Unterschiede der therapeutischen Behandlung  von Behinderungen und Erkrankungen?

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    • Unterschiede der therapeutischen Behandlung  von Behinderungen und Erkrankungen?

      Wie ich es verstehe, arbeiten ambulante Verhaltenstherapeuten hauptsächlich mit Menschen mit Erkrankungen.
      Depressionen, Ängste, Zwänge, Persönlichkeitsstörungen etc.
      Bei all den Menschen, sind die Einschränkungen erst im Laufe des Lebens dazugekommen, wenn ich es richtig verstehe.
      Das Ziel der Therapeuten besteht sicherlich darin, den alten 'gesunden Zustand' wiederherzustellen.
      So kann ich mir erklären, weshalb zu mir immer hiess, ich soll machen, wobei Therapeuten überfordert waren, wenn ich zwischenmenschlich trotzdem aneckte, von Reizüberflutung überfordert war oder so stark angespannt war, dass ich nichts mehr verarbeiten konnte und hauptsächlich Redebedarf hatte.
      Therapeuten unterbrach mich beim Reden, meinten soll kurz und knapp reden was ich schlecht kann, da ich mir aus Details, Zusammenhänge erschliesse.
      Mir zu helfen, wie ich es kann, tat niemand in der ambulanten Psychotherapie.
      Also, würde mein Spannungspegel in der Therapie immer höher, da ich auf brutal viel zu achten hatte.
      Gleichzeitig war niemand da, der für meine seelischen Probleme da war.
      Schließlich wurde ich rausgeschmissen, da ich mich wegen Konzentrationsprobleme etc nicht auf Therapie einlassen könne.
      Ablehnung, Rausschmiss, selbes Muster wie seit der Kindheit.

      Da ich als Autist, vieles noch nie konnte, wie müssen mich die Therapeuten deswegen anders behandeln, als Menschen, welche schon mal 'gesund' waren?
      Könnte mir vorstellen, dass es beim Autisten eher ums lernen geht, wie er mit seinen Themen besser umgehen kann.
      Sind die ambulanten Therapeuten auf Behandlung von Behinderungen überhaupt geschult?
      Mir kommt es nicht vor.

      In der Psychosomatischen Klinik, wo ich mich gut verstanden fühle und wo ich in den letzten Jahren Gestalttherapeuten bekam, sind auch Schmerzpatienten, etc, wo es drum geht mit ihrer Thematik bestmöglich umzugehen und sich nicht so zu verhalten wie 'normale Menschen' .
      Siehe.
      dr-reisach-kliniken.de/psychosomatische-stoerungen.html

      Könnte mir vorstellen, dass diese Patientengruppen, ausserhalb der psychosomatischen Klinik, auch mit der ambulanten Psychotherapie überfordert sind, sollten sich die Therapeuten, mit den Themen dieser Patientengruppen nicht auskennen und ihr xy Programm durchziehen.
      Wie sieht Ihr es, wie erfährt ihr es?

      Herzlichen Dank.
      L. G. Daniel :thumbup: :thumbup:

      The post was edited 5 times, last by Daniel1 ().

    • Daniel1 wrote:

      Wie ich es verstehe, arbeiten ambulante Verhaltenstherapeuten hauptsächlich mit Menschen mit Erkrankungen.
      Bzgl. Entwicklungsstörungen gibt es eher Erfahrungen und Leitlinien in der Ergotherapie.
      Dort gibt es auch Sozialtraining, man bringt bei, wie man den Alltag strukturiert und hilft mit dem Umgang von Hilfen und Hilfsmitteln etc.
      Und Ziel dort ist auch zu lernen mit den Einschränkungen umzugehen.

      Solange also für mich keine Komorbiditäten dazu kommen, wie Depression oder Zwangsstörung, die man in einer Psychotherapie therapiert fühle ich mich da auch nicht so passend aufgehoben in einer Psychotherapie.

      Daniel1 wrote:

      Sind die ambulanten Therapeuten auf Behandlung von Behinderungen überhaupt geschult?
      Die Wortwahl haut nicht hin. Ne Depression, die länger als 6 Monate anhält ist auch ne Behinderung.
    • Daniel1 wrote:

      Das Ziel der Therapeuten besteht sicherlich darin, den alten 'gesunden Zustand' wiederherzustellen.
      Das Ziel bzw. die Ziele einer Psychotherapie sollten zu Beginn von Klient und Therapeut gemeinsam aufgestellt werden. Zwischendurch sollten diese Ziele überprüft und ggf. angepasst werden. Oft geht es um das Verstehen - wie kam es zu der Depression und dann um Verhaltensänderung - wie komme ich da wieder heraus und wie bleibe ich da draußen (um nur mal eins von vielen Beispielen zu nennen). Ich würde sagen, es geht eher um einen neuen Zustand, mit dem es einem möglichst gut geht.

      Daniel1 wrote:

      Mir zu helfen, wie ich es kann, tat niemand in der ambulanten Psychotherapie.
      Vielleicht ist Psychotherapie nicht der richtige Ansatz für dich. @MangoMambo hat ja schon Ergotherapie erwähnt, das fiel mir auch direkt ein. Sich nicht kurz, knapp, strukturiert, nachvollziehbar ausdrücken zu können, soll bei Autisten häufiger vorkommen, ein "normaler" Psychotherapeut kennt sich damit wahrscheinlich nicht ausreichend aus, um dir da zu helfen.

      Daniel1 wrote:

      Schließlich wurde ich rausgeschmissen, da ich mich wegen Konzentrationsprobleme etc nicht auf Therapie einlassen könne.
      Eine Therapie fortzuführen, wenn jemand sich nicht darauf einlassen kann, wäre nicht gut. Da finde ich es besser, wenn ein Therapeut ehrlich ist und rückmeldet, dass es so kein Weiterkommen gibt und er auch nicht weiß, wie er dir helfen kann.
      Nicht jede Therapie(methode) greift bei jedem. Es gibt Anforderungen nicht nur an den Therapeuten, sondern auch an den Klienten - sich auf das Gespräch konzentrieren zu können gehört z.B. dazu.

      Daniel1 wrote:

      Sind die ambulanten Therapeuten auf Behandlung von Behinderungen überhaupt geschult?
      Jeder Therapeut hat Schwerpunkte. In der Therapiemethode und in den Krankheitsbildern bzw. Diagnosen. Autismus bei Erwachsenen ist leider nur wenig bekannt - sonst würden nicht so viele Autisten jahrelang (erfolglos) zur Therapie gehen, ohne auch nur als Autisten erkannt zu werden.

      Daniel1 wrote:

      hauptsächlich Redebedarf hatte.
      Um das aufzufangen ist eine Psychotherapie tatsächlich nicht gedacht. Die wäre dazu gedacht, so einen Redebedarf zu hinterfragen und einen anderen Umgang damit zu finden (falls von dir gewünscht). Wobei man natürlich grundsätzlich viel redet in einer Therapie, aber dabei eben bei einem Thema bleibt und guckt, wie man Störendes/Krankmachendes/Behinderndes verändern kann - und auch auf Nachfragen des Therapeuten reagiert. Jedesmal hinzugehen, den Redebedarf durch Reden für den Moment abzubauen und dann beim nächsten Termin mit neuem Redebedarf dazusitzen, ohne mittelfristig zu einer Veränderung zu kommen, ist nicht der Sinn einer Therapie, auch wenn es dir gut tut. Da müsste man gucken, wo sonst du diesen Redebedarf ausleben kannst.
      Zur Zeit abwesend.
    • Daniel1 wrote:

      hauptsächlich Redebedarf hatte.
      Da wäre eine Seelsorge evtl. auch eher zuständig als eine Therapie oder eine Beratung oder Selbsthilfegruppe.

      Mya wrote:

      Um das aufzufangen ist eine Psychotherapie tatsächlich nicht gedacht. Die wäre dazu gedacht, so einen Redebedarf zu hinterfragen und einen anderen Umgang damit zu finden
      Genau so ist das.
    • Daniel1 wrote:


      Ablehnung, Rausschmiss, selbes Muster wie seit der Kindheit.

      Da ich als Autist, vieles noch nie konnte, wie müssen mich die Therapeuten deswegen anders behandeln, als Menschen, welche schon mal 'gesund' waren?
      Könnte mir vorstellen, dass es beim Autisten eher ums lernen geht, wie er mit seinen Themen besser umgehen kann.
      Sind die ambulanten Therapeuten auf Behandlung von Behinderungen überhaupt geschult?
      Mir kommt es nicht vor.
      Ich würde sagen, die meisten Therapeuten gehen davon aus, dass ein Mensch eines gewissen Alters Dinge, die von einem Menschen diesen Alters erwartet werden, auch kann. Fehlen diese "Basics", dann stimmt die Grundannahme der Therapeuten nicht.


      Ich hatte vor einigen Wochen einen Traum, ich wäre wieder zurück in der Grundschule. Meine Deutung -> Um nachzuholen, was ich in meinem tatsächlichen Grundschulalter nicht gelernt habe bzw. nicht lernen konnte. Und da ich in diesem Traum (soweit ich mich erinnern kann) nur mich selbst, aber weder andere Schüler noch Lehrer gesehen hab, soll das wohl bedeuten: Ich muss mich selbst unterrichten...


      Ich bin jetzt fast 5 Jahre und 90 Therapiestunden bei meiner Therapeutin, ein paar bewilligte Stunden hab ich noch. Und erst in den letzten Monaten wird mir nun so langsam bewusst, wie komplex die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Problempunkten sind. Ich würde behaupten, dass dies auch für viele Therapeuten zu komplex ist, weil sich im Laufe von Jahrzehnten die Probleme ineinander verzahnen.

      MangoMambo wrote:

      Daniel1 wrote:

      hauptsächlich Redebedarf hatte.
      Da wäre eine Seelsorge evtl. auch eher zuständig als eine Therapie oder eine Beratung oder Selbsthilfegruppe.

      Mya wrote:

      Um das aufzufangen ist eine Psychotherapie tatsächlich nicht gedacht. Die wäre dazu gedacht, so einen Redebedarf zu hinterfragen und einen anderen Umgang damit zu finden
      Genau so ist das.

      Würde ich nicht unbedingt so sehen. Klar ist eine Therapie kein "Kaffeeklatsch", aber "Redebedarf" kann man sehr unterschiedlich interpretieren. Ich glaube nicht, dass es Daniel da um "Geplausche" geht. Reden kann ja auch helfen, den Umfang der eigenen Probleme besser zu erfassen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Problemen zu erkennen.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • thelord wrote:

      "Redebedarf" kann man sehr unterschiedlich interpretieren.
      Das denke ich auch. Ich weiß nicht inwieweit das bloße Reden helfen darf bei einer Psychotherapie und inwieweit stattdessen oder darüberhinaus eine Veränderung oder ein Veränderungsversuch stattfinden muss um die Therapie zu rechtfertigen. (Bezüglich meiner eigenen wegen-Corona-noch-nicht-stattfindenden Therapie frage ich mich ob mein Ziel als Patient, nämlich Unterstützung in einer Lebenskrise (oder "Redebedarf") kompatibel sein wird mit dem Wünsch des Therapeuten, der Einrichtung und der Krankenkasse mich als krank einstufen zu können und von Krankheit zu heilen). Was Daniel1 vielleicht haben möchte ist hauptsächlich Unterstützung in Form von Gesprächen weil er das Leben schwer findet und Unterstützung braucht, und nicht Heilung von einer Krankheit.

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      Unbewohnte Insel wrote:

      thelord wrote:

      "Redebedarf" kann man sehr unterschiedlich interpretieren.
      Das denke ich auch. Ich weiß nicht inwieweit das bloße Reden helfen darf bei einer Psychotherapie ...
      Ich meine, man könnte "Redebedarf" so "übersetzen": Ziel ist, ein mögliches Therapieziel in Worte zu fassen, um es dann bearbeiten zu können.
      Ich habe die Erfahrung gemacht (als nicht-Psychologe in einer Beratungsstelle), dass das Thema am Anfang überhaupt noch nicht formuliert sein muss. Trotzdem haben die Leute, grade wenn sie mit Wörtern nicht so umgehen können, schon ein Gefühl dafür, was sie wollen, auch wenn sie es nicht hinschreiben können.
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      Ich stimme MangoMambo und Mya zu. Ich kenne mich vor allem mit verhaltenstherapeutischer Psychotherapie aus. Meine Gedanken dazu: Das Ziel einer amb. PT ist laut Richtlinien nicht unbedingt, zu "heilen"; auch eine relative Verbesserung der Bewältigungsstrategien (von Behinderungen oder chronischen Beschwerden), eine Reduktion komorbider Erkrankungen oder Folgebelastungen (z.B. Depression, Ängste, Zwangsstörungen) oder eine Verbesserung der Lebensqualität zur Vermeidung weiterer krankheitswertiger Symptome kann das Ziel sein. (Für die Bewilligung der Krankenkasse ist aber zumindest die Darstellung einer gering ausgeprägten Krankheitssymptomatik nötig. Manche Therapeuten sind auch etwas kreativ in der Darstellung, um eine sinnvolle Therapie zur Prophylaxe zu beantragen, denn die Krankenkassen bewilligen keine prophylaktischen Behandlungen.) In der Verhaltenstherapie kann sowohl die Sitzung selbst dazu da sein, Interaktonsverhalten oder andere Denkmuster, Strategien, etc. zu erproben, oder die Sitzung wird zur Nachbesprechung oder Vorbereitung von Situationen/Konstellationen im "echten" Leben genutzt. Natürlich können auch biografische Zusammenhänge und Problemverzahnungen betrachtet werden.
      Ich würde sagen, dass moderne Verhaltenstherapeuten da ziemlich flexibel sind, sich an das Ausgangniveau und den Bedarf des Patienten anzupassen. (Natürlich ist das Erkennen der autistischen Symptomatik und Wissen darüber wichtig, um nicht am "falschen Ende" (RW) zu behandeln.) Andererseits denke ich auch, dass wenn es mehr um Kompensation der Einschränkungen geht, Ergotherapie manchmal die bessere Wahl ist.