Ist der Autismus Test aussagekräftig? Fühle mich nicht autistisch...

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    • Ist der Autismus Test aussagekräftig? Fühle mich nicht autistisch...

      Hey,
      ich bin 19 und habe Anorexie (Magersucht) seit ich 12 bin. Zudem hatte ich lange Zwänge, eine Sportsucht, Depressionen, Selbstverletzung.
      Außerdem habe ich die Diagnose Asperger Autismus seit ich 13 bin. Ich habe (auf Wunsch meiner Eltern) schon 3 mal so einen Autismus Test zur Diagnostik gemacht (Fragebögen und so Augaben, zum Beispiel Zähneputzen darstellen, eine Bildergeschichte erzählen,...). Nun habe ich den Test 3 mal „bestanden“; bzw. ich habe die Autismus Diagnose mit 13 gekriegt und diese wurde von außen immer mal wieder angezweifelt, hat sich durch die Testungen jedoch mehrfach bestätigt.
      Wie gesagt ist es so, dass ich nicht das Gefühl habe Autistin zu sein...zwischenzeitlich habe ich die Diagnose mal „genutzt“ um meine Zwänge/Sportsucht zu rechtfertigen („Ich brauche halt meine Routinen“, „Lasst mich in Ruhe“)...ich kann auch nachvollziehen, dass die Leute denken ich seie autistisch, weil ich mich durchaus sehr autistisch verhalte manchmal...zum Beispiel habe ich sehr lange sehr abgeschottet gelebt von allem...ich neige zu Extremen...habe mich sehr früh intensivst mit dem Thema Tierschutz/Veganismus auseinandergesetzt und war überzeugt, das Tierleid an die Öffentlichkeit bringen zu müssen, weil meine fleischessenden Mitmenschen dafür offensichtlich verblindet waren...habe Probleme damit mich auszudrücken, in manchen Situationen (wenn ich über mich sprechen muss...Therapie...)...Angst vor Augenkontakt nur so zum Beispiel
      ...nur irgendwie hab ich immer das Gefühl, das bin nicht ich, das ist eher Teil meiner Krankheit. Mir geht es nicht gut damit...
      Und Autismus wiederum ist ja keine Krankheit, soweit ich weiß.
      Ich wollte einmal fragen, ob jemand von euch diese Testung schonmal gemacht hat, oder ob ihr sie kennt und ob die Testung aussagekräftig ist?
      Liebe Grüße
    • Ich weiß nicht wie die heißt...es war immer dieselbe, habe die 2 mal in Kliniken gemacht und einmal im Autismuszentrum Bonn.

      Man musste zum Beispiel durch Mimik/Gestik darstellen wie man Zähneputzen würde, Mit Bildern (fliegende Frösche) eine Geschichte erzählen. Zwischendurch war eine Pause...da hat die Frau mir ein paar Gegenstände hingelegt zur Beschäftigung und ich hab mir beim ersten Mal nur so gedacht: Holy shit...was will die von mir
      Beim zweiten Mal hab ich dann so getan als würde ich mich dafür interessieren. Beim dritten mal hab ichs dann wieder gelassen.

      Hab allgemein das Gefühl den Test alle 3 Male manipuliert zu haben...ich habe immer so überlegt, was würde ein Autist nun tun und dann war ich entscheidungsunfähig, ob ich mich jetzt wie ein Autist verhalten soll oder nicht...was ich denn nun tun würde, weil es geht ja drum, sich so zu verhalten wie ich wirklich bin...nur da ich das irgendwie nicht weiß muss ich dann irgendwie vortäuschen immer hab ich das Gefühl...ich mein die Meisten jungen Menschen wissen nicht, wer sie sind, nur ich sitz da immerzu vor solchen Fragebögen und kann mich absolut nicht entscheiden...

      The post was edited 1 time, last by Anuschka01 ().

    • Anuschka01 wrote:

      Ich weiß nicht wie die heißt...es war immer dieselbe
      Das macht es aber unmöglich, Deine Frage zu beantworten - da sollte man es schon genau wissen. Und das ATZ in Bonn vergibt mW keine Diagnosen, die machen nur Therapie (deshalb Autismus Therapie Zentrum=ATZ) - oder meinst Du das KINZ (kinderneurologisches Zentrum)? Dort wurde meine Tochter diagnostiziert.
    • Anuschka01 wrote:

      Man musste zum Beispiel durch Mimik/Gestik darstellen wie man Zähneputzen würde, Mit Bildern (fliegende Frösche) eine Geschichte erzählen. Zwischendurch war eine Pause...da hat die Frau mir ein paar Gegenstände hingelegt zur Beschäftigung
      Das ist zweifellos der ADOS.

      Anuschka01 wrote:

      Hab allgemein das Gefühl den Test alle 3 Male manipuliert zu haben...ich habe immer so überlegt, was würde ein Autist nun tun und dann war ich entscheidungsunfähig, ob ich mich jetzt wie ein Autist verhalten soll oder nicht...
      Man sollte bei diesem Test möglichst authentisch sein und sich nicht verstellen. Sei einfach du selbst.
    • Ich bin mir auch sicher, dass du den ADOS meinst. Gerade bei jungen Menschen ist er noch viel aussagekräftiger als bei erwachsenen menschen.
      wenn du den test bei verschiedensten menschen schon machen musstest und man z.b. in dem autismuszentrum auch der meinung war, dass das ergebnis stimmt, dann ist die wahrscheinlichkeit schon sehr hoch, dass es korrekt ist. welche menschen (/institutionen) haben denn das ergebnis angezweifelt?

      zu mir sagen manche menschen, die mich nicht näher kennen, auch manchmal, dass sie sich das nicht unbedingt vorstellen können. aber es stimmt trotzdem. ich kann teilweise gut kompensieren und kann freundlich und offen wirken.
      vielleicht kannst du ja eine psychotherapie machen bei jemandem, der bereit ist, sich dem thema "ergebnisoffen" zu nähern. selbst wenn du nur "leichte autistische züge" hast, die probleme sind ja offensichtlich da. was macht es für dich für einen unterschied, wie man das ganze nun nennt? Mit den Problemen musst du dich so oder so auseinandersetzen.
      für mich fühlt sich "der autismus" auch nicht unbedingt als "ich" an. manches ist auch nur "das gestörte". Aber wenn ich in der selbsthilfegruppe sitze, stoße ich immer wieder auf dinge, die mir als völlig normal erschienen und zu mir gehörig, die sich aber dann doch als "autistische eigenschaft" herausstellten.
      hast du kontakt zu anderen autistinnen? (ich frage bewusst nach anderen frauen, möglichst in ähnlichem alter)
    • @kastenfrosch
      Angezweifelt wurde die Diagnose oft in Kliniken, durchaus auch von „Fachleuten“ im Sinne von Therapeuten, Ärzten. Zuletzt als ich wegen einer suizidalen (bzw. aborektischen) Krise auf einer geschlossenen Station war...da meinte der Oberarzt, dass ich sicherlich nicht autistisch bin sondern eher eine Persönlichkeitsstörung habe...wurde dann nach ein paar Wochen in eine andere Klinik auf eine Station für Borderliner und Essgestörte verlegt. Tatsächlich muss ich sagen, dass mir die DBT-Therapie durchaus etwas gebracht hat.

      Jedenfalls wurde auf dieser Station, auf der ich bis vor Kurzem war, dann nochmal der Autismus Test (hab nochmal gegoogelt, ihr habt Recht, war definitiv der ADOS) zum dritten Mal durchgeführt, eigentlich deshalb, weil die Leute mich von der „falschen Diagnose“ befreien wollten...bei dem Test zeigte sich jedoch schon wieder eindeutig, dass ich autistisch bin. Daraufhin waren plötzlich wieder alle Mitarbeiter von Station, vor allem meine Thera dort überzeugt, dass ich autistisch seie.

      Es kommt auch noch hinzu, dass meine Eltern die ganze Autismus-Szenerie eingeleitet haben. Meine Eltern sind an und für sich wirklich gute Leute, wollten immer nur mein Bestes...aber es war halt trotzdem so, dass ich seit ich psychische Probleme gekriegt habe (Magersucht, Depression, zwischenzeitlich Sportsucht, Zwänge und Selbstverletzung) das Gefühl hatte, bzw ich habe nun das Gefühl...im Nachhinein betrachtet, dass meine Eltern das alles auf die Autismus-Diagnose geschoben haben...haben allen rumerzählt, dass sie eine autistische Tochter haben, waren bei Autismus-Vorträgen, haben Bücher gelesen, usw. ... und das fande ich irgendwie unangenehm glaub ich, irgendwann war es mir egal und irgendwann nutzte ich die Diagnose aus um meine damalige Sportsucht/zwang zu rechtfertigen (z.B. im Fitnessstudio, wenn mich irgendwer (zurecht...) in meinem Zwangsritualen störte, dann sagte ich: „Bitte lassen sie mich in Ruhe...ich bin Autistin, ich brauche meine Routinen...“ (zur Info: Ich habe damals bis zu 10 Stunden Sport täglich gemacht, alles in zwanghaften Reihenfolgen...alles war auf den Sport ausgerichtet...bis zum Kotzen, hatte einen Eimer im Zimmer, wo ich die Kotze sammelte und dann am Ende abwog...ich war Zahlenfixiert, ja...autistisch? ich weiß nicht...hatte einen Wochenplan, den ich Woche für Woche abspielte und steigerte über 3 Jahre bis ich zunehmend kapitulierte und meine Lehrerin mir half mich in eine Jugendpsychiatrie einzuweisen)

      Was ich auch nicht so wirklich einordnen kann ist, dass ich von meinem Umfeld, vor allem in Kliniken, wo ich war, schon häufiger die Rückmeldung gekriegt habe, dass ich sehr empathiefähig bin...außerdem bin ich sehr interessiert an anderen Menschen, was sie so durchmachen, wie sie das durchstehen, usw. ... wenn ich unter Menschen bin, dann beobachte ich sie genaustens, würde nicht sagen, dass ich in meiner eigenen Welt lebe, also doch natürlich, wir alle leben in unserer subjektiven Welt, aber ich weiß nicht, ich hoffe ihr versteht, was ich meine...ich bekomme immer sehr viel Leid mit in meinem Umfeld, wenn es anderen Leuten schlecht geht, bekomme ich das sehr schnell mit.

      Es ist nur so, dass ich dann immer sehr hilflos bin und nicht weiß, was ich tun soll, weil ich mehrfach die Erfahrung gemacht habe, dass wenn ich versuche zu helfen, versuche mich in Leben anderer Menschen einzumischen, alles nur schlimmer mache.

      Ich bin auch denke ich mal recht gut darin, Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu beschreiben, solange es nicht um die eigenen geht, solange auch ja nicht die Gefahr besteht, dass irgendjemand das auf die meinem Gefühle zurückführen könnte.

      Aber ich weiß nicht...im Grunde bin ich permanent auf der Suche nach einer sicheren Diagnose, irgendeiner Gruppe von Menschen, wo ich irgendwie dazugehöre...ziemlich blöd...eigentlich sind Diagnosen und Schubladendenken allgemein ziemlich blöd...und es sollte ja darum gehen gesund zu werden, egal, welche Krankheit man nun hat...nur ich hab halt oft das Gefühl ich schliddere so von einer Diagnose in die nächste, bzw. das ist halt immer wieder passiert, deshalb hätte ich halt lieber eine feste Diagnose, mit der ich mich identifizieren kann, die mir andere Leute auch abkaufen, die nicht andauernd in Frage gestellt wird, die ich nicht selbst andauernd in Frage stelle...

      Zum Beispiel in der letzten Klinik war es halt so, dass ich versucht habe gegen eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vorzugehen (Borderline), und am Ende hatte ich die dann doch nicht, sondern doch wieder Asperger.
      Ich habe auch schon Autismus Therapie gemacht...habe auch schon versucht mich mit dieser Diagnose „abzufinden“, damit zu arbeiten, mich dadurch in den Griff zu kriegen...aber auch das hat nicht funktioniert und irgendwann sagte dann halt wieder ein Arzt: „Du bist ja gar nicht autistisch“

      Vielleicht bin ich ja auch weder autistisch, noch habe ich eine Persönlichkeitsstörung...nur dann müsste ich ja irgendwie klarkommen im Alltag, und das klappt nicht...ich überfordere sehr schnell, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich, versuche immer so lange durchzuhalten alles wie es nur geht und breche dann irgendwann zusammen...so war es bis jetzt immer. Ich meine ich bin erst 19...man könnte es auch auf Pupertät schieben...Entwicklungsphase...nur ehrlich gesagt hatte ich nie das Gefühl in der Pupertät zu sein...körperlich war ich aufgrund der Magersucht eh nie in der Pupertät, geistig weiß ich nicht.

      Ich weiß jetzt nicht worauf ich mit meinem Geschreibe hinaus will, aber ich send es einfach mal ab.
    • Hallo @Anuschka01,

      das, was du über die Testungen schreibst, ist meines Erachtens schon ziemlich eindeutig. Autismus schließt jedoch nicht aus, auch (andere) Störungen zu haben. Zwangsstörungen sind z. B. häufiger bei der autistischen Bevölkerung zu finden als bei der nicht-autistischen.

      Auch dass Autisten grundsätzliche Probleme mit Empathie haben haben sollen und kein Interesse an ihren Mitmenschen, ist schon lange nicht mehr (generisch) haltbar. Siehe z. B. hier: spectrumnews.org/opinion/viewp…ad-emotions-feel-empathy/

      Ebenso solltest du bedenken, dass es sich um ein weitetes Spektrum handelt und jeder Autist unterschiedlich stark eingeschränkt ist und ein unterschiedliches Stärken- und Schwächenprofil hat - wie jeder Mensch. Vielleicht könnte es dir helfen, dich mit der aktuellen Forschung auseinanderzusetzen? Es wirkt auf mich etwas, als hättest du ein etwas antiquiertes Bild eines frühkindlichen Autisten im Kopf, wenn du an ASS denkst. Kann das sein?

      Schöne Grüße
      Kayt
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      Auch dass Autisten grundsätzliche Probleme mit Empathie haben haben sollen und kein Interesse an ihren Mitmenschen, ist schon lange nicht mehr (generisch) haltbar. Siehe z. B. hier: spectrumnews.org/opinion/viewp…ad-emotions-feel-empathy/

      Ebenso solltest du bedenken, dass es sich um ein weitetes Spektrum handelt und jeder Autist unterschiedlich stark eingeschränkt ist und ein unterschiedliches Stärken- und Schwächenprofil hat - wie jeder Mensch.
      Das wollte ich auch schon schreiben, aber mit einer Quelle ist es noch viel besser (ich kannte nur Artikel dazu von Betroffenen und Angehörigen und leide selbst darunter, dass man diese Vorstellung von Autismus hat). Voll gut, dass du den Link gepostet hast.

      Anuschka01 wrote:

      Ich habe auch schon Autismus Therapie gemacht...habe auch schon versucht mich mit dieser Diagnose „abzufinden“, damit zu arbeiten, mich dadurch in den Griff zu kriegen...aber auch das hat nicht funktioniert und irgendwann sagte dann halt wieder ein Arzt: „Du bist ja gar nicht autistisch“
      Hm, ich weiß nicht, was du mit Autismus-Therapie meinst. Nach meinem bescheidenen Wissen kann man Autismus selbst gar nicht therapieren, weil er eben keine Krankheit ist. Sogar die konservativeren Fachleute sprechen von einer Entwicklungsstörung (mir persönlich ist das auch schon zu viel, ich sehe übehaupt keine Störung, zumindest in der "Asperger"-Variante, nur eine starke Normabweichung, aber warum soll man glauben, dass die Norm, von der man abweicht, objektiv und gut ist?). Eine Therapie kann höchstens helfen, mit Autismus zu leben.

      Und bei autistischen Menschen sind Depressionen, Essstörungen und Zwänge wirklich keine Seltenheit, eben weil sie es deutlich schwerer haben im Leben als die "Normalbevölkerung". Vielleicht hast du einfach beides? Ich würde an deiner Stelle nicht alles glauben, was irgendwelche Ärzte sagen, sondern schauen, was davon dir selbst hilft, besser mit dir umzugehen.
    • Wenn es tatsächlich der ADOS war, dreimal in drei verschiedenen Institutionen, alle dreimal mit eindeutigem Ergebnis, dann hast hast Du eine weit besser abgesicherte ASS-Diagnose als wahrscheinlich die meisten hier. Da solltest Du mE nicht mehr dran zweifeln, umso mehr, als einmal ja die Ausgangshypothese der Ärzte "kein ASS" war, sie also hinterher das tun mussten, was niemand gerne tut: sich korrigieren. Und immer wieder als unauffällig bis untypisch wahrgenommen zu werden, auch von Fachleuten, kommt bei Frauen mit ASS durchaus vor.

      Eine ganz andere Frage sind mögliche komorbide Störungen, dazu kann Dir hier natürlich niemand etwas eindeutiges sagen, aber wenn Du mit der Diagnose ASS zum Fachmann gehst mit der Frage nach einer möglichen weiteren Störung anstatt nach einer alternativen Diagnose, dann sollte der Dir etwas dazu sagen können. Eine Depression z.B., die viele Autisten zusätzlich haben, würde vermutlich einen guten Teil Deiner Zusatzprobleme erklären, aber da kommen ja auch noch andere Diagnosen in Frage.
    • Den ADOS hatte ich bisher einmal gemacht, am 12. Juli 2019 im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Uniklinik Köln. Von den Ergebnissen des ADOS habe ich noch nicht erfahren (aus wissenschaftlichen Gründen). Zurzeit ist aber ohnehin erstmal Geduld angesagt, bis die Corona-Beschränkungen soweit gelockert sind, dass das Forschungsprojekt fortgesetzt werden kann.

      HCS wrote:

      Und immer wieder als unauffällig bis untypisch wahrgenommen zu werden, auch von Fachleuten, kommt bei Frauen mit ASS durchaus vor.
      Nicht nur bei Frauen. Andererseits machte ich auch diese Erfahrung:

      Grübler_1988 wrote:

      kastenfrosch wrote:

      @Grübler_1988
      du kommst mir zwar unsicher aber nicht (sozial)phobisch vor. nur so als laien-rückmeldung.
      Bezüglich "unsicher": Dies könnte wahrscheinlich der Grund sein, weshalb zwei Arbeitskollegen von mir mein "Outing" überhaupt nicht überraschend fanden, sondern von Vornherein die Vermutung hatten, dass ich das Asperger-Syndrom habe.
    • Anuschka01 wrote:


      Aber ich weiß nicht...im Grunde bin ich permanent auf der Suche nach einer sicheren Diagnose, irgendeiner Gruppe von Menschen, wo ich irgendwie dazugehöre...ziemlich blöd...eigentlich sind Diagnosen und Schubladendenken allgemein ziemlich blöd...und es sollte ja darum gehen gesund zu werden, egal, welche Krankheit man nun hat...nur ich hab halt oft das Gefühl ich schliddere so von einer Diagnose in die nächste, bzw. das ist halt immer wieder passiert, deshalb hätte ich halt lieber eine feste Diagnose, mit der ich mich identifizieren kann, die mir andere Leute auch abkaufen, die nicht andauernd in Frage gestellt wird, die ich nicht selbst andauernd in Frage stelle...
      die Gedanken kenne ich gut. es ist vielleicht widersprüchlich aber es ist so
    • „Ebenso solltest du bedenken, dass es sich um ein weitetes Spektrum handelt und jeder Autist unterschiedlich stark eingeschränkt ist und ein unterschiedliches Stärken- und Schwächenprofil hat - wie jeder Mensch. Vielleicht könnte es dir helfen, dich mit der aktuellen Forschung auseinanderzusetzen? Es wirkt auf mich etwas, als hättest du ein etwas antiquiertes Bild eines frühkindlichen Autisten im Kopf, wenn du an ASS denkst. Kann das sein?“ (Kayt)

      Sorry, hab noch nicht herausgefunden, wie das mit dem zitieren funktioniert...hab es deshalb einfach mal so reinkopiert.

      Das kann gut sein, was du sagt...danke für den Link...das ist sehr erleuchtend. Tatsächlich habe ich mich noch nie so wirklich wirklich mit der Diagnose auseinandergesetzt...bzw ich habe eben gerade das aufgesaugt, was mich an der Diagnose stört...ich zähle hier nochmal ein paar meiner „Vorurteile“ auf. Diese entstammen keinesfalls dem Verstand, sondern dem anderen Part, wenn ihr versteht, was ich meine.

      Bitte nehmt das nicht persönlich...ich habe absolut nichts gegen Autisten...ich weiß nicht wieso ich da so kritisch/abgebeigt bin, nur so ist es halt irgendwie...

      (Nicht dem Verstand entspringende) Gründe, wieso ich nicht autistisch sein will:

      1.) Ich will kein Special-Mensch sein. Keine Sonderbehandlung. Fühle mich schlecht damit immerzu die Extrawurst zu kriegen, weil ich das Gefühl habe in meinem Leben schon genug Extrawürste gekriegt zu haben.

      2.) Ich will nicht anders sein als andere. Kein Außenseiter. Ich fände es besser, wenn meine Bedürfnisse mit denen anderer „Normalos“ zumindest mehr übereinstimmen würden. Wenn ich nicht immerzu meinen „eigenen Weg“ abseits der Wege anderer Leute suchen müsste. Ich würde lieber dazugehören.
      (Beispiel: Ich habe in der Klinik, wo ich zuletzt war eine 50-seitige Essstörungsguidline geschrieben...wie ich nach 7 Jahren mal wieder vollkommen abseits von der „normalen“ Vorgehensweise einen Weg raus aus meiner Essstörung gefunden habe, bzw. den Ansatz...irgendwie war ich fast bisschen stolz drauf, sowas auf die Beine gestellt zu haben, habe es an die Kliniken gesendet, wo ich vorher war und in Essstörungsgruppen im Internet verbreitet...ich dachte vielleicht hilft mein Ansatz ja auch anderen Leuten weiter...und habe keine Rückmeldung gekriegt...niemand scheint auch nur ansatzweise damit etwas anfangen zu können...)

      3.) Ich habe die Diagnose ja schon sehr früh gekriegt...mit 12...andere würden sich wünschen so früh diagnostiziert zu werden...ich habs verkackt irgendwie, immer alles abgestritten...

      4.) Ich habe das Gefühl, wenn ich diese Diagnose annehme und sage „Ich bin Autistin“, dann muss ich mich auch in diese Identität einfügen, ansonsten werde ich wieder aus der Gemeinschaft der Autisten ausgestoßen. Irgendwas auf die Beine stellen, irgendein krasses Spezialinteresse haben, wofür mich andere Autisten wertschätzen...momentan habe ich kein Spezialinteresse, hatte zwischenzeitlich immer mal wieder sowas (Tierschutz/Veganismus/Umweltschutz lange Zeit, aber seit ca 2 Jahren gar nicht mehr, bin auch nicht mal mehr vegan...habe mir kürzlich überlegt, ich sollte mich erstmal auf mich konzentrieren statt auf die Umwelt...anders rum hat es nie so geklappt...habe auch gar nicht mehr so wirklich die Kraft für irgendein Spezialinteressen, zudem bin ich momentan halt einfach ziemlich interessenlos...und hasse mich für mein schwächeln) Ich merke schon wie dumm das ist, was ich hier schreibe...aber wiegesagt geht es hier nicht um den Verstand und ich habe erst kürzlich herausgefunden, dass nicht der Verstand die Gefühle steuert, sondern andersherum.

      5.) Ich habe mich zwischenzeitlich durchaus mal mit Autismus auseinander gesetzt, bzw. meine Eltern haben mich dazu „genötigt“...ich sollte mir Filme anschauen, bin mal eine Zeit lang zu einer Autismustherapie gegangen...einmal haben meine Eltern sogar eine wildfremde Autistin hier angeschleppt, die mir drüber erzählen sollte, wie sie sich damit so arrangiert. Nur es war halt immer so bislang, dass ich ein Bild einer Autistin gekriegt habe, die selbstsicher und überzeugt hinter dem Ganzen steht...die stolz sagt: „Ich bin Autistin“, das Ganze ein Aha-Erlebnis war, plötzlich war alles erklärt...das war es bei mir nie...ich finde diese Menschen echt toll und bewundertswert...Greta Thunberg allen voran...aber so bin ich halt nicht...da kann ich nicht mithalten...

      6.) Bin kein geordneter Mensch, bin ziemlich chaotisch...bin nicht diszipliniert, konsequent, willensstark, nur zwanghaft und essgestört, momentan noch nicht mal das...bin ja gerade dabei mir die Essstörung abzueignen...und falle ins Nichts...so fühlt es sich an manchmal...

      7.) Wenn ich autistisch bin, dann kommen auch von außen Vorurteile...ich war für 2 Monate z.B. mal in einer Essstörungswohngruppe...meine Bezugsbetreuerin hat einmal in einer Autismuswohngruppe gearbeitet und kannte sich aus...sie hat irgendwie andauernd auf den Autismus angespielt...irgendwelche Witze gemacht/Ironie und meine Reaktion ausgetestet...es ist halt so, dass ich die Ironie und so ihrer Aussagen immer verstanden habe, nur nicht wusste was sie nun erwartet, wie ich reagieren soll, und wenn, ob ich mich dieser Erwartung nun anpassen soll oder nicht...und entsprechend habe ich wohlmöglich ziemlich irritiert geguckt...nicht schnell genug reagiert...und zack war wieder mein Autismus-Image bestätigt, weil ich keien Ironie verstehe...das ist jetzt nur ein Beispiel, aber in solche Situtionen komme ich häufiger mal...
      Am Ende sollte ich dann wieder raus aus der Wohngruppe, weil ich da nicht reinpasste, als Autistin...wieder nach Hause und wieder komplett in eine Krise geraten. Wiegesagt hab ich mich momentan wieder „gefangen“...ich gehe sogar bald wieder in eine neue therapeutische Wohngruppe...nur hab halt bisschen Schiss wieder rauszufliegen...gerade weil die Mitarbeiter, mit denen ich da so Kontakt hatte eigentlich ziemlich nett und offen gewirkt haben...

      8.) Wenn doch alle Autisten so verschieden sind, was haben sie denn dann gemeinsam? Woher weiß ich, dass ich autistisch bin und nicht einfach irgendein Normabweichender Mensch/Regelbrecher/Rebell...da gibts ja viele und als solcher habe ich mich auch bislang immer gesehen. Rebelliert habe ich früher gerne, im Grundschulalter mit Löchern in der Kleidung und Löwenmähne rumgelaufen und sowas, weil ich das alles blöd fand mit der Fixierung aufs Äußere...oder nachdem ich mir Schlachtvideos angeschaut habe in der 4 Klasse und einen Riesen Schock gekriegt habe, da wollte ich eine Art Greta Thunberg werden (die gabs damals noch nicht, aber solch ein illusioniertes Ideal strebte ich damals im Nachhinein betrachtet an), bin aber halt schnell kapitulliert immer wieder...

      9.) Das Ganze hat eigentlich erst ab der Grundschule so angefangen mit den autistischen Eigenschaften...ziemlich plötzlich...vorher war ich sehr extrovertiert sogar...habe auch schon überlegt, ob ich vielleicht ein verdrängtes Trauma haben könnte oder so, wurde ich halt schon oft gefragt in Kliniken, weil plötzlich im Alter von 6 Jahren plötzlich einen Männerhass/ignoranz entwickelte, auch gegenüber Vater und Bruder, mich nicht mehr freizügig oder mädchenhaft anziehen wollte, Sammelumkleiden gingen gar nicht (vorher war ich Prinzessinenfan und habe gerne nackig in der Badewanne rumgeplanscht)...weiß halt jetzt nicht was das mit Autismus zu tun hat, aber weiß halt nicht ob das ein Ausschlusskriterium darstellen könnte...ich habe auch keine Trauma Diagnose...kann mich halt auch an nichts erinnern, von daher ist es vielleicht auch nur wieder eine dämliche Suche nach irgendwelchen Begründungen meinerseits...

      So jetzt hab ich wieder bisschen ungeordneten Quatsch geschrieben und hoffe, dass irgendwer damit was anfangen kann, daraus eine Frage erlesen kann oder so...sagt man nicht Autisten können nicht zwischen den Zeilen lesen? Stimmt das? Ich kann irgendwie nicht zwischen dem lesen was ich selbst schreibe...bzw ich sehe da immerzu irgendwelche bösen Absichten, ich suche nur Aufmerksamkeit, will was Besonderes sein, bin ambitionierte Diagnosensammlerin und sowas...aber normalerweise kann ich das denk ich schon, wenn ich Deutschunterricht Analysen schreiben sollte, war es immer eher so, dass ich soviele verschiedene Möglichkeiten zwischen den Zeilen gelesen habe, dass ich oft überforderte (zumindest bei Zeitdruck in Prüfungen) und entsprechend ein Blackout gekriegt habe...(wenn ich nicht auf alle möglichen Prüfungsaufgaben bestens vorbereitet war, sodass ich vorher auswendiggelerntes nur noch runterschreiben musste...das war so meine ziemlich mühselige Taktik, womit ich mir immerzu super Noten einhandelte, bis ich dann vor 2 Jahren vollkommen kapitulierte in der Schule...)

      Mich nervt es, dass ich nie zum Schluss komme, und meine undefinierten Fragen sich immer so in die Länge ziehen...aber gut dann mach ich hier jetzt mal den Schlussstrich und send es ab
    • Hallo @Anuschka01,

      sich "autistisch fühlen" geht ja nur, wenn
      a) eine Umgebung da ist, in der man selbst eindeutig "anders ist als die anderen"
      b) das negativ kommentiert wird und/oder ein eigenes Leiden daran da ist
      und
      c) man selbst überhaupt weiß, dass es sich dabei um autismusspezifische Eigenarten handelt.

      Nimm dieses intensive und auch intensiv empatische Fühlen. Das geht voll tief in einen rein. Und kann, wenn dann etwas anders dazu kommt, zu dem man anders fühlt, die gesamte eigene Stimmung im Bruchteil einer Sekunde wieder ins Gegenteil verwandeln.
      Also, du bist voll depressiv drauf, und jemand macht eine Bemerkung, von der du aus vielerlei Gründen so positiv beeindruckt bist, weil richtig, lustig, sprachlich wunderbar ausgedrückt, kurz und effektiv zusammengasst, und noch im "tal der Tränen" steigt ein uunbändiges inneres Gelächter auf.
      Das hatte ich, als ich in der Depression mit suizidalen Gedanken den Satz las eines anderen Depressiven las, der schrieb "Bring dich noch nicht heute um, morgen könnte es einen besseren Grund dafür geben". DAS war es, was ich gebraucht hatte, während andere voll geschockt waren, und meinten, "dass man das so nicht sagen dürfte".
      Ergebnis war wieder Lachen, ich ha ja selbst so oft was gesagt, das anere geschockt hatte...DOCH, genau so MUSS man das manchmal sagen, damit was ankommt, war mein Fazit.

      Von außen betrachtet, ohne das Wissen um Autismus, wird dann daraus eine Diagnose wie emotional instabile PS.
      Einige METHODEN, die bei dieser PS helfen, helfen auch, mit dieser autistischen Art zu fühlen besser klarzukommen, sich selbst nicht mehr so davon beeindrucken zu lassen oder deswegen an sich zu zweifeln, das Fühlen selbst bleibt.
      Heute, wo ich damit umgehen kann, möchte ich es auch gar nicht missen, die Welt hat einfach mehr "Tiefe" für mich.

      Der exessive Sport....Als ich aufgrund der Traumatisierung auf 49 kg vei 172 abgemager war, musste ich wieder essen lernen. Mich zu zwingen, hätte nichts gebracht, nur das Gegenteil bewirkt. Also musste ich etwas finden, mmit dem ich a) nicht oder nur wenig essen muss, mich wieder daran gewöhnen kann, ohne dass es Aversionen auslöst und b) mir genug Kalorien und Nährstoffe zum Überleben gibt, bis das geschafft ist.
      Dazu machte ich dann Sport, denn fett wollte ich nicht werden, sondern wenn, dann Muskulatur aufbauen.
      Also, überleben, zunehmen, Muckis kriegen, und das ohne "normal" zu essen, ohne Zwang. Geht nicht, würden manche sagen.
      Doch, Fresubin Trinknahrung, zwei der mittleren Kalotiensorte, und nur eine Sorte, die mir schmeckt, Molat für das Eiweiß in den Kaffee und Aldi Vitamintabletten.
      Dazu Sport, jeden Tag den ganzen Körper durchtrainiert.
      Der Sport diente mir zur Kontrolle.

      Ich hatte ja die Kontrolle über mein ganzes Leben verloren, und das waren die zwei Aspekte, mit denen ich mir wenigstens etwas davon zurückzuholen beginnen konnte.
      Also hatte ich alles, jede Übung, jeder Fortschritt darin akribisch dokumentiert.
      Nach zwei Wochen setzte der Effekt ein, denn aus dem Gefühl, wenigstens etwas 2im Griff" zu haben, überlegte ich, was ich an Nahrung dazu nehmen könnte, das ebenfalls nicht belastet - weder den Körper noch emotional.
      Also einen Löffel Mageryougurth ins Fresubin (ich musste mich selbst austricksen, es musste "unmerklich" bleiben). Nach zwei Tagen dann den zweiten Löffel dazu, usw.
      Auch hier, wichtig war der langsame Gewöhnungseffekt an dieses anders.
      Als Fresubin plus 1 Jougurth sich für mich "normal" anfühlte, nahm ich eine Apfelschnitze dazu.....allerdings erst mal nur eine am Tag.

      Jetzt begann auch das Hungergefühl sich wieder einzustellen, ich "ertappte" mich dabei, früher zum Fresubin zu greifen, dann wurden es 3 Fläschchen,
      Auch das dokumentiert - so sah ich, was ich geschafft hatte, worüber ich schon wieder etwas Kontrolle hatte - unbestreitbar, weil nachlesbar.

      Es dauerte einige Monate. Wichtig war, jedesmal wenn ich merkte, dass ich "zu viel" gewollt hatte, nicht auf das "so fühlt sich das jetzt normal für mich an"-Gefühl gewartet hatte, einfach wieder eine Stufe zurück ging. Weil halt jetzt gerade noch nötig.
      DAs war ja kein "Rückschritt", sondern "Stabilisierungsphase", um weiter auf dieser stabilen aufbauen zu können. Solche brauchen halt manchmal was länger.

      So ging ich dann auch mit anderen Schwierigkeiten um - dieses "Planen", der "sachlich unemotionale Umgang" mit den Problemen führte dann dazu, dass jemand den Autismusverdacht zum ersten mal erwähnte. Es dauerte dann zwei Jahre, bis ich die Diagnose hatte.

      Denn das, was ich vor dem Zusammenbruch alles gemacht hatte, schien ja völlig dagegen zu sprechen - dabei war das alles nur MIT Autismus und MIT autistischen Strategien gelernt. Die teilweise sogar besser funktionierten als andere.

      Wenn ich liebevolle fürsorgliche Elltern gehabt hätte, wäre ich vermutlich auch schon als Kind mit der Psychiatrie - die damals noch gar nichts von Autismus wusste außer dem Kanner-Autismus - konfrontiert gewesen. So wurde ich nur immer wieder als verrückt und böse beschimpft und flog mit 17 von zu Hause raus.
      Im Nachhinein sehe ich, wie oft mir diese autistische Wahrnehmung, das autistische Denken geholfen hat, mir "den Arsch gerettet hat"/RW.
      Klar, mit einer geeigneten Förderung wäre vieles beser gelaufen, aber die gab es ja damals nicht. Auch heute gibt es vieles noch nicht, bzw nur selten, und man muss selbst aus dem "Angebot" raussuchen und ausprobieren, was einem hilft bzw sich selbst was daraus "zusammenbasteln".

      Für meinen Sohn war es sogar gut, dass ich Autistin bin. ER kam mir ja immer normal vor, und ich gab ihm meine Strategien weiter - dann entwickelte er darauf aufbauend eigene, von denen ich wieder lernen konnte.

      Mit den Hinweisen in der Diagnose konnte ich seitdem unterscheiden lernen, ob ich in einen shutdown rutsche oder in eine Depression - beide erfordern andere Maßnahmen, um da wieder raus zu kommen (z.B. die Arbeit mit dem "inneren Kind"). Manches sind ADS-Anteile im Autismus, ich hab gelernt, darüber zu lachen. Das tiefe Fühlen ist da, aber in mir konnte ich eine Grundgelassenheit entwickeln, und lernte zu unterschieden, ob "nur" ein intensives Gefühl oder etwas, das beginnt "aus der Bahn zu werfen". Im letzten Jahr hatte ich viel Gelegenheit, das unterscheiden zu lernen.

      Wo muss ich Rücksicht auf meine autistischen Eigenarten nehmen, wo mich langsam an etwas gewöhnen (hier halfen mir die Strategien des systematischen Desensibilisierens), wo brauche ich anti-depressive Strategien (vor allem was Selbstwertzweifel angeht), wozu brauche ich wirklich externe hilfe, und was wie kriege ich es hin, mir mit dieser Hilfe zu erarbeiten, das selbst zu können.

      Mich hatte geschockt, was, wozu und wie viel da anliegt - weil ich ja JETZT selbst bemerkte, dass es sich um autistische Phänomene handelt, die einen anderen Umgang damit erfordern als bisher. Wie mir später mal ein kleiner Junge, dem ich weiterhalf, etwas zu erkennen meinte "Warum sagt einem das denn keiner".

      Je besser ich meinen Autismus kennenlernte, desto schneller faden sich Wegem damit umzugehen, nicht mehr daran zu leiden.
      Es war wie eine Entdeckungsreise zu einem "unbekannten Ort des Ichs".
      Auf der bin ich noch immer, die Kontexterkennungsschwäche in Kombination damit, nicht gut erkennen zu können, was mir unbekannte Menschen, die ich nich nicht "lesen" kann, wirklicch meinen, kommt immer wieder mal dazwischen. Aber, in jeder spöteren Auswertung zu dem, was schief gelaufen ist, entdecke ich wieder etwas, das mir für das nächste Mll ein kleines bisschen hilft, und dann wieder....
      Das wird aber noch was dauern, bis dafür einen Umgang damit gefunden habe.

      Auch belastet mich noch, wenn andere andere fordern, etwas jetzt schon zu können, was noch nicht geht, an dem ich arbeite, und dann ungeduldig, abwertend und unwirsch reagieren. Mich davon emotional - und meist auch real - von solchen Leuten abzugrenzen, ist noch immer sehr anstrengend - also Methodensuche.
      Es hilft ja nicht, zu wissen, dass da jemand nicht versteht oder nicht verstehen kann oder will. Lernen, nicht alles ernst zu nehmen, was jemmand aus Unverständnis oder Unwillen sagt, manchmal mehr als schnell beenden, um nicht immer mehr daran zu leiden, geht dann nicht.

      Das Wichtigste aber ist, sich selbst mit den autistischen Eigenschaften ernst zu nehmen, wert zu schätzen, und sich an dem was sie sogar an Vorteilen bringen ("die Flöhe husten hören"/RW) zu erfreuen, um so überlegen zu können, wie man damit umgehen und was man damit und daraus machen will.
      Und auf diesem Weg vor allem Geduld mit sich zu haben. Bzw auch hiernen, mit sich selbst geduldiger zu sein.
      Je "autistischer" ich "wurde" bzw mich fühlte, desto besser konnte ich das kennenlernen und einen Umgang damit finden - und wirkte nach einer Weile auf NTs sogar weniger "anders" als vorher.

      Es ist kein Wunder, dass so viele Autist*innen im Laufe der Zeit Komorbiditäten entwicken. Wobei mir hier nicht gefällt, dass Autismus hier als "Moridität" mitgenannt wird, die für mich ja mein Normal ist - und ein gemeinsames mit AS-Freund*innen, wenn wir uns treffen. Dann sind manche Probleme gar keine, weil alle so denken und vor allem verstehen und akzeptieren, wenn man sich das individuell andere gegenseitig erklärt. So macher Tipp hat mir dann weitergeholfen, angepassst von mir auf meine Art :)

      Alles Liebe und viel Kraft
      Happy
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • Anuschka01 wrote:

      Ich habe das Gefühl, wenn ich diese Diagnose annehme und sage „Ich bin Autistin“, dann muss ich mich auch in diese Identität einfügen, ansonsten werde ich wieder aus der Gemeinschaft der Autisten ausgestoßen. Irgendwas auf die Beine stellen, irgendein krasses Spezialinteresse haben, wofür mich andere Autisten wertschätzen...
      Nein, das musst du nicht. Jeder Mensch mit Autismus ist individuell, Autismus ist ein breites Spektrum. Damit eine Diagnose gerechtfertigt ist, müssen lediglich die Diagnose-Kriterien erfüllt werden. Du musst kein sogenannter "Vorzeige-Autist" sein, der sämtliche Klischees erfüllt.
    • Hallo @Anuschka01,

      insbesondere deine letzten zwei Beiträg haben mich sehr bewegt. Ich danke dir für deine schonungslose Offenheit, auch und gerade im Bereich deiner Essstörung.
      Ich habe selbst auch eine Essstörung, teilweise bedingt dadurch, kaum Hunger und keinen Durst zu verspüren oder nicht zuordnen zu können, teilweise aber auch bedingt durch mein niedriges Selbstwertgefühl und Ängsten, aus denen auch Zwänge entstehen bzw den Drang alles mögliche zu kontrollieren. Auch reagiere ich oft ca 30 Minuten nach dem Essen mit "Überreizungssymptomen", was mir die Essensaufnahme zusätzlich erschwert, ganz zu Schweigen von der Konsistenz und Beschaffenheit einiger Lebensmittel.

      Es ist alles ein großes Wirrwarr für mich, denn ich bin nicht nur Aspie und auch nicht nur zwanghaft, suchtkrank, Co-abhängig usw. Ich bin ich mit all meinen Eigenschaften. Ich versuche - manchmal zwanghaft und manchmal mit sehr viel Freude - alles zu kategorisieren, so auch meine persönlichen Eigenschaften, auch um vielleicht herauszufinden, zu welcher Gruppe von Menschen ich denn nun angehöre. Ich möchte mich irgendwo einordnen, integrieren und endlich dieses Gefühl loslassen, mein Leben lang zu simulieren, obwohl ich doch gar nicht simuliere (oder doch?).

      Seit ich die Diagnose habe, konnte ich vieles für mich klären, aber das Gefühl der Unsicherheit bleibt bestehen. Gerade heute habe ich einen Tag erwischt, an dem ich wieder tiefe Zweifel gegenüber der Diagnose verspüre, obwohl ich mich unabhängig von irgendeiner Diagnose tatsächlich sehr beeinträchtigt fühle in meinem Leben.
      Genau diese Punkte, die du aufzählst, bringen mich aber immer wieder "ins Wanken".
      Ich kann es nicht lassen und suche weiter, weil ich will, dass alles korrekt ist. Ich stehe mir damit selbst im Weg.

      Dann finde ich heute deine Beiträge und kann das fast 1:1 übernehmen. Das tut mir gerade unheimlich gut.

      Ich denke auch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich drei verschiedene Ärzte/Psychologen, die alle auf das selbe Ergebnis kommen, irren.
      Aber allein dass die Möglichkeit besteht - sei sie noch so unwahrscheinlich - dass sie sich doch irren, reicht völlig aus, um weiterhin auf der rastlosen Suche zu bleiben - zumindest ist das bei mir so.

      Ein wichtiger Schritt ist, denke ich, sich darüber auszutauschen und das tust du.
      Ich sollte das auch wieder vermehrt tun.

      Nochmal danke und alles Liebe für dich.