Verbeamtung im Lehrerberuf trotz Asperger-Diagnose

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Verbeamtung im Lehrerberuf trotz Asperger-Diagnose

      Hallo zusammen,

      ich habe schon gelesen¹, dass es hier einige unter euch gibt, die als Lehrer arbeiten und das Asperger-Syndrom haben. Was mich beschäftigt und - insofern ich richtig recherchiert habe - noch nicht gefragt wurde, ist, wie es mit den Chancen im Lehrerberuf aussieht, wenn man die Diagnose noch vor der Verbeamtung erhält.

      Ich habe zwei enge Familienmitglieder (einer davon mein Bruder), die das Asperger-Syndrom haben. Da ich auch bei mir einige Symptome feststellen kann, würde ich mich gerne testen lassen. Nun ist es allerdings so, dass ich am Ende meines Lehramtsstudiums stehe und befürchte, dass man mich für ungeeignet halten oder es aber Probleme mit der Verbeamtung geben könnte, wenn ich nach meinem Referendariat vor den Amtsarzt treten muss. In dem Fall würde ich von einer Testung Abstand nehmen, auch wenn ich glaube, dass mir ein Ergebnis persönlich weiterhelfen würde.

      Vielleicht kennt sich jemand damit aus und könnte mir von seinen Erfahrungen berichten.

      Liebe Grüße
      Cloverleaf
    • Ob es Besonderheiten bei Lehrern gibt, weiß ich nicht, aber allgemein bei der Verbeamtung ist es meinem Kenntnisstand nach so, dass die Verbeamtung nicht ausgeschlossen werden darf, wenn jemand einen Schwerbehindertenausweis hat, denn es wäre sonst Diskriminierung, die laut Gesetz nicht zulässig ist. Um eine Verbeamtung unmöglich zu machen, müsste der Amtsarzt eine Prognose stellen, dass innerhalb von 5 Jahren mit einer Dienstunfähigkeit zu rechnen ist, und das wird ihm nicht möglich sein, denn das müsste er schon sehr konkret darlegen, wie er zu diesem Schluss kommt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Die Gefahr ist dann, dass er zwar eine Asperger- Diagnose , aber keine Schwerbehinderung anerkannt bekommt. Dann könnte in der Tat die Verbeamtung gefährdet sein. Ich täts net riskieren.
      "Autismusdiagnose - Potius sero quam numquam.
      ( Lieber spät als nie.) "
      :irony:
    • Ich hab das schonmal wo geschrieben: Bei der Einstellung in einen Beamtenverhältnis, auch in das auf Widerruf im Vorbereitungsdienst, gibt es in aller Regel (da ja meist Ländersache) zwei Fragen:
      1. Waren Sie jemals oder sind Sie gerade in psychiatrischer Behandlung?
      2. Waren Sie jemals oder sind Sie gerade in psychotherapeutischer Behandlung?

      Sagst du "nein" und lügst dabei, kann das, wenn es auffliegt, sehr schwerwiegende Folgen haben: Du bist nicht nur den Beamtenjob los, sondern auch den Job im öffentlichen Dienst (zu sagen, "okay, ich geh das Risikiko ein und verliere den Beamtenjob, werde halt auf Arbeitnehmer (früher: Angestellter) im öffentlichen Dienst zurückgestuft" ist also keine Option).

      Sagst du "ja", musst du darlegen, worum genau es sich handelt. Wie dann im Einzelfall entschieden wird, wenn zum Beispiel die einstellende Ebene in irgendeinem Regierungspräsidium anzweifelt, dass du auch mit quirligen Unterstufenschülern umgehen kannst, das ist die Frage. Zwar glaube ich, dass @Shenya oben recht hat; aber das Verfahren ist mit Sicherheit kräftezehrend. Denn was Shenya schreibt, ist bei einem Finanzbeamten sicher kein Problem, da wird der ÖD sich tolerant zeigen und sich behindertenfreundlich geben, weil aber nicht alle Tage ein/e Aspie Lehrer*in werden will, weil man also nur ganz wenig bis meistens keine Erfahrung mit Lehrer*innen mit ASS hat, denke ich, dass du da auf ganz viel Unverständnis stoßen wirst, nicht nur bei der Einstellung, sondern nachher auch im Referendariat. Und das nervt.

      Also: @MangoMambos Empfehlung (kein Risiko eingehen) macht Sinn, ausdrücklich auch wegen diverser Versicherungen, vorneweg der privaten KV, die ja praktisch Pflicht ist für Beamte, wenn du nicht gewaltig mehr zahlen willst.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)
    • Bei mir ist es so, dass ich so starke Einschränkungen im , Alltag habe, dass ich auf Hilfe und Nachteilsausgleiche angewiesen bin, sonst hätte ich auch keine Diagnostik gemacht. Grundsätzlich ist der Öffentliche Dienst behindertenfreundlich, aber als Lehrer wird es da schwierig sein zu argumentieren evtl wie @FrankMatz schon schreibt.
    • Ich wurde ja recht spät diagnostiziert... Verbeamtet war ich schon lange. Nachdem ich dann den Schwerbehindertenausweis der ADD vorlegte, wurde mir unterstellt, dass ich dies doch schon vorher gewusst habe... 8o . Dann kann´s bezüglich der Erklärung schwierig werden....
      Als Lehrer mussten sie mich ja nun trotzdem nehmen, ich stehe aber auf´m Abstellgleis x( .
      Wenn du deinen Alltag meistern kannst, würde ich mir die Diagnose sparen und als "schräger Vogel" :fun: eingestellt werden;
      wenn nicht, vermute ich, kannst du höchstwahrscheinlich den Beamtenstatus vergessen. Als Angestellter des Landes würde dies eventuell bei dem derzeitigen Lehrermangel gehen; sicher wäre ich mir allerdings nicht.
      Vieles hängt dabei auch immer von dem entsprechenden Amtsarzt ab.
      ...aber er war nun einmal da! Asperger-Diagnose F84.5 (diagnostiziert Uni-Klinik Köln)
    • Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.

      Große Einschränkungen im Alltag habe ich nicht. Die Diagnose wäre mir eher wichtig gewesen, um manche meiner "Eigenheiten" besser verstehen und akzeptieren zu können. Aber damit würde ich mir nun offensichtlich doch viele Steine in den Weg legen...