Asperger überhaupt behandeln lassen?

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    • platzhalter wrote:

      Wie gesagt, ich fühle mich nicht behindert, ich werde behindert.
      Das ist ein Kurzschluss meiner Meinung nach. Die andern verhalten sich normal, du bist anders. Alle Ursachen deiner Schwierigkeiten liegen bei dir.
      Deswegen musst du dich nicht schlecht fühlen, du kannst ja nichts dafür, und es ist auch nicht verkehrt, die Stärken gleichermaßen zu sehen. Aber zu behaupten, du wärst nicht behindert, ist halt in sich unlogisch.
      Außerdem ist es nichts Schlechtes oder Minderwertiges, wenn man eine Behinderung hat. Es bedeutet einfach nur, dass man auf einem Gebiet oder mehreren eine Einschränkung hat. Solche Einschränkungen gibt es viele, Asperger ist nur eine von vielen. Diese Einteilung in NT und AS ist viel zu undifferenziert und unpräzise.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • @platzhalter: Merci, jetzt verstehe ich deinen Standpunkt. Vieles, was du schreibst, kenne ich von mir, jedoch nicht (mehr) die Haltung "Ich werde behindert." Das ist etwas, was ich von meiner Seite zulassen kann, jedoch nicht dulden muss. Von meinen Eltern habe ich mich lang behindert gefühlt - in meinen Entfaltungsmögichkeiten, meinen Träumen, meinem Ego. Bevor ich sagte: "Ihr habt mein Leben versaut", konnte ich das zum Glück anfangen zu lassen. Es ist mein Leben. Ich sah in der Klapsn einen Spiegel, worauf geschrieben stand: "Hic vides hominem qui est responsabilis per vitam tuam."
      Display Spoiler
      Hier siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.
      Vieles versteh ich auf Latein besser als in Deutsch (Muttersprache=Fremdsprache!). Dieser Satz hat mich gedreht, weil er für mich stimmt. Bin froh, dass ich das mit "Leben versaut" noch nicht gesagt hatte.
      equo ne credite
    • Shenya wrote:

      Das ist ein Kurzschluss meiner Meinung nach. Die andern verhalten sich normal, du bist anders. Alle Ursachen deiner Schwierigkeiten liegen bei dir.
      Das sehe ich nicht so. Gerade, was ich bei den Autistentreffen und hier im Forum, mitbekommen habe, ist das unter Autisten ja meist kein Problem. Also muss das Problem woanders liegen. (RW) Klar ich bin anders, aber jemand aus der arabischen Religion, der Frauen als minderwertig betrachtet ist auch anders als ein aufgeklärter Europäer. Nur da spricht keiner von geistiger Behinderung. Die meisten Ursachen liegen in der Diskrepanz des Verständnisses und auch Wissens zwischen NTs und Autisten, wobei nur von den Autisten, wenn man im "normalen" Leben integriert sein will, verlangt wird sich (über)anzupassen. Bei dem arabischen Frauenhasser ist das wiederum kein Problem. Dort ist es halt so. Und wer das nicht akzeptiert ist ein Rassist.
      Ich habe, wie du beschrieben hast, Stärken und Schwächen. Ein NT, der nichtmal das Onlinebanking (und die erforderlichen Verhaltensweisen um sich vor Betrug zu schützen) versteht, damit meine ich jetzt nicht die Oma, der ist dann nicht geistig eingeschränkt.
      Ich finde, das nichts was eine Person aufgrund eine Behinderung einschränkt diese dann entwertet.
    • platzhalter wrote:

      Das sehe ich nicht so. Gerade, was ich bei den Autistentreffen und hier im Forum, mitbekommen habe, ist das unter Autisten ja meist kein Problem.
      Genauso könnte jemand, der nicht hören kann, der Meinung sein, wenn die anderen nur nicht in Lautsprache reden würden, dann hätte er ja keine Behinderung. Macht aber keinen Sinn.

      Es wirkt auf mich oft so, als würde man verzweifelt versuchen, sein Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten, indem man die "Schuld" an den Schwierigkeiten anderen zuschiebt. Aber das ist gar nicht notwendig. Niemand ist schuld. Niemand muss perfekt sein. Es ist okay, bestimmte Dinge nicht oder nicht so gut zu können. In gewissem Sinne trifft das sowieso auf alle Menschen zu, niemand ist perfekt. Nur wenn es das Leben ernstlich einschränkt, dann hat es das Ausmaß einer Behinderung, und dann gibt es auch Diagnosen, vorher nicht. Die Diagnose ist dazu da, die Einschränkung näher zu bezeichnen, damit man weiß, womit man es zu tun hat.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Genauso könnte jemand, der nicht hören kann, der Meinung sein, wenn die anderen nur nicht in Lautsprache reden würden, dann hätte er ja keine Behinderung. Macht aber keinen Sinn.
      Wieso sollte das keinen Sinn machen? Wenn zwei in der Zeichensprache kommunizieren, dann gibt es da keine Einschränkung in der Kommunikation. Die Frage ist hier, wie auch beim Autismus, wer ist eingeschränkt? Der, der die Lautsprache nicht kann/will(wobei das nicht wollen ja die größere geistige Einschränkung ist, da dazu ja ein ganzen Denk- und Handlungsprozess ablaufen muss der nicht stattfindet) oder der, der nicht hören kann, sich aber der Zeichensprache ermächtigt? Thema Stärken und Schwächen und was man daraus macht. Die Evolution hat im Tierreich aus vielen Defiziten, viele außergewöhnliche Lösungsmöglichkeiten, fühlen auch elektromagnetisch statt sehen, entwickelt.

      Shenya wrote:

      Es wirkt auf mich oft so, als würde man verzweifelt versuchen, sein Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten, indem man die "Schuld" an den Schwierigkeiten anderen zuschiebt.
      Hier kann ich nur für mich schreiben, aber mein Selbstwertgefühl hole ich mir aus meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten, den kleinen Erfolgen im Alltag, meine Ziele die ich mir setze und meinem handeln, da brauche ich keine Schuldsuche. Es ging ja auch vorrangig darum, ob ich mich behindert fühle oder als behindert gelte.

      Shenya wrote:

      Nur wenn es das Leben ernstlich einschränkt, dann hat es das Ausmaß einer Behinderung, und dann gibt es auch Diagnosen, vorher nicht. Die Diagnose ist dazu da, die Einschränkung näher zu bezeichnen, damit man weiß, womit man es zu tun hat.
      Ok, ich bin auch kurzsichtig diagnostiziert, aber als behindert hat mich noch kein Optiker angesprochen. Ohne Brille/Kontaktlinsen seh ich nix, aber das ich da nun nen Behindertenausweis brauche ist ja Unsinn. (edit: Scheinbar ist es gesellschaftlicher Konsens, dass umso mehr Menschen das Defizit besitzen umso weniger gelten sie als behindert. Die Masse machts. ) Genauso ist es mit dem Autismus. Nur weil ich das, zum Beispiel, "zwischen den Zeilen" nicht verstehe, gelte ich dann als behindert, obwohl man nur das zu mir sagen muss was man auch meint. Ähnlich wie bei der Brille. Es ist zwar ein abstrakter Vergleich, aber so meine Meinung.

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    • Markus7733 wrote:

      Letzten Freitag war ich in einer Gruppe die mir von dem ATZ empfohlen wurde. Aufeinmal war ich in einer Gruppe der Lebenshilfe wo auch Menschen aus Behindertenwerkstätten waren.

      Also sowas von einem schlechten Rat noch dazu von Leuten denen ich Vertrauen schenken wollte habe ich noch nie erlebt!!!

      Ich habe eine gesicherte Diagnose über F84.5 Asperger in Händen. Ich habe keine Freunde und Niemanden zum Reden. Warum weis ich nicht. Das war schon immer so.

      Jedoch war mein letzter Job mehr als 10 Jahre in Festanstellung bei einer normalen Firma. Ich fahre Auto und gehe ruhig und ordentlich durchs Leben. Mir kommt immer noch das Grauen wenn ich daran denke, dass man mich in dieselbe Stufe wie Teilnehmer aus Behindertenwerkstätten tun will. Da gehöre ich NIEMALS hin!

      Dem ATZ schrieb ich ne Mail. Absolutes NO GO!
      Du schreibst du warst in einer Gruppe wo "auch" Menschen aus Behindertenwerkstätten waren, dh ja wohl, da waren auch Menschen die eher deine Lage teilen? Du warst also nicht völlig falsch, das war ja keine Gruppe, die nur aus Werkstatt-Mitarbeitern besteht.
      Ja, einige Menschen mit Asperger (oder viele, ich weiß es nicht) arbeiten nicht, oder sie arbeiten in einer Behindertenwerkstatt. Dh die werden auch in entsprechenden Asperger-Gruppen vertreten sein. Das bedeutet aber nicht, dass das für dich auch gilt oder gut wäre in einer WfbM zu arbeiten.


      Unbewohnte Insel wrote:

      Das kann ich nachvollziehen. Ich für mein Teil bin ziemlich schockiert über die Empathielosigkeit einiger der Antworten auf deinen Beitrag hier.
      Sorry, ich finde es eher empathielos, wenn so geschrieben wird als sei es eine üble Beleidigung in eine Gruppe zu gehen wo auch Leute aus Behindertenwerkstätten sind. Aber keine Sorge, ich nehme das nicht so wichtig, weil er offensichtlich mit seiner Diagnose noch nicht so recht klarkommt, und klar ist man über die Erkenntnis, man ist behindert (bzw andere Leute schätzen einen als behindert ein), erst mal schockiert.

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    • Öfter in letzter Zeit habe ich schon gedacht, es sollte für Leute, die keine neurologischen Schwierigkeiten an sich sehen, die Diagnose "autistische Persönlichkeitsstörung" geben, diese Trennung würde die Dinge viel klarer machen. Leute die nur eine stark abweichende Persönlichkeitsstruktur haben als andere Menschen (und deswegen durch die anderen Menschen, evtl Schwierigkeiten), die wären da mit drin, und Menschen mit Asperger-typischen kognitiven Defiziten in der anderen Gruppe, dann würden die vielen Verwirrungen, Missverständnisse, Irritationen und Identitätsprobleme ("ich bin nicht behindert") aufhören.
    • platzhalter wrote:

      Wieso sollte das keinen Sinn machen? Wenn zwei in der Zeichensprache kommunizieren, dann gibt es da keine Einschränkung in der Kommunikation. Die Frage ist hier, wie auch beim Autismus, wer ist eingeschränkt?
      Da muss man schon sehr konstruieren, um eine Einschränkung bei denen zu finden, die sich völlig problemlos verständigen können, und nicht bei denen, die das nicht können.
      Diese Verrenkung schafft man nur, wenn es einem sehr wichtig ist, zu betonen, dass die behinderte Gruppe nicht behindert sei, und da kann oder muss man sich schon fragen, was dahinter steckt, wenn es doch gar keine Schande ist, eine Behinderung zu haben.

      platzhalter wrote:

      Ok, ich bin auch kurzsichtig diagnostiziert, aber als behindert hat mich noch kein Optiker angesprochen.
      Du bist dann tatsächlich sehbehindert, aber du hast das Glück, dass es ein Hilfsmittel dafür gibt. Wenn das Hilfsmittel die Behinderung 100% ausgleicht, dann ist das gut, das tut es nicht in jedem Fall.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Ich trete etwas spät der Diskussion bei.

      Ich möchte von meiner Seite zu bedenken geben, dass ich keinerlei Zugang zu einer Gruppe habe und es schade fände, wenn Du dem keine Chance mehr gibst.

      Ich hätte das gerne und finde es sehr schade. Mir wäre erstmal egal, wer da wäre, da ich durch eine andere Erkrankung/Behinderung schon mit Leuten zu tun hatte von Tagesförderstätte, WfbM bis Akademiker.

      Und die Akademiker sind nicht immer die, von denen ich am meisten profitiert habe.
      Je mehr verschiedene Leute, desto mehr verschieden Perspektiven.

      Ich finde, dass Du Glück hast, dieses Angebot zu bekommen.
      Ich habe gelesen, ATZ gibt es für Erwachsene gar nicht (nur, wenn man privat mit denen einen Vertrag abschließt, und quasi allein gefördert wird).
      Wenn Du feststellst, es bringt dauerhaft absolut nichts, und es gibt etwas Besseres, ist es natürlich nicht sinnvoll, dabei zu bleiben.

      Aber vielleicht gibst Du dem Ganzen eine Chance, einfach, weil manche sie gern hätten und nicht haben.
    • Shenya wrote:

      Diese Verrenkung schafft man nur, wenn es einem sehr wichtig ist, zu betonen, dass die behinderte Gruppe nicht behindert sei, und da kann oder muss man sich schon fragen, was dahinter steckt, wenn es doch gar keine Schande ist, eine Behinderung zu haben.
      Richtig, mir war wichtig zu betonen, dass ich nicht behindert bin. Ich sehe mich als Autist, aber nicht als behindert. Da ist für mich kein Widerspruch. Das Problem mit dem Begriff "Behinderung" ist die gesellschaftliche und nicht nur die medizinische Bedeutung. Ist man mit einem Behindertenausweis/Stigma ausgestattet bedeutet dass automatisch, dass man nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert wird und so wird man auch behandelt. Außerdem ermöglicht dies den NTs das Problem damit abzuschieben. Nach dem Motto "Der ist behindert, mit dem muss man sich nicht beschäftigen. Wir sind die normalen, also das Maß der Dinge". (RW) Das führt dann schnell zu Mobbing, da dadurch die gesellschaftliche Akzeptanz nicht gegeben ist. Bei vielen Menschen ist der Begriff Autismus noch mit einer absolut geprägten Kommunikationsstörung bei der schaukelnd in der Ecke gehockt wird oder ganze Telefonbücher auswendig gelernt werden verbunden. Klar, können viele damit Hilfe vom Amt beantragen, aber für mich persönlich sehe ich das, gerade weil ich nicht auf solche Hilfe angewiesen bin, als Diskriminierung.

      Shenya wrote:

      Du bist dann tatsächlich sehbehindert, aber du hast das Glück, dass es ein Hilfsmittel dafür gibt. Wenn das Hilfsmittel die Behinderung 100% ausgleicht, dann ist das gut, das tut es nicht in jedem Fall.
      Nein, behindert bin ich erst nach § 2 SGB IX
      Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.
      Durch die Hilfsmittel Brille/Kontaktlinsen trifft dies nicht zu. Eine Teilhabe ist möglich. Erst wenn diese nicht helfen ist es eine Behinderung. Das nun in der Normwelt der NTs nun meine Wahrnehmung als Behinderung eingestuft wird, also keine gleichberechtigte Teilhabe wegen meines anderem Gehirns ermöglicht bzw. toleriert (Deutschland ist ja gegen jedes Hirngespinst ob Homöopathie oder frauenhassende Religion ach so tolerant) wird, ich (nur für mich persönlich!) mich jedoch, aufgrund der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz und Kenntnisse behindert fühle ist für mich nicht automatisch eine Behinderung. Kurz gesagt, ich kann Essen, Kacken und meine Rechnungen bezahlen. Warum Menschen mich als behindert einstufen weil in der Schwarmgesellschaft keine Fähigkeit zur klaren direkten Kommunikation ausgebildet ist (nur ein Aspekt) ist Diskriminierung.

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    • Ich kann diesen Unfug von wegen "Autisten sind nicht behindert! Autisten werden von der Gesellschaft behindert!" nicht mehr hören. Das geht total an der Realität vieler Autisten vorbei und erweckt bei "NTs" den Anschein, dass es ja gar nicht schlimm ist, wenn man Autist ist. :thumbdown: :shake:
    • Windtänzerin wrote:

      Ich kann diesen Unfug von wegen "Autisten sind nicht behindert! Autisten werden von der Gesellschaft behindert!" nicht mehr hören. Das geht total an der Realität vieler Autisten vorbei und erweckt bei "NTs" den Anschein, dass es ja gar nicht schlimm ist, wenn man Autist ist. :thumbdown: :shake:
      Das habe ich nicht geschrieben. Ich habe weder verallgemeinert, noch für alle Autisten geschrieben, oder behauptet, dass es für einige nicht schlimm ist. Ich habe nur, für mich persönlich geschrieben und da erwarte ich auch, dass das auch nicht verallgemeinert wird.

      Edit: Ich mag sogar meinen Autismus, meine Art zu denken, zu fühlen und zu handeln. Trotz aller !Einschränkungen und Probleme und nicht Behinderungen!. NTs haben ja auch Störungen ohne Ende. (RW) Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich wieder als Autist geboren werden wollen. Aber nochmal, das gilt nur für mich persönlich!

      The post was edited 1 time, last by platzhalter ().

    • @Markus7733
      mit welchem ziel wurde dir denn diese gruppe empfohlen?
      wenn du so einsam bist und niemandem zum reden hast, könnte es ja sein, dass du dort jemanden findest (vielleicht den einen von 10, der ähnliches erlebt hat wie du). Vielleicht hat es anderen vor dir geholfen. es ist ein *Versuch*.
      Vielleicht ging es auch darum, zu schauen, was eigentlich asperger bedeutet? ähnlichkeiten (und unterschiede!) lassen sich da auch finden, wenn die anderen andere beschäftigungsverhältnisse haben als du. ich kennen einen studierten autisten, der mathematiker ist und "trotzdem" in eine WfbM geht. Ist der deswegen dumm? Teilweise finde ich deine Ausdrucksweise ziemlich überheblich. Als wenn alle Menschen aus WfbMs wertloser wären. Ich kann verstehen, dass du nicht "dort landen willst". Weil es bedeutet ja auch gescheitert sein, den Weg ins "normale Arbeitsleben" nicht geschafft zu haben. Natürlich willst du das nicht. Aber deswegen sich so herablassend auszudrücken muss nun auch nicht sein!

      Mein Tipp für dich:
      Sprich nochmal mit dem ATZ und klärt eure Ziele genauer ab.
    • platzhalter wrote:

      Ist man mit einem Behindertenausweis/Stigma ausgestattet bedeutet dass automatisch, dass man nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert wird und so wird man auch behandelt. Außerdem ermöglicht dies den NTs das Problem damit abzuschieben. Nach dem Motto "Der ist behindert, mit dem muss man sich nicht beschäftigen.
      Das denkst du, und deshalb möchtest du dich von dem Begriff "Behinderung" abgrenzen. Das macht die Sache aber nicht besser. Die negative Sichtweise mancher Menschen auf Behinderung ändert sich dadurch nicht.
      Du würdest die Rechte und das Ansehen Behinderter besser stärken, wenn du selbstbewusst zu einer vorhandenen Behinderung stehen würdest. Wenn du die Sichtweise vertreten würdest, die eigentlich jeder anständige normale Mensch auch vertritt, nämlich, dass ein Mensch mit Behinderung -logischerweise- genauso viel wert ist wie einer ohne Behinderung. Ich finde das selbstverständlich, weil ich auch nicht auf die Idee kommen würde, dass jemand, der nicht laufen kann oder nicht sehen kann, deswegen weniger wert wäre. Meine Sympathie hängt da immer noch von den gleichen Dingen ab wie bei Menschen ohne Behinderung. Hinzu kommt nur, wie schwierig es ist, ggf. mit der Behinderung umzugehen.

      Man kann ja trotzdem auch Hinweise geben, wie der Umgang mit einem selbst leichter fällt, also was einem bestimmte Situationen erleichtern würde. Damit hilft man sich selbst und auch den anderen.

      In der Berufswelt ist das Thema etwas anders und verschärft. In der Berufswelt kommt es dem Arbeitgeber auf Leistung an, und da wird genau und im Zweifel überkritisch geprüft, ob ein Bewerber auch wirklich die Leistung erbringen kann, die er erbringen soll. Das heißt, die Berufswelt ist ein besonders schwieriger Bereich, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man sich für eine Behinderung nicht schämen oder verstecken muss und auch nicht sollte.

      Dieser Spruch "ich bin nicht behindert, ich werde behindert" bewirkt nichts bei anderen Menschen, glaube ich, für mich klingt er auch ein bisschen trotzig und kindisch. Ich möchte dich damit nicht beleidigen, aber es kommt halt bei mir so an, und man hört den Spruch ja sehr oft von vielen Aspies und solchen, die sich als Aspie bezeichnen.
      Wer aber schon ein Leben lang unter seinen Schwierigkeiten leidet, der sagt doch sowas normalerweise nicht. Der weiß doch genau, was es ihn schon gekostet hat und warum. Deshalb vermute ich, dass normalerweise nur jüngere Autisten sowas sagen, die noch nicht viel auf die Schnauze geflogen sind. Mit 20 hätte ich es vielleicht auch noch so gesagt. Oder vielleicht Leute, die es eher als coolere Diagnose sehen im Vergleich zur Persönlichkeitsstörung, die aber dann, wenn, schon richtig cool sein wollen, und da passt die Behinderung nicht so dazu, schlimmer wäre nur noch "psychisch krank".
      Sorry, mir geht es ähnlich wie Windtänzerin, ich hab da nicht so viel Verständnis dafür. Ich finde es unlogisch.

      In einem Punkt würde ich dir recht geben: mit Asperger ist man nicht geistig behindert. Ich wollte mal Stammzellenspender werden und wurde abgelehnt, weil ich wegen Asperger nicht solche Entscheidungen treffen müssen sollte (deren Aussage). Da denke ich, solange ich nicht für geschäftsunfähig erklärt wurde, kann ich solche Entscheidungen sehr wohl treffen. Also das fand ich damals schräg, aber nicht wichtig genug, um mich rumzustreiten.

      platzhalter wrote:

      Durch die Hilfsmittel Brille/Kontaktlinsen trifft dies nicht zu. Eine Teilhabe ist möglich.
      Du hast dann keine wesentliche Behinderung, aber es gibt auch nicht wesentliche und andere Behinderungen.
      Ich frage mich, wie man das bei Prothesen sieht, also Beinprothesen, wenn ein Bein fehlt. Laufen kann man mit der Prothese ja, aber Einschränkungen bleiben dennoch. Vermutlich bleibt das dann trotzdem eine wesentliche Behinderung.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)

      The post was edited 2 times, last by Shenya ().

    • Shenya wrote:

      Das denkst du, und deshalb möchtest du dich von dem Begriff "Behinderung" abgrenzen. Das macht die Sache aber nicht besser. Die negative Sichtweise mancher Menschen auf Behinderung ändert sich dadurch nicht.
      Nein, das resultiert aus Erfahrungswerten in Schule Beruf, Privatleben und auch hier im Forum.

      Shenya wrote:

      Wenn du die Sichtweise vertreten würdest, die eigentlich jeder anständige normale Mensch auch vertritt, nämlich, dass ein Mensch mit Behinderung -logischerweise- genauso viel wert ist wie einer ohne Behinderung.
      So wie ich weiter oben geschrieben habe?

      platzhalter wrote:

      Ich finde, das nichts was eine Person aufgrund eine Behinderung einschränkt diese dann entwertet.
      Anderes habe ich nie behauptet.

      Shenya wrote:

      aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man sich für eine Behinderung nicht schämen oder verstecken muss und auch nicht sollte.
      Bin ich auch der Meinung, aber die Realität sieht anders auch. Trotz Teilhabegesetz werden viele von der Rentenversicherung oder Agentur für Arbeit eher in Behindertenwerkstätten gesteckt, als eine passgerechte Ausbildung zu finanzieren. Da hängt es oft nur am Geld. Ich bin auch gerade auf dem Klageweg gegen die Rentenversicherung. Nichtmal die S-Bahn in Berlin als öffentliches Unternehmen hat es bis jetzt hinbekommen alle Bahnhöfe gehbehindertengerecht auszustatten. Wozu sollen sich dann Arbeitgeber die Mühe und Kosten machen, wenn um die Ecke nen fitter 25 jähriger wartet. (RW) Da ist dann die Frage ob man im Vorstellungsgespräch wirklich erwähnt das man im Autismusspektrum ist und dies als tiefgreifend Entwicklungsstörung gilt, also als Behinderung. 99% der Arbeitgeber werden einen fadenscheinigen Grund (RW) finden dich nicht einzustellen und sich um die Anforderungen eines behindertengerechten Arbeitsplatzes zu umgehen. Und beim ersten Date bzw. in den Dating-App gleich mal erwähnen das man Autist ist, garantiert in 99,9% der Fällen eine Absage. Alles Erfahrungen. Ich habe noch nicht probiert mit einem Bild im Rollstuhl in den Apps einen Partner zu finden, aber großen Erfolg würde ich damit nicht haben. Deine Meinung (im übrigen auch meine) ist edel und lobenswert, aber nicht realitätsnah.

      Shenya wrote:

      Dieser Spruch "ich bin nicht behindert, ich werde behindert" bewirkt nichts bei anderen Menschen, glaube ich, für mich klingt er auch ein bisschen trotzig und kindisch. Ich möchte dich damit nicht beleidigen, aber es kommt halt bei mir so an, und man hört den Spruch ja sehr oft von vielen Aspies und solchen, die sich als Aspie bezeichnen.
      Ich habe alle meine Behauptungen ausführlich und logisch dargestellt. Da ist nichts trotziges oder kindisches dabei. Ich habe dahingehend genug persönliche Erfahrung machen können. Alles wurde von mir differenziert betrachtet. Ich will hier keine Diskussion um der Diskussionswillen führen, daher lasse ich das alles hier so stehen und bin aus dem Thema raus. (RW)
    • platzhalter wrote:

      Wieso sollte das keinen Sinn machen? Wenn zwei in der Zeichensprache kommunizieren, dann gibt es da keine Einschränkung in der Kommunikation. Die Frage ist hier, wie auch beim Autismus, wer ist eingeschränkt? Der, der die Lautsprache nicht kann/will(wobei das nicht wollen ja die größere geistige Einschränkung ist, da dazu ja ein ganzen Denk- und Handlungsprozess ablaufen muss der nicht stattfindet) oder der, der nicht hören kann, sich aber der Zeichensprache ermächtigt? Thema Stärken und Schwächen und was man daraus macht.
      Ich glaube, hier geht es letztlich um eine "Geschmacksfrage", bzw. eher eine ideologische Frage. Ob man neben dem medizinischen auch das soziale und kulturelle Modell von Behinderung anerkennt (was nicht gleichbedeutend damit ist, das medizinische Modell abzulehnen), oder eben nicht. Persönlich halte ich das soziale und kulturelle Modell für sehr sinnvolle Ergänzungen - auch bei körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderungen. Beispielsweise macht es einen großen Unterschied, ob jemand in einem europäischen Land gelähmt ist, wo es Rollstühle, barrierefreie Verkehrsmittel und ein soziales System gibt, das den Namen verdient, oder nicht. Die Lähmung ist dann je nach Kontext tatsächlich nicht die gleiche Behinderung, auch von den Einschränkungen her, die sie nach sich zieht. Ich halte das soziale und kulturelle Modell für "empowernder", weil es nach strukturellen Barrieren fragt, und danach, wie man Zugänge verbessern könnte. Als Recht, nicht als Gnade. Aber manche Menschen mit Behinderungen befürchten, es würde ihre Schwierigkeiten herunterspielen und zu puren neutralen "Besonderheiten" machen. Die Gefahr besteht meinem Eindruck nach durchaus, aber das ist nicht zwingend. Die akademischen Disability Studies unterscheiden zwischen "impairment" und "disability" und verneinen das "impairment" keineswegs.

      Auch bei Autismus halte ich diesen Aspekt für wichtig - vielleicht sogar gerade. Ich halte die Besonderheiten, die zu Autismus führen können, für keinen "Fehler", keinen "Unfall der Natur". Dafür sind sie zu häufig, sind zu viele Gene beteiligt, bei denen das "autistische Allel", wenn man es denn so nennen will, jeweils eine völlig "gesunde" Variante ist. Erst die Kombination besonders vieler "autistischer Allele" führt zusammen mit Faktoren, die eher in der Umwelt, der Sozialisation und der Epigenik liegen, zu "behindernden" Ausprägungen. Grundsätzlich jedoch ist eine Minderheit mit "anderer Perspektive" für die Gruppe von Vorteil (das betrifft natürlich nicht nur Autismus, sondern auch ADHS, Hochsensibilität, Legasthenie, Dyskalkulie etc.). Zugleich machen bestimmte Kombinationen, die zu einer erhöhten sensiblen Wahrnehmung führen, eben auch vulnerabler. Psychisch ebenso wie körperlich. Autismus geht auch häufig mit körperlichen Komorbiditäten einher, was noch kaum erforscht ist, ebenso wie mit einer Reihe jeweils individuell ausgeprägter Einschränkungen schwachen exekutiven Funktionen, Dyspraxie usw. usf. Daher halte ich es auch für sinnvoll, Autismus als Behinderung und nicht nur als "Andersartigkeit", für die es einfach Toleranz braucht, zu sehen, wie Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Gender-Identity, Religion, Kultur, Szene-Zugehörigkeit etc. Aber auch Behinderungen sind eben nicht "schwarz" oder "weiß", es hängt von vielen Faktoren ab, wie ausgeprägt sie sind und wie einschränkend sie wirken.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Markus7733 wrote:

      ich bin immer noch schockiert über das Autismus Therapie Zentrum wo ich darauf warte behandelt zu werden.
      Was genau sollte denn behandelt werden bzw. wo liegen Deine Einschränkungen?
      Vielleicht hat das ATZ dies nicht richtig herausgearbeitet und Du bist deswegen in dieser falschen Gruppe gelandet?
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Neoni wrote:

      Öfter in letzter Zeit habe ich schon gedacht, es sollte für Leute, die keine neurologischen Schwierigkeiten an sich sehen, die Diagnose "autistische Persönlichkeitsstörung" geben, diese Trennung würde die Dinge viel klarer machen. Leute die nur eine stark abweichende Persönlichkeitsstruktur haben als andere Menschen (und deswegen durch die anderen Menschen, evtl Schwierigkeiten), die wären da mit drin, und Menschen mit Asperger-typischen kognitiven Defiziten in der anderen Gruppe, dann würden die vielen Verwirrungen, Missverständnisse, Irritationen und Identitätsprobleme ("ich bin nicht behindert") aufhören.
      Ich glaube nicht, dass das etwas ändern würde. Wie soll das je aufhören? Diese Diskrepanz ist der Diagnose Autismus doch schon eingeschrieben. Je nach Rahmenbedingungen und Lebensphase kann sich ein und derselbe Mensch mal als "besonders" und mal als "behindert" empfinden. Zudem ist es auch eine ideologische Frage, inwiefern auch die diskreteren Ausprägungen überhaupt anerkannt werden sollten. "Autistische Persönlichkeitsstörung" würde da als Begriff nur für mehr Verwirrung sorgen. Wenn eine Autismusdiagnose gerechtfertigt ist, ist eigentlich nie nur die Persönlichkeit untypisch.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Axel_Rocket wrote:

      - -
      (Mein Ursprungsbeitrag war Grütze)
      Oh, wirklich? Ich fand den gar nicht so schlecht.

      Es ist halt eine unsichtbare Behinderung, sofern man sich sehr um Anpassung bemüht, was man auch in der Regel automatisch macht, weil man ja nicht ewig derjenige sein will, der negativ auffällt.
      Nichtsdestotrotz begegnet man ja vielen Hindernissen und auch irgendwie unverständlichen Barrieren, man kommt nicht weiter, erreicht etwas nicht, was man gerne erreichen wollte usw.
      Das als Behinderung zu sehen und es anderen auch so zu erklären, ist ein Lernprozess. Braucht viel Zeit.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)