Asperger und/oder Hochbegabung?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Asperger und/oder Hochbegabung?

      Ich habe (noch?) keine Asperger Autismus Diagnose. Allerdings war ich mit 14 Jahren in psychologischer Behandlung und musste dort diverse Tests absolvieren. Unter anderem wurde geprüft, ob ich Gesichtsausdrücke interpretieren kann. Ich bekam dann die vorläufige Diagnose „schizotype Persönlichkeitsstörung“ und „Bindungsstörung“ Darüber hinaus wurde mir mitgeteilt, dass ich hochbegabt bin.
      Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass ich eine schizotype Persönlichkeitsstörung habe. Diese Störung wird nämlich folgendermaßen beschrieben:

      „Personen mit dieser Diagnose führen häufig ein sehr isoliertes Leben, da sie stark unter einer sozialen Angst leiden, aufgrund derer sie Situationen vermeiden, in welchen sie mit fremden Personen in Kontakt kommen müssen.
      Sie zeigen zuweilen stark unangebrachte Verhaltensweisen und verschrobene Ideen (z.B. extremer Aberglaube, hellseherische Fähigkeiten). Ihr Verhalten erscheint oft exzentrisch und seltsam.
      Im Gegensatz zur schizoiden Störung wünschen sich Personen mit schizotypischer Störung zwar soziale Kontakte, wissen aber nicht, wie sie diese zustande bringen können, aufgrund ihrer kognitiven Defizite im Bereich der sozialen Wahrnehmung und Beurteilung des eigenen sozialen Verhaltens.“

      Ich habe überhaupt keine sozialen Ängste, ich kann also problemlos fremde Menschen ansprechen und bin anderen Menschen gegenüber auch eher gutgläubig als misstrauisch. Ich vermeide auch nicht aus Prinzip den Kontakt zu anderen Menschen oder sonstiges. Mein Problem ist, dass ich überhaupt kein Interesse an Smalltalk habe und mich im Umgang mit anderen Menschen extrem schnell langweile. Wenn ich merke, dass ich mich mit einer Person gut unterhalten kann, habe ich aber durchaus Interesse daran sie kennenzulernen. Nur habe ich wirklich selten persönliches Interesse an anderen Menschen, ich interessiere mich eher wissenschaftlich dafür wie andere Menschen denken und fühlen. Mir macht es also Spaß zu philosophieren oder meine Mitmenschen zu beobachten sowie ihr Verhalten zu analysieren, aber auf smalltalken oder gemütlich zusammensitzen kann ich verzichten, es langweilt mich und erscheint mir sinnlos.
      Nun ist es aber nicht so, dass ich partout nicht in der Lage dazu bin, denn ich kann mich hervorragend anpassen. Allerdings merke ich, dass ich nicht lange unter Menschen sein kann, ohne dass es mir sehr viel Energie raubt. Kopfschmerzen sind da vorprogrammiert und ich werde immer unkonzentrierter, sodass ich mental dann einfach abschalte. Ich weiß genau wie ich schnell soziale Kontakte knüpfen kann und werde häufig angesprochen oder zu Partys eingeladen, ich habe aber einfach keine Lust
      darauf mich verstellen zu müssen.

      Meint ihr, dass ich vielleicht doch eher das Asperger Syndrom habe oder erscheint euch die Sache mit der schizotypen Persönlichkeitsstörung plausibel? Oder lässt sich mein Verhalten auch einfach mit meiner Hochbegabung in Kombination mit Hochsensibilität erklären?


      In meiner Familie war meine Art schon immer ein großes Problem, da meine Eltern eher oberflächlich sind und Diskussionen oder tiefgründige Gespräche möglichst vermeiden. Bereits als Kind habe ich immer alles hinterfragt und versucht jedes Gespräch in eine tiefgründige Richtung zu lenken, weswegen ich auch ständig angeeckt bin.
      Ich neige auch dazu mir alles so kompliziert wie möglich zu machen.
    • Hallo :)
      Hast du denn Funktionseinschränkungen im Alltag?
      Hattest du Auffälligkeiten in deiner Frühkindlichen Entwicklung (2.-4. Lebensjahr oder davor)?

      DSM 5 Autismus-Kriterien wrote:

      DSM 5 Autismus Kriterien: A. Defizite in sozialer Kommunikation und Interaktion 1. Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit 2. Defizite in nonverbaler Kommunikation 3. Defizite bei der Entwicklung, der Aufrechterhaltung und dem Verständnis von Beziehungen. Kriterien 1-3 müssen erfüllt werden.
      B. Restriktive, repetitive Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster• Stereotype und repetitive motorische/sprachliche Manierismen.• Exzessives Festhalten an Routinen, ritualisierte Muster im verbalen und nonverbalen Verhalten oder exzessiver Widerstand gegen Veränderungen.• Umfassende Beschäftigung mit mehreren stereotypen und begrenzten Interessen.• Hyper- oder Hyporeaktivität hinsichtlich sensorischer Reize. Mindestens 2 der 4 Kriterien müssen erfüllt werden.
      C. Die Symptome müssen in der frühen Kindheit beginnen.
      D. Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
      E. Die Störung ist nicht besser durch intellektuelle Einschränkungen oder globale Entwicklungsverzögerungen erklärbar.
      Ob das Autismus ist oder nicht kann dir nur ein Spezialist sagen.
    • Maja.010 wrote:

      Mein Problem ist, dass ich überhaupt kein Interesse an Smalltalk habe und mich im Umgang mit anderen Menschen extrem schnell langweile. Wenn ich merke, dass ich mich mit einer Person gut unterhalten kann, habe ich aber durchaus Interesse daran sie kennenzulernen. Nur habe ich wirklich selten persönliches Interesse an anderen Menschen, ich interessiere mich eher wissenschaftlich dafür wie andere Menschen denken und fühlen. Mir macht es also Spaß zu philosophieren oder meine Mitmenschen zu beobachten sowie ihr Verhalten zu analysieren, aber auf smalltalken oder gemütlich zusammensitzen kann ich verzichten, es langweilt mich und erscheint mir sinnlos.
      Hallo und willkommen @Maja.010!
      Den zitierten Absatz kann ich genau so unterschreiben. Ich habe aber noch überhaupt nichts diagnostiziert bekommen (außer einer Depression :thumbup: ) und kann @MangoMambo nur zustimmen, dass das nur eine Fachperson feststellen kann.
      Zum Thema Hochbegabung gibt es hier auch ein paar Threads mit zum Teil heftigen Diskussionen wie einschränkend oder sozial isolierend eine Hochbegabung sein kann, vielleicht findest du ja dich dort irgendwie wieder.
    • Maja.010 wrote:

      Ich weiß genau wie ich schnell soziale Kontakte knüpfen kann und werde häufig angesprochen oder zu Partys eingeladen, ich habe aber einfach keine Lust
      darauf mich verstellen zu müssen.
      Das klingt jetzt eher nicht nach Asperger, finde ich.
      Wie alt bist du denn inzwischen?

      Vielleicht liegt es auch allein an der Hochbegabung? Partys sind einfach nicht jedermanns Sache, und gerade Hochbegabte haben häufig andere Interessen und finden das Niveau auf Partys dann doch eher flach. Dann so zu erscheinen, als würde es einem Spaß machen, ist wie Verstellen. Hat aber nicht so viel mit dem Verstellen bei Aspies zu tun.
      Aspies verstellen sich im ganz normalen Alltag (falls man es Verstellen nennen will, denn eigentlich ist es ja einfach das Bemühen, sich sozial passend zu verhalten). Das heißt, sie versuchen eben, im richtigen Moment zu lächeln oder sonst passende Mimik und Körpersprache zu zeigen. Gleichzeitig haben sie große Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, die für die Situation passend wären. Manchmal weil sie die Situation nicht so schnell erfassen und verarbeiten können, oder weil ihnen eben einfach nichts einfällt. Das zieht sich durch den gesamten Tag, also in allen Situationen, selbst wenn man nur beim Bäcker ein paar Brötchen bestellt. Es gibt nur relativ gesehen Situationen, die einfacher sind und solche, die schwieriger sind. Aber was mich angeht, so bin ich im Umgang mit anderen Menschen, selbst wenn sie mir schon vertraut sind, nie völlig entspannt.

      Hochbegabte erlebe ich als vielseitig interessiert, während Aspies sich eher auf ein oder wenige Interessen beschränken. Wobei es in Zeiten von großem Stress passieren kann, dass man gar keine Interessen mehr hat, weil alle Energie für den Alltag schon drauf geht. Dann kann man noch nicht einmal mehr Bücher zu einem Thema lesen.

      Wie ist es denn bei dir mit Aberglaube/Esoterik? Das scheint ja ein relativ wichtiger Punkt bei der schizotypen Persönlichkeitsstörung zu sein.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Gleichzeitig haben sie große Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, die für die Situation passend wären. Manchmal weil sie die Situation nicht so schnell erfassen und verarbeiten können, oder weil ihnen eben einfach nichts einfällt. Das zieht sich durch den gesamten Tag, also in allen Situationen, selbst wenn man nur beim Bäcker ein paar Brötchen bestellt.
      oh ja, das ist der Punkt, wo ich die meisten Probleme im Alltag habe :thumbup:
    • @Shenya das hast du toll beschrieben.

      Ja, eigentlich bin ich den ganzen Tag damit beschäftigt und ich wünschte ich würde genau wissen, wie I h Soziale Kontakte knüpfen kann, keine Ahnung ob es Aspies gibt, die das können.

      Es fängt damit an, ob ich morgens meinen Nachbarn "richtig" Grüße. Dann Versuche ich den Busfahrer AnzuLächeln und guten Morgen zu sagen, bin mir aber nicht sicher, ob das Lächeln klappt. Wenn ich dann in der Ubahn bin Wippe ich oft vor und zurück und werde deshalb angestarrt und vermeide konsequent Blickkontakt, Öffentlicher Nahverkehr ist so schon ansteckend genug, auch mit Gehörschutz. Dann kommen Arbeit und Konversationen mit den Kollegen, bis dann die Heimfahrt losgeht. Besonders vermeide ich einkaufen, da ich dann oft nur die Hälfte vom Zettel schaff weil wieder alles anders aussieht, ich nicht um Hilfe fragen kann, wenn ich nicht drankomme und mir das Licht und die Geräusche zu viel sind.

      Zuhause brauche ich viel Routine, Struktur und helfe mir mit Piktogrammen und Routinen um klarzukommen.

      Wege die ich nicht kenne gehe ich nur im Notfall alleine.

      Gibt noch vieles mehr aber ich glaube das beschreibt einiges aus meinem Alltag ganz okay.

      Fehlendes Interesse an Smalltalk gehört zu den geringst priorisierten meiner Schwierigkeiten.
    • Ich weiß nicht, wie @Maja.010 das sieht, aber ich hatte in meinen fitten Zeiten ganz lange das Gefühl, dass ich in der Theorie weiß, wie ich mich unter Menschen verhalten muss, aber es mich total anstrengt oder wie schauspielern anfühlt.

      Bei Menschen für die ich mich dann aber wirklich interessiert habe, hatte ich dieselben Probleme wie @Shenya sie anspricht: Ich habe oft das Gefühl mein Gegenüber nicht einschätzen zu können, die Person reagiert anders, als ich dachte, ich bin verwirrt und die Kommunikation funktioniert einfach nicht, auch wenn ich die Person mag (und glaube auch ähnlich intelligent ist wie ich, obwohl ich finde, dass man da nicht vorschnell urteilen sollte).

      Diese sozialen Probleme waren sehr lange auf meiner Schwierigkeitenliste ganz oben, weil ich mich dadurch sehr einsam fühle. Alles andere (Zeitorganisation, Reizüberflutung) habe ich als "berechenbarer" und deswegen nicht so belastend empfunden. Aber. Ich habe keine Diagnose und vielleicht habe ich auch keinen Autismus und brauche zB vielleicht nicht mehr Routine als Nicht-Autisten. Da kann ich mich schlecht einschätzen.

      The post was edited 1 time, last by Mugwump ().

    • Mugwump wrote:

      aber ich hatte in meinen fitten Zeiten ganz lange das Gefühl, dass ich in der Theorie weiß, wie ich mich unter Menschen verhalten muss, aber es mich total anstrengt oder wie schauspielern anfühlt
      Das ist vielleicht auch eine Frage des Selbstbewusstseins. Bei mir ist es nämlich so, dass ich beim Anpassen eigentlich ziemlich gut bin, d.h. die Leute behaupten, man würde mir nichts anmerken. Aber für mich fühlt es sich trotzdem so an, als würde ich ziemlich oft was falsch machen. Ich bin eher selbstkritisch und nicht selbstbewusst in der Hinsicht. Und anstrengend ist es auch. Wie Schauspielern habe ich es früher nicht empfunden, sondern nur so, als würden mir die Techniken fehlen (ich wollte mich ja mit den anderen unterhalten und wusste nicht, wie), und dann wurde es im Lauf der Jahre besser, weil ich die Techniken gelernt habe. Erst jetzt empfinde ich es manchmal als Schauspielern, weil mir bewusst geworden ist, dass ich meine wahren Eigenschaften verstecke. Das war mir früher nicht so bewusst. Jetzt will ich einen Teil der Anpassung wieder rückgängig machen, und würde mir wünschen, ich müsste mich nicht mehr so anstrengen.
      Alles wird galaktisch gut.




    • @Shenya

      Danke für deine Antwort! Ich bin 18 Jahre alt.
      An Esoterik oder sonstiges glaube ich nicht, ich habe auch keine Paranoia oder Wahnvorstellungen.
      Im Allgemeinen habe ich Probleme damit neue Menschen kennenzulernen, weil ich diese häufig nicht richtig einschätzen kann, sodass ich mich im Umgang mit ihnen sehr unsicher fühle. Beispielsweise muss ich erstmal den Humor einer Person einstudieren und lernen wie eine Person etwas meint, Ironie oder Sarkasmus verstehe ich z.B nicht intuitiv, sondern kann erst nach einer Zeit einschätzen ob eine Person in bestimmten Situationen gerade Ironie oder Sarkasmus verwendet.
      Gerade in der Kennenlernphase kommt es oft zu Missverständnissen, ich habe oft das Gefühl nicht verstanden zu werden und verstehe andere wiederum auch nicht. Ich bin ein ziemlich rationaler Mensch und muss mich immer in andere Menschen hineindenken, es fällt mir schwer mich in andere hineinzufühlen oder wie gesagt Dinge intuitiv zu verstehen. Doch meist gelingt es mir sehr gut mich dann irgendwie anzupassen und meine Mitmenschen irgendwie zu verstehen, da ich ihr Verhalten analysiere und mir quasi alles logisch herleite.
      Ich interessiere mich zwar für viele Dinge, aber meist beschäftige ich mich monatelang intensiv mit einem Thema und bin von bestimmten Themen dann so besessen, dass ich permanent daran denken muss.



      @MangoMambo

      Danke für deine Antwort!
      Ja, ich war schon als Kind auffällig. Mit 4 Jahren habe ich mit den Händen geflattert, habe Schaukelbewegungen gemacht oder grimassiert und bin im Kreis gelaufen.
      Mit 5 Jahren habe ich mir das Lesen selbstbeigebracht. Ich bin dann mit dem Buch im Kreis rumgelaufen und habe das Ganze laut vorgelesen, stundenlang. Oder ich habe ein Mikrofon genommen und mir selbst Geschichten erzählt. Mit 6 Jahren habe ich einen Medizinratgeber von meiner Mutter gelesen, da ich Bauchschmerzen hatte und habe die Symptome der dort beschriebenen Krankheiten mit meinen Symptomen verglichen. Ich weiß noch, dass meine Mutter daraufhin sehr schockiert war, weil ich solche Sachen gelesen und mich dafür interessiert habe.
      Mit 7 Jahren habe ich begonnen alles mögliche zu lesen und auswendig zu lernen, beispielsweise habe ich das Führerscheinlernheft meiner Mutter komplett auswendig gelernt. Mir hat es Spaß gemacht alles nach Farbe und Form zu sortieren, ich habe total gerne Dinge geordnet. Wirklich gespielt habe ich mit Spielzeug nie.
      Mit meinen Eltern hatte ich ständig Streit und bin überall angeeckt. Denn ich war sehr eigenbrödelerisch und hatte nie Lust etwas mit der Familie zu unternehmen. Zudem habe ich alles ständig hinterfragt und wollte unbedingt als Erwachsener behandelt werden. Meine Eltern berichten, dass ich oft über das gleiche geredet habe und stundenlang diskutieren wollte, dass ich mich in Kleinigkeiten extrem reingesteigert habe. Ich war deshalb auch bei einem Kinderarzt, meine Eltern vermuteten ADHS, doch der Arzt sprach davon, dass ich mich extrem gut konzentrieren kann und dass das einfach mein Temperament sei.


      Ich habe in der Schule extrem unter meiner Andersartigkeit gelitten, denn ich war intellektuell unterfordert, aber sozial total überfordert. Für mich war es einfach anstrengend so viele Stunden am Stück unter Menschen zu sein. Meistens habe ich im Unterricht nur geträumt, war aber manchmal übermotiviert, wenn mich etwas sehr interessiert hat. Dann war ich sehr perfektionistisch und richtig versunken im Thema. Manche Lehrer hielten mich für blöd, andere für sehr begabt. Ich wurde sowohl gemobbt als auch von meinen Mitschülern bewundert, meine Schullaufbahn war eine Achterbahnfahrt. Ich hatte so gut wie jedes Schulproblem was man haben kann.


      Heute habe ich mein Abi geschafft und würde gerne in den nächsten 15 Jahren ein Unternehmen gründen. Ich sehe meine Andersartigkeit nicht nur negativ, denn ich kann mich beispielsweise über einen langen Zeitraum stark auf etwas fokussieren, das hat mir besonders im Abitur sehr geholfen. Dadurch dass ich sehr rational bin folge ich eher meinem Verstand als meinen Gefühlen, das kann auch ein positiver Aspekt sein. Wenn mir ein Missgeschick passiert oder ich wieder einmal einen Witz nicht verstanden habe, lache ich einfach über mich selbst. Tatsächlich finden viele es sogar lustig und sympathisch, dass ich sozial so unbeholfen bin. Natürlich gibt es Momente in denen ich an mir selbst zweifle oder mich über meine eigene Dummheit ärgere, aber eigentlich bin ich eher zufrieden mit mir.
    • Maja.010 wrote:

      An Esoterik oder sonstiges glaube ich nicht, ich habe auch keine Paranoia oder Wahnvorstellungen.
      Dann wundert mich die Diagnose schizotype Persönlichkeitsstörung aber schon. Ich frage mich, wie das dann zustande kam, auch wenn es nur eine vorläufige Diagnose war.
      Was haben deine Eltern zu der Diagnose "Bindungsstörung" gesagt?

      Mit 18 könntest du noch eine Diagnostik in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie machen, wenn du der Frage "Asperger ja/nein" auf den Grund gehen willst.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Dann lass die Auffälligkeiten doch ruhig abklären. Wünschte ich hätte das schon vor meinem Studium getan. Hätte Nachteilsausgleiche brauchen können von Beginn an, vielleicht hätte ich es dann auch anders gewählt und nicht abbrechen müssen.
      Beispielsweise muss ich erstmal den Humor einer Person einstudieren und lernen wie eine Person etwas meint
      Phu ich wünschte ich könnte das irgendwann, mich da einstellen etc. Habe das Problem immer noch mit Leuten, die ich mein Leben lang kenne.
      Aber kann auch einfach sein, dass du da besser drin bist.
    • ...jetzt nicht falsch verstehen...
      Wenn du ein Unternehmen gründen möchtest und selbständig arbeiten willst, dann kannst du deine Andersartigkeit abklären lassen.. :nod:
      Ich würde dir aber von allen anderen Berufszielen abraten, sollte deine Diagnose in den Autismusbereich fallen... bei noch so viel Gerede von Integration... du bist ein Mensch 2.Klasse..ist leider so. :cry:
      ...aber er war nun einmal da! Asperger-Diagnose F84.5 (diagnostiziert Uni-Klinik Köln)
    • MangoMambo wrote:

      Mr. Correctly wrote:

      Ich würde dir aber von allen anderen Berufszielen abraten, sollte deine Diagnose in den Autismusbereich fallen
      1. Bist du nicht zur Angabe der Diagnose verpflichtet.2. Kommt das doch sehr stark auf das Berufsfeld an.
      :thumbup: :thumbup:

      Ich denke auch, dass (Asperger-)Autisten nicht nur als Selbständige arbeiten können. (Eher im Gegenteil: Selbständigkeit erfordert viel Planung und Organisationstalent. Ich habe das z. B. so gut wie gar nicht - mal von Urlaubsplanungen abgesehen.) Sie benötigen allerdings eine Tätigkeit, die ihren ganz individuellen Stärken und Schwächen Rechnung trägt, und das ist bloß häufig etwas schwieriger als bei neurotypischen Personen.

      Mr. Correctly wrote:

      bei noch so viel Gerede von Integration... du bist ein Mensch 2.Klasse..ist leider so.

      Auch wenn Du vielleicht in Deinem Leben häufig diese Empfindung hattest und vielleicht denkst, dass NT so empfinden (könnten) - Mach Dich doch nicht unnötig klein, und rede vor allem nicht anderen Forenteilnehmern ein, sie seien in irgendeiner Form minderwertig. Jeder Mensch - egal ob NT oder Autist - hat seine Schwächen und Stärken. Ich kenne eine Menge Leute, die in ihrem Leben kaum etwas auf die Reihe kriegen; und davon sind sicherlich die wenigsten Autisten.
    • Mr. Correctly wrote:

      Ich würde dir aber von allen anderen Berufszielen abraten, sollte deine Diagnose in den Autismusbereich fallen...
      Das würde ich so pauschal nicht sagen, denn jeder hat seine Stärken und Schwächen, und die Bandbreite der beruflichen Tätigkeiten ist auch unter Autisten recht groß. Tatsächlich ist es aber so, dass mancher Autist nach Erhalt seiner Diagnose festgestellt hat, dass er/sie eine andere Berufswahl getroffen hätte, wenn die Diagnose früher gestellt worden wäre. Denn auch wenn das Berufsfeld thematisch interessant ist, entsteht oft das Problem dadurch, dass der Beruf ja für einige Jahrzehnte ausgeübt werden muss, wenn man seine finanzielle Existenz darauf gründet. Und da kommen dann doch einige Autisten im Laufe der Zeit an ihre Grenzen und darüber hinaus, mich selbst eingeschlossen. Deshalb bietet da eine frühe Diagnose die Chance, die Berufswahl gut an die eigenen Möglichkeiten anzupassen.

      Mr. Correctly wrote:

      bei noch so viel Gerede von Integration... du bist ein Mensch 2.Klasse..ist leider so.
      Ich bin etwas erschrocken über Deine Formulierung! @Mr. Correctly siehst Du Dich selber tatsächlich so? Oder meinst du damit, dass Autisten so von der Gesellschaft gesehen werden? Ich würde das für mich nicht so formulieren. Auch wenn es in der Gesellschaft immer wieder Menschen gibt, die andere ausgrenzen, weil sie nicht den gesellschaftlichen Idealvorstellungen entsprechen, finde ich es wichtig, dass jeder für sich seinen persönlichen Wert als Mensch erkennt. Nur wenn man selbst sich als wertvoll erkennt, kann man auch anderen Menschen gegenüber selbstbewusst auftreten und seine Interessen vertreten.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • @Mr. Correctly du musst auch niemandem von der Diagnose erzählen. Allerdings, wenn man eine machen lässt, dann meistens weil man nicht zurecht kommt und ohne hätte ich keine Hilfen und da wäre es egal wie mich andere sehen und wenn ich im Job nicht eingeschränkt bin gebe ich die Einschränkungen nicht an und Erst Recht nicht die Diagnose.
    • Shenya wrote:

      Maja.010 wrote:

      Ich weiß genau wie ich schnell soziale Kontakte knüpfen kann und werde häufig angesprochen oder zu Partys eingeladen, ich habe aber einfach keine Lust
      darauf mich verstellen zu müssen.
      Das klingt jetzt eher nicht nach Asperger, finde ich.
      ich habe durch Beobachten als Teenie schnell gelernt, wie man soziale Kontakte knüpfen kann und war auch der Partylöwe schlechthin. ABER: das hat mich so angestrengt, dass ich es wieder sein ließ.
      Also kein generelles Auschlusskriterium.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Chch wrote:

      Shenya wrote:

      Maja.010 wrote:

      Ich weiß genau wie ich schnell soziale Kontakte knüpfen kann und werde häufig angesprochen oder zu Partys eingeladen, ich habe aber einfach keine Lust
      darauf mich verstellen zu müssen.
      Das klingt jetzt eher nicht nach Asperger, finde ich.
      ich habe durch Beobachten als Teenie schnell gelernt, wie man soziale Kontakte knüpfen kann und war auch der Partylöwe schlechthin. ABER: das hat mich so angestrengt, dass ich es wieder sein ließ.Also kein generelles Auschlusskriterium.
      Ebenfalls, auch ich war so eine Partylöwin. Damals wusste ich noch nichts von meiner späteren Autismusdiagnose. Ich hab mir mit andern in der Schule immer schwer getan und war begeistert, wie einfach es plötzlich ist. Also ich rede jetzt von Parties in Diskotheken oder Bars, oder Konzerte, wo also laute Musik und Tanzen Bestandteil der Veranstaltung ist. Keine Hausparties. Naja also an diesen Orten waren die anderen auch sozusagen funktionseingeschränkt, da betrunken oder auf Drogen. Da ging es nicht mehr um Feinheiten der Kommunikation, sondern um gute Laune, mit dem Bier anstoßen und keine Ahnung, quatschige Grimassen machen. Da ich Musik mag und gerne tanze, war das schon mal gute Voraussetzung mich da wohl zu fühlen. Oft kann man gar nicht reden, da die Musik zu laut ist und wenn man mal n ruhigen Moment hat, sind die Leute gelöst durch den Alkohol oft offener, direkter und ehrlicher als im Alltag, also weniger kryptisch. Ne Zeitlang hat mir das gut gefallen, und jemand der sagt, Autisten und Parties gehen generell nicht zusammen, hat einfach keine Ahnung! :lol:
    • Ich denke auch, dass "schnell soziale Kontakte knüpfen" ungewöhnlich ist für Asperger, aber in einer guten Diagnostik wird auch das genauer hinterfragt. Es gibt auch beschriebene Fälle, bei denen Kinder von sich sagen, sie hätten total viele Freunde (untypisch), dann aber stellt sich heraus, dass sie z.B. den Milchmann auch dazu zählen, weil ihr Verständnis vom Begriff "Freund" nicht alterstypisch ist. Man selbst bemerkt ja nicht zwingend die qualitativen Abweichungen der sozialen Interaktion, gerade wenn man in der Hinsicht eine eingeschränkte Wahrnehmung hat.

      Parties sind zusätzlich zum Reizüberflutungsaspekt meist unstrukturierte soziale Begegnungen und deshalb durchaus eine ungewöhnliche Freizeitaktivität für Autisten. Manche erzählen aber davon, dass sie sich durch eine konkrete Beschäftigung, wie Fotografieren der Band bei Konzerten, selbst eine Struktur schaffen, und dadurch auch Freude an solchen für AS eher ungewöhnlichen Aktivitäten haben. Auch in der Hinsicht müsste ein guter Diagnostiker also genauer hinterfragen.

      Maja.010 wrote:

      Oder lässt sich mein Verhalten auch einfach mit meiner Hochbegabung in Kombination mit Hochsensibilität erklären?
      Das wäre auch eine mögliche Erklärung. Introvertierte Personen empfinden soziale Kontakte auch als auslaugend, so wie du es beschreibst. Die Hochbegabung könnte eine Erklärung für dein schnelles Gelangweiltsein durch oberflächliche Kontakte sein.

      Wie sieht es denn mit dem Bereich "Restriktive, repetitive Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster" bei dir aus, den MangoMambo schon zitiert hatte?
      B. Restriktive, repetitive Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster

      • Stereotype und repetitive motorische/sprachliche Manierismen.
      • Exzessives Festhalten an Routinen, ritualisierte Muster im verbalen und nonverbalen Verhalten oder exzessiver Widerstand gegen Veränderungen.
      • Umfassende Beschäftigung mit mehreren stereotypen und begrenzten Interessen.
      • Hyper- oder Hyporeaktivität hinsichtlich sensorischer Reize.
      Mindestens 2 der 4 Kriterien müssen erfüllt werden.
      Wenn davon außer Überempfindlichkeiten nichts zutrifft, geht es wahrscheinlich eher in eine andere Richtung - wobei man sich auch nicht
      immer selbst so bewusst darüber sein muss, ob es bei einem selbst das gewöhnliche Maß überschreitet, besonders wenn man nur wenige ausreichend enge soziale Kontakte hat, mit denen man sich vergleichen könnte.

      The post was edited 1 time, last by Turtle ().