Darf man Zitate speichern und privat (Familie, Freunden) zeigen?

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    • Darf man Zitate speichern und privat (Familie, Freunden) zeigen?

      Hallo,

      ich habe gerade bei einem Foren-Beitrag ein Mitglied gefragt, ob ich die Formulierung speichern und privat verwenden darf.

      Absicht: Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass die Formulierung etwas viel besser erklärt, als ich es gekonnt hätte.

      Ich überlege jetzt, eine Art Zitate-Sammlung zu machen, die ich ggfs. den Menschen aus Freunden und Familie (viele sind das nicht) zeigen würde, denen ich von der Diagnose ggfs. erzählen werde.

      Ich fände es sinnvoller, ihnen Texte zu geben, die mir in Bezug auf mein Erleben relevant erscheinen, statt eines allgemeinen Buches über Autismus und zu sagen "Guckt da drin, was zu mir passt."

      Ich bin nicht so gut darin, das Erleben/ Empfinden aktiv so zu formulieren, kann es passiv aber sehr würdigen.

      Ist es allgemein erlaubt, Zitate aus dem Forum so zu nutzen?
    • Wenn es öffentlich zugänglich ist, dann darfst Du das auf jeden Fall.
      Und wenn Du es nur privat zeigst und nicht mal direkt kopierst oder verschickst, dann sollte es auch mit sensiblen Inhalten keine Probleme geben (außer es sind z.B. Firmengeheimnisse...)
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • Kpax wrote:

      Ich überlege jetzt, eine Art Zitate-Sammlung zu machen, die ich ggfs. den Menschen aus Freunden und Familie (viele sind das nicht) zeigen würde, denen ich von der Diagnose ggfs. erzählen werde.
      Für mich stellt sich eher die Frage, ob das den Leuten weiterhilft. Ein vernünftiges Bild vom eigenen Autismus zu vermitteln ist schwierig. Hin und wieder gibt es ASler, die meinen, dem eigenen Umfeld eine Art Bedienungsanleitung in die Hand drücken zu müssen. Das kann viel Frust auf beiden Seiten erzeugen, weil die Leute weiterhin nach ihrer sozialen Intuition vorgehen werden und sich höchstens dann mal dran erinnern, einen ASler vor sich zu haben, wenn die Situation schräg wird oder der Konflikt schon da ist.
    • Wenn jemand es nicht verstehen will, wird er es nicht verstehen. Entweder man akzeptiert dich wie du bist, wo du deine Grenzen setzt oder nicht. Da bringen die besten Beispiele nichts.
      Das Zitieren, zeigen oder was auch immer du vor hast, bringt nichts wenn deine Persönlichkeit nicht respektiert wird. Es ist dabei auch egal, welche abweichung du von der Norm hast.

      Ich habe nichts gegen Zitate, da es ein mehr oder weniger öffentliches Forum ist. Aus den Öffentlich einsehbaren Bereichen sollte es keine Probleme geben. Bei den nicht öffentlichen must du auf die Personlichkeitsrechte achten.
      Auch wenn quasi jeder anonym zu sein scheint,
      so ist es das nicht. Also besser vorher direkt den User Fragen.
      - für weniger Sozialgendöns -

      The post was edited 1 time, last by OnlyMe ().

    • TalkativeP wrote:

      wenn die Situation schräg wird oder der Konflikt schon da ist
      Ja, ich glaube, das meinte ich in dem anderen Thread, wo ich Dich zitieren wollte, und der den Anlass zu diesem hier gegeben hat.

      Ich habe oft Konflikte erlebt, weil Menschen, die sich in entspannten Eins-zu-Eins-Situationen "gut mit mir unterhalten" konnten, mich plötzlich "kalt, desinteressiert, gleichgültig, taktlos, unaufmerksam, verletzend" etc fanden, wenn Ablenkung und oder Anspannung hinzu kamen.

      Andere Menschen. Eine fremde Umgebung. Laute Geräusche. Arbeit.

      Es ist, als würde ich durch solches "Multitasking" vom netten sozialen Normalo zum asozialen Arsch mutieren, ohne es zu wollen.

      Beispiel: Eine Person, die ich lange kenne, hat letztens bei der Arbeit auf einem Flur gehustet. Ich habe nur ein sehr lautes, unangenehmes, sich unregelmäßig wiederholendes Geräusch wahrgenommen, das ich nicht einordnen konnte, und das mich sehr erschreckt hat. Ich habe diese Person gefragt "Was war das??" - "Ich habe gehustet. Ich habe immer noch mit der Grippe zu tun, wegen der ich zwei Wochen krank geschrieben war." - ich: "Ah, gut!".
      Geräusch eigeordnet, Welt in Ordnung, weiter arbeiten. Warum war die Person am nächsten Tag so seltsam zu mir, so wenig hilfsbereit?
      (Ich habe sehr überlegt und dann selbst geschlussfolgert, dass "Ah, gut!" wahrscheinlich nicht die sozial erwartete Antwort auf schlimmen Husten war. Aber ich war in dem Moment eben mit den Gedanken nicht bei Interaktion-Mensch, sondern bei Schreckliches-Geräusch.)

      Wäre in dem Fall eine "Bedienungsanleitung" hilfreich gewesen?
      Ich weiß es nicht. Vielleicht hätte sich zumindest irgend ein Kollege daran erinnert, wenn wieder getratscht wird, was ich für ein Arsch bin.

      Die Leute wissen nicht, dass mich/uns "Interaktion-Mensch" volle Kraft und Aufmerksamkeit kostet und das umschalten nicht unbewusst und automatisch geht.
      Und bei mir leider auch keine Priorität ist.

      Ich weiß nicht, ob das Aspie ist, oder ob ich doch ein Arsch bin, aber sobald "Sachen" (Fakten, Arbeit) da sind, tritt der Faktor Mensch in meiner Aufmerksamkeit automatisch in die zweite Reihe.
      Ich will das nicht so, ich muss mich aktiv ermahnen, dass das nicht passiert (ist das bei Euch auch so??).

      Das würde ich dann allerdings nicht in die Bedienungsanleitung schreiben.

      The post was edited 1 time, last by Kpax ().

    • Kpax wrote:

      Wäre in dem Fall eine "Bedienungsanleitung" hilfreich gewesen?
      Ich glaube nicht. Die Person hat ein "Gute Besserung" oder was ähnliches erwartet. "Gut, dass Du hustest" (sinngemäß) ist nicht das, was die Person hören wollte. Gleichzeitg war sie offensichtlich krank, und kranke Menschen (ob AS oder nicht) sind doch mehr mit sich selbst beschäftigt, als damit drüber nachzudenken, was jemand anderes gedacht haben könnte.

      Solche Situationen passieren einfach. Wenn man es selbst merkt, kann man sich entschuldigen. In dem Fall hätte ich ein paar Tage später gefragt, ob es ihr besser ginge, weil sie ein paar Tage davor noch so gehustet habe, dass ich mich direkt erschrocken habe.
      Ansonsten wird sich die Person auch wieder beruhigen. NTs scheinen solche Situationen eher zu vergessen, als Aspies.
    • Kpax wrote:

      Ich weiß nicht, ob das Aspie ist, oder ob ich doch ein Arsch bin, aber sobald "Sachen" (Fakten, Arbeit) da sind, tritt der Faktor Mensch in meiner Aufmerksamkeit automatisch in die zweite Reihe.
      Ich will das nicht so, ich muss mich aktiv ermahnen, dass das nicht passiert (ist das bei Euch auch so??).
      Nein, das ist bei mir nicht so. Menschen sind mir wichtiger als Arbeit. Generell bin ich der Meinung, dass Arbeit in unserer Gesellschaft überbewertet wird, also einen zu hohen Stellenwert einnimmt. Leistungsgesellschaft eben.

      Abgesehen davon denke ich nicht, dass es etwas mit AS oder Nicht-AS zu tun hat, sondern mit der Persönlichkeit. Es gibt auch Nichtautisten, die Arbeit wichtiger finden als Menschen.
    • Kpax wrote:

      Ich überlege jetzt, eine Art Zitate-Sammlung zu machen, die ich ggfs. den Menschen aus Freunden und Familie (viele sind das nicht) zeigen würde, denen ich von der Diagnose ggfs. erzählen werde.


      Ich fände es sinnvoller, ihnen Texte zu geben, die mir in Bezug auf mein Erleben relevant erscheinen, statt eines allgemeinen Buches über Autismus und zu sagen "Guckt da drin, was zu mir passt."
      Diese Überlegung hatte ich auch schon, mündlich tat ich das schon bei Leuten die ich mochte, aber das war vor meiner Diagnose. Erst seit es Thematisiert wurde, während der Wartezeit auf den Termin der Diagnostik hat man mir da die Aufmerksamkeit gegeben. Und es gab einige Erkenntnismomente innerhalb meiner Wahlfamilie (Familie meines Mannes).
      Ich werde das auch umsetzten, weil ich der Meinung bin das es helfen könnte Missverständnisse zu vermeiden. Ich erwarte danach nicht das sich jmd 1 zu 1 dran hält, aber wenn nur ein wenig mehr Verständnis auf käme und an manches Bedürfnis gedacht würde erleichterte es mir dich schon einiges.
      Ich selbst wäre auch Dankbar gewesen ein Buch zu haben was denn nun die ganzen für mich unverständlichen Dinge/ Handlungen zu Bedeuten haben. Wie viele Jahre des Rätsel Ratens wären mir erspart geblieben. Und der damit verbundenen Ärger mit anderen Menschen.
      Ich würde das eher als ein auf mich Persöhnlich angepasstes Hilfsmittel betrachten mit denen andere es auch leichter mit mir haben, wenn diese es den gebrauchen möchten und genug echtes Interesse an mir als Person besteht.
      Ob ich es denn überhaupt fertig bekomme und mich überwinden kann das auch zu zeigen ist dann noch eine andere Frage.
      Dafür mus ich die Phase der Akzeptanz das ich Aspi und Adslerin bin auch erst vollend's abgeschlossen haben und wie ich damit letztendlich umgehen möchte was mein Umfeld angeht. Während der Vorbereitung und des Zusammentragen der Infos über meine Vergangenheit in meinem Umfeld bin ich auf Recht unterschiedliche Infos und Reaktionen gestoßen. Von "Du niemals" bis "ja das klingt total Sinnig"
      Zweiteres kahm eben vom dennen die mich deutlich länger und näher kannten.
    • Kpax wrote:

      Hallo,

      ich habe gerade bei einem Foren-Beitrag ein Mitglied gefragt, ob ich die Formulierung speichern und privat verwenden darf.

      Absicht: Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass die Formulierung etwas viel besser erklärt, als ich es gekonnt hätte.[...]

      Ich bin nicht so gut darin, das Erleben/ Empfinden aktiv so zu formulieren, kann es passiv aber sehr würdigen.

      Ist es allgemein erlaubt, Zitate aus dem Forum so zu nutzen?
      Ich würde jetzt nicht unbedingt das Zitat genauso zeigen, sondern mir selber aufschreiben, bezogen auf Beispiele von mir, sodas ein Rückschluss auf jemand von hier oder meiner bald Stattfindenden Selbsthiffe Gruppe nicht herzuleiten sein sollte.
      Ich kann zwar nicht verhindern das doch etwas genauso da steht wenn mir das gleiche passiert ist. Das ist Aufrgund der ähnlichen Schwierigkeiten auch nachvollziehbar und legitim.
      Würde wenn ich es aber nicht besser erklären könnte auch so machen wie Du/Sie (ich weiß nicht welche Formulierung bevorzugt wird), die betreffende Person zu fragen ob ich das benutzen darf.
      Ob es generell hier erlaubt ist würde mich auch interessieren. Würde vermuten das es so wie schon Beschrieben, machbar sein sollte.
    • Kpax wrote:

      Ich fände es sinnvoller, ihnen Texte zu geben, die mir in Bezug auf mein Erleben relevant erscheinen, statt eines allgemeinen Buches über Autismus und zu sagen "Guckt da drin, was zu mir passt."
      Ich bin der Meinung, dass die Balance dabei aber stimmen muss. So eine Diagnose bedeutet nicht, dass fortan nur die Welt um einen herum lernen und verstehen muss wie ein Autist tickt. Ich habe über die Jahre öfters Dinge gelesen wie "Bei anderen Diagnosen, wie z. B. Persönlichkeitsstörungen, kann man etwas machen, man kann therapieren, bei Autismus kann man nichts machen" oder "Ich kann es doch nicht, daher doch die Diagnose". Wenn man argumentiert, dass man doch Autist sei und daher die "NT"-Welt nicht verstehen kann, dann liegt nahe, dass es auch umgekehrt eine Gültigkeit haben sollte. Daher könnte der Nichtautist argumentieren, dass man ihm das Verständnis für Autismus auch nicht in die Wiege gelegt hat und dass es selbst auf dem Sektor der Psychiatrie in der Regel spezialisierte Fachleute sind. Ferner könnte er argumentieren, dass auch er sich entgegen seiner Natur verbiegen müsste. Also man muss trotz allem auch am Ball bleiben die Bedürfnisse der Menschen um einen herum zu verstehen. Wenn jemand dann sagt "Ich habe es 30 Jahre lang versucht, ich habe es nicht geschafft!", dann würde ich sagen: "Dann versuche es nochmal 30 Jahre!".

      Ich mag an dieser Stelle ein Zitat aus dem Buch "Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum (AS): Ein Praxisbuch" bringen: So äußerte sich Temple Grandin, selbst von Autismus betroffen und im Laufe ihrer Entwicklung zugleich eine Autismusforscherin in den USA: »Ich musste das richtige Verhalten in allen sozialen Interaktionen verstandesmäßig erlernen. Mit wachsender Erfahrung lernte ich, mich in sozialen Interaktionen geschickter zu verhalten. Mein ganzes Leben lang haben mir verständnisvolle Lehrer und Mentoren geholfen. Menschen im Autismus-Spektrum brauchen unbedingt Führer, die ihnen beibringen, wie sie im sozialen Dschungel überleben können« (Grandin 1997, 118).

      Ich würde sagen, dass es nicht zwingend andere Personen ("Führer") sein müssen, aber ich würde sagen, dass Autisten, die anderen eine Bedienungsanleitung vorlegen, selbst bereits ein Mammutwerk von Bedienungsanleitung daheim haben sollten und diese "Bibel" fleißig wie die Bienen studieren sollten.


      Kpax wrote:

      Ist es allgemein erlaubt, Zitate aus dem Forum so zu nutzen?
      Manche User sind da sehr streng und pingelig. Zum Beispiel etwas in diesem Bereich/Thread aus einem nichtöffentliche Bereich zu zitieren wäre ein Verstoß gegen die Forenregeln (siehe dazu hier: Schwarzes Brett). Jetzt könnte man natürlich sagen "Sieht und merkt doch eh keine Sau!". Aber man ist wohl auf Seite von Fairplay und Autipolitical Correctness, wenn man bei den jeweiligen Autoren anfragt. Viele sind erfahrungsgemäß Pro-Auti-Aufklärung gesinnt und sicherlich zur Förderung bereit. Give it a go! :)



      Kpax wrote:

      Die Leute wissen nicht, dass mich/uns "Interaktion-Mensch" volle Kraft und Aufmerksamkeit kostet und das umschalten nicht unbewusst und automatisch geht.
      Und bei mir leider auch keine Priorität ist.
      Ich finde man sollte aber auch in Betracht ziehen, dass nicht nur die Verbiegung zum Nichtautismus an den Kräften zerrt, sondern auch die Verbiegung vom Nichtautismus zum Autismus. Ich würde auch sagen, dass im Internet mittlerweile ganz gut dokumentiert ist, dass die Interaktion Autisten unter ihresgleichen gar nicht mal so selten Bärenkräfte fordert.

      Du schreibst "Und bei mir leider auch keine Priorität ist.". Es ist wahrscheinlich auch so, dass das Ding mit der Nullpriorität auch bei anderen Menschen verbreitet ist. Damit meine ich, dass ihnen Autismus nicht die Bohne interessiert und ihre Bereitschaft sich für eine einzelne Person an einem Ort zu verbiegen im Bereich des Nullpunktes liegt. Das ist meiner Meinung zumindest dort, wo bei Autisten die Priorität beim Nullpunkt liegt, durchaus verdient und gerecht.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Kpax wrote:

      Aber ich war in dem Moment eben mit den Gedanken nicht bei Interaktion-Mensch, sondern bei Schreckliches-Geräusch.

      Kpax wrote:

      Die Leute wissen nicht, dass mich/uns "Interaktion-Mensch" volle Kraft und Aufmerksamkeit kostet und das umschalten nicht unbewusst und automatisch geht.
      Und bei mir leider auch keine Priorität ist.
      @Hyperakusis Vielleicht habe ich das in dem anderen Thread, "Sachen vor Menschen", etwas besser erklären können?

      Ich meine damit wirklich "leider".
      Nicht wie leider, sorry, ist halt so, findet Euch damit ab, sondern leider. Hm. Ich weiß nicht, wie ich es besser schreiben soll. Leider wie, es tut mir wirklich leid. Ich hätte es gerne anders:

      Also, Satz 1 im zweiten Zitat sagt, ich brauche alle meine Kraft zum Umschalten.
      Es geht nicht automatisch.
      Satz 2 soll heißen, ich habe leider nicht die Wahl, bei was ich festhänge.
      Meine "Voreinstellung", mein default ist die "Sache", nicht die Interaktion Mensch.

      Ist das bzgl. "Priorität" klarer? Es ist ein doofes Wort. Es ist nicht die Priorität des Freaks in meinem Kopf, der mich auch andere Sachen tun lässt, die schneller sind, als ich denken kann.

      @Hyperakusis Ich verstehe nicht, warum Du bei meiner Frage, ob ich hier zitieren darf, und der Überlegung, dass eine "Bedienungsanleitung" vielleicht gegen Konflikte hilft, davor warnst, dass man sich dann - wenn ich Dich richtig verstanden habe - gar nicht mehr um gegenseitiges Verständnis bemühen möchte?

      Ich habe ziemlich üble Konflikte erlebt, die alle auf der Frage beruhten "Warum sehen das alle/merken das alle, nur Du nicht? Sind wir Dir egal?". Gemeint war z.B., dass jemand blass und müde aussah und "alle es gemerkt haben" und automatisch Rücksicht genommen, nur ich nicht. Dass jemand "nicht gut drauf" oder "gestresst wirkte". Und ich es "hätte merken müssen".

      Ich habe bis jetzt niemandem erzählt, dass ich nun vielleicht den Grund kenne, warum ich das nicht erkenne.
      Niemandem, Familie, Freunden, weil ich nicht weiß wie.
      Und ich fände es einfach schön, Menschen das erklären zu können, dass das keine Absicht ist.

      Ich bin so erzogen worden, dass es daran liegt, dass ich mir "nicht genug Mühe gebe".
      "Denk doch mal nach, wie andere sich fühlen!".

      Bis vor Kurzem habe ich deshalb gedacht, ich muss lernen, immer noch schneller zu denken. Und mehr nachzudenken, was in dem anderen vorgeht, was er fühlt. Und noch schneller.
      Ich wusste nicht, dass das auch anders geht.
      Ich wollte kurzzeitig meine Therapeutin verlassen, weil ich dachte, sie hält sich für eine Art Medium, dass sie Gefühle lesen kann.
      Bis mir auffiel, dass das die Geschwindigkeit erklärt.

      Also, ja, ich brauche bessere Anleitung, jetzt, wo ich weiß, dass meine Annahme mit dem Denken falsch war.
      Aber die Bereitschaft war immer da.
      Nur hoffe ich jetzt, dass ich jetzt auch Menschen finde, die bereit sind, mir zu glauben, dass ich mir "Mühe gebe".
      Damit mir jemand glauben kann, muss ich es jemandem erklären, und dafür könnte ich zitieren, und... von vorne.
    • Nachtrag: Ich habe überlegt, warum ich vorhin so viel erklären musste/wollte.

      Vielleicht liegt es an Worten wie "Priorität" oder "Bedienungsanleitung"?
      Ich sehe die Szene in meinem Kopf, aber die könnt Ihr ja nicht sehen.

      Ich habe das Gefühl, dass ich den richtigen Umgangston nicht treffe.
      Passiert mir leider (leider, im Sinne von ich möchte es wirklich nicht, ich bedaure es) im Alltag oft, und hier anscheinend auch.

      Auch darum setze ich auf Zitate - ich kann immer hoffen, dass sie in besseren Worten ausdrücken, was ich meine.

      Wenn ich jemanden genervt oder irritiert habe, bitte ich hiermit um Entschuldigung.
    • Kpax wrote:

      Ich verstehe nicht, warum Du bei meiner Frage, ob ich hier zitieren darf, und der Überlegung, dass eine "Bedienungsanleitung" vielleicht gegen Konflikte hilft, davor warnst, dass man sich dann - wenn ich Dich richtig verstanden habe - gar nicht mehr um gegenseitiges Verständnis bemühen möchte?
      Man macht über die Jahre so seine Beobachtungen und Erfahrungen. In so einem Forum spricht man über die Dinge und gibt seine Gedanken dazu weiter. Du hattest ja auch gefragt, ob eine Bedienungsanleitung helfen würde. Dazu gab es vor einiger Zeit noch einen Medienartikel und dort hielt sich das Interesse des Umfeldes stark in Grenzen und ich fand es nicht allzu schwer zu erkennen woran das nur gelegen haben könnte. Ansonsten hattest du das mit dem Kollegen beschrieben und dessen Reaktion. Daher habe ich versucht einige Dinge zu verdeutlichen.

      Ansonsten sind manche nach der Diagnose gar nicht mal so selten frustriert, vielleicht manchmal, weil sich entgegen der Erwartungen nichts Großes tut, vielleicht manchmal, weil man enttäuscht ist, dass man trotzdem immer wieder auf Dinge hinweisen muss, man sich weiterhin nicht so richtig verstanden fühlt, aber auch manchmal vielleicht, weil das Umfeld negativ reagiert. Es muss aber nicht, es KANN.

      Zur Liste, vielleicht haben andere auch gute Erfahrungen gemacht, aber ich würde mir schon mal versuchen vorzustellen, wie es wäre, wenn das Umfeld einem eine Liste in die Hand drückt in Verbindung mit bestimmten Erwartungen. Wie immer die Reaktionen darauf auch wären, ich denke man müsste den Dingen schon auch viel Zeit geben - ganz egal ob jetzt eine "eNTe" einem Autisten eine Liste/Bedienungsanleitung/Tutorial in die Hände drückt oder umgekehrt.

      Ansonsten, auch wenn manche Stellen sich vielleicht etwas streng oder brutal lasen, so würde ich das nicht als Vorwurf oder so verstehen. Ich glaube, dass im Alltag öfters auf beiden Seiten etwas falsch läuft. Was Autisten falsch machen, ist nicht immer ganz so beliebt, aber ganz ehrlich ich glaube, dass Hilfe manchmal auch ungemütlich ist. Zu allem ja sagen, automatische, selbstverständliche und sofortige Power-Solidarität mit einem Autisten ("You'll never walk alone, Auti!"), das ist ja schon auch verbreitet und derjenige empfindet es sicherlich zunächst positiv, wenn andere ihm signalisieren, dass er im Recht sei und die Menschen da draußen furchtbar seien... aber Hilfe ist das auf die Dauer imo nicht.

      Also paar Gedanken in diesem und vorherigen Beitrag meinerseits.
      Vielleicht waren manche Gedanken gut und richtig.

      Das Leben ist kein Murmelspiel. :roll:
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    • Hyperakusis wrote:

      Also paar Gedanken in diesem und vorherigen Beitrag meinerseits.
      Vielleicht waren manche Gedanken gut und richtig.
      Bestimmt. Das glaube ich.
      Du hast die Erfahrung, ich nicht.
      Ich habe gerade mal 52 Tage Verwirrung.

      Und jetzt 24h überlegt, ob ich vielleicht in keiner der Neuro-"Welten" ein Zuhause finde, von dem aus ich mich dann der anderen nähern kann.

      Ich habe bislang noch zu niemandem das Au... -Wort gesagt. Ich "hänge" innerlich zwischen identifizierenden Begriffen, als ein Mensch, der ziemlich viel Scheiße baut, mit Sachen nicht klar kommt, die anderen nichts auszumachen scheinen, deshalb "zusammengeklappt" ist, und sich selbst und anderen sehr gerne endlich erklären können möchte warum.

      Erstmal Bedienungsanleitung "ich für mich"?
      Gucken, ob/wo ich ankomme?

      Und dazu (genehmigte) Zitate? :m(:

      (P.S.: Wenn das mit den Murmeln wichtig ist, was heißt es? So wie "Wunschkonzert"??)