Wie als Aspie (in Österreich) einkaufen, wenn man Mundschutz/etc. aufgrund Behinderung nicht aushalten kann?

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    • Wie als Aspie (in Österreich) einkaufen, wenn man Mundschutz/etc. aufgrund Behinderung nicht aushalten kann?

      Hallo,

      mal eine Frage, die (derzeit) meinen Bruder nicht betrifft, sondern einige seiner österreichischen Aspie-Freunde. (Bzw. eine Frage, die er von einem österreichischen Freund mit Asperger-Autismus per E-Mail erhalten hat)

      In Österreich ist ja nun beim Einkaufen Mundschutzpflicht angesagt ... Dies können seine Freunde aber nicht ab. Kenne mehrere, die irgendeinen Stoff vorm Gesicht nicht aushalten würden. (Mein Bruder würde das auch nicht aushalten!)

      Nun ja, Freunde/Verwandte bitten, wäre zwar eine Möglichkeit ...
      Allerdings sollte es ja für Autisten/Aspies das Ziel sein, Selbstständigkeit zu lernen.

      Wenn man ihnen das nun abnimmt, könnte es bei den Freunden (und wihl auch bei meinem Bruder) schnell so sein, dass sie das Einkaufen "verlernen" (In der Therapie meines Bruders hieß es, dass Einkaufen spätestens nach 10 Tagen wieder erfolgen sollte und keinesfalls längere Unterbrechung geben darf. Wenn es länger dauern würde, könnte ed für einuge sein, dass sie die Therapie von 1-2 Jahren neu beginnen müssten und alle Fortschritte wegfielen).
      Einkaufen mit Maske/Mundschutz wäre für viele hier ein Overload und sollte von Aspies vermieden werden, dennoch soll Einkaufen nicht verlernt werden.(Aussage von unserem Psychologen/Therapeuten ebenso wie vom Hausarzt).

      Wie kann man so etwas derzeit (in Österreich) vereinbaren (Beibehaltung Selbstständiges Einkaufen <-> Mundschutz azfgrund Behinderung nicht auszuhalten)?
      Kennt sich ggf. huer jemand mit den österreichischen Gesetzen aus, damit? Welche Tipps kann man seinen österreichischen Freunden geben?
      (Mundschutz aufsetzen kommt für sie generell nicht in Frage, bzw. müsste wohl auch erst 1-2 Jahre lt. Therapeut geübt werden)
    • marti wrote:

      Kennt sich ggf. huer jemand mit den österreichischen Gesetzen aus, damit? Welche Tipps kann man seinen österreichischen Freunden geben?
      Nein, mit österreichischen Gesetzen kenne ich mich nicht aus, aber ich denke dass behandelnde Psychiater, Psychotherapeuten, eigentlich auch Hausärzte eine Bescheinigung ausstellen können, dass ein Mundschutz aus medizinischen nicht möglich ist. Das würde ich zuerst probieren. Menschen, bei denen im Bereich der linken Schulter ein Herzschrittmacher implantiert ist, bekommen z.B. eine Bescheinigung, die sie vom Tragen eines Schultergurts befreit, wenn sie am Steuer sitzen.

      Allerdings: Durch eine Supermarkt- oder Discounter-Filiale wollte ich bei Mundschutzpflicht nicht ohne Mundschutz laufen; die dummen Kommentare anderer Kunden nerven Autisten dann wohl fast noch mehr als der Mundschutz selbst.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)
    • Ich hab gelesen, dass die Mundschutzpflicht erstmal nur in großen Supermärkten gelten soll. Deshalb wäre es vielleicht eine Möglichkeit, bis auf Weiteres in kleineren Läden einzukaufen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Vielleicht gibt es auch eine Möglichkeit das ein oder andere im Internet zu bestellen. Ich bin zwar kein Freund davon Dinge online zu kaufen die man auch in der eigenen Umgebung kaufen kann, allein schon um die Paketboten zu entlasten. Darauf will ich garnicht weiter eingehen, aber in so einem Fall finde ich es eine gute Erklärung darauf auszuweichen, es soll ja nicht für immer sein.
    • Vielleicht erst einmal zu Hause das Tragen des Mundschutzes üben.
      Erst 1 Minute, dann 2, dann 5, dann 15 Minuten - bis man es schafft, die Zeit zu überbrücken, die man für den Einkauf braucht, ohne dass es zu sehr stört.
      Ich brauche auch für so ziemlich alles, was den Körper berührt, eine Eingewöhnungszeit. Matratze, Stühle, Jacken, Mützen, Kopfhörer - es fühlt sich beim ersten Mal total fremd an, aber der Körper gewöhnt sich dran und nach spätestens 14 Tagen rückt das Gefühl der Berührung immer mehr in den Hintergrund.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Ich sehe es wie Garfield. Würde erst einmal versuchen, den Mundschutz zu Hause für ein paar Minuten zu tragen und dann wenn es geht die Zeit immer weiter steigern.

      Geht das aber absolut nicht, würde ich versuchen eine ärztliche Bescheinigung zu bekommen, dass ich aus medizinischen Gründen keinen Mundschutz tragen kann.

      Eine andere Frage habe ich noch, gibt es den in Österreich genügend Mundschutz für die Bevölkerung. Das sollte doch erst einmal sicher gestellt sein.
    • hm, das "Ziel" ist ja die Teilhabe.
      Es könnte, wenn es doch reservierte Einkaufsstunden für Risikogruppen gibt (in bestimmten Ländern) einen Anspruch darauf geben, dass man für ein bestimmtes Zeitfenster alleine im Laden sein darf, und dann ist der Mundschutz über?
    • Vielleicht könnte ja ein Face-Shield (Beispiel) einen akzeptablen Kompromiss darstellen? Zumindest die gröbsten Nieser und Huster werden damit schon abgefangen...

      ...und der liegt, so wie z.B. auch ein Bauhelm, nur an einem Stirnreif und einem Mittlegurt auf. Oder als Käppi.
      ...schon unterwegs!
    • Ich frage mich sowieso, was passiert, wenn jemand feststellt, daß er gegen das Material der Masken allergisch ist. Merkt man ja erst, wenn man sie eine Weile getragen hat.
      Diese Signatur wurde autistomatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig :m(:
    • Der Vergleich mit dem Herzschrittmacher hinkt:
      Wer sich nicht anschnallt, gefährdet sich selbst.

      Wer ohne Spuckschutz - und um nichts anderes geht es - rausgeht und (unbemerkt) infiziert ist, gefährdet Andere.

      Der Mundschutz ist nicht zum Eigenschutz, sondern zum Fremdschutz gedacht. Wenn ich das richtig gelesen habe, sind die Supermärkte verpflichtet, nur Leute mit Mundschutz einzulassen. Große Ketten müssen daher Mundschutz an die Kunden verteilen, bei Kleinen reicht auch ein Schal...

      Klar, Teilhabe ist wichtig, demgegenüber steht aber das Recht der Allgemeinheit auf Schutz. Bei einer Güterabwägung gehe ich davon aus, dass da der Einzelne den Kürzeren zieht.

      Ich würde also eher überlegen, welche Form von Spuckschutz vielleicht doch möglich ist und dann zu Hause üben...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • So sehe ich das auch.
      Es gibt Gesetze. Die gelten auch für Menschen mit Asperger.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Selbst wenn es ein Gesetz gibt, aber wenn es unsinnig ist (und das ist es, weil ein Mundschutz gar nichts bringt), dann sollte man sich widersetzen oder es umgehen. Ich würde jede Möglichkeit dafür nutzen.
      Und ich kann verstehen, wenn man den Mundschutz aus sensorischen Gründen nicht lange aushält. Würde mir auch schwer fallen, ich kann auch keine Mützen oder Ringe tragen aus dem Grund, und ich bin ja nur ein Aspie und kann vieles über den Verstand noch steuern und regulieren. Autisten mit stärkeren Beeinträchtigungen werden das wahrscheinlich nicht so gut können.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache:

      Ich finde es heuchlerisch, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch Inanspruchnahme von Sonderrechten einzufordern, im Gegenzug aber nichts für die Gemeinschaft tun zu wollen.

      Wer denkt an die Kassiererin, die vielleicht ein asthmakrankes Kind zu Hause hat? Die sich vielleicht einfach nur sicherer fühlen möchte in ihrer Schicht? Weil sie es sich nicht leisten kann, Zuhause zu bleiben?

      Wenn ein Autist derart stark betroffen ist, dass er keinen Mundschutz tragen kann, dann muss er sich ebenso Unterstützung zum Einkaufen organisieren wie eine Mukoviszidosekranke, der auch ein Mundschutz nichts nützt. Rausgehen können beide ja trotzdem noch - beim Spazierengehen im Park wird es sicherlich auch in Zukunft keine Maskenpflicht geben.

      Eine Maske mag keinen 100%igen Schutz bieten, aber es ist besser als Nichts. Vor allem aber ein Zeichen des Respekts und ein Symbol, dass mir Andere nicht egal sind. Dass ich versuche, meine Spucke und sonstigen Körperflüssigkeiten bei mir zu behalten...

      Deshalb habe ich auch Stoff bestellt, und werde mein WE damit verbringen, einen erträglichen Mundschutz zu basteln...

      In der Zeit war noch mal ein guter Artikel zum Sinn oder Unsinn von Masken:

      zeit.de/wissen/gesundheit/2020…utz-maskenpflicht/seite-2

      Es sind besondere Zeiten...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...

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    • zu deiner Teilhabebemerkung:
      Vielleicht klappt es mit einem Rollstuhlfahrerbeispiel. Teilhabe ist zB ein abgesenkter Bürgersteig. Wo soll denn da die anzubietende Gegenleistung sein?

      Die "Gegenleistung" ist doch nur, dass alle die, die die Stufe hochkommen, keine Idioten sind, die Rollifahrer auf die Fahrbahn "verbannen".

      Anmerkung: ich geh schon für wen mit in den Supermarkt, wo auch Maske nicht ginge. Aber wenn ich nun ausfiele — was dann?
    • @shnoing
      Der abgesenkte Bordstein gefährdet aber keine Nichtrollifahrer...

      Unbemerkt infiziert auf engem Raum einkaufen gehen aber ggf. schon...
      Und völlig nutzlos ist ein Spuckschutz eben nicht.

      Solltest Du - aus welchem Grund auch immer - nicht mehr einkaufen gehen können, dann muss Dich im Zweifel der Staat versorgen. Bei uns in der Gemeinde ist das so...

      Edit:
      Gerade in den Tagesthemen: in Heinsberg werden Menschen in der Quarantäne oder ältere Menschen vom Postboten mit Lebensmitteln versorgt. Auf einer Liste wird angekreuzt, der Supermarkt packt und der Postbote liefert...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...

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    • marti wrote:

      Wie kann man so etwas derzeit (in Österreich) vereinbaren (Beibehaltung Selbstständiges Einkaufen <-> Mundschutz azfgrund Behinderung nicht auszuhalten)?
      Es ist zwar nicht das selbe wie den realen Einkaufsvorgang weiterhin als Routine aufrecht zu erhalten, aber prinzipiell wäre auch eine Onlinebestellung eine Art des selbständigen Einkaufs, in dem Sinne, dass keine Hilfe von außen nötig ist.

      Es kommt allerdings momentan bei vielen Supermärkten, die das anbieten, zu Lieferverzögerungen, sodass man stärker vorausplanen müsste. Manche Supermärkte bieten wohl auch "click & collect" an (gerade z.B. bei Billa gelesen), d.h. die Mitarbeiter packen die gewählten Einkäufe zusammen, und man holt sie nur noch im Laden ab. So könnte man die Tragezeit eines Mund-Nasen-Schutzes zumindest auf ein Minimum reduzieren.

      Ich nutze "click & collect" bereits eine Weile in anderen (Nicht-Lebensmittel-)Läden, in denen mir das Zusammensuchen der gewünschten Artikel vor Ort aufgrund einer überfordernden Reizkulisse sonst nicht oder nur mit sehr negativen nachlaufenden Effekten für meine Verfassung möglich wäre. Es war bisher schon eine große Erleichterung für mich, wenn es gut praktisch umgesetzt war, also der Abholort tatsächlich zügig erreichbar war und die Übergabe unproblematisch verlief, was aber meist der Fall war.