Midlifecrisis wegen fehlender Entwicklung?

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    • Leonora wrote:

      Da heißt es meist, man müsse zwar Abschied nehmen von vielem, dafür säße man beruflich "fest im Sattel", wäre in besserer finanzieller Situation als in jungen Jahren, wäre gelassener, wisse, was man wolle etc.
      Also, dass man eher weiß, was man will, denke ich, ist meistens so. Man ist ja schon reifer im Vergleich zu früher - das empfinde ich auch als positiv (ich möchte nicht mehr jung sein!).

      Aber andere Dinge sind natürlich individuell verschieden. Es gibt auch Leute, die in hohe Schulden gerutscht sind oder beruflich im mittleren Lebensalter "rausgeflogen" sind und es dann oft aufgrund des Alters (so ein Blödsinn, dabei soll man bis fast 70 arbeiten) schwer haben, wieder Fuß zu fassen.
      Auf einen großen oder relativ großen Teil trifft das oben Stehende zu. Ich würde sogar sagen, dass es in Ansätzen auf mich zutrifft und auf viele andere natürlich noch mehr. Doch wie du sagst, es gibt auch genug Menschen, die finanziell auch mit 40 oder 50 nicht abgesichert sind bzw. eigentlich gar nichts haben. Wir haben in D. eine riesige Kluft zwischen relativer Armut und relativem Wohlstand. Wenn ich höre, wie viele Menschen sehr wenig Geld haben, wundere ich mich oft, das ich halt viele Akademiker kenne und von denen stehen viele besser dar als ich, obwohl ich nicht arm bin (entweder weil sie etwas anderes studiert haben, an der Uni arbeiten, zu zweit sind oder reiche Eltern/Verwandte haben und geerbt).

      Gerade heutzutage gibt es wahrscheinlich auch immer mehr Umbrüche; Familien trennen sich leichter, Jobs brechen schnell mal weg und der Konsum verlockt mit so vielen vermeintlich unentbehrlichen Dingen, für die man sich verschuldet.
    • Fidoline wrote:

      Also, dass man eher weiß, was man will, denke ich, ist meistens so. Man ist ja schon reifer im Vergleich zu früher - das empfinde ich auch als positiv (ich möchte nicht mehr jung sein!).
      Ich schon, bin seelisch ein echter "Spätentwickler". In vieler Hinsicht bin ich durchaus heute reifer, vor allem realistischer und desillusionierter. In Bezug auf meine eigenen Pläne und Möglichkeiten, aber auch darauf, wie Gesellschaften, Unterstützungssysteme etc. funktionieren. Ich vermisse aber schon meinen früheren Enthusiasmus, in gewissem Sinne auch meine Naivität. Und das, obwohl ich auch früher, eigentlich sogar immer, schon Ängste und Probleme hatte. Es ist, als habe die Zukunft keine Verheißung mehr, als sei der "Zauber" irgendwie verschwunden.

      Fidoline wrote:

      Aber andere Dinge sind natürlich individuell verschieden. Es gibt auch Leute, die in hohe Schulden gerutscht sind oder beruflich im mittleren Lebensalter "rausgeflogen" sind und es dann oft aufgrund des Alters (so ein Blödsinn, dabei soll man bis fast 70 arbeiten) schwer haben, wieder Fuß zu fassen.
      Auf einen großen oder relativ großen Teil trifft das oben Stehende zu. Ich würde sogar sagen, dass es in Ansätzen auf mich zutrifft und auf viele andere natürlich noch mehr. Doch wie du sagst, es gibt auch genug Menschen, die finanziell auch mit 40 oder 50 nicht abgesichert sind bzw. eigentlich gar nichts haben.
      Ja, genau. Ich finde immer wieder erstaunlich, wie die Artikel oder auch die Bücher zu diesem Thema immer nur von einem gewissen Mittelschichtstypus mit einer Art "Standardbiographie" ausgehen. Dabei entspricht das bei ganz vielen nicht ihrer Lebensrealität. Das, was dann ermutigend klingen soll, klingt dann schal oder ist sogar kontraproduktiv. Und das, wo ansonsten heutzutage soviel von Vielfalt, Diversität, verschiedenen Lebensentwürfen etc. die Rede ist. Aber ab einem bestimmten Alter scheint das gar keine Rolle mehr zu spielen.

      Fidoline wrote:

      Wir haben in D. eine riesige Kluft zwischen relativer Armut und relativem Wohlstand. Wenn ich höre, wie viele Menschen sehr wenig Geld haben, wundere ich mich oft, das ich halt viele Akademiker kenne und von denen stehen viele besser dar als ich, obwohl ich nicht arm bin (entweder weil sie etwas anderes studiert haben, an der Uni arbeiten, zu zweit sind oder reiche Eltern/Verwandte haben und geerbt).
      Auch Akademiker sind längst nicht immer wohlhabend. Sehr viele sind in prekären Lebensverhältnissen. Klar, ist natürlich abhängig vom familiären Hintergrund sowie von der Studienwahl. Aber ich sehe auch, dass die "Kluft" in Deutschland in der Hinsicht immer weiter wird.

      Fidoline wrote:

      Gerade heutzutage gibt es wahrscheinlich auch immer mehr Umbrüche; Familien trennen sich leichter, Jobs brechen schnell mal weg und der Konsum verlockt mit so vielen vermeintlich unentbehrlichen Dingen, für die man sich verschuldet.
      Absolut. Strukturell wird das ja auch total gefördert, weil der Kapitalismus davon abhängig ist.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Puh, vieles hier in diesem Thread kann ich nachvollziehen, bzw. es sind Gedankengänge, die ich auch schon hatte oder habe.
      Was Schule, Uni und Arbeit betrifft, habe ich mich immer massiv durchkämpfen müssen, was auch schon zahlreiche Erkrankungen mit sich zog. Da das bei mir aber absolute Priorität hat (und vielleicht auch, weil ich die Auti-Diagnose erst vor kurzem bekam) schaffe ich (30 Jahre alt btw.) das bisher (toi, toi, toi).

      Über Wohneigentum denke ich nach, aber a. ist das heutzutage ja gar nicht mehr die Empfehlung schlechthin für finanzielle Sicherheit und b. muss ich da noch ein paar Taler auf die hohe Kante legen (RW). ;)

      Autofahren kann ich, parken allerdings nicht so gut. :d

      Mein großer wunder Punkt ist das Soziale. Auch ich habe ein paar Einzelfreundschaften, genauso wie sie hier schon beschrieben wurden. Aber darüber hinaus kämpfe ich so sehr mit der Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Alleinsein und dem Gefühl der Einsamkeit. Das tut so weh, vor allem, wenn ich an die Zukunft denke. Ein Kind wäre als Frau alleine theoretisch ja sogar machbar (Dänemark, Spanien, ... und mittlerweile sogar einzelne Kliniken in D ermöglichen das), aber als Aspie von der Belastungssituation wäre das schon arg grenzwertig.

      Momentan hoffe ich, dass ich durch andere Autis Kontakte aufbauen kann, die zu mir und meiner Situation passen. :] Und ich beruflich weiter durchhalte (Panikstörung und Co. sind durch Therapie gut im Griff - immerhin).

      The post was edited 1 time, last by merryhappy ().

    • merryhappy wrote:

      Ein Kind wäre als Frau alleine theoretisch ja sogar machbar (Dänemark, Spanien, ... und mittlerweile sogar einzelne Kliniken in D ermöglichen das), aber als Aspie von der Belastungssituation wäre das schon arg grenzwertig.
      Mir hat das Kinderkriegen eine Perspektive gegeben. Eine Möglichkeit, mich doch noch weiter zu entwickeln und eine Aufgabe zu haben, in der man absolut aufgehen kann :nod: Trotz der Anstrengungen, die das Aspie-Mamasein mit sich bringt, war ich immer eine sehr glückliche alleinerziehende Mutter. Klar gab es viele Heulanfälle meinerseits, weil ich am Abend zu platt war, mich um meine Spezialinteressen zu kümmern, aber das Mamaglück ist einfach viel viel riesiger, als ich es vorher hätte erahnen können.
      Allerdings sei gesagt, dass ich NICHT Muttersein und Beruf unter einen Hut bekommen musste, da ich von Anfang an fast durchgehend "arbeitsunfähig" war.
      Beides hätte ich nicht gepackt. Ich habe größten Respekt vor Eltern, die Beruf und Kinder managen können, ohne dass die Kinder drunter zu leiden haben.

      Also mich hat das Kinderkriegen quasi prophylaktisch vor einer Midlife-Crisis geschützt, da ich die familiäre Situation erfüllender finde, als auf eine berufliche Karriere blicken zu können....
    • Leonora wrote:


      Pechblende wrote:

      Verarmung na ja, da hängt halt alles am Job, wie lange ich den psychisch, was grad ein großes Problem ist oder später auch physisch, denn es ist ein körperlicher Job, machen kann. wenn ich den verliere, werde ich wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit aus dem Arbeitsleben ausscheiden bzw ausgeschieden werden . und dann gehts richtig bergab
      Das klingt nicht gut, wäre nicht vielleicht eine Umschulung eine Option? Oder ein Schwerbehindertenstatus und dann ein Weg über berufliche Reha?
      hm ja es gab Beratungen und Gedanken in diese Richtung. also als Grundlage die Feststellung eines GdB diesen Weg werde ich wohl gehen (müssen); es hilft ja auch u.a. im jetzigen Job.
      rechtlich ist der Arbeitsvertrag schon ziemlich sicher und es sind halt auch passende Rahmenbedingungen, v.a. eben nur ein Minimum an Zwangskontakten. ich wüsste einfach auch nicht, was ich sonst arbeiten könnte oder wollte, deswegen ist eine Umschulung auch gedanklich in weiter Ferne. eine Reha-Maßnahme käme erst dann in Betracht, wenn ich den Job wirklich an den Nagel hänge (rw) oder wenigstens nochmal in eine längere Krankheitsphase rutsche. wobei im Moment hab ich das gefühl, dass ich wieder besser mit dem Job arrangieren kann, diese Schwankungen kenne ich schon lange
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      Pechblende wrote:

      hm ja es gab Beratungen und Gedanken in diese Richtung. also als Grundlage die Feststellung eines GdB diesen Weg werde ich wohl gehen (müssen); es hilft ja auch u.a. im jetzigen Job.
      Das halte ich auf jeden Fall für eine gute Entscheidung. Kann, wenn es darauf ankommt, eine wichtige Schutzfunktion haben.

      Pechblende wrote:

      rechtlich ist der Arbeitsvertrag schon ziemlich sicher und es sind halt auch passende Rahmenbedingungen, v.a. eben nur ein Minimum an Zwangskontakten. ich wüsste einfach auch nicht, was ich sonst arbeiten könnte oder wollte, deswegen ist eine Umschulung auch gedanklich in weiter Ferne. eine Reha-Maßnahme käme erst dann in Betracht, wenn ich den Job wirklich an den Nagel hänge (rw) oder wenigstens nochmal in eine längere Krankheitsphase rutsche.
      In der Situation kann ich gut verstehen, dass Du daran erst einmal nichts ändern möchtest. Zugleich nagt es natürlich, wenn der Job auf Dauer eventuell keine Perspektive darstellt, schon aufgrund von körperlicher Überforderung.

      Pechblende wrote:

      wobei im Moment hab ich das gefühl, dass ich wieder besser mit dem Job arrangieren kann, diese Schwankungen kenne ich schon lange
      Auch das kann ich nachvollziehen. Ist glaube gar nicht so selten so bei suboptimalen, aber trotzdem aushaltbaren Situationen, in die man irgendwie "gerutscht" ist.

      Übrigens las ich kürzlich irgendwo einen Artikel, wo schon allein die Tatsache, dass die Fragen nach Familie und Karriere normalerweise erledigt sind, als positiv und entspannend gewertet wurde. Auch für diejenigen, die ihre Vorstellungen nicht verwirklichen konnten. Ich denke, da kommt es immer noch darauf an, wie die eigene Lage insgesamt ist. Wenn man eigentlich insgesamt nichts wirklich Befriedigendes geschafft hat, ist das anders, als wenn es zumindest in einem Bereich für jetzt und auch perspektivisch einigermaßen "stimmt".
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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      Ratgebe rbezüglich der midlife crisis gehen zu recht von einem typischen Lebenslauf aus, weil dieser typische Lebenslauf der midlife crisis bzw ihrer Definition imanent ist. Also man kann nur mit so einem Lebenslauf das haben, was landläufig als midlife crisis bezeichnet wird, da die midlife crisis zur grundlage hat, dass man eben die klassischen Ziele erreicht hat (Arbeit, Familie, Haus etc.) und trotzdem nicht glücklich ist und sich fragt, ob das jetzt alles gewesen sei. Wenn man aber diese Ziele nicht erreicht hat und deswegen unglücklich ist, ist es ja keine midlife crisis (wie sie definiert ist) sondern etwas anderes (da weiß man ja auch nicht, ob die Leute auch unglücklich wären,. wenn sie alles erreicht hätten, zumidnest wären eben die Probleme andere). Der Name midlife crisis ist natürlich viel zu universalistisch, weil er impliziert, dass er generell alle Lebenskrisen die in der Mitte des Lebens auftauchen können umfasst, tut er aber nicht (wobei das ja oft bei Begriffen ist, sie bieten eine bestimmte Perspektive, meistens die des Mainstreams bzw. der dominierenden perpektive) sondern lediglich die midlife crisis einer bestimmten Gruppe. Eigentlich handelt es sich dan in dem falle, dass die Leute nicht den lebenslauf haben, den die klassischen Midlife crisis leute haben als Grund für ihre eigene krise, also sie leiden ja oft genau darunter, dass sie nicht die gleiche Entwicklung hinbekommen haben.
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      Eryniell wrote:

      merryhappy wrote:

      Ein Kind wäre als Frau alleine theoretisch ja sogar machbar (Dänemark, Spanien, ... und mittlerweile sogar einzelne Kliniken in D ermöglichen das), aber als Aspie von der Belastungssituation wäre das schon arg grenzwertig.
      Mir hat das Kinderkriegen eine Perspektive gegeben. Eine Möglichkeit, mich doch noch weiter zu entwickeln und eine Aufgabe zu haben, in der man absolut aufgehen kann :nod: Trotz der Anstrengungen, die das Aspie-Mamasein mit sich bringt, war ich immer eine sehr glückliche alleinerziehende Mutter. Klar gab es viele Heulanfälle meinerseits, weil ich am Abend zu platt war, mich um meine Spezialinteressen zu kümmern, aber das Mamaglück ist einfach viel viel riesiger, als ich es vorher hätte erahnen können.Allerdings sei gesagt, dass ich NICHT Muttersein und Beruf unter einen Hut bekommen musste, da ich von Anfang an fast durchgehend "arbeitsunfähig" war.
      Beides hätte ich nicht gepackt. Ich habe größten Respekt vor Eltern, die Beruf und Kinder managen können, ohne dass die Kinder drunter zu leiden haben.

      Also mich hat das Kinderkriegen quasi prophylaktisch vor einer Midlife-Crisis geschützt, da ich die familiäre Situation erfüllender finde, als auf eine berufliche Karriere blicken zu können....
      Interessant! Ich möchte halt meine Arbeit auf gar keinen Fall aufgeben, daher wäre ich somit in der Situation der totalen Doppelbelastung, die ja auch für NT mehr als grenzwertig ist.

      Also lass ich das lieber. :)
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      Zodd wrote:

      Ratgebe rbezüglich der midlife crisis gehen zu recht von einem typischen Lebenslauf aus, weil dieser typische Lebenslauf der midlife crisis bzw ihrer Definition imanent ist. Also man kann nur mit so einem Lebenslauf das haben, was landläufig als midlife crisis bezeichnet wird, da die midlife crisis zur grundlage hat, dass man eben die klassischen Ziele erreicht hat (Arbeit, Familie, Haus etc.) und trotzdem nicht glücklich ist und sich fragt, ob das jetzt alles gewesen sei.
      Interessante Perspektive. Stimmt, der Begriff impliziert wahrscheinlich schon genau den Mittelschichtstypus, von dem in Ratgebern und Artikeln dazu ausgegangen wird. Wenn es heißt, man könne auch mit nicht erreichten Zielen dann gelassener umgehen, wird dann auch zugrunde gelegt, dass insgesamt eben doch ein akzeptabler Lebensweg gegangen wurde, auch wenn nicht alles funktioniert hat. Der Lebenslauf eines behinderten bzw. psychisch kranken Menschen, der umfassend seine Ziele nicht erreicht und zugleich für seine Zukunft keine gute Perspektive hat, ist eben etwas grundsätzlich anderes.

      Zodd wrote:

      Eigentlich handelt es sich dan in dem falle, dass die Leute nicht den lebenslauf haben, den die klassischen Midlife crisis leute haben als Grund für ihre eigene krise, also sie leiden ja oft genau darunter, dass sie nicht die gleiche Entwicklung hinbekommen haben.
      Ich denke, wer einen untypischen, aber dennoch vorzeigbaren Lebenslauf hat (als Künstler beispielsweise), hat es da noch leichter als jemand, der eigentlich in keinem Bereich richtig etwas "vorzeigen" kann. Krisen mag es dann auch geben, aber es mag durchaus sein, dass "Midlifecrisis" dann auch nicht wirklich passt.
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      merryhappy wrote:

      Eryniell wrote:

      merryhappy wrote:

      Ein Kind wäre als Frau alleine theoretisch ja sogar machbar (Dänemark, Spanien, ... und mittlerweile sogar einzelne Kliniken in D ermöglichen das), aber als Aspie von der Belastungssituation wäre das schon arg grenzwertig.
      Also mich hat das Kinderkriegen quasi prophylaktisch vor einer Midlife-Crisis geschützt, da ich die familiäre Situation erfüllender finde, als auf eine berufliche Karriere blicken zu können....
      Interessant! Ich möchte halt meine Arbeit auf gar keinen Fall aufgeben, daher wäre ich somit in der Situation der totalen Doppelbelastung, die ja auch für NT mehr als grenzwertig ist.
      Also lass ich das lieber. :)
      Das verstehe ich! Wenn man an seiner Arbeit "hängt" und noch keine Kinder hat, ist das ja auch ein guter Zustand :nod:
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      Eryniell wrote:

      Das verstehe ich! Wenn man an seiner Arbeit "hängt" und noch keine Kinder hat, ist das ja auch ein guter Zustand
      Oder vielleicht gar keine Kinder kriegt, das noch impliziert ja, dass man irgendwann welche kriegt und Kinder kriegen ist ja Gott sei Dank keine Pflicht mehr.
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      Ich denke, es ist ein Unterschied, ob prinzipiell noch die Möglichkeit besteht oder nicht. Die Midlifecrisis hat viel mit dem Verlust von Möglichkeiten zu tun.
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      Leonora wrote:

      Die Midlifecrisis hat viel mit dem Verlust von Möglichkeiten zu tun.
      alle menschen haben mit dem verlust von möglichkeiten zu kämpfen. Dass in dem vorliegenden fall etwas spezifisch autistisches vorlegt, sehe ich nicht, andererseits können hier alle ihre nicht näher definierbare Sorgen loswerden natürlich mt 'geht ihr auch so ähnlich?'
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      Natürlich betrifft der Verlust von Möglichkeiten in der Lebensmitte alle Menschen im entsprechenden Alter. Dennoch gibt es meiner Ansicht nach Besonderheiten, die behinderte, psychisch kranke und vielleicht sogar besonders stark autistische Menschen betreffen. Das wurde hier im Thread auch schon diskutiert. Zum einen sind etliche Autisten seelisch und sozial "Spätentwickler", die sich, wenn das mittlere Alter mit seinem Schwinden der Optionen ansteht, längst noch nicht an dem Punkt empfinden. Die Diskrepanz zwischen wahrem und gefühltem Alter ist krasser als bei vielen anderen. Zum anderen sind viele vom Selbstbild her nicht als Behinderte aufgewachsen, hatten oft sogar sehr gute Noten und galten als begabt. Dann gab es oft auch keinen Bruch wie bei Menschen, die erst später behindert wurden oder offensichtliche psychische Krisen erlebten. Dadurch klaffen Selbstbild und Erreichtes häufig stark auseinander. Ohne, dass es lange eine Erklärung dafür gab, was das Abfinden damit noch erschweren kann.

      Der Psychiater Andreas Knuf schreibt für Psychisch Kranke, die in die Peer-Begleitung gehen, dass sie sich oft der Trauer des ungelebten Lebens stellen müssen, wenn es weder Partner noch Kinder noch einen erfüllenden Beruf gibt. Das erfordert viel Kraft, wie er auch erwähnt, und geht über die "normale" Midlifecrisis weit hinaus.
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      Leonora wrote:

      Der Psychiater Andreas Knuf schreibt für Psychisch Kranke, die in die Peer-Begleitung gehen, dass sie sich oft der Trauer des ungelebten Lebens stellen müssen, wenn es weder Partner noch Kinder noch einen erfüllenden Beruf gibt. Das erfordert viel Kraft, wie er auch erwähnt, und geht über die "normale" Midlifecrisis weit hinaus.
      dazu kann noch der Aspekt kommen, dass man das Fehlen einer 'Normalbiographie' mit Beruf und Karriere, Partner und Familie vielleicht eine Zeitlang gar nicht als 'ungelebtes' Leben empfunden hatte, es sogar kompensieren konnte durch ein anders gelebtes Leben, z.B. durch eine Verlängerung der Jugend u/o eine Art Bohemien Lebensstil; es spricht ja nicht alle an, dieses Leben zu leben. aber irgendwann fällt man mit fortschreitendem Alter dort halt auch 'aus dem Rahmen' (rw), was dann die etwas anders akzentuierte Krise auslösen kann
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      Pechblende wrote:

      dazu kann noch der Aspekt kommen, dass man das Fehlen einer 'Normalbiographie' mit Beruf und Karriere, Partner und Familie vielleicht eine Zeitlang gar nicht als 'ungelebtes' Leben empfunden hatte, es sogar kompensieren konnte durch ein anders gelebtes Leben, z.B. durch eine Verlängerung der Jugend u/o eine Art Bohemien Lebensstil
      Ja, das stimmt. Gar nicht so wenige Autisten sind sehr lange im Studium und fühlen sich in einer typischen "Studentenexistenz" durchaus wohl. Temple Grandin schreibt auch darüber, dass viele Autisten zu "eternal students" werden und später die Jahre an der Uni als ihre beste Zeit bezeichnen.

      Pechblende wrote:

      es spricht ja nicht alle an, dieses Leben zu leben. aber irgendwann fällt man mit fortschreitendem Alter dort halt auch 'aus dem Rahmen' (rw), was dann die etwas anders akzentuierte Krise auslösen kann
      Genau. Das muss meiner Einschätzung nach kein Gegensatz dazu sein, dass auch das Fehlen des "typischen" Weges als Mangel empfunden wird. Die Verlängerung der Jugend, die Du erwähnst, passt auch sowohl dazu, dass Autisten oft Spätentwickler sind, wie auch zu ihren Problemen mit Veränderungen.
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      Hier hat jemand am 22. Feb. 2020 einen Beitrag gepostet u. ich sehe, dass immer noch ernsthaft über diesen Schwachsinn diskutiert wird, heute 22. Oktober...

      Fidoline wrote:

      Nachdem meine letzte Jobbefristung zuende war, habe ich in meiner Heimat eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen und
      lange keine Wohnung gefunden. Nun habe ich eine, aber die gefällt mir echt gar nicht (1-Raum-Wohnung), nur warten
      meine Tiere im Tierheim schon monatelaLeben ihre
      Leben ihre Tiere u. sie noch? ich lebe seit 20 Jahren in einem Wohnsilo von 1-Zimmer Wohnungen wo inzwischen eine Rentnerin verstorben ist.

      Fidoline wrote:

      Mir fehlt irgendwie alles, was zu einem Erwachsenenleben gehört. Ich habe das Gefühl, mich seit 20 Jahren nicht wirklich
      entwickelt zu haben, obwohl ich bemüht war und auch schon in Therapie und beim Coach.
      Ich habe mich auch nicht so recht entwickeln können inden letzten 20 jahren in diesem 1-Zimmer-Wohnsilo u. all die anderen bestimmt auch nicht, aber wir weinen uns in apies.de nicht aus, so dass all die User darüber 8 Monate lang autistisch philosophieren können, irgendwann ist Schluss.

      Das alles schreibe ich u.a. auch deswegen, weil die erste Antwort vor 8 monaten von mir ist.
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      Pechblende wrote:

      dazu kann noch der Aspekt kommen, dass man das Fehlen einer 'Normalbiographie' mit Beruf und Karriere, Partner und Familie vielleicht eine Zeitlang gar nicht als 'ungelebtes' Leben empfunden hatte, es sogar kompensieren konnte durch ein anders gelebtes Leben, z.B. durch eine Verlängerung der Jugend u/o eine Art Bohemien Lebensstil; es spricht ja nicht alle an, dieses Leben zu leben. aber irgendwann fällt man mit fortschreitendem Alter dort halt auch 'aus dem Rahmen' (rw), was dann die etwas anders akzentuierte Krise auslösen kann
      So lief das ungefähr von 2012 bis 2017 bei mir. Damals hab ich so ziemlich abgekapselt von Gesellschaft und Familie gelebt, wobei es mich eigentlich gar nicht gestört hat. Ich hatte meine Routinen, hatte mich so ziemlich in meinem Leben eingerichtet. Das die Jahre vergingen hab ich bewusst eigentlich gar nicht so mitbekommen. Also vom reflektieren her. Das die Jahreszeiten kamen und gingen (RW) war mir schon bewusst, doch weil mein tägliches Grundgerüst (RW) immer so ziemlich gleich war hat es kaum Einfluss gehabt.
      Erst als ich letztes Jahr in das Beziehungsbedürfnis getriggert wurde, ist mir bewusst geworden, dass doch etwas fehlt. Schwer zu beschreiben, aber ich fand meinen damaligen Gemütszustand, während der sozialen Isolation, eigentlich ganz angenehm und finde ihn heute noch gut, aber jetzt ist mittlerweile das Bedürfnis nach einer Beziehung entstanden, was mich dann doch (auch rückblickend) melancholisch bis depressiv macht, auch weil ich unter anderem damals viele Möglichkeiten ungenutzt ließ (bzw nicht auf due Idee kam das es da Möglichkeiten gibt).