.

      Aber, mit denen, bei denen dieses blinde Verstehen da ist, hab ich mich auch schon heftigst gestritten, wenn es mal nicht da war - um dann wieder um Verständigung und Verstehen zu ringen.
      Vorteil - wenn der "Beschluss" da ist, Verstehen zu wollen und Verständigung wieder herzustellen, dann ist da die "autistische Hartnäckigkeit", nicht aufzugeben, bis es wieder da ist. Könnte man auch "Abtauchen in anlassbezogenes SI" nennen. :d
      Und zwar so lange, BIS wieder der vorherige "Kontakt" erreicht ist - und wenn das 10 Stunden dauert. erst wenn der da ist, können dann die Sachfragen darin auf später verschoben werden, ohne dass das noch miese Gefühle hinterlässt und weitere Ängste (herkommend aus Erfahrungen mit NTs) auslöst.

      Die Bereitschaft dazu, auch darauf so viel Zeit und Energie zu verwenden, hat auch damit zu tun, dass mir und diesen bewusst ist, wie wertvoll es ist, wennn dieses Verstehen überhaupt mal da ist, und das Wissen, dass es sich lohnt, Zeit und Energie darauf zu verwenden.
      Ein Freund und ich "mussten da mehrfach durch". Heute ist das Verstehen "blind" da, und das Vertrauen, dass wir es wieder herstellen können, selbst wenn mal irgendwas nicht gleich verstanden ist und irritiert.

      Letztendlich braucht es von den Beteiligten nicht mehr als "Verstehen und Verständigung" für sich, mit sich, für andere und mit anderen, herstellen zu wollen, das zum SI zu machen, und ggf autistisch hartnäckig dran zu bleiben.
      Wenn SI, sammelt sich das Wissen darum ziemlich schnell an. Kleiner autistischer Vorteil gegenüber NTs.

      Was aber nicht bedeutet, sich mit allen Menschen verständigen zu können - manchmal muss man einfach verstehen, das andere einfach nicht wollen. Warum auch immer. Oft weil es ihnen "zu mühsam" ist, oder Verstehen und Verständigung ihnen nicht so viel wert ist.
      Mal allgemein (weil "blind" erwartet, oder "verstanden werden wollen" erwartet wird, aber kein "andere verstehen wollen" da ist), was man dann halt persönlich abkriegt, wenn das offensichtlich wird.
      Um dann hier eine Grenze zu ziehen, sich emotional und ggf ganz praktisch abzugrenzen.
      Dann kommt- wie in der Psychoedukation gelernt - die "innere Arbeit".
      Also mit der Enttäuschung klarzukommen, dass es anders ist als bisher gedacht, anders als gewünscht,und das zu akzeptieren. Mit der Frustration und gefühlten Hilflosigkeit, dass mit diesem Menschen nicht geht, was prinzipiell gehen könnte, und das zu akzeptieren.
      Mit der Trauer umzugehen, und auch diese erst mal zu akzeptieren als "angemessenes Gefühl", und dann in einer wirklich guten geeigneten Weise für sich selbst auch damit umzugehen.

      Das werden einem weder andere Aspies noch NTs "geben", "abnehmen" oder "ausgleichen" können, oder für einen machen können.
      Weil es "Lebensaufgabe" aller Menschen ist, im eigenen Leben über eigene Erfahrungen, mit und aus denen man dazu und zu sich etwas lernt, einen ganz eigenen individuellen Weg und guten Umgang, mit sich und anderen zu finden. Der sich für einen selbst dann auch richtig anfühlt.
      Die "Tragik" des Mensch-Seins, oder die "Chance, weil Mensch sein". Bzw beides immer gleichzeitig. Nach was es sich mehr anfühlt, ist dann auch abhängig davon, worauf man stärker schaut bzw durch Umstände gezwungen ist, auch mal auf das andere zu schauen. Das eine git es nicht ohne das andere.
      Zusammengefasst mit "Life ist a bitch" :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Tux wrote:

      Woran machst du fest, ob es ein NT in der Kommunikation einfach hat? Hast du den NT gefragt?
      Nein, aber selbst über die Familie bekomme ich das mit. Wenn ich innerhalb der Familie schon viel investieren muss um in Kontakt zu bleiben, aber unterhalb der Geschwister das irgend von alleine geht. Meine Schwester hatte nach einem Wohnort und somit Schulwechsels innerhalb von Wochen Kontakte für Schule und Freizeit knüpfen können (RW). Ich bekomme das trotz (Selbstreflextion) nicht über Jahre hin. Keine Ahnung, ich denke es ist vielleicht eine Mischung von unbewussten Gestik und Mimiken und den daraus im Gehirn entstehenden biochemischen Prozessen die diese einfache und "von selbst" gehende Kommunikation ermöglicht. Und dazu ist mein Gehirn nicht fähig.

      Tux wrote:

      Darüber nachzudenken, ob und wie einfach es ein NT in der Kommunikation hat und du nicht, bringt dich nicht wirklich weiter.
      Richtig, ich finde es aber trotzdem interessant. Gerade weil ich zu keinem NT ein solches Vertrauens- und Beziehungsverhältnis habe um mir dies auch bei persönlichen Situationen/Gefühlsdeutungen etc. erklären zu lassen bzw. nachfragen zu können.

      Tux wrote:

      Was verstehst du unter Dinge? Dinge sind für mich z.B. Kugelschreiber, Fernbedienung usw.
      Wenn ich den Kugelschreiber drehe, habe ich eine andere Perspektive auf den Kugelschreiber, aber es ist immer noch ein Kugelschreiber.
      Es war wohl zu verallgemeinernd geschrieben. Ich meinte damit Situation, Gedanken und im Prinzip die Wahrnehmung allgemein.

      Tux wrote:

      Das Leben haut dir eins aufs Maul. Das Leben kann keinem eine aufs Maul hauen, aber die Menschen darin schon.
      Stimmt. Ist ja eine nach sprachlichen Stilmitteln eine Personifizierung. Da war der Deutsch-Leistungskurs bei Abi doch zu was nütze. So habe ich mir viel Wissen und Erfahrungen über die Verwendung und Anwendung von sprachlichen Mitteln in der Alltagskommunikation (hier als RW gekennzeichnet) angeeignet.
    • Happy to be wrote:

      Und genau das ist ein Mythos.WENN es das gäbe, wieso gibt es dann unendlich so viel Streit und Gewalt unter den Menschen, so viele Kommunikationstrainings, Achtsamkeitstrainings, Kurse für "Empathie lernen", Paarberatungen und Paartherapien.
      Wozu sind dann all die Streitschlichter*innen und all die Mediation nötig?
      Weil die Art zu Denken, Fühlen und Wahrzunehmen bei Menschen unterschiedlich ist, und sich erst verstanden wird, wenn Verständigung darüber hergestellt wurde.
      Aber das System des Kommunikationsaufbaus und Ablaufes ist doch selbst zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen gleich. Mal abgesehen von dem nötigen Hilfsmittel der gemeinsamen Sprache können Menschen aus Asien ohne Probleme eine Kommunikation mit Menschen aus Afrika aufbauen. Und wenn nur mit "Händen und Füßen" wenn keine gemeinsame Sprache vorhanden ist. So hat wahrscheinlich auch der erste Kontakt zwischen den europäischen Entdeckern (Columbus, Cook, Magellan etc..) mit den eingeborenen Stämmen funktioniert. Es muss ja trotzdem eine gemeinsame "unsichtbare" Ebene der Verständigung gegeben haben. Und gerade diese erschließt sich mir nicht.
      In vielen Fällen scheitert die von dir beschriebene Kommunikation an persönlichen Eigenarten der Person, dem bewussten und gewollten Unverständnis und dem Interesse nach dem eigenen Vorteil.

      Happy to be wrote:

      Wo jemand sich selbst nicht versteht, hat er keine emotionalen Kapazitäten frei, andere verstehen zu können oder das zu wollen. So jemand wird allerdings "von anderen verstanden werden wollen" von diesen anderen einfordern, als erhoffter "Ausgleich" - was jedoch nicht dazu führt, sich selbst besser zu verstehen. Wer gefüttert wird, lernt dadurch ja auch nicht kochen.
      Richtig und falsch. Wenn ich in einem Kontext meine eigenen Gefühle nicht wahrnehmen kann und diese somit nicht ausdrücken und verstehen kann, aber in einen anderen Kontext eine andere Person sehe die ähnlichen "Symptome" hat und diese dann ausdrückt, kann ich von dieser Person auf mich schließen. Umgekehrt kann ich von mir, aus Erfahrungen, Handlungsweisen auf anderer Personen schließen weil ich schon Erfahrungen in dieser Situation habe. (Mindmaps)
      Man kann also kochen lernen, indem man von den Zutaten auf die Zubereitung schließt. Irgendwie so. Keine Ahnung ob ich das verständlich ausgedrückt habe.
      Von sowas hab ich absolut keine Ahnung

      Happy to be wrote:

      Hier wurde der Begriff "Psychoedukation" genannt.
      In Autismus-Therapien geht es darum, den Autismus besser zu verstehen.
      ABER:
      Psychoedukation findet auch zu vielen anderen Themen statt.
      Stress - wie funktioniert Stress, woran erkenne ich frühzeitig, dass ich gestresst werde und wie kann ich mich ent-stressen. Infos zu Stress-Vulnerabilitäts-Spirale, erkennen, wie das bei einem sich selbst individuell abläuft, individuelle Wege finden, wie sich ent-stressen. Der eine findet dann vllt "laut Musik hören", der andere "Waldspaziergang". Der eine merkt es daran, dass er hibbeliger wird, der andere daran, dass er "irgendwie nicht mehr die richtigen Worte findet.
      Aggression und Impulse - wie funktioniert das allgemein, wie individuell bei mir, woran merke ich, wie in die selbst gewünschte Richtung umlenken. Die einen erkennen hier, den ersten Impulsen nicht zu folgen, andere erkennen, diese erst zu nehmen um dann ggf zum Richtigen Zeitpunkt mit einzusetzen um besser Grenzen zu setzen.
      Destruktives Denken und Depression - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran merke ich bei mir, wie denke ich dann, was kann ich mein Denken für mich statt gegen mich einsetzen.
      Angst und Phobien - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran merke ich rechtzeitig, was kann ich tun, um damit umgehen zu können und mich dadurch nicht beeinträchtigen zu lassen
      Gefühle und Emotionsregulation: Wie enstehen Gefühle, wie funktioiern Gefühle, was fühle ich, wieso fühle ich so, was löst das aus, was denke ich vor den Gefühlen, wie kann ich mich hier um mich gut kümmern, damit es mir mit diesen Gefühlen besser geht
      Trauma, Trigger und Trauer - wie funktioniert das allgemein, wie bei mir, woran erkenne ich rechtzeitig, was kann ich da - für mich wirklich geeignet - tun.
      Der gesamte riesige Bereich der Verhaltenstherapien beginnt bei "wie funktioniert das bei mir, was will ich und was kann ich dann tun" (leider wird hier selten das "wie funktioniert das allgemein" erklärend mit reingebracht, gute Verhaltenstherapeut*innen werden das aber bei Bedarf machen.

      Jedes Training und Seminar zu sozialen skills beruht darauf - hier wird mehr erklärt zu "allgemeiner Funktionsweise.
      Jedes coaching beruht auf Bestandsaufnahme "Wie isses bei mir, was will ich statt dessen, wie komm ich da hin".
      Alle Sterbe- und Trauerbegleitungs-Seminare beruhen darauf.
      Jede Therapie beruht darauf.

      In allen ist Voraussetzung, anzuerkennen, dass das "nicht einfach so" passiert oder gekonnt ist, sondern bedeutet genau hinzusehen, auch da wo es einem zu sich nicht gefällt, zu dem, was man lieber ausblendet, sowohl bei dem, was man selbst mit sich gemacht hat und macht, und was das bewirkt hat und bewirkt, als auch zu dem, was andere mit einem gemacht haben und machen, und was das bewirkt hat und bewirkt. In der eigenen Entwicklung, emotional und im alltäglichen Leben.

      Happy to be wrote:

      Aber, mit denen, bei denen dieses blinde Verstehen da ist, hab ich mich auch schon heftigst gestritten, wenn es mal nicht da war - um dann wieder um Verständigung und Verstehen zu ringen.
      Vorteil - wenn der "Beschluss" da ist, Verstehen zu wollen und Verständigung wieder herzustellen, dann ist da die "autistische Hartnäckigkeit", nicht aufzugeben, bis es wieder da ist. Könnte man auch "Abtauchen in anlassbezogenes SI" nennen. :d
      Und zwar so lange, BIS wieder der vorherige "Kontakt" erreicht ist - und wenn das 10 Stunden dauert. erst wenn der da ist, können dann die Sachfragen darin auf später verschoben werden, ohne dass das noch miese Gefühle hinterlässt und weitere Ängste (herkommend aus Erfahrungen mit NTs) auslöst.

      Die Bereitschaft dazu, auch darauf so viel Zeit und Energie zu verwenden, hat auch damit zu tun, dass mir und diesen bewusst ist, wie wertvoll es ist, wennn dieses Verstehen überhaupt mal da ist, und das Wissen, dass es sich lohnt, Zeit und Energie darauf zu verwenden.
      Das was du beschrieben hast ist die Bereitschaft sich auf die Kommunikationsebene einzulassen. Es ist ja auch zwischen NTs so, wenn die Bereitschaft nicht da ist, dann kann auch kein "blindes" Verständnis aufgebaut werden. Ich denke aber, dass gerade Autisten, aufgrund wegen des Training des Masking und Kompensieren, eine höhere Toleranzsschwelle gegenüber Missverständnisses und den daraus resultierenden "miesen" Gefühlen haben.
    • Fidoline wrote:

      Geisterfahrerin wrote:

      Ab und zu überfällt es mich, dann bin ich es mehr als satt, dann verfluche ich den Tag an dem ich die Diagnose ASS bekam.
      Einige Jahre ist das inzwischen her. Damals dachte ich noch in meiner Naivität, schön und gut, nun wird mir wohl endlich geholfen, nun würde ich endlich meine Probleme loswerden.
      Der Autismus war ja ohne Diagnose genauso da. Du musst ja mit der Diagnose auch nichts anders machen als vorher.
      Genauso sehe ich das auch. Deshalb war für mich die Erkenntnis, dass AS zumindest die unverstandenen Probleme des Lebens erklären würde, kein Schock, sondern eine Erleichterung, weil sie bedeutete, dass ich manche Dinge eben nicht "verbockt" habe, sondern unmöglich besser hinkriegen konnte. Und zwar einschließlich mancher kommunikativer Peinlichkeiten, die mich z.T. seit Jahrzehnten verfolgt haben.
    • platzhalter wrote:

      Aber das System des Kommunikationsaufbaus und Ablaufes ist doch selbst zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen gleich. Mal abgesehen von dem nötigen Hilfsmittel der gemeinsamen Sprache können Menschen aus Asien ohne Probleme eine Kommunikation mit Menschen aus Afrika aufbauen.
      Das Grundsätzliche Prinzip ist gleich. ABER nicht die Signale.
      In Indien wird mit dem Kopf geschüttelt, wenn ZUSTIMMUNG signalisiert wird. Welche Missverstäändnisse es da geben kann...
      Es wird IMMER Ja gesagt, wennn z.B. jemand fragt, ob eine Arbeit "zeitgerecht" abgeliefert kann - ein großes Problem, das Firmen haben, wenn sie Niederlassungen in Indien betreiben, bzw dort prodizieren lassen.

      Früher in Tibet war ein Zeichen dMan kann also kochen lernen, indem man von den Zutaten auf die Zubereitung schließt.es Respekts gegenüber "Höhergestellten", weit die Zunge rauszustrecken als Zeichen der Ergebenheit. Wie das bei einem Europäer ankam, der das nicht weiß, kannst du dir auch vorstellen.

      Lächeln und Nicken als Pflicht, egal wie es einem geht, was man von dem hält, was ein anderer sagt - von Thailand bis Japan immer noch üblich
      usw.usw.

      Die von Firmen teuer bezahllten intterkulturellen Trainings sind genau dafür da, kulturübergreifend unterschiedliche Signale kennenzulernen, einschätzen zu lernen und einen "kulturgeeigeneten" Umgang damit zu finden - was dann in Indien bedeuten kann "erkundigst du dich nicht vor einem Geschäftsgespräch nach Kindern und Enkeln, kommt vllt der Vertrag nicht zustande".
      Oder lernen, wie man DORT richtig nachfragt, um "ehrliche" Angaben über den Stand eines Projekts zu bekommen. Wäährend ein Inder sofort aus den Signalen erkennen können, wie der Stand ist und wo es Probleme gibt.

      Und das völlig jenseits der gesprochenen Sprache, die jeweils gewähölt wird - meist Englisch, was aber gar nichts nutzt, wenn man zum anderen keine Ahnung hat.

      platzhalter wrote:

      Man kann also kochen lernen, indem man von den Zutaten auf die Zubereitung schließt.
      Das setzt aber voraus, aus dem "Hunger und gefüttert werden wollen"-Modus rauszukommen und erst mal zu lernen, Zutaten zu erkennen und herauszuschmecken. Dann findet man vllt Kartoffen und Möhren, erkennt sogar, dass die irgendwie weich geworden sind . wer aber keine Ahnung hat, dass die in Wasser gekocht wurden und es eben Topf und Wasser und einen Herd braucht, erkennt das nicht. Dann findet man das raus, vllt weeil jemmand das einem gesagt hat, Aber das Kochen selbst muss erst mal gemacht und geübt werden. Aber wo ist der Wasserhahn, wenn ich nicht weiß, dass Wasser da raus kommt? Wo schaltet man die Herdplatte an, und auf welche Stufe? Wie lange müssen die kochen, aber wieso kocht da was über oder bbrennt an?
      DAnn gelingt das alles, trotzdem schmecken die nicht - weil nicht erkannt wurde, dass eine Zutat noch hineingegeben wurde, die man nicht sieht, wenn man auf den Teller guckt oder das im Mund hat - das Salz. Hier ist dann auch wieder die Frage, wie viel davon ins Wasser gegeben wurde - nachträglich draufgestreut schmeckt es schon wieder anders.

      Und dann ist alles gewusst, alles da, und es kommt kein Wasser aus dem Wasserhahn. Angst ist z.B. eine Emotion, die den "Haupt-Wasserhahn" abdreht - also wäre "Kenntnisse draufschaffen, wo der ist und wie dafür sorgen, dass die "Gespenster" im Seelenkeller den nicht immer wieder abdrehen können. Kurz "sich mal mit der Funktionsweise der menschlichen Seele bis in die Tiefe beschäftigen und "selbst in Ordnung bringen" lernen.
      Dafür sind die Psychoedulationskurse da.
      (Muss da gerade an den Film "Ghost Busters" denken. Die bibbern auch machmal, und finden nicht gleich die richtige Umgangsweise, bis die Gespenster eingefangen und unter Kontrolle sind :) )

      Die Zutaten sind das eine, die Zubereitungstechniken das andere - und zu denen muss man sich Ahnung "draufschaffen".

      platzhalter wrote:

      Ich denke aber, dass gerade Autisten, aufgrund wegen des Training des Masking und Kompensieren, eine höhere Toleranzsschwelle gegenüber Missverständnisses und den daraus resultierenden "miesen" Gefühlen haben.
      Das sehe ich etwas anders. Autist*innen sind an dese meisen Gefühle "gewohnter", haben also eine atrainierte "Leidensfähigkeit". Entwickeln "seelische Hornhaut" zu solchen Gefühlen"
      Das Leiden an den Missverständnissen bleibt.

      NTs dagegen haben seltener den Anspruch, sich 100% zu "verstehen", den meisten reicht reicht ein gutes Gefühla aus "wir denken irgendwie ähnlich und haben irgendwie eine ähnliche Meinung".
      Sie beginnen zu leiden, wenn dan ein*e Autist*in genau verstehen will und nachfragt, weil dann erst all die Unschärfen und eventell unterschiedlichen Ansichten offensichtlich werden, was "das gute Gefühl" wegmacht - eine Frage und du bist derjenige, der angeblich den Streit angezettelt hat.

      Dass sich deine Geschwister gut austauschen können, hat viel damit zu tun, dass diese sich gegenseitig "lesen" lernen konnten udn eine gemeinsame "Geschwistersprache" mit eigenen "Codes" enntwickeln konnten- aber ganz sicher haben die auch gestritten und es war nicht alles "eitel Sonnenschein". Mir anderen werden sie sich untereinander jedoch nicht "automatisch" genauso gut verständigen können.

      Jegliche Kommuniklation ist erst mal "eine gemeinsame Sprache finden bzw entwickeln".

      Und egal ob NT oder Aspie, Kommunikation scheitert am häufigsten an den jeweiligen Selbstverständlichkeiten, die die Beteiligten im Kopf haben, so dass sie über dieses "normal" gar nicht nachdenken, und bei Feststellen von "anders als ich" dem anderen ein unnormal, gestört, unwillig zuschreiben.
      Anstatt zu sagen "ups, hier läuft was schief, wie kriegen wir hier ein Verständigen und Verstehen hin". Um dann vllt bewusst mal in die eine oder andere Kommunikationstechnik zu wechseln.

      Je "normaler" jemand sich denkt, je mehr unbewusste Selbstvverständlicheiten jemand hat, desto eher wird dann gesagt "Ich hab so was nicht nötig, liegt nur daran, dass die anderen nicht normal sind" .
      Von diesen ist jedoch garantiert keine Hilfe zu erwarten. Egal ob es um NT-Andersse geht oder um autistische.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Geisterfahrerin wrote:

      dann verfluche ich den Tag an dem ich die Diagnose ASS bekam.
      Das verwundert mich, denn wenn Du die Diagnose nicht bekommen hättest, dann hättest du trotzdem ASS gehabt, hättest aber weiterhin nicht gewusst, was mit Dir los ist, und keine Chance gehabt zu lernen, damit umzugehen und/oder es zu akzeptieren oder zu lernen Dich selbst als Mensch und Aspie zu lieben.

      Ich bin mir selbst sehr dankbar dafür, dass ich mich noch spät entschlossen habe mich zur Diagnostik anzumelden. Sonst hätte ich mich weiter für den Rest meines Lebens für eine absolute Versagerin gehalten. Weil ich trotz großer Bemühungen manches eben einfach nicht hinbekommen habe, was für die meisten anderen kinderliecht zu sein schien. Irgendwann habe ich angefangen, mich dafür zu hassen. Das hat mir nicht gut getan, und besser wurde dadurch auch nichts, im Gegenteil.

      Seit ich die Diagnose habe, weiß ich, dass ich keine Versagerin bin. Ich bin unter anderen Bedingungen angetreten als die anderen, daher kann ich eben manches nicht so gut wie die meisten Menschen, anderes dafür besser.

      Geisterfahrerin wrote:

      In der Therapie habe ich vor allem gelernt, dass ich lernen muss damit umzugehen.
      Ich finde es sehr wichtig, sich selbst zu verstehen, zu akzeptieren und bestenfalls sogar zu lieben. Wenn eine Therapie dabei hilfreich sein kann, macht es für mich Sinn, eine zu machen. Ich habe es auch versucht, und bin auch nioch dabei, aber ich profitiere davon offenbar nicht so sehr, wie andere Menschen das von sich beschreiben.

      Geisterfahrerin wrote:

      Wie lange dauert es, das Anderssein zu akzeptieren? Kann man das überhaupt akzeptieren?

      Könnt ihr das inzwischen und wie habt ihr das geschafft?
      Das ist sicher sehr unterschiedlich, weil Menschen eben so unterschiedlich sind. Ich denke, dass es möglich ich, weil ich Menschen kenne, die ihr Anderssein akzeptieren, und ich selbst da auch auf einem guten Weg bin. Ich habe meine Diagnose jetzt 1 1/2 Jahre und ich bin durch verschiedene Phasen gegangen, zuerst Erleichterung, dann Trauer, dann intensive Beschäftigung mit dem eigenen Leben, alles nochmal neu anschauen im Lichte der Diagnose. Quasi das ganze Leben wie einen alten Pullover, der nicht mehr passt, aufribbeln und nochmal mit einem ganz neuen Muster neu stricken, und zwar so, dass er passt. Da bin ich immer noch an der einen oder anderen Ecke dran.

      Aber ich akzeptiere mich jetzt in meinem So-Sein über weite Strecken sehr gut. Ich möchte nicht anders oder jemand anderes sein. Früher habe ich manchmal jemand anderes sein wollen. Aber dann habe ich micht gefragt, mit wem ich denn wohl tauschen möchte? Aber dann gab es bei nährerem Hinsehen niemanden, mit dem ich hätte tauschen wollen. Denn die NTs sind auch nicht alle glücklich, im Gegenteil.

      Ich habe es vor allem durch Nachdenken geschafft. Die meisten Probleme löse ich, indem ich mich gedanklich immer wieder damit beschäftige. Viel zu dem Thema lese, und dann wieder darüber nachdenke und die Informationen daraufin prüfe, ob sie mir dienlich sind oder nicht. Und die, die mir dienlich sind, dann integriere.

      Du kannst das auch schaffen, bleib zuversichtlich auch wenn das manchmal schwerfällt..... :)
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Geisterfahrerin wrote:

      Wie dem auch sei: ich fühle mich oft eingeengt, wie in einem Gefängnis, mit einer schweren Kugel am Bein.

      Ist das nur eine Phase? Muss ich da durch? Wie lange dauert es, das Anderssein zu akzeptieren? Kann man das überhaupt akzeptieren?
      Meine Theorie ist: es hängt ganz davon ab, wie zufrieden man mit der gegenwärtigen Situation im Leben ist. Ist man zufrieden, wie es ist, dann kann man auch die Diagnose akzeptieren. Hat man viele Sorgen, fehlt einem vieles, empfindet man Mangel, Stress und Depression, dann ist es auch schwer, die Diagnose nicht zu verfluchen.
      Deshalb gibt es keine Standardlösung dafür, das ist von Mensch zu Mensch verschieden und manchmal sogar von Tag zu Tag.

      Wenn man es nicht schafft, irgendwie entweder mit dem zufrieden zu sein, was man hat, oder aber so viel verändern zu können, dass es einen zufriedenstellt, dann wird es nicht besser.

      Also muss man erst herausfinden, was man ändern will und wie das gehen kann. Wenn man feststellt, dass man nichts ändern kann oder will, dann bleibt nur die Akzeptanz (als eine Lösung, die nicht mit dem Tod endet).
      Sich dabei Hilfe zu suchen, egal in welcher Form, ist sicher nicht verkehrt. Als Spätdiagnostizierter hat man eine Menge Hilfsangebote versäumt, in der ganzen Zeit, als man sich ohne Hilfe durchgeschlagen hat, und auch wenn's Überwindung kostet, es kann was bringen, ein bisschen bei den Hilfsangeboten aufzuholen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Meine Theorie ist: es hängt ganz davon ab, wie zufrieden man mit der gegenwärtigen Situation im Leben ist. Ist man zufrieden, wie es ist, dann kann man auch die Diagnose akzeptieren. Hat man viele Sorgen, fehlt einem vieles, empfindet man Mangel, Stress und Depression, dann ist es auch schwer, die Diagnose nicht zu verfluchen.
      Deshalb gibt es keine Standardlösung dafür, das ist von Mensch zu Mensch verschieden und manchmal sogar von Tag zu Tag.
      Ich denke, das fasst es gut zusammen. Wenn man insgesamt trotz mancher Schwierigkeiten doch mit dem eigenen Lebensweg und der aktuellen Situation zufrieden ist, ist die Diagnose vielleicht sogar eher interessant. Sie erklärt vieles und "entschuldet" im gewissen Sinne auch. Erlebt man die eigene Lage jedoch als unbefriedigend und hat auch für die Zukunft keine Perspektive, die zugleich passend und machbar erscheint, nimmt man die Diagnose wohl mit höherer Wahrscheinlichkeit als eine Art "Urteil" wahr. Auch dann kann sie zwar "entschulden", aber da das kein Problem löst, hilft es vielleicht nur eingeschränkt. Der Gedanke, dass mit rechtzeitiger Hilfe vieles hätte anders laufen können, was sich nun nur noch schwer oder gar nicht mehr ändern lässt, kann eventuell sogar bitter machen.

      Shenya wrote:

      Also muss man erst herausfinden, was man ändern will und wie das gehen kann. Wenn man feststellt, dass man nichts ändern kann oder will, dann bleibt nur die Akzeptanz (als eine Lösung, die nicht mit dem Tod endet).
      Ich kann mir vorstellen, dass es in vielen Fällen auf eine Mischung hinausläuft. Es Aspekte gibt, wo man das Leben ändern und für sich stimmiger gestalten kann, aber auch andere, wo das nicht mehr möglich ist. Manchmal ist es vielleicht gar nicht so einfach, das eine vom anderen zu unterscheiden. In den Bereichen, wo sich Dinge ändern lassen, muss man dann auch oft erst die Kraft dazu finden, sich eine entsprechende Strategie zu schaffen. Und in den Bereichen, wo das nicht mehr geht, kann Trauerarbeit nötig sein, um zur Akzeptanz zu kommen und dadurch wieder Energien für anderes frei zu haben. Gerade bei Spätdiagnostizierten kann das ein komplexer, langwieriger Prozess sein, der oft auch nicht linear verläuft und durchaus Jahre in Anspruch nehmen kann.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Shenya @Leonora

      Shenya wrote:

      ... irgendwie entweder mit dem zufrieden zu sein, was man hat, oder aber so viel verändern zu können, dass es einen zufriedenstellt ...

      Leonora wrote:

      Wenn man insgesamt trotz mancher Schwierigkeiten doch mit dem eigenen Lebensweg und der aktuellen Situation zufrieden ist, ist die Diagnose vielleicht sogar eher interessant.
      Danke für Eure Beiträge, die mir mit recht wenigen Zeilen eine klarere Sicht vermitteln konnten, wie ein hilfreicher Umgang mit einer späten Diagnose gelingen kann!
    • maksa wrote:

      Danke für Eure Beiträge, die mir mit recht wenigen Zeilen eine klarere Sicht vermitteln konnten, wie ein hilfreicher Umgang mit einer späten Diagnose gelingen kann!
      Das freut mich sehr. :) Was ich über die Bewältigung einer späten Diagnose schreibe, heißt übrigens absolut nicht, dass mir selbst das auch gelingen würde. Im Gegenteil, ich bin nun schon seit etlichen Jahren in diesem Verarbeitungsprozess, und da noch keineswegs am Ende. An manchen Punkten bin ich gefühlt weiter gekommen, an anderen nicht, es gibt auch immer wieder Stagnation und Rückschläge. Aber das gehört vermutlich dazu und wird auch anderen so gehen.
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