Streit mit der Therapeutin

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    • Streit mit der Therapeutin

      Es geht mir heute Abend schlecht weil ich morgen meinen ersten regulären Termin bei meiner Therapeutin habe seit Bewilligung einer Langzeittherapie (60 Termine) durch die Krankenkasse. Die Situation hat sich so gestaltet dass ich weiß nicht wie ich umgehen soll mit dem Termin morgen, Vielleicht hat jemand einen Tipp.

      Die Geschichte ist ziemlich vertrackt und absurd:

      Vor ungefähr acht Jahren als ich noch keine AS Diagnose hatte und auf die Uniklinik wartete, hatte ich vier "Probe"-Terminen bei einer Therapeutin weil ich eine vorläufige Einschätzung wollte ob ich AS hätte oder nicht. Die "Therapie" war ein Fiasko aber die Therapeutin hat mir verbal bestätigt dass ich AS hätte, obwohl sie gleichzeitig sagte dass sie das nicht tun dürfte als Psychologin. Jetzt denke ich dass die ganze Idee absurd war eine Diagnose von einer Therapeutin (die mich gar nicht kannte) zu suchen und wir hatten eine ziemlich blöde Zeit während der vier Termine mit vielen Missverständnissen. Ein Jahr später bekam ich eine AS Diagnose von einer Uniklinik. Inzwischen ist es mir nicht wichtig ob ich (gerade noch) AS habe oder (gerade noch) nicht.

      Vor zwei Jahren ist meine langjährige Beziehung zu Ende gegangen und ich weiß seitdem nicht wie ich in diesem Alter (66) wieder anfangen soll ein neues soziales Umfeld aufzubauen.

      Als meine Beziehung zu Ende ging hat eine Frau am Telefon die mich gar nicht kannte gesagt dass ich emotional abhängig sei und eine Therapie dringend brauche um meine emotionale Abhängigkeit therapieren zu lassen.

      Die Hausärztin die ich aufsuchte gab mir eine Überweisung für "Anpassungsstörung nach Trennung". die Therapie sollte die Aufarbeitung der Trennung gelten.

      Nach 18 Monaten auf der Warteliste bekam ich einen Termin für ein Erstgespräch in einer Therapieeinrichtung. Der Therapeut beim Erstgespräch sagte mir dass ich keine Diagnose hatte und deswegen wahrscheinlich keine Therapie bekomme. Auf Grund dieser Situation rückte ich meine AS Diagnose von der Uniklinik aus, was ich nicht tun wollte, weil es ging um meine Trennung und darauffolgende sehr traumatische soziale Isolation und nicht um AS.

      Die Therapie wurde daraufhin bewilligt und ich hatte noch drei Vorgespräche bei einer Therapeutin dort, vor der Corona Krise. Man sagte mir dass ich schon dagewesen war vor Jahren und es stellte sich heraus dass die Therapeutin die ich aufgesucht hatte vor vielen Jahren wegen der AS Diagnose (siehe oben) zu dieser Einrichtung gehörte, was ich gar nicht wusste weil die Termine anderswo waren damals in einer Wohnung und nicht in der Einrichtung.

      Beim letzten Termin vor der Corona-Krise wurde es mir klar dass die neue Therapeutin mir eine Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostizieren wollte. Es fiel mir auch ein dass sie wahrscheinlich Zugang hat zu den Protokollen vom Fiasko mit der anderen Therapeutin vor Jahren (die in der Wohnung, siehe oben wieder).

      Es ist mir nicht klar ob sie mir eine SPS diagnostizieren will wegen meiner AS Diagnose oder anstatt meiner AS Diagnose und ob sie mehr weiß als ich über die zwei Störungen oder weniger.

      Kurz nach dem letzten Termin kam die Corona Krise und ich durfte nicht mehr aus der Wohnung wegen der Social-Distancing Massnahmen der Regierung und der Gesundheitsrisiken. Ich musste tatsächlich wie ein schizoider Einsiedler leben, gegen meinen Willen, so gut es ging.

      Das Blöde ist dass mein personales Leben (Beziehung) tatsächlich kollabiert ist wegen meiner Trennung (Ende der Beziehung, an der ich sehr hing) und ich weiß nicht wie ich wieder neu anfangen kann, obwohl ich verzweifelt Versuche gemacht habe wieder Anschluss zu finden, was nicht leicht ist wegen meines Alters und meines Migrationshintergrunds aus dem europäischen Ausland (obwohl ich inzwischen deutscher Staatsbürger bin). Seit der Corona Krise bin ich tatsächlich eingesperrt allein in meiner Wohnung und mein Therapie-Grund war meine Ratlosigkeit wie ich meine Beziehung "ersetzen" kann oder ein neues emotionales Zuhause finde oder sogar normale soziale Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung ohne Beziehung (ich war noch nie ohne Beziehung in Deutschland).

      Wenn ich was mir passiert ist in den letzten paar Jahren betrachte und meine gegenwärtige Situation fühle ich Wut gegenüber die Therapeutin dass sie mich als schizoid behandeln will, als ob ich es gewählt hätte in so eine missliche Lage zu geraten und das Alleinsein wählen würde und Andere ausschließen würde, wo ich das Gegenteil will aber weiß nicht wie unter den Umständen.

      Was ich sagen will ist dass ich nicht weiß wie ich mit diesem Termin umgehen soll. Besonders weil die Therapeutin Informationen über mich hat von der ersten Therapeutin über die ich nichts weiß.

      Mein Instinkt wäre verschiedene Sachbücher über AS und über Persönlichkeitsstörungen mitzunehmen, oder mein Laptop, und zu versuchen die Therapeutin zu überzeugen dass ich den Diagnosekriterien für SPS nicht entspreche. Was schwierig werden könnte weil SPSler leben isoliert und ich lebe isoliert seit dem Kollaps meiner Beziehung, wobei die Beziehung kollabierte weil meine Partnerin immer mehr Distanz geschaffen hatte über die Jahren wo ich eine normale Beziehung wollte und "bei der Stange" geblieben war jahrelang ohne zu merken in was ich mich verwickelt hatte (weil ich dachte ich hatte eine normale Beziehung.)

      Ich fühle mich wie jemand in einer Hungersnot dem man Anorexie als Grund für seinen Hunger diagnostiziert. Es macht mich wütend.

      Ich habe Angst diese Therapeutin zu treffen morgen weil ich lehne es ab als schizoid angesehen zu werden nur weil mein soziales Umfeld kollabiert ist. Es war nicht kollabiert bis vor zwei Jahren und ich mag es nicht wie es ist.

      Die ganze Richtung der Therapie ist eine Sackgasse und irgendwie peinlich und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll.

      Leider wegen der Corona Krise sitze ich nur in der Wohnung weil mein Arbeitsplatz geschlossen ist und ich über Zoom arbeiten muss, ohne sonstige Kontakte. Die ganzen Nachbarn waren ausgezogen letztes Jahr auch, so dass ich vorübergehend ganz allein bin hier im Haus, was etwas unheimlich ist bis neue Nachbarn einziehen irgendwann.

      The post was edited 2 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Unbewohnte Insel, kann es sein, dass du "schizoid"mit "schizophren" verwechselst?

      "Schizoid" ist doch an sich keine schlimme Diagnose. Als "schizoid" werden meines Wissens Menschen bezeichnet, denen es schwerfällt, Kontakte zu knüpfen und die oft für sich sind. Die Abgrenzung zwischen schizoider Persönlichkeitsstörung und AS ist manchmal schwierig.

      "Schizoid" - wenn deine neue Therapeutin diese Diagnose stellt, wird es in den Gesprächen (denke ich mir) sicher um Kontakte zu anderen Menschen gehen, um die Möglichkeiten, Barrieren zu überwinden. Und so, wie du es in deinem Beitrag schreibst, geht es dir ja gerade darum.

      Schau dir die Therapeutin doch einfach mal in Ruhe an. Vielleicht kommt ihr ja ganz gut zurecht. Und wenn sie dir hilft, ist es doch egal, auf welcher Diagnose sich diese Hilfe begründet. Das ist nicht peinlich. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Die Therapie hilft dir, dann wirst du froh sein, sie gemacht zu haben. Oder sie hilft dir nicht, dann hörst du einfach damit auf und suchst dir etwas anderes, was dir hilft.

      Viel Glück!
      I have my books
      And my poetry to protect me

      The post was edited 1 time, last by Bitteleise ().

    • Der größte Unterschied zwischen SPS und AS ist meines Wissens, dass SPS in der Regel im Laufe des Lebens auftritt, eher selten schon bei Kindern - während AS von der Kindheit an besteht.
      Insofern wäre es vermutlich hilfreich, wenn Du von Deiner Kindheit, Jugend etc. erzählen kannst, ob und welche Einschränkungen im sozialen Miteinander Du da schon hattest.

      SPSler wollen in der Regel so gut wie keinen Sozialkontakt, meist nur Einen. Während ASler eigentlich gern auch mal andere Leute kennenlernen wollen, sich dabei nur sozial etwas unbeholfen anstellen.

      Normalerweise sollte eine Therapie doch aber in erster Linie dazu da sein, aktuelle Probleme des Lebens zu erkennen und zu meistern und nicht nur (weitere) Diagnosen zu stellen. Darauf solltest Du den Fokus lenken.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Zum Unterschied von SPS und Autismus hatte ich ja schon ne Menge geschrieben im anderen Thread und das diese Aussage von ihr unwissend und unpassend war steht fest.

      Allerdings würde ich dir empfehlen den Eingangspost dieses Threads auszudrucken und ihr zu geben. So kann sie deinen aktuellen Gemütszustand sehen und auch, dass eine SPS nicht passt.
    • Ich kann mich da nur MangoMambo anschließen und dir raten den Anfangstext hier aus dem Thread auszudrucken und zur Therapiestunde mitzunehmen, um ihn ggf.
      der Therapeutin zu geben. Ansonsten kann ich dir nur raten, erst einmal ein paar Stunden zu nehmen und schauen, wie sich die Therapie entwickelt und dann danach
      handeln.
    • MangoMambo wrote:

      Allerdings würde ich dir empfehlen den Eingangspost dieses Threads auszudrucken und ihr zu geben. So kann sie deinen aktuellen Gemütszustand sehen und auch, dass eine SPS nicht passt.
      Vielen Dank für den sehr guten Tipp. :thumbup: :thumbup: :)

      Ich habe ihn gelesen als ich im Wartezimmer saß für den Termin und sofort umgesetzt.

      Das Missverständnis hat sich gelöst. Die Therapeutin hat meinen Beitrag hier gelesen (auf meinem Handy) und erklärt dass es nicht ihre Absicht war mir eine SPS zu diagnostizieren. Sie hatte Asperger Syndrom gegoogelt vor dem Termin vor drei Monaten weil sie wenig darüber wusste und gelesen unter anderem dass man früher Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostizierte wo man AS jetzt diagnostiziert. Diese Information hatte sie nebenbei erwähnt zu mir und ich hatte das als rotes Tuch gesehen und mir damit gequält ohne meinen Zustand mir ihr zu kommunizieren unter dem Lockdown. Sie sagt sie will mir keine SPS diagnostizieren. Ich habe gesagt dass es muss nicht auch unbedingt sein dass ich AS habe, vielleicht habe ich gar nichts, und sie hat gesagt dass sie an die AS Diagnose nicht rütteln will weil sie von einer Uniklinik stammt und sie sind dafür zuständig weil sie die Experten sind. Die Therapie geht sowieso nicht um AS sondern um meine kollabierte gesellschaftliche Integration.


      MangoMambo wrote:

      Zum Unterschied von SPS und Autismus hatte ich ja schon ne Menge geschrieben im anderen Thread und das diese Aussage von ihr unwissend und unpassend war steht fest.
      Was sie über SPS und Autismus weiß entspricht ziemlich genau dem was man über gewisse Internet Seiten zu lesen bekommt und sie hat mir gesagt heute dass was sie mir gesagt hatte vor drei Monaten auf dem basierte was sie gelesen hatte auf ein paar Internet Seiten auf die sie kam als sie Asperger Syndrom gegoogelt hatte. Ich bin der erste Patient mit AS den sie gehabt hat und sie wusste nicht viel darüber.

      Sie hat mich auch den Ordner gezeigt mit dem Protokoll von der anderen Therapeutin vor acht Jahren. Darin stand Aspergersyndrom (V), weil das alles vor der Diagnostik bei der Uniklinik war.

      Was mich gestört hätte mit der Diagnose SPS wäre dass die meisten Eigenschaften bei einer SPS passen gar nicht zu mir.
    • Garfield wrote:

      Normalerweise sollte eine Therapie doch aber in erster Linie dazu da sein, aktuelle Probleme des Lebens zu erkennen und zu meistern und nicht nur (weitere) Diagnosen zu stellen. Darauf solltest Du den Fokus lenken.
      diesen Aspekt würde ich nicht aus den Augen verlieren, bevor es nur noch um formalistischen Streit geht.

      Garfield wrote:

      SPSler wollen in der Regel so gut wie keinen Sozialkontakt, meist nur Einen. Während ASler eigentlich gern auch mal andere Leute kennenlernen wollen, sich dabei nur sozial etwas unbeholfen anstellen.
      deswegen zweifle ich an meiner SPS Diagnose
    • @Unbewohnte Insel Freut mich, dass es sich geklärt hat! Das ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie man sich, im Nachhinein betrachtet, grundlos ohne Ende Sorgen machen kann (ich bin selbst so ein Kandidat, deshalb schreibe ich das mit Verständnis und nicht von oben herab oder so).

      The post was edited 2 times, last by Lefty ().

    • Lefty wrote:

      Freut mich, dass es sich geklärt hat! Das ist mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie man sich, im Nachhinein betrachtet, grundlos ohne Ende Sorgen machen kann (ich bin selbst so ein Kandidat, deshalb schreibe ich das mit Verständnis und nicht von oben herab oder so).
      Es ist auch schön dass das Selbsthilfeforum tatsächlich auch hilft ab und zu. :)

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().