Ausbildungsbeginn mit Zweifeln

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    • Ausbildungsbeginn mit Zweifeln

      Hallo liebe Leute,

      Ich habe tatsächlich erst im März erfahren, dass ich einer von euch bin. Ich lerne mich gerade neu kennen und verstehe einige Verhalten nun viel besser, doch leider habe ich dadurch, nein eigentlich war es schon vorher so, riesige Zweifel wegen meiner Ausbildung die ich im August beginnen werde. Ich werde zwangsläufig häufig mit menschen zu tun haben und in einem Großraumbüro arbeiten. Es war immer mein Traum eine Ausbildung zu machen und nun habe ich die Chance bei einer großen Firma als Kauffrau im Groß- und Außenhandel tätig zu werden, mit 20 Jahren. Ich habe 4 Monate Probezeit und mir macht es ziemlich Angst dort raus zu fliegen, weil ich entweder sage, dass ich spezielle Bedürfnisse habe und im Büro Kopfhörer tragen müsste uvm. oder raus fliege weil ich nicht sage was mich belasten wird und deshalb überfordert bin mit alles und unter dem Stress zusammen brechen werde. Erschwerend kommt hinzu, dass oft in der Ausbildung die Arbeitsbereiche wechseln werde um "alle Stationen zu durchlaufen". Was mich aber am meisten besorgt ist von den Mitarbeitern als seltsam wahrgenommen zu werden und deshalb als "unpassend fürs team" eingestuft zu werden. Jetzt meine Frage:

      Soll ich vorher anmerken, dass ich spezielle Bedürfnisse von Vorbereitung und wenig Lärm oder sozialen Interaktionen habe, oder besser nach 4 Monaten Probezeit erst was sagen?

      Hat vielleicht einer schonmal eine ähnliche Situation gehabt?
    • Herzlich Willkommen!

      rawpink wrote:

      Soll ich vorher anmerken, dass ich spezielle Bedürfnisse von Vorbereitung und wenig Lärm oder sozialen Interaktionen habe, oder besser nach 4 Monaten Probezeit erst was sagen?
      Ich würde an deiner Stelle erstmal versuchen "mitzuschwimmen" (RW) und Dinge im Rahmen des Nicht-pathologischen zu erklären ("trage Kopfhörer, weil ich mich besser konzentrieren kann"), aber sobald du merkst, dass es schwierig wird würde ich Personen, die vertrauenswürdig & zuständig sind, informieren. - Sofern es die gibt. Schlussendlich ist es oft Glückssache, ob man auf ein verständnisvolles oder eher stigmatisierend-abwertendes Umfeld trifft. Und dafür, also wie das Umfeld ist, würde ich versuchen einen wachen Blick zu haben.

      Hast du einen Grad der Behinderung? Manchmal ist das hilfreich.

      Schon jetzt alles Gute für deine Ausbildung!
      Surprised by the joy of life.
    • rawpink wrote:

      Soll ich vorher anmerken, dass ich spezielle Bedürfnisse von Vorbereitung und wenig Lärm oder sozialen Interaktionen habe, oder besser nach 4 Monaten Probezeit erst was sagen?
      Guck vielleicht erstmal ne Woche wie es läuft. In vielen Großraumbüros sind Kopfhörer Normalität und es gibt Lärmschutzwände etc. Wenn du merkst, dass du Unterstützung brauchst kann ich dir empfehlen mit dem Ausbilder zu sprechen?

      Hast du einen SBA? Falls nein, wäre das ein guter Zeitpunkt für einen Antrag, der gibt ein klein wenig Kündigungsschutz und wenn du den Hast kann dich die Schwerbehindertenvertretung vertreten.
    • rawpink wrote:

      Ich habe 4 Monate Probezeit und mir macht es ziemlich Angst dort raus zu fliegen, weil ich entweder sage, dass ich spezielle Bedürfnisse habe und im Büro Kopfhörer tragen müsste uvm. oder raus fliege weil ich nicht sage was mich belasten wird und deshalb überfordert bin mit alles und unter dem Stress zusammen brechen werde. Erschwerend kommt hinzu, dass oft in der Ausbildung die Arbeitsbereiche wechseln werde um "alle Stationen zu durchlaufen". Was mich aber am meisten besorgt ist von den Mitarbeitern als seltsam wahrgenommen zu werden und deshalb als "unpassend fürs team" eingestuft zu werden.
      Weißt Du denn schon aus Erfahrung, dass der Geräuschpegel eine so hohe Belastung für Dich ist? Wenn nicht, würde ich es auf jeden Fall erstmal laufen lassen und abwarten, wie gut/schlecht Du damit klarkommst. Großraumbüro mit Lärmschutzwänden kann ja auch heißen: allgemeines Hintergrundrauschen, wenig Einzelgeräusche, die herausstechen - ich habe eine Weile in solch einem Büro mit 100 Leuten gearbeitet und fand es überraschend erträglich, allemal weniger anstrengend als mitten in einer 10. Klasse zu sitzen.

      Den Durchlauf durch den ganzen Betrieb kannst Du vielleicht auch positiv sehen: es wird zumindest bei einem Teil der Stationen überhaupt nicht erwartet, dass Du da viel Leistung bringst, es geht nur darum, einen Überblick zu bekommen, was wo gemacht wird - und von wem. Nicht zu unterschätzen als Aspie, dass man so die Gelegenheit zum Erstkontakt mit vielen Kollegen bekommt, an denen man sonst - zumal als unsicherer Neuling - in der Pause vorbeigelaufen wäre, ohne zu wissen, ob das jetzt der altgediente Pförtner oder der Seniorchef ist. Bei meiner letzten Stelle in der Wirtschaft war genau das ein Problem: dass ich den Durchlauf nicht bekam und noch nicht einmal mit Leuten in anderen Abteilungen bekannt gemacht wurde, mit denen ich später hätte zusammenarbeiten müssen.

      Und das mit dem als seltsam wahrgenommen werden: Du wirst vermutlich zunächst v.a. als schüchtern rüberkommen, und schüchterne junge Neulinge wirken oft ein wenig ungelenk, das wird also niemanden wundern.

      Mir hat es immer geholfen, an solche neuen Situationen heranzugehen mit dem Selbstvertrauen, fachlich gut genug zu sein (und da es Dein Traumberuf ist, kannst Du dieses Selbstvertrauen haben) und die potenziellen sozialen Probleme erstmal auszublenden - wobei ich allerdings damals noch keine Ahnung von AS hatte. Ich würde auch erst mal nix von AS sagen. Die Tipps für den Fall, dass Du doch bemerkst, dass Du an Deine Grenzen kommst, hat mE @Surprised schon ausreichend gegeben.
    • Bekommst du einen Überblick über die zeitliche Planung, wann du wo eingesetzt wirst? Vielleicht kannst du darum bitten, damit du dich darauf einstellen kannst.

      Wenn du unterschiedliche Stationen durchlaufen musst, hat das evtl den Vorteil, dass du erst einmal weniger soziale Interaktion in Sachen Teambildung meistern musst. Bisher waren größere Teams für mich besser zu meistern, da da nicht erwartet wird/wurde, dass ich mich komplett mit dem Arbeitsplatz identifiziere und so im Team "untertauchen" konnte. Nun bin ich in einem sehr kleinen Team und da wird eine beinahe familiäre Identifikation erwartet und damit bin ich überfordert. Bin aber im pädagogischen Bereich tätig, deshalb vielleicht auch noch Mal anders zu bewerten.

      Wirst du therapeutisch begleitet?
    • rawpink wrote:

      Hat vielleicht einer schonmal eine ähnliche Situation gehabt?
      hi! ich war gerade total verwirrt als ich deinen beitrag gelesen habe, weil ich dachte ich selbst hätte ihn geschrieben und es vergessen :d
      - wohne in köln
      - bin fast 20 und weiblich
      - fange im august eine ausbildung an und weiss gar nicht was das alles werden soll mit den ganzen sozialen situationen und meinen eigenen bedürfnissen.

      also ich habe mir jetzt erst einmal vorgenommen herauszufinden was meine wichtigsten bedürfnisse sind (in der schule noice cancelling kophörer tragen zu können und mehr zeit in den klausuren zu bekommen)
      und dann ganz langsam schrittweise zu versuchen diese erlaubnis oder das verständnis von den menschen dort einzuholen. dabei werde ich bei der arbeitstelle aber erstal vermeide das wrt autismus in den raum zu werfen (RW).

      liebe grüsse!
    • Danke für die zahlreichen Antworten!

      Ich habe keinen GdB und denke ich sollte aber mal einen anfordern, da ich dadurch einige Vorteile hätte und meine Aussagen beweisen könnte.

      Ich habe von Allen von euch gute tipps bekommen und denke, dass ich diese nun täglich anschauen werde um gut vorbereitet zu sein.

      Ich fange nächste Woche eine Verhaltenstherapie an, die mir sicher auch Aufschluss über einige bevorstehende Situationen liefert.
    • @rawpink - zunächst einmal meinen Glückwunsch für deine Ausbildung :thumbup:

      Es gäbe da noch die Möglichkeit, bei der Berufsberatung deiner örtlichen Arbeitsagentur die sogenannten ABH (AusbildungsBegleitenden Hilfen) zu beantragen.
      In deinem Fall wäre das ggfls. eine sozialpädagogische Begleitung - zu verstehen wie eine Art Coaching - welches dich bei Bedarf durch die gesamte Ausbildung hindurch begleiten kann.
      Das kann soweit gehen, dass dein Coach wie ein Vermittler zwischen dir, deinem Betrieb sowie der Berufsschule fungieren kann, je nach dem, wie du dieses Coaching gestalten möchtest und wie deine Bedürfnisse sind.
      Die Wochenstundenzahl- und Zeiten sind individuell, orientieren sich an deinen Arbeits- und Berufsschulzeiten und werden zwischen dir und deinem Coach vereinbart.

      ABH - Bundesagentur für Arbeit
    • rawpink wrote:

      oder besser nach 4 Monaten Probezeit erst was sagen?
      Steht in deinem Ausbildungsvertrag, dass du das vorher sagen musst? In meinem steht bsp. explizit drin, dass der Vertrag als nichtig gilt, sollte ich bei dem Bewerbungsgespräch eventuellen Förderbedarf verschwiegen haben (ich wurde danach gefragt).
    • Coocy wrote:

      @rawpink - zunächst einmal meinen Glückwunsch für deine Ausbildung :thumbup:

      Es gäbe da noch die Möglichkeit, bei der Berufsberatung deiner örtlichen Arbeitsagentur die sogenannten ABH (AusbildungsBegleitenden Hilfen) zu beantragen.
      In deinem Fall wäre das ggfls. eine sozialpädagogische Begleitung - zu verstehen wie eine Art Coaching - welches dich bei Bedarf durch die gesamte Ausbildung hindurch begleiten kann.
      Das kann soweit gehen, dass dein Coach wie ein Vermittler zwischen dir, deinem Betrieb sowie der Berufsschule fungieren kann, je nach dem, wie du dieses Coaching gestalten möchtest und wie deine Bedürfnisse sind.
      Die Wochenstundenzahl- und Zeiten sind individuell, orientieren sich an deinen Arbeits- und Berufsschulzeiten und werden zwischen dir und deinem Coach vereinbart.

      ABH - Bundesagentur für Arbeit
      Das ist auch ein sehr guter Tipp, den ich auf jeden Fall zu Herzen nehme, Danke!
    • Nera wrote:

      rawpink wrote:

      oder besser nach 4 Monaten Probezeit erst was sagen?
      Steht in deinem Ausbildungsvertrag, dass du das vorher sagen musst? In meinem steht bsp. explizit drin, dass der Vertrag als nichtig gilt, sollte ich bei dem Bewerbungsgespräch eventuellen Förderbedarf verschwiegen haben (ich wurde danach gefragt).
      Es stand nichts explizit darüber im Vertrag und im Gespräch kam auch nichts deswegen ausser, dass gesagt wurde, wenn Unterstützung in verschiedenen Bereichen benötigt würde, dass ich mich an meine Ausbilderin wenden könne. Ich habe trotzdem Angst, dass ich mir mit solchen Aussagen einen eigenen Strick drehen könnte wie z.B. dass besondere Maßnahmen getroffen werden müssen, damit ich da gut zurecht komme.
    • Ich habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Unternehmen gemacht, welche im Juli 2019 beendet habe und zu Beginn der Ausbildung habe ich es innerhalb der ersten Monate und noch innerhalb der Probezeit gesagt, dass ich Autismus habe und dadurch mich in bestimmten Situationen vielleicht anderst verhalte oder es anstrengend für mich ist.

      Es gab dann erst eine Verunsicherung, ob dies berücksichtigt werden kann, da meine Angaben was ich benötige und was mir schwer fällt nicht genau waren und danach hat es dann aber gut funktioniert. Meine Empfehlung ist mit deiner Ausbilderin zu reden und dafür nicht die Probezeit abzuwarten. So etwas sollte nicht die Arbeitsstelle gefährden. Um zu entscheiden wie du es sagst empfehle ich dir mit dem Autismus TherapieZentrum in Köln Kontakt aufzunehmen und ihnen die Situation in der du dich befindest zu schildern.

      Soweit ich dem Wohnort entnehmen kann kommst du aus Köln und deshalb empfehle ich dir dieses Autismus TherapieZentrum. Es ist aus meiner Erfahrung für ein Unternehmen hilfreich wenn es die Anforderungen an einen Arbeitsplatz mit von einer Beratungsstelle gesagt bekommt und diese konkret sind. Seit dem Ende der Ausbildung arbeite ich in dem Unternehmen als Controller und es wird auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen und die Zusammenarbeit mit anderen klappt gut. Das ist denke ich etwas, wo inzwischen mehr erkannt wird, dass Menschen verschieden sind und das gut so ist. Um dort Schwierigkeiten zu vermeiden kann es hilfreich sein, dass bekannt zu geben, was du an Herausforderungen hast und was beachtet werden muss.
    • Surprised wrote:

      Nera wrote:

      In meinem steht bsp. explizit drin, dass der Vertrag als nichtig gilt, sollte ich bei dem Bewerbungsgespräch eventuellen Förderbedarf verschwiegen haben (ich wurde danach gefragt).
      Und hast du dann ASS erwähnt? Und wie ging es dann weiter?

      Nee hab ich nicht. Glücklicherweise ist mein ASS auch so ausgeprägt, dass ich tatsächlich keinen Förderbedarf habe bzw ich mir nur selber helfen kann. Habe den Eignungstest mit voller Punktzahl bestanden und bin aufgenommen worden :]

      Das Einzige, was mir tatsächlich im Weg stehen kann ist mein ADS aber da ich ja etwas in Richtung Kunst und Design mache (und ADS bei Sachen, die man mag bekanntlich weniger vorhanden ist) denke ich mal, dass das schon klappen wird :lol: (im Zweifelsfall kann die Schule aber auch nichts gegen mein Chaos machen, das ist wieder ein Dings, was nur ich verbessern kann)
    • Hogue wrote:

      Ich habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Unternehmen gemacht, welche im Juli 2019 beendet habe und zu Beginn der Ausbildung habe ich es innerhalb der ersten Monate und noch innerhalb der Probezeit gesagt, dass ich Autismus habe und dadurch mich in bestimmten Situationen vielleicht anderst verhalte oder es anstrengend für mich ist.

      Es gab dann erst eine Verunsicherung, ob dies berücksichtigt werden kann, da meine Angaben was ich benötige und was mir schwer fällt nicht genau waren und danach hat es dann aber gut funktioniert. Meine Empfehlung ist mit deiner Ausbilderin zu reden und dafür nicht die Probezeit abzuwarten. So etwas sollte nicht die Arbeitsstelle gefährden. Um zu entscheiden wie du es sagst empfehle ich dir mit dem Autismus TherapieZentrum in Köln Kontakt aufzunehmen und ihnen die Situation in der du dich befindest zu schildern.

      Soweit ich dem Wohnort entnehmen kann kommst du aus Köln und deshalb empfehle ich dir dieses Autismus TherapieZentrum. Es ist aus meiner Erfahrung für ein Unternehmen hilfreich wenn es die Anforderungen an einen Arbeitsplatz mit von einer Beratungsstelle gesagt bekommt und diese konkret sind. Seit dem Ende der Ausbildung arbeite ich in dem Unternehmen als Controller und es wird auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen und die Zusammenarbeit mit anderen klappt gut. Das ist denke ich etwas, wo inzwischen mehr erkannt wird, dass Menschen verschieden sind und das gut so ist. Um dort Schwierigkeiten zu vermeiden kann es hilfreich sein, dass bekannt zu geben, was du an Herausforderungen hast und was beachtet werden muss.
      Vielen Dank, das werde ich umsetzen, muss ich einen Nachweis der Uniklinik köln haben für mein Asperger, damit die mich beraten?