Meltdown/Shutdown als Depression

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Meltdown/Shutdown als Depression

      Hallo,

      schon häufiger habe ich mich mit den beiden Begriffen auseinandergesetzt und mich gefragt, was genau sie bedeuten.
      In letzter Zeit bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Meltdowns sich in Form von Depressionen
      äußern. Ich bekomme keine Anfälle, bin aber innerlich am Zerplatzen (Wut, Anspannung, Trauer ...),
      total verzweifelt und weiß nicht, wie ich weiterleben soll.
      Als Ursache für diese Zustände ist mir Stress aufgefallen, wobei ich mit Stress nicht per se viel Arbeit etc. meine,
      sondern allgemein Dinge, die bei mir einen für mich nicht auszuhaltenden Stress verursachen.

      Irgendwann geht es mir dann wieder besser und ich hoffe seit bald zwanzig Jahren, dass die Depression jetzt mal überwunden
      ist, aber mittlerweile frage ich mich, ob diese Anfälle jemals enden werden, da ich denke, dass sie autismusbedingt sind
      und keine richtigen Depressionen.
      (Wobei ich wahrscheinlich dazu auch noch "ein bisschen" richtig depressiv bin.

      Kann jemand etwas mit diesen Gedanken anfangen?
      Habt ihr vielleicht sogar einen Artikel zu diesem Thema gelesen?
    • Fidoline wrote:

      Als Ursache für diese Zustände ist mir Stress aufgefallen, wobei ich mit Stress nicht per se viel Arbeit etc. meine,

      sondern allgemein Dinge, die bei mir einen für mich nicht auszuhaltenden Stress verursachen.
      Mir ist das auch bei mir aufgefallen. (Hab ich auch schon mehrfach geschrieben) Ich denke, dass Gefühle, Situationen und Erinnerungen einen solchen Stress verursachen können. Also kurzgesagt, wird mir dann der mentale Stress schneller zuviel und überfordert mich. Das äußert sich auch in eine Art von Meltdown welcher, je nach Ursache, in eine depressive Phase, anstelle eines Shutdowns, führen kann. Daraus resultiert dann ein Gefühl der Hilflosigkeit, Trauer und Selbstzweifel.

      Fidoline wrote:

      aber mittlerweile frage ich mich, ob diese Anfälle jemals enden werden, da ich denke, dass sie autismusbedingt sind

      und keine richtigen Depressionen.
      Keine Ahnung ob das direkt mit dem Autismus zu tun hat. Ich denke eher, dass es eine Folge der negativen Begleitumstände, wie zb. Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Überforderung (bei mir zumindest), ist. Ich hatte im Leben auch schon Phasen in den ich glücklich und zufrieden war. In diesen habe ich mich dann aber auch nicht einsam, orientierungslos oder überfordert gefühlt. Als richtige Depression würde ich es aber auch nicht bezeichnen, obwohl die Gefühlslage die gleiche zu sein scheint. Ich fühle mich, und beschreibe mich, als depressiv. Viele Merkmale wie Antriebslisigkeit, teilweise Schmerzen (ziehen im Oberbauch) , Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit sind ja auch gegeben. Nur reicht manchmal eine Nacht, also ein Neustart des Hirn (RW), aus um mich wieder über meine Routine zu stabilisieren. In schweren Phasen kann es auch länger dauern und ich muss relativ viel Energie in die Situation stecken. Das mache ich zb. durch Planung von positiven Erfahrungen für die Zukunft (zb. Radsportveranstaltungen) so das ich in bestimmten Abständen positive Reize setze und so allmählich aus der depressiven Phase rauskomme.

      The post was edited 2 times, last by platzhalter ().

    • Fidoline wrote:

      In letzter Zeit bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Meltdowns sich in Form von Depressionen
      äußern. Ich bekomme keine Anfälle, bin aber innerlich am Zerplatzen (Wut, Anspannung, Trauer ...),
      total verzweifelt und weiß nicht, wie ich weiterleben soll.
      Als Ursache für diese Zustände ist mir Stress aufgefallen, wobei ich mit Stress nicht per se viel Arbeit etc. meine,
      sondern allgemein Dinge, die bei mir einen für mich nicht auszuhaltenden Stress verursachen.
      Also das ist eine Beschreibung, wie ich auch nicht besser hinbekommen würde. U nd damit meine ich, dass es bei mir auch sehr oft so abläuft.

      Ob das als Definition eines persönlich ausgestalteten meltdowns akzeptiert wird, weiß ich nicht.
      Ich bin nur einigermaßen Expertin für mich und nicht renommiert in Forschung und Lehre zu ASS.


      Fidoline wrote:

      ....ich hoffe seit bald zwanzig Jahren, dass die Depression jetzt mal überwunden
      ist, aber mittlerweile frage ich mich, ob diese Anfälle jemals enden werden, da ich denke, dass sie autismusbedingt sind
      und keine richtigen Depressionen.
      Wie lange halten deine so beschriebenen "Zustände" denn an?


      Ich habe auch schon die Diagnose "Depressive Störung" bekommen, ohne wirklich ausdrücklich deprimiert zu sein. (Eben eher wütend/verzweifelt/traurig/innerlich verletzt...)

      Fidoline wrote:

      Kann jemand etwas mit diesen Gedanken anfangen?
      Ich fühle da sehr mit dir, aber etwas durchschlagendes oder hilfreiches kann ich dir auch nicht mitteilen. Obwohl ich die Idee, hier im SH-Forum nachzufragen, grundsätzlich gut finde (und sie auch schon hatte).
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • platzhalter wrote:

      Keine Ahnung ob das direkt mit dem Autismus zu tun hat. Ich denke eher, dass es eine Folge der negativen Begleitumstände, wie zb. Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Überforderung (bei mir zumindest), ist.
      Das allerdings hängt ja eng mit der Situation von Autisten zusammen.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Ich werde durch länger anhaltenden Stress auch depressiv.

      Interessanterweise kommen diese depressiven Phasen oft nach Phasen, von denen ich eigentlich sagen würde, dass es gute, produktive Phasen sind.

      Ich erkläre mir das so, in diesen guten Phasen kompensiere ich sehr stark. Das merke ich teilweise gar nicht, ich bin dann wie "aufgedreht", kommunikativ, jongliere zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her und habe den Eindruck, alles im Griff zu haben und erledigt zu bekommen und auch sozial gut zu interagieren.

      Ich denke aber, dass ich in diesen Phasen wie geschrieben, stark kompensiere auf der anderen Seite und auf der anderen Seite, mit meinen Ressourcen nicht mehr richtig haushalte, weil ich nicht spüre, wie sehr mich die Überkompensation stresst.

      Und das was dann an solche Phasen anschließt ist die depressive Phase, in der ich quasi meine Ressourcen wieder aufbaue. Die depressive Phase ist eine Reaktion auf das Zuviel an Input, Kompensation, Überforderung (was ja eine gewisse Zeit gut funktioniert).

      Dieses Auf-und ab kenne ich überigens auch schon sehr lange (mehrere Jahrzehnte).

      Das einzige was mir hilft, um aus diesem Zyklus auszubrechen, ist ein strenges Management meienr Ressourecen, was mich manchmal dann auch unflexibel macht.

      Ich bin dann verunsichert, ob ich mich zurückhalten soll, weil ich weiß, dass ich Ruhe brauche, oder ob ich auf mein "Gefühl" vertrauen soll, dass ich etwas unbedingt machen möchte.
      diagn.
    • Interessantes Phänomen. Mir ergeht es ähnlich. Nach einer Woche Arbeiten bin ich in eine depressive Phase gekommen, obwohl die Arbeit erfüllend war und ich meine Stärken einsetzen konnte. Und ich wurde depressiv trotz meines Antidepressivums, das sonst sehr gut funktioniert.
      Ich kenne diese depressiven Phasen schon seit meiner Jugendzeit, brauchte aber sehr lange, um sie als wiederkehrendes Phänomen zu erkennen. Es taucht immer nach Phasen von ungewohnt starker Aktivität auf. Es ist ein richtiger "Absturz" mit Antriebslosigkeit, Selbstzweifeln, Hoffnungslosigkeit, einem Gefühl von Sinnlosigkeit. Nach ein paar Tagen ist diese depressive Phase dann wie weggeblasen. Ich fühle mich wieder normal und ausgeglichen.
      Ich finde es frustrierend, dass diese Phasen immer wiederkommen und dass ich meine Energie anscheinend immer wieder überschätze und mich deshalb inzwischen aus vielen Aktivitäten von vornherein raushalte, obwohl ich Lust dazu hätte. Ich empfinde das Ganze eher als Shutdown denn als Meltdown. Alle Energie ist plötzlich weg und ich ziehe mich zurück.

      xyberlin wrote:

      Ich erkläre mir das so, in diesen guten Phasen kompensiere ich sehr stark. Das merke ich teilweise gar nicht, ich bin dann wie "aufgedreht", kommunikativ, jongliere zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her und habe den Eindruck, alles im Griff zu haben und erledigt zu bekommen und auch sozial gut zu interagieren.

      Ich denke aber, dass ich in diesen Phasen wie geschrieben, stark kompensiere auf der anderen Seite und auf der anderen Seite, mit meinen Ressourcen nicht mehr richtig haushalte, weil ich nicht spüre, wie sehr mich die Überkompensation stresst.
      Das könnte eine gute Erklärung auch für meine depressiven Phasen sein, denn ich kann mich mit deiner Beschreibung sehr gut identifizieren.

      Ich verstehe nur nicht, wieso das trotz Antidepressivum passiert. Ich spreche meinen Doc beim nächsten Mal drauf an.
    • Fidoline wrote:

      In letzter Zeit bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Meltdowns sich in Form von Depressionen
      äußern. Ich bekomme keine Anfälle, bin aber innerlich am Zerplatzen (Wut, Anspannung, Trauer ...),
      total verzweifelt und weiß nicht, wie ich weiterleben soll.
      Genau so ist es bei mir auch oft. :cry:

      Capricorn wrote:

      Ich habe auch schon die Diagnose "Depressive Störung" bekommen, ohne wirklich ausdrücklich deprimiert zu sein. (Eben eher wütend/verzweifelt/traurig/innerlich verletzt...)
      Ich habe auch die Diagnose "Rezidivierende depressive Störung" und irgendwie passt es auch, denn es wiederholt sich ja immer wieder, und ich habe dann schon auch Symptome, die zu einer Depression passen, aber eben doch nicht zu 100%. Inzwischen denke ich auch, dass es keine wirkliche Depression ist, sondern eine Überlastungserscheinung.

      Chamäleon wrote:

      Es ist ein richtiger "Absturz" mit Antriebslosigkeit, Selbstzweifeln, Hoffnungslosigkeit, einem Gefühl von Sinnlosigkeit.
      Ja, gerade heute nach der Arbeit ging es mal wieder los, ich habe stundenlang nur geheult. x(
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Schneckentanz wrote:

      Inzwischen denke ich auch, dass es keine wirkliche Depression ist, sondern eine Überlastungserscheinung.
      Die könnten diagnostizierende Ärzte aber mittlerweile auch "lege artis" (nach den Regeln der ärztlichen Kunst) codieren und somit abrechnen.
      "Burnout" beispielsweise oder "Überlastungsreaktion" oder "Anpassungsstörung" (wobei die menschliche Natur gepriesen sei für diese Form der verweigerten "Anpassung").
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Ich finde die Idee auch sehr interessant. Ich habe nämlich die letzten Jahre tatsächlich eher weniger richtige Meltdowns, dafür aber umso mehr diese Krisen, die mich sofort depressiv werden lassen, mir auch schlimmere Gedanken bringen und mich total verzweifeln lassen. Wenn sich die Bedingungen ändern, fällt das aber recht schnell wieder weg, so das es sich rein diagnostisch auch nicht um eine Depression handelt. Aber es fühlt sich für diese Zeit eben genau so an.
    • @Chamäleon Ich nehme auch seit Jahren ein Antidepressivum und mir wurde damals erklärt dass es sozusagen eine Stütze für unser fragiles Kartenhaus ist. Das bedeutet, dass wir als Kartenhaus immernoch extrem wackeln können in schlechten Zeiten, aber das Antidepressivum sorgt dafür, dass wir nicht komplett zusammenbrechen und nicht mehr aufstehen können.
      Und ich finde das trifft es ganz gut.
    • Pummelchen wrote:

      @Chamäleon Ich nehme auch seit Jahren ein Antidepressivum und mir wurde damals erklärt dass es sozusagen eine Stütze für unser fragiles Kartenhaus ist. Das bedeutet, dass wir als Kartenhaus immernoch extrem wackeln können in schlechten Zeiten, aber das Antidepressivum sorgt dafür, dass wir nicht komplett zusammenbrechen und nicht mehr aufstehen können.
      Und ich finde das trifft es ganz gut.
      Das klingt plausibel. Ich nehme das AD noch nicht lange und anfangs wirkte es so, dass ich mich "unverwundbar" fühlte - die "Kleinigkeiten" (= blöde Situationen, die für andere Menschen nicht so schlimm wären, mich aber emotional völlig aus der Bahn warfen [RW]), waren kein Problem mehr, meine Unsicherheit in sozialen Situationen wich einem starken Selbstbewusstsein, meine Antriebslosigkeit einer regelmäßigen Produktivität. Dieser Zustand erschien mir als eine dauerhafte Wirkung des AD´s, aber es war wohl eine Art Hypomanie und es ist anscheinend doch eher so wie du beschreibst. Ist ja auch realistischer.
    • Hallo Fidoline, ich kann mich in allem was du beschreibst ganz genau wiederfinden.
      Leider denke ich dass diese durch Stress induzierten Depressionen immer wieder kommen denn man kann nicht vollkommen Stressfrei leben , oder? Es ist ja nicht nur negativer sondern auch positiver Stress der diese " Anfälle" auslöst.
      Ich bin immer wieder erstaunt dass sich die Ärzte damit gar nicht oder kaum auskennen.
      Mir sagte niemand dass wenn man im Spektrum ist derlei Probleme hat oder was Overloads und Meltdowns sind.
      Meine frühere Diagnose war immer nur " wiederkehrende Depressionen ".
    • Ich glaube man muss den Ärzten zugute halten, dass es einfach ein Krankheitsbild ist, welches neu ist und viele nicht gelehrt bekommen. Es kommt erst jetzt so langsam ins Blickfeld und mehr Ärzte interessieren sich dafür. So wird auch mehr Wissen darüber kommen, aber im Moment gehören wir eben noch zu der Generation, die selbst ihr Umfeld informieren muss.
    • Ich kenne von mir Shutdowns, jedoch keine Meltdowns. Sieht so aus, als ob ich letztere in Depression verwandle. Wobei ich spannend finde, was einige von euch weiter oben geschrieben haben. An Belastungsreaktion hatte ich nie gedacht, es passt aber eigentlich besser als Depression. Schwer zu unterscheiden, weil ich unter großer Last mich einfach schlechter gegen die schwartzen Gedanken wehren kann.
      equo ne credite
    • Bei mir wurde zuerst Anpassungsstörung, dann Burnout dann Depressive episoden schwere Phase und Verdacht auf PTBS festgestellt, ich habe aber von Anfang an Medikamente abgelehnt aufgrund meiner speziellen Situation (habe diese bei einer früheren Depression (eig auch nicht wirklich korrekt, da mit Anlass bzw Auslöser) bereits erfolglos getestet, diesmal eben wieder mit Auslöser.

      Ich denke aber auch dass Medikamente in so einem Fall, also mit Autismus maximal unterstütztend verwendet werden sollten.
      Für mich war das zb ein Riesenproblem dass ich bei einer Psychiaterin im Erstgespräch nur Fragebogen ausgefüllt hatte (die waren wirklich verheerend und ich bin da fast zusammengebrochen als ich das alles schwarz auf weiß gesehen habe, meine Antworten gebündelt).

      Aber sie wollte dann sofort, ohne das zu besprechen, und eben auch überhaupt meine Situation erfragen Medikamente verordnen, weswegen ich sofort abgebrochen habe.

      Bei mir ist es aber auch keine allgemeingültige Aussage, es ist auch keine Depression eben, so wie ihr es auch beschreibt.
      Ich habe wirklich teilweise Panikattacken bei Zeitungsberichten oder wenn ich meine Situation überdenke, ich bringe auch alles damit in Verbindung bzw ist das so extrem dass ich eigentlich permanent daran denke.


      Ich persönlich, habe auch Dyspraxie, besonders eben auch die Kleinhirnfehlbildung.
      Ich muss Gefühlt eigentlich alles bewusst machen, ebenso wie die Gedanken filtern , ich habe deshalb schon alleine extreme Bedenken, dort ein Medikament ansetzen zu lassen.

      The post was edited 1 time, last by Backnetmaster ().