Midlifecrisis wegen fehlender Entwicklung?

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    • Fidoline wrote:

      Hallo,

      ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dass ich in einer richtigen Midlifecrisis bin (bin Ende 30). Mir geht es nicht nur total schlecht,
      sondern in meinem Kopf routieren auch ständig Gedanken daran, was ich für eine Versagerin bin im Vergleich mit Gleichaltrigen.

      Mir fehlt irgendwie alles, was zu einem Erwachsenenleben gehört. Ich habe das Gefühl, mich seit 20 Jahren nicht wirklich
      entwickelt zu haben, obwohl ich bemüht war und auch schon in Therapie und beim Coach. Es sind aber immer die gleichen
      Probleme, die ich habe.
      Wenn ich daran denke, dass ich das womöglich noch Jahrzehnte ertragen muss, wird mir echt ganz anders. :(

      Geht es jemandem ähnlich?
      ich würde schon sagen, dass es mir relativ ähnlich geht. ich tue mich sehr schwer mit dem Leben, dass ich führen muss.
      ich bin auch (noch?) auf dem ersten Arbeitsmarkt aber in einem angelernten Job, der nicht ganz meinem Schulabschluss entspricht; ich habe auch schon Dutzende Hochschulsemester absolviert, ohne einen Abschluss geschafft zu haben. ich habe auch nie den Arbeitgeber gewechselt, nur die Tätigkeit, v.a. aus großer Angst vor Neuem.
      eine lange Partnerschaft habe ich geführt, die ist aber unter recht dramatischen Umständen zu Ende gegangen mit endgültigem Kontaktende letztes Jahr.
      eine eigene Familie zu gründen hatte ich eh nie vor wegen völliger Überforderung.
      wenigstens mit meiner Wohnung hab ich an sich Glück, aber im Moment ist sie ziemlich belastet durch die Erinnerung ans Zusammenleben und ich schaffe den Haushalt nur schwer wegen einer depressiven Episode.
      ach ja Auto fahren kann ich auch nicht ;) ich finde das z.b. ist ein Thema, das ich den Anderen schwer erklären kann, aber ich hab immer den Gedanken gehabt, dass mich das überfordert; Ausrede gegenüber Anderen ist halt Umweltschutz- Klimaschutzaspekt, so mach ich es inzwischen.

      Mein Zwischenfazit ist im Moment schon auch die Richtung, dass ich es irgendwie nie geschafft hab, richtig Inhalt in mein Leben zu bringen und das auch nichts mehr wird.


      Brian Garvey wrote:


      Naja, ich bin fähig, mich irgendwie "durchzukämpfen" und kann für mich sorgen, aber ansonsten bin ich nicht grad sehr erwachsen. Ein ewig kindlicher Einzelkämpfer sozusagen...

      diese Aussage spricht mich auch sehr an

      The post was edited 1 time, last by Pechblende ().

    • Pechblende wrote:

      ach ja Auto fahren kann ich auch nicht ich finde das z.b. ist ein Thema, das ich den Anderen schwer erklären kann, aber ich hab immer den Gedanken gehabt, dass mich das überfordert; Ausrede gegenüber Anderen ist halt Umweltschutz- Klimaschutzaspekt, so mach ich es inzwischen.
      Stimmt, das ist der einfachste Weg. Ich habe auch den Eindruck, dass der Umgang damit in den letzten Jahren wesentlich einfacher geworden ist und ein fehlender Führerschein heute weniger Rechtfertigung verlangt als noch vor ein paar Jahren. Ein positiver Nebeneffekt des erneuerten Umweltbewusstseins.

      Pechblende wrote:

      Mein Zwischenfazit ist im Moment schon auch die Richtung, dass ich es irgendwie nie geschafft hab, richtig Inhalt in mein Leben zu bringen und das auch nichts mehr wird.
      Ja .... Echt ein übler Gedanke. Ich habe das Gefühl, ich würde einfach viel mehr Zeit dazu brauchen als andere, und passende Rahmenbedingungen, mit dem Wissen, dass die auch wirklich nötig sind und ich das dadurch selbstbewusst vertreten kann.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Stimmt, das ist der einfachste Weg. Ich habe auch den Eindruck, dass der Umgang damit in den letzten Jahren wesentlich einfacher geworden ist und ein fehlender Führerschein heute weniger Rechtfertigung verlangt als noch vor ein paar Jahren. Ein positiver Nebeneffekt des erneuerten Umweltbewusstseins.Ja .... Echt ein übler Gedanke. Ich habe das Gefühl, ich würde einfach viel mehr Zeit dazu brauchen als andere, und passende Rahmenbedingungen, mit dem Wissen, dass die auch wirklich nötig sind und ich das dadurch selbstbewusst vertreten kann.
      Ja das kenne ich .. und diese Dinge kann ich dann gar nicht mehr aufholen weil die Mitmenschen bei diesen Dingen viel viel weiter sind und wenn ich einen für mich großen Schritt gemacht habe, der für andere aber ein kleiner Schritt ist dann machen diese Menschen aber in der Zeit noch einmal viel größere Schritte als ich. Sie enteilen einfach. Die Prioritäten liegen bei mir aber auch irgendwo ganz woanders. Ich habe mich in den Jahren, in denen andere eine normale Entwicklung gemacht haben mich sehr viel mit meinen Spezialinteressen beschäftigt. Jetzt habe ich zwar viel Wissen in manchen Gebieten aber das hilft mir dann im Alltag nicht so viel weil das über Jahre so vernachlässigt wurde von mir bzw. ich gar kein Interesse daran hatte. Noch dazu sind zu viele andere Kompetenzen gefragt und Wissen ist nur ein netter Zusatz aber wichtiger ist das Auftreten oder wie man es rüberbringt.
    • da_hooliii wrote:

      wenn ich einen für mich großen Schritt gemacht habe, der für andere aber ein kleiner Schritt ist dann machen diese Menschen aber in der Zeit noch einmal viel größere Schritte als ich.
      Ja, genau. Das Tempo auf sozialem Gebiet passt einfach nicht. Irgendwann sind die Gleichaltrigen und selbst die ein paar Jahre Jüngeren nicht mehr einzuholen, und man findet einfach keinen für sich selbst stimmigen, anerkannten Platz mehr in der Welt.

      da_hooliii wrote:

      Die Prioritäten liegen bei mir aber auch irgendwo ganz woanders. Ich habe mich in den Jahren, in denen andere eine normale Entwicklung gemacht haben mich sehr viel mit meinen Spezialinteressen beschäftigt.
      Das war auch mein Problem. In den Jahren, in denen man eigentlich die "Weichen" in Richtung Erwachsenenleben mit Beruf und Beziehung stellt, war ich "knietief" in der Beschäftigung mit meinen Interessen. Lange erhoffte ich ja, darüber einen beruflichen Weg, passende Kontakte und irgendwann auch eine Partnerschaft zu finden. Das stellte sich leider als Illusion heraus.

      da_hooliii wrote:

      Jetzt habe ich zwar viel Wissen in manchen Gebieten aber das hilft mir dann im Alltag nicht so viel weil das über Jahre so vernachlässigt wurde von mir bzw. ich gar kein Interesse daran hatte. Noch dazu sind zu viele andere Kompetenzen gefragt und Wissen ist nur ein netter Zusatz aber wichtiger ist das Auftreten oder wie man es rüberbringt.
      Es ist ja auch längst nicht alles Wissen wirklich "brauchbar". Zudem können Frust, Enttäuschungen und Unsicherheit den Zugang zu den eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten auch "verstellen". Mir selbst fällt es sehr schwer, noch Zugang zu meinen Interessen zu finden. Ab und zu "flammt" das zwar kurz wieder auf, aber irgendwie fast wie eine Erinnerung. Ich erkenne es schon als solche und weiß, dass es wohl schnell wieder "verfliegen" wird. Dadurch, dass ich darüber eben nicht nicht meinen Weg gefunden habe, sind meine Interessen auch irgendwie "kontaminiert" und mit dem Gefühl des Scheiterns verbunden. Aber ich kann auch nicht einfach irgendetwas anderes finden, das sie ersetzt, derartige Leidenschaften sind eben nicht beliebig. Mit dem Wissen um Autismus spätestens im Studium, um die Natur und auch die Schwere und Grundsätzlichkeit meiner Probleme, vor allem auch dem Wissen, dass das nicht verschwindet, keine Frage von Gewöhnung, Zufällen etc. ist, hätte ich meinen Weg vielleicht realistischer geplant und eine bessere Balance finden können.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich bin zwar noch jung, aber das:

      Leonora wrote:

      In den Jahren, in denen man eigentlich die "Weichen" in Richtung Erwachsenenleben mit Beruf und Beziehung stellt, war ich "knietief" in der Beschäftigung mit meinen Interessen. Lange erhoffte ich ja, darüber einen beruflichen Weg, passende Kontakte und irgendwann auch eine Partnerschaft zu finden. Das stellte sich leider als Illusion heraus.Es ist ja auch längst nicht alles Wissen wirklich "brauchbar". Zudem können Frust, Enttäuschungen und Unsicherheit den Zugang zu den eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten auch "verstellen". Mir selbst fällt es sehr schwer, noch Zugang zu meinen Interessen zu finden. Ab und zu "flammt" das zwar kurz wieder auf, aber irgendwie fast wie eine Erinnerung. Ich erkenne es schon als solche und weiß, dass es wohl schnell wieder "verfliegen" wird.
      beschreibt ziemlich gut, womit ich meine depressive Phase gegen Ende des Studiums verbracht habe: Grübeln, was ich gerne machen würde, um dann festzustellen, dass ich in der Realität der konkreten Umsetzung (Studium, Ausbildung, Hobby) nicht gewachsen bin. Teilweise machen mir jetzt Dinge wieder Spaß. Aber oftmals bin ich ziemlich pessimistisch. Und dann frage ich mich, ob das Mitte 20 denn wirklich unbedingt sein muss. Mein Leben in einer Minimalversion einzurichten, weil ich das Gefühl habe, für nichts gewappnet zu sein.
    • Leonora wrote:

      Das war auch mein Problem. In den Jahren, in denen man eigentlich die "Weichen" in Richtung Erwachsenenleben mit Beruf und Beziehung stellt, war ich "knietief" in der Beschäftigung mit meinen Interessen. Lange erhoffte ich ja, darüber einen beruflichen Weg, passende Kontakte und irgendwann auch eine Partnerschaft zu finden. Das stellte sich leider als Illusion heraus.
      Zumindest was den beruflichen Weg angeht konnte ich tatsächlich etwas finden was mit meinen Spezialinteressen zu tun hat. In dem Bereich kann ich mich etwas austoben. Jeder andere Job in anderen Bereichen - da wäre ich restlos überfordert bzw. meine ganzen Schwächen würden total auffallen aber so falle ich nicht so sehr auf. Ich bin was die fachlichen Dinge angeht nicht angreifbar weil ich mich wegen dem Grundinteresse viel viel mehr beschäftige als meine Kollegen und so werde ich dann auf der Arbeit akzeptiert. Was Kontakte angeht hab ich einen kleinen Freundeskreis von Menschen, die ich seit Jahren habe und auch froh bin, dass es sie gibt und die akzeptieren mich auch so - die Probleme treten dann aber außerhalb auf. Abseits vom Job im Büro und den Freunden falle ich dann schon sehr auf mit meiner Art und es kommt zu Missverständnissen im zwischenmenschlichen Bereich, die so bei anderen nicht auftauchen. Partnersuche ist dann extrem schwierig. Man braucht sehr viel Geduld mit mir und die hat keine Frau und das was ich ausstrahle ist nicht unbedingt das was eine Frau sucht - zumindest nicht auf den ersten Blick.
    • da_hooliii wrote:

      Zumindest was den beruflichen Weg angeht konnte ich tatsächlich etwas finden was mit meinen Spezialinteressen zu tun hat. In dem Bereich kann ich mich etwas austoben. Jeder andere Job in anderen Bereichen - da wäre ich restlos überfordert bzw. meine ganzen Schwächen würden total auffallen aber so falle ich nicht so sehr auf. Ich bin was die fachlichen Dinge angeht nicht angreifbar weil ich mich wegen dem Grundinteresse viel viel mehr beschäftige als meine Kollegen und so werde ich dann auf der Arbeit akzeptiert. Was Kontakte angeht hab ich einen kleinen Freundeskreis von Menschen, die ich seit Jahren habe und auch froh bin, dass es sie gibt und die akzeptieren mich auch so
      Das klingt doch alles sehr gut, als ob Du in wesentlichen Bereichen Deines Lebens doch Deine "Nische" gefunden hast. :)
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • da_hooliii wrote:


      Ja das kenne ich .. und diese Dinge kann ich dann gar nicht mehr aufholen weil die Mitmenschen bei diesen Dingen viel viel weiter sind und wenn ich einen für mich großen Schritt gemacht habe, der für andere aber ein kleiner Schritt ist dann machen diese Menschen aber in der Zeit noch einmal viel größere Schritte als ich. Sie enteilen einfach. Die Prioritäten liegen bei mir aber auch irgendwo ganz woanders. Ich habe mich in den Jahren, in denen andere eine normale Entwicklung gemacht haben mich sehr viel mit meinen Spezialinteressen beschäftigt.
      ich beziehe Entwicklung mal auf wesentlichen Angelegenheit Karriere und Familie, also dass die normale Entwicklung halt wäre eine stabile Partnerschaft aufzubauen und eine Familie zu gründen und gleichzeitig einen Beruf zu finden und darin Karriere oder wenigstens Fortschritte zu machen.
      das hab ich beides nicht geschafft, wobei ein eigenes Kind wollte ich eh nie, das war klar, dass ich völlig überfordert wäre. ich hoffe dass ich schon an einem Punkt bin oder nahe dran, wo ich das so akzeptieren kann, aber es schon verdammt schwierig, sich zu sagen, im großen und ganzen wars das. vielleicht komme ich noch mal zu einer Partnerschaft, da hoffe ich noch.
      im Verlauf von solchen Entwicklungen sind auch einige von den eh nicht vielen Bekanntschaften und Freundschaften ausgelaufen, sage ich mal; ich hatte schon die Neigung, die Anderen zu beschuldigen, dass sie meinen Weg bzw das Stehenbleiben nicht verstehen oder akzeptieren wollten; wobei ich aber auch etwas verleugnet habe, dass ich in meinen besseren zeiten Andere in ihrer Entwicklung als auf eine Art spießig abgestempelt habe. aber letztendlich bleibt auch hier nur die Akzeptanz, dass sich Wege getrennt haben verbunden mit der Hoffnung, dass ich reflektierter an Kontakte rangehen kann und doch noch neue knüpfen kann für neue Wege