(A)Soziale Medien und deren Folgen

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    • (A)Soziale Medien und deren Folgen

      Ich bin gerade ziemlich niedergeschlagen. Ich habe einen guten Bekannten oder auch Freund, mit dem ich schon seit fast 40 Jahren Kontakt habe. Es gibt keinen, mit dem ich länger befreundet bin. Heute hat er den Kontakt abgebrochen.

      Der Grund war mal wieder eine Meinungsverschiedenheit, über ein Thema, welches über die sozialen Medien weitergeleitet wurde. Es ging um ein Interview eines "Experten", welcher die Gefährlichkeit der aktuellen Pandemie abstritt und die daraus resultierenden Maßnahmen als verantwortungslos und übertrieben kritisierte. Er behauptete zum Beispiel, daß Corona nichts anderes sei als eine normale Grippe und die Gefahren nur durch mediale und politische Übertreibung hochgespielt würden. Mich erinnerte das an die Argumentationen eines Trump oder Bolsonaro.

      Ich habe ihm umgehend darauf geantwortet, das dieser "Experte" ziemlichen Unsinn daherredet und Zahlen und Fakten sowie persönliche Ansichten wirr durcheinander präsentiert. Auch würde ich gern seine Argumente auseinandernehmen und mit den Sachen, die ich in letzter Zeit über Corona gelernt habe vergleichen. Dazu muß ich sagen, daß es derartige Auseinandersetzungen über verschiedene Themen aus den sozialen Medien in letzter zeit schon oft gab. Jedenfalls haben wir uns nach solchen Streitereien immer wieder vertragen. Heute war das anders, die Erreichbarkeit über Telefon und WA wurde von ihm abgebrochen. Mir wird immer vorgeworfen, daß ich mich von den "Obrigkeiten" oder den "Systemmedien" beeinflussen lasse. Dabei ist das so nicht richtig, da ich mir in meinem Leben angewöhnt habe alles zu hinterfragen, was mir unlogisch erscheint. Ich fange dann an zu Themen zu recherchieren und mir eine eigene Meinung zu bilden. Ich halte nichts von mal eben weitergeleiteten Statements, nur weil die vielleicht meine Wünsche bedienen. Leider bin ich mit meiner Argumentation immer sehr direkt.

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten, allerdings ist mir das fast unmöglich, wenn ich dabei eigene Überzeugungen und Erkenntnisse opfern müßte. Ich habe momentan keinen Plan wie ich mit der Situation umgehen soll, dazu kommt ja auch noch, daß durch Corona mein gewohntes Umfeld nicht mehr so funktioniert, wie ich es kenne. Das alles ist wie ein Supergau für mich.
    • Ich habe auch schon öfters Kontakte abgebrochen, aber nie von jetzt auf gleich (RW). Es ist immer eine Entwicklung der zu dieser Entscheidung geführt hat. Anders herum ist mir auch schon passiert. Auch wie du es geschildert hast. Also nicht wegen diesem Grund, aber ziemlich plötzlich. Meist habe ich das auch nicht so richtig verstanden. Sicherlich gab es auch dort eine Entwicklung, die ich aber nicht mitbekommen habe. Und leider habe ich auf Nachfragen keine Antwort bekommen. Das macht es, besonders im Autismusspektrum, schwierig das eigene Verhalten zu hinterfragen um es zu ändern. Vielleicht, wenn schon solange Kontakt bestand, ist es dir möglich zu erfahren ob dieser Kontaktabbruch nicht auf andere Dinge zurückzuführen ist.
    • Spero wrote:

      Ich habe ihm umgehend darauf geantwortet, das dieser "Experte" ziemlichen Unsinn daherredet und Zahlen und Fakten sowie persönliche Ansichten wirr durcheinander präsentiert. Auch würde ich gern seine Argumente auseinandernehmen
      Das wird er evtl. persönlich genommen haben. Ich merke bei meinen NA-Bekannten, dass sie z.Z. etwas "kopfloser" reagieren und manchmal recht unlogisch sind.

      Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten,
      Ja, allerdings ist das leichter gesagt als getan.
      Wäre es Dir möglich, das Du per Mail irgendwie Deine Wortwahl abmilderst bzw. ihm anders entgegen kommst.

      Denn s.o., im Moment sind viele Leute etwas merkwürdig und vor allem meine NA-Bekannten kommen mit dem plötzlich fehlenden sozialen Austausch nicht klar und konsumieren wirklich alles aus dem Internet.
      Da setzt dann plötzlich der logische Menschenverstand aus und ich habe schon Panikattacken oder anderes erlebt von sonst wirklich besonnenen Kollegen.
      "Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt."


      (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Klar gab es eine Entwicklung dazu, die jedoch erst begann als mein Freund sich in sozialen Netzwerken in eine Informationsblase aus Verschwörungstheorien und Lügenpresse begeben hat. Seitdem hat er immer wieder versucht mich auf "seine" Seite zu ziehen, und mir immer wieder Sachen geschickt die seine Sicht der Dinge beweisen. Da ich wie schon beschrieben, meist sehr direkt antworte was ich davon halte, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Leider besitze ich in solchen Situationen kein diplomatische Geschick. Ich kann aus meiner Sicht falsche Dinge nicht einfach so im Raum stehen lassen. Das würde meine Ordnung zerstören. Schon als Kind mußte ich Dinge immer zu Ende bringen, koste es was es wollte.
    • Lilith wrote:

      Wäre es Dir möglich, das Du per Mail irgendwie Deine Wortwahl abmilderst bzw. ihm anders entgegen kommst.
      Das ist verdammt schwer, da ich ja inhaltlich nicht abweichen will. Ich hätte wohl besser nicht reagieren sollen, einfach den Mist löschen. Leider war es mir nicht möglich in dem Moment diese Option zu ziehen.

      Lilith wrote:

      Das wird er evtl. persönlich genommen haben.
      Das denke ich jetzt auch, er hatte endlich etwas gefunden, was seine Denkweise und Hoffnungen untermauert hat. Und ich habe das gnadenlos verrissen. das wird mir leider erst nachher bewußt.
    • Spero wrote:

      Das ist verdammt schwer, da ich ja inhaltlich nicht abweichen will.
      Dann wäre es evtl. genau das, was Du schreiben könntest.
      Also z.B. das Du es anders siehst, ihn aber als Freund/Bekannten nicht verletzen wolltest...
      "Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt."


      (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Spero wrote:

      Klar gab es eine Entwicklung dazu, die jedoch erst begann als mein Freund sich in sozialen Netzwerken in eine Informationsblase aus Verschwörungstheorien und Lügenpresse begeben hat. Seitdem hat er immer wieder versucht mich auf "seine" Seite zu ziehen, und mir immer wieder Sachen geschickt die seine Sicht der Dinge beweisen. Da ich wie schon beschrieben, meist sehr direkt antworte was ich davon halte, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Leider besitze ich in solchen Situationen kein diplomatische Geschick. Ich kann aus meiner Sicht falsche Dinge nicht einfach so im Raum stehen lassen. Das würde meine Ordnung zerstören. Schon als Kind mußte ich Dinge immer zu Ende bringen, koste es was es wollte.
      Nun, wenn mich jemand mit dubiosen Verschwörungsthesen volltexten möchte, dann würde ich da auch Diplomatie vergessen.
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten, allerdings ist mir das fast unmöglich, wenn ich dabei eigene Überzeugungen und Erkenntnisse opfern müßte.
      Das finde ich eigentlich nicht. Denn wenn man in einer Freundschaft nicht mit Meinungsverschiedenheiten diskutieren kann, was für eine Art von Freundschaft ist das dann!?
      Und ich finde es ziemlich krass, deshalb nach 40 Jahren den Kontakt abzubrechen. Aber man kennt ja leider oft die wahren Gründe nicht. So wie du es schilderst, hat es den Anschein, als hätte er sich in irgendwas verrant. Aber das ist natürlich nur die eine Seite.

      platzhalter wrote:

      Anders herum ist mir auch schon passiert. Auch wie du es geschildert hast. Also nicht wegen diesem Grund, aber ziemlich plötzlich. Meist habe ich das auch nicht so richtig verstanden. Sicherlich gab es auch dort eine Entwicklung, die ich aber nicht mitbekommen habe.
      Ja, das kenne ich leider auch.
    • Fidoline wrote:

      Und ich finde es ziemlich krass, deshalb nach 40 Jahren den Kontakt abzubrechen.
      Ja. Also wenn es wirklich nur an der Verschwörungstheorieblase lag, dann muss er da schon verdammt tief drinstecken, dass ihm das nun wichtiger ist als jahrzehntelange Freundschaften.

      @Spero Weißt du denn, wie andere Bekannte von ihm auf seine "Theorien" reagiert haben?
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Ist er vielleicht ziemlich sauer wegen der ganzen Situation, hat womöglich viel Geld, seinen Job oder irgendwas Anderes verloren?
      Dann wollte er sich vielleicht damit nur Luft machen und Deine Reaktion hat dann ein Fass zum Überlaufen gebracht.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Verschwörungstheorie-Clubs sind den Sekten schon einigermaßen änhlich... ...also ist das mit dem "tiefer 'reingeraten" nicht ganz so abwegig.

      Beispiele gibt's da genug - Reichsbürger, Prepper, die Aliens-Szene, Zeugen Jehovas, ...


      Und der Mechanismus, den Kontakt zu "Ungläubigen" abzubrechen ist da auch immer mit drin, das kann man dann den Mit-Gläubigen erzählen und auf die Weise in der verschworenen Gemeinschaft Punkte sammeln... ...und das ist gerade NAs sehr wichtig, Status in der Herde zu haben. Und/oder/auch Menschen aus dem Spektrum, denn da finden Sie eine Gemeinschaft, in der sie akzeptiert werden, solang sie halt nur tapfer mittun.


      Also, völlig offensichtliche logische Schlussfolgerung für jeden der noch selber denken kann, und noch nicht von den System-Gehirnwäsche-Medien weichgespült worden ist: Internet und Social Media sind eine Verschwörung von Verschwörungstheorie-Gurus, um Leute für Ihre Verschwörungstheorien zu rekrutieren! ;) :irony: :d :d


      Ein sehr schönes Video war heut in einem anderen Thread (ab ca. 10min Laufzeit):



      @Spero:
      ...manchmal ist "Good riddance!" auch die bessere Einstellung - Lieber ein Ende mist Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Letztlich entwickeln sich Menschen halt weiter, und das kann halt auch "weiter auseinander" bedeuten. Wenn die Freundschaft schon seit längerem mehr von den Kontroversen geprägt war, und diese auch immer emotionaler und persönlicher geworden sind... ...mag es sein, dass der Zeitpunkt zum Loslassen gekommen ist.

      Ich würde in Deinem Fall erstmal drei Monate zuwarten, Gras drüber wachsen lassen (RW). Dann per Anruf versuchen, ob Du da noch immer ignoriert wirst. Oder einen Brief oder Karte schreiben... ...solche archaischen Kommunikationsformen kann man nicht so einfach blocken und dann im Twitfilter vergessen. Zumindest wird dann Dein Interesse deutlich, die Freundschaft wiederzubeleben. Kann auch sein, dass Dein Kumpel den Brief einfach wegwirft, aber damit kommst Du wenigstens um den Filter bei WhatsApp rum...
      ...schon unterwegs!

      The post was edited 1 time, last by Godot ().

    • Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten, allerdings ist mir das fast unmöglich, wenn ich dabei eigene Überzeugungen und Erkenntnisse opfern müßte.
      Vorab, ich war nicht vor Ort und das, was ich nun schreibe basiert daher nur auf deinem Eingangsposting.

      Folgende Gedanken:

      Mein Eindruck ist, dass BEIDE Seiten sich möglicherweise diplomatischer verhalten müssen. Soweit du nicht sehr streng am Telefon warst, finde ich das spontane Auflegen(?) auch nicht ganz optimal. Du schreibst "Mich erinnerte das an die Argumentationen eines Trump oder Bolsonaro.". An dieser Stelle versuche ich den Vergleich mal zu toppen: "Mich erinnert es an Adolf Hitler, ehemaligen KZ-Beamten oder hyperaktiven Holocaustleugnern.". Cool down! Nicht wirklich. Was ich durch extreme Überzeichnung zeigen will ist die Wirkung, die solche Vergleiche entfalten können. Meine Empfehlung wäre auf provokante und verärgernde Vergleiche zu verzichten. Im best cäse geschieht das beidseitig. Ansonsten ist es vielleicht auch manchmal friedensstiftender oder eine effektive Option, wenn man sich vor Augen hält, dass bei (gesellschafts)politischen Themen die Menschen oft andere Meinungen vertreten, man vermutlich oft nicht erreichen wird, dass das Gegenüber während der Kontroverse seine Meinung/Sichtweise ändern wird und man daher dann irgendwann sagt: "Okay, dann bist du eben anderer Meinung.". Bei mir ist es so, dass ich Politik und Mensch privat schon auch trennen kann. Daher waren in der Berufsschule und auf den Lehrgängen Leute, die "voll die Nazis" waren, also extrem rechts, aber in dem Moment, wo das mal zum Ausdruck kam war meine Reaktion nicht "Ah okay... dann fuck off and dive! :x ". Umgekehrt war es auch kein Grund mich fallen zu lassen, weil ich das politische Gegenstück war. Für mich haben manche Menschen in manchen Punkten, also z. B. bei (gesellschafts)politischen Themen, halt eine "Scheiß-Meinung", aber die Wahl der CDU oder AfD ist für mich kein Grund Kontakt abzubrechen oder eine Freundschaft nicht zuzulassen.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten
      Das ist in manchen Fällen vielleicht möglich, aber in deinem geschilderten Fall bringt das denke ich eher wenig, weil dein Bekannter scheinbar (so lese ich das heraus) ganz anders funktioniert als du.
      Ich meine damit, deine Aussage, das er Dinge wie

      Spero wrote:

      daß ich mich von den "Obrigkeiten" oder den "Systemmedien" beeinflussen lasse
      Solche Aussagen sagt man nicht einfach mal eben so. Meines Erachtens gehen da die Wurzeln schon tiefer in eine Richtung die ich für bedenklich halte und solche Leute sind dann schnell mal Opfer von Radikal-denkenden und ziehen die ganz schnell auf ihre eigene Seite. Die merken dann nicht wenn sie selbst von anderen beeinflusst werden, obwohl sie ja denken das sie darüber stehen und nicht beeinflussbar sind.
      Ich kenne deinen Freund ja nicht, aber ich vermute das er mit dem "System" was wir haben unzufrieden ist, und sich schon länger hat von AfD oder ähnlichem "fangen" lassen, sonst würde er sowas nicht von sich geben.
      Auch wenn er sich nicht bei jedem den er kennt offen dazu bekennt weil er genau weiß das nicht jeder seiner Bekannten damit klar käme.

      Ich selber sehe es auch so wie du, ich nehme das was man mir erzählt zwar auf, aber überlege ob es für mich logisch und gut berechnet klingt.
      Glücklicherweise ist das was die Politiker sagen in vielen Fällen für mich so, wenn auch nicht immer. Aber jeder Mensch hat auch andere Bedürfnisse, und ich bin nur einer der hier lebt und kann nicht die Bedürfnisse aller abdecken. Darum kann ich auch nicht alle Entscheidungen von politik für gut heißen, aber auch nicht alle für schlecht.
      Ich fand es zB gut und richtig wie in Bayern schon sehr schnell Ausgangsbegränzungen stattfanden, und nicht gut das in NRW mit den meisten Erkrankten das nicht passierte.
      Meine Vermutung dahinter ist aber einfach das NRW viel ärmer ist als Bayern und sich nicht so gut erlauben kann die Leute in "Zwangsurlaub" zu schicken. Ich vermute das die das erst mal überprüfen wollten und ausrechnen wollten wie man das am besten machen kann, oder ob das überhaupt ohne Komplikationen geht.
      Das war in Bayern scheinbar garnicht nötig.

      Ich denke aber auch das gerade die Leute die so "Systemkritisch" sind und Politiker als "Obrigkeiten" bezeichnen, nicht gern das machen was eben diese einem sagen.
      Sie sind mit ihnen unzufrieden und jetzt sollen sie sich auch noch sagen oder befehlen lassen wie sie sich in der Coronakriese zu verhalten haben.
      Das macht die nur noch wütender. Das kann ggf sogar dazu führen das diese Leute absichtlich auf die Straße gehen und nicht sofern möglich zuhause bleiben, Hamsterkäufe machen obwohl nichtmal nötig weil noch genug zuhause, anderen Mitmenschen damit schaden, nur weil sie sauer auf die Leute sind die die Apelle dazu geben.
      Da stellt sich die Wut und Unzufriedenheit über die Vernunft und sowas finde ich sehr asozial, leider.
    • Fidoline wrote:

      Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten, allerdings ist mir das fast unmöglich, wenn ich dabei eigene Überzeugungen und Erkenntnisse opfern müßte.
      Das finde ich eigentlich nicht. Denn wenn man in einer Freundschaft nicht mit Meinungsverschiedenheiten diskutieren kann, was für eine Art von Freundschaft ist das dann!?Und ich finde es ziemlich krass, deshalb nach 40 Jahren den Kontakt abzubrechen. Aber man kennt ja leider oft die wahren Gründe nicht. So wie du es schilderst, hat es den Anschein, als hätte er sich in irgendwas verrant. Aber das ist natürlich nur die eine Seite.

      platzhalter wrote:

      Anders herum ist mir auch schon passiert. Auch wie du es geschildert hast. Also nicht wegen diesem Grund, aber ziemlich plötzlich. Meist habe ich das auch nicht so richtig verstanden. Sicherlich gab es auch dort eine Entwicklung, die ich aber nicht mitbekommen habe.
      Ja, das kenne ich leider auch.
      Genau das habe ich mir auch gedacht. Wenn es eine Freundschaft ist die schon seit so langer zeit besteht, dann sollte sie das aushalten das man seine Meinung sagen kann. Ich erkenne eine Freundin daran dass sie, egal wie konträr meine meinung zu Ihrer ist, sie akzeptiert. Das heisst nciht das sie sie übernimmt, aber respektiert, so wie ich das auch bei Ihr tue.

      In meinem Leben ist es mir 2x vorgekommen dass so ein Kontakt mit Freunden abgebrochen ist aufgrund von Meinungsverscheidenheiten. In beiden Fällen von der "anderen" Seite.
    • Spero wrote:

      Vielleicht muß ich auch lernen mich in solchen Fällen diplomatischer zu verhalten, allerdings ist mir das fast unmöglich, wenn ich dabei eigene Überzeugungen und Erkenntnisse opfern müßte.
      Was du beschreibst kenne ich auch von mir.
      Wenn ein Gesprächspartner beginnt mir seine Emotionen aufzudrücken und versucht dies mit wiedersprüchlichen Begründungen bzw. einer Argumentationskette voller logischer Fehler zu bestärken, werde ich irgendwie getriggert.
      In diesem Fall ist mein Gegenüber nicht in der Lage seine Emotionen, bzw. deren Ursachen rational zu betrachen (erwartet aber vermutlich die gleichen bei mir) und ich kann nicht dessen unlogische Emotion verstehen (und auch nicht davon ablassen diese Fehler eindeutig aufzuzeigen). Das führte dann schon öfters zu einem Kontaktabbruch - manchmal hilft aber tatsächlich ein längerer Text (in Ruhe und von der Situation distanziert geschrieben) um das geschehene ins rechte Licht zu rücken.
      Ich sehe das inzwischen so: ist eine Person dafür dann nicht mehr empfänglich, dann ist es keine echte Freundschaft...
    • Danke für eure Beiträge. Ihr habt Recht, wenn ihr sagt, daß eine 40-jährige Freundschaft so etwas aushalten muß. Das tut sie glücklicherweise auch. Über die Vermittlung meiner Frau, haben sich mittlerweile viele Mißverständnisse geklärt. So bestehen zwar weiterhin die inhaltliche Differenzen, aber der Kontakt ist wieder da. Im Nachhinein, war es ihm bewußt, daß er sich noch am selben Abend, nachdem sein Frust sich etwas gelegt hatte, sich bei mir hätte melden müssen. Allerdings gab es wohl noch andere wichtige Dinge und er hätte das später auch ohne die Vermittlungshilfe getan.

      Er weiß auch erst seit etwa einer Woche von meiner AS Diagnose und so war es ihm nicht klar, wie es mir in einer solchen Situation gehen wird. Für mich sind solche spontanen Aktionen sehr problematisch, vor allem in einer Zeit, da mein gewohntes Umfeld nicht mehr so funktioniert, wie ich es gewohnt bin. Daher war es für mich an diesem Abend sehr schwer mit dieser Situation umzugehen, was sich auch physisch und psychisch bei mir bemerkbar gemacht hatte.

      Trotzdem muß ich in Zukunft aufpassen, nicht jedesmal so zu reagieren, wenn mir Dinge nicht "in den Kram passen". Ich werde ihn nicht ändern können, trotzdem kann es möglich sein kontrovers über solche Themen reden zu können. Da müssen aber beide Seiten lernen auf die Besonderheiten des Gegenübers (er sehr emotional, ich rational und "rücksichtslos") einzugehen.