Fehlbehandlung bei Asperger/Schizoide PS

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    • Fehlbehandlung bei Asperger/Schizoide PS

      Weil ich zur Zeit ziemlich isoliert bin meiner Empfindung nach und bald eine Therapie beginnen werde (in einem Monat ungefähr wenn es klappt mit der KK) mache ich mir Gedanken darüber dass meine neue Therapeutin, bei mir zumindest, Asperger und eine schizoide Persönlichkeitsstörung gleichsetzt. Der Grund warum sie das macht ist dass ich isoliert bin nach dem Ende meiner Beziehung und seitdem mich nicht damit abfinden kann keine nahen Bezugspersonen mehr zu haben und keine alltäglichen oder tiefergehenden Gespräche, außer meiner Arbeit. Nachdem ich mein Gedächtnis etwas aufgefrischt habe was die schizoide Persönlichkeitsstörung betrifft und wie sie therapiert wird kommt es mir so vor dass meine Therapeutin vorhat (weil ich schizoid sein soll wegen meiner AS Diagnose und weil ich seit zwei Jahren gesellschaftlich gestrandet bin) mich zu heilen von meinem Gestrandetsein indem sie mich von einem vermeintlichen Wünsch nach Einzelgängertum heilt (von dieser schzoiden Persönlichkeitsstörung).

      Was mich daran stört dass sie mich als schizoid ansieht und was mich daran erschreckt ist dass ich im Gegenteil in die Einsamkeit katapultiert worden bin gegen meinen Willen (vor zwei Jahren) und strampele verzweifelt wieder Anschluss zu finden. Es ist sehr schwer in meiner Lage wieder Anschluss zu finden, weil ich 66 Jahre alt bin, aber ich hatte Anschluss bis vor zwei Jahren als alles kaputt ging. Es tut weh zu denken dass die ungewollte Isolation in der ich mich befinde und gegen die ich kämpfe (indem ich alles mache was ich kann um "Leute kennen zu lernen", was nicht leicht ist in diesem Alter und ohne Familie) als gewollt eingeschätzt wird und ich habe Angst dass sie einen bei mir nicht vorhandenen Wünsch nach Isolation wegtherapieren will bei mir wenn was ich brauche ist Unterstützung die ungewollte Isolation zu entgehen oder zumindest damit zurecht zu kommen. Auch der Wunsch nach Therapie gehört bei mir zum Wunsch mit anderen Menschen (der Therapeutin) zu interagieren. Es kann nicht sein, meiner Meinung nach, dass der verzweifelte Wunsch (bei mir) nach Anschluss an Anderen zum vergeblichen Wegtherapierenwollen (seitens meiner Therapeutin) eines nicht vorhandenen pathologischen Wunsches (bei mir) nach Nicht-Anschluss (an die Gesellschaft meinerseits angeblich) führen soll.

      Ich weiß dass sehr alte Menschen (noch wesentlich älter als ich) oft vollkommen isoliert leben weil niemand sich für sie interessiert (alle weggestorben zum Beispiel oder sie sind zu krank um aus der Wohnung zu gehen). Es wäre ein Hohn diese Isolation als gewollt oder als Symptom einer Persönlichkeitsstörung behandeln zu wollen.

      The post was edited 3 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • @Unbewohnte Insel
      Das heißt, dass der Kontaktwunsch nicht therapiert werden sollte, sondern eher im Rahmen von praktischem Vorgehen angegangen werden sollte, oder?

      Frage die Therapeutin doch direkt zu Beginn, was ihr Behandlungskonzept ist. Wenn du merkst, dass sie glaubt, dass du die Isolation wolltest und Behandlungsansätze wählt, die dir nicht zusagen, könntest du das mit ihr diskutieren.

      Ich merke, dass ich z. B. in meiner Autismustheapie direkt mal zu Beginn hätte fragen sollen, wie der Behandlungsansatz ist. Ich war nämlich viel zu lange davon ausgegangen, dass sich mein Ansatz mit dem des Therapiezentrums deckt. Mittlerweile stellt sich aber heraus, dass das überhaupt nicht der Fall ist und sich auch nicht mehr ändern wird (ich hatte immer gedacht, dass das noch wird, weil die Therapie ja noch nicht so lange andauerte).
    • Shenya wrote:

      Es hier zu schreiben, nutzt nicht so viel.
      Wahrscheinlich hast du recht.

      Ich hatte gerade eine Webseite gelesen über SPS und es war mir eingefallen dass es tatsächlich ziemlich schwer zu unterscheiden ist zwischen den beiden Störungen, AS und SPS, vom Verhalten her, nur von der angeblichen Ursache her. Vielleicht geht es (in meinem Kopf) nicht um die Therapeutin sondern um die Tatsache dass SPSler nicht so viel Sozialkontakt aushalten und Freiräume brauchen, überempfindlich sein können gegen Sinnesreize usw, genau wie bei AS. Wenn man tatsächlich nicht so viele Sozialkontakte aushält gilt das als schizoid und ich denke viele ASler nicht so viele Sozialkontakte aushalten können. Ich zumindest nicht. Vielleicht sind manche von uns hier tatsächlich schizoid.


      FruchtigBunt wrote:

      Ich merke, dass ich z. B. in meiner Autismustheapie direkt mal zu Beginn hätte fragen sollen, wie der Behandlungsansatz ist.
      Gute Idee.

      (Vielleicht wenn man keine sozialen Kontakte hat ist man schizoid, besonders wenn man immer wieder in so eine Lage gerät und nicht sooooo gesellig ist vom Naturell her. Überforderung durch Sozialkontakte ist ein Kernsymptom der SPS (und von AS auch?). Trotzdem wäre es gut zu wissen ob die Therapeutin mich von einer SPS heilen will oder mich unterstutzen will in einer Lebenskrise.

      The post was edited 2 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Eine gute Therapeutin geht auf deine individuellen Umstände und Wünsche ein, nur eine schlechte behandelt "nach Schema F". Auf die jeweilige Diagnose kommt es da gar nicht so sehr an, sondern auf die ganz realen Gegebenheiten beim Klienten. Auch innerhalb einer Diagnose sind die Unterschiede in dem, was der Klient braucht, so groß, dass man immer individuell schauen muss, was gerade wichtig ist. Der eine Depressive braucht zum Beispiel Aktivierung, der nächste die Erlaubnis, sich auch mal Ruhe zu gönnen, der dritte Ermutigung... und da müssen die Behandlungsansätze dann jeweils komplett unterschiedlich sein – nur mal als ganz simples Beispiel, das aber gut übertragbar ist auf deine Problematik. In einer Therapie geht es (unter anderem) genau darum, herauszufinden, worin die Probleme bestehen, wohin der Klient gehen will und wie man das erreichen kann.

      Es kann dabei auch passieren, dass man sich im Prozess des Miteinander-Herausfindens auch mal missversteht oder dass ihr unterschiedliche Ziele im Kopf habt; das gilt es dann zu klären. So lange man das klären kann, ist alles gut. Eine Therapeutin kann ja keine Gedanken lesen! Sie hat ihre Theorien, die sie dann prüft und gegebenenfalls verwirft. Wenn sie eine Theorie hat, die du nicht teilst, ist das noch nichts Schlimmes, sondern nur ein Zeichen dafür, dass ihr darüber sprechen und das klären müsst. Blöd wird es erst dann, wenn man das nicht klären kann...

      Vielleicht wäre es auch sinnvoll, anzusprechen, dass du dir viele solche Gedanken machst und dadurch oft extra verunsichert wirst... vielleicht könnte man dann Strategien finden, konstruktiver mit solchen Gedanken (die dich ja doch sehr intensiv zu beschäftigen und zu belasten scheinen, immer wieder, ich lese dich ja nun schon länger) umzugehen.
    • filipendula wrote:

      Auf die jeweilige Diagnose kommt es da gar nicht so sehr an, sondern auf die ganz realen Gegebenheiten beim Klienten.
      Ich sollte vielleicht wegkommen von dem Denken in Diagnosen.


      filipendula wrote:

      Vielleicht wäre es auch sinnvoll, anzusprechen, dass du dir viele solche Gedanken machst und dadurch oft extra verunsichert wirst... vielleicht könnte man dann Strategien finden, konstruktiver mit solchen Gedanken (die dich ja doch sehr intensiv zu beschäftigen und zu belasten scheinen, immer wieder, ich lese dich ja nun schon länger) umzugehen.
      Ja, das werde ich machen.
    • Shenya wrote:

      Genau das musst du deiner Therapeutin sagen (oder schreiben). Es hier zu schreiben, nutzt nicht so viel.
      Du hast diese Zeile am 23 Februar geschrieben und weil das eine Weile her ist, ist es vielleicht etwas komisch und nervig meinerseits darauf Bezug zu nehmen jetzt. :roll: :oops:

      Du hast selbstverständlich recht. Das Problem ist nur dass es eine Pause von sechs Wochen ab dem 18 Februar geben soll bis die Therapie losgeht und ich habe keine Chance mit der Therapeutin darüber zu reden bis Anfang April (noch vier Wochen).

      Weil ich deswegen nicht mit der Therapeutin reden kann habe ich keine Gelegenheit das Thema zu besprechen obwohl es mich beschäftigt.

      Eigentlich geht es nicht um die Therapeutin sondern um das Thema.

      Wenn sie sagt dass ich als Aspie früher mit Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden wäre dann hat sie mich als Mensch mit Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, sonst hätte sie das nicht gesagt. 8o

      Diese Tatsache reicht aus um mich zum Grübeln zu bringen ob ich diese Persönlichkeitsstörung habe. Ähnlich wie wenn man (zum Beispiel) mich als schlechten Lehrer bezeichnen würde, da würde ich darüber grübeln was ich falsch gemacht hätte im Unterricht, sonst hätte die Person mich nicht als schlechten Lehrer bezeichnet. Wenn ich nichts falsches gemacht hätte unterrichtsmässig dann hätte die Person mich nicht als schlechten Lehrer bezeichnet. Oder im Allgemeinen wenn man mich als X beschreibt, wo X etwas schlimmes ist.

      Ich schreibe diesen Beitrag hier weil ich keine Gelegenheit habe mit der Therapeutin oder einem anderen Menschen über dieses Thema zu reden/schreiben.

      Was ich gruselig finde ist dass während ich ungewollt in die Isolation katapultiert worden bin vor zwei Jahren, auf der einen Seite schreiben die Psychologen und Therapeuten dass man von emotionaler Abhängigkeit betroffen sei wenn man denkt dass man eine Beziehung haben muss und es nicht aushält allein zu leben, während es schizoid sei zu denken dass man ganz gut allein leben kann und niemanden braucht. In beiden Fällen kann man es nicht richtig machen. Der einzige Weg es richtig zu machen wäre in einer Beziehung zu leben ohne es zu brauchen, während es krankhaft wäre falls man eine Beziehung nicht hat eine Beziehung zu wollen oder nicht zu wollen. Ich fühle mich verwirrt.

      Was ich auch gruselig finde ist dass ich viel lieber in einer liebevollen Beziehung wäre aber starke Zweifel habe ob es noch Sinn macht in meinem Alter (66) eine liebevolle Beziehung zu suchen. Aber wenn ich das nicht mache dann bin ich definitionsgemäß schizoid.

      Seltsamerweise gibt es sehr viele Überschneidungen zwischen SPS und AS, weil SPSler so wenig Erfahrung haben im sozialen Leben weil sie so zurückgezogen leben und nicht wissen wie sie reagieren sollen mit anderen Menschen.

      Wenn man gestrandet ist wie ich jetzt weiß man nicht mehr wessen Schuld es ist. Aber wären nicht die ganzen einsamen Menschen alle schizoid wenn es schizoid ist allein und einsam zu sein und den Anschluss verloren zu haben? Wenn man eine AS Diagnose hat dann liegt es nah dass man nicht allein ist wegen Schicksalsschläge sondern weil man gestört ist. Die AS Diagnose würde für eine schizoide Problematik sprechen. Vielleicht sind Aspies nur schizoid.

      Wie gesagt, ich würde nicht schreiben hier wenn ich die Möglichkeit hätte mit der Therapeutin zu reden aber ich habe das nicht bis April.

      Was mich traurig macht ist dass schizoide Menschen keinen Anschluss finden an die Gesellschaft und sich abgeschnitten fühlen, und das ist etwas das auf mich zutrifft, aber das habe ich nicht gewollt. Wenn man sozusagen alt, allein und mit Migrationshintergrund dasteht dann hat man keinen Anschluss und es ist sehr schwer ihn zu finden obwohl man alles tut damit zurecht zu kommen (lernen Dinge allein zu machen weil man muss).

      Ich weiß nicht ob ich richtig ausdrucken kann was mich so stört an diese SPS Diagnose. Es ist irgendwie so: Ich dachte während einer sehr langen Zeit dass ich in Sicherheit war gesellschaftlich wegen meiner Beziehung, und dann ging die Beziehung kaputt und ich befand mich vollkommen gestrandet. Dieses Gestrandetsein war und ist schrecklich aber ich gewöhne mich allmählich daran während ich gleichzeitig dagegen kämpfe (Hilfe suche zum Beispiel bei einer Therapeutin und beim sozialpsychiatrischen Dienst, Kurse mache, auch teuere Seminare). Mit der Diagnose einer SPS wäre das Problem nicht dass ich keinen intimen Kontakt (Familie) mehr finde wegen des Gestrandetseins (alt, ohne Familie weil frisch getrennt, Migrationshintergrund) sondern hätte eine tiefe emotionale Persönlichkeitsstörung die mich isoliert. Schizoide fühlen sich getrennt von der Gesellschaft und fühlen sich leer. Ich fühle mich getrennt von der Gesellschaft weil ich tatsächlich gestrandet bin und nicht weil ich mich nur getrennt fühle. Das Getrenntsein besteht aus der Tatsache dass ich niemanden habe und ist kein bloßes Gefühl. Wenn ich mit anderen bin fühle ich mich nicht getrennt. Wenn man schizoid ist fühlt man sich immer getrennt, nehme ich an, und nicht nur weil man getrennt und alt ist und darunter leidet

      Es tut mir leid wenn das alles blöd klingt aber ich habe tatsächlich das Gefühl dass ich in die Frage hineingezogen worden bin ob ich SPS habe, obwohl die Kriterien gar nicht stimmen, nur weil ich gestrandet bin.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Wenn sie sagt dass ich als Aspie früher mit Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden wäre dann hat sie mich als Mensch mit Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, sonst hätte sie das nicht gesagt.
      Nein, nicht unbedingt. Es kann heißen, dass du früher - als Asperger noch wenig bekannt war - (fälschlicherweise) als schizoid diagnostiziert geworden wärst (als am "besten" passend, aus dem Blick der damaligen Zeit) oder, dass sie dich so diagnostiziert hätte, weil sie es selbst nicht besser wusste. Es muss aber keineswegs heißen, dass sie dich so diagnostiziert.


      Unbewohnte Insel wrote:

      Wenn man gestrandet ist wie ich jetzt weiß man nicht mehr wessen Schuld es ist.
      Ich würde dir raten, weniger nach "Schuld" zu suchen, du stehst nicht vor Gericht und wichtiger fände ich eh, zu gucken, was dir jetzt am besten täte und nicht, nur die Vergangenheit zu sezieren (nicht falsch verstehen, ich denke schon, dass man die Vergangenheit verstehen muss, um Zukunft anders gestalten zu können).

      Unbewohnte Insel wrote:

      Aber wären nicht die ganzen einsamen Menschen alle schizoid wenn es schizoid ist allein und einsam zu sein und den Anschluss verloren zu haben?
      Wer schiziod ist, ist vermutlich [eher] allein (einsam vielleicht nicht, wenn das Alleinsein gewünscht ist), aber nicht jeder der allein und einsam ist, ist schizoid. Wenn es regnet, ist zwar die (nicht überdachte) Straße nass, aber wenn die Straße nass ist, muss es nicht regnen. Da kann es auch viele andere Ursachen für geben.

      Ich lese dich so, dass du gerade unglücklich und isoliert bist, dir Kontakt wünscht, aber nicht weißt, wie du ihn herstellen sollst. Für mich klingt das alles nicht sonderlich schizoid.

      Ich glaube sogar, dass es ein sehr häufig vorkommendes Problem ist, dass Menschen, die bereits im Rentenalter sind vereinsamen, wenn sie nur sehr wenige Kontakte hatten, die dann wegbrechen (ob wegen Trennung oder Tod oder was auch immer). Auch ohne Asperger und vor allem muss man dafür nicht persönlichkeitsgestört sein.

      Ja, es gibt manche Störungen, die sich dadurch charakterisieren, dass eine mangelnde Krankheitseinsicht beim Betroffenen vorliegt. Aber so klingst du für mich nicht. Ich würde nicht all zu viel auf das "psychoanalytische Bala" (sorry) von "je mehr Sie sich gegen die Zuschreibung wehren, desto zutreffender ist diese" geben.

      Es erscheint sinnvoll die Möglichkeiten gut zu überprüfen, aber ich finde, dass sehr entscheidende Gründe gegen die Diagnose "schizoide Persönlichkeitsstörung bei dir sprechen" (zumal auch noch gefragt werden muss, wie legitim diese Diagnose überhaupt ist, wenn der Betroffene die Isolation selbst wählt und keinen Leidensdruck hat. In der ICD 11 wird es diese verschiedenen Konzepte von unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen gar nicht mehr geben).
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Ich glaube, die schizoide PS könnte eher noch auf mich passen als auf dich, denn ich suche tatsächlich keine Beziehung. Aber ich bin trotzdem Aspie.

      Autist sein und Schizoid sein unterscheidet sich an anderer Stelle. Das was Autismus ausmacht (Schwierigkeiten bei der Kommunikation, im sozialen Bereich und die repetitiven Verhaltensweisen/Interessen), das hat alles eine neurologische Ursache, irgendwo im Zusammenhang mit der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung. Das ist angeboren.

      Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung ist die Wahrnehmung normal, und die Schwierigkeiten wurden in der Kindheit erworben (bei vorhandener Veranlagung dazu).

      Kannst du dich noch an den genauen Wortlaut erinnern, was die Therapeutin gesagt hat?
      Ich vermute, dass früher viele Aspies mit schizoider PS diagnostiziert wurden, weil AS noch nicht so bekannt war. Deshalb sind vielleicht auch viele Asperger-Eigenschaften in die Diagnosekriterien für die schizoide PS eingeflossen. Dadurch ist sich beides so ähnlich.
      Ich glaube, die schizoide PS soll sogar bald als Diagnose wegfallen (ohne Gewähr).

      limes-schlosskliniken.de/perso…-diagnostik-und-therapie/

      Was deine Therapeutin angeht: auch wenn offiziell jetzt eine Pause sein soll, bis die Therapie beginnt, aber sie wird doch eine Postadresse, Mailadresse oder Tel.Nr. haben, wo man sie erreichen kann, oder? Da könntest du auch einfach mal versuchen, sie zu kontaktieren. Du könntest ihr im Prinzip das schreiben oder sagen, was du hier geschrieben hast. Vielleicht wäre sie bereit, auch vor dem offiziellen Beginn der Therapie schon eine Stunde zu absolvieren.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ich vermute, dass früher viele Aspies mit schizoider PS diagnostiziert wurden, weil AS noch nicht so bekannt war. Deshalb sind vielleicht auch viele Asperger-Eigenschaften in die Diagnosekriterien für die schizoide PS eingeflossen. Dadurch ist sich beides so ähnlich.
      Sie sind wirklich sehr ähnlich, was die Diagnosekriterien betrifft. Das macht mir Angst irgendwie, weil ich nicht schizoid sein will.


      Shenya wrote:

      Kannst du dich noch an den genauen Wortlaut erinnern, was die Therapeutin gesagt hat?
      Ich hatte gesagt dass man das AS nicht unbedingt erwähnen müsse bei dem Antrag bei der KK und sie hat gesagt dass es doch relevant sei weil es hilft mich zu verstehen. Dann hat sie gesagt:"Früher hat man Schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert aber man benutzt diese Diagnose nicht mehr so gern heutzutage." Eventuell hat sie auch gesagt dass SPS außer Mode ist und man diagnostiziert stattdessen Asperger, weil es mehr zeitgemäß ist.

      Übrigens ich habe gerade einen Artikel gesehen von einer Ärztin die schreibt dass SPS und Asperger einander sehr ähnlich sind und dass wenn man von einem Psychiater betreut wird kriegt man meistens die Diagnose AS und wenn es sich um einen Therapeuten handelt dann SPS. Wobei es sich in beiden Fällen um die eine Kontaktstörung handele.


      SPSler sollen auch Probleme haben mit Veränderungen die sie nicht selber verursacht haben, habe ich gelesen, was eher wie AS klingt.


      Shenya wrote:

      Ich glaube, die schizoide PS soll sogar bald als Diagnose wegfallen (ohne Gewähr).
      Stimmt. Anstatt dessen bekommt man jetzt eine (generalisierte) Persönlichkeitsstörung diagnostiziert mit Beschreibung der Problematik, glaube ich.




      Shenya wrote:

      Was deine Therapeutin angeht: auch wenn offiziell jetzt eine Pause sein soll, bis die Therapie beginnt, aber sie wird doch eine Postadresse, Mailadresse oder Tel.Nr. haben, wo man sie erreichen kann, oder? Da könntest du auch einfach mal versuchen, sie zu kontaktieren. Du könntest ihr im Prinzip das schreiben oder sagen, was du hier geschrieben hast. Vielleicht wäre sie bereit, auch vor dem offiziellen Beginn der Therapie schon eine Stunde zu absolvieren.
      Vielleicht sollte ich ihr schreiben.

      Was mich stört an der Diagnose SPS ist dass ich unfreiwillig gestrandet bin und nicht freiwillig, während ich gern meine Ruhe habe, was als pathologisch (weil schizoid) beschrieben wird in den Artikeln zu SPS. Es kommt mir erschreckend vor dass es pathologisch sein soll wenn man gern seine Ruhe hat.

      Komischerweise sagte mir einmal jemand bei der Telefonseelsorge dass ich eine Therapie brauche weil ich emotional abhängig sei, nicht allein sein kann und ohne Therapie zu abhängig von einer zukünftigen Partnerin wäre. Seitdem mache ich mir Sorgen dass ich emotional abhängig sei, was inkompatibel wäre mit einer Schizoidie, denke ich.

      Vielleicht mache ich etwas falsch mit diesen ganzen stigmatisierenden Begriffen.


      Kayt wrote:

      Ich lese dich so, dass du gerade unglücklich und isoliert bist, dir Kontakt wünscht, aber nicht weißt, wie du ihn herstellen sollst. Für mich klingt das alles nicht sonderlich schizoid.
      Für mich auch nicht.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Vielleicht mache ich etwas falsch mit diesen ganzen stigmatisierenden Begriffen.
      Das glaube ich auch.

      Vor allem sie viel zu absolut sehen. Das alles sind künstlich erschaffene Hilfskonstrukte, die gewisse Persönlichkeitseigenschaften clustern. Sie sollten eigentlich dazu dienen, Personen auf die diese Beschreibungen passen, besser behandeln zu können, also Konzepte zu entwickeln, die möglichst vielen Menschen mit ähnlichen Problemen helfen. Nicht aber jemanden in ein "Korsett zu zwängen", das nicht mal richtig passt.

      In einer Therapie sollte es um deine realen Lebenssituationen, deine Wünsche, deine Schwierigkeiten gehen.

      Hast du mal in Erwägung gezogen an einem Forentreffen teilzunehmen? Eventuell könnte sich ja daraus ein Kontakt und vielleicht sogar eine Freundschaft ergeben.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Die Gleichsetzung von schizoider PS und Asperger ist auf jeden Fall falsch, auch wenn das wahrscheinlich früher oft die Diagnose für viele Asperger war. Der Unterschied liegt in den Ursachen, und deshalb muss auch die Therapie anders aussehen. Das sollte sich die Therapeutin bewusst machen und ggf. bis April noch ein modernes Fachbuch über Asperger lesen.
      Empfehlenswert würde ich das von Tebartz van Elst und Kollegen finden, "das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter".
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Das sollte sich die Therapeutin bewusst machen und ggf. bis April noch ein modernes Fachbuch über Asperger lesen.
      Empfehlenswert würde ich das von Tebartz van Elst und Kollegen finden, "das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter".
      Kann man das ihr zumuten? Was ich meine ist, ihr zu sagen dass sie eine Wissenslücke hat und sie schließen sollte meinetwegen?

      Ich las in 1971 ein Buch über die schizoide Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie als ich mich für Psychiatrie interessierte. Das (1971) ist fast 50 (fünfzig) Jahre her, oder ein halbes Jahrhundert. Die Therapeutin ist höchstens 30, schätze ich. Alles was ich gelesen habe über SPS und Asperger (auch die Bücher von Tebartz van Elst, die ich sehr gut fand) brachte mich zu dem Schluss dass ich eventuell ein bisschen Asperger habe aber ganz sicher keine SPS.

      Was mich erschrocken hat seit meiner Trennung ist dass die Verbindung zu der Gesellschaft mir abhanden gekommen ist, in dem Sinne dass ich 66 Jahre alt bin und keine Gespräche mehr habe weil niemand da ist. Die Therapeutin sagte dass ich in Wirklichkeit viele soziale Interaktionen habe und ich glaube sie denkt dass diese fehlende Verbindung nur ein schizoides Gefühl der fehlenden Verbindung ist weil ich schizoid sei. Aber das stimmt nicht. Als älterer getrennter Herr mit Englisch als Muttersprache und Englischunterricht als Job bin ich tatsächlich getrennt vom allgemeinen Geschehen in der deutschsprachigen Gesellschaft, es sei denn ich zu Selbsthilfegruppen gehe oder die Telefonseelsorge anrufe (was ich nicht tue). Es wurde mir sogar empfohlen von einem anderen Psychologen Kontakt zu knüpfen mit Engländern, weil dann hätte ich kein Problem weil es genug davon gibt, während eine andere Frau vorgeschlagen hatte dass ich ein "Tandem" mache, wobei ich gedacht habe "was ist ein Tandem?". Ein Tandem (habe ich letztendlich begriffen) ist wenn jemand seine Muttersprache eine Stunde lang mit jemandem spricht und die andere Person beim Tandem die andere Sprache mit einem spricht eine Stunde lang, als Ausgleich. Sowas macht man wenn man erst seit kurzem in einem Land ist und die Sprache nicht kann und jemanden braucht die mit einem redet weil man sonst die Sprache nicht üben kann, weil man zu rudimentäre Sprachkenntnisse hat um am normalen Leben außerhalb des Tandems teilzunehmen. Aber ich bin hier seit fast 20 Jahren. Es ist nicht ich der sich von der Gesellschaft trennt (und auch nicht wirklich die Gesellschaft die sich von mir getrennt hat) aber ich bin wirklich wie ein Schiffsbrüchiger und brauche keinen Tandem und bin nicht schizoid. Es ist zum Verzweifeln.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Unbewohnte Insel wrote:

      Kann man das ihr zumuten? Was ich meine ist, ihr zu sagen dass sie eine Wissenslücke hat und sie schließen sollte meinetwegen?
      Ich finde schon, wenn sie ein falsches Bild von der Diagnose hat. Es ist dann nur die Frage, wie man es gut rüberbringt. Vielleicht nicht so direkt als Aufforderung, sondern zuerst erklären, was der Unterschied zwischen Asperger und schizoider PS ist, dass dieser Unterschied für das Verständnis und für die Therapie wichtig ist, und dann das Buch erwähnen. Falls du dieses Buch oder ein anderes, das geeignet wäre, zu Hause hast, könntest du es ihr auch mitbringen und ausleihen.

      Du bist der Auftraggeber für die Therapie, sie bekommt Geld dafür. Wenn die Therapie ein Erfolg werden soll, dann muss doch als erstes auch die Diagnose stimmen, von der sie ausgeht, und sie muss etwas darüber wissen.

      Ich weiß schon, dass es schwierig ist, eine Forderung zu stellen, und ich bin auch viel besser im Erteilen von Ratschlägen als im Umsetzen. Aber es ist besser, gleich am Anfang viel über AS zu erklären, als wenn du es später immer wieder machen musst.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Die Therapeutin sagte dass ich in Wirklichkeit viele soziale Interaktionen habe und ich glaube sie denkt dass diese fehlende Verbindung nur ein schizoides Gefühl der fehlenden Verbindung ist weil ich schizoid sei.
      Das Gefühl des Getrennt-Seins ist typisch für den Autismus. Wenn es dich stört, dass sie es schizoid nennt, kannst du das ruhig sagen. Es ist ganz oft nur eine Frage des Tonfalls, und eventuell muss man es genauer erklären. Oft kommt es gar nicht so schlecht an wie man denkt, wenn man sagt, dass man sich an etwas stört und es gerne anders hätte.
      Alles wird galaktisch gut.
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      Pechblende wrote:

      ich vielleicht. habe die Diagnose als Verdacht, aber knapp drin bezogen auf die erfüllten Kriterien.
      Im anderen Thread zu dem Thema hatte ich das schon mal konkret und genauer erläutert, aber das Kriterium was am einfachsten unterschieden werden kann ist finde ich der übliche Beginn in der Frühkindheit (AS) vs. im jungen Erwachsenenalter (SP).

      Nochmal ausführlich:
      Autismus ist angeboren und ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, Schitzoide PS ist eine Persönlichkeitsstörung und tritt erst im Laufe der Jugend auf, auch in den Symptomen gibt es deutliche Unterschiede
      Hier mal ein Vergleich aus dem DSM 5 schitzoide PS:
      Für die Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung müssen die Patienten ein anhaltendes Muster von Folgendem haben
      Trennung von und allgemeines Desinteresse an sozialen Beziehungen
      Eingeschränkter Ausdruck von Emotionen in zwischenmenschlichen Interaktionen
      Dieses Muster wird durch das Vorhandensein von ≥ 4 der Folgenden gezeigt:
      Kein Wunsch nach Freude oder engen Beziehungen, einschließlich derjenigen der Familienmitglieder.
      Starke Vorliebe für eigenbrötlerische Aktivitäten
      Geringes, wenn überhaupt, Interesse an der sexuellen Aktivität mit einer anderen Person
      Vergnügen von wenigen, wenn überhaupt, Aktivitäten
      Der Mangel an engen Freunden oder Vertrauten, außer vielleicht Verwandten ersten Grades
      Die scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber dem Lob oder Kritik anderer
      Emotionale Kälte, Ablösung oder abgeflachter Affekt
      Außerdem müssen Symptome im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.
      DSM5 Autismus:
      A. Defizite in sozialer Kommunikation und Interaktion 1. Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit 2. Defizite in nonverbaler Kommunikation 3. Defizite bei der Entwicklung, der Aufrechterhaltung und dem Verständnis von Beziehungen. Kriterien 1-3 müssen erfüllt werden.
      B. Restriktive, repetitive Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster• Stereotype und repetitive motorische/sprachliche Manierismen.• Exzessives Festhalten an Routinen, ritualisierte Muster im verbalen und nonverbalen Verhalten oder exzessiver Widerstand gegen Veränderungen.• Umfassende Beschäftigung mit mehreren stereotypen unbegrenzten Interessen.• Hyper- oder Hyporeaktivität hinsichtlich sensorischer Reize. Mindestens 2 der 4 Kriterien müssen erfüllt werden.
      C. Die Symptome müssen in der frühen Kindheit beginnen.
      D. Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
      E. Die Störung ist nicht besser durch intellektuelle Einschränkungen oder globale Entwicklungsverzögerungen erklärbar.
      Ein häufiger Unterschied ist, dass Asperger durchaus Interesse an Kontakt und Beziehung zu Menschen haben, aber nicht können/wissen wie, währen Schitzoide das nicht wollen.
      Asperger durchaus empfänglich sind für Lob und Kritik und Menschen lieben und vermissen können, während das bei Schtizoiden meist nicht so ist.

      Auch Stereotypien, Spezialinteressen, und der Beginn in der frühen Kindheit sprechen eher für Autismus und gegen Schitzioide PS.
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      MangoMambo wrote:

      Pechblende wrote:

      ich vielleicht. habe die Diagnose als Verdacht, aber knapp drin bezogen auf die erfüllten Kriterien.
      Im anderen Thread zu dem Thema hatte ich das schon mal konkret und genauer erläutert, aber das Kriterium was am einfachsten unterschieden werden kann ist finde ich der übliche Beginn in der Frühkindheit (AS) vs. im jungen Erwachsenenalter (SP).
      Nochmal ausführlich:
      Autismus ist angeboren und ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, Schitzoide PS ist eine Persönlichkeitsstörung und tritt erst im Laufe der Jugend auf, auch in den Symptomen gibt es deutliche Unterschiede
      dazu also zur PS habe ich auf wikipedia gefunden:

      Kollektiv wrote:


      Nach vorherrschender Auffassung nimmt diese Persönlichkeitsstörung in der frühen Kindheit oder Jugend ihren Ausgang

      worauf ich manchmal mehr gebe als auf den Versuch, für mich spezielle Wissenschaft auf hohem Niveau nachvollziehen zu können, ist das Lesen von Erfahrungsberichten und Selbstschilderungen von Betroffenen. und da hab ich bei beiden Einiges gefunden was mir irgendwie bekannt vorkommt. aber ich bin ja erst am Anfang an die tiefergehenden Sachen ranzukommen nach langer Depressions-Diagnose und -Behandlung an der Oberfläche