Umfrage: Was ist gut am eigenen "Autismus" oder Asperger

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    • Umfrage: Was ist gut am eigenen "Autismus" oder Asperger

      Hallo, ich hab so eine Idee für einen Text, den ich dann im Rahmen meiner journalistischen Arbeit veröffentlichen möchte.

      Ich bin ja Aspie und ich kenne die ganzen Probleme, die es gibt. Aber ich würde total gerne mal einen Text darüber schreiben, was es auch für Chancen und Vorteile gibt, wenn man Aspie ist. Vielleicht können wir mal so eine Liste erstellen in dem Thread hier, indem Leute beschreiben, womit sie sich durchaus wohl fühlen, zufrieden arrangiert haben oder was vielleicht gerade hilfreich ist, also was sie direkt schon vermissen würden, wenn sie es nicht hätten - was ganz autismus/aspietypisches...
      Ich persönlich schreib mir gerne so Listen... damit mache ich mir mein Leben übersichtlicher. Negatives auf die eine Liste, Positives auf die andere und dann abwägen. Das hilft mir Ordnung in ein Chaos aus Sinneseindrücken und Gefühlen zu bekommen...

      Danke an alle, die mir da was schreiben wollen!
      LG momo

      The post was edited 2 times, last by MoMo23 ().

    • Die einzige Sache die ich als positiv erlebe ist dass ich mich sehr auf etwas konzentrieren kann, was bedeutet dass man, weil man tendenziell immer dasselbe macht, irgendwann zum "Experten" wird in dem Bereich wo man immer dasselbe macht, wegen des Übungseffekts. Aber gerade diese Überfokussierung ist auch eine Hinderung im Leben wenn man sie nicht auf etwas anwenden kann das soziale Integration und Anerkennung bringt. Das Leben als sozial etwas eingeschränkter Spezialist wäre bestimmt OK bis gut, das heißt etwas womit man sich abfinden könnte, weil (anerkannter) Spezialist zu sein etwas Positives bringt, aber wenn das nicht klappt sieht es etwas düster aus für den/die Aspie. Ich glaube Leonora hat ziemlich viel zu dem Thema geschrieben.
    • Ich will dir jetzt nicht deine Idee kaputtmachen, aber ich selbst habe so meine Probleme, wenn es darum geht, mein Leben in Schemata zu pressen, in gut vs. schlecht aufzuteilen usw. Und das bedeutet es ja, wenn du Listen schreibst mit "Was gut ist an meinem Autismus", denn bei jedem "gut" klingt ja auch ein "schlecht" mit an, auch wenn ich es nicht verbalisiere.

      Ich bin halt so, wie ich bin. Und ich akzeptiere mein Leben so, denn dazusitzen und mir ein anderes zu wünschen, löst ja nun keine Probleme. Und glaube nur ja keiner, dass NTs nicht auch ihre Probleme mit sich herumschleppen, ich kenne Leute mit ganzen Säcken voller Probleme.

      Wenn schon, dann mache mir lieber meine Stärken klar, gebe mir also unabhängig von Autismus eine Antwort auf die Frage "Was kann ich besonders gut?" Und da gibt's ein bisschen was. Dafür bin ich dankbar.
      "Lies are just another way of telling the truth." (Paravadin Kanvar Kharjappali)
    • Hallo Momo,

      den größten Vorteil, den ich sehe ist
      mir ist nie langweilig :d

      es gibt immer igendwas zu sehen (Detailblick von Vorteil), was zum Denken, oder zu tun...
      Ich habe das Gefühl, ein Leben reicht gar nicht aus, um alles zu erfassen.
      Diese "Neugier auf das, was es alles so gibt" ist vllt das, was mich irgendwie nie älter werden lässt - also gefühlt, der Spiegel sagt was anderes :d

      Ansonsten haben alle Vorteile bzw was an der Eigenschaft situativ hilfreich ist, auch je nach Situation erhebliche Nachteile und umgekehrt.

      Wenn ich nur die Vorteile beschreibe, dann klingt Autismus ganz toll und super, als könne man das Leben locker wuppen.
      Wenn ich die nur Nachteile beschreibe, klingt das voll behindert und nicht lebensfähig.

      Wobei, ein Vorteil fällt mir jetzt wieder auf, der uneingeschränkt einer ist.
      Sobald ich Fakten habe, etwas logisch ist, geht es mir gut. Da kann dann der Inhalt noch so schlimm sein. Mit Fakten komme ich klar.

      Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen z.B. erst "getröstet werden wollen" bevor sie die Fakten hören können.

      Bei mir genau umgekehrt. Trösten nervt eher und verärgert,
      also all die "du Armes, ist dich nicht so schlimm, das wird schon wieder, wir kriegen das hin, du kriegst das hin"-Sprüche.
      Diese lösen einen Maximales Widerstand aus, denn WOHER WEIßT DU DAS - Fakten bitte

      Sind aber Fakten da, dass IST das schon tröstlich. Und dann kann ich auch anderen Trost annehmen.

      Interessant ist, das war schon bei meinem Sohn als Kleinkind nicht anders.
      Insofern, es voll von Vorteil, Aspie zu sein, wenn man ein Aspie-Kind hat, und bei den anderen nicht von Nachteil, wenn man die Fakten aus Erziehungswissenschaft und Entwicklungspsychologie berücksichtigt.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Ich kann fast jedes Problem, mit vorhandenen Mitteln, autodidaktisch lösen, wenn es in meinem Interesse liegt.
      Dann gebe ich nicht auf. Geht nicht, gibt's nicht. Das motiviert mich sogar noch.
      Dann wird eben was erfunden ...
      8o das wäre beinahe nochmal gut gegangen

      The post was edited 1 time, last by dieter ().

    • Ich habe die Zufriedenheit, im Teenageralter in einer strukturierten Gastfamilie soziale Kompetenzen und Deutsch in einem halben Jahr erlernt zu haben.
      Auch wenn es danach wieder schlimmer war, als ich diese nach und nach wieder verlernt habe. Aber ohne Sprachen und Kommunikation als Spezialinteresse hätte ich mich nie im Leben so intensiv ins Zeug gelegt.
      Ich habe die Zufriedenheit zu wissen, weshalb ich nirgendwo dazugehöre. Und die Hoffnung, dass ich es wieder erlernen kann. Das ist ein Ziel in meinem Leben, und mein Leben ergibt für mich nur mit Zielen einen Sinn.
      Ich habe die Zufriedenheit, zu wissen warum ich so bin und mich damit akzeptieren zu können.
      Wenn du nicht du selbst bist. Wer bist du dann?
    • - Dass ich Spezialinteressen habe, denen ich in meiner Freizeit leidenschaftlich nachgehen kann (was aber auch kein Aspie-typisches Merkmal, sondern auch bei vielen NTs vorhanden ist)
      - Dass ich auch ganz gut für mich alleine sein kann (wobei ich mir noch ein paar tiefergehende Freundschaften wünschen würde)

      Joa, ich glaub, das war alles.
    • Ich scheitere immer öfter an der Definition von Autismus. Asperger, HFA usw. ist ja eh schon alles hinfällig. NT scheint's auch nicht zu geben, ja nicht einmal Nicht-Autisten.

      Übrig bleibt dann nur die Definition nach dem ICD oder DSM, und die ist natürlich defizit-orientiert.

      Wenn das die Definition von Autismus sein soll, ist es schwierig, etwas gutes daran zu finden.

      Aber das wollen Deine Leser natürlich nicht hören.

      Also schlage ich vor: guter Blick für's Detail. Und Eintrittskarte für die Spielwiese.
    • Ich weiß ja nicht, ob das, was ich vermissen würde zu meinem Autimus gehört,aber folgende Dinge würden mir vermutlich fehlen:

      * meine sehr leuchtend krasse Farbwahrnehmung mit ihrer Detailgenauigkeit

      * mein super Gedächtnis, wenn es um Fakten,Definitionen und Namen geht

      * meine Schmerzunempfindlichkeit

      * meine Verspieltheit/Kindlichkeit

      * mein Nicht-Sinn für belanglosen Smalltalk

      * mein extremer Gerechtigkeitssinn

      * Stimming!
    • Gut ist:

      - die Ehrlichkeit
      - Loyalität
      - Du weist woran du bist
      - Vertrauenswürdigkeit
      - Ernshaftigkeit
      - Das Elefantengedächtnis oder menschliches Dauerarchiv mit keiner festgelegten Löschfrist und mal mehr oder weniger schnellem Zugriff darauf
      - Die Direktheit bei der Kommunikation, nix mit durch die Blume oder zwischen den Zeilen.
      - Treu
      - Herzlich
      - Liebenswert
      - Herausfordernd
      - Spinnt der jetzt Total Effekt
      - Meine auditive Sensorik
      - Geruchsinn auch nur ein mini Windchen mit Gerüchen wird aufgesaugt und anhand der vorhanden Geruchsdatenbasis, weiss ich ziemlich fix, was in meiner Umgebung grad gekocht und gefuttert wird.
      - Gut zuhören kann
      - Die wunderbare Andersartigkeit, die mich aus der Masse hervorstechen lässt

      wenn ich weiter schreibe sprengt das jeglichen Rahmen, deswegen stoppe ich hier.
    • -klare Kommunikation
      -sachliche Kommunikation
      -großes Wissen bei Spezialinteressen
      -nie Langeweile
      -intensive Sinneswahrnehmungen
      -Freude an Strukturen und Mustern
      -kein Problem, allein zu sein, genüge mir selbst
      -große Loyalität meinen Nächsten gegenüber
      -Ehrlichkeit
      Liebe Grüße von Celsiana * Ich bin die ich bin
    • dieter wrote:

      Ich kann fast jedes Problem, mit vorhandenen Mitteln, autodidaktisch lösen, wenn es in meinem Interesse liegt.
      Dann gebe ich nicht auf. Geht nicht, gibt's nicht. Das motiviert mich sogar noch.
      Dann wird eben was erfunden ...
      ja, das ist auch eine meiner Stärken :)




      Celsiana wrote:

      -klare Kommunikation
      -sachliche Kommunikation
      -großes Wissen bei Spezialinteressen
      -nie Langeweile
      -intensive Sinneswahrnehmungen
      -Freude an Strukturen und Mustern
      -kein Problem, allein zu sein, genüge mir selbst
      -große Loyalität meinen Nächsten gegenüber
      -Ehrlichkeit
      und auch genau so, außer das mit dem Alleinsein...


      Und:
      Ich kann Ereignisse meistens besser als alle anderen verarbeiten. Die Emotionen kommen in Quarantäne und werden im Hintergrund verarbeitet, während ich es im Vordergrund sachlich abtun und weiter funktionieren kann. Natürlich mit Ausnahmen...
      Corona ist dem Ring ähnlich.
      Der Ring in "Der Herr der Ringe" zeigt die Intensität der dunklen Seite der Wesen. Corona auch...
    • * kann mich in Tiefe und Differenzierung mit so ziemlich jedem Thema auseinandersetzen und daran verstehen, wie ich es für mich nutzen kann
      * empfindliche Sensorik ohne Filter
      * unabhängig und brauche niemanden, um glücklich zu sein
      * massives Allgemeinwissen und differenziertes episodisches Gedächtnis
      * Mut, Direktheit, Gerechtigkeitssinn, naiv genug, um an das Gute im Menschen zu glauben
      * mir ist nie kalt
    • unkonventionell

      Beispiel (aus: Murphy’s Computergesetze):
      ---
      Was einfach aussieht, ist schwierig.
      Was schwierig aussieht, ist unmöglich.
      Was unmöglich aussieht, kann sogar die Putzfrau ohne Computer lösen.
      ---
      (ich wäre dann die Putzfrau ;) )
      8o das wäre beinahe nochmal gut gegangen

      The post was edited 2 times, last by dieter ().

    • Finde das Thema interesannt. Ich versuche auch mal was dazu zu schreiben, jedoch halt meine persönlichen Fähigkeiten. Andere Autisten haben diese vielleicht nicht, dafür aber andere die ich wiederum nicht habe.

      - bin meist unvoreingenommen und offen bei neuen Menschen (liegt wohl daran das ich nicht erkennen kann was für Absichten jemand hat)
      - kann mich schnell von jemandem distanzieren der mir nicht gut tut
      - vergesse nicht wenn eine Person schlecht für mich war (niedrige Toleranz neue Negativerfahrungen mit der gleichen Person zu machen)
      - gutes Langzeitgedächtnis (ich erinnere mich an sehr sehr viel aus meinem Leben)
      - bei Dingen die mir wirklich sehr viel Spaß machen, kann ich sehr langatmig mich damit beschäftigen und konzentrieren (Nachteil: man vergisst die Zeit, zu essen etc)
      - ich stehe zu mir selbst, meinen Ansichten und meiner Einstellung (das kann eine gewisse Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl schaffen)
      - ich orientiere mich von natur aus an Details (Dinge wofür andere Blind sind, sehe ich früher oder später, das heist aber nicht das ich jedes Detail in nur einem Durchgang finde)
    • Vieles davon haben auch schon andere hier geschrieben, auf mich trifft es auch zu:

      - gute Detailwahrnehmung
      - Ehrlichkeit
      - Loyalität
      - Die Fähigkeit, sich sehr intensiv und konzentriert mit meinen Interessen zu beschäftigen
      - Wenn ich etwas lernen möchte, dann gehe ich strukturiert vor und perfektioniere ich es innerhalb kurzer Zeit.
      - mein Sinn für Gerechtigkeit und Fairness
      - Die Fähigkeit querzudenken und kreative Lösungen zu finden.

      Happy to be wrote:

      den größten Vorteil, den ich sehe ist
      mir ist nie langweilig
      Das finde ich auch sehr praktisch, ich habe immer etwas, womit ich mich gerne beschäftige.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • @Schneckentanz
      mir gefällt mein Denken und ich freue mich immer über Austausch mit anderen frei Denkenden :)
      nachdenken, hinter her denken, querdenken, durchdenken, drumherum denken, aus verschiedenen Blickwinkeln auf etwas hin denken, sich in Spiralen nach oben denken, weiter denken...

      Panta Rhei, ganz nach Platon
      de.wikipedia.org/wiki/Panta_rhei

      Wer denkt, ein anderer denke zu viel, könnte vllt eher selbst zu wenig denken?
      Jemand, der sich beschwert, dass ein anderer zu reich ist, sagt das ja auch der Perspektive dessen, der meint, zu wenig zu haben.
      Also im Vergleich. Beides das gleiche Muster im Denken. Nur im Detail etwas anders :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA