Mit mir stimmt was NICHT nicht!

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    • Mit mir stimmt was NICHT nicht!

      Ich war immer anders. Nicht anders als ALLE anderen, bestimmt gab es hie und da mal jemanden, mit dem ich was gemeinsam hatte. Aber eben dann auch immer bloß ein bißchen, ich war niemandem total ähnlich. So wie die anderen Mädchen untereinander es für mich häufig zu sein schienen. Doch grundsätzlich hab ich halt nicht dazu gehört. Und ich wollte dazu gehören. Irgendwie. Irgendwie wollte ich auch meine Ruhe haben. Aber halt so doch ein Teil sein, eben ein eigenständiger Teil der Gruppe. Manchmal hab ich Freunde gefunden, doch es hat nie lange gehalten. Dann wurde ich uninteressant oder so, weiß auch nicht, was die eigentlichen Gründe waren, aber man wandte sich eben wieder von mir ab. Oder sie zogen weg oder man ging auf eine andere Schule, man verlor sich aus den Augen. Ich hab mich immer allein gefühlt, verlassen, und nicht gesehen.

      Selbstbewusstsein entsteht, habe ich gehört, wenn man sich in anderen sieht, sie einen spiegeln. Also ich muss da auch an Spiegel denken, wie bestimmt manch einer der das liest, für meine Begriffe ist damit gemeint, dass man sich im anderen erkennt,...also weniger abstrakt: die meisten Kinder lieben Vanille-Eis, man selbst mag aber lieber Pistazie,...irgendwann ist da ein anderes Kind, da auch Vanille nicht so mag, aber dafür Erdbeere. Also lernt man: manche Kinder haben einen anderen Eis-Geschmack als die anderen Kinder. Im Idealfall lachen die einen dann nicht aus, man bestärkt sich gegenseitig,...also das Erdbeereis-Kind und man selbst, das Pistazien-Kind, dass es toll ist, was zu mögen, was nicht alle mögen, denn so ist immer genug von der Lieblingseissorte für einen selbst da. Und dann hat man noch Eltern die einen bestärken darin, wie man is(s)t, wann kann,...also weg vom Eis z.B. liebt ein kleines Kind Klaviermusik, ist musikalisch, hüpft und tanzt viel rum und dann darf es selbst mal Klavier spielen, bleibt dabei, wird immer besser. Hat Erfolgserlebnisse, die Eltern ermutigen und loben das Kind und ja, so weiß es dann: ich kann Klavier spielen. Im Idealfall läuft es so und so lernt man sich selbst immer besser kennen. Kann sich dementsprechend Freunde aussuchen, Hobbies suchen, in Vereine gehen,...später einen Beruf wählen, ne Familie gründen - das alte Lied. Im Normalfall. Doch was ist, wenn es ganz anders läuft, wenn man so langsam wie eine Schnecke ist bei der Selbst- und Berufsfindung und während die Klassenkameraden schon Großeltern sind, man selbst sich immer noch wie ein Kind fühlt und gar nicht weiß was los ist und gar nicht klarkommt, und nicht ankommt, als hm...hervorragendes Mitglied der Gesellschaft?

      Es kann auch so laufen, dass man dieses Selbstbewusstsein nicht so schnell oder früh entwickelt, da man gar nicht so richtig weiß, wer und wie man ist. Fähigkeiten wurden entweder nicht gesehen, oder es wird etwas in einem gesehen, das man gar nicht ist, ...und es dauert sehr lange, bis man im Leben Menschen begegnet, die manche Eigenschaften mit einem teilen, mit denen man vorher alleine da stand. Bei mir war das z.B. Autismus, es wusste ja keiner davon, bis ich 21 war, also konnte ich auch nicht andere Autisten treffen oder mich mit dem Thema beschäftigen. In einem Alter, wo man eben so seinen Platz sucht und sich ausprobiert,...ich habe mich dann eben in Fantasiewelten aus Film und Fernsehen und Büchern wieder entdeckt. Beispielsweise wenn da dann Figuren übersinnliche Fähigkeiten hatten, von einem anderen Planeten kamen, so etwas.... da das Grundprinzip das gleiche ist, also ich meine, dass die ähnliches erleben wie man selbst z.B. dass sie nicht verstanden werden, anderen Angst machen oder dass sie ausgegrenzt werden. Ich habe es nicht so bewusst gedacht, aber ich habe geglaubt, dass mit mir irgendwas verkehrt ist. Diese Kluft des Sich-Nicht-Selbst-kennen wurde zu etwas Düsterem, das einem anhing, ein vages Wabern,...einfach das Gefühl: mit mir stimmt etwas nicht. Neben dem Autismus bin ich noch ein sehr feinfühliger Mensch, künstlerisch begabt, diese Eigenschaften fand ich auch bei anderen, die ich dann zeitweise sehr mochte. Sie waren meine Freunde oder meine Partner, doch wich die Begeisterung bald der Enttäuschung, die einsetzte, als ich erkannte, dass diese Leute oft total selbstbezogen oder sogar psychisch gestört waren,....leider zerbrechen viele Menschen, die so hoch sensibel sind, an der harschen Welt, besonders wenn sie noch schlimme Dinge erleben und naja, ich wünsche ihnen das Beste, aber mit ihnen zu tun haben möchte ich nichts mehr.



      Auch mir ging die Kraft aus als ich Anfang 20 war und ich bekam Depressionen, Panikattacken, Angstzustände. Anfangs dachte ich, mein Kopf funktioniert nicht mehr, mir fehlt einfach ein Nährstoff oder so, mein Gehirn arbeitet nicht richtig. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, die Ursache in einer psychischen Erkrankung zu suchen. Doch dann bekam ich die Diagnose und so geriet ich in die Mühlen der Psychiatrie: Medikamente, Klinik, Therapie. Ich habe mich selbst auch sehr viel mit psychologischen Themen befasst und versuchte so, mich selbst, meine Familie, frühere Freunde zu analysieren. Zu verstehen. Um damit zurecht zu kommen, was ich erlebt habe. Vieles war auch interessant und erhellend zu der Zeit, doch im Nachhinein betrachtet, habe ich mich eindeutig ZU VIEL damit befasst. Auch nach der Autismusdiagnose, habe ich mich, eben nach autistischer Manier, sehr intensiv in das Thema vertieft. Naja und wenn ich mir dadurch keinen 'Autismus angelesen habe', wie manch einer sagen würde, ich habe mich doch eben dadurch zu sehr,...naja selbst ausgegrenzt. Aber noch schlimmer war das, diesen Stempel 'verrückt' plötzlich nicht bloß als Beleidigung auf dem Spielplatz, sondern auf einem offiziellen Dokument zu haben. Also ich meine nicht direkt das, sondern eher, dass man es über sich selbst sagte, anderen erzählte... natürlich ist Depressionen haben nicht das Gleiche wie vollkommen durchgedreht zu sein,...aber viele werfen das alles in einen Topf (RW). Wenn man ehrlich ist, ist doch da noch gar nichts geschehen an Aufklärung der Gesellschaft: Dass psychische Krankheiten eben jeder bekommen kann so wie auch eine körperliche. Dass das keine Schande ist, dass man damit nicht zum letzten Abschaum gehört. Obwohl bestimmt jeder einen kennt, der so was mal hatte, wird darüber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, es ist eine Tabu, ein Stigma,...nichts worüber man offen reden sollte. Hehe *rebellisch ist*


      Ich schreibe diesen Text, weil ich hoffe, dass ich damit anderen helfen kann, die das lesen, denen es vielleicht ähnlich geht. Und da ich für mich selbst meine Gedanken einmal ordentlich aufschreiben wollte, damit ich sie nicht vergesse. Ich hatte also heute die Erkenntnis, dass meine Depressionen, die ich immer wieder bekam, einfach ein Ausdruck von Erschöpfung waren. Zu viel Stress, zu viel Ärger mit anderen Menschen, zu viel Arbeit, ...und dazu eben noch den Terror, den man sich selbst macht. Also erst die Schule &Co, aber wenn man es verinnerlicht hat, dann peitscht einen das eigene Ego dauernd: du machst zu wenig, du machst es falsch, du solltest eigentlich. Tja und ich kann eben einfach bloß weniger machen als der Durchschnitt, viel weniger, da ich dann erschöpft bin. Aber deswegen bin ich nicht faul oder unfähig, was ich tue, das Wenige ist hochwertig und wichtig, ich hab einfach ein eigenes Arbeitstempo oder allgemein eine andere Art zu arbeiten. Auch wenn ich das weiß, es ist so schwer sich selbst loszusagen von den 'gesellschaftlichen Erwartungen', die Blicke der Unverständigen zu ignorieren,....unbeirrbar zu sein. Auch meine Depressionen sah ich als persönliches Versagen an, wenn ich wieder eine depressive Episode bekam, und es gerade so hinbekam, meinen Tag zu bewältigen, also das Nötigste zu tun, aber sonst nicht viel machen konnte. Nicht reden, nichts unternehmen, nicht arbeiten. Also ich sagte mir dann nicht: 'du bist ein Versager', es war eher so ein diffuses Gefühl,...der Hoffnungslosigkeit, Angst vor der Zukunft, und der verzweifelte Wunsch, ein Heilmittel zu finden, einen Schalter den man einfach umlegt und man dann eben gesund ist und bleibt. Ja aber heute wurde mir klar, dass das Quatsch ist,...im Endeffekt ist dieser 'Prozessorleerlauf', also das absolute Sparprogramm des Gehirns, so eine Art Regenerationsprogramm. Also Zeit, Eindrücke, Erlebnisse zu verarbeiten, bis man wieder neue aufnehmen kann. Wenn ich nach einigen Monaten wieder gesund werde, das ist glücklicherweise momentan gerade der Fall, ...dann bekomme ich eine neue Chance, meine Energie gut einzuteilen. Also mein Leben so zu gestalten, dass ich nicht in einen Dauer-Überforderungszustand gerate. Gesund leben, äußere Bedingungen so einrichten, dass es für einen passt, aber vorallem eins: sich selbst nicht so unglaublich stressen. Und glauben, dass man irgendwie minderwertig oder defekt ist, weil man nicht so schnell ist wie andere, oder eben allgemein: an Probleme anders heran geht als andere. Oder andere Dinge gut findet als andere.

      Ich gehe meinen Weg,...auch wenn er unglaublich viele Umwege und Windungen beinhaltet, ich komme voran und eines Tages werde auch ich meinen Platz finden, wie man so sagt. Bloß bin ich eben nicht dazu bestimmt, Dachdecker zu werden,...also ich will nicht sagen: ich bin zu Höherem bestimmt, bloß wenn ich der geborene Dachdecker wäre, wäre das eben ein geradliniger Weg. Also vorausgesetzt ich hätte da gleich hingefunden und hätte nicht ausversehen Versicherungskaufmann gelernt, da ich mich selbst so schlecht kenne. Also ich meine, um Dachdecker zu werden, vorausgesetzt man kennt sein Interesse dafür schon früh, muss man ein gewisses Alter haben, eine bestimmte Fitness und Ausdauer und ein Bewusstsein für Gefahren haben und dann eben die Ausbildung machen und schaffen. Aber es ist gut möglich, dass man dann eben Dachdecker ist schon in jungen Jahren. Ich weiß nicht, wo ich einmal landen werde und wann, aber ich möchte einfach voran gehen, im Vertrauen, dass sich das schon ergeben wird,...unbeirrbar.


      Eine Freundin sagte mal zu mir, in der Zeit, als ich die Depressionsdiagnose bekam: 'Das Einzige was mit dir nicht stimmt, ist, dass du denkst, dass mit dir etwas nicht stimmt.' Ich lasse mir nicht gerne was von anderen sagen, aber diesen Satz hab ich behalten. Und erst jetzt, viele Jahre später, kann ich dem Satz so richtig Bedeutung geben. Und zwar: Mit mir stimmt alles! Es ist, die Welt, mit der was nicht stimmt. Also, wie sagte es mal ein anderer Freund von mir: 'Nicht wir sind verrückt, sondern die anderen!' ;D Ja keine Ahnung, was mit den anderen ist, aber auf jeden Fall denke ich nicht mehr, ich bin verkehrt. Ich 'pathologisiere' mich nicht mehr, wie man so sagt. Und ich lasse mich auch nicht mehr pathologisieren. Es gibt bestimmt ein paar gute Psychologen, irgendwo.... ich habe noch keinen gefunden. Entweder waren sie selbst selbstunsicher*, fühlten sie sich ständig so schnell angegriffen, wenn ich etwa Wissen über Psychologie hatte (dass doch ihnen allein als 'Experten' gehört) oder ich hatte das Gefühl, ich therapiere sie und nicht umgekehrt, da sie mir so viel von sich erzählten (z.B. welche neuen Kochrezepte er gerade ausprobiert hatte),...also ja, ich habe da einiges an Lebenserfahrung gewonnen, aber weitergeholfen hat es mir bloß bedingt.

      Es hat mich traurig gemacht, da ich wirklich Hilfe finden wollte und auch viele viele Stunden da hinein investiert habe. Bestimmt hat es auch nicht gerade dabei geholfen, etwas an diesem diffusen Gefühl des Falschseins zu ändern, denn auch sie gaben mir ja wieder das Gefühl, dass ich 'defekt' bin. Nicht wegen meiner Depressionen, sondern wegen meiner Persönlichkeit: da ich mich unangepasst verhalte (z.B. mitschreibe in der Therapie, der Psychologe wollte es mir verbieten, da nur er das darf ^^) oder da ich zu selbstsicher bin (in der Angsttherapie sollten wir auf einem Pedalo fahren probieren und die Angst überwinden vor dem Gleichgewicht verlieren, da ich das als Kind aber lange geübt hatte, konnte ich in wenigen Sekunden schnell damit durch die Turnhalle fahren, das sollte ich dann lassen, 'es erschrecke die anderen Patienten'). Naja eins der wenig sinnvollen Dingen war die Tee-Truhe aus Holz, die ich in der Klinik in der Ergotherapie angefertigt habe, denn da durfte ich regelmäßig an die Kreissäge, und die war so laut, dass sie alle Gespräche im Raum übertönt hat, inbesondere das nervige Geplapper der einen Frau, das ich irgendwann wirklich nicht mehr hören konnte. Das war irgendwie,...ja,....befreiend. ;D


      Achja, ich höre in der Ferne die Möwen,..die Sonne geht auf bald, ...da denke ich: das ist irgendwie schön zu hören. Das Meer ist hier in der Nähe und ich möchte es bald mal wieder sehen. Und ich kann es, viel einfacher als früher in der schwäbischen Heimat. So weit habe ich es ja immerhin gebracht. ;) Mal schauen wieviel Schlaf ich jetzt noch finde. Lange keine Nacht mehr durchgemacht, aber ansonsten, das soll ja antidepressiv wirken. :)

      The post was edited 1 time, last by Isa ().

    • Hallo Isa,

      bislang war ich nur eine stille Mitleserin, aber muss mich jetzt doch zu diesem wunderbaren Beitrag äußern, in den bestimmt sehr viel Mühe geflossen ist.
      Es spiegelt auf eine fast schon unheimliche Art geradezu perfekt meine eigenen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen wieder. Deswegen möchte ich mich dafür bedanken, da es meinen Fokus auf das worauf es ankommt lenkt.

      Wir sind anders- und das ist auch gut so :)
    • 100.000 - ach noch viel mehr!!! DANKE für diesen Text. Du "sprichst" mir in SOOOO vielen Dingen direkt aus meiner z. Zt. völlig verzweifelten Seele. Ich habe mich in ganz, ganz vielen Beschreibungen wiedergefunden (auch wenn ich bisher keine Autismus-Diagnose habe, sondern nur einen - in meinem fortgeschrittenen Alter - erst selbst kürzlich gemachten Eigenverdacht.

      Isa wrote:

      Ich hab mich immer allein gefühlt, verlassen, und nicht gesehen.
      Genau! Vorallem mit dem "nicht gesehen werden" habe ich hauptsächlich in der Oberschule meine Probleme gehabt. Wenn dazu dann auch noch ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn kommt, macht es das nicht einfacher. Hatte deswegen sogar mal Wunsch, Jura zu studieren - aber heute weiß ich, daß es gut war, daß das nicht geklappt hat. Recht haben und Recht bekommen sind in der Realität/unserer Gesellschaft oft unterschiedliche Dinge. Und, da ich eh' kein Abi. habe, war der Traum auch schnell vorbei.
      Merke gerade, daß ich eigentlich deinem ganzen 1. Absatz 1:1 zustimmen könnte...

      Isa wrote:

      Und dann hat man noch Eltern die einen bestärken darin, wie man is(s)t, wann kann,...also weg vom Eis z.B. liebt ein kleines Kind Klaviermusik, ist musikalisch, hüpft und tanzt viel rum und dann darf es selbst mal Klavier spielen, bleibt dabei, wird immer besser. Hat Erfolgserlebnisse, die Eltern ermutigen und loben das Kind und ja, so weiß es dann: ich kann Klavier spielen. Im Idealfall läuft es so und so lernt man sich selbst immer besser kennen. Kann sich dementsprechend Freunde aussuchen, Hobbies suchen, in Vereine gehen,...später einen Beruf wählen, ne Familie gründen - das alte Lied. Im Normalfall. Doch was ist, wenn es ganz anders läuft, wenn man so langsam wie eine Schnecke ist bei der Selbst- und Berufsfindung und während die Klassenkameraden schon Großeltern sind, man selbst sich immer noch wie ein Kind fühlt und gar nicht weiß was los ist und gar nicht klarkommt, und nicht ankommt, als hm...hervorragendes Mitglied der Gesellschaft?
      Und wenn man zwar eigentlich liebevolle Eltern (vorallem die Mutter) hat, die einem ermöglichen, Interessen auszuleben (Gitarre spielen lernen z. B.). Oder man - mit dem deutlich begabteren Nachbarskind - in einen Sportverein geht. Man dann aber selbst feststellen muß, daß der Trainer dich nur Ausdauertraining machen läßt, weil er erkannt hat, daß nicht soviel Potenzial in dir steckt, daß du für den Verein Turnier-Erfolge bringen könntest, er - der Verein - aber natürlich nichts gegen deinen Mitgliedsbeitrag hat... Da gibst du dann als Jugendliche selber resigniert auf. Und das wiederum "zieht dich runter" (RW). Bei mir war das leider so. Denke, meine Mutter wollte sicher immer das Beste für mich, wußte aber auch nicht genau, wo/wie sie das fördern soll. Mein Vater war in der Beziehung (RW) gar keine Hilfe, eher das Gegenteil. Wenn man etwas machen wollte, worin er sich gut auskannte (z. B. Gartenarbeit), dann hieß es oft: Du machst das falsch, so mußt Du das machen. Leider war er auch ein Choleriker (und wurde in späteren Jahren zum Alkoholiker). Er hatte sicher ganz viele "seelische Päckchen" selber zu tragen und konnte daher nicht anders mit mir (und meinem Bruder) umgehen, das weiß ich heute.
      Und dann entwickelt man noch so eine "dünne Haut" (RW) - also man ist gekränkt/frustriert/beleidigt/deprimiert - daß man selbst gut gemeinte Dinge oder Erfolgserlebnisse noch etwas Negatives beifügt. Wie z. B. wenn der Vater bei der Ausbildungsplatz-Suche sagt: "und wenn wir nichts für Dich finden, dann kann ich sicher Dich immer noch bei meinem Arbeitgeber (öffentlicher Dienst) unterbringen". Das hatte mich sehr gekränkt und letztlich habe ich dann ja auch nur aufgrund meiner eigenen Leistungen (und etwas Glück/Zufall) einen tollen Ausbildungsplatz bekommen. Oder wenn Dir die Eltern nach bestandener Azubi-Abschlußprüfung als Anerkennung einen gravierten Becher schenken (lieb und gut gemeint), Du aber nur siehst, das die Gravur nicht so ganz zu Deinem erlernten Beruf paßt. Weil die Eltern aber beide das gleiche wie Du mal gelernt haben, es nur eben Jahrzehnte früher gemacht haben und damals der Gravur-Text gepaßt hätte. Man selber verbindet das aber gleich nur mit Desinteresse der Eltern.
      Oder wenn Du eigentlich stolz/freudig darüber sein solltest, daß Du die praktische Führerscheinprüfung (ohne besonders viele Fahrstunden und gleich beim 1. Mal) geschafft hast. Dir aber die Freude durch eine blöde Bemerkung des Fahrprüfers zu Deinem Fahrstil genommen wird, weil es sich so anhörte, als ob man nur durch gnädigerweise bestanden hätte (obwohl ich NICHTS falsch gemacht hatte).
    • Hallo Isa und Athena,

      tut mir leid, daß ich soviel über meine eigenen Erfahrungen jetzt dazugetextet habe. Eigentlich wollte ich auch nur Isa zustimmen und danken. Und deshalb hat Athena das, was ich eigentlich schreiben wollte, sehr gut getroffen.
      Ganz besonders hat es diese Aussage angetan:

      Isa wrote:

      Doch was ist, wenn es ganz anders läuft, wenn man so langsam wie eine Schnecke ist bei der Selbst- und Berufsfindung und während die Klassenkameraden schon Großeltern sind, man selbst sich immer noch wie ein Kind fühlt und gar nicht weiß was los ist und gar nicht klarkommt, und nicht ankommt, als hm...hervorragendes Mitglied der Gesellschaft?
    • ...wollte eigentlich noch hinzufügen: und man/Du selber auch nicht damit klarkommt, daß die "anderen"/die Gesellschaft ja von Dir erwarten, daß Du einen "normalen" Lebensweg nimmst (Beruf/Freunde/Partnerschaft/Kinder), weil ja Dein "Anderssein" bzw. Deine seelischen Qualen Dir so nicht anzusehen sind bzw. Du selbst ja nicht wirklich über Dich Bescheid weißt.
    • motte28 wrote:

      tut mir leid, daß ich soviel über meine eigenen Erfahrungen jetzt dazugetextet habe.
      Ich habe auch Deinen Text gerne gelesen. Klar, moderne Kommunikationsregeln fordern häufig, die Erfahrungen eines Menschen stehen zu lassen und keine "Das kenne ich auch"-Beiträge zu schreiben oder zu äußern. Persönlich empfinde ich das anders und sehe es - zumindest hier im Forum - nicht als "Übertrumpfen", sondern als eine Ergänzung und ein Verstehen, wo Menschen andernfalls oft nicht verstanden werden. Problematisch ist es eher, wenn es im Sinne eines "Das geht doch jedem so" geäußert wird, um die Erfahrungen des anderen zu relativieren. Aus dieser "Ecke" kommen solche Kommentare im Selbsthilfekontext aber eher nicht, meinem Eindruck nach.

      Isas Text finde ich ebenfalls sehr treffend und berührend. Das hier:

      Isa wrote:

      m Idealfall läuft es so und so lernt man sich selbst immer besser kennen. Kann sich dementsprechend Freunde aussuchen, Hobbies suchen, in Vereine gehen,...später einen Beruf wählen, ne Familie gründen - das alte Lied. Im Normalfall. Doch was ist, wenn es ganz anders läuft, wenn man so langsam wie eine Schnecke ist bei der Selbst- und Berufsfindung und während die Klassenkameraden schon Großeltern sind, man selbst sich immer noch wie ein Kind fühlt und gar nicht weiß was los ist und gar nicht klarkommt, und nicht ankommt, als hm...hervorragendes Mitglied der Gesellschaft?
      kann auch ich sehr gut nachvollziehen. Für mich hat das ganz wesentlich damit zu tun, dass man sich ohne das Wissen um die Gründe für seine "Andersartigkeit" und mit einer Reihe von "unerklärlichen" Misserfolgserlebnissen oft tatsächlich nie richtig kennen lernen, auch in die Stärken nie ein stabiles Vertrauen entwickeln konnte. Leider gibt es für derartige "Spätentwickler" gesellschaftlich bisher noch kaum Verständnis, geschweige denn passende Unterstützung.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Hallo @Athena, @Leonora, @motte28 !

      Hab mich gestern sehr über eure Antworten gefreut. Ich war bloß zu müde, um zu antworten, auch heute nicht so in Schreibstimmung - hab mich mit dem Text wohl etwas verausgabt. :) Schön, dass ich auch andere erreichen konnte, wie gehofft, mich selbst hat die Erkenntnis einfach so 'geflashed' und ich wusste, das muss ich festhalten. Ich hatte letztens schon mal den Gedanken: 'Was ist, wenn alles gut ist, wie es ist?' Da ich mich, gerade in der depressiven Lage, kritisch betrachte,...Fehler sehe, ängstlich bin, ein schlechtes Gewissen habe. Auch wenn klar ist, dass ich wirklich krank bin und gerade eben nicht viel kann. Ja und auch sonst eben, wenn ich gesund bin, bloß weniger tun kann als die meisten, da alles anstrengender ist für mich. Also ja das war dann mal so eine andere Sichtweise: was ist, wenn all meine Erfahrungen eben nötig sind, um der Mensch zu werden der ich sein soll. Also auch wenn mich meine Erfahrungen erschüttert haben, bin ich nicht daran kaputt gegangen, es dauert wohl noch eine Weile bis ich das überwunden habe. Und ich bin ungeduldig, daher, mag ich manchmal nicht sehen, dass es eben doch SOOOO LANGE dauert. Doch ich denke, dass einen all das, was einem widerfährt, wachsen lässt.... dass man dann irgendwann eine Stärke hat, die man anderweitig nicht bekommen hätte. Die man dann auch ausstrahlt und andere inspirieren und bewegen kann. Was ich mit meinem Text anscheinend schon etwas tat, das hat mich wirklich gerührt.

      Ich habe einige gute Fähigkeiten, doch hab ich wie beschrieben, nicht gelernt, damit umzugehen, ich wurde dann auch oft ausgenutzt, enttäuscht, das hat mich schwächer gemacht. Ja und angreifbar, wenn man, wie beschreibe ich das,...sagen wir mal, z.B. sehr gut analysieren kann, oder intutitiv erkennt, dass jemand etwas verbirgt, nicht einfach so auf soziale Spielchen hereinfällt,...dann ist das eigentlich eine Stärke. Doch es ist doof, wenn man sich dessen nicht bewusst ist, dass man da kann und all die damit verbundenen Folgen berücksichtigt: dass es Leuten Angst machen kann, dass man vorsichtig umgehen sollte, also nicht einfach ´(autistisch unbedarft) herausplaudert, was einem in den Kopf kommt. Da muss ich an Star Wars denken: 'Mit großer Macht kommt große Verantwortung.' Also in diesem Fall, man sollte wissen, dass man eben 'diese Macht hat', dass das Wissen, das man hat, aber vorsichtig gehandhabt werden sollte. Da man andere damit verletzen kann, naja, also manche Personen arbeiten sorgfältig an ihrer Fassade, und jemand, der sie bloß stellen kann, ist dann für sie natürlich eine große Bedrohung. Und selbst wenn man gar nichts sagt, kann man ausstrahlen, dass man nicht so einfach zu täuschen ist. Ja und ich selbst bin da dann eben in viele unangenehme Situationen geraten, ich wurde abgelehnt, ohne zu wissen, warum. Als ich kleiner war, wurden sicher auch meine Wahrnehmungen in Frage gestellt, da viele eben nicht gerne die ungeschminkte Wahrheit von sich preisgeben möchten. Ich denke nicht, dass ich ihnen automatisch geglaubt habe, und meine eigenen Eindrücke verworfen habe, aber es hat mich sicher verwirrt. So auch mit anderen ungewöhnlichen Eigenschaften, ich bekam das Gefühl, nicht so sein zu dürfen, wie ich bin.

      Mir fiel dazu noch folgendes Bild ein:

      wenn ein Hund nicht weiß, dass er ein Hund ist und seine Aufgabe ist, auf die Schafsherde aufzupassen, er also ein Hütehund ist, er stattdessen sich als Schaf verkleidet und sich wie ein Schaf verhält, so werden die anderen Schafe unruhig und misstrauisch, am Ende befürchten sie vielleicht, dass der Hund eine Gefahr, also gar ein Wolf im Schafspelz ist. Obwohl das ja gar nicht so ist, ein Hütehund ist ja sehr wichtig für die Herde, er passt auf sie auf, er weist ihnen den Weg. Ja, bloß ist er nunmal einfach kein Schaf.

      Das meine ich nun nicht so wörtlich, .. also ich meine nicht so direkt in dem Sinne, dass Autisten dazu gemacht sind naja sozusagen Chefs zu sein. Aber das ihre Aufgabe eine andere ist. Vielleicht können sie Bücher schreiben, oder als Journalisten arbeiten - oder als Künstler. Also indem sie ihre feine Beobachtungsgabe nutzen. Also bloß als Beispiel,...ich weiß, es ist schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten und all das. Ja aber einfach grundsätzlich, dass man wertvolle Eigenschaften hat, die der Gemeinschaft nützen können. Und entscheidend ist dabei eben, dass man an sich selbst glaubt. Ich hoffe, dass ich eines Tages meine 'Nische' finden werden, in der ich unter für mich akzeptablen Bedingungen arbeiten kann.

      Bei mir hat in den letzten Jahren, nach all den Erfahrungen mit Therapie und auch Selbsttherapie, also dieses Sich-Selbst-Erforschen durch Autismus-Selbsthilfe, Literatur zu psychologischen/neurologischen Themen, mehr und mehr der Gedanke geformt: ich habe mich genug 'auseinander genommen', nun ist es Zeit, mich wieder zusammen zu setzen. :)

      Ja und es schockiert mich einfach auch, in was man da hinein gerät, wenn man mal so eine Diagnose hat. Was einem dann passiert, wenn man versucht, seine Depression behandeln zu lassen, zieht einen dann oft noch weiter runter. Man trifft unfähige Therapeuten/Ärzte im besten Fall, viele sind aber selbst nicht mit sich im Reinen, vorsichtig ausgedrückt und wollen sich eher selbst heilen als andere, also nutzen den Patienten als Therapeuten, also umgekehrt. Oder sie sind sogar richtig gemein, oder schadhaft, stellen Fehldiagnosen oder interpretieren die Dinge falsch, geben Ratschläge die eher schlecht sind, die also alles noch schlimmer machen. Mich schüttelt es bei dem Gedanken an einiges was ich erfahren habe oder von anderen weiß.
      Ich halte viele bei uns praktizierte Behandlungsmethoden für rückständig und sehe die westliche Herangehensweise an psychische Krankheiten sehr kritisch.

      Es ist aber nicht mein Anliegen, mich damit auseinander zu setzen oder mich darüber aufzuregen, das hab ich genug getan. Und ich habe auch genug davon. Was mir das gezeigt hat ist, dass man, insbesondere wenn man so gar nicht der Norm entspricht, am besten selbst sein bester Ratgeber ist. Es hilft mir einfach nicht weiter, mich mehr und mehr damit zu beschäftigen, was NICHT mit mir stimmen könnte. Also z.B. dieser ganze tiefenpsychologische Trauma-Kram. Mit Sicherheit war es nicht schön, gemobbt zu werden. Und ja, ich habe da heute noch mit zu kämpfen, dass ich z.B. zusammen schrecke manchmal, wenn andere lachen, da ich denke, sie könnten über mich lachen. Das ist an sich ein Problem, da es unangenehm ist für mich. Doch ich sage mir dann, dass es Unsinn ist und mache mir bewusst, dass ich gerade etwas paranoid bin,...und hoffentlich wird das irgendwann nicht mehr so sein. Also ich denke, wenn ich mich allgemein stärker und sicherer fühle, nimmt auch das ab. Wenn ich aber wiederholt mich damit beschäftige, dass ich traumatisiert durch Mobbing bin, oder möglicherweise noch unaufgedeckte traumatische Erfahrungen habe, die mich heute nachhaltig beeinflussen, dann schwächt mich das gewaltig. Also man sich ja irgendwann als vollkommen kaputt ansieht.

      Mir kam gestern noch die Idee, dass manche traumatische Erfahrungen aus frühester Kindheit vielleicht gar keine fürchterlich gruseligen Handlungen anderer sind, sondern dass einfach als Kleinkind, die Welt sehr unberechenbar und unheimlich ist. Besonders als sensibles Kleinkind und als autistisches Kleinkind. Vielleicht war man auch mal zu dick angezogen und fühlte sich erdrückt, konnte das aber nicht kommunizieren, an sich war das eine sehr schlimme Erfahrung. Doch haben das die Eltern nicht gemacht, um einen niederträchtig zu quälen und sie haben einen auch nicht absichtlich ignoriert in seinen Bedürfnissen. Solche Dinge passieren,und ich glaube einfach, anstatt ständig über die Vergangenheit nachzudenken, was da ungünstig war, ist es sinnvoller, in der Gegenwart gut für sich zu sorgen. Auch anzuerkennen, dass man es nicht einfach hatte und sich zuzugestehen, Zeit zum heilen zu brauchen. =)

      The post was edited 3 times, last by Isa ().

    • Hallo ihr Drei,

      ganz oft bemerke ich, dass ich bei langen Texten oder auch langen Konversationen abschalte und die Texte nur noch überfliege, weil die eigenen Gedanken immer mehr anfangen zu kreisen. Da ist es schwierig, "dabei" zu bleiben. Eure Nachrichten, egal, ob kurze Bekundungen, wie treffend der Text des anderen sei oder auch die eigenen Erfahrungen empfand ich als gar nicht anstrengend zu lesen, weil meine Gedanken einfach immer nur eifrig genickt haben beim Lesen.
      Kein Abschweifen, keine eigenen Interpretationen - nur Erstaunen und Zustimmung, weil es auch meine Gefühlswelt perfekt beschreibt.

      Dankeschön dafür!!! :cryforjoy:

      Denn ich glaube, nein ich weiß sogar, wie viel Kraft es kosten kann, seine Gedanken auf eine solche Art zu reflektieren und mitzuteilen. Das ist bei Weitem nicht einfach und vor allem auch nicht selbtsverständlich

      Isa wrote:

      [..] Im Normalfall. Doch was ist, wenn es ganz anders läuft, wenn man so langsam wie eine Schnecke ist bei der Selbst- und Berufsfindung und während die Klassenkameraden schon Großeltern sind, man selbst sich immer noch wie ein Kind fühlt und gar nicht weiß was los ist und gar nicht klarkommt, und nicht ankommt, als hm...hervorragendes Mitglied der Gesellschaft?


      [..]

      Gerade diesen Gedanken habe ich ganz oft. Ich bin nun 34 Jahre alt und gefühlt nicht da, wo man sein sollte. Zumindest nicht das, was einen die Gesellschaft propagiert und vorgaukelt. Und auch, wenn ich tief im Inneren weiß, dass die mediale Welt eine Scheinwelt ist, so sind diese Zweifel da.
      Aber ich bin nicht nur gefühlt nicht da, wo man sein sollte.
      Gefühlt passt diese Zahl auch nicht zu mir, sie fühlt sich falsch an. Und ich schaffe es nicht, es anders zu formulieren, als dass es sich falsch anfühlt.
      Aber auch mit der Suche nach der passenden Nische für einen selbst bist du (leider) nicht alleine.
      Ich glaube aber sehr daran, dass man diese Hoffnung nicht aufgeben darf, auch wenn es immer wieder schwer ist!


      Isa wrote:

      [..]
      Ich habe einige gute Fähigkeiten, doch hab ich wie beschrieben, nicht gelernt, damit umzugehen, ich wurde dann auch oft ausgenutzt, enttäuscht, das hat mich schwächer gemacht. Ja und angreifbar, wenn man, wie beschreibe ich das,...sagen wir mal, z.B. sehr gut analysieren kann, oder intutitiv erkennt, dass jemand etwas verbirgt, nicht einfach so auf soziale Spielchen hereinfällt,...dann ist das eigentlich eine Stärke. Doch es ist doof, wenn man sich dessen nicht bewusst ist, dass man da kann und all die damit verbundenen Folgen berücksichtigt: dass es Leuten Angst machen kann, [...]

      Bei diesem Absatz musste ich wirklich schmunzeln, weil er vieles so gut aus meinem Leben beschreibt.
      Ich bin Personalsachbearbeiter und habe daher mit vielen Menschen zu tun. Natürlich auch mit Kollegen, die neu bei uns anfangen und die eben auch nach einer Zeit beurteilt werden müssen. Und immer, in 100% der Fälle, stimmte mein Bauchgefühl, was diese Menschen anbelangt. Und witzigerweise bin ich auch die Einzige, die die Dinge so sieht.
      Aber in diesem Punkt bin ich eben "nur" Sachbearbeiter und nicht befugt, Entscheidungen zu treffen.
      Wenn ich in der Vergangenheit, diese Einschätzungen geteilt habe, wurde das von allen anderen nur belächelt und abgetan.
      In der Folge, wenn die Kollegen dann die Probezeit bestanden hatten und unbefristet bei uns sind, offenbarte sich all das, was ich vorher prophezeiht habe. Immer!

      Eigentlich würde ich das schon als eine Fähigkeit oder auch Stärke sehen. Aber das ist dann wie in deinem dritten Absatz - Fähigkeiten, die nicht erkannt, gewertschätzt oder akzeptiert werden.

      Dein letzter Absatz mit den Erlebnissen aus Kindheitstagen unterschreibe ich eingeschränkt. Sicherlich ist es die eigene, noch nicht ausgereifte Entwicklung, die einen so fühlen lässt. Aber ich glaube auch, dass es häufig die Päckchen der Eltern sind, die dazu führen, dass das Leben so läuft wie es läuft.
      Die Erkenntnis, dass die Eltern vielleicht gar nicht anders hätten handeln können, kommt leider auch immer erst später.
      Nämlich dann, wenn die Reflektion für das eigene Verhalten sowie auch das gesellschaftliche Verhalten einsetzt und man beginnt, sich damit gezielt auseinanderzusetzen.

      Ich könnte noch so viel Ergänzendes zu deinem Post schreiben, aber auch ich möchte es gerade nur bei einem nochmaligen

      Dankeschön

      belassen!
      ~~ Never stop making wishes ~~
    • Isa wrote:

      ich glaube einfach, anstatt ständig über die Vergangenheit nachzudenken, was da ungünstig war, ist es sinnvoller, in der Gegenwart gut für sich zu sorgen.
      Ja. Obwohl ich mir manchmal schon erlaube, ein bisschen zurückzuschauen und dabei zu seufzen: "Wenn ich früher gewusst hätte...!" Aber ich weiß auch: Früher von meinem Autismus gewusst zu haben, hätte auch bedeutet, andere Wege zu gehen, andere Entwicklungen zu nehmen. Jedoch: Was ich ohne mein Wissen um den Autismus gemacht habe, war ja nicht alles falsch oder leidvoll, und deshalb halte ich es wirklich für sinnvoller, die Vergangenheit anzunehmen (so war es eben, und es war ja auch ganz oft gut), und hier und jetzt für mich zu sorgen. Zu lernen. Neues zu erfahren. Gelegentliche Misserfolge inbegriffen.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)
    • Ja das ist die Frage, wie es gelaufen wäre, hätte man es gewusst. Ich denke schon, dass mich das heute noch beeinflusst, dass ich früher so abgelehnt/ausgeschlossen/nicht verstanden wurde. Auch wenn ich es verstandesmäßig ja nun weiß, was mich so anders gemacht hat, hab ich das ja dennoch erlebt. Kann mich noch gut erinnern, an das Gefühl, wie es war sich so verloren zu fühlen. Ja und das möchte ich nun abstreifen, indem ich dem verschüchterten Mädchen von damals -bildhaft betrachtet- sage: 'Es ist sicher, du kannst herauskommen, hier pass ich auf dich auf!' Gar nicht so einfach, da das Erlebte sich in einer Zeit abspielte, wo das Bild der Welt und von sich selbst so stark geprägt wurde (Kindheit/Jugend). Aber ich denke, es ist schon möglich, das zu 'überschreiben'.


      @Jalana86 Freut mich!=] Und hab ebenfalls geschmunzelt, bei dem Absatz mit deinen zutreffenden Prophezeiungen. Ein bißchen wie so ein Superdetektiv, der die Indizien als einziger richtig deutet. Das ist doch das Schöne an dem Forum, dass man andere findet, die auch so ein sonderbar geformtes schillerndes Gefieder haben, dass die normalen Wasservögel im Alltagsteich oft verunsichert. Doch man weiß nun, dass alles mit einem in Ordnung ist, die anderen Schnattertiere kennen bloß diese Vogelart nicht. Aber man ist nun mal Abgesandter aus Fernen Landen und hat den Auftrag,...hm den Teich aufzumischen, um Stillstand zu verhindern. Oder so ähnlich. :)
    • Isa wrote:

      [...]
      @Jalana86 Freut mich!=] Und hab ebenfalls geschmunzelt, bei dem Absatz mit deinen zutreffenden Prophezeiungen. Ein bißchen wie so ein Superdetektiv, der die Indizien als einziger richtig deutet. Das ist doch das Schöne an dem Forum, dass man andere findet, die auch so ein sonderbar geformtes schillerndes Gefieder haben, dass die normalen Wasservögel im Alltagsteich oft verunsichert. Doch man weiß nun, dass alles mit einem in Ordnung ist, die anderen Schnattertiere kennen bloß diese Vogelart nicht. Aber man ist nun mal Abgesandter aus Fernen Landen und hat den Auftrag,...hm den Teich aufzumischen, um Stillstand zu verhindern. Oder so ähnlich. :)

      Guten Morgen Isa,

      ich finde deinen Vergleich mit den Schnattertieren so absolut treffend und auch ein wenig witzig, wenn ich mir das bildlich vorstelle.
      Allerdings hakt diese Vorstellung für mich persönlich an einem Punkt.

      Ich fühle mich nicht wie ein Abgesandter aus fernen Landen, der der Dorfteich aufmischt. Dieses Bild ist für mich damit verbunden, dass es einen Sinn gibt, warum ich dorthin geschickt wurde.
      Eher empfinde ich es als ein Ausgesetzt sein, ohne eine Anleitung, wie man sich in dem Dorfteich zurechtfindet.

      Ganz häufig habe ich die Gedanken, dass mit mir eigentlich alles gut ist und ich auch so gut bin wie ich eben bin. Dass ich genug bin!
      Und dann kommt die Umwelt in ihren unterschiedlichen Facetten und ich scheitere gefühlt daran.

      In einem anderen Thread hatte ein Forumsmitglied darüber geschrieben, dass sie sich genau daran erinnert, wenn jemand etwas gesagt hat und dass es zu Uneinigkeiten kommt, weil sich die anderen nicht mehr daran erinnern können.
      Das erlebe ich so oft in dem Dorfteich. Dass ich Verhalten sehr gut lesen kann, dass ich sehr genau zuhöre, was Menschen sagen und dass ich die Diskrepanz darin oft erkenne.
      Spreche ich das an, ähnlich wie mit unseren Neueinstellungen, wird mir der Schwarze Peter zugeschoben.

      Das führt nicht gerade dazu, dass man sich in dem Dorfteich wohlfühlt.
      ~~ Never stop making wishes ~~
    • Bei mir hat sowas:

      Jalana86 wrote:

      Dass ich Verhalten sehr gut lesen kann, dass ich sehr genau zuhöre, was Menschen sagen und dass ich die Diskrepanz darin oft erkenne. Spreche ich das an, ähnlich wie mit unseren Neueinstellungen, wird mir der Schwarze Peter zugeschoben.
      oder andere Situationen, in denen ich irgednwie spüre, dass etwas nicht stimmt, es aber nicht ganz benennen kann, aber das Klären wollen dann gleich zu noch mehr Verwirrung führt,
      zu einer grossen Verunsicherung geführt, die bis heute anhält.

      Wann genau habe ich denn nun den "schwarzen Peter" wirklich selber in der Hand gehabt, was ja auch vorkommt,
      wann wird er mir zugeschoben und wann schiebe ich ihn mir sogar selber zu.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • ifi wrote:

      [..]

      Wann genau habe ich denn nun den "schwarzen Peter" wirklich selber in der Hand gehabt, was ja auch vorkommt,
      wann wird er mir zugeschoben und wann schiebe ich ihn mir sogar selber zu.

      Tja, diese Unterscheidung ist tatsächlich nicht leicht.
      Sicherlich gibt es auch durchaus Situationen, die man selbst nicht richtig lesen kann und dadurch selbst diese Situation herauf beschwört.

      Bei mir sind es dann aber oftmals Dialoge wie "Nein, das habe ich so gar nicht gemeint!" und gesagt hat derjenige was ganz anderes.
      Im Allgemeinen fällt mir immer wieder und immer mehr auf, dass viele kaum mehr klar und eindeutig kommunizieren können.
      ~~ Never stop making wishes ~~
    • Jalana86 wrote:

      Isa wrote:

      [...]
      @Jalana86 Freut mich!=] Und hab ebenfalls geschmunzelt, bei dem Absatz mit deinen zutreffenden Prophezeiungen. Ein bißchen wie so ein Superdetektiv, der die Indizien als einziger richtig deutet. Das ist doch das Schöne an dem Forum, dass man andere findet, die auch so ein sonderbar geformtes schillerndes Gefieder haben, dass die normalen Wasservögel im Alltagsteich oft verunsichert. Doch man weiß nun, dass alles mit einem in Ordnung ist, die anderen Schnattertiere kennen bloß diese Vogelart nicht. Aber man ist nun mal Abgesandter aus Fernen Landen und hat den Auftrag,...hm den Teich aufzumischen, um Stillstand zu verhindern. Oder so ähnlich. :)
      Guten Morgen Isa,

      ich finde deinen Vergleich mit den Schnattertieren so absolut treffend und auch ein wenig witzig, wenn ich mir das bildlich vorstelle.
      Allerdings hakt diese Vorstellung für mich persönlich an einem Punkt.

      Ich fühle mich nicht wie ein Abgesandter aus fernen Landen, der der Dorfteich aufmischt. Dieses Bild ist für mich damit verbunden, dass es einen Sinn gibt, warum ich dorthin geschickt wurde.
      Eher empfinde ich es als ein Ausgesetzt sein, ohne eine Anleitung, wie man sich in dem Dorfteich zurechtfindet.

      Ganz häufig habe ich die Gedanken, dass mit mir eigentlich alles gut ist und ich auch so gut bin wie ich eben bin. Dass ich genug bin!
      Und dann kommt die Umwelt in ihren unterschiedlichen Facetten und ich scheitere gefühlt daran.

      In einem anderen Thread hatte ein Forumsmitglied darüber geschrieben, dass sie sich genau daran erinnert, wenn jemand etwas gesagt hat und dass es zu Uneinigkeiten kommt, weil sich die anderen nicht mehr daran erinnern können.
      Das erlebe ich so oft in dem Dorfteich. Dass ich Verhalten sehr gut lesen kann, dass ich sehr genau zuhöre, was Menschen sagen und dass ich die Diskrepanz darin oft erkenne.
      Spreche ich das an, ähnlich wie mit unseren Neueinstellungen, wird mir der Schwarze Peter zugeschoben.

      Das führt nicht gerade dazu, dass man sich in dem Dorfteich wohlfühlt.

      Guten Abend Jalana,

      hab nochmal nachgedacht über was du geschrieben hast. Ja es ist doof, dass die deine Fähigkeiten da nicht zu schätzen wissen. Leider wirst du dann wohl am besten die Klappe halten müssen in so Situationen, wenn du nicht anecken willst. Naja, aber dir wurde ja oft bestätigt, dass deine erste Einschätzung der Neuen richtig war, also weißt du: du hast da ein gutes Gespür. Und es gibt sicher Leute, woanders, ob jetzt im Nachbar-Dorfteich oder wo auch sonst, wo man das zu schätzen weiß. Ich finde es auch schwer, sich nicht verunsichern zu lassen, da arbeite ich ja gerade dran.

      Ich glaube es hat auch etwas mit dem 'wörtlich nehmen' zu tun, auch wenn man weiß, dass es doofe Leute gibt, die doofe Sachen sagen, geht man immer wieder intuitiv von sich selbst aus , doch das ist allermeist verkehrt. Es gibt da so viel Merkwürdigkeiten der die Leute umtreibt: Hierarchien, sich gut darstellen wollen, eigene Unsicherheit,..das sind nicht scharfsinnig durchdachte, stichhaltige Analysen (in den allermeisten Fällen). Das Ding ist, man kann die nicht verändern, aber man kann verändern, wie sie auf einen wirken,...das geht bestimmt nicht von heute auf morgen, doch irgendwann kann man das dann bestimmt, dieses 'das Unangenehme beim anderen lassen'.

      Also ich glaube das heißt Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Ach bin zu müde, bekomm das nicht mehr so richtig formuliert heute, vielleicht wann anders.
    • Das ist doch aber wirklich gut und nachvollziehbar formuliert gewesen :) :thumbup:

      Aber ich kenne das sehr gut, wenn es dem eigenen Anspruch nicht genügt oder man auch etwas anderes im Sinn hat.

      Auf jeden Fall unterschreibe ich dir deinen Post zu 100% - zwar kenne ich rational den Weg, aber weiß noch nicht so ganz wie ich dahin kommen kann.
      Na ja ... :?
      ~~ Never stop making wishes ~~
    • Irgendwann hab ich mal gelesen, dass ein Grund für Depressionen sein kann, dass einem das Gefühl der Selbstwirksamkeit fehlt. Was meint ihr, Autisten benommen ja überdurchschnittlich häufig Depressionen. Ob das da eine Rolle spielt? Dass einem der Glauben an sich fehlt? Mit was könnte das zusammen hängen? Es heißt ja Autisten haben Probleme mit der Selbstwahrnehmung. Hm..

      Definition Selbstwirksamkeit:
      psychomeda.de/lexikon/selbstwi…ologen%20Albert%20Bandura.
    • Isa wrote:

      Irgendwann hab ich mal gelesen, dass ein Grund für Depressionen sein kann, dass einem das Gefühl der Selbstwirksamkeit fehlt. Was meint ihr, Autisten benommen ja überdurchschnittlich häufig Depressionen. Ob das da eine Rolle spielt? Dass einem der Glauben an sich fehlt? Mit was könnte das zusammen hängen? Es heißt ja Autisten haben Probleme mit der Selbstwahrnehmung.
      Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Mangel an Selbstwirksamkeits-Überzeugung dazu führt, sich ggf. (unüberwindbar) minderwertig zu fühlen (wenn auch vielleicht nur auf einen konkreten Punkt/Bereich bezogen). Wenn dieses diesbezügliche Minderwertigkeitsgefühl dann überdurchschnittlich und unverhältnismäßig "übersteigert" und generalisiert wird, dann kann das sicherlich depressiv machen. Ob das dann aber zu einer tatsächlichen Depression führen kann oder nur eine sowieso schon latent vorhandene Depression verstärkt, das mag ich nicht beurteilen.

      Selbstwahrnehmung - finde ich - hat damit nicht immer und nicht unbedingt etwas zu tun. Eine gestörte Selbstwahrnehmung ist ja sozusagen eine verzerrte, falsch positive oder falsch negative Interpretation, generelle Falschinterpretation oder Missinterpretation der eigenen "Eigenschaften", die nicht unbedingt rein objektiv einordnungsbar sind.

      Ich zum Beispiel habe Selbstwahrnehmungsstörungen, die unterschiedliche "Bereiche" betreffen (Körpergrenzen/Optik/...) - was das betrifft, ist es mir schlichtweg nicht möglich, diesbezüglich eine realistische und realitätsnahe Einschätzung (z.B. im Vergleich mit anderen Menschen) zu machen.

      Die Selbstwirksamkeits-Überzeugung beruht ja aber doch wohl eher auf realistisch einschätzbaren und objektiv nachprüfbaren möglichen Ergebnissen. Jedenfalls kann man sie so "verifizieren".
      Ich bin dumm? Ich kann nicht logisch denken? Okay, ich mache einen Intelligenztest und sehe mir das Ergebniss an. Ah... ich bin doch nicht dumm und kann doch logisch denken.
      Ich bin handwerklich ungeschickt? Probiere ich es doch aus. Ich baue etwas zusammen, säge etwas aus, schraube etwas zusammen. Ah... klappt ja doch, dann kann ich also doch nicht so fürchterlich ungeschickt sein.

      Ich könnte mir eher vorstellen, dass diese Selbstwirksamkeit bzw. Selbstwirksamkeits-Überzeugung und deren Förderung als "Einsatzmöglichkeiten" in der Therapie (Angst/Panik) eher für nichtautistische Menschen funktioniert. Wenn ich persönlich (als Mensch mit einer Autismusspektrumstörung) Angst vor etwas habe (auch ich habe ein paar konkrete Ängste), dann sind die "nicht vom Himmel gefallen" sondern haben ihren Ursprung in realistischen und tatsächlich bereits aufgetretenen und mir passierten Begebenheiten. Dann ist das nichts, wo ich die vage Idee oder die unbegründete Angst habe, es nicht bewältigen zu können, sonder etwas, von dem ich weiß, dass es in der Vergangenheit bereits passiert ist und dass es eben - realistisch gesehen - wieder passieren kann. Dann wäre in diesen konkreten Situationen ein "Arbeiten" an meiner diesbezüglichen Selbstwahrnehmungs-Überzeugung (diese angstbehaftete Situation durchstehen/durchleben zu müssen) reiner Selbstbetrug.
      "Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung." - Albert Einstein
    • @THeHux

      Also so wie es auf der Seite steht, muss für die Selbstwirksamkeit nicht zutreffen, dass man etwas wirklich kann.

      . wrote:

      Die Überzeugung, eine Handlung erfolgreich ausführen zu können, bezeichnete Bandura als Selbstwirksamkeits-Überzeugung, wobei in vielen Fällen unerheblich ist, ob die Person tatsächlich zur Ausführung in der Lage ist oder nicht: Ohne Selbstwirksamkeits-Überzeugung werden Herausforderungen oft nicht angenommen.
    • Denke schon dass Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit zusammen hängen. Hab mir überlegt ich hab bei vielen Dingen weder ne positive noch negative Sichtweise auf meine erwartete Handlungsfähigkeit. Das bedeutet, ich weiß es einfach nicht. Es gibt Phasen da gelingt mir alles sehr gut und dann gibt es wieder Tage, da schaff ich kaum was und mir ist alles zu viel. Das einzuschätzen im Voraus fällt mir aber schwer. Was mich dann schon verunsichert.


      Also kommt für mich als Job bloß in Frage.. Glücksfee. Wenn ich erscheine, leiste ich Unglaubliches, die meiste Zeit bin ich aber unsichtbar im Wald und erhole mich davon. :d :fun: