Könnt ihr auf Leute zugehen und sie ansprechen?

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    • Könnt ihr auf Leute zugehen und sie ansprechen?

      Heute nachmittag kam mir der Gedanke dass es mir doch gar nicht schwer fällt auf Leute zuzugehen und sie anzusprechen wenn ich ein Anliegen habe sonst hätte ich ja auch gar keinen sozialen Beruf ausüben können.
      Ich bin sicher nicht die Einzige der es hier so geht. Ist das nicht untypisch für Menschen aus dem Spektrum? Ich bin nachdenklich...
    • Damit habe ich auch kein Problem. Im Radsport komme ich sogar in größeren Gruppen zurecht ohne zu überlasten. Zwar kann ich da nicht auf jeden einzelnen konzentrieren, aber wenn für mich ein klar definiertes Ziel/Grund für die Zusammenkunft existiert ist es für mich einfacher. Komischerweise ist es dann bei belanglosen Treffen im Bekanntenkreis mit ein zwei Personen schon bedeutend schwieriger und erfordert mehr Kraft und Anstrengung.
      Vielleicht ist es wie bei allen Menschen, es gibt schüchterne und welche die auf andere zugehen können. Nur das bei Autisten ein Grundgedanke in Form eines Anliegens vorhanden sein muss. Ein einfaches Hallo und dann sehen was passiert geht dann eher nicht. Alles eher nach Plan.
    • Hallo du.
      Ich habe auch einen sozialen Beruf. Und ich muss sehr viel mit anderen reden. Auch wenn ich manchmal lieber nicht möchte. Hilft nix.
      Ich kann es so lange gut, wie es eine fachliche Grundlage gibt. Fachgespräche mag ich auch gern. Smalltalk Bla hasse ich jedoch und werde unsicher.
      Ich sage nicht, dass ich es gar nicht kann, aber es kostet Energie und ich muss mich zusammenreißen und anstrengen.
      Mache ich schon. Und manchmal gelingt es.
      Ich denke, es ist eine Sache der Mischung.
      Ist man gezwungen, zu viel unsachliches „Bla bla“ zu betreiben, könnte man an seine Grenzen stoßen. Stelle ich (persönlich) mir so vor.

      Lg Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Vielen Dank für die Antworten, so ist es bei mir auch. Smalltalk bei Geburtstagen oder ähnlichen Zusammenkünften die ich schon so kurz wie möglich halte ist vielfach anstrengender. Ich habe nie verstanden warum Menschen es genießen soviel über uninteressantes belangloses zu reden.
    • Wenn ich eine konkrete Frage habe, dann kann ich grundsätzlich schon auf Leute zugehen und sie ansprechen. Der einzige zwingende Hinderungsgrund ist dann allenfalls, wenn mir aufgrund von Reizüberflutung schlicht die Energie dazu fehlt.
      Beim etwas längeren Nachdenken über die Thematik finde ich noch interessant, dass es mir auf Reisen in Brasilien und Argentinien oftmals leichter fiel, Leute auf Portugiesisch oder Spanisch anzusprechen, als hierzulande in meiner Muttersprache Deutsch. Keine Ahnung, woran das liegt - vielleicht am Wissen, dass die Leute dort von der Mentalität her recht offen und tolerant für sind (zumal, wenn sich der Tourist/Gast auch bemüht, wenigstens die Grundlagen der einheimischen Sprache zu lernen - nur schon die Worte "guten Tag", "danke" und "bitte" öffnen Türen!).
      Ich überlebe nur dank Koffein, Sarkasmus und unangemessenen Gedanken!
    • Iguacu wrote:

      Wenn ich eine konkrete Frage habe, dann kann ich grundsätzlich schon auf Leute zugehen und sie ansprechen. Der einzige zwingende Hinderungsgrund ist dann allenfalls, wenn mir aufgrund von Reizüberflutung schlicht die Energie dazu fehlt.
      So ist es bei mir auch, ein Overload kann auch bedeuten, dass ich gar nicht mehr sprechen kann.

      Einfach nur Leute ansprechen, um sie kennenzulernen, das kann ich wiederum nicht. So eine Situation finde ich unheimlich und unberechenbar.
      Ist da wer?

      Bums Bums Corona brauch ich nicht Hopsassa!
    • Mit konkreten sachlichen Anliegen, kriege ich das hin. Aber für soziale Aspekte ist das absoluter Horror für mich, weil die Antwort in alle möglichen Richtungen gehen kann und der jenige vielleicht auch noch was sagt, was er gar nicht so meint, und und und. Oder es endet damit, dass ich sie zutexte und sie nicht mehr zu Wort kommen und ich sie langweile ohne es zu merken.

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    • Die Situation ist mir ziemlich unangenehm. Es ist in dem Sinne keine Angst sondern mehr so etwas wie, dass ich diese Situation nicht mag und es mich anstrengt jemanden der mich nicht kennt anzusprechen und dass die Person mich auch gleich dabei richtig einschätzt. Bei den meisten Menschen hinterlasse ich durch meine Art einen etwas "seltsamen" Eindruck (wegen Körpersprache, Körperhaltung, Mimik-und Gestik). Da kommt es zu viel zu vielen Missverständnissen, die ich so nicht habe wenn ich jemanden erst einmal online kennenlerne oder jemanden, der mich richtig gut kennt.
    • Hallo

      Also ich kann keinen Smalltalk und auf Leute zugehen ist der absolute Horror. Ich kann mich z.B. mit meiner Autismus Therapeutin zum Thema Autismus oder Kinder unterhalten da ich ja im Spektrum bin und ich auch wie sie Kinder habe.
      Aber leute kennen lernen auf einer Party oder kontakte pflegen bekomme ich nicht hin aber das mag ich auch nicht unbedingt.

      Viele Grüße
    • Manchmal kann ich es. Dabei kommt es auf die Tagesform an. Etwas zu reklamieren überlasse ich meinem Mann. Auch nach dem Weg fragen. Weil ich mir letzteres sowieso nicht merken, geschweige denn umsetzen kann, da Menschen meist für mich) merkwürdig unlogisch Wege beschreiben.
      Ich brauche halt ein Anliegen.

      Zum Smalltalken habe ich eh keine Lust, da beobachte ich lieber Leute.
      Liebe Grüße von Celsiana * Ich bin die ich bin
    • Ich habe da eine ziemliche Hemmschwelle; diese kann aber auch erlernt sein bzw das Kontaktaufnehmen nicht richtig erlernt. Über gemacht Erfahrungen ist es etwas besser geworden und ich habe mittlerweile weniger Skrupel. Es ist sozusagen oft genug gut gegangen.
      Im Buch "Wer ist hier eigentlich autistisch", das ich mit großem Gewinn gelesen habe, wird dargestellt, dass Autisten den "Kommunikationscode" der NTs sozusagen studieren und nachsprechen (also nicht zwingend verinnerlichen) können.
      Ganz blödes Beispiel: Ich beobachte beim Bäcker wie die Menschen ihre Brötchen bestellen und stelle fest, dass sie erst "Guten Morgen" sagen, dann ihre Bestellung aufgeben und am Ende "Auf Wiedersehen" sagen. Den Ablauf kann ich mir merken und selbst ausprobieren.
      Erfolgreich ausprobiert könnte man eine Transferleistung versuchen und es auch an der Käsetheke so probieren.
      Ich weiß nicht, ob ich mein Aufmenschenzugehen so erlernt habe - wäre aber möglich.
      Alle wollen individuell sein ... aber wehe, jemand ist anders!
    • Bjonte wrote:

      Ich beobachte beim Bäcker wie die Menschen ihre Brötchen bestellen und stelle fest, dass sie erst "Guten Morgen" sagen, dann ihre Bestellung aufgeben und am Ende "Auf Wiedersehen" sagen. Den Ablauf kann ich mir merken und selbst ausprobieren.
      So würde ich mein Vorgehen auch beschreiben. Ich habe mein Anliegen, formuliere es vorab grob und verpacke es dann in die gelernten "Höflichkeitsformeln". Im Alltag ist das ausreichend, ich komme damit zumindest gut zurecht.

      Was darüber hinausgeht bin ich aber völlig hillflos, schon oft habe ich mir eine Schule für Kommunikation gewünscht.
      Ich hatte mal ein Unterrichtsfach, welches ich sehr hilfreich fand, das hieß betriebliche Kommunikation. Die Lehrerin konnte wie keine Andere die Sachverhalte für mich verständlich erklären und zusammen mit den anderen Mitschülern und den für sie selbstverständlichen Situationen wurde mir vieles klar.

      Celsiana wrote:

      Ich beobachte dauernd Menschen, um die Abläufe fortwährend zu lernen. Seit Harry Potter nennen meine Tochter und ich dieses Muggelkunde.
      Muggelkunde, ein schönes Wort - und so treffend :)
    • Bjonte wrote:



      Ganz blödes Beispiel: Ich beobachte beim Bäcker wie die Menschen ihre Brötchen bestellen und stelle fest, dass sie erst "Guten Morgen" sagen, dann ihre Bestellung aufgeben und am Ende "Auf Wiedersehen" sagen. Den Ablauf kann ich mir merken und selbst ausprobieren.
      Erfolgreich ausprobiert könnte man eine Transferleistung versuchen und es auch an der Käsetheke so probieren.
      Ich weiß nicht, ob ich mein Aufmenschenzugehen so erlernt habe - wäre aber möglich.
      Darum beneide ich dich :oops:
      Irgendwie hab ich einfach zu viel Angst vor den Menschen. Wenn ich dran bin, vergesse ich alles was ich mir vorgenommen habe und bringe es irgendwie hinter mich. Und das ist wahrscheinlich meistens ziemlich holprig und ruppig. Aber irgendwie schaffe ich es.
      Die Wusttheke habe ich erst geschafft, als ich meinen Förderschulkindern das beibringen musste... das war echt Horror x( . Aber Verkäufer nach gesuchten Dingen fragen, würde ich nie tun. Oder im Kleidunggeschäft beraten werden. Spricht mich einer an kann ich nur noch Kopfschütteln und abhauen. Irgendwie kann ich in dem Moment nicht mehr klar denken
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Durkadenz wrote:

      Oder im Kleidunggeschäft beraten werden. Spricht mich einer an kann ich nur noch Kopfschütteln und abhauen.
      In manchen Läden erfolgt die "Beratung" nach der Provision, die meide ich generell.
      Meine letzte Hose habe ich vor zwei Jahren mit den Worten "Entschuldigen sie bitte, ich suche nach einer Hose mit einem Schnitt wie ich sie eben trage, in der Größe 31/32. Jack&Jones passen mir meist. Haben sie vielleicht etwas passendes da?"

      Daraufhin brachte sie mir drei Modelle, eines passte, also wollte ich diese noch zusätzlich in blau haben, worauf sie mir die blaue in zwei verschiedenen Größen überreichte, mit den Worten: "bei diesem Modell unterscheiden sich die Größen zwischen den Farben, eine davon müsste passen". Das nenne ich Service, wie für mich gemacht.

      Allerdings bin wieder ich auf die Verkäuferin mit meinem konkreten Anliegen zugegangen, ohne dieses hätte ich wohl auch wie du reagiert.
    • Präzise Frage - kein Problem, also so etwas wie "Haben Sie diese Hose auch in Medium?"
      Schwieriger wäre, einem Verkäufer zu erklären, was ich so ungefähr suche, da kuck ich lieber selbst, bis ich klar weiß, was ich will.

      Ganz unmöglich: Jemanden einfach ansprechen, um ein Gespräch zu beginnen, zum Beispiel in der Konzertpause einen anderen Besucher, um mich über die Musiker auszutauschen. Auch wenn das kein Smalltalk ist, es geht nicht.

      Bjonte wrote:

      Ich beobachte beim Bäcker wie die Menschen ihre Brötchen bestellen und stelle fest, dass sie erst "Guten Morgen" sagen, dann ihre Bestellung aufgeben und am Ende "Auf Wiedersehen" sagen. Den Ablauf kann ich mir merken und selbst ausprobieren.
      Ja, vielleicht habe ich das auch mal so gelernt, vielleicht war es auch Erziehung. Aber ich lass heute noch oft Einleitungs- und Schlussfloskeln weg. Ich sage beim Bäcker also nur: "Fünf Vollkornbrötchen, 2x Sonnenblumenkerne, 2x Mohn, 1x Kürbiskerne." Oft ertappe ich mich, dass ich auch das "bitte" vergesse. Und beim Bezahlen rede ich nur, wenn ich Kleingeld loswerden will: "Die achtzig Cent hab ich klein!"

      Iguacu wrote:

      Beim etwas längeren Nachdenken über die Thematik finde ich noch interessant, dass es mir auf Reisen in Brasilien und Argentinien oftmals leichter fiel, Leute auf Portugiesisch oder Spanisch anzusprechen, als hierzulande in meiner Muttersprache Deutsch.
      Das ist ein bekanntes Phänomen, steht meines Wissens auch im Tony Attwood: Einfache Kommunikation fällt Autisten in der Fremdsprache leichter. In einer anderen Sprache / Kultur macht man beim Kommunizieren so viele Fehler (Gestik, Mimik, Sprache), dass autistisch bedingte gar nicht auffallen. Und instinktiv scheinen Aspies das zu wissen und stellen deshalb leichter mal eine einfache Frage.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)