Würde sich etwas ändern? (Diagnose)

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    • Würde sich etwas ändern? (Diagnose)

      Meine Eltern verstehen überhaupt nicht, dass ich absolut kein geselliger Mensch bin und erwarten immer, dass ich mich stark anpasse bzw. sehen mein Verhalten als mangelnde Wertschätzung oder Abweisung an. Ich kann gar nicht verstehen, wie sie zu dieser Annahme kommen, denn ich finde es z.B auch nicht schlimm, wenn mein Vater nichts mit mir unternehmen möchte. Dann mache ich eben was allein. Wo ist das Problem? Meine Eltern verbinden Oberflächlichkeiten (vergessen den Müll rauszubringen, sich einen Tag lang im Zimmer zurückziehen) sofort damit, dass ich sie nicht schätze oder liebe, aber ich verstehe den Zusammenhang nicht. Wenn jemand lieber allein sein will, bedeutet das doch nicht dass er mich deshalb nicht leiden kann oder ich etwas falsches gemacht habe. Und wenn jemand den Müll nicht rausgebracht hat ist er eben faul, vergesslich, unzuverlässig etc. Aber mit unserer Beziehung hat das für mich gar nichts zu tun. :shake:


      Meine Eltern sind definitiv keine Autisten, ehrlich gesagt habe ich mich mit Ihnen auch noch nie gut verstanden. Mein Vater ist sehr extrovertiert und will mich überall hinschleppen (Partys, Messen etc.) Ich hasse aber laute Musik, Menschenmengen und Alkohol (Ja, er will sogar dass ich Alkohol trinke!) Leider akzeptiert er meine Art überhaupt nicht und nennt mich Spielverderberin, Spießerin, Angsthase und wirft mir vor ihn im Stich zu lassen. Er ist auch ein Fan von Smalltalk, während ich lieber tiefgründige Gespräche führe. Dementsprechend kann ich mit ihm überhaupt nicht reden :shake:
      Meine Mutter ist so oberflächlich, dass ich mich mit ihr auch überhaupt nicht unterhalten möchte. Sie interessiert sich für Männer, Schminke, Promis und so einen Mist. Außerdem ist sie interessierter an meinem Make-Up und meinen Klamotten als an meiner Person.
      Fakt ist, dass meine Eltern mich nicht so akzeptieren wie ich bin und der Meinung sind, dass ich viele Dinge mit Absicht mache (z.B meinen sie, dass ich oft für mich allein sein will, weil ich kein Interesse an meiner Familie habe usw.)
      Das stimmt natürlich überhaupt nicht! Nur habe ich das Gefühl, dass ich besser mit einer Wand reden kann als mit meinen Eltern.
      Wenn ich ein Thema anspreche welches mich interessiert wird mir nicht zugehört oder meine Vorschläge etwas ruhiges zu unternehmen werden für spießig erklärt :m(:

      In der Schule wurde ich auch nie verstanden. Beispielsweise haben die Lehrer nicht nachvollziehen können, dass ich im Unterricht aufgrund der Reizüberflutung nur geträumt und unter Kopfschmerzen gelitten habe. Die haben dann entweder gedacht, dass ich generell überfordert mit der Schule bin, obwohl ich sogar in vielen Fächern intellektuell unterfordert war oder sind davon ausgegangen, dass ich mich ja mit Absicht so verhalten würde bzw. simuliere.
      Als ich die Schule aufgrund von Mobbings mit 12 Jahren verweigert habe, wurde ich mit Gewalt (ich wurde von zwei Sozialpädagogen am Arm gezogen) bis ins Klassenzimmer gezerrt und die Tür wurde abgeschlossen, damit ich nicht abhauen kann. In der Pause wurde ich dann in einen kleinen Raum eingesperrt. Das war für mich die Hölle :shake:
      Die Schule habe ich dann natürlich nicht mehr besucht, sondern aufgrund dieses Erlebnisses Suizidgedanken entwickelt. Aus diesem Grund kam ich in eine Jugendklinik. Dort bekam ich dann die Diagnose „Bindungsstörung“ und „schizotype Persönlichkeitsstörung“. Im Nachhinein frage ich mich wirklich welcher Vollidiot mir solche Fehldiagnosen aufgedrückt hat. Da sieht man ja schon wieder, dass selbst die Psychologen einen nicht verstehen! Wahrscheinlich sind die so blöd und gehen davon aus, dass Asperger bei Mädchen kaum vorkommt, denn auf AS getestet wurde ich nicht. Das finde ich im Nachhinein absolut unverständlich, denn wenn man mich schon auf jeden Mist getestet hat, hätte man mich auch auf Asperger testen können.
      Natürlich bekam ich dann auch aufgrund meiner Symptomatik Quitiapin verschrieben, welches erst ab 18 zugelassen ist. Aber man dachte sich wohl, dass man an einer 13 jährigen super rumexperimentieren kann.
      Jedenfalls hat sich durch das Medikament nichts geändert, da mein Problem immer mein Umfeld darstellte, welches nicht für mich geeignet war. Ich finde es einfach nur ekelhaft, dass man versucht Jugendliche die anders sind mit starken Medikamenten so zu präparieren, dass sie ins System passen. Durch das Medikament habe ich absolut gar nichts mehr gefühlt und war total neben mir.
      Meine Familiengeschichte ist auch generell eine absolute Katastrophe (Trennung meiner Eltern, 10 Umzüge in 10 Jahren weswegen ich gegen meinen Willen ständig die Schule wechseln musste, Alkoholabhängigkeit meines Vaters, Spielsucht meines Vaters und damit verbunden Armut und Geldsorgen,Vernachlässigung, Misshandlung, Inobhutnahme durch das Jugendamt, Tod meiner Oma)
      Für jemanden der vermutlich AS hat und dazu noch in der Schule gemobbt wird super Voraussetzungen!


      Nun bin ich 18 und frage mich, ob ich mich auf AS testen lassen sollte. Ich habe irgendwie meinen Realschulabschluss mit einem Einserschnitt gemacht und bin auch sehr stolz darauf. Wenn man von anderen wenig Unterstützung und Liebe bekommt muss man sich eben doppelt so viel selbst lieben und das ist bei mir der Fall. Ich finde mich gut so wie ich bin und habe keine Lust so oberflächlich, unfreundlich und langweilig wie andere zu sein. Das wertvollste in meinem Leben bin ich selbst und nichts anderes. :d Jetzt strebe ich das externe Abitur an, das heißt ich bereite mich als Nichtschüler selbständig darauf vor. Ich bin optimistisch, dass ich das auch schaffe werde. Natürlich habe ich auch soziale Schwierigkeiten, aber ehrlich gesagt würde ich lieber mein Umfeld ändern und nicht mich. Und wenn das eben nicht geht, dann ecke ich halt einfach an. Ich bin dankbar dass ich sonst gesund bin.
      Soll ich mich auf Asperger testen lassen? Es treffen so gut wie alle Diagnosekriterien auf mich zu und in den Internettests kommt auch immer raus, dass ich ein Aspie bin. Ich weiß aber nicht ob meine Eltern mich dann plötzlich verstehen würden. Ich würde mir mehr Verständnis wünschen.
    • Vielleicht klingt das arrogant, aber ich bin einfach mehr als froh darüber, dass ich mich gut und richtig fühle, vor allem WEIL mir immer vermittelt wurde, dass ich mich anpassen soll und nicht richtig bin.
      Arrogant und ekelhaft sind die Menschen, welche der Meinung sind, dass Menschen in ein bestimmtes Schema passen müssen, am besten in ihr persönliches Schema. Man kann sich weder Kinder noch Musterschüler backen.
      Selbstachtung, Selbstakzeptanz und Selbstliebe sind meiner Meinung nach wichtig und ich halte daran fest.
    • Ich würde mich testen lassen wenn ich in einigen Bereichen Hilfe benötige welche ich dann durch die Diagnose in Anspruch nehmen kann. Manchmal hilft es auch Mitmenschen alles etwas besser zu verstehen aber auch bei mir gibt es leider Verwandte die denken sie wissen alles besser obwohl die sich über Autismus gar nicht richtig informiert haben sondern nur Klischees kennen und mich dann kritisieren weil ich ja so kindisch und angeblich unmöglich bin.

      Ich fand es teilweise sehr traurig deine Geschichte zu lesen da ich zum Beispiel früher in der Schule auch Probleme hatte und einige Dinge in der Kindheit passiert sind.
    • Da du 18 bist, würde ich an deiner Stelle die Diagnostik so schnell wie möglich durchlaufen. Aus eigener Erfahrung wird es sehr (!) viel schwieriger Leistungen wie Therapien zu finden und Kostenträger dafür zu finden, sobald man nicht mehr unter "kinder und jugendliche" fällt. Selbst mit offizieller Diagnose nicht.
      FairerWeise muss ich aber auch sagen, dass die Therapie und Diagnistik sich im erwachsenen alter für die Therapeuten schwerer gestalten. In deinem Fall scheint hinzuzukommen, dass du auch für NT Verhältnisse in sehr belastendem Umfeld aufgewachsen bist. Das lenkt den Verdacht der Klinikärzte erst einmal auf andere Diagnosen. Ein Autismus Experte kann das aber differenzieren, wenn er nicht total inkompetent ist. Viele Autisten sind in vergleichsweise angenehmen familiären Verhältnissen aufgewachsen, sodass die vorhandenen Probleme für erfahrene Klinikärzte besonders auffällig sind, da in dem Schweregrad dafür die üblichen Auslöser zu fehlen scheinen.

      The post was edited 2 times, last by tr909 ().

    • Denk vorher daran dass das Aspergersyndrom eine tiefgreifende Entwicklungsstörung ist. Wenn man Asperger diagnostiziert bekommt wird man (von der Begrifflichkeit her) selber als gestört gestempelt und nicht die Umgebung. Wenn du durch eine Diagnose auf mehr Verständnis hoffst seitens deiner Umgebung (Familie) dann könntest du enttäuscht sein, weil das Verständnis kommen würde in Gestalt von einem Verständnis für dich als Gestörte. Deine Familie wären die Normalen und du die Gestörte, was, von dem zu beurteilen was du geschrieben hast oben, das genaue Gegenteil wäre von dem was du auf einer emotionalen Ebene erreichen willst, nämlich mehr Akzeptanz und Anerkennung deiner Art zu sein. Falls du gleichwertig aber anders sein willst als deine Eltern kannst du das ohne Asperger Diagnose besser erreichen, glaube ich. Dann bist du immer noch innerhalb des ungestörten Vielfalts des Menschlichen.

      The post was edited 2 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Du musst von Deiner Diagnose ja nix erzählen.

      Helfen wird die Diagnose Dir, denn in so jungen Jahren kannst Du von den Hilfsangeboten und Nachteilsausgleichen etc sehr profitieren, auf die Du dann Anspruch hast.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Hallo Maja.010
      lasse Dich unbedingt testen!
      Ich bin selber eine Aspiene und habe einen 11-jährigen Sohn, der auch ein Asperger ist. Mein Autismus wurde leider erst mit 49 diagnostiziert - auch nur weil ich selber den Verdacht hatte und mir selber Fachleute gesucht hatte, die kompetent diagnostizieren konnten. (Einer Therapeutin gegenüber äußerte ich den Verdacht eine leichte Autistin zu sein. Ihre Antwort: Nein, ich könne doch über mich selber reden... :evil: :evil: :evil: )
      Durch die späte Diagnose und die fehlende Unterstützung ist in meinem Leben viel falsch gelaufen - heute bin ich frühverrentet und habe chronische Depressionen. Ich bin überzeugt, dass es mir heute besser ginge, wenn ich früher davon erfahren hätte.

      Meinem Sohn wurde in einer Tagesklinik die Diagnose verweigert, weil man ihm "... die lebenslange Diagnose..." nicht geben wollte. Stattdessen wollte man an ihm immer neue Medikamente wie Ritalin und Co testen, weil er ein reiner ADS-ler sei. :evil: :evil: :evil: Auch bei ihm musste ich selber kompetente Fachleute suchen, die diagnostizieren konnten.

      Leider haben ihn andere Schüler immer wieder als Mobbingopfer auserkoren, so dass er derzeit erhebliche psychische Probleme hat. Durch die Diagnose geht er mittlerweile zu einer speziellen Autismustherapie im nächsten ATZ. Dies hilft ihm sehr - auch wenn er trotzdem noch viele Probleme hat. Und er hat dort einen echten Freund gefunden :d

      Durch unsere Diagnosen, kann ich an Selbsthilfegruppen von Betroffenen bzw. Eltern teilnehmen - wenn Du eine gute findest, gibt es dort gute Tipps. Manchmal tut es auch nur gut, wenn einem jemand verständnisvoll zuhört und nicht mit diversen Attributen abstempelt.

      ES gibt (leider nur selten) Psychiater und Therapeuten, die sich mit Aspergern auskennen. Mit einer Diagnose bekommst Du dort leichter einen Termin. Außerdem gibt es spezielle Berufsberatungen für Autisten, die möchte ich Dir dringend empfehlen!!! :nod: Ein geeigneter Beruf / Arbeitsplatz ist so wichtig!!! (Mein falscher Beruf hat mich kaputt gemacht.)

      Meine Tipps an Dich:
      1. Suche Dir zur Diagnostik jemanden, der wirklich Ahnung davon hat weibliche Asperger zu testen. Meist hellfen Selbsthilfegruppen oder ein ATZ in deiner Nähe gerne weiter.
      2. Bereite Dich auf die Testung vor. Ein Beispiel von mir: Die Frage des Psychiaters: "Hat Ihnen in den letzten Wochen jemand gesagt, dass sie etwas sehr hart oder ungemessen formuliert hätten?" Meine Antwort: "Nein." Wieder zu Hause konnte ich Laufe der nächsten Tage erkennen, dass dies eine Frage von Neurotypischen war. So rief ich in der Praxis an und sagte, dass ich das sehr wohl kenne, aber nicht in den letzten Wochen, weil ich mittlerweile sehr wenige Kontakte zu anderen Menschen habe. Eine solche Erfahrung sei halt schon ein paar Monate her. Es stellte sich raus, dass das wichtig für die Diagnose war. An einigen Fragen, des Intelligenztestes bin ich gescheitert, weil ich mir autismusbedingt keine Namen merken kann. Die Fragebögen wurden von Neurotypischen gemacht! Vielles ist für Asperger missverständlich.

      Ich finde es toll, wie Du zu Dir selber stehst :thumbup: :thumbup: :thumbup: . Ich wünschte mein Sohn hätte etwas davon. Dass Deine Eltern so handeln, wie Du es beschreibst, muss nicht heißen, dass sie keine Asperger sind. Meine handelten ebenfalls so. Heute bin ich überzeugt, dass sie auch Asperger waren. Sie konnten mich autismusbedingt nicht wahrnehmen und haben mir die "Techniken" vermittlen wollen, mit denen se durchs Leben kamen.

      Meine Fragen an Dich: Du schreibst, dass Du ein externes Abitur machen willst. Mein Sohn unterliegt noch der Schulbesuchspflicht und es macht ihn derzeit kaputt. Ich suche nach Wegen ihn zumindest zeitweise über das Internet beschulen zu lassen. Wo willst das externe Abitur machen? Brauchst Du dafür Genehmigungen, Gutachten, etc.?
      The worst thing you can do is nothing.
      Temple Grandin
    • Hallo Maja.010,
      deine bisherige Geschichte klingt sehr traurig. :( Aber ich meine auch herauslesen zu können, dass eine Menge Kraft in dir steckt, um deinen weiteren Lebensweg positiver für dich zu gestalten.

      Maja.010 wrote:

      Als ich die Schule aufgrund von Mobbings mit 12 Jahren verweigert habe, wurde ich mit Gewalt (ich wurde von zwei Sozialpädagogen am Arm gezogen) bis ins Klassenzimmer gezerrt und die Tür wurde abgeschlossen, damit ich nicht abhauen kann. In der Pause wurde ich dann in einen kleinen Raum eingesperrt. Das war für mich die Hölle
      Die Schule habe ich dann natürlich nicht mehr besucht, sondern aufgrund dieses Erlebnisses Suizidgedanken entwickelt. Aus diesem Grund kam ich in eine Jugendklinik. Dort bekam ich dann die Diagnose „Bindungsstörung“ und „schizotype Persönlichkeitsstörung“. Im Nachhinein frage ich mich wirklich welcher Vollidiot mir solche Fehldiagnosen aufgedrückt hat.
      Das klingt so, als hättest du sehr, sehr wenig Unterstützung erfahren in der Mobbingsituation. Mobbing an sich ist schon übel, und wenn dir weder von deinen Eltern noch von den Sozialpädagogen Hilfe zuteil wurde (von den Sozialpädagogen sogar das Gegenteil davon), dann trägt man ziemlich sicher seelische Narben davon. "Bindungsstörung" heißt ja überhaupt nicht, dass mit dir irgendetwas falsch ist, sondern im Gegenteil, dass die engen Bezugspersonen es nicht geschafft haben, zu dir eine stabile, liebevolle und unterstützende Beziehung aufzubauen, und dass dir das geschadet hat.

      Maja.010 wrote:

      Meine Familiengeschichte ist auch generell eine absolute Katastrophe (Trennung meiner Eltern, 10 Umzüge in 10 Jahren weswegen ich gegen meinen Willen ständig die Schule wechseln musste, Alkoholabhängigkeit meines Vaters, Spielsucht meines Vaters und damit verbunden Armut und Geldsorgen,Vernachlässigung, Misshandlung, Inobhutnahme durch das Jugendamt, Tod meiner Oma)
      Auch deine Familiengeschichte weist in die Richtung, dass die Bindungsstörung nicht völlig "aus der Luft gegriffen" ist: Vernachlässigung und Misshandlung führst du explizit auf, das sind die klassischen Ursachen für eine Bindungsstörung.

      Es ist natürlich trotzdem möglich, dass du das Asperger-Syndrom hast, es ist nur wesentlich schwerer festzustellen. Vielleicht gab es ja eine Zeit in der frühen Kindheit, in der im Elternhaus noch alles "in Ordnung" war, und du dennoch schon in der Richtung auffällig warst. Das würde für das Auseinanderdröseln der Ursachen sicher helfen.

      Maja.010 wrote:

      Meine Eltern verbinden Oberflächlichkeiten (vergessen den Müll rauszubringen, sich einen Tag lang im Zimmer zurückziehen) sofort damit, dass ich sie nicht schätze oder liebe, aber ich verstehe den Zusammenhang nicht. Wenn jemand lieber allein sein will, bedeutet das doch nicht dass er mich deshalb nicht leiden kann oder ich etwas falsches gemacht habe. Und wenn jemand den Müll nicht rausgebracht hat ist er eben faul, vergesslich, unzuverlässig etc. Aber mit unserer Beziehung hat das für mich gar nichts zu tun.
      Du bist 18, richtig? Deine Eltern und du, ihr seid in einem Ablösungsprozess begriffen. Teenager sind selten in der Lage, ihren Eltern Liebe und Wertschätzung zu zeigen, das ist als Teenager auch nicht dein Job. ;) Ich halte es auch für seltsam, wenn dein Vater erwartet, seine 18-jährige Tochter solle ständig etwas mit ihm unternehmen (auch wenn es nett gemeint sein mag, und er vielleicht bindungstechnisch etwas wiedergutmachen will).

      Wenn sich das Zusammenleben sehr schwierig gestaltet, ist eventuell eine betreute Jugend-WG eine Möglichkeit für dich, dort auszubrechen. Einem Freund von mir hat das sehr viel gebracht. Mit Anfang 20 hat er sich dann wieder sehr gut mit seiner Mutter verstanden, wohingegen es mit 16 katastrophal war. Er hat in der WG neue Freundschaften geschlossen, und mit einem der Sozialpädagogen kam er so gut aus, dass dieser ihm noch Jahre später bei der Wohnungssuche und beim Umzug geholfen hat.

      The post was edited 3 times, last by Turtle ().

    • Maja.010 wrote:

      Nun bin ich 18 und frage mich, ob ich mich auf AS testen lassen sollte.
      Wenn du Unterstützung durch Nachteilsausgleiche willst und brauchst, dann auf jeden Fall, grade fürs Abi hätte ich das gebrauchen können. Prüfungen alleine Schreiben, Studienassistenz oder Schulbegleitung, mehr Zeit bei Prüfungen, betreutes Wohnen, Unterstützung bei Arztbesuchen und Anträgen beim Amt etc.

      Also wenn du Funktionseinschränkungen im Alltag hast kann ich es dir nur empfehlen.
    • FruchtigBunt wrote:


      bunte Hexe wrote:

      Ich bin selber eine Aspiene
      8o Ich dachte "Aspie" wäre schon der geschlechtsneutrale Begriff.
      ja, dachtest Du... was Du nicht gedacht hast, ist dass jeder seinen eigenen Begriff dafür verwenden darf. So wie wir Forensprech haben (reparisieren, ... Naja, jedenfalls gibts da sogar n eigenen Fred zu!)
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Chch wrote:

      was Du nicht gedacht hast, ist dass jeder seinen eigenen Begriff dafür verwenden darf.
      Ich bezweifle das Fruchtigbunt denkt das man nur den Begriff Aspie benutzen darf.

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      Zum eigentlichen Thema:

      Ich bin mir ziemlich sicher das sich mit der Diagnose einiges verändert.
      Vorrausgesetzt man bekommt sie und nicht eine andere. Dann verändert sich auch was, aber das ist ja nicht die Frage hierzu.

      1. verändert sich vermutlich dein eigener Blick auf dich selbst. Selbst wenn du schon vermutest das du AS hast. Es kann passieren, das man sich mit der Diagnose bestätigt fühlt und anders mit sich selbst umgeht. Mir hat es zum beispiel geholfen sicherer im Umgang mit anderen zu werden, weil ich jetzt sicherer sagen kann und begründen kann was mit mir ist, falls das mal nötig sein sollte. Das hat mir bislang auch eher weiter geholfen anstatt geschadet, aber es kommt auch sehr darauf an was für Ziele man verfolgt.
      2. deine möglichkeiten verändern sich. Wenn du in manchen lebensbereichen Probleme hast, gibt es mit der Diagnose eher Menschen die dir glauben das du Hilfe brauchst. Wenn du dazu was beantragen musst, kann es auch hilfreich sein, wenn du einen Schwerbehindertenausweis hast. Den bekommt man ohne Diagnosen diverser Leiden sowiso nicht bzw die Chancen sind verschwindend gering. Die Diagnosen sind da selbst unwichtig, aber die Begutachter beim Amt können dann die Ärzte anschreiben die die Diagnosen gegeben haben, die müssen denen dann einen bericht schreiben wo sie erklären was dir Probleme im Alltag und Beruf bereitet.
      3. was dein soziales Umfeld anbelangt, kann da echt alles passieren. Manche haben schon angedeutet, das die Eltern dich als krank ansehen, denn oft werden Aussagen von Ärzten selten in Frage gestellt, anders als wenn man es selbst von sich "behauptet". Das ist mir damals auch passiert als ich noch bei meinem Vater und seiner heutigen Frau lebte. Bevor ich irgendwelche Diagnosen hatte, haben sie mich ähnlich behandelt wie dich, mit dem Unterschied das noch heftige Beleidigungen hinzu kamen, vonwegen ich wäre geisteskrank, gestört, nichtsnutzig und unterentwickelt. Als ich dann mit 13 die AS-diagnose bekam, meinten sie auf einmal das ich ja nichts dafür kann und behindert bin. Ich durfte immernoch sehr vieles nicht tun was ich hobbymäßig mochte und meine Interessen waren, aber es wurde wenigstens nicht mehr behauptet das ich alles mit absicht machen würde oder sowas. Gleichberechtigt war ich bei denen von anfang an nicht.
      Das was du von deinen Eltern beschreibst (Oberflächlich, wollen das man sich für typischen Jugendkram interessiert, Guilttripping vonwegen man liebt die anderen nicht weil man sich zurück zieht) habe ich 1:1 genauso bei denen erlebt.
      Ich könnte mit solchen menschen nicht zusammen leben, hat ja damals schon nicht funktioniert, ich war depressiv, suizid gefährdet und kam in ein Heim wenige Monate später.
      Ich habe mich selbst vom Charakter her auch nie als falsch empfunden auch wenn ich heute erkenne das ich nicht immer geschickt war oder alles richtig entschieden habe und weiß das mein Verhalten andere teilweise ungewöhnlich bis eigenartig finden.
      Lieber ist es mir wenn Leute mich darauf aufmerksam machen und neugierig sind und es verstehen möchten, dann kann man darüber sprechen, aber Leute die keine Ahnung haben und einen deswegen gleich blöd finden brauche ich in meinem leben nicht.
      Ich vermute deine Einstellung ist ähnlich, weil du geschrieben hast, das du dich selbst nicht als falsch siehst, und dich eher von anderen zurück ziehst, wenn sie dir so begegnen.
      Ich denke dein Instinkt sagt dir schon auf diese Weise wer gut für dich ist und wer nicht.
    • Maja.010 wrote:

      Meine Familiengeschichte ist auch generell eine absolute Katastrophe (Trennung meiner Eltern, 10 Umzüge in 10 Jahren weswegen ich gegen meinen Willen ständig die Schule wechseln musste, Alkoholabhängigkeit meines Vaters, Spielsucht meines Vaters und damit verbunden Armut und Geldsorgen,Vernachlässigung, Misshandlung, Inobhutnahme durch das Jugendamt, Tod meiner Oma)
      Bei der Vorgeschichte und nach deiner Aussage neurotypischer Eltern glaube ich nicht an Asperger. Da stimmt wahrscheinlich die Diagnose Bindungsstörung, und manchmal entwickelt sich daraus später eine Persönlichkeitsstörung, aber das muss nicht sein.
      Es ist möglich, dass du insgesamt trotzdem ein gesunder junger Mensch bist, der seinen Weg gehen kann. Wenn du Hilfe brauchst, z.B. durch eine Therapie, dann kannst du das in Anspruch nehmen, auch mit der Diagnose Bindungsstörung.
      Alles wird galaktisch gut.
    • tr909 wrote:

      Viele Autisten sind in vergleichsweise angenehmen familiären Verhältnissen aufgewachsen,
      Ich habe ja eher den Eindruck, dass unter Autisten vergleichsweise viele nicht so sonderlich gut mit den Eltern auskommen, was bestimmt auch daran liegt, dass man durch die Andersartigkeit nicht auf Verständnis und Akzeptanz trifft.
    • @Maja.010 Hallo und danke für Deine Ausführungen. Ich finde es gut dass Du Dich selber gut findest und lieber die anderen als Dich geändert siehst. Ich habe dazu 50 Jahre gebraucht. Und immer nur gedacht ich bin ein Arsch...ch. Erst die Diagnose hat dann plötzlich alles erklärt.

      Ob Du am Ende als Autistin (bei allen Begriffsdisonanzen präferiere ich die Person zuerst titulierung und denke ein Begriff reicht, aber da hat jeder so seine Ansichten, also such Du dir die aus mit der Du am besten klar kommst) diagnostiziert wirst oder nicht werden dann die Diagnostiker entscheiden. Das geht eben nicht per Ferndiagnose anhand einer kurzen Schilderung. Zumindest bei meiner Diagnose waren mehrere Sessions anberaumt.
    • @FruchtigBunt meine Eltern waren so wie du es beschreibst. Also weder Drogen/Alkoholsüchtig, Vater einen guten Job, etc. Dennoch hat es nicht geklappt. Meine Mutter war total überfordert. Sie ist nicht die hellste Kerze im Kronleuchter um mal eine Analogie zu verwenden. Sie hat sich sicher vorgestellt das Ihr Kind so wie im Katalog beschrieben ist. Aber dann war ich es, Wenn sie mir etwas untersagt hat, habe ich es hinterfragt und den Grund wissen wollen. Die Standard Antworten waren, "weil das so ist" oder "weil sich das nicht gehört" etc. eine echte erklärung, daran kann ich mich nicht erinnern, und wie es für autisten typisch ist habe ich es dann nicht so gemacht wie sie es wollte. Ihre verzweifelte Antwort waren dann Schläge, denn Argumente hatte sie keine.

      Dann gibt es aber auch Eltern die clever genug sind um zu erkennen das ihr Kind nicht wie die anderen ist und anstatt es zu zwingen so zu sein wie sie es gerne hätten, also wie hier schon geschildert, versuchen diese ihre tochter oder den sohn einfach so zu lieben wie sie (er) ist und zu fürdern und unterstützen und lesen sich selber schlau was es mit autismus auf sich hat. Und diese sind es auch denen wir als Gruppe dankbar sein können weil es diese sind die sehr viel in bewegung gesetzt haben.

      Auch dazu gibt es ausgezeichnete (im wahrsten Sinne des wortes) Literatur von Steve Silberman. Wers noch nicht gelesen hat dem empfehle ich es. Gibt es inzwischen auch auf Deutsch, ich habe das original und die Deutsche Version gelesen und die deutsche übersetzung ist sehr gut.
    • Fidoline wrote:

      tr909 wrote:

      Viele Autisten sind in vergleichsweise angenehmen familiären Verhältnissen aufgewachsen,
      Ich habe ja eher den Eindruck, dass unter Autisten vergleichsweise viele nicht so sonderlich gut mit den Eltern auskommen, was bestimmt auch daran liegt, dass man durch die Andersartigkeit nicht auf Verständnis und Akzeptanz trifft.
      Verglichen mit der "generell absoluten Katastrophe" einer Familiengeschichte, wie sie maja.010 geschildert hat.

      Das mit der Akzeptanz höre ich auch häufiger, z.b. das Eltern und Bekannte die Diagnose anzweifeln und nicht ernst nehmen...