Angststörungen, Reizüberflutung, Autismus - Erfahrungen mit Medikamenten?

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    • Angststörungen, Reizüberflutung, Autismus - Erfahrungen mit Medikamenten?

      Hallo zusammen

      Ich (m 45) wusste viele, viele Jahre lang nicht, wie ich diesen beklemmenden Zustand einordnen soll - diesen "Brei" an schlechten Gefühlen, der so schwer auszuhalten und zu beschreiben ist.

      Endlich habe ich erkannt, dass das Angstgefühle sind. Respektive wohl eher eine AngstSTÖRUNG, die mich oft regelrecht lähmt und richtiggehend handlungsunfähig macht. Es ist psychisch für mich so schwer auszuhalten, dass sich automatisch immer wieder so eine Art Todessehnsucht einschleicht, weil ich einfach keinen Ausweg sehe und so nicht ewig durchhalten kann. Andere Menschen leben offenbar gern - das zeigt mir, dass es wohl nicht normal oder in Ordnung sein kann, wie ich mich fühle.

      Ich habe begriffen, dass meine Angststörung in erster Linie von meiner dauernden Reizüberflutung genährt und "gefördert" wird. Also habe ich versucht, mein Leben so "reizarm" wie möglich zu gestalten, aber es gibt Reize, die man nicht abstellen kann. Zum Beispiel meine Familie - ich kann mich nur dann einigermassen entspannen, wenn ich alleine zuhause bin (war schon lange vor Corona so). Das ist nicht akzeptabel. Ich muss es aushalten können, mit meiner Frau und meinen Kindern zusammenzuleben.

      Irgendwie muss ich die Angststörung in den Griff bekommen, wahrscheinlich muss ich im Allgemeinen aber zuerst mit der Reizüberflutung klar kommen. Mein Köcher an "alternativen" Möglichkeiten (also "was ich sonst so selber tun kann", um die Situation zu verbessern) ist längst ausgeschossen. Obwohl ich eigentlich keine Medikamente nehmen möchte, denke ich, muss ich zumindest vorübergehend medikamentöse Unterstützung in Betracht ziehen.

      Hier kommt meine Frage an Euch: wer hat Erfahrung mit Medikamenten gegen (generalisierte) Angststörungen, oder auch Medikamente, welche bei Reizüberflutung helfen?
      Ich möchte mir hier gerne ein Bild machen, bevor ich mir "irgendwas" verschreiben lasse.
      Ein SSRI (gegen Depressionen) möchte ich nur ungern wieder versuchen, und Risperidon und Methylphenidat vertrage ich körperlich nicht. Ich weiss, dass Alkohol bei akuten Zuständen hilft, die Panik zu betäuben, aber das habe ich schon (zu) oft gemacht und brauche dringend eine Alternative.

      Ich würde mich freuen, Erfahrungen und sonstige Inputs von Euch zu lesen. Vielen Dank.

      (PS.: Ja, ich weiss, ich brauche psychiatrische Hilfe. Wohl am besten stationär in einer Klinik. Ich kann aber nicht weg, sonst verliere ich meine Existenzgrundlage)
      (PPS.: Ja, ich hab vor Erstellen des Threads auch die Suchfunktion im Forum benutzt, hat mir aber ausser Kopfbrummen nichts gebracht, weil ich grad nicht in der Lage bin, daraus Schlüsse für mich zu ziehen)
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • Es gibt auch Medikamente direkt gegen Angststörung (zb Lyrika)
      Für die medikamentöse Fragen ist ein Psychiater die kompetenteste Anlaufstelle.
      Es ist nicht gesagt, dass du stationär musst. Ambulante Psychiatertermine müssten eigentlich reichen (es sei denn deine Selbstgedanken werden für dich unkontrollierbar)
    • Hallo,

      ich finde es im Moment auch nicht immer leicht auszuhalten, dass mein Partner, owohl ich sher liebe, ständig zu Hause ist. Ich versuche dann aber auch klar zu kommunizieren, dass ich mal eine Pause brauche und wirklich ein paar STunden für mich habe. Dafür gibt es zwei Wege. Zum einen, dass ich zum Beispiel an einen ruhigen Ort (zum Beispiel Natur oder auch einen Ort im Haus) gehe oder dass er halt mal allein raus geht oder was anders ohne mich macht. Wichtig ist das klar abzusprechen und das man in der Zeit auch nicht gestört werden möchte.

      Mit Reizüberflutung habe ich monetan auch zu kämpfen, gerade in den zur Zeit chaotischen Ladengeschäften. Ich gehe jetzt nur noch mit einer gelb getönten Brille einkaufen (die habe ich mir eigentlich mal zuglegt um im Dunkeln beim Rad fahren nicht von den Autos geblendet zu werden), dass hilft mir ganz gut, weil mich zur Zeit vorallem optische Reize total verrückt machen.
      Zusätzlich habe ich von meinem Neurolgen Promethazin gegeben, dass ist ein relativ leichtes Beruhigungsmittel.

      Psychologische Gespräche sind in einer solchen Situation für viele auch hilfreich, wenn man denn darüber sprechen kann.

      Versuche dich deiner Familie zu öffnen und ihr deine Nöte und auch Bedürfnisse zu vermitteln.
      Mit Freude im Leben udn Freunden an der Hand ist schnell jeder Kummer im Leben gebannt.
    • 1974 wrote:

      oder auch Medikamente, welche bei Reizüberflutung helfen?
      Seit neuestem nehme ich Risperidon. Mir wurde erklärt, dass könnte auch gegen Reizüberflutung helfen, nehme es für etwas anderes. Meine Erfahrung ist zwar durchweg positiv, habe kaum Nebenwirkungen und fühle mich gut damit, aber Reizverarbeitungstechnisch bringt es mir bisher nichts.

      Gegen Reizüberflutung am meisten geholfen hat mir meine getönte Brille, trage diese im Alltag auch drinnen etc. sie ist zu 30% getönt und hilft mir enorm. Danach kommt auf mein Stimming zu achten und es gezielt einzusetzen. Dann Gehörschutz. Es gibt sehr viele Hilfsmittel die da Abhilfe schaffen können, die du auch bei der Familie dauerhaft nutzen kannst. z.B. angepasster Gehörschutz und eine getönte Brille.

      Und ein Psychiater kann dir auch ambulant erstmal helfen, kann wirklich empfehlen zu einem hinzugehen. Vor der Ausgangssperre hatte ich eine neue Ergotherapie angefangen, auch ambulant, die hat mir im Gegensatz zu den Gesprächsversuchen etc. das Gefühl gegeben wirklich selbst etwas tun zu können und ich denke sie wird mir noch sehr helfen.
    • @Neoni

      Herzlichen Dank, Du erinnerst mich gerade an etwas wahrscheinlich sehr Relevantes, das ich verdrängt hatte! Wie konnte ich das nur vergessen!

      Im Herbst 2018 wurde ich wegen starker Nervenschmerzen nach einer Unfall-OP mit hoch dosiertem Pregabalin (Lyrica) behandelt, das hat dann endlich Linderung gebracht. Natürlich hatte ich in der Packungsbeilage gesehen, dass Lyrica auch gegen Angststörungen eingesetzt wird, und im Internet hatte ich irgendwo am Rande gelesen, dass es sogar abhängig machen könne. Darauf angesprochen, hatten die Ärzte aber nur lachend abgewinkt und bekräftigt, dass noch kein Patient abhängig geworden sei, obwohl sie es dauernd verschreiben. Okay...

      Als ich das Lyrica nach Monaten absetzen wollte, kam die böse Überraschung. Ja okay, ich habe es zu schnell abgesetzt, denn die Ärzte sagten ja, es gäbe keine Probleme. Aber es ging mir furchtbar und ich wusste zuerst nicht wieso, dachte, ich würde wohl krank oder so. Nebst dem körperlichen Unwohlsein / Herzrasen / Schwäche hatte ich vor allem mit Beklemmungsgefühlen zu kämpfen in einer Intensität, die ich vorher noch nicht kannte. Es hat einige Tage gedauert, bis ich realisiert hatte, dass ich gerade einen Lyrica-Entzug durchmachte. Was für eine beschissene Erfahrung, ich bin da auch vor allem psychisch bis in die tiefste Hölle meiner seelischen Abgründe und wieder zurück gefahren.

      Gegen Ende 2018 war das Gröbste überstanden. Das Lyrica ist weg. Geblieben ist aber seit da eine neue, veränderte Wahrnehmung von Angst- und Panikgefühlen. Und zwar eine, mit der ich noch weniger klar komme als vorher. Ich vermute, dass die Erfahrung mit dem Lyrica da wirklich etwas ausgelöst resp. Spuren hinterlassen hat.

      Nochmals danke, dass Du mich unbewusst daran erinnert hast... ich hatte das tatsächlich komplett verdrängt und vergessen, wahrscheinlich weil es so schlimm war für mich. Jetzt bin ich froh, dass ich es wieder weiss ;)

      PS frag mich jetzt nicht, ob ich nochmals Lyrica nehmen würde, wenn es mir für die Angststörung helfen würde... soweit bin ich noch nicht :? x(
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:

      The post was edited 1 time, last by 1974: Nachtrag ().

    • @monschichi

      Ich finde es gut, wie Du damit umgehst. Du hast das auch gut passend auf Deine Lebensumstände abgestimmt. Manches mache ich auch ähnlich. Ich versuche auch ein bisschen, mein Gesicht zu "verstecken", um mich vor Reizen zu schützen - ein stetig weiter wachsender Vollbart, die Augen darüber sind von der Brille "geschützt" und dazu kommt noch ein Käppi oder Beanie.

      Etwas anders ist bei mir, dass ich mein familiäres Umfeld nicht um Ruhe, Verständnis oder gar Unterstützung bitten kann. Meine Kinder (7 und 11) sind auch beide Asperger und vor allem mein Sohn braucht praktisch eine 24-h-Betreuung. Normalerweise lebt er im Internat, weil er anders nicht beschulbar ist. Am Wochenende, in den Ferien, oder jetzt wegen Corona ist er zuhause. Er ist vom Autismus her der Auffälligste resp. derjenige, der am "schwersten" betroffen ist. Er braucht dauernd unsere Hilfe oder tickt wegen irgendwas aus, und wenns mal ruhig ist, ist es nur die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin nicht in der Lage, mich zu entspannen, wenn er zuhause ist (es geht sogar meiner Frau so, und sie ist NT).

      Es gibt täglich schwierige Situationen in der Familie zu meistern, viele Konflikte, grosse Emotionen, Ausraster, Tränen, Enttäuschung, Wut, Überforderung. Keine Ahnung, wie meine Frau es schafft, so gut es geht Homeschooling mit unseren beiden Aspies zu machen. Ich würde da sowas von versagen.

      Ich kann mich nicht wirklich aus der Schusslinie nehmen, wenns mir zuviel wird. Unser Haus ist zwar eigentlich gross genug - aber so hellhörig, dass man auch im oberen Stockwerk noch hört, wenn im Keller eine Maus pupst. Ich bin zwar in Extremfällen schon fluchtartig verschwunden, aber das geht im Alltag ja nicht.

      Ein weiterer Grund, warum ich nicht einfach verschwinden kann: meine Frau hat mit mir in den letzten Jahren zwei Burnouts von mir ertragen müssen und sie musste innert der letzten ca. 15 Monate drei Asperger-Diagnosen verdauen (von mir und den Kids). Sie ist der soziale Kitt in unserer Familie und ohne sie wäre ich schon lange tot und die Kinder im Waisenhaus. Es geht nicht ohne sie. Aber das heisst nicht, dass ich sie einfach mit den Kids hängenlassen und mich komplett absondern kann. Sie hat selber ernstzunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen und die Situation zuhause bringt auch sie (zu) oft an ihre Grenzen. Sie musste deshalb auch psych. Hilfe in Anspruch nehmen und kennt mittlerweile auch depressive Phasen, die wohl an der Nonstop-Überforderung (Situation zuhause) liegen.

      Fazit:
      Ich kann es mir nicht erlauben, mich zurückzulehnen und alles, was "schwierig" ist, auf meine Frau abzuschieben. Ein gewisses Minimum muss ich sowohl als Ehemann als auch als Vater stellen können. Ich muss ein bisschen was an Belastungen vertragen können. Es ist nicht akzeptabel, dass ich mich zuhause nicht wohl fühlen kann, wenn ich nicht alleine bin.
      Wo immer möglich, habe ich sensorische Reize eingedämmt, und zwar in einem Ausmass, das normalerweise hilft. Momentan hilft aber gar nix, weil ich vom Zustand der Daueraufregung gar nicht mehr runterkomme. Auch der Tinnitus ist dauerhaft geworden. Meine Synästhesie bringt noch weitere Reize, was auch nicht grad hilft.

      Wärst Du so freundlich, mir ein bisschen etwa über dieses Promethazin zu erzählen? In welchen Situationen nimmst Du es, und welche Wirkung nimmst Du wahr?
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • Neoni wrote:

      Für mich als Außenstehenden wirkt es aber eher so, als habe dir das Medikament geholfen bei deiner Angststörung; als du es abgesetzt hast, kam die Angststörung wieder hervor.
      Ganz genau meine Liebe, und diese Vermutung erschreckt mich über alle Massen 8o und die Gedankenspiele sind eröffnet... ob ich es wohl dereinst wieder nehmen muss, obwohl ich das Zeug nie mehr sehen wollte? Oder hat es gar etwas "kaputtgemacht" in meiner Psyche? Hat es meine Problematik zum Schlimmeren verändert, dass es nun noch schwieriger zu behandeln ist? Was wäre passiert, wenn ich es gar nie genommen hätte? x(
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • @MangoMambo

      Ich hab nicht ganz gecheckt, was das Risperidon bei Dir für eine Wirkung hat. Kannst Du das näher erläutern?

      Ja genau, das mit dem "Gesicht schützen" mache ich auch schon (Bart, Brille, Kopfbedeckung). Den Gehörschutz nutze ich ungern, wenn meine Frau da ist, weil sie das aus irgeneinem Grund unheimlich nervt (?). Beim Stimming hab ich noch Potential. Nachdem ich es mir ein Leben lang bisher versagt habe, ist es nicht ganz einfach, es mir plötzlich zu erlauben. Aber ich arbeite daran, da langsam drüber zu stehen. Jedoch auch da muss ich schauen, dass es möglichst niemand mitkriegt, schon gar nicht meine Frau. Irgendwie muss ich dafür sorgen, dass ich auch noch minimal als brauchbarer Ehemann dastehe und nicht nur als Behinderter. Das ist meiner Attraktivität nicht gerade zuträglich... getönte Brille ist aber eine gute Idee, das wäre ev. mal einen Versuch wert.

      Ja, eine Psychiaterin wäre eigentlich sehr wünschenswert. Mein Problem ist, jemanden zu finden, der freie Kapazität hat und mit dem ich mich auch menschlich finden kann. Jetzt während Corona kann mans eh mehr oder weniger vergessen. Noch schwieriger ist aber: ich weigere mich, nochmal neu mit einer Behandlung anzufangen, wenn die Fachperson nicht mit Autismus vertraut ist. Es kostet unglaublich viel Energie, sich jemandem so zu öffnen, und ich hab über die Jahre schon gegen 10 Psychiater "verbraten". Nach Hunderten von kraftraubenden Sitzungen komplett erfolgloser "Therapie" behaupte ich heute, eine Therapie ist bei mir chancenlos, wenn sie den Autismus nicht angemessen einbezieht. Ich hab die Energie nicht mehr für aussichtslose Versuche, deshalb schwor ich mir, die nächste Behandlung muss von einer Fachperson für Autismus sein. Aber eben - woher?
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • 1974 wrote:

      Ganz genau meine Liebe, und diese Vermutung erschreckt mich über alle Massen 8o
      Ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt nicht aneinander vorbei reden.

      Also mein Gedanke war:
      Jmd hat eine Angststörung, ohne sich dessen so sehr bewusst zu sein. Wegen etwas anderem (Schmerzen) bekommt er das Medikament. Er fühlt sich besser. Er setzt das Medikament ab, seine Angststörung ist somit wieder unbehandelt, und er fühlt sich schlecht.
      ---> Nicht das Medikament an sich war schlecht, sondern sein Entschluss es abzusetzen war schlecht (weil er dann wieder mit seiner unbehandelten Angststörung leben musste).

      Insofern verstehe ich nicht wieso dich der Gedanke erschreckt. Du könntest genauso denken "Es gibt ein Medikament was mir hilft, es hat mir schonmal geholfen!"


      Ich habe es auch mal bekommen (ich habe keine Angststörung, aber im Rahmen schwerer Depression, Ängste). Ich habe es damals nicht so gut vertragen, ich kann aber im Nachhinein nicht sagen, ob dies eine wirkliche Unverträglichkeit war, oder nur die Angst davor.

      Es ist außerdem nur ein Medikament von vielen, es gibt ja andere. Für solche Fragen ist ja ein Psychiater da.

      Grundsätzlich verstehe ich die Angst vor Psychopharmaka. Mit 20 hatte ich die auch. Ich hätte weniger gelitten, wenn ich die Angst nicht gehabt hätte.


      1974 wrote:

      Oder hat es gar etwas "kaputtgemacht" in meiner Psyche?
      Was verstehst du denn unter "Psyche"?

      Ich wüsste nicht was es kaputt machen sollte, keine Angststörung-Symptome mehr zu haben ;)
    • 1974 wrote:

      Aber das heisst nicht, dass ich sie einfach mit den Kids hängenlassen und mich komplett absondern kann.
      Es ist natürlich aus der Ferne schwer zu beurteilen, aber ich gehe mal von meinem (vermutlich) Aspie-Vater aus (und liege damit vielleicht falsch): der hat sich viel zu wenig in der Erziehung engagiert und alles meiner Mutter überlassen, und ich finde es wichtig, dass man als Elternteil Profil zeigt, das brauchen die Kinder. In meinem Fall wars unproblematisch, weil ich eh brav war. Aber dein Sohnemann muss lernen, dass er bei einem Ausraster nicht alle tyrannisieren darf. Andere haben auch Rechte, aber das muss man ihm beibringen, auch mit klarer Konsequenz. Wenn du als Vater klar machst, dass dir das wichtig ist, dann hilfst du deiner Frau meiner Meinung nach am meisten, weil sie dann deine Unterstützung hat und nicht mit Erziehungsmaßnahmen alleine dasteht. Also sprecht euch am besten untereinander gut ab und zieht an einem Strang, wenn es um Regeln geht.

      1974 wrote:

      Ja, eine Psychiaterin wäre eigentlich sehr wünschenswert. Mein Problem ist, jemanden zu finden, der freie Kapazität hat und mit dem ich mich auch menschlich finden kann. Jetzt während Corona kann mans eh mehr oder weniger vergessen.
      Das ist nicht gesagt, weil viele so panisch sind, dass sie gar nicht mehr zum Arzt gehen und ihre Termine absagen. Könnte also sein, dass du jetzt gerade viel größere Chancen hast, einen Termin zu bekommen als sonst. Du kannst es ja mal probieren.

      Was Lyrica angeht, damit habe ich keine Erfahrung, aber es könnte ja sein, dass du es "nur" zu schnell abgesetzt hast, und dass nichts passiert wäre, wenn du es langsam ausgeschlichen hättest. Es gibt aber auch noch andere Medikamente. Eins, das relativ harmlos ist, aber auch nicht so stark, ist Opipramol. Das hat eher eine unterschwellige Wirkung, nicht so wie Benzodiazepine, aber recht angenehm, finde ich.
      Alles wird galaktisch gut.
    • 1974 wrote:

      Ich hab nicht ganz gecheckt, was das Risperidon bei Dir für eine Wirkung hat. Kannst Du das näher erläutern?
      Bei mir vermindert es meine Tics und macht mich etwas ruhiger und langsamer. Hilft allerdings NICHT gegen Reizüberflutung etc., was es laut Arzt aber bei manchen Leuten tut.

      1974 wrote:

      weil sie das aus irgeneinem Grund unheimlich nervt (?)
      Frag sie mal warum und sag, dass du ihr dann besser zuhören kannst und wie es dir hilft.

      1974 wrote:

      Jedoch auch da muss ich schauen, dass es möglichst niemand mitkriegt, schon gar nicht meine Frau.
      Deine Partnerin, die für dich da ist und dich liebt sollte ein Verhalten, was dich schützt, beruhigt und dir hilft Reize zu verarbeiten unterstützen.

      1974 wrote:

      Nach Hunderten von kraftraubenden Sitzungen komplett erfolgloser "Therapie" behaupte ich heute, eine Therapie ist bei mir chancenlos, wenn sie den Autismus nicht angemessen einbezieht.
      Psychiater ist nicht gleich Therapie. Das kann auch einfach ein Arzt sein, der dir ggf. Medikamente oder Ergotherapie (kann ich empfehlen) verschreibt.

      1974 wrote:

      Aber eben - woher?
      Z.B. von einem Ergotherapeuten oder in einem Autismuszentrum?
    • Danke für Eure Rückmeldungen. Einmal mehr fällt mir auf - ich kann mit Frauen meistens besser als mit Männern. Woran liegt das? Egal. Ich melde mich morgen, heut bin ich zu überdreht und da kommt wohl nix Gescheites mehr raus bei mir. Wünsche Euch eine gute Nacht! :)
      LG, der 1974er

      PS. die meisten Fettnäpfchen sind unsichtbar; bitte gib mir Bescheid, wenn ich eins getroffen habe :roll:
    • Hallo @1974

      1974 wrote:

      Wärst Du so freundlich, mir ein bisschen etwa über dieses Promethazin zu erzählen? In welchen Situationen nimmst Du es, und welche Wirkung nimmst Du wahr?
      Promethazin ist wie gesagt ein leichtes Beruigungsmittel. Du kannst es aber auch einfach mal googeln, dann findest du das allgemeine Anwendungsgebiet.
      Ursprünglich habe ich das Medikament gegen meine innere Unruhe und Anspannung genommen, was aber wahrschenlich eine Reaktion auf die ständige Überlastung war.
      Da es auch leicht sedieren wirkt, hilft es mir auch in stressigen Phasen die einfallenen Reize etwas abzudämpfen.


      Wenn ihr drei Aspies in der Familie seit, die jetzt alle ständig aufeinander sitzen und sich gegenseitig nicht aushalten, könntet ihr vielleicht mal probieren einen Tagesplan für alle aufzustellen. Anscheinend braucht ihr ja alle eure festen Strukturen. Diese Strukturen müsste ihr vielleicht erst schaffen. In so einem Tagesplan könnten dann ja auch Ruhephasen eingeplant sein, wo sich alle zurückziehen können und Zeit für sich haben (inklusiver deiner Frau). Man muss nicht ruhen oder so, aber sich eben ruhig/still verhalten und den anderen Familienmitglieder auch ihre Ruhe gönnen.
      Mit Freude im Leben udn Freunden an der Hand ist schnell jeder Kummer im Leben gebannt.