Öffentlicher Umgang mit Autismus - Meine erste und direkt schlimmste Erfahrung

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    • Ich merke mir all diese Verhaltensweisen, in der Hoffnung, nie überrascht zu werden.
      Das reduziert dann die situationelle Überforderung.
      Ich habe zumindest den Eindruck, dass es mit zunehmendem Alter besser wird (bin 49).
    • Danke, an all die hilfreichen Beiträge nochmal :)

      Ich denke mittlerweile im Nachhinein, das ich das "ansprechen in schwierigen Situationen", dann vielleicht auch doch zu wortwörtlich genommen habe.

      Deshalb belasse ich das ab sofort auch bei ausschließlich wichtigen Personen, versuche es dann in Situationen wie den Einkauf auch mit "Neurologische Störung" oder "Migräne" zu umschreiben, und werde auch sonst versuchen alle Ratschläge hier umzusetzen :)
    • UnkreativesPseudonym wrote:

      Mein Leben, habe ich somit schon immer mit starken Einschränkungen leben müssen, zuvor auch falsche Differenzialdiagnosen und Behandlungen gehabt

      UnkreativesPseudonym wrote:

      war mehrfach ambulant und stationär in Behandlung wegen Ängsten

      UnkreativesPseudonym wrote:

      Einen GdB besitze ich bislang noch nicht, da ich vorher eine Schizoide Persönlichkeitsstörung, mit den Begleiterkrankungen Angst und Depression, diagnostiziert hatte. Ich habe mich zuvor noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt, bis die Schizoide Persönlichkeitsstörung durch das Asperger-Syndrom ersetzt wurde, mit gleichbleibenden Begleiterkrankungen, eben die Grunderkrankung sich geändert hat und mir dazu geraten wurde einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.
      Krass irgendwie, dass dich nie zuvor jemand darauf hingewiesen hat, dass du einen GdB beantragen kannst.
      Surprised by the joy of life.
    • UnkreativesPseudonym wrote:

      Nun habe ich auch den Supermarkt gewechselt, weil ich Angst vor erneuten Kontakt mit dem Kassierer habe, da ich nicht weiß wie ich mich nach dieser Situation verhalten soll, wenn er mich darauf nochmal ansprechen würde.
      Der Kassierer hatte doch gut reagiert, wegen dem musst du nicht den Supermarkt wechseln. Was mich irritiert, und was auch schon angesprochen wurde: warum hat niemand eingegriffen? Jemand beleidigt einen anderen, greift ihn körperlich an UND vergreift sich an dessen Eigentum und kein Arsch hilft?

      Die Menschen kotzen mich so dermaßen an, wenn ich sowas lese.

      Jedenfalls: du hast nichts falsch gemacht, als du auf dein Problem hingewiesen hast. Dass du von einer asozialen, aggressiven Frau, die vorher gar nicht dein Gesprächspartner war, angegriffen wurdest, das war großes Pech.
    • Surprised wrote:

      Mir scheint es manchmal auch so, dass Menschen etwas mit einer Diagnose entschuldigen und das nervt mich. Das beziehe ich jetzt gar nicht auf dein persönliches Erlebnis, ich kenne dich gar nicht, aber daher verstehe ich ein Stück weit das Missfallen, auf das eine Diagnosemitteilung auch treffen kann.
      Wenn du diese Beobachtung von dir nicht auf UPs Erlebnis beziehst, wie du schreibst, diese Aussage also überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat, warum schreibst du sie dann ausgerechnet in diesem Thread? Natürlich gibt es Leute, die ihre Diagnosen als Entschuldigung für blödes Verhalten einsetzen (ich kenne/kannte auch welche), aber kannst du dich bitte daran erinnern, wer in dieser Situation Täterin und wer Opfer ist? Findest du tatsächlich, dass UP irgendwas getan hat, das es rechtfertigt, geschlagen, gedemütigt und beschimpft zu werden? Ich empfinde diese Aussage in diesem Kontext als hochproblematisch und diskriminierend. In der Konsequenz klingt es so, als ob du die von UP erfahrene Gewalt damit entschuldigst. Dieser Eindruck wird noch stärker, da du weiter schreibst:


      Surprised wrote:




      Ich halte es für sinnvoll zu versuchen, eine bestmögliche Passung zwischen sich und Umwelt anzustreben (und daher z.B. nicht einkaufen zu gehen, wenn Overload eh schon in Sicht und Laden knallevoll) und je nach Flexibilität der Umwelt auf Probleme hinzuweisen, die man selbst nicht mit vorbeugenden Maßnahmen unter Kontrolle bekommen kann.
      Öffentlich habe ich noch nie auf ASS hingewiesen und es wäre mir auch peinlich und ich würde mit so Reaktionen rechnen, wie du sie erlebt hast. Vorgesetzte und Kollegen wissen Bescheid. Im Arbeitsalltag verfahre ich so wie oben beschrieben. Und entschuldige mich manchmal noch zusätzlich, wenn mir klar ist, dass ein Fall von autismusbedingter Paragraphenherumreiterei vorliegt, der aber gerade jeden nervt, der da flexibler ist als ich.
      Nein, da muss ich dir widersprechen. Ja, es ist gut und sinnvoll, auf andere zu achten. Jeder Mensch sollte das tun. Sich für sich selbst zu schämen und sich einseitig an eine (gewalttätige!) "Umwelt" anzupassen, also Selbstdiskriminierung, halte ich für alles Andere als sinnvoll.
      Und auch alle Anderen, die hier nach dem Muster "was musst du denn auch sagen, dass du Asperger hast" argumentieren, würde ich gern fragen: Seid ihr tatsächlich der Meinung, dass UP diesen doch ziemlich schweren Übergriff provoziert hat, dass er/sie selbst dafür verantwortlich ist? Oder auch nur halb? Steht ein überreizungsbedingtes Flattern mit den Händen für euch etwa auf einer Stufe mit Hasskriminalität?
      Das Empathischste, was ich den Reaktionen auf diese Geschichte gesehen habe, war die Empfehlung einer Strafanzeige. Und ja, jemand hätte sich wirklich einmischen sollen. Vielleicht sogar die Polizei rufen. Das, was passiert ist, ist sogar nach der geltenden Gesetzgebung eine Straftat. Ich fürchte nur, dass es sehr schwer wäre, der Angreiferin vorsätzliches Handeln nachzuweisen. Sie könnte sich immer noch damit rausreden, dass das mit dem Einkaufswagen und der Tasche ein Unfall/Versehen war und dass sie nicht vorsätzlich gehandelt hat. Und die Strafen für Beleidigung allein sind meistens sehr mild.
      Und ja, vielleicht wäre es besser gewesen, nicht um diese Zeit oder in diesem Zustand einkaufen zu gehen. Und vielleicht wäre das nicht passiert (da wäre ich mir allerdings überhaupt nicht sicher!), wäre das Wort "Asperger" nicht gefallen. Aber es ist nun mal passiert, und nichts, was UP getan hat, rechtfertigt auch nur im geringsten Maße diese Misshandlung. UP wurde nicht misshandelt, weil er/sie autistisch ist (das war zwar der Anlass, aber nicht der Grund), sondern weil die andere Person gewalttätig ist und die Anderen sicht nicht eingemischt haben. Diese Menschen tragen dann auch die volle Verantwortung.

      @UnkreativesPseudonym
      Da diese Reaktion gerade irgendwie fehlt, obwohl sie für mich die naheliegendste wäre, schreibe ich's dir: Es ist wirklich krasse Scheiße, was dir widerfahren ist. Und dass so etwas häufiger passiert, ist auch kein Grund, sich damit abzufinden und es für "normal" zu halten. Ich bin Rassismusforscherin und selbt migriert und weiß nur zu gut, dass migrierte/geflüchtete und schwarze Menschen (aber auch: Wohnungslose, Trans-Personen und andere Gruppen) andauernd Gewalterfahrungen in der Öffentlichkeit machen müssen. Genauso wie z.B. autistische Frauen, die nur selten lächeln ;) Es ist natürlich nur eine ungefähre Schätzung anhand der Zustimmungsrate für die AfD, aber etwa ein Viertel der Bevölkerung in dieser Gesellschaft sind mehr oder weniger Nazis, und wenn die Umstände dafür günstig sind, eben gewaltbereit.

      Es liegt nicht an dir. Nichts, was du getan hast (es sei denn, du hast die Person zuerst gehauen und beleidigt), rechtfertigt das, was sie getan hat. Und das ist gleichzeitig auch die schlechte Nachricht: Es kann wieder vorkommen, ob du deine Diagnose nun nennst oder nicht. Eben weil dieses Verhalten nicht an dir liegt, sonder an und in der anderen Person. Ich selbst wurde angegriffen, seit ich ein kleines Kind war (ich bin jetzt 35), und ich wurde erst vor Wochen diagnostiziert und wusste bis vor 3 Jahren überhaupt nicht, was Autismus bedeutet. Es reicht, dass du irgendwie "anders" bist. Jetzt zu sagen, dass du die andere Person irgendwie provoziert hast, wäre völliger Quatsch und ganz schön menschenverachtend obendrauf. Um jetzt einen Vergleich zu nehmen:Frauen werden auch nicht deswegen belästigt, weil ihre Röcke zu kurz sind, sondern weil viele Männer besitzergreifende gewalttätige Machos sind. Leider.

      Im Gegensatz zu Anderen hier sehe ich es positiv, dass du deine Diagnose im Supermarkt genannt hast, denn aus deiner Geschichte lese ich, dass du die Signale deiner Mitmenschen sehr wohl wahrnimmst: Du hast gemerkt, dass dein Verhalten auf sie komisch und/oder beunruhigend wirkt, und hast versucht, ihnen eine Erklärung zu geben. Du hast versucht, auf Andere einzugehen, und beim Kassierer hat das doch auch funktioniert. Du hast in diesem überreizten Zustand noch daran gedacht, wie das für Andere sein muss, wie kann das denn falsch sein? Das ist wirklich stark.

      Also ich selbst habe noch nie im Supermarkt darüber geredet, weil es sich nicht ergeben hat, aber ansonsten gehe ich sehr offen damit um. Ich sehe nicht, was daran peinlich sein soll, autistsich zu sein. Ich mache mir mein Leben lang extreme Mühe, auf Andere zu achten und ihnen nicht unnötig wehzutun, obwohl es für mich aufgrund der extremen Abweichungen von der Mehrheit doch so viel schwerer ist. Sollen sich die Anderen doch schämen, wenn sie nicht mal ein Bruchteil dieser Leistung erbringen.

      Wenn ich darf, würde ich das Verhalten der Person mal interpretieren, ohne es zu entschuldigen. Wahrscheinlich hat sie gesehen, dass du an der Kasse mehr Zeit und Unterstützung bekommen hast. Höchstwahrscheinlich hat sie eine rechtskonservative oder sogar rechtsextreme Gesinnung vom Typ der "besorgten Bürger". Diese Menschen fühlen sich immer oder zumindest sehr oft als Opfer, sie glauben, dass sie regelmäßig übergangen werden, dass alle Anderen mehr von irgendwas bekommen, dass die Welt voller Feinde ist und (fast) alle ihnen etwas antun oder etwas wegnehmen wollen. Dass das so nicht stimmt, ist relativ offensichtlich. Sie hetzen gegen Geflüchtete, die unter schrecklichsten Bedingungen leben müssen und hier noch kaum Lebensschancen bekommen, sie finden, dass Arbeitslose viel zu viel Geld bekommen, und so weiter. Und dann trifft dann so ein Mensch auf dich an der Supermarktkasse! Die Person fühlt sich übergangen, weil du Hilfe bekommen hast. Sie gönnt dir die Hilfe nicht. Für sie bist du der Feind, weil die selbst besser behandelt werden möchte als Andere, sonst fühlt sie sich sofort übergangen. Gleichzeitig sieht sie in dir ein leichtes Opfer, weil es dir offensichtlich nicht gut geht. Kleingeistige, moralarme Menschen treten gern auf Schwächere ein. Also schlägt sie dich mit dem Einkaufswagen, zerstört deine Einkäufe und behauptet, du seist ein Schmarotzer und hättest dir die Diagnose nur ausgedacht. Und in ihrem beschränkten, selbstbezogenen Verstand war das alles reine Selbstverteidigung! Deswegen auch das Fluchen am Ende. Ist jetzt natürlich keine "Wahrheit", sondern nur so, wie ich es verstanden hätte.

      Und jetzt weiß ich nicht, ob ich da noch Ratschläge geben soll, vor allem, weil ich mich selbst auch nicht immer daran halten könnte. Es wäre toll, wenn solche Gewalltaten sozial oder juristisch verurteilt werden könnten, aber die Chancen sind leider sehr schlecht. Ich finde es sinnvoll, sich immer wieder zu überlegen, was man in solchen Sitiationen sagen kann. Am besten für mich wäre, die Person möglichst lächerlich zu machen, damit sie richtig dumm dasteht. So richtig Srüche einstudieren, die man dann automatisch raushaut, wenn wieder so ein goblinartiges Wesen es auf dich abgesehen hat.
      Und was ich genauso wichtig finde, ist mentale Selbstverteidigung. Ich finde (du musst das aber natürlich nicht genauso finden!), du musst unbedigt ein felsenfestes Bewusstsein für deinen Platz auf der Welt entwickelt, der dir zusteht. Es ist dein verdammtes Recht, hier zu sein, um eine beliebige Uhrzeit (innerhalb der Öffnungszeiten, versteht sich) einkaufen zu gehen, Menschen um Hilfe oder Rücksicht zu bitten, wenn du nicht klarkommst. Menschen, die solche Übergriffe erleben, werden auf Dauer krank, wenn sie nicht ein sehr starkes Selbstbewusstsein haben und im besten Fall auch ein Gefühl für Gerechtigkeit, dass sie sowohl auf die Anderen als auch auf sich selbst anwenden können. Sei fair zu Anderen, aber auch fair zu dir selbst. Wenn du Angehörige oder befreundete Menschen hast, die dich unterstützen können, rede mit ihnen. Wenn du etwas gut kannst, mach mehr davon! Wenn dir etwas Spaß macht, mach auch mehr davon (solange es Anderen nicht schadet, klar). Alles, was dich zufriedener, stärker und selbstbewusster macht, ist nach so einem Erlebnis super. Mache die andere Person in deinem Kopf lächerlich und elendig (würde ich sonst nicht machen, aber nach so einem Verhalten finde ich das in Ordnung) und denke jeden Tag daran, was für schwere Charakterfehler sie haben muss und nicht du. Vielleicht hast du irgendwann sogar Mitleid mit ihr. Wie wenig drauf muss eine Person denn haben, wenn sie so etwas nötig hat?

      Keine Ahnung, ob das hilft. Aber ich wünsche dir sehr, dass irgendwas hilft.
    • doxa wrote:

      Wenn du diese Beobachtung von dir nicht auf UPs Erlebnis beziehst, wie du schreibst, diese Aussage also überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat, warum schreibst du sie dann ausgerechnet in diesem Thread?
      Die Frage beantwortest du dir selbst: Weil

      doxa wrote:

      Natürlich gibt es Leute, die ihre Diagnosen als Entschuldigung für blödes Verhalten einsetzen

      Des Weiteren verbitte ich mir hypothetische Fragen, die meine Aussagen (absichtlich?) missverstehen und in ein falsches Licht stellen, wie

      doxa wrote:

      Findest du tatsächlich, dass UP irgendwas getan hat, das es rechtfertigt, geschlagen, gedemütigt und beschimpft zu werden?
      und

      doxa wrote:

      Ich empfinde diese Aussage in diesem Kontext als hochproblematisch und diskriminierend. In der Konsequenz klingt es so, als ob du die von UP erfahrene Gewalt damit entschuldigst.
      Deine Interpretation trifft in keinster Weise zu und ich möchte, dass du solche Unterstellungen unterlässt!
      Surprised by the joy of life.
    • Ich vermute, dass diese aggressive Person selbst ein gewaltiges (psychisches) Problem hatte. Ich kenne solches Verhalten nur von Personen mit Psychosen und/ oder Alkohol-/ Drogenmissbrauch oder schwersten Persönlichkeitsstörungen. Da kann man selbst auch noch so nett sein, sie bleiben trotzdem hochaggressiv und konfrontativ.
      Ich denke auch, dass du hier riesen Pech hattest. Auch wenn Menschen nicht unbedingt automatisch freundlich reagieren, so eine Reaktion ist dann doch eher die Ausnahme!

      Dass der Kassierer gewunken hat, könnte durchaus bedeutet haben, dass er dir helfen wollte, oder dir anbieten, neue Produkte zu bekommen (oder den Preis davon wieder ausbezahlt). Ich denke nicht, dass er schlecht über dich denkt.



      Für die Zukunft kann ich grundsätzlich kann ich auch empfehlen, eher konkrete Einschränkungen als die Diagnose zu benennen. Einfach weil viele Menschen die Diagnose nicht richtig einordnen können und nicht verstehen, was es genau bedeutet. Selbst bei Ärzten u.ä. kann man nicht auf konkretes Verständnis hoffen und eine zusätzliche Erklärung ist häufig sinnvoll.

      Ich hatte trotz sehr großer Schwierigkeiten auch sehr lange keinen GdB festgestellt, da mein damaliger Betreuer dagegen war und meinte, dann wäre man "noch mehr behindert" :m(: Im Nachhinein ein völlig falsches Urteil, ich bin sehr froh, den Ausweis zu haben. Ich habe ihn erst auf Druck einer Psychotherapeutin beantragt und war durch die Meinung des Betreuers völlig verunsichert. Keinen festgestellten GdB zu haben sagt garnichts über die Probleme eines Menschen aus, sondern lediglich, dass der Antrag noch nicht eingereicht wurde.
    • @UnkreativesPseudonym
      Damit sich da bei Dir aufgrund dieses Einkaufserlebnisses kein langfristiger seelischer Schaden bildet, möchte ich das für Dich mal etwas allgemeiner analysieren:
      • Person A nennt das Wort Asperger
      • Person B hört das Wort Asperger
      • Person B verbindet das Wort Asperger mit Greta T.
      • In Person B steckt Hass gegen Greta T.
      • Person B suchte schon lange einen Ablasskanal für den Hass
      • Jetzt kommt Person A und Person B entdeckt darin den passenden Ablasskanal für den Hass gegen Greta T.
      • Der Hass steckte also schon vorher in Person B
      • Dass der Hass ausgerechnet Person A getroffen hat, hat nichts mit Person A zu tun
      • Person A ist folglich ein eher zufällig ausgewähltes Opfer
      Schlussfolgerung:
      Person A hat nichts falsch gemacht.
      Jeder auch nur ansatzweise gescheite Mensch hätte sich nicht so wie Person B verhalten.
    • @UnkreativesPseudonym Eine sehr üble Erfahrung hast du da gemacht. Ich weiß, wie sehr einen das verunsichern kann, ich habe hier auch schon unschöne Erfahrungen gemacht in meiner Wohngegend (einfach so, ohne Nennung irgendwelcher Diagnosen), in der leider viele aggressive Gestalten unterschiedlicher Couleur herumlaufen. Ich würde an deiner Stelle weiterhin zu dem Supermarkt gehen, gerade weil der Verkäufer dort sehr freundlich war. Den wirst du öfter sehen, die andere Person taucht mit etwas Glück nicht mehr zur gleichen Zeit wie du dort auf.

      UnkreativesPseudonym wrote:

      versuche es dann in Situationen wie den Einkauf auch mit "Neurologische Störung" oder "Migräne" zu umschreiben
      Du musst dich überhaupt nicht rechtfertigen für komische Bewegungen oder langsames Einpacken! Wenn du dich gehetzt fühlst, kannst du dir vor Augen halten, dass ältere Leute beim Einpacken noch viel langsamer sein können als du (und dann noch ein Schwätzchen mit dem Verkäufer anfangen). Wie du dich bewegst, geht die anderen Kunden überhaupt nichts an. Wenn sie sich daran stören, ist das ihr Problem, nicht deins. Gegen sensorische Überlastung im Supermarkt versuche ich mich durch Vermeidung der Stoßzeiten und ggf. durch Kopfhörer zu schützen (wurde wahrscheinlich auch von anderen schon genannt).
    • An Doxa und Surprised (Ich komme mit dem zitieren noch nicht ganz zurecht, also wie ich das auf nur einzelne Zeilen statt den gesamten Text anwende, deshalb hoffe ich, das ihr beide das auch in dieser Form lest - ohne das eine Benachrichtigung wegen markierung angezeigt wird)

      Persönlich habe ich den Beitrag von Surprised jetzt als recht direkt (manche Menschen nutzen Erkrankungen für sämtliches Verhalten) und auch ziemlich schwarz-weiß-denkend (wie kann jemand bislang so gelebt haben) aufgefasst.

      Für mich habe ich das nicht als Angriff o.ä gewertet, vielmehr habe ich in diesen Aussagen Facetten seines/ihren Autismus gesehen, das die Empathie eingeschränkt ist und es schwer fällt zu differenzieren.

      Autismus wird ja als Spektrum beschrieben, weshalb nicht jeder betroffene gleich ist, wo ich z.B "nur" mittelstarke Probleme bei Mimik/Gestik und Empathie habe, ist das wahrnehmen und verarbeiten von Reizen bei mir ganz extrem - Ich habe z.B auch mal gelesen, das es Autisten gibt, denen es sogar möglich ist Konzerte oder Festivals zu besuchen, was für mich nur ein Traum bleiben kann

      Deshalb habe ich es auch als neutral gewertet und wollte mit meinen Thread keine Streitigkeiten unter Usern verursachen, von meiner Seite aus ist da alles total in Ordnung, ich habe mich über jeden Beitrag gefreut und auch schon viele hilfreiche Kommentare von Surprised in anderen Threads gesehen.

      Ansonsten denke/hoffe ich, das ich meinen Verlauf ohne zuviel Preisgabe meiner Privatsphäre, verständlich aufzeigen konnte

      Ich habe immer alles im Leben versucht um mich anzupassen, u.a 3 Ausbildungen, mehrere Maßnahmen vom Jobcenter, war 2x beim Amtarzt, ambulant und stationär in Behandlung, uvm.

      Nie würde ich auf die Idee kommen, das entspricht 0 meinen Charakter, das ich Eigenverschulden mit Autismus begründen würde. Aus Fehlern lernt und wächst man als Mensch, ganz besonders zeigen sie das wir gerade auch nur Menschen sind, was mich sogar freut, da ich mich oft innerlich leer fühle und dadurch spüren doch zu leben.

      Mir hat die Diagnose auf jeden Fall viel Kraft gegeben, allein weil ich mich dadurch besser verstehen gelernt habe, durch den wechsel in den Bereich für Behinderte, freue ich mich auch schon darauf spezifischer behandelt zu werden - Und das meine ich nicht im Sinne von Vorzug o.ä, sondern das ein solches Umfeld geschaffen wird, z.B lediglich kleine Gruppen ohne viel Arbeit am Computer wo alle Monitore hell und nah sind, in dem ich dann auf meine Einschränkungen abgestimmt auch arbeiten kann

      Als Vergnügen empfinde ich es nämlich definitiv nicht, wenn man ständig arbeitsunfähig ist, sich Zuhause selbst isoliert, nutzlos fühlt weil man nicht wie der "Nomal-Mensch" arbeiten kann und Depressionen deswegen immer anwesend sind

      Zu meiner Situation beim Einkauf möchte ich dann auch nochmal sagen, das ich selbstverständlich niemanden verbal oder gar körperlich angegriffen habe, ich verabscheue Gewalt und empfinde sie als primitiv. Die Beweggründe der Frau, könnte ich jetzt auch nur mutmaßen, ich habe es aber ähnlich wahrgenommen, vor allem hat es auf mich sehr aufmerksamkeitssuchend gewirkt - Das rabiate anfahren, was definitiv Absicht war, da vor und neben mir die Ablage und kein weiterer Durchgang war, als auch das laute Organ und für mich Theater, was so ziemlich jeder mitbekommen haben sollte.

      Das niemand etwas dazu gesagt hat, fand ich auch grausam, das einzige was ich einmal aus dem Augenwinkel gesehen hab, war ein älterer Mann der vorbeiging und den Kopf geschüttelt hat. Leider ist das ja nicht selten, heute passiert gewalt ja sogar am helllichten Tag auf offener Straße, während Leute nur vorbeiziehen, gaffen oder gar Videos mit dem Handy anfertigen.
    • Ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich überhaupt darauf eingehen möchte, und nun beschlossen, einmal und nur einmal zu antworten. @Surprised, ich finde deinen Umgang mit Kritik überhaupt nicht in Ordnung, aber neu und überraschend ist er für mich auch nicht. Meine Energie weiter darauf verschwenden möchte ich aber auch nicht. Wenn du also nicht bereit bist, deine Position wenigstens ein wenig in Frage zu stellen, ignoriere mich bitte einfach. Ich werde dir in diesem Fall auch nicht mehr antworten.

      Also, noch einmal und etwas schematischer.
      Person A wurde von Person B körperlich und noch viel mehr verbal angegriffen, weil Person A eine bestimmte Diagnose hat, also zu einer bestimmten Gruppe gehört. Für mich handelt es sich in diesem Fall offensichtlich um schwere Diskriminierung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Hasskriminalität, nur um einige Begriffe zu nennen.

      Deine Reaktion darauf:

      Erstens fragst du, wie die betroffene Person denn ohne einen GdB bisher überlebt hat, und tätigst zugleich die Vermutung, dass der Person bisher nichts Schlimmes passiert ist (du schreibst "Schlimmes" in Anführungszeichen und signalisierst damit Distanz und möglicherweise Unglauben) und Einkaufen für sie leicht war. Allein aus dem, was Person A bisher von sich erzält hat, kann ich schließen, dass deine Vermutung falsch und gefährlich ist. Es kann Tausende von Gründen gaben, wieso ein Mensch keinen GdB besitzt und trotzdem massive Probleme im Leben hat. Ich lese darin also ein Misstrauen gegenüber Person As Geschichte und Vermutung, dass er/sie übertreibt, da er/sie bisher ja keinen GdB besitzt, aber trotzdem überlebt hat. Wenn ich das jetzt wörtlich nehme, ist der einzige Weg, zu beweisen, dass du Unrecht hast, also nicht überleben. Zudem gehen diese spekulativen Aussagen am Thema vorbei. Thema war: sehr schlechte Erfahrungen nach Nennung der Diagnose in der Öffentlichkeit. Und nicht, wie das Opfer bisher überleben konnte (das geht uns hier auch gar nichts an).

      Gleich im nächsten Absatz schreibst du, dass dir scheint, Menschen würden "etwas mit einer Diagnose entschuldigen", und dass dich das nervt. Und dass du das Missfallen nach Nennung der Diagnose verstehen kannst. Ich wiederhole mich gerade: In der Geschichte ging es darum, dass Person B ziemlich schwer übergriffig geworden ist, nachdem Person A ihre Diagnose genannt hat. Du zeigst Verständnis für dieses Verhalten, so liest sich das für mich zumindest. Aber keinerlei Worte signalisieren, dass du Verständnis für Person A hättest, eher im Gegenteil.

      Im dritten Teil deines Beitrags schreibst du, dass es besser wäre, wenn sich Person A mehr an ihre Umwelt anpasst, z.B. woanders oder wannanders einkaufen geht. Auch hier geht es für mich eindeutig darum, nach Gründen für den Übergriff im Verhalten von Person A zu suchen, was Person B wiederum ein Stück weit entschuldigt.

      Ich kann die Wirkung deines Beitrags wie folgt zusammenfassen: Person A trägt die Verantwortung für den Übergriff. Sie ist zur falschen Zeit im falschen Laden einkaufen gegangen, zudem ist es möglich, dass die mit ihrer Diagnose nur etwas entschuldigen möchte und alles übertreibt (wobei du hier auch einräumst, dass du das nicht sicher wissen kannst, da du Person A nicht kennst). Du zeigst Empathie für Person B und reduzierst ihr Verhalten auf "Missfallen" für eine Diagnose, woran die Betroffenen zumindest teilweise wiederum selbst schuld sind, da sie diese teilweise missbrauchen.

      Das ist es, was ich verstehe. Und ja, ich finde das diskriminierend und potenziell traumatisierend.

      Und nun zu deiner Antwort:

      Surprised wrote:

      doxa wrote:

      Wenn du diese Beobachtung von dir nicht auf UPs Erlebnis beziehst, wie du schreibst, diese Aussage also überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat, warum schreibst du sie dann ausgerechnet in diesem Thread?
      Die Frage beantwortest du dir selbst: Weil

      doxa wrote:

      Natürlich gibt es Leute, die ihre Diagnosen als Entschuldigung für blödes Verhalten einsetzen

      Nein, ich sehe immer noch keine Antwort auf meine Frage. Es ging nicht darum, dass deine Aussage inhaltlich falsch war, sie ist selektiv richtig, das habe ich doch auch bestätigt. Die Frage war, warum du diese Aussage an diesem Ort tätigst. Denn in diesem Kontext hat sie schreckliche Konsequenzen. Es gibt sehr viele selektiv oder situativ richtige Aussagen über Menschen, ich nenne jetzt zufällig ein paar:

      -es gibt Menschen, die sich gern in der Nase bohren;
      -es gibt Menschen, die lieber Hunde mögen als Katzen;
      -es gibt Menschen, die 11 Finger haben;
      -es gibt Menschen, die bei 120 km/h durch Wohngegenden rasen.

      Es gibt also eine extrem hohe Anzahl von Aussagen, die man so über einen Teil der Menschheit machen könnte. Aber als all diesen möglichen Aussagen hast du die Aussage "Mir scheint es manschmal auch so, dass Menschen etwas mit einer Diagnose entschuldigen" gewählt. Das heißt, es gibt hier irgendeinen inhaltlichen Zusammenhang. Und genau das werden Menschen auch annehmen, die das lesen. Es entsteht eine semantische Verbindung in den Köpfen zwischen "Ich war einkaufen und mir ist Folgendes passiert..." und "Menschen entschuldigen etwas mit einer Diagnose, das Missfallen ist also verständlich". Wenn sich diese Verbindung verfestigt hat, wird Person A weniger geglaubt und das Verhalten von Person B weniger verurteilt. Wenn sich so etwas noch ein paar hundert Mal wiederholt, haben wir eine gewalttätigere Gesellschaft.

      In einem anderen Thread, z.B. einer Grundsatzdiskussion über Verantwortung fürs eigene Verhalten, dem freien Willen der Menschen und dem Einfluss einer diagnostizierten Erkrankung oder Störung oder Kondition darauf, fände ich das eine gute und differenzierte Aussage. In einem Thread, wo es um eine Gewalterfahrung einer Person mit dieser Diagnose geht, das als direkte Antwort darauf zu schreiben, finde ich krass.

      Surprised wrote:

      Des Weiteren verbitte ich mir hypothetische Fragen, die meine Aussagen (absichtlich?) missverstehen und in ein falsches Licht stellen, wie

      doxa wrote:

      Findest du tatsächlich, dass UP irgendwas getan hat, das es rechtfertigt, geschlagen, gedemütigt und beschimpft zu werden?

      "Hypothetisch" kommt von "Hypothese", also einer Vermutung oder einer postulierten Möglichkeit. Meine Frage war aber gar nicht möglich, sondern sehr real, es ist schließlich eine Aussage mit einem Fragezeichen ;) Meinst du vielleicht eine rhetorische Frage, also eine Frage, die keiner Antwort bedarf, weil die Antwort schon beim Fragen vorgegeben ist? Wenn dem so ist, dann kann ich nachvollziehen, dass das so rüberkommen kann. Aber ich meinte die Frage wirklich ernst, ich wollte wissen, ob du diese Meinung vertrittst. Wenn du "ja" geantwortet hättest, hätte ich geschlussfolgert, dass wir wahrscheinlich völlig inkompatible Moralvorstellungen haben.
      Fragen können Aussagen nicht missverstehen, geschweige denn absichtlich. Denn Fragen sind keine Subjekte. Da ich das Subjekt der Frage war, beziehe ich deinen Kommentar auf meine Person. Und meine Person hat viel zu viel Anderes zu tun und keinerlei Interesse daran, irgendjemanden absichtlich zu missverstehen und anzugreifen (ich lese das als Vorwurf, ich würde dich angreifen). Das wäre für mich viel zu viel unnötige Arbeit, ganz abgesehen davon, dass ich das moralisch problematisch fände.
      Wenn du der Meinung bist, dass ich dich missverstanden habe, warum erklärst du mir nicht einfach, worin das Missverständnis besteht, anstatt mir böswilliges Verhalten vorzuwerfen?
      Hinter der Redewendung "in ein falsches Licht stellen" kann sich Vieles verbergen, mir ist leider nicht klar, worauf du dich beziehst, also kann ich leider nicht urteilen, ob ich deine Kritik annehmen kann.


      Surprised wrote:

      doxa wrote:

      Ich empfinde diese Aussage in diesem Kontext als hochproblematisch und diskriminierend. In der Konsequenz klingt es so, als ob du die von UP erfahrene Gewalt damit entschuldigst.
      Deine Interpretation trifft in keinster Weise zu und ich möchte, dass du solche Unterstellungen unterlässt!
      Ich verstehe auch hier nicht, warum eine Aussage nach dem Muster "Ich empfinde Aussage X als Y und Z" eine Unterstellung sein soll. Ich schreibe aus erster Person und betone meine subjektive Sichtweise durch das Verb "empfinden" schon hinreichend, finde ich. Ich schreibe nicht, dass es Fakt oder auch nur deine Absicht (die kenne ich nicht und interessiere mich auch nicht wirklich dafür) ist, die Gewalt zu entschuldigen, sondern schreibe explizit, dass ich das so empfinde und dass das so klingt. Ich kritisiere nur die Aussagen und nicht deine Person, die ich gar nicht kenne. Ist dieser Unterschied für dich relevant? Für mich ist er sehr wichtig.

      Da, wo du eine Unterstellung sieht, sehe ich also eine Meinugsäußerung und (in der Konsequenz aus dem Inhalt der Äußerung) eine Kritik. Für mich ist Kritik an sich erst mal neutral. Sie könnte ein Angriff sein, könnte aber auch nichts damit zu tun haben. Oft ist Kritik sogar ein Geschenk, weil jemand mir hilft, zu lernen und besser zu werden. Ich habe aber gerade den Eindruck, dass das für dich nicht so ist. Also erlaube ich mir noch ein paar erst gemeinte Fragen: Findest du, dass ich meine Meinung nicht äußern darf oder nur, dass ich sie hätte anders äußern sollen? Wenn ich es unterlassen soll, meine Meinung zu äußern: Liegt das daran, dass sie dir nicht gefällt? Und: Bist du der Meinung, dass du alles immer richtig machst und kein Mensch das Recht hat, das anders zu empfinden?

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