Midlifecrisis wegen fehlender Entwicklung?

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    • Surprised wrote:

      Kann es sein, dass für dich schwer wiegt, dass deine Eltern eher gegen die zu renovierende Wohnung sind?
      Ja ... weil meine Mutter meinte, ob da nicht vielleicht Schimmel verdeckt werden soll und mein Vater meinte, wenn da Jahrzehnte jemand gewohnt hat, muss man da mal was machen, zB auch die sanitären Anlagen und ich habe ein bisschen Angst, dass ich da einziehe und dann ist alles kaputt. Das wäre natürlich der Clou.
      Mit dem Schimmel habe ich mich in der Wohnung auch gefragt. Einfach weil sie so alt und so seltsam gestrichen ist. Ansonsten gab es keinen konkreten Anhaltspunkt darauf.
    • Fidoline wrote:

      Mit dem Schimmel habe ich mich in der Wohnung auch gefragt. Einfach weil sie so alt und so seltsam gestrichen ist. Ansonsten gab es keinen konkreten Anhaltspunkt darauf.
      Du hast geschrieben, du hättest einen ausgeprägten Geruchssinn. Schimmel würdest du dann wahrscheinlich auch riechen - zumindest, wenn der Schimmelbefall stark wäre. Es riecht dann muffig, nach Keller.
    • Fidoline wrote:

      Ich denke auch, man muss hier zwischen der Midlifecrisis unterscheiden, die durchschnittliche Menschen trifft und der jenigen, die Menschen trifft, bei denen das meiste eben nicht funktioniert hat. Im zweiten Fall stelle ich es mir viel schwieriger vor, mit Mitte 40 plötzlich glücklich zu werden. Und mit steigendem Alter kommen ja noch andere Probleme.
      Ja, genau. Zu den "klassischen" Problemen kommt da eben häufig noch viel anderes hinzu, was die Sache komplizierter macht. Erinnert mich an eine Aussage eines körperbehinderten Behindertenrechtsaktivisten, der meinte, Behinderte haben grundsätzlich keine anderen Probleme als andere Menschen, aber sie haben sie früher und stärker. Ich denke, das trifft in vieler Hinsicht auch auf Autisten zu.

      xyberlin wrote:

      Ich denke aber, dass ich viel nachdenke (und mich dabei zwangsläufig mit anderen vergleiche), weil sich bei mir oft nichts ergibt aus einer Situation. Was meine ich damit, ich beobachte die Lebenswege in meiner Umgebung, Menschen studieren, lernen sich kennen, finden Partner, gründen Familie oder machen ein Praktikum, knüpfen Kontakre, finden einen Job, machen Karriere, das sind alles Dinge, die mi Vernetzungsfähigkeit zusammenhängen, bei mir ist fast nie eine Situation so perlschnurartig weitergelaufen.
      Auch diese Erfahrung ist mir sehr vertraut. Fiel mir im Studium auf, aber auch danach. Bei vielen anderen ergaben sich aus Praktika, Forschungsaufenthalten etc. meistens andere Gelegenheiten. Bei mir verlief und verläuft vieles dagegen irgendwann "im Sande", auch dort, wo die Anfänge vielversprechend waren. Und selbst dann, wenn es keinen offensichtlichen Fehler, keinen "Bruch" gab. Ich erinnere mich, dass Temple Grandin irgendwo Autisten davon abrät, Studiengänge zu wählen, die nicht auf einen konkreten Beruf hinauslaufen, bei denen der Berufseinstieg eher informell (über Praktika etc.) verläuft. Da ist wohl leider eine Menge dran, allerdings passen die Stärken und Interessen autistischer Menschen nicht in jedem Fall dazu. Aber auch im Privaten gibt es das gleiche Thema. Erinnert mich an einen Thread hier zum Thema Bekanntschaften, wo es darum geht, dass oft die "nächste Ebene" nicht erreicht wird ("Bis hierher und nicht weiter").

      xyberlin wrote:

      Ich bin immer wieder an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr weiterging und wo ich die nächsten Schritte bewusst planen und einleiten musste, damit es weitergeht oder damit ich eine Lösung aktiv finde.
      Dito. Und das strengt an und wird immer schwieriger. Auch und gerade, was Mut und Zuversicht den nächsten Schritten gegenünber betrifft.

      xyberlin wrote:

      Durch dieses (notwendige) Nachdenken vergleiche ich mich logischerweise immer stärker als andere. Mir dieses Nachdenken abzugewöhnen ist eher kontraproduktiv, weil ich dann ja in der Sackgasse stecken bleiben würde. Und auch Ratschläge wie denke nicht soviel nach, konzentriere dich auf deine Stärken, sei geduldig, funktionieren bei mir nicht, weil sich eben wie bei andern Menschen in meinem Umfeld nichts ergibt.
      Das sehe ich auch so. Einerseits gibt es durchaus problematische "Grübelschleifen", andererseits ist dieses Nachdenken und bewusste (auch langfristige und für andere oft unverständliche und "nervige") Analysieren der eigenen Situation und Optionen aber eben auch häufig notwendig. Auch ein Punkt, wo gängige Unterstützung bei autistischen Menschen oft nicht greift. Schmerzhaft für mich ist da übrigens nicht nur der Vergleich mit anderen, sondern mindestens ebenso der Vergleich mit meinem früheren Selbst, mit mir, als ich an anderen Punkten stand und aus heutiger Perspektive deutlich mehr Optionen hatte.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Auch diese Erfahrung ist mir sehr vertraut. Fiel mir im Studium auf, aber auch danach. Bei vielen anderen ergaben sich aus Praktika, Forschungsaufenthalten etc. meistens andere Gelegenheiten. Bei mir verlief und verläuft vieles dagegen irgendwann "im Sande", auch dort, wo die Anfänge vielversprechend waren. Und selbst dann, wenn es keinen offensichtlichen Fehler, keinen "Bruch" gab.
      Ich habe bei mir den Eindruck, dass ich z. B. oft nicht offen bin, um Dinge einfach so geschehen zu lassen bzw. ich kann mir das nicht einmal richtig vorstellen. Öfters hört man wirklich, dass Person A für ihr Studium irgendein Praktikum gemacht hat, dabei dann Person B kennengelernt hat, die Person C kannte, die ihr wiederum einen Einstieg in den nächsten Job verschaffte und der Cousin von Person B wurde dann der Ehemann. :o Und das hat sich alles aus einem Praktikum ergeben und über längere Zeit.

      Bei mir wäre es eher so, dass ich, wenn ich ein Praktikum mache, mich auf dieses Praktikum konzentriere. Ich kann dann überhaupt nicht wirklich offen gegenüber anderen Dingen sein. Es ist so, als müsste ich erst das eine abhaken und dann stelle ich mir vor, wenn das Praktikum vorbei ist, suche ich nach Stellen. Weiter darüber hinaus konnte ich eh nie denken.
      Wenn man das aber so in dieser sklavischen Reihenfolge angehen will, funktioniert es viel weniger gut. Das ist meine Erfahrung damit. Zumindest im Beruflichen.
      Bei anderen ergibt es sich nebenbei und wie automatisch. Vielleicht lässt man das selbst einfach nicht zu und wundert sich dann, warum die genau geplanten Dinge einfach nicht eintreten wollen. :roll:

      Ich überlege gerade, wie man an dieser Offenheit gegenüber durcheinandergehenden Ereignissen arbeiten könnte. :| Ich denke, dass es hinderlich ist, wenn man - so wie ich - Beruf und Privatleben - so strikt trennt.
    • Oha. 8o So viel von dem hier könnte ich glatt unterschreiben... (RW) Obwohl ich erst 26 bin. :? Bislang weiß ich nicht mal ob ich überhaupt den Sprung in den Job schaffe. (Wenn man mal von den 450€ Jobs absieht...) Studium ist ein einziger Trümmerhaufen. (RW) Freunde hatte ich bis auf 2 in der Realschule noch nie...
      Wenn man auf eine Party geht, gibt es immer ein Risiko.

      The post was edited 1 time, last by flori1994 ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Ich habe bei mir den Eindruck, dass ich z. B. oft nicht offen bin, um Dinge einfach so geschehen zu lassen bzw. ich kann mir das nicht einmal richtig vorstellen. Öfters hört man wirklich, dass Person A für ihr Studium irgendein Praktikum gemacht hat, dabei dann Person B kennengelernt hat, die Person C kannte, die ihr wiederum einen Einstieg in den nächsten Job verschaffte und der Cousin von Person B wurde dann der Ehemann. Und das hat sich alles aus einem Praktikum ergeben und über längere Zeit.
      Von solchen Konstellationen bekam ich auch schon häufiger mit.

      FruchtigBunt wrote:

      Bei mir wäre es eher so, dass ich, wenn ich ein Praktikum mache, mich auf dieses Praktikum konzentriere. Ich kann dann überhaupt nicht wirklich offen gegenüber anderen Dingen sein. Es ist so, als müsste ich erst das eine abhaken und dann stelle ich mir vor, wenn das Praktikum vorbei ist, suche ich nach Stellen. Weiter darüber hinaus konnte ich eh nie denken.
      Auch das kenne ich. Schon während der Oberstufe fand ich es schwer nachvollziehbar, wie andere, die später Ausbildungen machten, dann zu Bewerbungsgesprächen, Auswahltests etc. gingen. Und in der Endphase meiner Dissertation war an Jobsuche für mich auch überhaupt nicht zu denken. Dazu kam aber auch oft, dass ich thematisch zu enge Vorstellungen hatte, was ich machen wollte. Etwas, das sich einfach aus etwas anderem ergibt, entspricht ja meistens nicht genau den eigenen Interessen und Zielen. Da war ich rückblickend oft nicht anpassungsfähig und flexibel genug, zumindest nicht rechtzeitig.
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      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Ich finde die Midlifecrisis bei Autisten ist etwas anders "gelagert" als bei Nichtautisten.

      Die "normale" Midlifecrisis" beschreibt ein Phänomen, dass in der "Mitte des Lebens" eine Art Bilanzierung steht, so im Alter von Ende 30 bis Ende 40.

      Die "normale" Midlifecrisis" haben Personen, die nach der Phase von Familiengründung, gesicherten Arbeitsplatz, Hausbau und Ehe, sich die Frage stellen "wars das jetzt schon alles im Leben?". :roll:

      Bei vielen Autisten ist es leider so, dass sehr viel keine eigene Familie haben oder Kinder und auch das Arbeitsleben sehr schwierig ist, sodass sie tendenziell die Sinnfrage des Lebens aus einem anderen Blickwinkel betrachten, denn Autisten sind sehr häufig sehr lange in der Ausbildungsphase und haben selten eine eigene Familie, eine feste Arbeit, ein Haus.

      Meiner Meinung nach, ist bei Aspies fatal, dass die emotionale Entwicklung nicht altersentsprechend ist, in jüngeren Jahren, sind Aspies tendenziell emotional eher reif und wirken erwachsen, dadurch kann in Schul-Ausbildungs-und Universitätsblasen der Eindruck entstehen, dass die Person wenig Probleme hat. :roll:
      Viele Aspies haben ja gute Noten und sind auch oft mit guten Leistungen durch die Bildungseinrichtungen gekommen, sodass die große Problematik, besonders bei gut kompensierten Frauen, oft sehr (zu) spät im Leben erst ein Thema wird, quasi wenn für wichtige soziale Entwicklungen "der Zug längst abgefahren ist" (RW).

      Der Schlag (RW) kommt dann im Berufsleben, wenn man merkt, dass Bildung und Wissen im Verhältnis zu den sozialen Fähigkeiten leider immer weniger an Wert haben, zunehmend auch durch die Digitalisierung, in der Bildung einen Klick weit nur entfernt ist, wird es immer schwieriger, nur alleine durch sein Wissen, eine existenzsichernde Arbeit zu haben.

      Die neoliberale Finanzpolitik hat zudem die Löhne sinken lassen und die Finanzwelt hat sich von den real zu erwirtschaftenden Gütern schon längst abgekoppelt. Die gesellschaftlichen Zeiten stehen auf Krise. :|

      Ein weiterer Schlag finde ich, wenn man sieht, wie altersgleiche Personen so einen scheinbar unsichtbaren roten Lebensfaden haben. Wie so einen Instinkt, was als nächstes zu tun ist, das man wie selbstverständlich eine Familie gründen kann, dass sich soziale Strukturen bilden.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Zusammentreffen mit Personen, die einen typischen NA Lebenslauf haben, der eigenen Psyche nicht immer gut tut, ich bin mir nicht sicher, ob das Neid ist oder einfach die Heftigkeit, dass man eben sieht, wie sehr man sich von anderen Menschen unterscheidet.

      Wenn man in seinen 20er Jahren ist, dann ist das soziale Umfeld noch tolerant, man kann die eigenen Schwächen noch als Findungsphase deklarieren. Ab 30 wird es dann schon schwierig, wenn Autisten sich noch in der Ausbildungsphase befinden..ich kenne leider ein paar Autisten die sich das Leben genommen haben.

      Ich finde das Thema sehr schwierig, weil ich diese Krise bei Autisten sehr heftig wahrnehme. :( Besonders tragisch ist auch, dass gerade für autistische Frauen die problematische Frage ist, wenn sie eben 5-15 Jahre hinter der emotional-geistigen Entwicklung von gleichaltrigen Frauen sind, dann ist das Thema eigene Kinder biologisch irgendwann nicht mehr möglich.
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Wüstenblume wrote:



      Ein weiterer Schlag finde ich, wenn man sieht, wie altersgleiche Personen so einen scheinbar unsichtbaren roten Lebensfaden haben. Wie so einen Instinkt, was als nächstes zu tun ist, das man wie selbstverständlich eine Familie gründen kann, dass sich soziale Strukturen bilden.


      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Zusammentreffen mit Personen, die einen typischen NA Lebenslauf haben, der eigenen Psyche nicht immer gut tut, ich bin mir nicht sicher, ob das Neid ist oder einfach die Heftigkeit, dass man eben sieht, wie sehr man sich von anderen Menschen unterscheidet.

      Den roten Lebensfaden finde ich bei mir nicht - und wenn dann gibt es viel zu viele Hürden, die es mir vermeiden den nächsten Schritt zu tun. Ja, es ist irgendwie frustrierend mitanzusehen wenn es Bekannte und Freunde schaffen "problemlos" durch das Leben zu kommen und man selber nur stagniert und nicht vorankommt.
    • Ich denke, mir geht es zur Zeit vergleichsweise gut. Zumindest habe ich momentan Stabilität in meinem Leben erreicht. Ich habe einen festen Job, der mich zwar unterfordert, den ich aber gut ableisten kann. ich habe drei Tage Homeoffice und Unterstützung durch eine Autismusambulanz, wenn ich z.B. wegen akuter Stressproblematik "raus muss" und krankgeschrieben werden muss, das geht da ohne lange Erklärungen und Diskussion.
      Der Arbeitgeber ist nicht gemeinnützig, aber an Gemeinnützigkeit angelehnt, ich denke, dass ich deswegen relativ sicher bin vor Kündigung, vorallem auch, weil ich meine Arbeit einfach mache.
      Wirklich Karriere mache ich da aber auch nicht, das frustriert mich immer wieder. Ich bleibe quasi auf der Routine hängen.
      Auf der anderen Seite habe ich daraus für mich die Konsequenz gezogen, meine Arbeit zu machen, mich darüberhinaus aber nicht mehr zu engagieren. Viel Arbeit wird nicht belohnt. Ich finde das fair, weil ich ja meine Arbeit mache, mein Arbeitspensum schaffe und dafür bezahlt werde.
      Dadurch dass ich so verfahre, kann ich meine Ressoucen nutzen, meinem Spezialinteresse nachzugehen. Das habe ich die letzten 4 Jahren sehr intensiv verfolgt.
      Dadurch hat dann meine Beziehung gelitten, Arbeit und Spezialinteresse haben mich zu sehr belegt.
      Dieses Jahr versuche ich deswegen noch stärker mich genau nach meinem Arbeitspensum auszurichten, meinem Spezialinteresse einen definierten Zeitrahmen zu geben und darüberhinaus meine Energie in die Bezieung zu stecken.
      Ich muss meine Energie sehr genau einplanen, spontan geht das nicht.
      Vor diesen zurückliegenden 4 Jahren mit meinem Spezialinteresse hatte ich gar keine Hobbys, sondern habe quasi meine gesamte Energie auf die Organisation meines Lebens, und au das Finden eines Jobs ausgerichtet.
      Was will ich mit diesem Text sagen, ich habe auch immer wieder die Anwandlungen von Grübeleien und Krisen, versuche aber, meine Chancen realistisch einzuschätzen und eher das zu machen, was mir Spaß und Entwicklung bringt, eben Spezialinteresse. Ich sehe mittlerweile auch das Spezialinteresse an einzige Möglichkeit an, wirklich stabile soziale Kontakte aufzubauen. Auch das möchte ich dieses Jahr verstärkt angehen.
      Wie gesagt, ich habe momentan eine gute Grundlage, die andere im Spektrum so oft nicht haben.
      diagn.
    • Fidoline wrote:

      zB auch die sanitären Anlagen und ich habe ein bisschen Angst, dass ich da einziehe und dann ist alles kaputt
      Mein aktuelles Bad ist ganz offensichtlich in den 70ern eingerichtet worden. Ich habe die Duschbrause und den -schlauch ausgewechselt, weil ich mich damit wohler gefühlt habe. Der Wasserhahn tropft etwas, aber das sind dann wieder Dinge, die man dem Vermieter melden kann und die dann bei Bedarf ausgetauscht werden.
      Wenn ansonsten nur gestrichen werden muss, ist das doch vollkommen okay. Meist muss man zum Einzug oder zum Auszug streichen, ich finde erstere Variante eigentlich angenehmer, so hat man zum Auszug nicht doppelten Stress. Es gibt eine Streichtechnik, die diesen Kreuz- und Quergestricheneffekt erzeugt, manche finden das schön und machen es absichtlich so. Vielleicht ging es deinem Vormieter so.

      Ich finde den Vorschlag, die Wohnung passend zu deinen Tieren auszusuchen, weil sie dir so wichtig sind, sehr gut.
    • Dieses Hin- und Hergestrichene konnte ich vor einiger Zeit in einer Arztpraxis (bzw. im Zimmer des Arztes) erblicken. Mir wäre früher eigentlich nie in den Sinn gekommen, daß man Wände nicht "ordentlich" und ohne Streifen streicht.

      Aber ich muß zugeben, dieses wild-chaotische Hin- und Herstreichen erzeugt eine Wandgestaltung, die gar nicht mal so schlecht aussieht. Macht das Streichen wesentlich leichter und sieht dennoch gut aus.
    • Wüstenblume wrote:

      Bei vielen Autisten ist es leider so, dass sehr viel keine eigene Familie haben oder Kinder und auch das Arbeitsleben sehr schwierig ist, sodass sie tendenziell die Sinnfrage des Lebens aus einem anderen Blickwinkel betrachten, denn Autisten sind sehr häufig sehr lange in der Ausbildungsphase und haben selten eine eigene Familie, eine feste Arbeit, ein Haus.
      Vielleicht ist es das. Dass die Frage nach dem Sinn sich einfach viel früher aufdrängt, weil man sich nicht mit Dingen wie Hausbau, Kinder kriegen, im Job aufsteigen ablenken bzw. sich daran erfreuen kann bis man 40 oder 45 ist, sondern irgendwann nach Erreichen der letzten Jobstufe mit der Sinnfrage erneut konfrontiert fühlt. Es ist nicht so, dass ich mir diese Frage nie gestellt hätte. Aber schon seit ich vor fünf Jahren meinen Job gewechselt hatte, dachte ich immer "so, jetzt muss es doch mal anfangen das Leben. Jetzt muss doch irgendwas mal kommen." :m(: Ich hatte zu der Zeit wirklich das Gefühl, dass es jetzt beginnen muss. Und was danach kam, war einfach nur die Hölle. Denn statt dass das Leben angefangen hätte (was immer ich mir auch darunter vorgestellt habe), habe ich alles verloren und bin in Depressionen versunken.

      Mich hat vor allem mein beruflicher Werdegang ziemlich fertig gemacht. Ich war wirklich gut ausgebildet, immer eine der besten meiner Klasse und mit exzellenten Schulzeugnissen (bei den Arbeitszeugnissen änderte sich das dann leider). Ich hatte irgendwann im Beruf das Gefühl, dass man mich nur ausnutzt und ich da wirklich nur auf der Stelle trete, während andere (vorwiegend männliche Kollegen) befördert wurden und alles in den Hintern geschoben bekamen, obwohl ich teilweise wesentlich besser fachlich qualifiziert war. Aber ich konnte eben nicht reden und ich hatte keine Verbündeten in den Firmen. Es war auch nie ein klarer Weg beruflich absehbar. Hätte man mir gesagt "so Frau FruchtigBunt, sie übernehmen jetzt diese Aufgabe und dann werden Sie befördert, was halten sie davon?" hätte ich darüber nachdenken können. Aber das lief alles so, dass ich es nicht kapierte. Und irgendwann hatte ich auch das Gefühl, ob ich mir da noch zehn Jahre den Hintern aufreißen soll und dann am Ende wegen Burnout komplett zusammenbreche. Ich hätte einen wesentlich vorhersehbareren beruflichen Plan gebraucht. Dieser Frust steckt immer noch sehr in mir drin. Das Gefühl, eigentlich gut zu sein, aber nicht beachtet worden zu sein.
      Und ich hatte ja alles auf den Beruf gesetzt. Das war auch ein großer Fehler.

      Aber das wurde auch in einem anderen Thread schon angesprochen: Es war und ist in meiner Familie und offenbar in der Gesellschaft generell verpönt, als Frau zu familiär oder weiblich eingestellt zu sein. Sexy durfte man gerne sein, aber auch nicht zu sehr, sonst hieß es gleich "die zieht sich ja an wie eine Nutte". Aber über Frauen, die "nur" zu Hause waren und mit 20 Kinder bekamen, wurde schlecht geredet. Das seien Asoziale, die nicht arbeiten wollen etc. Irgendwie galt in meiner Generation die arbeitende und erfolgreiche Frau als Ideal und dieses Ideal hat mich auch ziemlich angesprochen. So sehr, dass ich selbst sehr lange das Weibliche in mir abgewertet habe. Aber irgendwann bin ich auch an diese gläserne Decke im Beruf gestoßen. Ja. Die Frauen, denen man ihre innere Stimme nicht ausgetrieben hatte, hatten dann ihre Familien gegründet und arbeiteten nebenbei oder arbeiteten nicht, aber sie haben vermutlich etwas gemacht, was sie wirklich wollten. Ich habe eigentlich sehr lange meine eigene Natur verleugnet oder wegen dem Autismus bin ich eben nicht früher drauf gekommen. Und nun bin ich im Beruf gescheitert und in Hinsicht auf eine eigene Familie habe ich auch nichts zustande gebracht.

      Das ist momentan meine Bilanz. Und jetzt, wo ich rückblickend auf die Zeit gucke, bevor ich sagte "wann fängt denn das Leben jetzt endlich mal an?", war es wohl so, dass das schon das Leben war. :yawn: Ich dachte wirklich immer "erstmal das Studium fertig machen". Erstmal arbeiten. Und ab da begann es eigentlich schon. Immer dieses "was könnte ich noch machen?", "wo könnte ich mich noch bewerben?" weil ich nach 2 Jahren in einem Job meistens gelangweilt war und mich schnell rastlos fühlte. Damals dachte ich noch, ich müsste doch nur endlich mal den richtigen Job finden oder den richtigen Wohnort und dann würde ich mich 'richtig' fühlen.

      Na ja, offenbar bin ich jetzt genau in meinem Leben angekommen. Im puren Nichts. Und das soll das Leben sein. Bzw. es gehört wohl auch dazu. Irgendwie hoffe ich, dass es doch nochmal anders wird.
    • Fidoline wrote:

      ich habe seit einiger Zeit das Gefühl, dass ich in einer richtigen Midlifecrisis bin (bin Ende 30). Mir geht es nicht nur total schlecht,
      sondern in meinem Kopf routieren auch ständig Gedanken daran, was ich für eine Versagerin bin im Vergleich mit Gleichaltrigen.
      Die anderen haben eine Familie gegründet, eine lange feste Partnerschaft, weilweise ein eigens Haus oder zumindest eine gute
      Wohnung und Ersparnisse. Und ich habe nichts davon und kann noch nicht mal Auto fahren. Ich komme nie irgendwo an.
      Dito. Da kann ich ein Lied von singen.

      Allerdings ist es so, dass dieses Versagergefühl früher sogar noch schlimmer war. Es begann schon mit meinem damaligen Schulabbruch und begann erst sich zu reduzieren, als ich viele viele Jahre später wenigstens endlich eine abgeschlossene Ausbildung und ein abgeschlossenes Studium vorweisen konnte. Aber die enormen Schwierigkeiten bei der Jobsuche (was teils mit meinem Alter, teils mit meiner mangelnden Berufserfahrung und teils mit dem Problem als Aspie sympathisch genug zu wirken und / oder für kompetent genug gehalten zu werden zusammenhängt) versetzen diesem zeitweiligen Auftrieb wieder einen gehörigen Dämpfer. Und auch das Wissen wie viele Jahre ich nur anderen auf der Tasche gelegen habe statt selbst Geld zu verdienen setzt mir zu, zumal ich dadurch auch zu einer enormen Belastung wurde.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Bei mir ist es so, dass ich aufgegeben habe mich mit anderen zu vergleichen. Ich glaube nicht daran, noch die große Liebe zu finden, eine Familie zu gründen, Haus zu bauen etc. Neid? Fehlanzeige, eher Erstaunen, was NTs so leisten können. Drei Kinder, zwei Eltern mit Arbeit, zwei Häuser, eines als Vermieter. Ob das Beneidenswert ist, ich weiß es ehrlich nicht. Ich habe eine Arbeit, kann mir alles mit kleinem Gehalt leisten, bin sparsam und so sind auch teurere Sachen sind möglich (z. B. Neue Trompete)

      Allerdings setze ich mich eigentlich erst heute, 10 Jahre nach der Diagnose so richtig mit dem Autismus auseinander. Versuche ihn endlich als Teil von mir zu akzeptieren und ihn nicht nur als Feind zu betrachte. Eine interessante Reise zur Selbsterkenntnis.

      Auf der anderen Seite kenne ich zwei Personen, die wie ich leben. Die eine ist mein Onkel, über 60 und nach meiner Meinung auch Autist.
      Der andere ein Freund, der zwar in einer eigenen Wohnung, aber noch im Elternhaus lebt, auch Ende dreissig.
    • Surprised wrote:

      Wie hast du dich @Fidoline in Bezug auf die Wohnung entschieden?
      Für die größere, die etwas mehr kostet ... ob es dir richtige Entscheidung war, weiß ich nicht. Sie liegt halt zentraler. Eigentlich liegt sie mir sogar zu zentral und ist mir auch zu groß, aber die andere wäre ja auch nicht so toll mit den Tieren ... und ich hatte in der kleinen Wohnung halt auch das Gefühl, dass sie nach Rauch riecht, wobei ich nicht sicher war, ob das nur von Handwerkern kam oder vom Vormieter. In letzterem Fall wäre es halt evtl. schwer gewesen, den Geruch rauszubekommen.
      Leider ist hier in der Gegen die Wohnsituation so schlecht, dass man es sich gar nicht aussuchen kann. Da war es ja in Augsburg noch direkt einfach, was zu finden, zumindest war das Angebot besser. Ich habe mich ja in Augsburg mehrfach über meine Wohnung geärgert, da dort (weil alles so alt war) schnell Sachen kaputtgegangen sind. Aber sie hatte für mich einen schönen Schnitt und eine ganz gute Größe.
      Das einzig Positive ist, dass es nicht groß auffallen wird, wenn meine Tiere ein bisschen was kaputt machen.
      Ich habe gelesen, dass in der Gegend 1,5 mal so viele Einzimmerwohnungen gebaut werden wie benötigt, aber nur 25%! der benötigten Zweizimmerwohnungen (wobei meine Wohnung jetzt sogar 2,5 Zimmer hat). Da kann man es sich nur als unbefristetet Gutverdiener leisten, sich was Tolles rauszupicken.
      Und andere Städte in der Umgebung, in denen es noch etwas leichter ist, haben für mich halt den Nachteil, dass es weniger Jobmöglichkeiten gibt.
    • Keine Ahnung ob das der richtige Thread ist, aber nen besseren hab ich grad nicht gefunden.
      Es ist zum x( . Es ist schon wieder eine Woche rum und ich habe mich mit meiner Routine über Wasser gehalten (RW). Aber sonst ist nichts produktives, geschweige denn entwicklungstechnisch passiert. In der Routine fühle ich mich wohl. Sie gibt mir Sicherheit. Aber wenn dann ein Abschnitt, z. B. eine Woche, vorbei ist und ich drüber nachdenke (muss.. Selbstreflextion mangels alternativer Beschäftigung), dann hasse ich diese verdammte Routine. Sie nimmt mir meine Entwicklung. Eigentlich hat sich seit zwei Jahren nicht viel verändert was meine soziale bzw. emotionale Entwicklung angeht. Ich kann außerhalb meiner Routine keine Kontakte knüpfen (da dreh ich wegen Unvermögen durch) und auch in der Routine ist es kaum möglich. Ich habe sie mir über Jahrzehnte so eingerichtet, dass ich den Großteil (gerne) alleine bestreite. Da gibt es keinen Raum für neue soziale Kontakte. Bis auf zwei drei flüchtige Kontakte ist seit zwei Jahren nicht rumgekommen. Warum erwarten NTs dann man alles, im zwischenmenschlichen, erraten bzw sich erörtern kann, aber andersrum ist da kaum entgegenkommen bzw. überhaupt Verständnis da.
    • platzhalter wrote:

      Keine Ahnung ob das der richtige Thread ist, aber nen besseren hab ich grad nicht gefunden.
      Es ist zum x( . Es ist schon wieder eine Woche rum und ich habe mich mit meiner Routine über Wasser gehalten (RW). Aber sonst ist nichts produktives, geschweige denn entwicklungstechnisch passiert. In der Routine fühle ich mich wohl. Sie gibt mir Sicherheit. Aber wenn dann ein Abschnitt, z. B. eine Woche, vorbei ist und ich drüber nachdenke (muss.. Selbstreflextion mangels alternativer Beschäftigung), dann hasse ich diese verdammte Routine. Sie nimmt mir meine Entwicklung. Eigentlich hat sich seit zwei Jahren nicht viel verändert was meine soziale bzw. emotionale Entwicklung angeht. Ich kann außerhalb meiner Routine keine Kontakte knüpfen (da dreh ich wegen Unvermögen durch) und auch in der Routine ist es kaum möglich. Ich habe sie mir über Jahrzehnte so eingerichtet, dass ich den Großteil (gerne) alleine bestreite. Da gibt es keinen Raum für neue soziale Kontakte. Bis auf zwei drei flüchtige Kontakte ist seit zwei Jahren nicht rumgekommen. Warum erwarten NTs dann man alles, im zwischenmenschlichen, erraten bzw sich erörtern kann, aber andersrum ist da kaum entgegenkommen bzw. überhaupt Verständnis da.
      Schwierig... mich bremst die Routine auch schon mal in der Entwicklung. Wenn ich die Routine nicht machen kann bin ich nervöser und schlechter gelaunt aber wenn sie klappt dann klappt alles nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin auch irgendwie darin gefangen. Da würde ich z.B. gerne neue Sachen und Menschen kennenlernen aber ich weiß gar nicht wie ich das schaffen soll in der jetzigen Form. Die Routinen lassen dann irgendwie auch nur ein gewisses Zeitfenster zu, dass ich habe um neue Sachen kennenzulernen - andere Leute können da anscheinend ganze Tage umplanen - bei mir ist viel getaktet was wann an dem Tag passiert.
    • Wüstenblume wrote:

      Ich finde die Midlifecrisis bei Autisten ist etwas anders "gelagert" als bei Nichtautisten.
      Ja, genau. Da gibt es zwar Parallelen. Vor allem in dem Sinne, dass die Möglichkeiten im Leben objektiv weniger werden und das Umfeld einen anders als in den Jahren, wo noch vieles offen scheint, wahrnimmt. Zugleich fühlen viele Menschen in diesem Alter sich selbst noch gar nicht wirklich alt, sind gefühlt und von den Lebensjahren her gar nicht so weit von der Zeit weg, wo noch viel mehr "Türen offen standen". Mit dieser Diskrepanz und mit der Notwendigkeit, sich von manchen Träumen und Zielen endgültig zu verabschieden, obwohl man sich noch längst nicht "soweit" fühlt, sind auch viele Nichtautisten konfrontiert.

      Das sind zentrale Gemeinsamkeiten, und dennoch sind die Erfahrung und die hilfreichen Bewältigungsstrategien meinem Eindruck nach grundsätzlich anders. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Tipps für "normale" Menschen sogar eher frustrieren können, weil sie zumeist Dinge voraussetzen, die bei Autisten oft nicht vorhanden sind. Meistens wird dann von einer Partnerschaft ausgegangen, die etwas "eingeschlafen", ansonsten aber okay ist, Kindern, die langsam selbständiger werden bzw. in der Pubertät sind, einem Beruf, der nicht besonders aufregend ist, in dem man aber "fest im Sattel sitzt" und ausreichend verdient. Diese Tipps gehen meinem Eindruck nach meistens nur von einem bestimmten Mittelschichtstypus mit einer gewissen "Standardbiographie" aus, was auch auf viele Nichtautisten nicht zutreffen wird. Die Tipps gehen dann oft darum, sich klarzumachen, was man doch erreicht hat, die Partnerschaft durch Urlaub ohne Kinder oder ähnliches neu zu beleben, sich erfüllende neue Hobbies zu suchen, etc. Für Autisten geht das oft völlig am Thema vorbei.

      Wüstenblume wrote:

      Bei vielen Autisten ist es leider so, dass sehr viel keine eigene Familie haben oder Kinder und auch das Arbeitsleben sehr schwierig ist, sodass sie tendenziell die Sinnfrage des Lebens aus einem anderen Blickwinkel betrachten, denn Autisten sind sehr häufig sehr lange in der Ausbildungsphase und haben selten eine eigene Familie, eine feste Arbeit, ein Haus.
      Deshalb ist "Midlifecrisis" da als Begriff auch bei Autisten zwar nicht falsch, von den Assoziationen her aber doch irreführend.

      Wüstenblume wrote:

      Meiner Meinung nach, ist bei Aspies fatal, dass die emotionale Entwicklung nicht altersentsprechend ist, in jüngeren Jahren, sind Aspies tendenziell emotional eher reif und wirken erwachsen, dadurch kann in Schul-Ausbildungs-und Universitätsblasen der Eindruck entstehen, dass die Person wenig Probleme hat.
      Vielleicht ist das bei vielen "Hochfunktionalen" sogar das Hauptproblem, zumindest, sofern sie nicht schon in der Kindheit diagnostiziert werden. Ihre Kombination aus Stärken und Schwächen ist oft so "eigen", dass sie weder für das eine noch das andere besondere Förderung erhalten. Durch die Stärken, gute Noten etc. werden die Schwächen in ihrer Bedeutung für das Leben nicht selten total unterschätzt. Gleichzeitig fällt das Kind aber schon als merkwürdig auf, als Mensch mit sozialen Problemen. Und Förderung im Bereich der Stärken unterbleibt so bei manchen auch, damit sie sich nicht noch stärker von Gleichaltrigen unterscheiden, nicht noch mehr zu Außenseitern werden. Gleichzeitig lernt das Kind, das bei Gleichaltrigen nicht so gut "ankommt", sich anderen in den Bereichen der eigenen Stärken für überlegen zu halten, sich positiv darüber zu definieren. Wird dazu von der Erwachsenenwelt vielleicht sogar ermutigt. Für den späteren Weg kann das fatal sein.

      Wüstenblume wrote:

      Viele Aspies haben ja gute Noten und sind auch oft mit guten Leistungen durch die Bildungseinrichtungen gekommen, sodass die große Problematik, besonders bei gut kompensierten Frauen, oft sehr (zu) spät im Leben erst ein Thema wird, quasi wenn für wichtige soziale Entwicklungen "der Zug längst abgefahren ist" (RW).
      Ja. Da kann es zu einem "Bruch" kommen, das positive Selbstbild ist irgendwann nicht mehr aufrecht zu erhalten. Und zugleich ist es zu dem Zeitpunkt für Nachteilsausgleiche, Anspruch auf besondere Förderung etc. oft zu spät. Da steht man da und hat eventuell das Leben verpasst, der Suizid ist dann vielleicht der einzige Weg, der subjektiv noch als sinnvoll empfunden wird. Und selbst wenn nicht, das eigene positive Selbstbild, die Stärken, Ziele und Pläne loszulassen, kann unendlich schwer sein, selbst, wenn es durch die Diagnose gelingt, sich eine neue Identität als behinderter Mensch aufzubauen.

      Wüstenblume wrote:

      Der Schlag (RW) kommt dann im Berufsleben, wenn man merkt, dass Bildung und Wissen im Verhältnis zu den sozialen Fähigkeiten leider immer weniger an Wert haben, zunehmend auch durch die Digitalisierung, in der Bildung einen Klick weit nur entfernt ist, wird es immer schwieriger, nur alleine durch sein Wissen, eine existenzsichernde Arbeit zu haben.

      Die neoliberale Finanzpolitik hat zudem die Löhne sinken lassen und die Finanzwelt hat sich von den real zu erwirtschaftenden Gütern schon längst abgekoppelt. Die gesellschaftlichen Zeiten stehen auf Krise.
      Das sehe ich genauso und bin da für die Zukunft leider auch eher skeptisch. Vor einiger Zeit erzählte ein Autist, dass es in den 1990ern noch wesentlich leichter war, beispielsweise freiberuflich als Journalist und Übersetzer über die Runden zu kommen. Man wurde damit absolut nicht reich, aber heute ist das zumeist gar nicht mehr möglich, wenn man nicht auch andere Einkommensquellen hat. Auch Selbstinszenierung und -vermarktung sind wichtiger geworden, und der Zeitdruck hat extrem zugenommen.

      Wüstenblume wrote:

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Zusammentreffen mit Personen, die einen typischen NA Lebenslauf haben, der eigenen Psyche nicht immer gut tut, ich bin mir nicht sicher, ob das Neid ist oder einfach die Heftigkeit, dass man eben sieht, wie sehr man sich von anderen Menschen unterscheidet.
      Da kann ich nur zustimmen. Gerade mit Gleichaltrigen, die ich von früher kenne, empfinde ich derartige Begegnungen inzwischen als äußerst unangenehm. Aber auch insgesamt ist das für mich immer schwieriger geworden. Neid spielt da sicher hinein, obwohl das Wort es für mich auch nicht richtig trifft. Zum einen missgönne ich den Leuten persönlich nicht das, was sie sich geschaffen haben, würde mich nicht freuen, wenn etwas schief läuft. Zum anderen reizt mich deren konkrete Lebenssituation meist gar nicht, ich wollte ja über meine Stärken und Interessen einen wesentlich interessanteren Weg einschlagen. Diese Heftigkeit, mit der solche Begegnungen mir meine eigene "Andersartigkeit", meine eigenen Defizite bewusst machen, ist mir aber sehr vertraut. Die Erkenntnis, dass ich im Leben an einem ganz anderen Punkt stehen sollte. Und auch eine große Traurigkeit, meinen eigenen Weg nicht gefunden zu haben, ein Gefühl des Versagens und der Sinnlosigkeit.

      Wüstenblume wrote:

      Ab 30 wird es dann schon schwierig, wenn Autisten sich noch in der Ausbildungsphase befinden..ich kenne leider ein paar Autisten die sich das Leben genommen haben.
      Das finde ich alles andere als überraschend. Leider gibt es für Spätdiagnostizierte zumeist keine passenden Hilfen.

      Wüstenblume wrote:

      Ich finde das Thema sehr schwierig, weil ich diese Krise bei Autisten sehr heftig wahrnehme. Besonders tragisch ist auch, dass gerade für autistische Frauen die problematische Frage ist, wenn sie eben 5-15 Jahre hinter der emotional-geistigen Entwicklung von gleichaltrigen Frauen sind, dann ist das Thema eigene Kinder biologisch irgendwann nicht mehr möglich.
      Auch deshalb ist der Leidensdruck für Frauen zumindest in dieser Lebensphase meiner Vermutung nach noch wesentlich höher als für Männer (während das in der Jugend vielleicht anders aussieht).
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

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