"Pinguin-Auffang-Station" für Menschen mit Autismus - Umfrage

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    • "Pinguin-Auffang-Station" für Menschen mit Autismus - Umfrage

      Hallo,

      mir ist leider kein besserer Threadtitel eingefallen, deswegen hier eine kurze Erklärung:

      Ich hab die letzten zwei Sommerferien komplett stationär in der Psychiatrie verbracht. Das war in den ersten Wochen jeweils sehr anstrengend, als ich mich dann aber eingewöhnt hatte, tat es ziemlich gut. Kein Internet, nicht einkaufen müssen, kein Straßenverkehr, absolut berechenbarer Tagesablauf, Ergotherapie, lauter Menschen um einen herum, die auch nicht "funktionieren" und deshalb harmlos sind, sich um nichts kümmern müssen abgesehen von sich selbst und seinem eigenen Leben. :)

      Aktuell fühle ich mich wieder extrem erschöpft und habe Angst vor den Sommerferien. Nochmal Psychiatrie wäre aber glaub ich keine Lösung.
      Was ich suche, wäre eher so eine Art "Pinguin-Auffang-Station", wo man für paar Wochen stationär hingehen kann, die Kasse würde es zahlen, man hätte seine Ruhe und könnte sich wieder neu sortieren, man würde Unterstützung kriegen, bei dem, wo man gerade Unterstützung braucht (und ansonsten in Ruhe gelassen werden!) und könnte aus Beschäftigungsangeboten das auswählen, was einen interessiert und was einem gut tut. Wenn man das Gefühl hätte, man wäre wieder einigermaßen fit für den Alltag, könnte man wieder gehen.

      Also eine Art Auffangstation, Rettungsinsel, sowas in der Art. Vielleicht geht es auch richtung Reha oder Kur. Was es auf jeden Fall nicht sein soll, ist ein Ort, in dem man auf irgendeine Weise "zwangstherapiert" werden soll. Ziel eines Aufenthalts soll nicht sein "normal" zu werden und schnell wieder zu "funktionieren", sondern eher, dass sich Menschen mit Autismus, für die der Alltag ja oft sehr viel anstrengender ist, als für andere, sich einfach etwas erholen können, auftanken könnnen, Atem holen. Und dass ohne voher psychisch zu einem Totalschaden geworden sein zu müssen, sondern quasi auch "präventiv".
      Und da einige Menschen (zumindest ich) das nicht gut alleine schaffen, sondern dafür äußere Strukturen und Unterstützung brauchen, sollte das so ein Ort sein. Eine Art Schutzgebiet.

      Mir ist nicht bekannt, dass es sowas gibt und möglicherweise ist es insgesamt ein sehr utopisches Konzept. Aber bevor ein Traum wahr werden kann, muss er existieren. Also nur für den Fall, dass ich eines Tages ein paar Millionen im Lotto gewinne und sowas finanzieren könnte:

      Wie müsste so eine "Pinguin-Auffang-Station" für euch aussehen? Was sollte dieser Ort haben? Was nicht?


      Bin gespannt auf eure Wünsche, Ideen und Vorschläge. :)

      MathePinguin
      Wenn Pinguine Flügel bräuchten, hätten sie welche... :)
    • ich ergänze:

      Für mich wäre wichtig, den Hund mit nehmen zu können
      Andere Tiere wäre auch schön
      Keine Autobahn oder Flughafen in der Nähe. Also "im Nichts".

      Biologisch angebautes Essen
      Blumen/Gemüse-Garten, um sich darin zu betätigen wäre schön.
      (ich kann stundenlang glücklich Unkraut zupfen)

      Ein Schwimmbad, gut geheizt mit warmem Wasser, Whirlpool und Sauna wäre voll Luxus

      Keine "festen Mahlzeiten" sondern großzügige Zeitfenster.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • ... Von wegen Mahlzeiten :
      Jeder sollte sich sein Essen (die Komponenten) selbst zusammenstellen können.
      Entweder a la carte oder an einem Buffet.
      Gut dimmbares Licht in allen Räumen.
      Eine große Bibliothek vor Ort wäre auch toll!
    • Vielleicht tatsächlich Richtung Reha/Kur oder auch Kloster auf Zeit (man verbringt eine Zeit im Kloster und wenn man z.B. im Garten mithilft, gibt es auch Klöster, wo man den Aufenthalt nicht zahlen muss, kann Gespräche mit Seelsorgern führen und wird sonst in Ruhe gelassen, man muss auch nicht gläubig sein und Teilnahme an religiösen Veranstaltungen ist je nach Kloster unterschiedlich gewünscht von verpflichtend bis zu egal, allerdings gibt es da meist feste Mahlzeiten und viel Routine), sonst gibt es auch die Möglichkeit auf Bauernhöfen mitzuleben/Urlaub zu machen relativ günstig, da sind Tiere und wenn man mithilft ist man auch in einen Tagesablauf eingebunden.
    • Was gibt es besseres als in den Ferien/im Urlaub allein zu Hause zu sein? Die Umgebung ist vertraut, man hat seine Ruhe und kann alles tun, was man will. Alles andere wäre doch Stress, oder sehe ich das falsch? Was wäre der Mehrwert, woanders hinzugehen? Bespaßung? Gesellschaft? Hatte nie das Gefühl, dass ich das brauche. Alleine war immer gut.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Was wäre der Mehrwert, woanders hinzugehen? Bespaßung? Gesellschaft?
      Sicherheit. Tagesstruktur. Dass nicht alles täglich ein Kampf ist. Ich glaube, dass Pinguine in echt auch lieber in der Wildnis leben und ihre Ruhe haben. Aber manchmal klappt das mit dem Überleben in der Wildnis nicht so (survival of the fittest und so...) und dann kann es passieren, dass der Pinguin verhungert, völlig erschöpft ist, von anderen Lebewesen mutwillig verletzt wurde, völlig überfordert ist oder bei einem Flugversuch total abgestürzt ist. Und dann ist es zumindest für manche Pinguine besser, sich paar Wochen irgendwo fremd aufpäppeln zu lassen und dann wieder gestärkt zurück in die Wildnis zu gehen. Also mir würde das gut tun, 3-4 Wochen im Jahr.

      Und es soll ja bewusst eine "Auffangstation" sein und kein Zoo!
      Wenn Pinguine Flügel bräuchten, hätten sie welche... :)
    • Kurz mal gegoogelt und festgestellt, dass es sowas tatsächlich gibt. camp-breakout.com/ Also so ein Ferienlager für Erwachsene. Wenn es dann nicht so sozial anstrengend wird (Gruppenbildung etc.) kann das vielleicht eine Alternative sein. Zumindest wird dort schonmal nicht über den Job gesprochen. Sowas merke ich mir auf jeden Fall für nächstes Jahr mal. :d
    • Das klingt wie Klassenfahrt (= sozialer Albtraum für mich), aber wer es mag solls machen. Ich brauche eher so ruhiges "alte Leute" Programm mit Spaziergängen oder Kräutergarten und Schweigen beim Essen um mich zu erholen.

      Auch wenn es vielleicht keine Auffangstation für Autisten gibt, bin ich mal auf dieses Auswilderungsprojekt gestoßen autismus.stre.unen.de/
    • Die Idee mit dem Kloster auf Zeit klingt meinem Eindruck nach für das, was Du suchst, sehr passend. Soweit ich weiß, gibt es da auch sehr unterschiedliche Angebote. Mit Gruppenangeboten (eventuell als "Pflichtprogramm") oder ohne, mit Mithilfe im Kloster oder ohne, auch, ob es Internet gibt und ob man sprechen darf oder die Zeit über geschwiegen wird, ist wohl unterschiedlich.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich würde auch sagen, ein KLosteraufenthalt ist da noch am nächsten dran. Auch wenn ich da eine schlechte Erfahrung gemacht habe. Also ich wollte eigentlich aus vergleichbaren Gründen ins Kloster für eine Woche, weil ich sehr gestresst war und einfahc nur meine Ruhe wollte. Also Abstand von sozialen Kontakten und mich um nichts kümmern müssen und die meiste zeit im zimmer verbringen. Blöderweise fand das der zuständige Mönch nicht so toll und wollte mich die ganze Zeit integrieren. Der und andere im KLoster fanden es komisch, das ich in ein Kloster wollte um eben keine Kontakte zu haben. Das verstehe ich wiederum immer noch nicht, wer geht in ein KLoster um soziale Kontakte zu haben... Ich bin dann auch nach 3 oder 4 Tagen gegangen, weil es dadurch für mich zusätzlichen Stress und nicht weniger Stress bedeutet hat.

      Was besser geklappt hat war mich einen Monat lang in eine Hälfte eines Doppelhauses auf Rügen zurückzuziehen, wo weit und breit kein weiteres Haus war. In dem anderen Haus lebte die Frau eines Geschäftspartners meiner Eltern, die mir einerseits meine Hälfte für einen sehr großzügigen Preis vermietete und andererseits mich zum einkaufen mitnahm und alle paar Tage guckte, ob ich noch lebte. Die fand das zwar auch merkwürdig, aber akzeptierte es im großen und ganzen.

      Ich brauche aber nicht umbedingt Struktur von außen, also es ist super, wenn ichmich nicht ums essen kümmern muss, ansonsten hänge ich dann einfach rum, aber das hilft mir schon um die Batterien aufzuladen. Ich will ja eigentlich gerade nichts tun.


      Von daher wäre für mich optimal, wenn es feste Mahlzeiten gibt, aber ansonsten jeder für sich in ruhe abgeschottet sein kann. ALso das enwteder jeder ein Haus mit viel Abstand zu den anderen Häusern hat oder sehr dicke WÄnde, ich will dann von anderen nichts hören oder mitkriegen. Und am besten wäre es auch, wenn es gar keine Gruppenangebote geben würde, dann hätte ich nicht das Gefühl was zu verpassen oder mich abzuschotten.

      The post was edited 3 times, last by Zodd ().

    • MathePinguin wrote:

      Kein Internet, nicht einkaufen müssen, kein Straßenverkehr, absolut berechenbarer Tagesablauf, Ergotherapie, lauter Menschen um einen herum, die auch nicht "funktionieren" und deshalb harmlos sind, sich um nichts kümmern müssen

      MathePinguin wrote:

      Was ich suche, wäre eher so eine Art "Pinguin-Auffang-Station", wo man für paar Wochen stationär hingehen kann, die Kasse würde es zahlen, man hätte seine Ruhe und könnte sich wieder neu sortieren
      Klingt schon sehr bequem, wenn du mich fragst. Die meisten Menschen müssen sich ihre Ruheinseln selbst schaffen und kriegen das nicht von außen gemacht und von der Krankenkasse gezahlt. Wenn einem solche Dinge schwerfallen, kann man sich Unterstützung holen für die Sachen. Aber sich irgendwo zurücklehnen und sich alles erledigen lassen, um selbst nicht mehr funktionieren zu müssen, das wirst du wohl nirgends finden.
    • 2hoch8 wrote:

      Aber sich irgendwo zurücklehnen und sich alles erledigen lassen, um selbst nicht mehr funktionieren zu müssen, das wirst du wohl nirgends finden.
      Das ist mir schon klar. Deswegen hatte ich das auch hypothetisch formuliert und sogar wörtlich als "Traum" deklariert. Aber gerade wenn das Leben sehr anstrengend ist, finde ich es gerechtfertigt, wenigstens mal darüber nachzudenken, wie es denn wäre, wenn es soetwas doch gäbe.
      Wenn Pinguine Flügel bräuchten, hätten sie welche... :)
    • Danke für eure Klostervorschläge. Ich hab nur extrem schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht und weiß nicht, ob die Kirche und ich das für paar Wochen in Frieden miteinander hinkriegen würden... :-/

      Vom Prinzip her wäre das schon interessant. Ich hätte es halt nur gerne "weltlicher". Und ohne Yoga. Das scheint die andere verbreitete Alternative zu Kloster zu sein...
      Wenn Pinguine Flügel bräuchten, hätten sie welche... :)
    • Es gibt auch buddhistische Klöster, die so etwas anbieten. "Weltlich" ist das allerdings natürlich auch nicht. In manchen Städten gibt es auch so etwas, allerdings sind das eher Angebote für Menschen in akuten Krisen, die nicht in eine psychiatrische Klinik wollen.
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    • MathePinguin wrote:

      Ich hätte es halt nur gerne "weltlicher". Und ohne Yoga
      Es gibt auch im Buddhismus Kloster auf Zeit. Was so mit etwas weltlicher sein sollte sind evangelische Klöster. Den Ort auswählen solltest du danach, dass auch konfessionslose willkommen sind und kein Glaube aufgedrängt wird. Es gibt z.B. Klöster die auch Schweigewochen anbieten, die sind oft eher etwas für Geschäftsleute und haben nicht mehr viel mit Kirche zu tun.
    • MathePinguin wrote:

      "Pinguin-Auffang-Station"
      Seitdem ich berufstätig bin (und folglich Geld verdiene) gibt es ein Hotel, das mir regelmäßig als Auffangstation dient.

      Dort gibt es auch

      MathePinguin wrote:

      - viel Natur
      - Tagesstruktur, regelmäßige Mahlzeiten
      - Rückzugsmöglichkeiten
      - Möglichkeiten, sich handwerklich/kreativ auszutoben bzw. zu beschäftigen

      Happy to be wrote:

      Ein Schwimmbad, gut geheizt mit warmem Wasser, Whirlpool und Sauna

      Happy to be wrote:

      Keine "festen Mahlzeiten" sondern großzügige Zeitfenster.

      crocodylia wrote:

      Jeder sollte sich sein Essen (die Komponenten) selbst zusammenstellen können.
      Entweder a la carte oder an einem Buffet.
      Bevor ich in der Lage war, mir das zu leisten (was allerdings immer noch auch Verzicht auf anderes bedeutet) hatte ich ähnliche Nöte wie MathePinguin. Allerdings ist ja auch bei dir @MathePinguin absehbar, dass du mal ganz gut verdienen und dir ein Hotel dann gegebenenfalls auch leisten können wirst.
      Surprised by the joy of life.
    • MathePinguin wrote:

      Das ist mir schon klar. Deswegen hatte ich das auch hypothetisch formuliert und sogar wörtlich als "Traum" deklariert. Aber gerade wenn das Leben sehr anstrengend ist, finde ich es gerechtfertigt, wenigstens mal darüber nachzudenken, wie es denn wäre, wenn es soetwas doch gäbe.
      Klar, steht dir frei dich unrealistischen Träumen hinzugeben, wenns hilft. Ich bin etwas mehr Realist.