Geräuschempfindlichkeit verbessern, aber wie?

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    • Geräuschempfindlichkeit verbessern, aber wie?

      Hallo,

      ich leide mal wieder unter dem Problem, dass bestimmte Geräusche mich sofort hochgehen lassen. Es liegt nicht an der Lautstärke oder Art der Geräusche, ich kann sie nur einfach nicht aushalten, da reichen geringe Anlässe (kurzes Geräusch, leises Geräusch).

      Vielleicht ähnlich wie Misophonie, nur betrifft es in meinem Fall nur Geräusche aus Nachbarwohnungen.

      Zu Misophonie habe ich einen verwirrenden Artikel gefunden:
      fitforfun.de/news/hass-auf-ger…isophonie-tun-355470.html
      Verwirrend deshalb, weil dort zuerst geschrieben wird, Konfrontation würde nicht helfen, könnte eher schaden, und weiter unten wird geschrieben:
      "Andere Möglichkeiten sind zum Einen eine Verhaltenstherapie, zum Anderen ein Retraining-Programm, wie es auch bei Tinnitus angewandt wird.
      Dabei hört man Aufnahmen des Trigger-Geräusches in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Lautstärken, um eine höhere Toleranz zu erlangen."

      Das ist doch dann doch wieder Konfrontation, oder? Ich verstehe den Unterschied nicht.

      Hat jemand von euch schon mal versucht, weniger geräuschempfindlich zu werden, speziell wenn es um Reizgeräusche geht, die sofort, auch in kleinen Dosierungen Angst, schnelleren Puls und Bauchschmerzen verursachen? Was kann helfen? Ist es doch die gute alte Konfrontation?
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Hat jemand von euch schon mal versucht, weniger geräuschempfindlich zu werden, speziell wenn es um Reizgeräusche geht, die sofort, auch in kleinen Dosierungen Angst, schnelleren Puls und Bauchschmerzen verursachen? Was kann helfen? Ist es doch die gute alte Konfrontation?
      Da habe ich leider noch keine Lösung gefunden ausser Vermeidung in Form von Ohrenstöpseln.
      Konfrontation würde mich nur Ausrasten lassen.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Shenya wrote:

      Hat jemand von euch schon mal versucht, weniger geräuschempfindlich zu werden, speziell wenn es um Reizgeräusche geht, die sofort, auch in kleinen Dosierungen Angst, schnelleren Puls und Bauchschmerzen verursachen? Was kann helfen? Ist es doch die gute alte Konfrontation?
      Ja, habe ich. Andauernd - wenn auch nicht sonderlich erfolgreich...

      Ich habe für mich herausgefunden, dass ich Geräusche in zwei Kategorien einteilen kann:
      1. Das Geräusch wirkt sich direkt auf meinen Körper aus, d.h. meine Sinne verändern sich, oder es kostet mich extrem viel Energie das weiterhin auszuhalten.
      Hier hilft mir nur mich rechtzeitig zurückzuziehen oder zu schützen, z.B. mit Gehörschutz.

      2. Das Geräusch kann ich aushalten, wenn ich bei Beschäftigung mit einem SI (oder verwandtem Thema) fokussiert bin und es somit ausgeblendet bekomme.
      Diese nicht körperlich wirkenden Geräuschen stehen bei mir oft in Verbindung mit einer negativen Bewertung, welche ich teilweise "umbauen" kann.
      Eine ansatzweise Konzentration auf ein uninteressantes Thema ist damit zwar noch immer nicht möglich, aber ich gehe deshalb nicht mehr an die Decke.

      Ersteres würde ich unter neurologisch, Pech gehabt - letzteres als Misophonie und somit teilweise umgehbar einordnen (mit der Einschränkung, dass ich es trotzdem nicht ausblenden kann)
    • Shenya wrote:

      Was kann helfen?
      In meinem Fall war es ein Teil der Hellhörigkeit meiner neuen Wohnung - die Gespräche/Stimmen meiner unter mir wohnenden Nachbarn, was mich unverhältnismäßig gestört hat.
      Ich habe andere Leute nach ihren Erfahrungen gefragt, um mich überhaupt erst einmal einordnen zu können in Bezug auf den Schweregrad des Geräusches und mein Störungsgefühl, alleine das hat mir schon sehr geholfen.

      Analyse:
      Was, genau stört mich wann, wie, warum und in welchem Zusammenhang.
      Wie oft kommt das Geräusch vor etc.
      Mir war wichtig, eine Relation herzustellen zum tatsächlichen Vorkommen des Geräusches und meiner Irritation.
      Diese Vorgehensweise hat mich so weit gebracht, das ich mich heute deutlich weniger gestört fühle. An einer Verstetigung arbeite ich weiterhin.
    • Ginome wrote:

      Da habe ich leider noch keine Lösung gefunden ausser Vermeidung in Form von Ohrenstöpseln.
      Konfrontation würde mich nur Ausrasten lassen.
      Das ist derzeit der Stand auch bei mir.

      Hutmacher wrote:

      Ersteres würde ich unter neurologisch, Pech gehabt
      Ich habe mich aber gefragt, ob es auch bei diesen Geräuschen nicht doch auch eine Frage der Bewertung ist? Nur dass ich die Bewertung anscheinend nicht ändern kann. Nachbarschaftsgeräusche haben bei mir so eine dermaßen negative, bedrohliche Bewertung, dass ich sofort im Panikmodus bin, und von da geht es direkt in den Depressionsmodus. Ich fühle mich machtlos ausgeliefert. Wenn meine Nachbarn es drauf anlegen würden, könnten sie mich richtig fertig machen. Einmal einen Abend lang laute Musik und ich wäre nur noch ein Häufchen Elend oder hätte mich aus dem Fenster gestürzt. Ich habe noch Glück, dass es nur ganz normale Leute sind.
      Manchmal denke ich "Jammern auf hohem Niveau meinerseits", aber das ändert nichts an den Gefühlen, dann kommen höchstens noch Schuldgefühle dazu, weil ich nicht zufrieden bin mit dem was ich habe.

      Coocy wrote:

      Ich habe andere Leute nach ihren Erfahrungen gefragt, um mich überhaupt erst einmal einordnen zu können in Bezug auf den Schweregrad des Geräusches und mein Störungsgefühl, alleine das hat mir schon sehr geholfen.
      Das habe ich auch versucht, alle anderen behaupten, ihre Wohnungen (im gleichen Haus wie meine) seien nicht hellhörig. Entweder habe ich sehr viel Pech oder aber, das was ich als hellhörig empfinde, empfinden andere nicht so.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Ich habe mich aber gefragt, ob es auch bei diesen Geräuschen nicht doch auch eine Frage der Bewertung ist? Nur dass ich die Bewertung anscheinend nicht ändern kann. Nachbarschaftsgeräusche haben bei mir so eine dermaßen negative, bedrohliche Bewertung, dass ich sofort im Panikmodus bin, und von da geht es direkt in den Depressionsmodus. Ich fühle mich machtlos ausgeliefert.
      Hört sich für mich schon nach Bewertung an, nach einer selbsterfüllenden Prophezeiung - das "Wissen" um die Panik, die kommen wird führt dann letzendlich in die Panik. Angst vor der Angst.

      Ich konnte meine Angst langsam abbauen nachdem ich gelernt hatte, dass ich nicht immer gleich empfindlich bin, wieder mehr Energie hatte, lernte meine Energie einzusparen und somit wieder mehr ertragen konnte als die Jahre davor.
      Das Wissen, dass da noch mehr geht, hat mir den Mut gegeben mich dem zu stellen.
    • Ich habe jahrelang versucht, Lärm auszuhalten und mich irgendwie daran zu gewöhnen (getreu dem Motto: "Andere können das auch, also muss ich das auch können!" :m(: ), aber das hat nie funktioniert. Seit ich die Diagnose habe, erlaube ich mir, Lärm nicht aushalten zu müssen und ihm (sofern möglich) aus dem Weg zu gehen. Das schont meine Nerven und spart wichtige Energie, die ich dann für andere Dinge verwenden kann. :nod:
    • Das Problem ist halt, wenn man dem Lärm nicht aus dem Weg gehen kann. Im Moment ist es so, sobald von oben wieder ein Bumms kommt, habe ich Bauchschmerzen. Gewöhnung ist noch nicht eintetreten.

      Ich habe mir heute nochmal andere Ohrstöpsel bestellt, die auch tiefere Frequenzen dämmen. Vielleicht geht es damit.
      Dem NC will ich auch nochmal eine Chance geben. Aber wenn man sich in der eigenen Wohnung nicht ohne Gehörschutz aufhalten kann, ist schon scheiße. Ein Umzug kommt nicht mehr in Frage. Man kommt vom Regen in die Traufe, oder es wird noch schlimmer.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Koffein, Sinneswahrnehmung und Bewegung

      Auf der Arbeit wird es im Büro ab und an ziemlich laut und in der Werkhalle wird Metall bearbeitet. ~4 Stunden nach Lärmbelastung kam es dann oft zu Konzentrationsschwäche und den nächsten Tag oder länger war ich oft völlig fertig und musste mich krank schreiben lassen. Die Lärmbelastung konnte ich durch Ohrenstöpsel und ANC Kopfhörer reduzieren, nicht aber meine Empfindlichkeit.

      Dann habe ich bemerkt, dass Koffein kurz nach der Lärmbelastung mich deutlich ruhiger werden lässt. So konnte ich mich auch durch die Umschulung quälen.
      Erst bei dieser Arbeitsstelle habe ich angefangen Kaffee zu trinken, deswegen fiel mir das vorher wohl nicht auf. Grüner Tee hat einen ähnlichen Effekt, aber erscheint mir schwächer.

      Durch angenehme, andauernde und intensive Sinneswahrnehmungen reduziert sich meine Empfindlichkeit.
      Bei mir sind das vor allem Tast, Wärme und Kälte.
      Tast: Rückenkratzer
      Wärme: Wärmflasche
      Kälte: kalte Dusche

      Bewegung und körperliche Anstrengung hilft mir abzuschalten und meine Gedanken zu beruhigen.

      Falls jemand meine Interpretation dieser Eigenschaft interessiert:
      Die Überreizung der Sinne/Nerven überträgt sich auf das gesamte Nervensystem und sorgt für eine Überforderung des ganzen.
      Koffein als Stimulant wirkt regulierend auf das Nervensystem.
      Die Sinneswahrnehmungen wirken ebenfalls regulierend
      Bewegungen sind ein Mittel traumatische Erfahrungen, wie die völlige Überreizung des Nervensystem, zu verarbeiten.

      Solange ich mich an dieses Muster halte, funktioniere ich recht gut unter Lärm. Bei Abweichungen tritt die Empfindlichkeit schnell wieder auf.
    • Ich finde das sehr interessant, weil Rückenkratzen und Wärmflasche mich auch runterfährt. Früher bin ich auch gerne in eiskaltes Wasser oder unter kalte Dusche, geht leider nicht mehr, weil es bei mir Migräne auslöst.

      Jetzt kann ich das echt anders einordnen. Danke dafür.
      Liebe Grüße von Celsiana * Ich bin die ich bin
    • Shenya wrote:

      Das Problem ist halt, wenn man dem Lärm nicht aus dem Weg gehen kann. Im Moment ist es so, sobald von oben wieder ein Bumms kommt, habe ich Bauchschmerzen. Gewöhnung ist noch nicht eintetreten.

      Soweit ich mich erinnere, bist du doch gerade erst in diese neue Wohnung eingezogen, oder?

      Wenn es so ist, gibt es vielleicht die Möglichkeit, dich mit einem kleinen Willkommensgruß (was Selbstgebackenes mit Grußkarte oder so) als neue Nachbarin "von unten drunter" vorzustellen.

      Sollten die Bewohner über dir tatsächlich manchmal etwas lauter sein, wird es ihnen durch deine Maßnahme zukünftig vielleicht leichter fallen, mehr Rücksicht zu nehmen, weil sie dich nun kennen und du dann keine anonyme Person "irgendwo im Haus unten" mehr bist.
    • Coocy wrote:

      Soweit ich mich erinnere, bist du doch gerade erst in diese neue Wohnung eingezogen
      Genau. Von 6 Wohnungen, wo ich im Lauf der Zeit gewohnt habe, war nur eine nicht hellhörig. Ich habe immer gehofft, ich finde nochmal so eine, aber ich gebe das jetzt auf. Ich muss irgendwie damit klarkommen, wie es ist.

      Coocy wrote:

      Wenn es so ist, gibt es vielleicht die Möglichkeit, dich mit einem kleinen Willkommensgruß (was Selbstgebackenes mit Grußkarte oder so) als neue Nachbarin "von unten drunter" vorzustellen
      Das klingt nach einer taktisch klugen Lösung, aber ich bin sozialphobisch veranlagt, und eigentlich will ich den Leuten auch nichts vorlügen. Sie gehen mir auf die Nerven, und ich will sie gar nicht kennenlernen. Wenn ich könnte, würde ich sie ins All beamen, dann die Wohnung über mir kaufen und leer stehen lassen. Und die Wohnung neben mir auch gleich. Millionär müsste man halt sein....
      Aber ernsthaft: ich glaube, es wäre auch sehr unüblich, sich beim Nachbarn oben drüber formell vorzustellen. Das macht man hier, wenn, dann eher bei den Nachbarn rechts und links. Mit der Zeit lernt man die anderen Nachbarn dann noch kennen, wenn man mal zusammen Aufzug fährt. Aber ich werde über den Vorschlag nachdenken.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Ich habe mich aber gefragt, ob es auch bei diesen Geräuschen nicht doch auch eine Frage der Bewertung ist? Nur dass ich die Bewertung anscheinend nicht ändern kann. Nachbarschaftsgeräusche haben bei mir so eine dermaßen negative, bedrohliche Bewertung, dass ich sofort im Panikmodus bin, und von da geht es direkt in den Depressionsmodus. Ich fühle mich machtlos ausgeliefert. Wenn meine Nachbarn es drauf anlegen würden, könnten sie mich richtig fertig machen. Einmal einen Abend lang laute Musik und ich wäre nur noch ein Häufchen Elend oder hätte mich aus dem Fenster gestürzt. Ich habe noch Glück, dass es nur ganz normale Leute sind.
      Manchmal denke ich "Jammern auf hohem Niveau meinerseits", aber das ändert nichts an den Gefühlen, dann kommen höchstens noch Schuldgefühle dazu, weil ich nicht zufrieden bin mit dem was ich habe.
      Vielleicht ist es ja möglich, dass man den Nachbarschaftsgeräuschen die selbe emotionale Bewertung geben kann wie zb Wind in den Bäumen beim Waldspaziergang, also etwa so "es ist nunmal einfach da, unvermeidlich, aber es stört mich nicht, ich kümmere mich nicht darum und ich muss gar nichts dagegen tun"?
    • Ja, das wäre im Prinzip optimal, aber bisher geht das nicht. Das ist so ähnlich vielleicht, wie wenn man einen knurrenden, zähnefletschenden Hund vor sich hat und versucht, sich vorzustellen, es sei nur ein Kaninchen.
      In Wirklichkeit ist es vielleicht wirklich ein Kaninchen, aber solange man es anders wahrnimmt, ist es schwierig, ruhig zu bleiben.
      Bei einer Konfrontationstherapie würde man sich Stück für Stück diesen Geräuschen aussetzen, mit dem Ziel, zu lernen, dass sie nicht gefährlich sind, dass nichts passiert.
      Aber da kommen vielleicht noch die Asperger-Besonderheiten bei der Wahrnehmung dazu, die das nicht so einfach machen, und rein praktisch gesehen, kann man sich nicht selektiv den Geräuschen aussetzen, sondern entweder alles oder nichts. Ohrstöpsel rein oder raus. Dann sind alle Geräusche auch noch neu und nicht einschätzbar. Ich denke, ich muss bis auf Weiteres voll auf Gehörschutz setzen, und erst dann, wenn ich mich ansonsten eingelebt habe und sonst alles gut ist und ich in einer wirklich guten Lebenssituation bin (was allerdings schon lange nicht mehr der Fall war), dann könnte ich mal versuchen, mich den Geräuschen auszusetzen.
      So sehe ich das derzeit.
      Aber generell stimme ich zu, dass man Nachbarschaftsgeräusche nicht als so bedrohlich wahrnehmen sollte. Ich habe wahrscheinlich in der Vergangenheit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Ich habe das gleiche Problem in einer Mietwohnung gehabt.

      Ich fand nicht nur den reinen Lärm störend, sondern vor allem auch auch die Vibrationen und Erschütterungen, wenn jemand in der Wohnung über mir, hin-und her gegangen ist. :roll:
      Diese Geräusche, die sich nicht nur auf die reine Lautstärke beschränken, sondern sich auch noch durch Erschütterungen bemerkbar machen, die fand ich am unangenehmsten.
      Ich fand die Geräusche in den Wohnungen über mir, unangenehmer als wenn unter mir Lärm war.

      ***
      Ich habe bei mir gemerkt, dass es bei mir Geräusche gab, die auch eine emotionale Bewertung enthalten haben. Als ich damals alleine in der Wohnung war und dann gehört habe, okay da ist jetzt in der Nachbarwohnung eine Feier oder da lachen Leute, da wurde ich innerlich etwas wütend und genervt, wenn das später am Abend war.
      Ich denke, dass ich damals vorgespiegelt bekommen habe, okay, die Leute haben alle Spaß und sind nicht alleine und du bist in der Wohnung ganz alleine. Bei dieser Art von Lärm war bei mir eine große emotionale Komponente vorhanden. :roll:

      Bei diesem Geräusch hat dann auch Musikhören nicht viel geholfen, weil man das Gefühl hatte, okay in der Wohnung nebenan sind Menschen, die Lebensfreude haben und dir geht es momentan sehr schlecht.

      Jetzt wo ich nicht mehr alleine wohne, da stören mich solche Geräusche nicht mehr, im Gegenteil, ich merke eher, wenn es sehr ruhig ist und denke, ja bin ich denn die einzige, die hier feiert :d .

      Meiner Beobachtung nach haben sehr viele Menschen in Mietwohnungen Probleme mit Geräuschen, nur das Thema ist ein bisschen tabuisiert in der Gesellschaft, man gibt nicht gerne zu, dass man sich in seinem zu Hause unwohl fühlt? :roll:

      ***
      Ich würde ein Lärmtagebuch machen, notieren, wann welches Geräusch stört.

      Es kommt auch darauf an, wie groß das Haus ist und wie die anderen Nachbarn sind, generell ist der Lärm etwas besser aushaltbar, wenn man die Nachbarn kennt und sich mit ihnen gut versteht oder die bsp. schonmal ein Paket für einen angenommen haben und man denkt, okay X oder y ist im Haus, das geht aber nur, wenn man eben irgendeine Verbindung zu den Nachbarn hat, wenn da zu viele Nachbarn unter einem Dach wohnen, dann wird das schwierig oder wenn die Nachbarn ständig wechseln.

      Wichtig finde ich auch, dass man sich selbst ein Highlight schafft, sich selbst belohnt und sich auch mal was gutes tut. Vielleicht nochmal ein neues Meerschweinchen kaufen, die können ja auch etwas Lärm machen. :d
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Shenya wrote:

      Ja, das wäre im Prinzip optimal, aber bisher geht das nicht. Das ist so ähnlich vielleicht, wie wenn man einen knurrenden, zähnefletschenden Hund vor sich hat und versucht, sich vorzustellen, es sei nur ein Kaninchen.
      In Wirklichkeit ist es vielleicht wirklich ein Kaninchen, aber solange man es anders wahrnimmt, ist es schwierig, ruhig zu bleiben.
      Bei einer Konfrontationstherapie würde man sich Stück für Stück diesen Geräuschen aussetzen, mit dem Ziel, zu lernen, dass sie nicht gefährlich sind, dass nichts passiert.
      Ja das stimmt, man weiß, es ist nichts gefährliches, aber diese Angst entzieht sich der Rationalität. Ich habe auch eine Phobie vor einem bestimmten Geräusch entwickelt. Nachbarschaftsgeräusche sind aber so allumfassend und unvermeidbar, wirklich wie der Wind, ist es dann das selbe wie eine Phobie, der man mit Konfrontationstherapie begegnet? (meine Überlegung ist: vielleicht ist Konfrontationstherapie hier gar nicht nötig?)

      Shenya wrote:

      Aber da kommen vielleicht noch die Asperger-Besonderheiten bei der Wahrnehmung dazu, die das nicht so einfach machen, und rein praktisch gesehen, kann man sich nicht selektiv den Geräuschen aussetzen, sondern entweder alles oder nichts. Ohrstöpsel rein oder raus. Dann sind alle Geräusche auch noch neu und nicht einschätzbar. Ich denke, ich muss bis auf Weiteres voll auf Gehörschutz setzen, und erst dann, wenn ich mich ansonsten eingelebt habe und sonst alles gut ist und ich in einer wirklich guten Lebenssituation bin (was allerdings schon lange nicht mehr der Fall war), dann könnte ich mal versuchen, mich den Geräuschen auszusetzen.
      So sehe ich das derzeit.
      Aber generell stimme ich zu, dass man Nachbarschaftsgeräusche nicht als so bedrohlich wahrnehmen sollte. Ich habe wahrscheinlich in der Vergangenheit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht.
      Wie genau äußern sich die Asperger-Besonderheiten?
      Wenn du neu in der Wohnung bist, ist es natürlich schon eine besondere Stresssituation. Andererseits ist es ja ein Neubeginn dh vielleicht eine Chance (ich überlege nur "laut" und weiß nicht was davon für dich richtig ist).
      Kannst du dir das Haus in 3D räumlich vorstellen wie ein Modell, vielleicht wie ein Puppenhaus? Und überall um dich wohnen Leute, was zwangsläufig mit Geräuschen einhergeht, es müsste irgendwie einen Weg geben, dass das "normal" ist für einen, ohne dass man das Gefühl hat, man müsste darauf reagieren (reagieren entweder per Beschwerde, gut-Freund-nachen mit Nachbarn, oder Schutz-Mittel wie Kopfhörer), sondern es einfach hinnehmen (es sei denn bei Extrem-Lärmbelästigung wie Renovierungsarbeiten spät nachts oä)
    • Wüstenblume wrote:

      Ich denke, dass ich damals vorgespiegelt bekommen habe, okay, die Leute haben alle Spaß und sind nicht alleine und du bist in der Wohnung ganz alleine. Bei dieser Art von Lärm war bei mir eine große emotionale Komponente vorhanden.
      Solche Gedanken habe ich eigentlich nicht, zumindest nicht bewusst. Eher spielt es aber eine Rolle, ob ich denke, dass die Geräusche vermeidbar wären, z.B. wenn es sich gerade so anhört, als würde der Nachbar oben drüber Aerobic machen, dann ärgert mich das, weil ich das rücksichtslos finde, wenn man eh schon weiß oder ahnen kann, dass man das in der Wohnung unten drunter hört. Ich würde das dann nicht machen und lieber zum Sport rausgehen oder auf ein Trimmrad sitzen oder sowas.

      Wüstenblume wrote:

      Meiner Beobachtung nach haben sehr viele Menschen in Mietwohnungen Probleme mit Geräuschen, nur das Thema ist ein bisschen tabuisiert in der Gesellschaft, man gibt nicht gerne zu, dass man sich in seinem zu Hause unwohl fühlt?
      Den Eindruck habe ich auch, verstehe aber den Grund nicht so richtig. Ich habe mal einige Leute gefragt und sie sagten, ihre Wohnungen seien nicht hellhörig, da habe ich mich schon gewundert, wieso das bei meiner Wohnung so anders ist. Ein Stück weit kann es Wahrnehmungssache sein, manche Leute empfinden erst krasse, laute Geräusche als Hellhörigkeit, nicht die "normalen" Wohngeräusche. Mich stört jedes Geräusch, aber natürlich gibt es Abstufungen von relativ harmlos bis unerträglich. Geräusche zu hören ist wie ein Eindringen der anderen Leute in die eigene Wohnung.

      Wüstenblume wrote:

      generell ist der Lärm etwas besser aushaltbar, wenn man die Nachbarn kennt und sich mit ihnen gut versteht oder die bsp. schonmal ein Paket für einen angenommen haben und man denkt, okay X oder y ist im Haus, das geht aber nur, wenn man eben irgendeine Verbindung zu den Nachbarn hat
      Das stimmt. Man kann dann die Geräusche besser zuordnen und es entsteht nicht so schnell der Eindruck, jemand wäre "böse und rücksichtslos", wenn man weiß, wer das ist und was der wahrscheinlich grade macht. Aber es war bisher immer so, dass ich nur schwer bis gar nicht Kontakt zu Nachbarn gefunden habe. Nach ein paar Wochen erkenne ich meine Nachbarn wenigstens optisch wieder, wenn ich sie sehe, aber so richtig ins Gespräch komme ich nicht. Trotzdem hilft es schon ein bisschen, wenn man weiß, wer das ist über einem. Jetzt bin ich ja ganz neu, ich habe den oder die Nachbarn oben drüber noch nie gesehen.

      Wüstenblume wrote:

      Vielleicht nochmal ein neues Meerschweinchen kaufen, die können ja auch etwas Lärm machen.
      Allerdings, aber meine jetzigen vier sind vergleichsweise ruhig. Da mir das ganz recht so ist, hole ich mir lieber kein fünftes. :)
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Neoni wrote:

      Wie genau äußern sich die Asperger-Besonderheiten?
      Ich kann störende Geräusche nicht ausblenden. Selbst wenn ich denke, ich ignoriere das mal, sind sie trotzdem in einem Teil des Bewusstseins weiterhin da und zerren weiter an den Nerven. Irgendwann raste ich aus, das kann ich nicht verhindern, außer ich schütze mich. Bei Nachbarschaftsgeräuschen geht das sehr schnell.

      Ähnlich wie im Büro, wenn man die Stimmen der Kollegen als störend empfindet und nicht gut ausblenden kann. Das werden viele kennen.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)